Grünwedel herles im Kracher? Forstwärter hier im Wald?
2. Herles im Steinhäufle schefft 2. Hier in der Stadt ist der
der Kolb krillisch und der Pfarrer evangelisch und der
Kritsch wonisch. Schultheiß katholisch.
3. Hauret herles das G'fahr 3. Ist hier das Dorf evangelisch [65.72]
krillisch oder wonisch? oder katholisch? Nein, Juden
Nobis, Kaime schefften sind darin.
herlem.
4. Herlem im Gefahr schefft ein 4. Hier im Dorf ist ein strenger
lenker Schuker; Buz und Gendarm; der Polizeidiener
Scharle hauret aber dof. und der Schultheiß sind aber
gut.
5. _Diberei_: Schmus', Kaffer, 5. _Gespräch_: Sag, Mann, bist du [65.73]
hauerst begerisch? Nobis, krank? Nein, Frau. Hungrig?
Moss. Bikerich? Nobis. Nein. Durstig? Nein.
Schwächerich? Nobis. Schläfrig? Nein. Betrunken?
Durmerich? Nobis. Geschwächt? Nein, Frau. Ist es dir
Nobis, Moss. Schefft's dir schlecht? Nein. Zum Übergeben
schofel? Nobis. Gielerich? schlecht (übel)? Nein. Gut?
Nobis. Dof? Kenn, Moss. Ja, Weib.
6. Moss, was sicherst? Ich 6. Frau, was kochst du (da)? Ich [65.74]
sichere Hegesle mit koche »Knöpfle« (»Spätzle«)
Stupfelbossert und pflanz' mit Igelfleisch und mache
ein Blättling. (dazu) einen Salat.
7. Der Sore scheft in dem 7. Die Sache ist in dem
vermuften Ruchekittle. verwahrlosten Bauernhäuschen.
8. _Lenzerei_: Model, lenz' die 8. _Fragerei_: Mädchen, frag' die [65.75]
Rucheulme, was herles der Bauersleute, was hier der
Ruch schefft? Kenn, Patris. Bauer ist? Ja, Vater. —
— Ulme, hauret der Kaffer Leute, ist der Mann
wonisch? Nobis, Model. katholisch? Nein, Mädchen.
Krillisch? Kenn. Schefft er Evangelisch? Ja. Ist er dumm?
niesich? Nobis. Nillich? Nein. Verrückt?[2284] Nein.
Nobis. Schofel? Nobis. Arm? Nein. Vergantet (im
Vermufft? Nobis. Grandich? Konkurs)? Nein. Reich? Ja.
Kenn. Haurets ein Ist's ein Hexenmeister? Nein.
Finkelkaffer? Nobis. Ein Zauberer? Nein. Ein
Kasperer? Nobis. »Stundenmann« (Methodist)?
Blibelkaffer? Kenn. Schefft's Ja. Ist es ein hungriger oder
ein bikerischer oder lenker böser Mann? Nein, ein guter.
Benk? Nobis, ein dofer. Ist er hier vom Dorfe? Ja.
Schefft er herles vom Gefahr? Gibt er schlecht (beim
Kenn. Stekt er lenk? Nobis, Betteln)? Nein, Mädchen. Gut?
Model. Dof? Kenn. — Ja. — Es ist gut, Mädchen,
Schefftet dof, Model, schupf höre auf und gehe fort. Ja,
dich auf und bost' schiebes. Vater.
Kenn, Patris.
9. Warum glemst unterkünftig das 9. Warum weint da unten das böse [65.76]
Gefle so grandig? Den Malfes (kleine) Kind so sehr? Den
hats verfunkt am Hitzling. Rock hat's verbrannt am Ofen.
Jetzt schefft's bauserich, 's Jetzt fürchtet es (wörtl.:
bestiebt Guffes. ist es ängstlich), es bekomme
Hiebe.
10. Oberkünftig herles in der 10. Oben hier in dem großen
grandiche Ruchekitt schefft Bauernhaus ist ein
ein Nille. Der hauret link. geistesgestörter Mensch. Der
Spann', da linzt er zum ist (sehr) böse. Sieh', hier
Feneter am Stenkert. Kenn, schaut er zum Fenster am
ich bost' schiebes. Stall heraus. Ja, ich gehe
fort.
11. Fiesel, — dibert der 11. Kamerad, — sagt der
Schurespflanzer — heut' Bürstenbinder — heute Nacht
Leile bostemer in Stupfling; gehen wir auf den Igelfang;
mei' Keiluf scheft ein dofer mein Hund ist ein guter
Stupfelkib, aber link auf d' Igelhund, aber bös auf die
Schmaler und Langohren. Ich Katzen und Hasen. Ich nehme
schniff' ein Rande und Stenz einen Sack und einen Stock
mit, vielleicht bestiebemer mit, vielleicht bekommen wir
ein Schmaler und spannet eine Katze und sehen Kraut
Groenert zum Schniffen. zum Stehlen.
12. Bostet, bostet, herles im 12. Kommt, kommt, hier im
Kober schefft ein dofer Wirtshaus ist ein freigebiger
Freier, der pfreimt grandich Fremder, der bezahlt viel zum
z'schwächet. Trinken.
13. Schwäch' Grabegautschert, 13. Trink' Most, Freund, hier im
Benges, herles im Nolle Krug ist (er), und im Glas
hauret, und im Glansert ist Branntwein. Trink' fest,
schefft Gefinkelter. Schwäch' bis du umfällst. — Nein, ich
grandig, bis d' umbohlst. — bekomme keinen Rausch,
Lore, ich bestieb' kein Kamerad, falle nicht und
Dambes, Benk, bohl' nobis und übergebe (breche) mich (auch)
giel' nobis. nicht.
14. Linz', Kaffer, herles im 14. Schau', Mann, hier im [65.77]
Dofes schefft mei' Patris Gefängnis sitzt mein Vater
zwei Frösch wegen zwei Monate wegen Enten- und
Lachepatscher und Stenzel Hühnerstehlens ab.
schniffe.
15. Jetzt schwäch' ich Blamb und 15. Jetzt trink' ich Bier und
bik' Räsling. Schwächst du esse Käse. Trinkst du nichts,
nobis, Benges? — Kenn, ich Kamerad? — Ja, ich trinke
schwäch' Johle und kahl' Wein und esse Wurst. Meine
Rundling. Mei' Moss schwächt Frau trinkt Kaffee.
Süssling.
16. Schon Leile, und mei' Kaffer 16. Schon Nacht, und mein Mann
schefft nobis herles. Ich ist (noch) nicht hier. Ich
baus' mir herlem in der fürchte mich hier in der
grandigen Schaffel — schmust großen Scheune — sagt die
die jenisch' Moss —, ich fahrende Frau —, ich gehe
boste und beschrenk'. und schließe zu.
17. So, Galme, — dibert die 17. So, Kinder, — sagt die
Mamere — ist Schnall und Mutter — habt ihr (eigtl.:
Bolle' buttet und Gleis ist) die Suppe und die
geschwächt? — Kenn, Mamere. Kartoffeln gegessen und Milch
— Dann bostet in Sauft und getrunken? — Ja, Mutter. —
schlaunet. Dann geht zu (ins) Bett und
schlaft.
