sind noch folgende _Zus._ gebildet (nur _am Ende_): _Loslingschlang_
(eigtl. »Ohrkette«) = Ohrring, _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =
Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Lubertschlang_
= Uhrkette. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90, 95 (_Schlangen_ = Borten, Ketten); _Pfulld. J.-W.-B._
337 (_Schlang_ = Kette; vgl. [341] das Zeitw. _schlangen_ =
anschließen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Schlange_ = Kette);
_Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schlang_ = Kette [in _Degg._ (215) dagegen:
_Schlang(e)_ = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten
_Metapher_ aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter »Schlangemer«).]
halt das Maul!, _schupf dich auf!_[983] [64.299]
Hammel, _Jerusalemsfreund_[984]; vgl. Schaf
Hand, _Fehma_[985], _Grif(f)leng_[986]
[Fußnote 983: ([16] auf S. 64.299) S. aufhören.]
[Fußnote 984: ([17] auf S. 64.299) Mit _Jerusalemsfreund_ = Schaf
(Hammel) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandich Jerusalemsfreund_ =
Schafbock u. folgende _Zus._: _Jerusalemsfreundbenk_ od.
_-schure_ = Hirt, Schäfer, _Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin,
_Jerusalemsfreundkib_ = Schäferhund, _Jerusalemsfreundschenegler_ =
Schäferknecht, _Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall,
_Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. eigtl. »Schafhaare«) = Wolle (s. d.
betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung
(die nach e. Mitteilg. _Wittichs_ bes. bei den Bürstenhändlern u.
Schirmflickern des schwäb. Dorfes _Lützenhardt_ gebräuchlich sein soll)
findet sich _weder_ in dem _verw. Quellenkreise_ _noch_ m. Wiss. sonst
im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht
herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. _Jerusalem_ für eine
bestimmte _Klee_sorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in
_Pflanzennamen_ (vgl. dazu schon _Frisch_, Teutsch-Latein. W.-B., Berl.
1741, Bd. I, S. 186; _Grimm_, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot.
III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung
_Kleebeißer_ gebräuchlich gewesen (s. z. B. _A. Hempel_ 1687 [169] u.
dann öfter; vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang
hiervon zu dem »Freund« guten Klees, dem »_Jerusalemsfreund_«, wohl
leicht gegeben.]
[Fußnote 985: ([18] auf S. 64.299) _Fehma_ = Hand (Hände) ist demnach
doch im Jenisch noch _nicht_ völlig veraltet (vgl. »Einleitung«, S. 25,
Anm. 61), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. _Fehma ste(c)ken_ =
die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. _nicht_ in Zusammensetzgn.,
während mit dem Synon. _Grif(f)ling_ (-leng) eine Reihe solcher gebildet
ist (vgl. Näh. schon unter »Daumen«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Feme_ = Hand, plur. _Fenem_
[wohl verschrieben], u. _Fehm¶a¶_ [sic] _stecken_ = die Hand geben
[wogegen _Griffling_ hier »Handschuhe« bedeutet); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256 (_Fehma_ = Hand); _Schöll_ 272 (_Feme_ = Hand); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 340 (_Fehma_ = Arm, Hand, _Fehma stecken_ = die Hand
geben); in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr._ nicht mehr
bekannt, dagegen noch im _Metzer Jenisch_ 216 (_Fēm_ = Hand). Über
weitere Belege im Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom
_nord._ Zahlwort _fem_ = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s.
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1051 (unter »Feme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]
[Fußnote 986: ([19] auf S. 64.299) S. Daumen.]
Handarbeit, _Grif(f)lengsschenagel_[987] [64.300]
Hände, die — geben, _Fehma_ od. _Grif(f)leng ste(c)ken_[988]
handeln, _verbaschen_, _vergremen_, _verkemeren_[989],
_verkitschen_[990]
Handelsbursche, _Verbascher_, _Vergremerer_[991],
_Verkemerers-Benk_[992] od. _-Fi(e)sel_[993]
Handelsfrau (-weib), _Verbaschere_, _Vergremere_, _Verkemerere_[991],
_Vergremmos(s)_[994]
Handelsmädchen, _Vergremere_[991], _Verkemeresmodel_[995]
Handelsmann, _Verkemerer_[991], _Vergremerskaffer_ od.
