[Fußnote 793: ([342] auf S. 64.168) _Streifleng_ (-ling, plur. -linge),

eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._:

a) _am Anfang_: _Streiflingschure_ = Strumpfband u. _Streiflingpflanzer_

= Strumpfwirker; b) _am Ende_ (außer in d. _obigen Vok._ noch in)

_Kafferstreifling_ = Socken (eigtl. »Männerstrümpfe«). _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Streifling_ =

Paar Strümpfe); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf);

_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Streifling_ = Strümpfe); _Schwäb.

Händlerspr._ 484 (wie im _Pfulld. J.-W.-B._); s. auch noch _Metzer

Jenisch_ 217 (_Stre[i]fche_ = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt

die Vokabel zunächst in der Bedeutg. »Hose« (s. schon _Lib. Vagat._

[55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für »Strumpf« auf (s. _Schwenter's

Steganologia_ um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl.

_Schütze_, S. 94, auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur

_Etymologie_ (von _streifen_ = »überstreifen [über den Fuß]«) s. Archiv,

a. a. O., S. 29: vgl. auch _Pott_ II, S. 37.]

[Fußnote 794: ([343] auf S. 64.168) Übereinstimmende Umschreibung des

deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 199

(_telstīno pīro_ [d. h. »der untere Fuß«] = Fußsohle); vgl. auch

schon »Vorbemerkg.«, S. 17. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv.

gebr. = unten — (im Gegensatze zu _oberkünftig_ = oberer, als Adv. =

oben [s. Näh. unter »Gaumen«]) kommt auch noch vor in den _Verbindgn._:

_unterkünftige Kluft_ = Unterkleid u. _unterkünftiger Malfes_ =

Unterrock. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.

Hans_ 256 (_unterkönig_ = unten); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345

(_unterkönig_ = hinab [Gegens.: _oberkönig_ = hinauf] u. _unterki¶m¶ig_

[besser wohl zu lesen: _unterkinnig_] = unten; vgl. auch _inner-_,

_usler-_ u. _ennenkönig_ = hinein, hinaus, hinüber); _Schwäb.

Händlerspr._ 487 (_unterkünftig_ = unten; vgl. [484]: _oberkünftig_ =

oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon

seit dem 18. Jahrh. (s. _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [219]:

_unterkünftig_ = unten, Gegens. [218]: _oberkünftig_ = oben), während

sie in neuerer Zeit wohl bes. in der _Kunden_sprache fortlebt (vgl. z.

B. _Ku._ III, 429 u. _Ostwald_ [Ku.] 159 vbd. m. _Ku._ III 427 u.

_Ostwald_ [Ku.] 109 [Gegenstz.: _oberkünftig_]), obgleich sie in der

_schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr._ fehlt, die dafür (76) aber

_hinterkünftig_ = hintenherum kennt. _Etymologie_: Man darf wohl mit

A.-L. 557 (unter »kenntlich«) u. 579 (unter »oberkünftig«) den zweiten

(zu einer »_Verstärkung_« der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des

Wortes (_-künftig_, verunstaltet zu _-kinnig_, _-könig_ usw.) — gleich

unserem gemeinspr. Adj. _künftig_ — zu dem jetzt nur noch in

Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst.

_Kunft_ (mhd. _kunft_, _kumft_) = »das Kommen«, einem »Verbalabstraktum«

zu dem Zeitw. _kommen_ (vgl. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung

setzen.]

Fußzehe, _Trittgrif(f)leng_ (d. h. eigtl. »Fußfinger«)[795] [64.169]

Futter, _Kupfer_[796]

G.

Gabel, _Furschet_[797], _Stichling_[798]

gaffen, _linzen_[799], _spannen_[800]

[Fußnote 795: ([344] auf S. 64.169) S. (betr. _Grif[f]leng_) Daumen. —

Auch diese Umschreibung findet sich nach _Liebich_, S. 199 u. 262 (unter

»Zehe«) bei den _Zigeunern_ (näml.: _berengĕro gus[ch]to_, d. h.

eigtl. »Fußfinger«).]

[Fußnote 796: ([345] auf S. 64.169) S. Frucht.]