18. Fiesel, linz', herles bostet 18. Kamerad, schau, hier kommt
ein Kaffer aus dem ein Mann aus dem Bauerndorf
Rucheg'fahr mit einem mit einem großen Hund an der
grandigen Kib an der Schlang Leine und (einem) Regenschirm
und Pflotscher in de' in der Hand. Es regnet doch
Griffling. Es flösslet doch nicht? — Nein, es ist ein
nobis? — Nobis, 's hauret Herr, kein Bauer, ich sehe es
ein Sins, kein Ruch, ich an dem feinen Anzug und (den)
spann's an der dofe Kluft und Stiefeln. — Ja, es ist ein
Tritt. — Kenn, 's schefft Herr, schau seinen schönen
ein Sins, spann' sein dofer Hut auf dem Kopfe, die
Oberman auf 'em Kiebes, die Uhrkette und (die) Uhr in der
Gluperschlang und Gluper im Tasche. — Regnen wird's
Rande. — Flössle wird's heute bei Tage nicht, es hat
heut' nobis am Schei, es hat heute Nacht viel (stark)
heut' Leile grandig geregnet. Sieh', der Herr
g'flesslet. Linz' der Sins lacht, er merkt es, daß wir
schmollt, er gneist's, dass von ihm und (dem) Hunde
wir von ihm und Keiluf sprechen. Komm', wir gehen
schmuset. Pfich', wir fort. — Ja, wir gehen.
schefften schiebes. — Kenn,
wir pfichet.
19. Patris, — dibert der Galm — 19. Vater, — sagt das Kind —
ruedlemer in das Mochumle, wo fahren wir in das Dörfchen,
wir am grandigen Fluhte wo wir am großen Wasser
halten mit dem Rädling, und halten mit dem Wagen, und
sicheren? In der Schaffel vom kochen (da)? Übernachten
Scharle fehten? — Kenn, — (wir) in der Scheune vom
schmust die Mamere — das Schultheiß? — Ja, — sagt
Gefahr hauret's, wo neben der die Mutter — dieses Dorf ist
Fehte der Trabertkober es, wo neben der Herberge die
schefft mit der dof Beizere Rößleswirtschaft ist mit der
und Beizer mit dem grandigen guten Wirtin und (dem) Wirt
Muffer, wo wir vor'm Jahne so mit der großen Nase, wo wir
grandich Sore verbaschten. — voriges Jahr so viel Ware
Schwächet und buttemer heut' verkauften. — Trinken und
Leile nobis in der Beiz? — essen wir heute Abend nichts
lenzt der Kaffer seine Moss. in der Wirtschaft? — fragt
— Nobis, nobis, — schmust der Mann sein Weib. — Nein,
die Moss — kein Boschert nein, — sagt die Frau —
Lobe schefft herles. kein Pfennig Geld ist (dafür)
da.
20. Schupf' dich auf und sei 20. Sei ruhig und gescheit und [65.78]
kochem und stämpf' nicht so schimpfe nicht so viel,
grandich, Fiesel. — Nobis, Freund. — Nein, ich bin
ich schupf' mich lore, ich nicht still, ich habe einen
schefft' grandich stumpfich großen Zorn (eigtl.: bin sehr
auf den bikerichen Beizer zornig) auf den geizigen Wirt
herles und schmusem's noch. hier und sage es ihm noch.
Der Beizer schefft ein Der Wirt ist ein böser
Linkfiesel, der kemeret nobis Mensch, der kauft keine
keine Stiebe und Schottle. Bürsten und keine Körbe. Die
Die Beizerin hauret nobis so Wirtin ist nicht so schlecht.
schofel. — Kenn, das schefft — Ja, das ist ein braves
ein g'want's Mössle. — Weibchen. — Schweig still,
Schupfte, schefft' nobis sei nicht dumm. Schau, der
nillich. Spann, der Koberer Wirt sieht ganz zornig (aus).
linzt massig. Fiesel, er Kamerad, er merkt unser
gneist die lenke Diberei. — schimpfendes Gespräch. — Ich
Ich kahl' und schwäch' nobis esse und trinke nichts mehr
mehr herles. Pfich', wir hier. Komm, wir bezahlen den
zeinet den Beizer und Wirt und gehen fort. — Ja,
schefften schiebes. — Kenn, Kamerad.
Fiesel.
21. Linz', in dem Mochem, wo man 21. Schau, in dem Dorfe, das man
spannt, schefft ein g'wanter (da) sieht, ist ein braver
Plauderer. Der stekt dof Schulmeister. Der gibt gut zu
z'biket und z'schwächet und essen und zu trinken und
kemeret grandich Sore. kauft viel Ware.
22. Herles in dem Gefahr 22. Hier in dem Dorfe sind
schefften schofle Ruchen, da schlechte Bauern, da bekommt
bestiebtmer nobis zu dalfen. man nichts beim Betteln.
23. Schefft Schnall nobis 23. Ist die Suppe nicht kalt, ist [65.79]
bibrisch, hauretse auch dof sie auch gut geschmalzen und
geschmunkt und gesprunkt? gesalzen?
24. _Stiepenpflanzer_: Ulme, 24. _Bürstenbinder_: Leute,
schwächet grandicher Blamb trinket (lieber) mehr Bier
und Grabegautschert als und Most anstatt zu
dibere. Beizer, ich schwäch' schwätzen. Wirt, ich trinke
ein Stielingsjohle. Schwächet einen Birnenmost. Trinket
auf, Ulme! Benges, Käffer, aus, Leute! Burschen, Männer,
schwächet grandiger trinkt mehr Branntwein und
Gefinkelter und niklet! tanzt. Weiber, Mädchen,
Mossen, Modle, schwächet trinkt Wein und singt!
Johle und schallet!
_Model_ (nikelt und schallt): _Mädchen_ (tanzt und singt):
»Und a' jenische Model »Und ein fahrendes Mädchen
Schnifft a' jenischer Fiesel« Nimmt sich einen fahrenden
Burschen«
— — — — — — — — — — — — — —
_Koberer_: Lore, Ulme, herles _Wirt_: Nichts, Leute, hier wird
wird nobis g'schallet. nicht gesungen.
_Beizere_: Model, schupf dich _Wirtin_: Mädchen, höre auf!
auf!
_Jenischer Benk_: Und nobis _Fahrender Bursche_: Und (darf
nikle? man auch) nicht tanzen?
_Beizer_: Nobis, nobis! _Wirt_: Nein, nein!
25. _Dächlespflanzerulme._ 25. _Schirmflickersleute._
_Dächlespflanzer_: Moss, _Schirmflicker_: Weib, (es)
schefft Leile, pfich' ist Abend, geh' fort, (um
schiebes Fehte linze. Galme, nach einer) Herberge (zu)
schupfetich, bis Mamere vom sehen. Kinder, seid ruhig,
Fehte linzen bostet herles im bis (die) Mutter zurückkommt
Heges. — von dem Suchen (eigtl. Sehen)
(nach) einer Herberge hier in
dem Dörfchen. —
Patris, linz', die Mamere pficht. Vater, schau', die Mutter kommt.
