Was denn? --

Die junge Frau.

Nun, -- von diesen Geschöpfen.

Der Gatte.

Was fällt dir denn ein?

Die junge Frau.

Schau, ich hab' dich schon früher, weißt du, ganz im Anfang hab' ich

dich immer gebeten, du sollst mir aus deiner Jugend 'was erzählen.

Der Gatte.

Warum interessiert dich denn das?

Die junge Frau.

Bist du denn nicht mein Mann? Und ist das nicht geradezu eine

Ungerechtigkeit, daß ich von deiner Vergangenheit eigentlich gar nichts

weiß? --

Der Gatte.

Du wirst mich doch nicht für so geschmacklos halten, daß ich -- Genug,

Emma ...... das ist ja wie eine Entweihung.

Die junge Frau.

Und doch hast du .... wer weiß wie viel andere Frauen gerade so in den

Armen gehalten, wie jetzt mich.

Der Gatte.

Sag' doch nicht »Frauen«. Frau bist du.

Die junge Frau.

Aber eine Frage _mußt_ du mir beantworten ... sonst .... sonst ....

ist's nichts mit den Flitterwochen.

Der Gatte.

Du hast eine Art, zu reden .... denk' doch, daß du Mutter bist .... daß

unser Mäderl da drin liegt ...

Die junge Frau (an ihn sich schmiegend).

Aber ich möcht' auch einen Buben.

Der Gatte.

Emma!

Die junge Frau.

Geh', sei nicht so ... freilich bin ich deine Frau .... aber ich möchte

auch ein bissel .... deine Geliebte sein.

Der Gatte.

Möchtest du?....

Die junge Frau.

Also -- zuerst meine Frage.

Der Gatte (gefügig).

Nun?

Die junge Frau.

War .... eine verheiratete Frau -- unter ihnen?

Der Gatte.

Wieso? -- wie meinst du das?

Die junge Frau.

Du weißt schon.

Der Gatte (leicht beunruhigt).

Wie kommst du auf diese Frage?

Die junge Frau.

Ich möchte wissen, ob es .... das heißt -- es gibt solche Frauen ....

das weiß ich. Aber ob du ...

Der Gatte (ernst).

Kennst du eine solche Frau?

Die junge Frau.

Ja, ich weiß das selber nicht.

Der Gatte.

Ist unter deinen Freundinen vielleicht eine solche Frau?

Die junge Frau.

Ja wie kann ich das mit Bestimmtheit behaupten -- oder verneinen?

Der Gatte.

Hat dir vielleicht einmal eine deiner Freundinen .... Man spricht über

gar manches, wenn man so -- die Frauen unter sich -- hat dir eine

gestanden --?

Die junge Frau (unsicher).

Nein.

Der Gatte.

Hast du bei irgend einer deiner Freundinen den Verdacht, daß sie ....

Die junge Frau.

Verdacht ..... oh ..... Verdacht.

Der Gatte.

Es scheint.

Die junge Frau.

Gewiß nicht Karl, sicher nicht. Wenn ich mir's so überlege -- ich trau'

es doch keiner zu.

Der Gatte.

Keiner?

Die junge Frau.

Von meinen Freundinen keiner.

Der Gatte.

Versprich mir etwas, Emma.

Die junge Frau.

Nun.

Der Gatte.

Daß du nie mit einer Frau verkehren wirst, bei der du auch den leisesten

Verdacht hast, daß sie ...... kein ganz tadelloses Leben führt.

Die junge Frau.

Das muß ich dir erst versprechen?

Der Gatte.

Ich weiß ja, daß du den Verkehr mit solchen Frauen nicht suchen wirst.

Aber der Zufall könnte es fügen, daß du ..... Ja, es ist sogar sehr

häufig, daß gerade solche Frauen, deren Ruf nicht der beste ist, die

Gesellschaft von anständigen Frauen suchen, teils um sich ein Relief zu

geben, teils aus einem gewissen .... wie soll ich sagen ..... aus einem

gewissen Heimweh nach der Tugend.

Die junge Frau.

So.

Der Gatte.

Ja. Ich glaube, daß das sehr richtig ist, was ich da gesagt habe.

Heimweh nach der Tugend. Denn, daß diese Frauen alle eigentlich sehr

unglücklich sind, das kannst du mir glauben.