[Fußnote 797: ([346] auf S. 64.169) _Zusammensetzgn._ hiermit sind: a)

_am Anfang_; _Furschetfläderling_ (d. h. eigtl. »Gabelvogel«) = Schwalbe

(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) _am Ende_:

_Schundfurschet_ = Mistgabel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):

nur _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Furschett_ = Gabel). Im Rotw. m. Wiss.

sonst kaum gebräuchlich. Zur _Etymologie_: An und für sich kann der

Ausdruck _unmittelbar_ vom Französischen (_fourchette_) hergeleitet

werden (vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die

Vokabel (gleich _Feneter_ = Fenster [s. d.]) in _Wittich's_ Jenisch wohl

durch die Vermittlung von _Zigeunern_ eingedrungen sein und insofern auf

_deren_ Sprache zurückgeführt werden (vgl. »Einleitung«, S. 30), in die

sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S.

ausdrücklich auch _Liebich_, S. 116; vgl. »Einleitung«, S. 29, Anm. 93

vbd. m. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26. Als zigeun. Form führt _Liebich_

(a. a. O. S. 135 u. 199): _forschétta_, _Finck_, S. 58: _foršéta_,

_Jühling_, S. 221 dagegen: _Forsch¶r¶äta_ (vgl. i. d. »Einltg.«: -reta)

an.]

[Fußnote 798: ([347] auf S. 64.169) Mit _Stichling_ ist nur

_zusammengesetzt_: _Fu[h]lstichling_ = Mistgabel (Syn. zu

_Schundfurschet_). Auch _Stichling_ = Gabel ist in dem _verw.

Quellenkr._ nur der _schwäb. Händlerspr._ (481) bekannt, doch deutet

hier das Vorkommen des Ausdrucks _Stichlingspflanzer_ = Schneider (486)

hin auf die Nebenbedeutg. »Nadel«, wofür die Vokabel z. B. auch in der

_schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (73) — allein — angeführt ist, während

sie bei den _Pfälz. Händlern_ (439) — wieder abweichend — »Messer«

bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der

Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die

_Etymologie_ (zu »Stich«, »stechen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,

S. 24 u. Anm. 1.]

[Fußnote 799: ([348] auf S. 64.169) S. anschauen.]

[Fußnote 800: ([349] auf S. 64.169) Zu dem Zeitw. _spannen_ = sehen

(gaffen, gucken) vgl. (aus dem _vorw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._

337, 343 (_spannen_ = ausschauen aussehen, schauen); _Schwäb.

Händlerspr._ 486 (_spannen_ = sehen; vgl. [470] _Spanner_ = Augen); s.

auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_spanne[n]_ = sehen, beobachten,

_Spanner_ = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_

des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs ist) s. ausführl. _Groß'_ Archiv,

Bd. 42, S. 75 (unter »Spanner«) vbd. mit _Weber-Günther_, S. 181 (unter

»spennen«, wonach der wohl _älteste_ Beleg für das Zeitw. [in der Form

_spenden_] bereits bei _A. Hempel_ 1687 [169: _der spendts_ = »der

siehets«] anzutreffen ist).]

Gans, _Babing_[801], _Strohbutzer_[802] [64.170]

Gänsebraten, _gesicherter Babingermass_ od. _gesicherter

Strohbutzerbossert_ (d. h. »gekochtes [gebratenes] Gänsefleisch«)[803]

Gänseeier, _Strohbutzersbäzeme_[804]

Gänsefleisch, _Babingerbossert_ od. _-mass_ oder

_Strohbutzerbossert_[805]

[Fußnote 801: ([350] auf S. 64.170) Mit _Babing_ (plur. Babinger) sind

gebildet die _Verbindg._ _grandich Babing_ (d. h. etwa [»sehr] große

Gans« [vgl. oben unter »Bischof«]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg.

mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17) sowie die

_Zusammensetzgn._ _Babingerbossert_ od. _Babingermass_ = Gänsefleisch

(letzteres in der weiteren Verbdg. _gesicherter Babingermass_ =

Gänsebraten) u. _Babingerstritt_ = Gänsefuß. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): nur _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Bappe_ = Gans); im

_sonst._ Rotw. tritt die Form _Babing_ u. a. etwa seit Anfang des 19.

Jahrh. (s. _Pfister_ 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur _Etymologie_ (aus der

_Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. _A.-L._ 521 u. _Günther_,

Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit _Pott_ II, S. 350 (unter »Papin«),

_Liebich_, S. 149 u. 200 (_pāpin_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 17,

23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. _deutsch._ Zig.:

_pāpin_), _Jühling_ S. 220 (_Babni_), _Finck_, S. 76 (_pāpi[n]_).

Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) verwandt mit

ngriech. [Griechisch: pappia] = »Ente«.]

[Fußnote 802: ([351] auf S. 64.170) Mit _Strohbutzer_ (Dimin.

_Strohbutzerle_ = »Küchlein«, d. h. Gänschen) sind gebildet die

_Verbindung grandich Strohbutzer_ = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu

dem Synon. _gr. Babing_ [oben Anm. 801]) sowie die _Zus._

_Strohbutzerbossert_ = Gänsefleisch (u. dazu weiter _gesicherter

Str.-bossert_ = Gänsebraten), _Strohbutzerbäzeme_ = Gänseeier,

_Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, _Strohbutzerbikus_ = Gansessen,

_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Strohbuz_ od. _Budel_ = Gans);

_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Strohbuze_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339

(_Strohbutzer_ od. _Strohbudel_); _Schwäb. Händlerspr._ 481

(_Strbudel_); s. auch noch _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Strohbuze_). Zur

_Etymologie_: Bei der Form _Strohbutzer_, dial. = _Strohputzer_ (so z.

B. schon _Waldheim. Lex._ 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere

Ausgestaltung der noch älteren Form _Strohbohrer_ (s. z. B. schon _Lib.

Vagat._ [55: _Stroborer_] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes.

Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch

die Form _Strohbuz(e)_ u. ä. (s. z. B. schon _Schwenters Steganologia_

um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw.

Quellenkreise]) — u. dann auch _bloß_ _Butze_, _Buhze_, _Budel_ u. a.

m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man _diese_ auch wohl zu

_Butz(-e)_ im Sinne von »Person oder _Tier_ von _kleiner_ Gestalt« (s.

dazu _Grimm_, D. W.-B. II, Sp. 591 unter »Butze«, Nr. 1; _Schmeller_,

Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10 unter

»Putz«) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch _Pott_, II, S. 22,

A.-L. 612 (unter »Strohbohrer«) vbd. mit 528 (unter »Buze«) u.

_Günther_, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.]

[Fußnote 803: ([352] auf S. 64.170) S. (betr. _gesichert_) auskochen u.

(betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]

[Fußnote 804: ([353] auf S. 64.170) S. (betr. _Bäzeme_) Ei.]

[Fußnote 805: ([354] auf S. 64.170) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]

Gänsefuß, _Babingerstritt_[806] [64.171]

Gansessen, _Strohbutzerbikus_[807]

Gänsestall, _Strohbutzerstenkert_[808]

garstig, _nobis dof_ (d. h. »nicht schön«)[809], auch _lenk_,

_schofel_[810]

Gartenhaus, _Kittle_[811]

Gastgeber s. Gastwirt

Gasthaus, _Beiz_, _Beizerei_,[812] _Kober_, _Koberei_[813]

[Fußnote 806: ([355] auf S. 64.171) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]

[Fußnote 807: ([356] auf S. 64.171) S. Abendessen.]

[Fußnote 808: ([357] auf S. 64.171) S. Entenstall.]

[Fußnote 809: ([358] auf S. 64.171) S. Dietrich u. angenehm.]

[Fußnote 810: ([359] auf S. 64.171) S. arg.]

[Fußnote 811: ([360] auf S. 64.171) S. Abort.]

[Fußnote 812: ([361] auf S. 64.171) Zu _Beiz_ oder (seltener) _Beizerei_

= Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die _Zusammensetzg._

_Lanengerbeiz_ = Soldatenwirtschaft und die _Ableitung_ _Beizer_ (in

früherer Zeit: _Baiser_ [vgl. »Einleitung«, S. 25]) od. (seltner)

_Beizerer_ = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: _Beizere_. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_Beis_ = Haus,

_Beisskitt_ od. _Koberbeis_ = Wirtshaus, _Baiser_ = Wirt, _Baiserin_ =

Wirtin); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256, 258 (_Bais_ od. _Baiser-Kitt_

= Wirtshaus, _T'schorbais_ = Diebswirtshaus, _Baiser_ = Wirt); _Schöll_

271, 272 (_Bais_ = Haus, plur. _Baiser_ = Wirtshäuser); _Pfulld.

J.-W.-B._ 338, 339, 346 (_Kochemer-Baies_ = Diebsherberge, _Baiser_ =

Wirt, Gastwirt, _Baiserkitt_ = Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u.