— —
Kenn, schniffet den Rädling, Ja, nehmt den Wagen, Kinder, und
Galme, und bostet. gehet.
_Dächlespflanzerin_: Kaffer, die _Schirmflickerin_: Mann, die
Fehteulme hauret nobis Herbergsleute sind nicht da
herles, aber's Glied hat (zu Hause), aber der Sohn hat
gefehtet. — uns das Übernachten erlaubt.
—
Wo schlaunetmer, Moss, im Wo schlafen wir, Weib, im Stall
Stenkert oder Schaffel? Wo oder (in der) Scheune? Wo ist
schefft Fehte? — Spann', die Herberge? — Schau, hier
herles das Schaffelle die kleine Scheune ist es. —
hauret's. — Galme, pflanzet Kinder, macht (die) Scheune
Schaffel auf und schefftet auf und geht fort zum
schiebes zum Dalfen. Moss, Betteln. Weib, mach' das
pflanz' den Sauft. — Linz', Bett. — Sieh', Mann, die
Kaffer, die Galme bosten vom Kinder kommen vom Betteln,
Derchen, und heiles pficht und hier kommt (auch) der
der Fehtekaffer. Dibere mit Hauswirt. Sprich mit dem
dem Hegel. — Kenn, Moss. — Einfaltspinsel. — Ja, Frau.
—
Moss, ich haure begerisch. Der Weib, ich bin krank. Der Hauswirt [65.80]
Fehtekaffer schmust, es sagt, es stehe schlecht (mit
scheffte schofel. mir).
_Moss_: Kaffer, ich bestieb' _Frau_: Mann, ich bekomme Angst;
Bauser; boste in Begerkitt gehe in (das) Krankenhaus
oder zum Begersins. — Nobis, oder zum Doktor. — Nein,
nobis, nur nobis in nein, nur nicht ins Spital.
Begerkitt. — Kenn, 's ist — Ja, es ist besser, Mann,
döfer, Kaffer, du buttest du ißt hier (die) Kartoffeln
herles Schundbolle mit mit Butter und Rahm. Ich esse
Schmunk und Gleisschund. Ich Brot und trinke Milch; dann
bik' Lehm und schwäch' Gleis; gehen wir in (unsere) Betten.
dann pfichet mir in
Sauftlinge.
_Model_: Mamere, ich hab' nobis _Mädchen_: Mutter ich habe nichts
g'buttet bestiebt und hab' zu essen bekommen und habe
grandig Puttlak. Dog' mir (sehr) großen Hunger
Schofellechem oder Bolle und (Heißhunger). Gib mir
abg'schunde Gleis. Schwarzbrot oder Kartoffeln
und abgerahmte Milch.
_Mamere_: Kenn, kenn, herles _Mutter_: Ja, ja, hier nimm den
schniff' den Gleisnolle mit Milchhafen mit (dem) Löffel
Schnabel und Bolleschottel. und (die) Kartoffelschüssel.
_Patris_: Moss, bukle die Stratze _Vater_: Frau, bringe die Kinder
in Sauft. _Galme_ (glemsen zu Bette. _(Die) Kinder_
und schmusen): Bostet heut' (weinen und sagen): Kommt
Leile nobis a' Schuberle? heute Nacht (auch) kein
Gespenst?
_Patris_ (stumpfich): _Vater_ (zornig): Seid still,
Schupfetich, Galme, oder der Kinder, oder der Teufel soll
Koele mussich bukele. (muß) euch holen.
_Moss_: Schupfte, Kaffer, mit dem _Frau_: Hör' auf, Mann, mit dem
lenken Gedieber oder ich wüsten Gerede oder ich
bestieb' ein Stumpf. Galme, bekomme einen Zorn. Kinder,
bliblet z'Leile und betet zur Nacht und schlaft.
schlaunet.
_Kaffer_: Durmet die Schrawiner? _Mann_: Schlafen die Kinder? [65.81]
_Moss_: Kenn. — _Frau_: Ja. —
_Kaffer_: Dann schniff' _Mann_: Dann nimm (ein) Zündholz
Funkspreisle und funk' herles und zünde hier das Licht an
den Schein an und linz' nach und sieh nach Läusen im Rock
Keneme im Malfes und und (in den) Strümpfen. Ich
Streifling. Ich linz' im schaue im Hemd und (in der)
Hanfert und Buxen. Es näpft Hose (nach). Es beißt mich so
mich grandig, seit der sehr, seit der Wagen (mit)
Rädling Schwelemer herles Zigeuner(n) bei uns gewesen
gehauret und ein Schei und einen Tag mit (uns)
mitgerudelt ist. Moss, ich gefahren ist. Weib, ich
linz' und linz' und bestieb' schaue und schaue und bekomme
nobis und spann' nobis kei' und sehe keine Laus.
Kenem.
_Moss_: Kaffer, soll der Fiesel _Frau_: Mann, soll der Junge
nobis aufs Kohl in Stupfling nicht fortgehen und so tun,
bosten und Bommerling, als wolle er Igel fangen und
Stieling und Blauhanse (statt dessen) Äpfel, Birnen
schniffe? und Zwetschgen stehlen?
_Kaffer_: Ich schmoll', der _Mann_: Ich muß lachen, der
Hegellauti … Ich boste am närrische Kerl … Ich gehe
Schei und schniff Säftling, am Tage (selbst) und stehle
Bloling und Scharrisele und Trauben, Pflaumen und
bukles' im Buxe- und Kirschen und trage sie in
Malfesrande. (meiner) Hosen- und
Rocktasche (heim).
_Moss_: Schupfte, Kaffer, ich _Frau_: Sei still, Mann, ich sehe
spann' ein Schein. Linz', ein Licht. Schau, hier kommen
herles pfichet Ulme! Leute!
_Kaffer_: Kenn, 's hauret das _Mann_: Ja, es ist der bankrotte
vermufft' Fehtekäfferle und kleine Hauswirt und (die)
Fehtemoss. Sie bosten in Hausfrau (= Quartiersfrau).
Horbogestenkert. Sie gehen in den Kuhstall.
_Moss_: Kenn, linz', sie _Frau_: Ja, schau, sie sind
schefften im Stenkert. (schon) im Stall. Mann, …
Fiesel, … der Ruch pflanzt der Bauer macht einen wüsten
ein linker Giel. Mund.
_Kaffer_: Kenn, der Fehtekaffer _Mann_: Ja, der Hauswirt ist
schefft stumpfich, er hauret zornig, er ist in Konkurs
vermufft vor grandich Bommen. geraten wegen großer
Schulden.
_Moss_: Vergondert hauret er? _Frau_: Im Konkurs ist er? Jetzt
Jetzt gneiss' ich den verstehe ich seinen großen
grandigen Rochus. Zorn.
_Kaffer_: Kenn, g'schnifft und _Mann_: Ja, (weg)genommen und
verkemeret hat der verkauft hat der
Schoffeleischure ein Gerichtsvollzieher ein
Groenikel, Trabert und Schwein, (ein) Pferd und
Hornikel, und die Horboge (einen) Ochsen, und die Kühe
hauret am Kaim. gehören dem Juden.
