[Fußnote 982: ([15] auf S. 64.298) Mit _Schlang_ = Kette, Leine (Spr.)

sind noch folgende _Zus._ gebildet (nur _am Ende_): _Loslingschlang_

(eigtl. »Ohrkette«) = Ohrring, _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =

Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Lubertschlang_

= Uhrkette. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 90, 95 (_Schlangen_ = Borten, Ketten); _Pfulld. J.-W.-B._

337 (_Schlang_ = Kette; vgl. [341] das Zeitw. _schlangen_ =

anschließen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Schlange_ = Kette);

_Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schlang_ = Kette [in _Degg._ (215) dagegen:

_Schlang(e)_ = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten

_Metapher_ aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in _Groß'_ Archiv,

Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter »Schlangemer«).]

halt das Maul!, _schupf dich auf!_[983] [64.299]

Hammel, _Jerusalemsfreund_[984]; vgl. Schaf

Hand, _Fehma_[985], _Grif(f)leng_[986]

[Fußnote 983: ([16] auf S. 64.299) S. aufhören.]

[Fußnote 984: ([17] auf S. 64.299) Mit _Jerusalemsfreund_ = Schaf

(Hammel) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandich Jerusalemsfreund_ =

Schafbock u. folgende _Zus._: _Jerusalemsfreundbenk_ od.

_-schure_ = Hirt, Schäfer, _Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin,

_Jerusalemsfreundkib_ = Schäferhund, _Jerusalemsfreundschenegler_ =

Schäferknecht, _Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall,

_Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. eigtl. »Schafhaare«) = Wolle (s. d.

betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung

(die nach e. Mitteilg. _Wittichs_ bes. bei den Bürstenhändlern u.

Schirmflickern des schwäb. Dorfes _Lützenhardt_ gebräuchlich sein soll)

findet sich _weder_ in dem _verw. Quellenkreise_ _noch_ m. Wiss. sonst

im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht

herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. _Jerusalem_ für eine

bestimmte _Klee_sorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl.

_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in

_Pflanzennamen_ (vgl. dazu schon _Frisch_, Teutsch-Latein. W.-B., Berl.

1741, Bd. I, S. 186; _Grimm_, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot.

III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung

_Kleebeißer_ gebräuchlich gewesen (s. z. B. _A. Hempel_ 1687 [169] u.

dann öfter; vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang

hiervon zu dem »Freund« guten Klees, dem »_Jerusalemsfreund_«, wohl

leicht gegeben.]

[Fußnote 985: ([18] auf S. 64.299) _Fehma_ = Hand (Hände) ist demnach

doch im Jenisch noch _nicht_ völlig veraltet (vgl. »Einleitung«, S. 25,

Anm. 61), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. _Fehma ste(c)ken_ =

die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. _nicht_ in Zusammensetzgn.,

während mit dem Synon. _Grif(f)ling_ (-leng) eine Reihe solcher gebildet

ist (vgl. Näh. schon unter »Daumen«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Feme_ = Hand, plur. _Fenem_

[wohl verschrieben], u. _Fehm¶a¶_ [sic] _stecken_ = die Hand geben

[wogegen _Griffling_ hier »Handschuhe« bedeutet); _W.-B. des Konst.

Hans_ 256 (_Fehma_ = Hand); _Schöll_ 272 (_Feme_ = Hand); _Pfulld.

J.-W.-B._ 337, 340 (_Fehma_ = Arm, Hand, _Fehma stecken_ = die Hand

geben); in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr._ nicht mehr

bekannt, dagegen noch im _Metzer Jenisch_ 216 (_Fēm_ = Hand). Über

weitere Belege im Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom

_nord._ Zahlwort _fem_ = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s.

Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. _Fischer_, Schwäb.

W.-B. II, Sp. 1051 (unter »Feme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]

[Fußnote 986: ([19] auf S. 64.299) S. Daumen.]