Die junge Frau.

Warum?

Der Gatte.

Du fragst, Emma? -- Wie kannst du denn nur fragen? -- Stell' dir doch

vor, was diese Frauen für eine Existenz führen! Voll Lüge, Tücke,

Gemeinheit und voll Gefahren.

Die junge Frau.

Ja freilich. Da hast du schon Recht.

Der Gatte.

Wahrhaftig -- sie bezahlen das bischen Glück ..... das bischen .....

Die junge Frau.

Vergnügen.

Der Gatte.

Warum Vergnügen? Wie kommst du darauf, das Vergnügen zu nennen?

Die junge Frau.

Nun, -- etwas muß es doch sein --! Sonst täten sie's ja nicht.

Der Gatte.

Nichts ist es ..... ein Rausch.

Die junge Frau (nachdenklich).

Ein Rausch.

Der Gatte.

Nein, es ist nicht einmal ein Rausch. Wie immer -- teuer bezahlt, das

ist gewiß!

Die junge Frau.

Also ..... du hast das einmal mitgemacht -- nicht wahr?

Der Gatte.

Ja, Emma. -- Es ist meine traurigste Erinnerung.

Die junge Frau.

Wer ist's? Sag'! Kenn' ich sie?

Der Gatte.

Was fällt dir denn ein?

Die junge Frau.

Ist's lange her? War es sehr lang, bevor du mich geheiratet hast?

Der Gatte.

Frag' nicht. Ich bitt' dich, frag' nicht.

Die junge Frau.

Aber Karl!

Der Gatte.

Sie ist tot.

Die junge Frau.

Im Ernst?

Der Gatte.

Ja ..... es klingt fast lächerlich, aber ich habe die Empfindung, daß

alle diese Frauen jung sterben.

Die junge Frau.

Hast du sie sehr geliebt?

Der Gatte.

Lügnerinnen liebt man nicht.

Die junge Frau.

Also warum ....

Der Gatte.

Ein Rausch ....

Die junge Frau.

Also doch?

Der Gatte.

Sprich nicht mehr davon ich bitt' dich. Alles das ist lang vorbei.

Geliebt hab' ich nur eine -- das bist du. Man liebt nur, wo Reinheit und

Wahrheit ist.

Die junge Frau.

Karl!

Der Gatte.

Oh, wie sicher, wie wohl fühlt man sich in solchen Armen. Warum hab' ich

dich nicht schon als Kind gekannt? Ich glaube, dann hätt' ich andere

Frauen überhaupt nicht angesehen.

Die junge Frau.

Karl!

Der Gatte.

Und schön bist du!.... schön!.... Oh komm' .... (Er löscht das Licht

aus).

* * * * *

Die junge Frau.

Weißt du, woran ich heute denken muß?

Der Gatte.

Woran, mein Schatz?

Die junge Frau.

An .... an .... an Venedig.

Der Gatte.

Die erste Nacht ....

Die junge Frau.

Ja .... so ....

Der Gatte.

Was denn --? So sag's doch!

Die junge Frau.

So lieb hast du mich heut'.

Der Gatte.

Ja, so lieb.

Die junge Frau.

Ah .... Wenn du immer ....

Der Gatte (in ihren Armen).

Wie?

Die junge Frau.

Mein Karl!

Der Gatte.

Was meintest du? Wenn ich immer ....

Die junge Frau.

Nun ja.

Der Gatte.

Nun, was wär' denn, wenn ich immer ...?

Die junge Frau.

Dann wüßt' ich eben immer, daß du mich lieb hast.

Der Gatte.

Ja. Du mußt es aber auch so wissen. Man ist nicht immer der liebende

Mann, man muß auch zuweilen hinaus ins feindliche Leben, muß kämpfen und

streben! Das vergiß nie, mein Kind! Alles hat seine Zeit in der Ehe --

das ist eben das Schöne. Es gibt nicht viele, die sich noch nach fünf

Jahren an -- ihr Venedig erinnern.

Die junge Frau.

Freilich!

Der Gatte.

Und jetzt .... gute Nacht, mein Kind.

Die junge Frau.

Gute Nacht!

Reigen: Zehn Dialoge · 第 49 / 87 题