_Moss_: Das schefft schofel, _Frau_: Das ist traurig, Mann. [65.82]
Benges. Linz', die Moss Schau, die Frau geht vom
bostet vom Stenkert zur Stall in die Scheune und holt
Schaffel und schnifft Kupfer. Heu.
_Kaffer_: Nobis, sie pficht _Mann_: Nein, sie kommt hierher
herles und bukelt Rauschert und trägt Stroh in (den)
in Stenkert. Stall.
_Pflotscherpflanzerin_: Dofe _Schirmflickerin_: Guten Abend,
Leile, Fehtemoss, noch nobis Hausfrau, noch nicht im (zu)
im Sauft? — Nobis, noch Bett? — Nein, noch nicht.
nobis. Durmeter noch nobis? Schlaft ihr noch nicht? Ich
Ich pfich' heut' Ratte lore komme heute Nacht nicht ins
in Sauft, wir bestieben ein Bett, wir bekommen ein junges
Horbögle. Herles hauret ein Kalb. Hier ist ein Hund.
Kib. Napft er nobis? — Beißt er nicht? — Nein,
Nobis, Fehtemoss. — Das Hausfrau. — Das ist gut.
schefft dof. Dofe Leile, Goi, Gute Nacht, Frau, schlaft
schlaunet dof! — Dofe Leile, gut! — Gute Nacht, Hausfrau,
Fehtemoss, pflanzet's dof! macht's gut!
_Moss_: Spannst nobis, Kaffer, _Frau_: Siehst du nichts, Mann,
herles bostet ein grandiger da läuft eine große Katze.
Schmaler.
_Kaffer_: Das schefft g'want, _Mann_: Das ist gut, Weib, gib
Moss, dog' mir mein Sprate, mir meinen Stock, dann (will
dann deisen, und Scharfling, ich sie) totschlagen, und
dann dupfen. mein Messer, dann (will ich
sie) stechen.
_Moss_: Nobis, Fiesel, _Frau_: Nein, Mann, Katzenfleisch
Schmalerbossert bik' ich und esse und koche ich nicht.
sichere nobis.
_Kaffer_: Was muft herles so _Mann_: Was riecht hier so
schofel? schlecht?
_Moss_: Spann', der Schein _Frau_: Schau, das Licht ist es,
hauret's, er bostet schiebes, es geht aus, jetzt gehen wir
jetzt pfichet mir in Sauft, (auch) zu (ins) Bett, Mann.
Kaffer. — —
Die Leile ist schiebes, es Die Nacht ist vorbei, es ist Tag.
schefft Schei. Wo hauret Wo sind meine Kleider? Guten
meine Klufterei? Dofer Schei, Morgen, Mann. Gib mir meinen
Kaffer! Stek' mir mein Malfes Rock und (meine) Schuhe zum
und Trittling zum Ankluften, Anziehen, ich gehe hausieren.
ich boste schenzieren. Dog' Gib mir Wasser zum Waschen
mir Fluhte zum Pfladeren und und Haarmachen. — Kinder tut
Straubertspflanzen. — Galme, (eigtl.: werft) (die) Betten
bohlet Säuftling in Rädling, in (den) Wagen (und) macht
pflanzet den Rauschert das Stroh weg. —
schiebes. —
Moss, pfich' schenzieren und Weib, geh' hausieren und verkaufe [65.83]
vergrem' grandig. — viel. —
Kenn, kenn, Kaffer, aber ich Ja, ja, Mann, aber ich sehe es
spann's, in dem krillischen (schon), in diesem
Heges verkemere ich nobis lutherischen Dorfe verkaufe
grandig. Doge mir mein ich nicht viel. Gib mir
Dächlesrande, Kaffer, und meinem Schirmsack, Mann, und
pflanzte Sore, dann scheffte (die) gemachte Ware, dann
schiebes. — gehe (ich) fort. —
Galme, pflanzet Strauberts, Kinder, macht (euch) die Haare,
pfladert eure schondiche wascht (euch) eure
Griffling und Kiebes. schmutzigen Hände und (das)
Schnifft Spraus zum Sicheren. Gesicht. Nehmt Holz (mit) zum
Linzet, herles scheft ein Kochen. Seht, hier ist ein
g'wantes Schurele, schönes Brett(chen), stehlet
z'schoret's. — Kenn, Patris. es. — Ja, Vater. —
—
Pflanzet den Kib vom Rädling und Macht den Hund vom Wagen (los)
Schaffel auf! Fiesel, boste und (die) Scheune auf! Junge,
Bolle und Schmunk dalfen. Die gehe fort, (um) Kartoffeln
Mamere dercht Gleis und Lehm. und Schmalz (zu) betteln. Die
Model, schniff herles den Mutter bettelt Milch und
Staubertrande und pfich' zur Brot. Mädchen, nimm hier den
Rolle und derch' Staubert zu Mehlsack und gehe zur Mühle
Hegesle pflanzen. Der Roller und bettle um Mehl zum
schefft g'want und stekt dof. Spätzlemachen. Der Müller ist
Ich schniff' dofen Fluhte zum brav und gibt gut. Ich nehme
Süsling sichere und ruedle frisches Wasser (mit) zum
vor's Gefahr und pflanz' den Kaffeekochen und fahre vor's
Funk. — Dorf hinaus und brenne das
Feuer an. —
Fiesel, pfichst? — Junge, kommst du? —
Kenn, Patris. — Ja, Vater. —
Schmunk und Bolle bestiebt? — (Hast du) Schmalz und Kartoffeln
Kenn. — bekommen? — Ja. —
Patris, linz', die Mamere und Vater, schau', die Mutter und
Model bosten. — (das) Mädchen kommen. —
Verkemeret nobis, kein Boschert, Verkauft (habe ich) nichts, (für)
Kaffer; aber grandig z'dalfet keinen Pfennig, Mann; aber
bestiebt und ein g'wanter viel zu betteln (habe ich)
Bogeiepflotschert ein'bascht, bekommen und einen noch guten
spann'! — Fischbeinschirm eingehandelt,
schau! —
Kenn, die Bogeie schefften dof Ja, die Fischbeine sind gut zum [65.84]
zum verkitschen, da derche Verkaufen, da(für) verlange
ich grandig. — ich viel. —
Model, herles hauret Bich. Boste Mädchen, hier ist Geld. Gehe zum
zum Lehmschupfer und grem' Bäcker und kaufe für zehn
für a' Schafnas' Kechelte zum Pfennige Wecken zum Kaffee.
Süsling. Dem Patris pflanze Dem Vater mache (ich)
Schmunkbolle. — Bratkartoffeln. —
Patris, linz', 's pficht ein Vater, sieh, es kommt ein
Schuker! — Gendarm! —
Nobis, Fiesel, 's schefft ein Nein, Junge, es ist ein
Grünwedel. Linze die dof Latt Forstwart. Schau (nur) den
und Klass. — schönen Hirschfänger und
(das) Gewehr. —
Moss, spann, die Model buklet ein Weib, sieh (nur), das Mädchen
Brandling. Die Model schefft bringt einen Kuchen. Das
wie a' Finkelmoss und hauret Mädchen ist wie eine Hexe und
eine g'wante Derchere. — (ist) eine tüchtige
Bettlerin. —
Wo bestiebt, Model? In der Wo (hast du das) bekommen,
Schupferei 'dalft? — Mädchen? (Hast du es) in der
Bäckerei gebettelt? —
Kenn, Patris. — Ja, Vater. —
Es schefft gesichert. Galme, Es ist gekocht. Kinder, Mann,
Kaffer, bostet zum Bicken. kommt zum Essen! Werft nichts
Bohlet nobis um! Herles um! Hier sind (die) Löffel,
hauret Schnäbel, Kaffeetassen und Milchhafen.