Handarbeit, _Grif(f)lengsschenagel_[987] [64.300]

Hände, die — geben, _Fehma_ od. _Grif(f)leng ste(c)ken_[988]

handeln, _verbaschen_, _vergremen_, _verkemeren_[989],

_verkitschen_[990]

Handelsbursche, _Verbascher_, _Vergremerer_[991],

_Verkemerers-Benk_[992] od. _-Fi(e)sel_[993]

Handelsfrau (-weib), _Verbaschere_, _Vergremere_, _Verkemerere_[991],

_Vergremmos(s)_[994]

Handelsmädchen, _Vergremere_[991], _Verkemeresmodel_[995]

Handelsmann, _Verkemerer_[991], _Vergremerskaffer_ od.

_Verkemerskaffer_[996]

Handgemenge, _Hamore_[997]

[Fußnote 987: ([20] auf S. 64.300) S. abschaffen.]

[Fußnote 988: ([21] auf S. 64.300) S. (betr. _ste[c]ken_) beschenken.]

[Fußnote 989: ([22] auf S. 64.300) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 990: ([23] auf S. 64.300) Das Zeitw. _verkitschen_ = handeln,

verkaufen (s. dazu die Ableitg. _Verkitscher_ = Verkäufer) findet sich

(in dem _verw. Quellenkr._) auch in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u.

Händlerspr._ (s. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 77 [_kitschen_ =

kaufen, _verkitschen_ = verkaufen]; _Schwäb. Händlerspr._ 487

[_verkitschen_ od. _vergitschen_ = verkaufen]), auch ist es — in etwas

abweichender Form (nämlich _verkitzen_ [od. _verklitschen_]) u. im etwas

_engeren_ Sinne (nämlich »erbetteltes Zeug verkaufen«) der _älteren

Kundenspr. überhaupt_ bekannt gewesen (s. _Ku._ III [429]). Zur

_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter

»verkitschen«) u. IV, Sp. 426 (unter »kitschen«) bedeutet in der schwäb.

Mundart _(ver)kitschen_ »im Kleinen (ver)handeln«, dann spezieller auch

»auf listige Art (ver)kaufen« (vgl. bei _Grimm_, D. W.-B. XII, Sp. 641:

_verkitschen_ = »auf unehrliche Weise verkaufen«) und könnte vielleicht

gedeutet werden als eine Ableitung von _Kitsch_, das u. a. für »kurzes

Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware« vorkommt. In der letzteren

Bedeutg. (»schlechte Holzware«) stimmt _Kitsch_ merkwürdig zu dem

(neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen)

Künstlerausdruck _Kitsch_ = »wertloser Schund« (s. _Fischer_, a. a. O.),

der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909),

Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. _(ver)kitschen_ entstanden

sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei _Schmeller_,

Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch »etwas für Geld anbringen, los werden,

z. B. _ein Gemälde verkitschen_«] verwiesen worden).]

[Fußnote 991: ([24] auf S. 64.300) S. abkaufen.]

[Fußnote 992: ([25] auf S. 64.300) S. (betr. _Benk_) brauchbarer

Bursche.]

[Fußnote 993: ([26] auf S. 64.300) S. Bettelbube.]

[Fußnote 994: ([27] auf S. 64.300) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 995: ([28] auf S. 64.300) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]

[Fußnote 996: ([29] auf S. 64.300) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 997: ([30] auf S. 64.300) S. Fehde.]

Handschuh, _Grif(f)lengstrittleng_[998] [64.301]

Handschuhmacher, _Grif(f)lingstrittpflanzer_[999]

Handwerksbursche, _Konde_ od. _Kunde_[1000]

hängen (= aufhängen, henken), _schnüren_[1001]

Harfe, _Niklengschure_ (d. h. etwa »Spielding«)[1002]

Harmonika, " " "

Harn (Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1003]

harnen, _flössle_[1003]; vgl. auch regnen

hartherzig, _lenk_, _schofel_[1004]

Hase, _Langohr_[1005]

Hasenessen, _Langohrbikus_[1006]

Haselnuß, _Jahrekrächerle_ od. _Kracherkrächerle_ (d. h. eigtl.

»Waldnuß«)[1007]

haßartig, _lenk_, _schofel_[1004]

[Fußnote 998: ([31] auf S. 64.301) S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl

auch _Grif(f)lingstritt_, wie aus der Zus. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ =

Handschuhmacher zu schließen.]