_Verkemerskaffer_[996]
Handgemenge, _Hamore_[997]
[Fußnote 987: ([20] auf S. 64.300) S. abschaffen.]
[Fußnote 988: ([21] auf S. 64.300) S. (betr. _ste[c]ken_) beschenken.]
[Fußnote 989: ([22] auf S. 64.300) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]
[Fußnote 990: ([23] auf S. 64.300) Das Zeitw. _verkitschen_ = handeln,
verkaufen (s. dazu die Ableitg. _Verkitscher_ = Verkäufer) findet sich
(in dem _verw. Quellenkr._) auch in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u.
Händlerspr._ (s. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 77 [_kitschen_ =
kaufen, _verkitschen_ = verkaufen]; _Schwäb. Händlerspr._ 487
[_verkitschen_ od. _vergitschen_ = verkaufen]), auch ist es — in etwas
abweichender Form (nämlich _verkitzen_ [od. _verklitschen_]) u. im etwas
_engeren_ Sinne (nämlich »erbetteltes Zeug verkaufen«) der _älteren
Kundenspr. überhaupt_ bekannt gewesen (s. _Ku._ III [429]). Zur
_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter
»verkitschen«) u. IV, Sp. 426 (unter »kitschen«) bedeutet in der schwäb.
Mundart _(ver)kitschen_ »im Kleinen (ver)handeln«, dann spezieller auch
»auf listige Art (ver)kaufen« (vgl. bei _Grimm_, D. W.-B. XII, Sp. 641:
_verkitschen_ = »auf unehrliche Weise verkaufen«) und könnte vielleicht
gedeutet werden als eine Ableitung von _Kitsch_, das u. a. für »kurzes
Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware« vorkommt. In der letzteren
Bedeutg. (»schlechte Holzware«) stimmt _Kitsch_ merkwürdig zu dem
(neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen)
Künstlerausdruck _Kitsch_ = »wertloser Schund« (s. _Fischer_, a. a. O.),
der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909),
Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. _(ver)kitschen_ entstanden
sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei _Schmeller_,
Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch »etwas für Geld anbringen, los werden,
z. B. _ein Gemälde verkitschen_«] verwiesen worden).]
[Fußnote 991: ([24] auf S. 64.300) S. abkaufen.]
[Fußnote 992: ([25] auf S. 64.300) S. (betr. _Benk_) brauchbarer
Bursche.]
[Fußnote 993: ([26] auf S. 64.300) S. Bettelbube.]
[Fußnote 994: ([27] auf S. 64.300) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
[Fußnote 995: ([28] auf S. 64.300) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]
[Fußnote 996: ([29] auf S. 64.300) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
[Fußnote 997: ([30] auf S. 64.300) S. Fehde.]
Handschuh, _Grif(f)lengstrittleng_[998] [64.301]
Handschuhmacher, _Grif(f)lingstrittpflanzer_[999]
Handwerksbursche, _Konde_ od. _Kunde_[1000]
hängen (= aufhängen, henken), _schnüren_[1001]
Harfe, _Niklengschure_ (d. h. etwa »Spielding«)[1002]
Harmonika, " " "
Harn (Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1003]
harnen, _flössle_[1003]; vgl. auch regnen
hartherzig, _lenk_, _schofel_[1004]
Hase, _Langohr_[1005]
Hasenessen, _Langohrbikus_[1006]
Haselnuß, _Jahrekrächerle_ od. _Kracherkrächerle_ (d. h. eigtl.
»Waldnuß«)[1007]
haßartig, _lenk_, _schofel_[1004]
[Fußnote 998: ([31] auf S. 64.301) S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl
auch _Grif(f)lingstritt_, wie aus der Zus. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ =
Handschuhmacher zu schließen.]