Süslingschottle und Esset! —
Gleisnolle. Achilt! —
Dog' mir ein Stichling, Moss. Ich Gib mir eine Gabel, Weib. Ich
pfich' und butte meine gehe und esse meine
Schmunkbolle unter dem gebratenen Kartoffeln unter
Stöber. — diesem Baum. —
Kenn, Kaffer, herles schefft Ja, Mann, hier ist deine Gabel.
deine Furschet. — —
Doge mir Spronkert, Fiesel, die Gib mir Salz, Junge, die
Bolle hauret nobis dof Kartoffeln sind nicht genug
g'sprunkt. Wie hauret's, (eigtl.: nicht gut) gesalzen.
Galme, bostet ihr nobis zur Wie steht es, Kinder, geht
Plauderei? — ihr nicht zur Schule? —
Nobis, Patris, der Plauderer und Nein, Vater, der Lehrer und (der)
Kolb schefften schiebes in's Pfarrer sind fort in die
Steinhäufle und pfichet in Stadt und gehen in die schöne
die dof Duft. — Kirche. —
Patris, Mamere, linzet herles Vater, Mutter, sehet, da kommt
bostet ein Rädling ein Wagen (mit) Zigeuner(n).
Schmelemer! Nobis, es — Nein, es sind »jenische
schefften jenische Ulme, Leute«, Korbmacher oder
Schottlepflanzer oder Schirmmacher. —
Dächlespflanzer. —
Lore, 's hauret Ulme, wo kasperet Nein, es sind Leute die zaubern, [65.85]
oder Dercherulme. — oder Bettelleute. —
Nobis, nobis, Schurespflanzer Nein, nein, Bürstenbinder sind
hauret's. — es. —
Kenn, aber ich gneise's nobis. — Ja, aber ich kenne sie nicht. —
Pflanzet den Funk aus! Die Sore Macht das Feuer aus! Packt
in Rädling bohlt! Patris und (eigtl.: werft) die Ware in
Fiesel, schniffet den Rädling den Wagen. Vater und Junge,
in Griffling, und nehmt den Wagen in die Hand,
abgeruadelt! Pfich', Model, und (dann) abgefahren! Komm,
wir bosten. Mädchen, wir laufen.
Patris, bostet mir ins dofe Vater, gehen wir in die schöne
Steinhäufle, wo der grandich Stadt, wo der König ist? —
Sins schefft? —
Kenn, Fiesel. — Ja, Kind. —
Gremst wieder Trabertbossert beim Kaufst (du da) wieder
Trabertkafler, Patris? — Der Pferdefleisch beim
Mass vor'm Jahne ist dof Roßmetzger, Vater. Das
g'hauret. — Fleisch voriges Jahr ist gut
gewesen. —
Nobis Fiesel, wir kemeret, ein Nein, Junge, wir kaufen ein
Kible. Kibenbossert hauret Hündchen. Hundefleisch ist
döfer. — besser. —
Kaffer, wenn's nobis flösslet, Mann, wenn's nicht regnet,
pflanzet mir Blatt unter dem übernachten wir am Sonntag im
grandichen Krächerstöber in Freien unter dem großen
dem wonischen Ruchegefahr Nußbaum in dem katholischen
über'n Weisling. Rauschert Bauerndorf. Stroh bekommen
bestiebet mir. Wenn's nobis wir (schon). Wenn's (nur)
ein Flösselschei schefft! — kein Regentag wird! —
Kenn, Moss, und sicheret eine Ja, Weib, und (dann) kochen wir
Hegesleschnall, Groenert und eine »Spätzles«suppe, Kraut
Groenikelbossert. — und Schweinefleisch. —
Lore, Kaffer, Bolleblättling und Nein, Mann, Kartoffelsalat und
Stupfelmass. Igelfleisch.
26. Stichler, — dibert der 26. Schneider, — sagt der
Schmelemer — schefftet so Zigeuner — seid so gut und
dof und pflanzet diese macht mir diese schlechte
schofle Buxe. Ich bereim' ein (zerrissene) Hose. Ich
Flächsle. — bezahle (dafür) eine Mark. —
Nobis, nobis, — schmust der Nein, nein, — sagt der Schneider [65.86]
Stichler — ich pflanz' die — ich flicke (eigtl.: mache)
schundich' Buxe nobis. Ich diese schmutzige Hose nicht.
will lore Kenemer. Ich will keine Läuse
(bekommen).
27. _Ruch_ (butschet ein 27. _Bauer_ (fragt ein
jenischen Galmen): Wo »jenisches« Kind): Woher seid
haureter schureles?[2285] — ihr? —
Dibert des Schrawiners _Patris_: (Es) sagt des Kindes _Vater_:
Schmus' nobis, Galm! — Sag' (es) nicht, Kind! —
_Galm_: Von Schmusdernobishausen _Kind_: Von »Sag' - dir's - nicht
am Niesebach. — - hausen« am Narrenbach. —
_Ruch_: Wo hauret's? — _Bauer_: Wo liegt (denn) das?
_Galm_: Bei Nobisgneis am _Kind_: Bei »Ich - weiß - (es) -
Nilleberg aufs Kohl und nicht« am Dummkopfberg, und
Blauangestrichen[2286]. alles ist recht erlogen.
28. Pflanz', doge mir ein 28. Mach', gib mir ein
Funkerle zum Toberich Streichholz zum Anzünden der
anfunken. — Pfeife. —
Herles, meine Dämpfete funkt, Hier, meine Zigarre brennt, nimm
schniffse zum anfunken. sie zum Anzünden.
29. Herles, Galme, schefft der 29. Hier Kinder, sitzt (ist) der
Patris ein' Schei im Kittle Vater einen Tag im Arrest
wegen Hamore und Stenzerei. wegen Händel und Schlägerei.
30. Linz, Moss, herlem in der Lek 30. Sieh, Frau, hier im Gefängnis
schefft mein Glied ein Jahne sitzt (ist) mein Bruder ein
wegen Dupfen und Schnellen. Jahr (lang) wegen Stechens
und Schießens.
31. Herles im Gefahr scheffte 31. Hier im Dorf wurde (ich)
gestrupft wegen Derchen und bestraft wegen Bettelns und
link Schenzieren. Mein Kaffer unerlaubten Hausierens. Mein
stämpft und pflanzt Hamore Mann schimpft und fängt
mit Buz und Scharle. Streit an (eigtl.: macht
Streit) mit dem Polizeidiener
und dem Schultheiß.
32. Spann', die grandich Kitt 32. Schau, das große Haus hier! [65.87]
herles! — Kenn, Gneistse — Ja. Kennst du es nicht? —
lore? — Nobis. — Die Nein. — Das Zuchthaus ist
Schoffelkitt schefft's. es.