Kundenspr._ 77 (_Baiz_ = Wirtshaus, _Baizer[in]_ = Wirt[in]); _Schwäb.

Händlerspr._ 482, 488 (_Baiß_ = Haus, aber — sowohl in _dieser_ Form

wie in den Nebenformen _Baitz_, _Boitz_, _Beitzg_ [_Beitzle_] — _auch_

= Wirtschaft; _Baiser_, _Baitzer_ od. _Beitz[g]er_ = Wirt); s. auch noch

_Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Baitze_ = Wirtshaus), während die

_Pfälz. Händlerspr._ (437) _Bais_ od. _Bôies_ nur in dem allgem. Sinne

von »Haus« kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den

_Basl. Betrügnissen_ um 1450 [15] das Wort in der Form _Pöse_ = Herberge

auftritt, während es in der Form _Bais_ zunächst für »Haus« [s. _W.-B.

v. St. Georgen_ 1750 (216)], für »Wirtshaus« dagegen zuerst im _W.-B.

des Konst. Hans_ [s. oben] vorkommt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43,

S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter »Baiser«) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1

u. _Weber-Günther_, S. 153. Ebds. auch über die _Etymologie_ (vom hebr.

_bajit_ = »Haus«); vgl. auch A.-L. 524 (unter »Bes«); _Günther_,

Rotwelsch, S. 27; _Stumme_, S. 27; _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.

580/81.]

[Fußnote 813: ([362] auf S. 64.171) Zu _Kober_ od. (seltener) _Koberei_,

Synon. zu _Beiz_ (_Beizerei_) s. d. _Zusammensetzgn._ _Lanengerkober_ (=

Lanengerbeiz) u. die _Ableitung_ _Koberer_ = Wirt (Gast-, Schankwirt),

femin. _Kobere_. Bemerkenswert erscheint, daß auch _Kober_ in _Wittichs_

Jenisch das _Wirtshaus_ bedeutet, während es im Rotwelsch (ebenso wie d.

längere _Koberer_) i. d. R. für den _Wirt_ vorkommt (über _Ausnahmen_ s.

_Groß'_ Archiv Bd. 43, S. 24, Anm. 3 [zu S. 23] a. E). _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Koberbeis_ =

Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Kober_ = Diebswirt);

_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Koberer_ = Wirt, _Koberei_ = Wirtschaft); s.

auch _Metzer Jenisch_ 217 (_Koberei_ = Wirtshaus). Über weitere Belege

aus dem Rotw. usw. sowie die (nicht sichere, vielleicht aber zu dem

hebr. _chber_ = »Gefährte, Genosse« in Beziehung zu setzende)

_Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 22 ff. u. d.

Anmkgn. vbd. m. Bd. 38, S. 197, Anm. 2 — _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,

Sp. 59 hat keine Erklärung gegeben.]

Gastmahl, _Bikerei_, _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[807] [64.172]

Gastwirt, _Beizer(er)_[812], _Koberer_[813]

Gastwirtin, _Beizere_[812], _Kobere_[813]

Gatte, _Kaffer_[814]

Gattin, _Mos(s)_[815]

Gaukler, _Schnurrant_[816]

Gaul, _Trapert_[817]

Gaulfuß, _Traperttritt_[818]

Gaumen, _oberkünftiger Giel_ (d. h. etwa »Obermaul«)[819]

Gauner, _Schniffer_[820], _Zschor_[821]; vgl. Dieb

gebären, _Deislere werden_ (d. h. eigtl. »Wöchnerin werden« od.

»niederkommen«)[822]

Gebäude, _Kitt_[823]

[Fußnote 814: ([363] auf S. 64.172) S. Bauer.]

[Fußnote 815: ([364] auf S. 64.172) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 816: ([365] auf S. 64.172) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 817: ([366] auf S. 64.172) S. Füllen.]

[Fußnote 818: ([367] auf S. 64.172) S. Entenfuß.]

[Fußnote 819: ([368] auf S. 64.172) Dieselbe Umschreibung ist auch bei

den Zigeunern üblich nach _Liebich_, S. 153 u. 200 (_praldīno mui_,

d. h. »das Obermaul«, = Gaumen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 17). — Betr.

