Drittes Kapitel

Das Kaplanshaus lag am Flußufer und hatte einen hübschen Garten, in dem

jetzt, Ende September, die Sonnenblumen ihre breiten Samentorten reifen

ließen, die Äpfel die warme Farbe des gelb glühenden Abendhimmels

bekamen und Astern und Chrysanthemen zu knospen begannen. Fenn saß in

der Spätnachmittagssonne und freute sich der reifen Schönheit, die um

ihn war. Die Uferhügel standen fern in leichtem Dunst, und der Fluß

spiegelte den wolkenlosen Himmel, die schrägen Sonnenstrahlen machten

die Wiesen leuchten und schienen auf die Schornsteine eines weit talauf

liegenden Dorfes, daß der Rauch nicht entweichen konnte und als

silbriger, bewegungsloser Schleier über den Dächern hing. Ganz aus der

Ferne kam der breite Ton einer Automobilhuppe wie das kurze Muh eines

Rindes. Das laute, schnurrige Singen des Motors schwoll an und wieder

ab, jetzt ratterte die Maschine heran, schien langsamer zu fahren und

stoppte. Fenn hörte von seinem Platz aus, daß seine Mutter an der

Haustür mit jemand redete, dann wurde es still, und jetzt kam ein Herr

durch den Garten auf Fenn zu. Dieser ging ihm zögernd entgegen, im

Gesicht den angespannten, fragenden Ausdruck, der in die Züge tritt,

wenn man etwas Fremdartiges rasch und angestrengt enträtseln soll.

Der Unbekannte strich sich lachend den glänzendschwarzen Vollbart und

sagte: „Ja, lieber Fenn, wenn du mich mit solcher Bullenbeißermiene

empfängst, kehre ich lieber gleich wieder um.“

„Jeß Marja!“ klang es freudig erregt dawider, „der Theo!“ Na ja, der

Bart, und der unvermutete Überfall, das Automobil, das Fremdartige

überhaupt, da konnte man schon einen Augenblick mit der Stange im Nebel

fahren.

„Akkurat so hast du ausgesehen. Nun sag, kannst du mich bis morgen oder

übermorgen brauchen? Ich bin solange frei, seit Gott weiß wann mein

erster freier Augenblick – der soll dir gehören. Das heißt, wenn du mich

haben willst.“

„Mach keine lange Vorrede. Dein Bett ist gedeckt. Deine Karre laß drüben

in den Schuppen fahren, und so du einen Chauffeur hast, ist auch für ihn

gesorgt. Mit meinem alten Wöllem wird er sich ja hoffentlich vertragen.“

Als die beiden Freunde, nachdem alles besorgt war, zusammen im Garten

saßen und Mutter Kaß ihnen eine Flasche Mosel und Zigarren hingestellt

hatte, sagte Theo Schütz: „Es gibt doch noch reine Freuden im Leben,

Fenn. Solche Freude war unser Wiedersehen vorhin.“

„Ja,“ bestätigte mit leisem Lächeln Fenn Kaß. „Es muß wohl so sein. Ich

besinne mich eben, worüber ich mich in diesem Augenblick noch ebenso

stark hätte freuen können wie über dein Kommen. Und ich finde nichts.“

„Aber schön hast du’s hier. Ich glaube, ich begreife jetzt deine

Berufswahl.“

Fenn Kaß · 第 15 / 23 题