33. _Derchermoss_: Hauret so dof, 33. _Bettelweib_: Seid so gut,
Lehmschupfer, und dogt mir Bäcker, und gebt mir (etwas)
dofen Lehm oder Gleiskechelte Weißbrot oder Milchbrötchen
für mein Gälmle zum für mein Kindlein, um eine
Gleisschnälle sicheren. Milchsuppe zu kochen.
_Lehmschupfer_: Nobis, nobis, für _Bäckermeister_: Nein, nein,
Dercherulme wird lore 'dogt. Bettelleuten wird nichts
gegeben.
34. Mir schefft's gielerich vor 34. Mir ist (es) schlecht vom
grandig Grabegautschert vielen Apfelmost-Trinken,
schwächen und lore biken. — ohne etwas (dazu) gegessen zu
Herles, schwäche Fluhte. — haben (wörtlich: »und nichts
Nobis. essen«). — Hier, trinke
Wasser. — Nein.
35. Mei' Kluper schefft schofel. 35. Meine Uhr ist entzwei. Ich
Ich pfich' schiebes zum gehe fort zum Uhrmacher. —
Genglespflanzer.
[Fußnote 2283: ([1] auf S. 65.71) Schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 3)
habe ich erwähnt, daß die »Sprachproben« — aus dort näher angegebenen
Gründen — nicht unwesentlich gekürzt worden sind. Sie umfaßten
ursprünglich 46 Nummern, die auf 35 reduziert werden konnten; außerdem
wurden aber auch noch _innerhalb_ einzelner Nummern (s. bes. in Nr. 25)
mehrfache Streichungen vorgenommen. Bei der Übersetzung der jenischen
Gespräche ins Deutsche habe ich grundsätzlich soweit wie möglich den
_Wittichschen_ Wortlaut beibehalten und nur hier und da einzelne Stellen
in eine etwas flüssigere Form gebracht. Der jenische Text stellt sich
als wichtige Ergänzung zu dem »Wörterbuch« dar, nicht nur durch die
Verwendung mancher dort ursprünglich fehlender (und erst von mir mit dem
Zusatz »Spr.« hinzugefügter) Vokabeln, sondern namentlich auch insofern,
als wir erst hier erfahren, wie die einzelnen Wörter in einer konkreten
Satzverbindung gebraucht zu werden pflegen. Während z. B. im Wörterbuch
über das _Geschlecht der Hauptwörter_ nur ganz ausnahmsweise etwas zu
entnehmen ist, erscheinen sie hier regelmäßig in Verbindung
mit dem (bestimmten oder unbestimmten) Artikel, also unter
Geschlechtsbezeichnung. Diese aber weicht in zahlreichen Fällen von der
in unserer Gemeinsprache üblichen ab (vgl. z. B. _der_ Galm = _das_
Kind, _der_ Funk = _das_ Feuer, _der_ Flu[h]te = _das_ Wasser [vgl.
_die_ Flut], _der_ Stichling = _die_ Gabel [aber — in Übereinstimmg.
mit dem Deutsch. u. Französ. — _die_ Furschet], _die_ Model = _das_
Mädchen, _die_ Kitt = _das_ Haus usw.). Zuweilen scheint auch der
Sprachgebrauch zu schwanken. So findet sich z. B. in Nr. 7 _der_ Sore =
_die_ Sache (in Übereinstimmg. u. a. mit dem _W.-B. des Konst. Hans_
[254]), während an einer anderen Stelle (Nr. 26) das Wort als _femin._
gebraucht wird (_pflanzte Sore_ = die gemachte Ware), was auch in der
_neueren_ Gaunersprache der Fall ist (vgl. z. B. [Griechisch: Ô]
[Griechisch: S] in Z. V, 429 u. _Rabben_ 124). In einzelnen Fällen ist
aber _kein_ Artikel gesetzt worden, während wir nach dem deutschen Text
einen solchen erwarten würden, so z. B. in Nr. 23 (_Schefft Schnall
nobis bibrisch?_ = Ist _die_ Suppe nicht kalt?); Nr. 25 (_Wo schefft
Fehte?_ = Wo ist _die_ Herberge?; … _pflanzet Schaffel auf_ = …
macht _die_ Scheune auf; _bohlet Säuftling in Rädling_ = tut [eigtl.
werft] _die_ Betten in den Wagen; … _pflanzet Strauberts_ = … macht
[euch] _die_ Haare), namentlich auch dann, wenn schon ein _anderes_,
_mit_ (dem bestimmten od. unbestimmten) Artikel versehenes Hauptwort
_voran_gestellt worden; vgl. z. B. Nr. 11 (_Ich schniff' ein Rande und
Stenz_ = Ich nehme einen Sack und _einen_ Stock mit); Nr. 19 (_mit der
dof Beizere und Beizer_ … = … mit der guten Wirtin und _dem_ Wirt
…); Nr. 25 (_Linze die dof Latt und Klass_ = Schau [nur] den schönen
Hirschfänger und _das_ Gewehr).
Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — _Grammatik_ und _Syntax_ sich auch
beim Gebrauch des »Jenischen« grundsätzlich den allgemeinen Regeln
unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die
zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser
Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.
I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten
beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete
Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:
1. daß »des Nachdrucks halber _Verneinungen doppelt_ (ja dreifach)
gesetzt werden können, _ohne einander_ aufzuheben« (_Polle-Weise_, Wie
denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl.
Näh. noch bei _R. Hildebrand_, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.).
_Beispiele_: in Nr. 20 (… _der kemeret nobis keine Stiebe_ … = …
der kauft keine Bürsten …) u. Nr. 25 (… _ich spann' nobis kei Kenem_
= … ich sehe keine Laus);
2. die Verwechselung des _Dativs_ u. _Akkusativs_ bei den _persönlichen
Fürwörtern_ (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt).
_Beispiel_: in Nr. 16 (_Ich baus' mir_ = ich fürchte mich).
II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die _Mundarten_
namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:
1. der Gebrauch des _Nominativs statt_ des _Akkusativs_ bei
Hauptwörtern. Während sich für den _umgekehrten_ Fall (also Gebrauch des
Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter »ein« Nr. I: das ist ein_en_
gut_en_ Mann) m. Wiss. in _Wittichs_ Jenisch kein Beispiel findet,
enthält es für die _zuerst_ genannte Besonderheit — außer einigen
unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel _ein_ ev. auch als
Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere
_zweifelsfreie_, so z. B. Nr. 11 (… _vielleicht bestiebemer ein
Schmaler_ = … vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (… _spann'
sein dofer Oberman_ = … schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (… _ich
schwäch' ein Stielingsjohle_ = … ich trinke einen Birnenmost; …
_schwächt … Gefinkelter_ = … trinket … Branntwein), Nr. 25 (…
_ich bestieb' ein Stumpf_ = … ich bekomme einen Zorn; … _der Ruch
pflanzt ein linker Giel_ = … der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.;
2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. _wo_ statt des Relativpronomens
_welcher_ (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp.
