Der Gatte.
Hätten wir gleich die erste bis zum Ende durchgekostet, hätte ich mich
von Anfang an meiner Leidenschaft für dich willenlos hingegeben, es wäre
uns gegangen wie den Millionen von anderen Liebespaaren. Wir wären
fertig miteinander.
Die junge Frau.
Ah .... so meinst du das?
Der Gatte.
Glaube mir -- Emma -- in den ersten Tagen unserer Ehe hatte ich Angst,
daß es so kommen würde.
Die junge Frau.
Ich auch.
Der Gatte.
Siehst du? Hab' ich nicht recht gehabt? Darum ist es gut, immer wieder
für einige Zeit nur in guter Freundschaft miteinander hinzuleben.
Die junge Frau.
Ach so.
Der Gatte.
Und so kommt es, daß wir immer wieder neue Flitterwochen miteinander
durchleben können, da ich es nie drauf ankommen lasse, die
Flitterwochen ....
Die junge Frau.
Zu Monaten auszudehnen.
Der Gatte.
Richtig.
Die junge Frau.
Und jetzt ...... scheint also wieder eine Freundschaftsperiode
abgelaufen zu sein --?
Der Gatte (sie zärtlich an sich drückend).
Es dürfte so sein.
Die junge Frau.
Wenn es aber .... bei mir anders wäre.
Der Gatte.
Es ist bei dir nicht anders. Du bist ja das klügste und entzückendste
Wesen, das es gibt. Ich bin sehr glücklich, daß ich dich gefunden habe.
Die junge Frau.
Das ist aber nett, wie du den Hof machen kannst -- von Zeit zu Zeit.
Der Gatte (hat sich auch zu Bett begeben).
Für einen Mann, der sich ein bischen in der Welt umgesehen hat -- geh',
leg den Kopf an meine Schulter -- der sich in der Welt umgesehen hat,
bedeutet die Ehe eigentlich etwas viel geheimnisvolleres als für euch
junge Mädchen aus guter Familie. Ihr tretet uns rein und .... wenigstens
bis zu einem gewissen Grad unwissend entgegen, und darum habt ihr
eigentlich einen viel klareren Blick für das Wesen der Liebe als wir.
Die junge Frau (lachend).
Oh!
Der Gatte.
Gewiß. Denn wir sind ganz verwirrt und unsicher geworden durch die
vielfachen Erlebnisse, die wir notgedrungen vor der Ehe durchzumachen
haben. Ihr hört ja viel und wißt zu viel und lest ja wohl eigentlich
auch zu viel, aber einen rechten Begriff von dem, was wir Männer in der
Tat erleben, habt ihr ja doch nicht. Uns wird das, was man so gemeinhin
die Liebe nennt, recht gründlich widerwärtig gemacht; denn was sind das
schließlich für Geschöpfe, auf die wir angewiesen sind!
Die junge Frau.
Ja, was sind das für Geschöpfe?
Der Gatte (küßt sie auf die Stirn).
Sei froh, mein Kind, daß du nie einen Einblick in diese Verhältnisse
erhalten hast. Es sind übrigens meist recht bedauernswerte Wesen --
werfen wir keinen Stein auf sie.
Die junge Frau.
Bitt' dich -- dieses Mitleid -- Das kommt mir da gar nicht recht
angebracht vor.
Der Gatte (mit schöner Milde).
Sie verdienen es. Ihr, die ihr junge Mädchen aus guter Familie wart, die
ruhig unter Obhut euerer Eltern auf den Ehrenmann warten konntet, der
euch zur Ehe begehrt; -- ihr kennt ja das Elend nicht, das die meisten
von diesen armen Geschöpfen der Sünde in die Arme treibt.
Die junge Frau.
So verkaufen sich denn alle?
Der Gatte.
Das möchte ich nicht sagen. Ich mein' ja auch nicht nur das materielle
Elend. Aber es gibt auch -- ich möchte sagen -- ein sittliches Elend;
eine mangelhafte Auffassung für das, was erlaubt, und insbesondere für
das, was edel ist.
Die junge Frau.
Aber warum sind die zu bedauern? -- Denen geht's ja ganz gut?
Der Gatte.
Du hast sonderbare Ansichten, mein Kind. Du darfst nicht vergessen, daß
solche Wesen von Natur aus bestimmt sind, immer tiefer und tiefer zu
fallen. Da gibt es kein Aufhalten.
Die junge Frau (sich an ihn schmiegend).
Offenbar fällt es sich ganz angenehm.
Der Gatte (peinlich berührt).
Wie kannst du so reden, Emma. Ich denke doch, daß es gerade für euch,
anständige Frauen, nichts Widerwärtigeres geben kann, als alle
diejenigen, die es nicht sind.
Die junge Frau.
Freilich, Karl, freilich. Ich hab's ja auch nur so gesagt. Geh', erzähl'
weiter. Es ist so nett, wenn du so red'st. Erzähl' mir 'was.
Der Gatte.