[Fußnote 999: ([32] auf S. 64.301) Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr.
_-pflanzer_ s. anbrennen.]
[Fußnote 1000: ([33] auf S. 64.301) Zu _Konde_ od. _Kunde_ (=
Handwerksbursche) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Talfkunde_ = Handwerksbursche [zugleich wohl _erster_ Beleg für
das Wort im Rotw. _überhaupt_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70
(_Kunde_ = Handwerksbursch); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Kundi_ [in
_Pfedelb._ (209): _Kunde_] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch
(nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: _wandernder_
Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. _Etymologie_ des Wortes (zu
»kennen«, also eigtl. soviel wie »der Bekannte«, als Anrede der Kunden
unter sich) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.]
[Fußnote 1001: ([34] auf S. 64.301) S. aufhängen.]
[Fußnote 1002: ([35] auf S. 64.301) S. aufspielen u. abbiegen.]
[Fußnote 1003: ([36] auf S. 64.301) S. austreten (leicht) u. (betr.
_Flu[h]te_) abbrühen.]
[Fußnote 1004: ([37] auf S. 64.301) S. arg.]
[Fußnote 1005: ([38] auf S. 64.301) Zu _Langohr_ = Hase, auch Kaninchen
(_Zus._: _Langohrbikus_ = Hasenessen) _vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Grünspreit-Langohr_ = Hase [zu
_Grünspreit_ = Feld], während _Langohr_ [ohne Zusatz] hier = Esel ist);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 = Hase [in _Pfedelb._ (210) _auch_ = Esel); s.
auch _Regensb._ Rotwelsch 490 (_Langöhrl_ = Hase). Im sonst. Rotw. tritt
_Langohr_ zunächst für den Esel auf (s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753
ff. [229], während d. Hase hier _Langfuß_ heißt, in _Körners Zus. zur
Rotw. Gramm._ v. 1755 [240] aber zwischen _gross Langohr_ = Esel u.
_klein Langohr_ [od. _Langfuß_] = Hase unterschieden ist), seit d. 19.
Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. »Hase« (s. schon _Pfister_ 1812
[301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade
zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl.
_Pott_ II, S. 23; _Günther_, Rotwelsch, S. 58; _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 985.]
[Fußnote 1006: ([39] auf S. 64.301) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
[Fußnote 1007: ([40] auf S. 64.301) Betr. _Jahre_ od. _Kracher_ = Wald
s. Ananas. — Mit _Krächerle_ = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die
_Zusammensetzgn._: _Krächerlestöber_ (i. d. Spr.: _Krächerstöber_ [wohl
versehentlich]) = Nußbaum u. _Krächerlekies_ = Nußkern. In dem _verw.
Quellenkr._ lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw.
_überhaupt_ [s. z. B. schm. _Lib. Vagat_ (54) u. dann öfter]):
_Krächling_ od. _Kracherling_. _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 97
(_Kracherling_ = Nuß, _Heckenkracherling_ = Haselnuß); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 342 (_Krächling_ = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]:
Zahn); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Krächling_ = Nuß); _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [212]: _Krächling_, in U. [214]:
_Kracherling_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. Zeitw. »krachen«) s.
_Pott_ II, S. 38; _A.-L._ 562 (unter »Kracher«); _Günther_, Rotwelsch,
S. 61; _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter »Krachling«).]
Haube, _Oberman(n)_[1008] [64.302]
hauen, _dogen_ od. _doken_[1009], _ste(c)ken_[1010], _stenzen_[1011]
Hauer (wilder Eber), _Balo_, _Groanikel_[1012]
häufig, _grandich_[1013]
Haupt, _Ki(e)bes_[1014]
Haupthaar, _Ki(e)besstrauberts_[1015]
Hauptmann, _Grandicher-Lanenger_. Mit _Lanenger_ werden alle Soldaten
(ohne Unterschied der Waffengattung) bezeichnet, Offiziere nur unter
Hinzufügung der Eigenschaftswörter _dof_ od. _grandich_, also _dofer
Lanenger_, d. h. eigtl. guter (od. besserer) Soldat, od. _grandicher
L._, d. h. großer, hoher (od. höherer) Soldat[1016]
[Fußnote 1008: ([41] auf S. 64.302) S. Fingerhut.]
[Fußnote 1009: ([42] auf S. 64.302) S. abgeben.]
[Fußnote 1010: ([43] auf S. 64.302) S. beschenken.]
[Fußnote 1011: ([44] auf S. 64.302) S. Ast.]
[Fußnote 1012: ([45] auf S. 64.302) S. Eber.]
[Fußnote 1013: ([46] auf S. 64.302) S. Adler.]
[Fußnote 1014: ([47] auf S. 64.302) S. Angesicht.]
[Fußnote 1015: ([48] auf S. 64.302) S. (betr. _Strauberts_)
Augenbrauen.]
[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d.
Anm. zu »Bischof«. — _Lanenger_ = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur.
_Lanengere_ = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar«
und »Infanterist« angeführt worden (vgl. _Wittichs_ Bemerkg. oben im
Text). — Die _Verbindg._ _grandich Lanenger_ (mit der Bedeutg. »[sehr]
viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter
»Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter
unten unter »Heer«). Als _Zusammensetzgn._ mit dem Wort erscheinen:
_Lanengeroberman(n)_ (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm,
_Lanengerlechem_, _-lehm_ oder _-maro_ (d. h. »Soldatenbrot«)
= Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),
_Lanengerbegerkitt_ (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett,
_Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, _Lanengermoss_ =
Soldatenfrau, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_ = Soldatenwirtschaft. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99
(_Laninger_ = Soldat); _Schöll_ 271 (_Launinger_); _Pfulld. J.-W.-B._
338, 339, 344 (_Laninger_ = Soldat, aber auch Bettelvogt,
_Schmirlaninger_ = Wache, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb.
Händlerspr._ 483, 486 (_Laninger_ od. _Lanenger_ = Soldat, erstere Form
[neben _Lner_] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch
sowie die (nicht sichere) _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«,
wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]
Haus, _Kitt_[1017] [64.303]
Hausfrau, _Kittmos(s)_[1018]
Hausherr, _Kittkaffer_[1019]
Haushund, _Kittkeiluf_[1020] od. _Kittkip_[1021]
hausieren (gehen), _schenzieren_ (_bosten_ od. _pfichen_) (Spr.)[1022]
[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]
[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau; vgl.
auch die Anm. zu »Hauswirt«.]
[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]
[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit _Keiluf_ = Hund, auch spezieller
Pudel, sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: a) _im Anfang_:
_Keilufkitt_ = Hundehütte, _Keilufstenkert_ = Hundestall; b) _am Ende_:
_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Bu(t)zekeiluf_ = Polizeihund. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Keluf_);
_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kohluf_); _Schöll_ 271 (ebenso): _Pfulld.
J.-W.-B._ 340 (_Gilof_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kailuf_); s. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kêluf_). Über noch weitere rotw. Belege sowie
die _Etymologie_ des Wortes (vom gleichbed. hebr. _keleb_) s. Näh. bei
_Weber-Günther_, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]
[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit _Kip_ oder (häufiger) _Kib_
(plur. _Kibe_, Dimin. _Kible_ [Spr.]), Synon. zu _Keiluf_ (daher _auch_
= Pudel), sind noch mehr _Zusammensetzgn._ gebildet als mit letzteren,
nämlich: a) _im Anfang_: _Kibe(n)bossert_ = Hundefleisch, _Kibekitt_ (=
Keilufkitt), _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Kibestenkert_ (=
Keilufstenkert), _Kibeschwächerle_ = Hundezitzen; b) _am Ende_:
_Stierer-_ od. _Stenzelkib_ (= Gachnekeiluf), _Stupfelkib_ = Igelhund
(Spr.), _Bu(t)zekib_ (= Bu(t)zekeiluf), _Jerusalemsfreundkib_ =
Schäferhund, _Flu(h)tekib_ = Seehund, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254
(_Kipp_ = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Kib_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kipp_); s.
auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). Die _Etymologie_ des (auch in sonst.
rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes
bleibt dunkel; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen
Aufschluß darüber.]
[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. _bosten_ u. _pfichen_ s.
abgehen. — Zu _schenzieren_ = hausieren finde ich keinen Beleg in
anderen Quellen. Dagegen kennt das _Metzer Jenisch_ 216 _sch¶r¶anze_ in
gleicher Bedeutung, während schon _Schöll_ 269 ein Subst.
_Sch¶r¶enzierer_ als Synon. für die sonst als _Scheinspringer_
bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu
stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form _Sch¶ra¶nzierer_ (zu
dem Zeitw. _schr¶a¶nzieren_ od. _schrenzieren_ = »sich [unter
irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu
stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. _schr¶a¶nz_ = List
hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das
rotw. _Schrende_ (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das
zugleich auch für _schranze_ = hausieren passen würde. Danach aber
dürfte dann vielleicht auch in _Wittichs_ Jenisch statt _schenzieren_
richtiger _sch¶r¶enzieren_ zu lesen sein.]
Hausknecht, _Kittschenegler_[1023] [64.304]
Hausmagd, _Kittscheneglere_
Hausmutter, _Kittmamere_[1024]
Hausschlüssel, _Kittglitschin_[1025]
Hausvater, _Kittpatris_[1026]
Hauswirt, _Fehtekaffer_ (Dimin.: _-käfferle_ [Spr.])[1027]; vgl.
Herberge
Hebamme, _Deiselmos(s)_ od. _Disselmos(s)_[1028]
Hebräer, _Kaim_[1029]; vgl. Juden
[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]
[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]
[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]
[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]
[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. _Kaffer_ s. Bauer. — Mit
_Fehte_ = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer _Fehtekaffer_, das
auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr«
wiedergegeben) noch zusammengesetzt: _Fehteulme_ = Herbergsleute (Spr.),
_Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_ = Quartierbursche, _Fehtemos(s)_ od.
_-sinse_ = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau«
wiedergegeben), _Fehtesins_ = Quartiersherr (also Syn. zu _Fehtekaffer_)
u. _Fehtemodel_ = Quartiermädchen. _Ableitung_: _fehten_ = übernachten,
auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_Fede_ = Herberge; _Pfulld.
J.-W.-B._ 343 (_Fede_ = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. _feden_ =
beherbergen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Fêde_ = Bett [in _Pfedelb._
(212) _auch_ = Quartier; vgl. ebd.: _in d' Fede hotschen_ = schlafen]);
auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. _Basl. Glossar_ v. 1733
[201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung
»Quartier« aus dem ital. _fede_ im Sinne von »Verschreibung« (warum?),
die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden
könnte.]
[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]
[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) _Kaim_ = Jude (Hebräer), fem.:
_Kaime_, plur.: _Kaimen_, erscheint noch in der _Zus._ _Kaimkolb_ (d. h.
»Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.
Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
94 (_Kaim_ = Jude); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 71 (_Keim_ [_Gheim_, _Goim_] = Juden); _Schwäb. Händlerspr._
482 (_Kaim_ [in _Pfedelb._ (210): _Keim_] od. _Kaimchen_ = Jude). Über
weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr.
[_chajjim_]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2.
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]
Heer, _grandich Lanenger_ (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030] [64.305]
heftig, _lenk_, _schofel_[1031]
Heidelbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1032]
Heidelbeerkuchen, _Krachersäftlingbrandling_[1033]
heil, _dof schef(f)t's_ (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]
heilig, _bliblich_[1035]
heiliger Geist, _bliblischer Schuberle_[1036]
heilsam, _dof_[1037]
Heirat, _Vergrönerei_[1038]
heiraten, _vergröneren_[1038]
Heißhunger, _grandich Bogelo_ od. _grandich Put(t)lak_[1039]
heizen, _funken_[1040]
Heizer, _Funkpflanzer_[1041]
hell, _schei_ (= _Schei_)[1042]
Helle, _Schei_[1042]
Helm, _Lanengeroberman(n)_, d. h. »Soldatenhut«)[1043]
Hemd, _Hamfert_[1044], _Staud_[1045]
[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. —
Dieselbe Umschreibung kennt nach _Liebich_, S. 207 auch die Zigeunerspr.
