Nein, die Augen --

Der Gatte.

Wie hat er denn geheißen?

Das süße Mädel.

Nein, schau mich nicht so an, ich bitt' dich.

Der Gatte (umfängt sie. Langer, heißer Kuß).

Das süße Mädel (schüttelt sich, will aufstehen).

Der Gatte.

Warum gehst du fort von mir?

Das süße Mädel.

Es wird Zeit zum Z'haus'geh'n.

Der Gatte.

Später.

Das süße Mädel.

Nein, ich muß wirklich schon zuhaus' gehen. Was glaubst denn, was die

Mutter sagen wird.

Der Gatte.

Du wohnst bei deiner Mutter?

Das süße Mädel.

Natürlich wohn' ich bei meiner Mutter. Was hast denn geglaubt?

Der Gatte.

So -- bei der Mutter. Wohnst du allein mit ihr?

Das süße Mädel.

Ja freilich allein! Fünf sind wir! Zwei Buben und noch zwei Mädeln.

Der Gatte.

So setz' dich doch nicht so weit fort von mir. Bist du die älteste?

Das süße Mädel.

Nein, ich bin die zweite. Zuerst kommt die Kathi; die ist im G'schäft,

in einer Blumenhandlung, dann komm' ich.

Der Gatte.

Wo bist du?

Das süße Mädel.

Na ich bin z'haus'.

Der Gatte.

Immer?

Das süße Mädel.

Es muß doch eine z'haus' sein.

Der Gatte.

Freilich. Ja, -- und was sagst du denn eigentlich deiner Mutter, wenn du

-- so spät nach Haus' kommst?

Das süße Mädel.

Das ist ja so eine Seltenheit.

Der Gatte.

Also heut' zum Beispiel. Deine Mutter fragt dich doch?

Das süße Mädel.

Natürlich fragt s' mich. Da kann ich Obacht geben so viel ich will --

wenn ich nach Haus' komm', wacht s' auf.

Der Gatte.

Also was sagst du ihr da?

Das süße Mädel.

Na, im Theater werd' ich halt gewesen sein.

Der Gatte.

Und glaubt sie das?

Das süße Mädel.

Na, warum soll s' mir denn nicht glauben? Ich geh' ja oft ins Theater.

Erst am Sonntag war ich in der Oper mit meiner Freundin und ihrem

Bräutigam und mein' älter'n Bruder.

Der Gatte.

Woher habt ihr denn da die Karten?

Das süße Mädel.

Aber, mein Bruder ist ja Friseur.

Der Gatte.

Ja, die Friseure ...... ah, wahrscheinlich Theaterfriseur.

Das süße Mädel.

Was fragst mich denn so aus?

Der Gatte.

Es interessiert mich halt. Und was ist denn der andere Bruder?

Das süße Mädel.

Der geht noch in die Schul'. Der will ein Lehrer werden. Nein .... so

'was!

Der Gatte.

Und dann hast du noch eine kleine Schwester?

Das süße Mädel.

Ja, die ist noch ein Fratz, aber auf die muß man schon heut' so

aufpassen. Hast du denn eine Idee, wie die Mädeln in der Schule

verdorben werden! Was glaubst! Neulich hab' ich sie bei einem Rendezvous

erwischt.

Der Gatte.

Was?

Das süße Mädel.

Ja! mit einem Buben von der Schul vis-à-vis ist sie Abends um halber

acht in der Strozzigasse spazieren gegangen. So ein Fratz!

Der Gatte.

Und, was hast du da gemacht?

Das süße Mädel.

Na, Schläg' hat s' kriegt!

Der Gatte.

So streng bist du?

Das süße Mädel.

Na, wer soll's denn sein? Die ältere ist im G'schäft, die Mutter tut

nichts als raunzen; -- kommt immer alles auf mich.

Der Gatte.

Herrgott, bist du lieb! (Küßt sie und wird zärtlicher.) Du erinnerst

mich auch an wen.

Das süße Mädel.

So -- an wen denn?

Der Gatte.

An keine bestimmte .... an die Zeit .... na, halt an meine Jugend. Geh,

trink', mein Kind!

Das süße Mädel.

Ja, wie alt bist du denn?.... Du .... ja ... ich weiß ja nicht einmal,

wie du heißt.

Der Gatte.

Karl.

Das süße Mädel.

Ist's möglich! Karl heißt du?

Der Gatte.

Er hat auch Karl geheißen?

Das süße Mädel.

Nein, das ist aber schon das reine Wunder ... das ist ja -- nein die

Augen .... Das G'schau .... (schüttelt den Kopf).

Der Gatte.

Und wer _er_ war -- hast du mir noch immer nicht gesagt.

Das süße Mädel.

Ein schlechter Mensch ist er gewesen -- das ist g'wiß, sonst hätt' er

mich nicht sitzen lassen.

Der Gatte.

Hast ihn sehr gern g'habt?

Das süße Mädel.

Freilich hab' ich ihn gern g'habt!

Der Gatte.

Ich weiß, was er war, Lieutenant.

Das süße Mädel.

Nein, bei Militär war er nicht. Sie haben ihn nicht genommen. Sein Vater

hat ein Haus in der .... aber was brauchst du das zu wissen?

Der Gatte (küßt sie).

Du hast eigentlich graue Augen, anfangs hab' ich gemeint sie sind

schwarz.

Das süße Mädel.

Na sind s' dir vielleicht nicht schön genug?

Der Gatte (küßt ihre Augen).

Das süße Mädel.

Nein nein -- das vertrag' ich schon gar nicht .... oh bitt' dich -- oh

Gott .... nein, laß mich aufsteh'n .... nur für einen Moment -- bitt'

dich.

Der Gatte (immer zärtlicher).

Oh nein.

Das süße Mädel.

Aber ich bitt' dich, Karl ....

Der Gatte.

Wie alt bist du? -- achtzehn, was?

Das süße Mädel.

Neunzehn vorbei.

Der Gatte.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 55 / 87 题