_Giel_ s. Affengesicht. Das Adj. _oberkünftig_ (= oberer) — als Adv.

gebr. = oben — ist der Gegens. zu _unterkünftig_ [s. darüber schon oben

unter »Fußsohle«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.

J.-W.-B._ 337, 340 (_oberkönig_ = hinauf, _oberkinnighauren_ =

aufsitzen); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_oberkünftig_ = oben); s. auch

_Pfälz. Händlerspr._ 439 (_überkindig_ = gegenüber). Im sonst. Rotw.

tritt _oberkünftig_ (ebenso wie s. Gegens. _unterkünftig_) z. B. schon

im _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 (218) auf, ist dagegen in d. Neuzeit

hauptsächl. _Kunden_ausdr. geworden. S. darüber sowie über die

_Etymologie_ das Näh. schon oben unter »Fußsohle«.]

[Fußnote 820: ([369] auf S. 64.172) S. anfassen.]

[Fußnote 821: ([370] auf S. 64.172) S. ausstehlen.]

[Fußnote 822: ([371] auf S. 64.172) Zu _Deislere_ = Wöchnerin

(»Kindbetterin«) s. die Weiterbildg. _Deislerei_ = Geburt u. die (zu dem

Stamme (_Deis[e]l-_ gehörige) _Zusammensetzg._ _Deiselmoss_ (od.

_Disselmoss_) = Hebamme. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.

der Gaunerspr._ 35 (_Deuslerin_ = Kindbetterin) u. _Pfulld. J.-W.-B._

341 (_Deußleri_ [-rin] = Kindbetterin u. _Deußlerei_ = Kindbett). Sonst

m. W. unbekannt. Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B.

II, Sp. 139 hat die Vokabel zu d. Zeitw. _deisen_ (deißen) = schlagen,

töten, schlachten, auch coire (s. oben unter »ermorden«) gestellt (aber

weshalb?).]

[Fußnote 823: ([372] auf S. 64.172) S. Abort.]

geben, _dogen_[824], _ste(c)ken_[825] [64.173]

Gebet, _Bliblerei_[826]

Gebieter, _Sins_[827]

Gebiß, _Näpfling_ (d. h. »Zähne«)[828]

Geblüt, _Rat_[829]

Geburt, _Deislerei_[830]

gebratene Kartoffeln s. Bratkartoffeln

gebrechlich, _begerisch_[831]

Geck, _Hegel_[832], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[833]

geeignet, _dof_[834]

Gefahr, _Lenk_, _Schofel_[835]

gefällig, _dof_[834]

gefangen, _im Dofes_[836], _im Kittle_[837], _im Lek_[836]

Gefangenwärter, _Dofesbu(t)z_, _Kittlesbu(t)z_, _Lekbu(t)z_[838]

Gefängnis, _Dofes_[836], _Kittle_[837], _Lek_[836]

Gefäß, _Nolle_ (bes. Topf, Hafen)[839] od. _Schottel_ (bes.

Schüssel)[840]

Gefecht, _Hamore_[841]

gefühllos, _lenk_, _schofel_[842]

gefühlvoll, _dof_[834]

Gehalt, _Bich_[843], _Gore_[844], _Lobe_[845]

[Fußnote 824: ([373] auf S. 64.173) S. abgeben.]

[Fußnote 825: ([374] auf S. 64.173) S. beschenken.]

[Fußnote 826: ([375] auf S. 64.173) S. anbeten.]

[Fußnote 827: ([376] auf S. 64.173) S. Amtmann.]

[Fußnote 828: ([377] auf S. 64.173) S. abbeißen.]

[Fußnote 829: ([378] auf S. 64.173) S. Blut.]

[Fußnote 830: ([379] auf S. 64.173) S. gebären.]

[Fußnote 831: ([380] auf S. 64.173) S. absterben.]

[Fußnote 832: ([381] auf S. 64.173) S. Dummheit.]

[Fußnote 833: ([382] auf S. 64.173) S. aberwitzig.]

[Fußnote 834: ([383] auf S. 64.173) S. angenehm.]

[Fußnote 835: ([384] auf S. 64.173) Substantivierung der entsprechd.

Adjektive (s. arg); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7,

Anm. 16.]

[Fußnote 836: ([385] auf S. 64.173) S. Arrest.]

[Fußnote 837: ([386] auf S. 64.173) S. Abort.]

[Fußnote 838: ([387] auf S. 64.173) S. (betr. _Bu(t)z_) Amtsdiener.]

