Dirne.
Da daneben .... hörst net .... das ist die Milli, die auch im Kaffeehaus
g'wesen ist.
Graf.
Da schnarcht wer.
Dirne.
Das ist schon die Milli, die schnarcht jetzt weiter 'n ganzen Tag bis um
zehn auf d' Nacht. Dann steht s' auf und geht ins Kaffeehaus.
Graf.
Das ist doch ein schauderhaftes Leben.
Dirne.
Freilich. Die Frau gift' sich auch genug. Ich bin schon um zwölfe Mittag
immer auf der Gassen.
Graf.
Was machst denn um zwölf auf der Gassen?
Dirne.
Was werd' ich denn machen? Auf den Strich geh' ich halt.
Graf.
Ah so .... natürlich .... (Steht auf, nimmt die Brieftasche heraus, legt
ihr eine Banknote auf das Nachtkastel.) Adieu!
Dirne.
Gehst schon .... Servus .... Komm bald wieder. (Legt sich auf die
Seite.)
Graf (bleibt wieder stehen).
Du, sag' einmal, dir ist schon alles egal -- was?
Dirne.
Was?
Graf.
Ich mein', dir macht's gar keine Freud' mehr.
Dirne (gähnt).
Ein' Schlaf hab' ich.
Graf.
Dir ist alles eins ob einer jung ist oder alt oder ob einer ....
Dirne.
Was fragst denn?
Graf.
.... Also (plötzlich auf etwas kommend) meiner Seel', jetzt weiß ich, an
wen du mich erinnerst, das ist ....
Dirne.
Schau i wem gleich?
Graf.
Unglaublich, unglaublich, jetzt bitt' ich dich aber sehr, red' gar
nichts, eine Minute wenigstens ... (schaut sie an) ganz dasselbe
G'sicht, ganz dasselbe G'sicht. (Er küßt sie plötzlich auf die Augen).
Dirne.
Na ....
Graf.
Meiner Seel', es ist schad', daß du .... nichts and'res bist .... Du
könnt'st ja dein Glück machen!
Dirne.
Du bist g'rad wie der Franz.
Graf.
Wer ist Franz?
Dirne.
Na der Kellner von unser'm Kaffeehaus ....
Graf.
Wieso bin ich grad' so wie der Franz?
Dirne.
Der sagt auch alleweil, ich könnt' mein Glück machen und ich soll ihn
heiraten.
Graf.
Warum tust du's nicht?
Dirne.
Ich dank' schön .... ich möcht' nicht heiraten, nein, um keinen Preis.
Später einmal vielleicht.
Graf.
Die Augen .... ganz die Augen ... Der Lulu möcht' sicher sagen, ich bin
ein Narr -- aber ich will dir noch einmal die Augen küssen .... so ....
und jetzt grüß dich Gott, jetzt geh' ich.
Dirne.
Servus ....
Graf (bei der Thür).
Du ... sag' ... wundert dich das gar nicht ...
Dirne.
Was denn?
Graf.
Daß ich nichts von dir will.
Dirne.
Es gibt viel Männer, die in der Früh nicht aufgelegt sind.
Graf.
Na ja ... (Für sich.) Zu dumm, daß ich will, sie soll sich wundern ...
Also Servus ... (Er ist bei der Thür.) Eigentlich ärger' ich mich. Ich
weiß doch, daß es solchen Frauenzimmern nur aufs Geld ankommt ... was
sag' ich -- solchen ... es ist schön ... daß sie sich wenigstens nicht
verstellt, das sollte einen eher freuen ... Du -- weißt, ich komm
nächstens wieder zu dir.
Dirne (mit geschlossenen Augen).
Gut.
Graf.
Wann bist du immer zu Haus?
Dirne.
Ich bin immer zu Haus. Brauchst nur nach der Leocadia zu fragen.
Graf.
Leokadia .... Schön -- Also grüß dich Gott. (Bei der Thür.) Ich hab'
doch noch immer den Wein im Kopf. Also das ist doch das Höchste ... ich
bin bei so einer und hab' nichts getan, als ihr die Augen geküßt, weil
sie mich an wen erinnert hat ... (Wendet sich zu ihr.) Du, Leokadie,
passiert dir das öfter, daß man so weggeht von dir?
Dirne.
Wie denn?
Graf.
So wie ich?
Dirne.
In der Früh?
Graf.
Nein .... ob schon manchmal wer bei dir war, -- und nichts von dir
wollen hat?
Dirne.
Nein, das ist mir noch nie g'scheh'n.
Graf.
Also, was meinst denn? Glaubst, du g'fallst mir nicht?
Dirne.
Warum soll ich dir denn nicht g'fallen? Bei der Nacht hab' ich dir schon
g'fallen.
Graf.
Du g'fallst mir auch jetzt.
Dirne.
Aber bei der Nacht hab' ich dir besser g'fallen.
Graf.
Warum glaubst du das?
Dirne.
Na, was fragst denn so dumm?
Graf.
Bei der Nacht ... ja, sag', bin ich denn nicht gleich am Divan
hing'fallen?
Dirne.
Na freilich ... mit mir zusammen.
Graf.
Mit dir?
Dirne.
Ja, weißt denn du das nimmer?
Graf.
Ich hab' ..... wir sind zusammen ...... ja ....
Dirne.
Aber gleich bist eing'schlafen.
Graf.
Gleich bin ich ... So ... Also so war das!...
Dirne.
Ja, Bubi. Du mußt aber ein' ordentlichen Rausch g'habt haben, daß dich
nimmer erinnerst.
Graf.
So ... -- Und doch .... es ist eine entfernte Ähnlichkeit ... Servus ...
(Lauscht.) Was ist denn los?
Dirne.
Das Stubenmäd'l ist schon auf. Geh', gib ihr was beim Hinausgeh'n. Das
Tor ist auch offen, ersparst den Hausmeister.
Graf.
Ja. (Im Vorzimmer.) Also ... Es wär' doch schön gewesen, wenn ich sie
nur auf die Augen geküßt hätt'. Das wäre beinahe ein Abenteuer gewesen
... Es war mir halt nicht bestimmt. (Das Stubenmädel steht da, öffnet
die Thür.) Ah -- da haben S' ... Gute Nacht. --
Stubenmädchen.
_Guten Morgen._
Graf.
Ja freilich ... guten Morgen ... guten Morgen.