828 (unter »wo«, lit. c). _Beispiele_: Nr. 21 (… _in dem Mochem, wo
man spannt_ = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (… _Ulme, wo
kasperet_ = Leute, die zaubern).
III. _Zum Teil_ gleichfalls auf die _Mundarten_ beschränkt, _zum Teil_
aber auch _allgemein_ volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur
_neben_ den schriftdeutschen Formen auftretende) _Veränderungen_
(namentlich _Kürzungen_) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1)
_des_ (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) _Artikels_; s. Nr. 11
(_d' Schmaler_ = die Katzen); Nr. 18 (_in de' Griffling_ = in der Hand;
_auf'em Kiebes_ = auf dem Kopfe); Nr. 19 (_vor'm Jahne_ = vor einem
Jahre); Nr. 25 (_s' Glied_ = der Sohn; _in's Steinhäufle_ = in die
Stadt); bes. aber (betr. a' = _ein_ [einer, eine]; vgl. dazu _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 1 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578):
Nr. 24 _a' jenisches Model_; _a' jenischer Fiesel_); Nr. 25 (_a'
Schuberle_; _a' Schafnas'_; _a' Finkelmoss_); 2) des _adj. Zahlpronomens
kein_ (-ner, -ne) = _kei'_ (vgl. dazu _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
310); s. Nr. 25 (_kei' Kenem_ = keine Laus); 3) _des besitzanzeigenden
Fürworts mein_ (-ner, -ne) = _mei'_; s. z. B. Nr. 11 (_mei' Keiluf_);
Nr. 14 (_mei' Patris_); Nr. 15 (_mei' Moss_); Nr. 35 (_mei' Kluper_); 4)
_der persönlichen Fürwörter_ in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B.
a) _du_ = d'; s. z. B. Nr. 13 (_bis d' umbohlst_ = bis du umfällst); b)
_dir_ = _der_; s. Nr. 27 (_Schmusder nobis_ = sag' dir['s] nicht); c)
_dich_ = _te_ in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden)
Imperativform _schupfte_ (für: schupf dich) = hör' auf (schweig' still);
d) _ihm_ = (e)m; s. Nr. 20 (_ich schmusem's_ = ich sage es ihm); e)
_sie_ (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (_hauretse_ …? = ist sie
…?); Nr. 25 (_ich … bukles'_ = ich trage sie); Nr. 28 (_schniffse_ =
nimm sie); Nr. 32 (_gneistse lore_ …?); f) _es_ (Nom. u. Akkus.) = 's;
s. Nr. 8, 9, 18 (_s' schefft_ od. _s' hauret ein Sins_ = es ist ein
Herr; _ich spann's_ = ich sehe es; _er gneist's_ = er merkt es); Nr. 19,
25 (_s' hauret_ = es ist) u. a. m.; g) _man_ = _mer_ (vgl. dazu _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 382 unter »mer«, Nr. 1; _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1433 unter »man«; auch _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
1642 unter »mir«, lit. c); s. Nr. 22 (… _da bestiebtmer nobis_ = …
da bekommt man nichts); h) _wir_ = _mer_ oder (etwas seltener) _mir_
(vgl. _v. Schmid_, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. S. 533 unter
»wir«; _Fischer_, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter »man« a. E.; _Schmeller_,
a. a. O. I, Sp. 1641 unter »mir«, lit. b); _Beispiele_: [Griechisch: a])
für _mer_: Nr. 11 (_bostemer_ = gehen wir; _bestiebemer_ = bekommen
wir); Nr. 19 (_ruedlemer_ …? = fahren wir …?; _buttemer_ …? =
essen wir …?); Nr. 25 (_Wo schlaunetmer_ = Wo schlafen wir?) u. a. m.;
[Griechisch: b]) für _mir_: Nr. 25 (_Dann [Jetzt] pfichet mir in
Sauft[linge]_ = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; _bostet mir_ = gehen
wir; _pflanzet mir Blatt_ = übernachten wir im Freien; _bestiebet mir_ =
bekommen wir); i) _ihr_ = _er_; s. Nr. 25 (_durmeter noch nobis?_ =
schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (_haureter?_ = seid ihr?); k) _euch_ =
_ich_; s. Nr. 25 (_schupfetich_ = seid still; _der Koele mussich bukele_
= der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl.
Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (_hauerst begerisch?_ = bist
du krank?); Nr. 6 (_was sicherst?_ = was kochst du?); Nr. 13 (_in Nolle
hauret_ = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (_spannst nobis_ =
siehst du nichts; _dann scheffte schiebes_ = dann gehe ich fort;
_pflanze_ = mache ich) u. a. m.
IV. Auch allerlei _Abkürzungen_ durch Weglassung der _Endsilben_
(Buchstaben) _oder_ der _Anfangssilben_ — bei Haupt-, Eigenschafts-,
Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen
unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich
üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. _Beispiele_: 1) für Kürzung
durch Weglassung der _End_silbe -e (-en): a) _bei Substantiven_: Nr. 25
(_a' Schafnas'_); b) _bei Adjektiven_: u. a. Nr. 16 (_die jenisch
Moss_); Nr. 19 (_mit der dof Beizere_); Nr. 25 (_in die dof Duft_; _die
dof Latt_) usw.; c) _bei Adverbien_: Nr. 11 und öfter (_heut'_ [Leile] =
heute [Nacht]; d) _bei Verben_: hier ist dieser Sprachgebrauch für _die
erste Person Präsentis_ und _den Imperativ_ so häufig, daß er fast als
_Regel_ erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen _auch_ noch die
volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar _neben_ den kürzeren;
vgl. z. B. (für die _1. Person Präs._) Nr. 16 (_Ich boste und
beschrenk'_ = ich gehe und schließe zu) und (für den _Imperativ_) Nr. 28
(_Pflanz', doge mir ein Funkerle_ = Mach', gib mir ein Streichholz); 2)
für Kürzung durch Weglassung der _Anfangssilbe_ (ge-): bei Zeitwörtern
(Partizipien): Nr. 17 (_'buttet_ = gegessen); Nr. 25 (_ein'bascht_ =
eingekauft; _'pflanzte Sore_ = gemachte Ware; _'dalft_ = gebettelt); Nr.
33 (_'dogt_ = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g' statt ge-;
s. z. B. Nr. 24 (_g'schallet_ = gesungen); Nr. 25 (_abg'schunde Gleis_,
_g'sprunkt_, _g'hauret_ usw.).
V. Eine spezielle (wohl auch auf _mundartlichen_ Einfluß
zurückzuführende) Eigentümlichkeit des _Wittichschen_ Jenisch ist
endlich noch der Gebrauch der Endsilbe _-et_ statt des im Schriftdeutsch
üblichen _-en_ in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den _Infinitiv_,
für die _erste_ und für die _dritte Person Pluralis des Präsens_, wofür
sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im _W.-B. des Konstanzer
Hans_ (»Schmusereyen«) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch
ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 3, Anm.
4, S. 6 u. in _dieser_ Anm. oben S. 73 sowie noch weiter unten die Anm.
2284 zu den »jenischen Schnadahüpfeln«). _Beispiele_: 1) für den
_Infinitiv_: a) in _W.-B. des Konst. Hans_: 256 u. 258 (_z' malochet_ =
zu plündern; _z' holchet_ = zu laufen); 259 (_z' kahlet und z'
schwächet_ = zu essen und zu trinken); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr.