(_but līrde_, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]
[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]
[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]
[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]
[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]
[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. _Schuberle_) Geist.]
[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]
[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]
[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]
[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]
[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über _schei_ als Adj.
gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]
[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]
[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz
gleicher Form _und_ Bedeutung in der _Schwäb. Händlerspr._ in _Degg._
(215), während für _Lütz._ (214) die Schreibung _Ha¶n¶fert_ angeführt
ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung
_-ert_ versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog.
_Apokope_) von dem älteren — als eine Art _pars pro toto_ (nach dem
_Hauptbestandteil_) erscheinenden — Synon. _Hanfstaud(e)_ (s. schon
_Lib. Vagat._ [54] u. a. m., so z. B. auch _Dolm. der Gaunerspr._ 93
sowie noch _Schwäb. Händlerspr._ 482). Vgl. _Pott_ II, S. 23 und
_Günther_, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die
folgende Anm.]
[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für _Staud_ = Hemd sind aus dem
_verw. Quellenkr._ anzuführen: _Pfullend. J.-W.-B._ 340 und _Schwäb.
Händlersprache_ 482 (neben _Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in
_Pfedelb._ [210]: _Staude_ neben den längeren Synon. _Hanf-_,
_Flächse-_, _Wergstaude_; vgl. ebds. [211]: _Staudenpflanzerin_ = =
Näherin); s. auch noch _Winterfelder Hausierersprache_ 442 (_Staudche_)
Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im _sonstigen_ neueren Rotwelsch
(des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege
bei _Schütze_, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei _Hamfert_) um eine
Abkürzung von _Hanfstaude_, jedoch in der Form des sog. _Aphärese_
(Weglassung der _Anfangs_silbe). S. A.-L. 610; vgl. auch _Horn_,
Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]
Hengst, _Trapert_ (-bert)[1046] od. (genauer) _Trabert-Kaffer_ (d. h. [64.306]
eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]
henken ([auf]hängen), _schnüren_[1048]
Henne, _Brawari_[1049], _Stenzel_[1050], _Stierer_[1051]
[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]
[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. _Kaffer_) Bauer; vgl.
Stute (= _Trabertmoss_, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«).
— Auch bei den Zigeunern heißt nach _Liebich_, S. 208, 244 der Hengst
_morschkerdino grai_, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder)
_graieskĕri tschuwli_, d. h. etwa »Pferdeweib«.]
[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]
[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn«
_nicht_ angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den
Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in _etymolog._ Beziehung
_nichts Sicheres_ in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch _Wittich_ auf
eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »_böhmischen_ jenischen
Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. _brav_
(worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in
Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form _und_ Bedeutung noch
einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. _Dr. A. Landau_).]
[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit _Stenzel_ = Henne (Huhn) sind
gebildet die _Zusammensetzgn._: _Stenzeltritt_ = Hühnerfuß,
_Stenzelkitt_ = Hühnerhaus u. _Stenzelkib_ = Hühnerhund. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Stenzel_ = Huhn);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stanzla_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482
(_Stenzel_, _Stenzling_ [in _Lütz._ (214): _Stelzling_] od. _Stanzel_ =
Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die _Etymologie_ bleibt
zweifelhaft. Auch _Hoffmann-Krayer_ u. _Landau_ im Schweiz. Archiv für
Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren
Erläuterungen zu den Vokabeln des _Basler Glossars_ v. 1733 (das [201]
schon _Stenzel_ = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß
über die Herkunft des Wortes.]