[Fußnote 839: ([388] auf S. 64.173) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 840: ([389] auf S. 64.173) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 841: ([390] auf S. 64.173) S. Fehde.]

[Fußnote 842: ([391] auf S. 64.173) S. arg.]

[Fußnote 843: ([392] auf S. 64.173) S. Almosen.]

[Fußnote 844: ([393] auf S. 64.173) S. Barschaft.]

[Fußnote 845: ([394] auf S. 64.173) S. Bank.]

gehängt, _g'schnürt_[846] [64.174]

gehässig, _lenk_, _schofel_[842]

geheilt, _dof_[834]

gehen, _bosten_, _pfichen_[847] (wohl auch _naschen_, _tschanen_)[848]

gehenkt s. gehängt

Gehölz, _Jahre_, _Kracher_[849]

Geist (Gespenst), _Schuberle_[850]

geistesarm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[851]

Geistlicher, _Gal(l)ach_[852], _Kolb_[853]

[Fußnote 846: ([395] auf S. 64.174) S. aufhängen.]

[Fußnote 847: ([396] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) abgehen.]

[Fußnote 848: ([397] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) fliehen.]

[Fußnote 849: ([398] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 850: ([399] auf S. 64.174) Mit _Schuberle_ = Geist (Gespenst,

Spuk) ist gebildet die _Verbindg._ _bliblischer Schuberle_ = heiliger

Geist u. die _Zusammensetzg._ _Schuberleschein_ (d. h. eigtl.

»Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen).

_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93

(_Schuberle_ = Gespenst); _Uracher Jauner- u. Betrügerliste_ 1792 (268:

_Schuberlenspflanzer_ = »ein vorgeblicher Geistererlöser« [als

Betrügerart]); _Schöll_ 272 (_Schuberle_ = Geist, Gespenst); _Pfulld.

J.-W.-B._ 340, 342 (_grandiges Schuberle_ = Gespenst, _Tschuberle_ =

Nachtgespenst); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 213]:

_Schuberle_ [od. _Schubachtle_], plur.: _Schuberlich_ = Geist;

_Schuberlespflanzer_ = a) Geistererlöser (»Tätigkeit des kathol.

Pfarrers«); b) Teufel; dazu als Zeitw. _es schubert_ = es spukt). Im

sonst. Rotw. findet sich vereinzelt — neben dem Dim. auf -le — auch

wohl ein unverkleinertes _Schuhwer_ (od. _Schuwe_) in gleicher Bedeutg.

(s. z. B. _Pfister_ 1812 [305]; _v. Grolman_ 64 u. T.-G. 97; _Karmayer_

G.-D. 218). Die _Etymologie_ des Wortes ist noch nicht festgestellt;

vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 15, Anm. 1.]

[Fußnote 851: ([400] auf S. 64.174) S. aberwitzig.]

[Fußnote 852: ([401] auf S. 64.174) Mit _Gal(l)ach_ = Geistlicher

(Pfarrer, Prediger, Priester) sind gebildet die _Verbdg._ _grandicher

Gal(l)ach_ = Hoherpriester (betr. d. Syn. _gr. Kolb_ s. unter »Bischof«)

u. folgd. _Zus._: a) _am Anfang_: _Gal(l)achkitt_ = Pfarrhaus,

_Gal(l)achmalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_: _Diboldegal(l)ach_ (d.

h. eigtl. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.

Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._

37 (_Galloch_ = Pfarrer); _W.-B. des Konst. Hans_ 257, 258 (_Galach_,

_Galoch_ u. _Gallach_ = Pfarrer; _Galacha-Kitt_ = Pfarrhaus); _Pfulld.

J.-W.-B._ 343 (_Kollach_ = Pfarrer, _Rollach_ [verdruckt] = Priester,

_Kollachekitt_ = Pfarrhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Galach_

= Pfarrer [neben _Galorum_ = »Pfaffe«], _Galachswinde_ = [kathol.]

Pfarrhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 484 (_Gallach_ = Pfarrer, aber

auch Kaufmann; vgl. [486] d. merkwürd.: _Gallach reißen_ = »Spektakel

machen«); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Gallach_ = Pfarrer). Über

das Vorkommen der (alten u. sehr verbreiteten) Vokabel im Rotwelsch usw.

sowie die _Etymologie_ (vom aram. u. nhebr. _gelach_ = »scheren«,

Bedeutg. also »der Geschorene«, mit Bez. auf die Tonsur der kathol.

Geistlichen) s. ausführt. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 225 ff.; vgl. auch

noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 23.]

geistlos s. geistesarm. [64.175]

geizig, _bikerich_[854]

Geld, _Bich_[843], _Gore_[844], _Kies_[855], _Lobe_[845]; vgl.

Kupfergeld

Geldbeutel, _Kiesreiber_[856]

Geldkasse, Geldkasten, _Bichschure_, _Kies-_ od. _Lobeschure_[857]

Geldsack, _Bich-_, _Kies-_ od. _Loberande_[858]

Geldstück (Münze) s. Geld

Geldtasche s. Geldbeutel

gelehrt, _kochem_[859]

Geliebte, _dofe Model_ oder (bloß) _Model_[860]

Geliebter, _Benges_[861], _Fi(e)sel_[862], _dofer Benges_ (od. Benk)

Gelte (Gefäß für Flüssigkeiten), _Schottel_[863]

Gemach, _Schrende_[864]

Gemahl, _Kaffer_[865]

Gemahlin, _Mos(s)_[866]

gemein, _schofel_[867]

Gemüse, _Groanert_[868]

[Fußnote 853: ([402] auf S. 64.175) S. Bischof.]

[Fußnote 854: ([403] auf S. 64.175) S. Abendessen.]

[Fußnote 855: ([404] auf S. 64.175) S. Bankier.]

[Fußnote 856: ([405] auf S. 64.175) S. Beutel.]

[Fußnote 857: ([406] auf S. 64.175) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 858: ([407] auf S. 64.175) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 859: ([408] auf S. 64.175) S. besonnen.]

[Fußnote 860: ([409] auf S. 64.175) S. Beischläferin; vgl. angenehm.]

[Fußnote 861: ([410] auf S. 64.175) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 862: ([411] auf S. 64.175) S. Bettelbube.]

[Fußnote 863: ([412] auf S. 64.175) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 864: ([413] auf S. 64.175) S. Frauenstube.]

[Fußnote 865: ([414] auf S. 64.175) S. Bauer.]

[Fußnote 866: ([415] auf S. 64.175) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 867: ([416] auf S. 64.175) S. arg.]

[Fußnote 868: ([417] auf S. 64.175) Mit _Groanert_ od. _Groenert_ =

Gemüse, dann (auch spezieller) Kohl, Kraut (Sauerkraut) sind

_zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Groanertblättling_ = Krautsalat; b)

_am Ende_: _Koelesgroenert_ (d. h. eigentl. »Teufelskraut«) = Unkraut

(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch schon

»Vorbemerkg.«, S. 18) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 95 (_Gronert_ = Kraut); _W.-B. des Konst. Hans_ 254

(_Gruonert_ = Kraut); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kronet_ = Kraut

neben _Kro¶m¶et_ [wohl verdruckt] = Salat); _Schwäb. Händerspr._ 483

(_Grûnert_ = Kraut). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch (wo die

Vokabel als _Grunhart_ = Feld z. B. schon im _Lib. Vagat_ [54] u. dann

öfter, als _Grünert_ = Heu bei _A. Hempel_ 1687 [167] u. a. m., als

_Grunert_ = Krauthaupt im _Waldheim Lex._ 1726 [188], als _Gronert_ =

Kraut im _Hildburgh. W.-B._ 1783 ff. [228] vorkommt) s. _Weber-Günther_,

S. 187 (unter »Kronert«). Zur _Etymologie_ (von »grün« in versch.

mundartl. Aussprache) s. ebds. vbd. mit _Pott_ II, S. 9, _Günther_,

Rotwelsch, S. 62 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 (unter

»Grunert«).]

gemütlich, _dof_[869] [64.176]

gemütlos, _lenk_[867]

gemütskrank, _ni(e)sich_, _nil(l)ich_[870]

gemütvoll, _dof_[869]

Gendarm, _Lolo_ od. _Loli_[871], _Schuker_[872], auch (humoristisch)

_August mit dem Ofenrohr_[873] od. _Lattenkarle_[874]

[Fußnote 869: ([418] auf S. 64.176) S. angenehm.]

[Fußnote 870: ([419] auf S. 64.176) S. aberwitzig.]

Die jenische Sprache · 第 20 / 36 段