[Fußnote 999: ([32] auf S. 64.301) Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr.

_-pflanzer_ s. anbrennen.]

[Fußnote 1000: ([33] auf S. 64.301) Zu _Konde_ od. _Kunde_ (=

Handwerksbursche) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._

340 (_Talfkunde_ = Handwerksbursche [zugleich wohl _erster_ Beleg für

das Wort im Rotw. _überhaupt_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70

(_Kunde_ = Handwerksbursch); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Kundi_ [in

_Pfedelb._ (209): _Kunde_] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch

(nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: _wandernder_

Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. _Etymologie_ des Wortes (zu

»kennen«, also eigtl. soviel wie »der Bekannte«, als Anrede der Kunden

unter sich) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.]

[Fußnote 1001: ([34] auf S. 64.301) S. aufhängen.]

[Fußnote 1002: ([35] auf S. 64.301) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1003: ([36] auf S. 64.301) S. austreten (leicht) u. (betr.

_Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 1004: ([37] auf S. 64.301) S. arg.]

[Fußnote 1005: ([38] auf S. 64.301) Zu _Langohr_ = Hase, auch Kaninchen

(_Zus._: _Langohrbikus_ = Hasenessen) _vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Grünspreit-Langohr_ = Hase [zu

_Grünspreit_ = Feld], während _Langohr_ [ohne Zusatz] hier = Esel ist);

_Schwäb. Händlerspr._ 481 = Hase [in _Pfedelb._ (210) _auch_ = Esel); s.

auch _Regensb._ Rotwelsch 490 (_Langöhrl_ = Hase). Im sonst. Rotw. tritt

_Langohr_ zunächst für den Esel auf (s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753

ff. [229], während d. Hase hier _Langfuß_ heißt, in _Körners Zus. zur

Rotw. Gramm._ v. 1755 [240] aber zwischen _gross Langohr_ = Esel u.

_klein Langohr_ [od. _Langfuß_] = Hase unterschieden ist), seit d. 19.

Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. »Hase« (s. schon _Pfister_ 1812

[301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade

zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl.

_Pott_ II, S. 23; _Günther_, Rotwelsch, S. 58; _Fischer_, Schwäb. W.-B.

IV, Sp. 985.]

[Fußnote 1006: ([39] auf S. 64.301) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 1007: ([40] auf S. 64.301) Betr. _Jahre_ od. _Kracher_ = Wald

s. Ananas. — Mit _Krächerle_ = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die

_Zusammensetzgn._: _Krächerlestöber_ (i. d. Spr.: _Krächerstöber_ [wohl

versehentlich]) = Nußbaum u. _Krächerlekies_ = Nußkern. In dem _verw.

Quellenkr._ lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw.

_überhaupt_ [s. z. B. schm. _Lib. Vagat_ (54) u. dann öfter]):

_Krächling_ od. _Kracherling_. _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 97

(_Kracherling_ = Nuß, _Heckenkracherling_ = Haselnuß); _Pfulld.

J.-W.-B._ 338, 342 (_Krächling_ = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]:

Zahn); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Krächling_ = Nuß); _Schwäb.

Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [212]: _Krächling_, in U. [214]:

_Kracherling_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. Zeitw. »krachen«) s.

_Pott_ II, S. 38; _A.-L._ 562 (unter »Kracher«); _Günther_, Rotwelsch,

S. 61; _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter »Krachling«).]

Haube, _Oberman(n)_[1008] [64.302]

hauen, _dogen_ od. _doken_[1009], _ste(c)ken_[1010], _stenzen_[1011]

Hauer (wilder Eber), _Balo_, _Groanikel_[1012]

häufig, _grandich_[1013]

Haupt, _Ki(e)bes_[1014]

Haupthaar, _Ki(e)besstrauberts_[1015]

Hauptmann, _Grandicher-Lanenger_. Mit _Lanenger_ werden alle Soldaten

(ohne Unterschied der Waffengattung) bezeichnet, Offiziere nur unter

Hinzufügung der Eigenschaftswörter _dof_ od. _grandich_, also _dofer

Lanenger_, d. h. eigtl. guter (od. besserer) Soldat, od. _grandicher

L._, d. h. großer, hoher (od. höherer) Soldat[1016]

[Fußnote 1008: ([41] auf S. 64.302) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1009: ([42] auf S. 64.302) S. abgeben.]

[Fußnote 1010: ([43] auf S. 64.302) S. beschenken.]

[Fußnote 1011: ([44] auf S. 64.302) S. Ast.]

[Fußnote 1012: ([45] auf S. 64.302) S. Eber.]

[Fußnote 1013: ([46] auf S. 64.302) S. Adler.]

[Fußnote 1014: ([47] auf S. 64.302) S. Angesicht.]

[Fußnote 1015: ([48] auf S. 64.302) S. (betr. _Strauberts_)

Augenbrauen.]

[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d.

Anm. zu »Bischof«. — _Lanenger_ = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur.

_Lanengere_ = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar«

und »Infanterist« angeführt worden (vgl. _Wittichs_ Bemerkg. oben im

Text). — Die _Verbindg._ _grandich Lanenger_ (mit der Bedeutg. »[sehr]

viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter

»Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter

unten unter »Heer«). Als _Zusammensetzgn._ mit dem Wort erscheinen:

_Lanengeroberman(n)_ (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm,

_Lanengerlechem_, _-lehm_ oder _-maro_ (d. h. »Soldatenbrot«)

= Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),

_Lanengerbegerkitt_ (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett,

_Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, _Lanengermoss_ =

Soldatenfrau, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_ = Soldatenwirtschaft. _Zu

vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99

(_Laninger_ = Soldat); _Schöll_ 271 (_Launinger_); _Pfulld. J.-W.-B._

338, 339, 344 (_Laninger_ = Soldat, aber auch Bettelvogt,

_Schmirlaninger_ = Wache, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb.

Händlerspr._ 483, 486 (_Laninger_ od. _Lanenger_ = Soldat, erstere Form

[neben _Lner_] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch

sowie die (nicht sichere) _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_

Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch _Fischer_,

Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«,

wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]

Haus, _Kitt_[1017] [64.303]

Hausfrau, _Kittmos(s)_[1018]

Hausherr, _Kittkaffer_[1019]

Haushund, _Kittkeiluf_[1020] od. _Kittkip_[1021]

hausieren (gehen), _schenzieren_ (_bosten_ od. _pfichen_) (Spr.)[1022]

[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]

[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau; vgl.

auch die Anm. zu »Hauswirt«.]

[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]

[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit _Keiluf_ = Hund, auch spezieller

Pudel, sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: a) _im Anfang_:

_Keilufkitt_ = Hundehütte, _Keilufstenkert_ = Hundestall; b) _am Ende_:

_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Bu(t)zekeiluf_ = Polizeihund. _Zu vgl._

(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Keluf_);

_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kohluf_); _Schöll_ 271 (ebenso): _Pfulld.

J.-W.-B._ 340 (_Gilof_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kailuf_); s. auch

_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kêluf_). Über noch weitere rotw. Belege sowie

die _Etymologie_ des Wortes (vom gleichbed. hebr. _keleb_) s. Näh. bei

_Weber-Günther_, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.

W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]

[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit _Kip_ oder (häufiger) _Kib_

(plur. _Kibe_, Dimin. _Kible_ [Spr.]), Synon. zu _Keiluf_ (daher _auch_

= Pudel), sind noch mehr _Zusammensetzgn._ gebildet als mit letzteren,

nämlich: a) _im Anfang_: _Kibe(n)bossert_ = Hundefleisch, _Kibekitt_ (=

Keilufkitt), _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Kibestenkert_ (=

Keilufstenkert), _Kibeschwächerle_ = Hundezitzen; b) _am Ende_:

_Stierer-_ od. _Stenzelkib_ (= Gachnekeiluf), _Stupfelkib_ = Igelhund

(Spr.), _Bu(t)zekib_ (= Bu(t)zekeiluf), _Jerusalemsfreundkib_ =

Schäferhund, _Flu(h)tekib_ = Seehund, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund.

_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254

(_Kipp_ = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]);

_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Kib_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kipp_); s.

auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). Die _Etymologie_ des (auch in sonst.

rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes

bleibt dunkel; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen

Aufschluß darüber.]

[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. _bosten_ u. _pfichen_ s.

abgehen. — Zu _schenzieren_ = hausieren finde ich keinen Beleg in

anderen Quellen. Dagegen kennt das _Metzer Jenisch_ 216 _sch¶r¶anze_ in

gleicher Bedeutung, während schon _Schöll_ 269 ein Subst.

_Sch¶r¶enzierer_ als Synon. für die sonst als _Scheinspringer_

bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu

stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form _Sch¶ra¶nzierer_ (zu

dem Zeitw. _schr¶a¶nzieren_ od. _schrenzieren_ = »sich [unter

irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu

stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. _schr¶a¶nz_ = List

hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das

rotw. _Schrende_ (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. _Groß'_

Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das

zugleich auch für _schranze_ = hausieren passen würde. Danach aber

dürfte dann vielleicht auch in _Wittichs_ Jenisch statt _schenzieren_

richtiger _sch¶r¶enzieren_ zu lesen sein.]

Hausknecht, _Kittschenegler_[1023] [64.304]

Hausmagd, _Kittscheneglere_

Hausmutter, _Kittmamere_[1024]

Hausschlüssel, _Kittglitschin_[1025]

Hausvater, _Kittpatris_[1026]

Hauswirt, _Fehtekaffer_ (Dimin.: _-käfferle_ [Spr.])[1027]; vgl.

Herberge

Hebamme, _Deiselmos(s)_ od. _Disselmos(s)_[1028]

Hebräer, _Kaim_[1029]; vgl. Juden

[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]

[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]

[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]

[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. _Kaffer_ s. Bauer. — Mit

_Fehte_ = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer _Fehtekaffer_, das

auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr«

wiedergegeben) noch zusammengesetzt: _Fehteulme_ = Herbergsleute (Spr.),

_Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_ = Quartierbursche, _Fehtemos(s)_ od.

_-sinse_ = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau«

wiedergegeben), _Fehtesins_ = Quartiersherr (also Syn. zu _Fehtekaffer_)

u. _Fehtemodel_ = Quartiermädchen. _Ableitung_: _fehten_ = übernachten,

auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. _Zu vgl._

(aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_Fede_ = Herberge; _Pfulld.

J.-W.-B._ 343 (_Fede_ = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. _feden_ =

beherbergen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Fêde_ = Bett [in _Pfedelb._

(212) _auch_ = Quartier; vgl. ebd.: _in d' Fede hotschen_ = schlafen]);

auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. _Basl. Glossar_ v. 1733

[201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s.

_Fischer_, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung

»Quartier« aus dem ital. _fede_ im Sinne von »Verschreibung« (warum?),

die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden

könnte.]

[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]

[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) _Kaim_ = Jude (Hebräer), fem.:

_Kaime_, plur.: _Kaimen_, erscheint noch in der _Zus._ _Kaimkolb_ (d. h.

»Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.

Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._

94 (_Kaim_ = Jude); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u.

Kundenspr._ 71 (_Keim_ [_Gheim_, _Goim_] = Juden); _Schwäb. Händlerspr._

482 (_Kaim_ [in _Pfedelb._ (210): _Keim_] od. _Kaimchen_ = Jude). Über

weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr.

[_chajjim_]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2.

_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,

Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]

Heer, _grandich Lanenger_ (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030] [64.305]

heftig, _lenk_, _schofel_[1031]

Heidelbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1032]

Heidelbeerkuchen, _Krachersäftlingbrandling_[1033]

heil, _dof schef(f)t's_ (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]

heilig, _bliblich_[1035]

heiliger Geist, _bliblischer Schuberle_[1036]

heilsam, _dof_[1037]

Heirat, _Vergrönerei_[1038]

heiraten, _vergröneren_[1038]

Heißhunger, _grandich Bogelo_ od. _grandich Put(t)lak_[1039]

heizen, _funken_[1040]

Heizer, _Funkpflanzer_[1041]

hell, _schei_ (= _Schei_)[1042]

Helle, _Schei_[1042]

Helm, _Lanengeroberman(n)_, d. h. »Soldatenhut«)[1043]

Hemd, _Hamfert_[1044], _Staud_[1045]

[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. —

Dieselbe Umschreibung kennt nach _Liebich_, S. 207 auch die Zigeunerspr.

(_but līrde_, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]

[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]

[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]

[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. _Brandling_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]

[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]

[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. _Schuberle_) Geist.]

[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]

[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]

[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]

[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]

[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über _schei_ als Adj.

gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]

[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz

gleicher Form _und_ Bedeutung in der _Schwäb. Händlerspr._ in _Degg._

(215), während für _Lütz._ (214) die Schreibung _Ha¶n¶fert_ angeführt

ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung

_-ert_ versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog.

_Apokope_) von dem älteren — als eine Art _pars pro toto_ (nach dem

_Hauptbestandteil_) erscheinenden — Synon. _Hanfstaud(e)_ (s. schon

_Lib. Vagat._ [54] u. a. m., so z. B. auch _Dolm. der Gaunerspr._ 93

sowie noch _Schwäb. Händlerspr._ 482). Vgl. _Pott_ II, S. 23 und

_Günther_, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.

1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die

folgende Anm.]

[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für _Staud_ = Hemd sind aus dem

_verw. Quellenkr._ anzuführen: _Pfullend. J.-W.-B._ 340 und _Schwäb.

Händlersprache_ 482 (neben _Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in

_Pfedelb._ [210]: _Staude_ neben den längeren Synon. _Hanf-_,

_Flächse-_, _Wergstaude_; vgl. ebds. [211]: _Staudenpflanzerin_ = =

Näherin); s. auch noch _Winterfelder Hausierersprache_ 442 (_Staudche_)

Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im _sonstigen_ neueren Rotwelsch

(des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege

bei _Schütze_, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei _Hamfert_) um eine

Abkürzung von _Hanfstaude_, jedoch in der Form des sog. _Aphärese_

(Weglassung der _Anfangs_silbe). S. A.-L. 610; vgl. auch _Horn_,

Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]

Hengst, _Trapert_ (-bert)[1046] od. (genauer) _Trabert-Kaffer_ (d. h. [64.306]

eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]

henken ([auf]hängen), _schnüren_[1048]

Henne, _Brawari_[1049], _Stenzel_[1050], _Stierer_[1051]

[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]

[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. _Kaffer_) Bauer; vgl.

Stute (= _Trabertmoss_, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«).

— Auch bei den Zigeunern heißt nach _Liebich_, S. 208, 244 der Hengst

_morschkerdino grai_, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder)

_graieskĕri tschuwli_, d. h. etwa »Pferdeweib«.]

[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]

[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn«

_nicht_ angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den

Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in _etymolog._ Beziehung

_nichts Sicheres_ in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch _Wittich_ auf

eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »_böhmischen_ jenischen

Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. _brav_

(worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in

Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form _und_ Bedeutung noch

einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. _Dr. A. Landau_).]

[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit _Stenzel_ = Henne (Huhn) sind

gebildet die _Zusammensetzgn._: _Stenzeltritt_ = Hühnerfuß,

_Stenzelkitt_ = Hühnerhaus u. _Stenzelkib_ = Hühnerhund. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Stenzel_ = Huhn);

_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stanzla_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482

(_Stenzel_, _Stenzling_ [in _Lütz._ (214): _Stelzling_] od. _Stanzel_ =

Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die _Etymologie_ bleibt

zweifelhaft. Auch _Hoffmann-Krayer_ u. _Landau_ im Schweiz. Archiv für

Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren

Erläuterungen zu den Vokabeln des _Basler Glossars_ v. 1733 (das [201]

schon _Stenzel_ = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß

über die Herkunft des Wortes.]

Die jenische Sprache · 第 22 / 36 段