12 (_z' schwächet_ = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (_z' biket und z'
schwächet_ = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (_z' buttet_ = zu essen;
_z' dalfet_ = zu betteln); 2) _für die erste Person Plur. des Präs._: a)
im _W.-B. des Konstanzer Hans_: 256 (_Holchet mir_ …? = Kommen wir
…?); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 11 (_vielleicht bestiebemer …
und spannet_ = vielleicht bekommen wir … und sehen); Nr. 18 (_dass wir
… schmuset_ = daß wir … sprechen); ebds. (_wir pfichet_ = wir
gehen); Nr. 19 (_Schwächet und buttemer_ …? = Trinken und essen wir
…?); Nr. 20 (_Wir zeinet … und schefften schiebes_ = wir bezahlen
… und gehen fort); Nr. 25 (_wir kemeret_ = wir kaufen usw.); ebds.
([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von
_mer_ und _mir_ = _wir_ angeführt]: _Wo schlaunetmer?_; _Jetzt pfichet
mir in Sauft_; _bostet mir_; _pflanzet mir Blatt_; _bestiebet mir_); 3)
für die _dritte Person Plur. des Präs._: a) im _W.-B. des Konst. Hans_:
256 (… _den Kochem, die schiaunet_ = … den Dieben, die schlafen;
_S'e schmuset_ = sie sagen; _Jetzt schwächet s'e_ = Jetzt trinken sie);
260 (… _Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel_
= … Die Hatschier' sind für nichts, und die Herren sind gar nicht
scharf); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 4 (_Buz und Scharle hauret …
dof_ = Polizeidiener und Schultheiß sind … gut); Nr. 25 (_Durmet die
Schrawiner?_ = Schlafen die Kinder?; _herles pfichet Ulme_ = hier kommen
Leute; _die Horboge hauret am Kaim_ = die Kühe gehören dem Juden) u. a.
m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache
bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.]
[Fußnote 2284: ([2] auf S. 65.75) Nach dem Wörterbuch bedeutet
_ni(e)sich_ und _nillich_ sowohl dumm als _auch_ verrückt.]
[Fußnote 2285: ([1] auf S. 65.86) Das hier in Verbindung mit »wo« (für
»woher«) vorkommende Wort _schureles_ habe ich nicht ins
jenisch-deutsche Wörterbuch eingestellt, weil es sehr schwierig
erscheint, eine passende Verdeutschung dafür (ohne Rücksicht auf den
ganzen Satz) zu geben. (Das einfache »her« würde kaum deutlich genug
sein.) In der _schwäbischen Händlersprache in Unterdeufstetten_ (213)
ist _schurles_ für »fort!« gebräuchlich. Dahingestellt lasse ich es auch
sein, ob dieses Adverb — etwa gleich dem Zeitw. _schurele(n)_ — noch
in Verbindung mit dem — einen Aushilfscharakter an sich tragenden —
Hauptw. _Schure_ (Schurele) gebracht werden darf oder etwa anders zu
erklären ist.]
[Fußnote 2286: ([2] auf S. 65.86) Eine wörtliche Übersetzung dieser
Redensart erscheint nicht gut möglich. Ins W.-B. ist sie deshalb nicht
mit eingetragen worden.]
VIII. Jenische Schnadahüpfel.[2287]
1.
Ei, g'want sein Kocheme,
Denn sie tun nobis als schoren,
Wann sie lore Rande füllen
Und dof mit der Sore springen.
Hei ja! Viva!
Grandscharle was pflanzst du da?[2288]
[Fußnote 2287: ([1] auf S. 65.87) _Wittich_ hat hierzu in einer
Anmerkung bemerkt, daß er von einer Übersetzung dieser »Schnadahüpfel«
abgesehen habe, weil teils ihr Sinn sich leicht mit Hilfe des
jenisch-deutschen Wörterbuchs herausbringen lasse, teils dagegen (wie z.
B. bei Nr. 3) eine Wiedergabe der jenischen Unflätigkeiten im Deutschen
kaum möglich erscheine. Ich kann dem nur beistimmen. Die Gründe, weshalb
ich von diesen »Schnadahüpfeln« — trotz ihres groben Inhalts — nichts
gestrichen habe, sind in meiner »Vorbemerkung.«, S. 3, 4 angegeben
worden.]
[Fußnote 2288: ([2] auf S. 65.87) Die Nummern 1 u. 2 (bezw. 4) der
»Schnadahüpfel« stimmen (wie schon in der »Vorbemerkg.«, S. 3, Anm. 4
erwähnt) auffälligerweise dem _Inhalte_ nach _fast ganz_ und auch in der
_Form zum Teil_ noch mit »ein paar Strophen aus _Jauner-Liedern_«
überein, die sich am Schluß des »_Wörterbuchs des_ _Konstanzer Hans_«
von 1791 (bei _Kluge_, Rotw. I, S. 260) abgedruckt finden. Da mir nun
_Wittich_ auf eine Anfrage hin versicherte, daß ihm das W.-B. des
Konstanzer Hans gänzlich _unbekannt_ gewesen sei, so muß man wohl
schlechterdings annehmen, daß es sich hier um alte, bis in die Gegenwart
hinein erhaltene Überlieferungen aus der Blütezeit des deutschen
Gaunertums handelt, die bei den »jenischen Leuten« nur in der äußeren
Form einige Abänderungen erfahren haben. — Von Nr. 1 lautet (nach
_Kluge_, a. a. O.) die ältere Fassung folgendermaßen:
Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne)
Dann sia thun nichts als Schofle;
Wann sia kenne Rande fülla
Und brav mit der Sore springa.
Hei ja! Vi va!
Grandscharrle, was machst du da?
Zu _Kanofer_, das auch das _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Kanoffer_ = Dieb;
vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar
zu jüd. _chonef_ = »Heuchler, Betrüger«, _chanufa_ = »Heuchelei«
gestellt hat (vgl. dazu auch _Weigand_ im »Intelligenzblatt für die
Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch
hinzufügt, daß es »doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu _ganfen_,
stehlen« sei.]
2. [65.88]
Schicksel, was hat auch der Kochem g'schmust?
Er hat g'schmust: Wann er vom Schoren pficht,
Schefft er gleich wieder zu mir[2289].
3.
Jann mei' Bos,
Bos mei' Bos,
Pflanz' mei Bos um,
Bik' mein Schund,
Zehnthalb Pfund,
Weil der'n wohl gunnt!
4.
Model, was hat der Fiesel g'schmust,
Wo er ist 'bostet zu dir?
Er hat g'schmust, wenn er nobis eine andere bestiebt,
Bostet er gleich wieder zu mir[2289].
5.
Do' drüben auf'm Bergele
Haun i d' Derchermodel karessiert,
No' hauret ihrs Schmunkschottele,
Der Berg na' g'marschiert.
[Fußnote 2289: ([1] auf S. 65.88) Zu dieser Nummer (sowie auch zu Nr. 4)
vgl. die folgende Fassung beim »_Konstanzer Hans_«: