Schlächter) finden sich folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
_Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (u. dazu die weitere _Verbdg._ _grandich
Kaflerskitt_ = Schlachthaus); b) _am Ende_: _Kibekafler_ = Hundemetzger,
_Stupfelkafler_ = Igelmetzger, _Horboge-_ od. _Bogakafler_ = Kuh-
(ersteres auch Rindvieh-) Metzger, _Trabert-_, _Hornikel-_,
_Groenikelkafler_ = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. _Ableitungen_ von
_Kafler_ sind das Zeitw. _kaflere_ = schlachten (s. dazu die _Zus._
_niederkaflere_ = niedermetzeln) u. das Subst. _Kaflerei_ = Metzgerei
(s. dazu die _Zus._ _Kaflereischnall_ = »Metzelsuppe«). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Kafler_ =
Schinder); _Pfullend. J.-W.-B._ 338, 340, 341, 344 (_Kaffler_ =
Abdecker, Metzger, _Kafler_ = Henker, Schinder, _Kaflerei_ = Schinderei,
_kaflen_ = schlachten); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 484, 485 (_Kfler_ =
Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], _kfelen_ = schlachten,
_Kfel_ = Fleisch von verrecktem Vieh). _Etymologie_: Der Ausdruck, der
im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw.
Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von
»Abdecker« oder »Schinder« (dann auch wohl von »Henker«) gehabt hat, ist
offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren _Caviller_ od.
_Kafiller_ u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht
ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst
vom _Hebräischen_ (syr. _kephál_ = »abdecken, ziehen«) herleiten will —
doch _auch_ das md., früher auch hochd. _fillen_ (mhd. _villen_) = »das
Fell abziehen« Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch _Seiler_,
Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 36
ff. (unter »Caviller«; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die
notw. Belege für _Kaf[f]ler_ u. _Caffler_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 146 (unter »Kafler«) gibt keine bestimmte Erklärung.]
Fleischhafen, _Bossertnolle_[732] [64.161]
fleißig, _scheneglich_[733]
flicken, _pflanzen_ (Spr.)[734]
fliehen, _bosten_[735] od. _schiebes bosten_[736], _naschen_ (geflohen,
_genascht_)[737] od. _tschanen_[738]
[Fußnote 732: ([281] auf S. 64.161) _Nolle_ ist eine beliebte
Bezeichnung für ein »Gefäß« verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen,
Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen,
Pokal, Schoppen), namentl. auch in _Zusammensetzgn._ Als solche sind zu
nennen: a) mit N. am _Anfang_: _Nollepfanzer_ = Hafner (Töpfer),
Kesselflicker; b) mit N. _am Ende_ (außer _Bossertnolle_ noch):
_Süslengnolle_ = Kaffeekanne, _Duftnolle_ (d. h. eigtl. »Kirchenpokal«)
= Kelch, _Gleisnolle_ = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr.
Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _Fu(h)lnolle_ od. _Schmelznolle_ =
Nachthafen, _Flösselnolle_ = Nachttopf (Urintopf), _Spronkertnolle_ =
Salznapf, _Schwächnolle_ = Trinkgeschirr, _Fläderlingsnolle_ =
Vogelnapf, _Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Johlenolle_ = Weinkrug. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 100
(_Nolle_ = Hafen, Topf); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Nolle_ =
Kochhafen); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Servnolle_ = Kessel [Brennkessel]);
_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_Nolle_ = Schüssel, Topf, in _Lütz._
[214]: _Fülnolle_ = Nachttopf). Zur (_nicht_ sicheren) _Etymologie_ s.
etwa A.-L. 579 vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 409 (_Noll_
[G'noll, Knoll] = »rundlicher, harter Körper«), _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 2055 (unter »Nolle« Nr. 2) u. _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 879
vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch _Keiper_ in d. Z. f. hochd. Mundarten,
Bd. II (1901), S. 53 ff.]
[Fußnote 733: ([282] auf S. 64.161) S. abschaffen.]
[Fußnote 734: ([283] auf S. 64.161) S. anbrennen.]
[Fußnote 735: ([284] auf S. 64.161) S. abgehen.]
[Fußnote 736: ([285] auf S. 64.161) S. davongehen.]
[Fußnote 737: ([286] auf S. 64.161) Das Zeitw. _naschen_ (= fliehen,
auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem _verw. Quellenkr._ m.
Wissens nur im _Pfulld. J.-W.-B._ (342) für »laufen« (vgl. auch 341:
_naschirlen_ = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen
Reihe von _Zusammensetzgn._ (nämlich: _ausnaschen_ = ausgehen,
_durchnaschen_ = durchlaufen, _innerkinnignaschen_ = einsteigen,
_vernaschen_ = entfliehen, _hinternaschen_ = hintergehen,
_schibisnaschen_ = scheiden, _beduchtnaschen_ = schleichen,
_hordignaschen_ od. _guantnaschen_ = springen). Für sich allein kommt es
hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. _Pfister
bei Christensen_ 1814 [= gehen]; _v. Grolman_ 50 u. T.-G. 96 [ebenso];
_Karmayer_ 116 [desgl., doch hier _auch_ andere Bedeutgn.]). Zur
_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s.
A.-L. IV, S. 245 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit
_Pott_ II, S. 324 (unter »Naszavav«), _Liebich_, S. 149, 197, 218
(_naschāwa_ = ich laufe [fließe], fliehe), _Miklosich_, Beitr. III,
S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter »naš«: bei den
_deutsch._ Zigeun.: _našav̄a_ = laufen, fließen), _Jühling_, S.
224 (_nascha_ = fliehen) u. _Finck_, S. 75 (Stamm: _naš-_,
_nāšs-_, _našew-_ u. ä. = »laufen, gehen, fließen, schwärmen,
jagen«).]
flink, _dof_[739], _g'want_[740] [64.162]
Flinte, _Klass_[741], _Schnelle(r)_[742]
Flöhe, _Hasa_[743]
fluchen, _stämpfen_[744]
Flurschütz (Feldschütz), _Grünleng_[745]
Fluß, _Flu(h)te_[746]
Flut, "
Fohlen s. Füllen
folgen, _boste_[734], _pfichen_[734]
folgsam, _dof_[739]
fordern, _dalfen_, _derchen_[747]
Forelle, _dofer Schwimmerling_ (d. h. etwa »schöner [guter] Fisch«)[748]
[Fußnote 738: ([287] auf S. 64.162) Zu dem Zeitw. _tschanen_ = fliehen
(auch wohl gehen, kommen) ist _zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_tschanen_ = herumziehen) u. _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Lütz._ (214]: _tschāne[n]_ = gehen). Seiner
_Etymologie_ nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. _naschen_)
aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. Näh. bei
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit _Pott_ II, S. 212/13
(unter »Dscha«), _Liebich_, S. 133 u. 201 (_dschāwa_ = ich gehe),
_Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter »dža«: bei den
_deutsch._ Zigeun.: _džava_ = ich gehe), _Jühling_, S. 227 (_tschah_
= geh!) a. _Finck_, S. 56 (Stamm: _dša-_ = gehen; vgl.
_dšā́ben_ = »Gang, Tritt«).]
[Fußnote 739: ([288] auf S. 64.162) S. angenehm.]
[Fußnote 740: ([289] auf S. 64.162) S. anmutig.]
[Fußnote 741: ([290] auf S. 64.162) S. Büchse.]
[Fußnote 742: ([291] auf S. 64.162) S. abschießen.]
[Fußnote 743: ([292] auf S. 64.162) Die gleiche Bezeichnung (nur im
Sing.) kennt auch die _schwäb. Händlerspr._ 481 (_Hase_ = Floh). Es
handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten
metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine _andere_ (vgl.
dazu _Günther_, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle
Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium
comparationis gewesen ist. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
1206 (zu »Hase«, Nr. 3).]
[Fußnote 744: ([293] auf S. 64.162) S. Ärger.]
[Fußnote 745: ([294] auf S. 64.162) Zu _Grünleng_ = Jäger, Flur-od.
Feldschütz vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341
(_Grün¶d¶ing_ = Jäger, das nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882
vielleicht nur ein Schreibfehler für _Grünling_ ist; vgl. auch _Groß'_
Archiv, Bd. 56, S. 184) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Grünling_
[_Groêling_] = Waldhüter [in _Lütz._ (215) = Jäger, während der
Waldhüter dort _Grü(n)lingsbutz_ heißt]); s. auch noch _Regensburg.
Rotw._ 489 (_Grünling_ = Jäger, Förster). Zur _Etymologie_ s. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von _Grünling_ im
Rotw. s. _Günther_, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche _Grünwedel_ s.
unter »Förster«.]
[Fußnote 746: ([295] auf S. 64.162) S. abbrühen.]
[Fußnote 747: ([296] auf S. 64.162) S. abbetteln.]
[Fußnote 748: ([297] auf S. 64.162) S. angenehm u. Fisch. Über die
_abweichenden_ Bezeichnungen in d. _Zigeunerspr._ s. Näh. unter
»Hering«.]
forschen, _ausbutschen_[749], _auslinzen_[750] [64.163]
Förster, _grandicher Grünwedel_, d. h. »der größere Forstmann«)[751]
Forstmann, Forstwart, _Grünwedel_
fortbringen, _fortbugla_[752]
fortfahren, _abruadla_[753]
fortgehen, _schiebes bosten_, — _pfichen_ od. — _schef(f)ten_[754]
fortschleichen s. fortgehen
forttragen s. fortbringen
fragen, _butschen_[749], _lenzen_[750]
Frau, _Goi_[755], _Mogel_[756], _Mos(s)_[757], _Romane_[758]
[Fußnote 749: ([298] auf S. 64.163) S. anfragen.]
[Fußnote 750: ([299] auf S. 64.163) S. anschauen.]
[Fußnote 751: ([300] auf S. 64.163) S. über die Rangsteigerung
_Grünwedel_ = Forstmann (-wart), _grandich¶er¶ Gr._ = Förster,
_grand¶ich¶ Gr._ = Oberförster schon oben unter »Bischof«. _Zwei_
ähnliche Abstufungen kennen (nach _Liebich_, S. 198) auch die Zigeun.,
nämlich: _wēschéskero_ = Forstmann, Förster u. _barĭdīr w._ (d.
h. »der größere [höhere] Forstmann«) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine
dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63,
S. 391, Anm. 418 [zu »Bischof«]). Für die Bezeichg. _Grünwedel_ _vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Grünwedel_ =
Jäger); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); in der _Schwäb. Gaun.-, Kunden-
u. Händlerspr._ _nicht_ bekannt, obwohl dort mancherlei _ähnliche_
Ausdrücke vorkommen (wie z. B. _Grünstäudle_ = Jäger [so: _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 71 und _Schwäb. Händlerspr._ 82], _Grünstaudler_ =
Feldhüter, _Grünstäudel_, _-staud_ od. _-stäudling_, _Grünsteiger_,
_-rattler_ u. a. m. = Waldhüter [s. _Schwäb. Händlerspr._ 480 u. 488]).
Über weitere Belege (für _Grünwedel_) aus dem Rotw. sowie die
_Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm.
2.]
[Fußnote 752: ([301] auf S. 64.163) S. abtragen.]
[Fußnote 753: ([302] auf S. 64.163) S. abfahren.]
[Fußnote 754: ([303] auf S. 64.163) S. davongehen; vgl. (betr. _bosten_
u. _pfichen_) abgehen u. (betr. _schef[f]ten_) unter »daher« a. E.]
[Fußnote 755: ([304] auf S. 64.163) S. böse Frau.]
[Fußnote 756: ([305] auf S. 64.163) Zu _Mogel_ od. _Mokel_ = Frau
(Frauensperson, Frauenzimmer), Weib _vgl._ _Schwäb. Händlerspr._ 481,
484 (_Mockel_ = Frau, _Mokel_ = Mutter). Die _Etymologie_ bleibt
unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. _Mockel_, u. a. =
»plumpes _Weibsbild_«, _Mockele(in)_ = »rundliches Kind, _Mädchen_«
(aber _beides auch_ für Rindvieh, bes. _Kuh_ od. _Kalb_ gebraucht) nach
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (_Mockel_ [auch] = »weibliche
Geschlechtsteile«). Über ein seltenes rotw. _Muck_ (od. _Mück_) = Frau
s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.]
[Fußnote 757: ([306] auf S. 64.163) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 758: ([307] auf S. 64.163) Zu _Romane_ = Frau vgl. (aus d.
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_Rumie_ =
Frau, femin. zu _Romno_ = Mann u. _Schwäb. Händlerspr._ (in U. [214]:
_Romli_ = Mädchen [vgl. _Rom_ = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw.
ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B.
_Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [_Rumini_ = Frau]; _v. Grolman_ 57
[ebenso]; _Karmayer_ G.-D. 215 [verdr.: _Runinni_]). _Etymologie_: Die
Vokabel stammt aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u.
bildet das fem. (_romni_ u. ä.) zu _rom_ = Mann, Ehemann, Zigeuner,
(vgl. _rōmano_ [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter
»Rammenin«) vbd. mit _Pott_ I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528,
_Liebich_ S. 156 u. 191, 198, 262 (_romni_ = Frau, Ehefrau, Zigeunerin),
_Miklosich_, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter
»rom«: bei den _deutsch._ Zig. _romni_ = Frau [Eheweib], Zigeunerin),
_Jühling_, S. 227 (unter »Tschai«: _Romni_ = Frau).]
Frau, fahrende, _jenische Mos(s)_ od. — _Model_[759] [64.164]
Frau, junge, _Mössle_ (das jedoch _auch_ »kleines Mädchen« u. »alte
Frau« bedeutet)[760]
Frauenkleid, _Mos(s)klufterei_[761]
Frauenrock, _Mos(s)malfes_[762]
Frauenschürze, _Mos(s)fürflamme_[763]
[Fußnote 759: ([308] auf S. 64.164) S. Bachstelze, Bauernfrau u.
Beischläferin.]
[Fußnote 760: ([309] auf S. 64.164) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 761: ([310] auf S. 64.164) S. (betr. _Klufterei_) ankleiden.]
[Fußnote 762: ([311] auf S. 64.164) _Malfes_ (neuere Form für das ältere
_Mahlbosch_ [vgl. »Einleitung«, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte,
Überrock) ist verwendet in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
_Malfesrande_ = Rocktasche; b) _am Ende_: (außer _Mos[s]malfes_ noch):
_Gadscho-_ od. _Kaffermalfes_ = Männerrock, _Plauderermalfes_ =
Lehrerrock, _Gallach-_ od. _Kolbemalfes_ = Priesterrock. Eine
_Verbindg._ damit ist _unterkünftiger Malfes_ = Unterrock. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94, 98 (_Malebosch_
od. _Malus_ = Rock, _ein ganzer M._ = Rock und Kamisol, _ein halber M._
= Kamisol); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Malves_ = Kamisol, _Mahlbosch_
= Rock); _Schöll_ 271 (Formen: _Malves_ u. _Malbosch_, Bedeutgn.: wie im
_W.-B. des Konst. Hans_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 343, 344:
_Malves_ od. _Malboschum_ = Kittel, _Malfes_ od. _Maleboschen_ = Rock,
_Ruchemalfes_ [od. _Mahlboschen_] = Bauernkittel, _Schlaumalfes_ =
Schlafrock); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Malfes_ = Weste,
dagegen _Walmusch_ [sic] = Rock, aber wieder _Dormmalfes_ = Schlafrock);
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Malfes_ u. _Walmusch_ = Rock, dazu [in
_Pfedelb._ (212)]: _Dormmalfes_ = Schlafrock); s. auch noch _Pfälzer
Händlerspr._ 438, 439 (_Malebīsch_ = Anzug, _Walmüsch_ = Rock) u.
_Metzer Jenisch_ 216 (_Malbosche_ = Kleider). Über weitere, in der Form
sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über
die _Etymologie_ (vom. hebr. _mlbûsch_ = »Kleider«) s. ausführl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. _Schütze_ S.
98 (unter »Walmusch«); vgl. _Weber-Günther_, S. 167 u. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.]
[Fußnote 763: ([312] auf S. 64.164) Zu _Fürflamme_ = Schürze vgl. (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Vorflam_ = Schürz);
_Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Flamme_ = Schürze). Auch in d. _sonst._ rotw.
Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form _Flamme_ (od. Flammert),
teils in der längeren _Vorflamme(rt)_ od. _Fürflamme(rt)_ u. ä. mehrfach
anzutreffen. S. z. B. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (227: _Flamme_);
ferner _Krünitz' Encyklopädie_ 1820 (353: _Vorflamme_); _v. Grolman_ 21,
22 u. T.-G. 120 (_Fürflamm[e]_, _Für-_ od. _Vorflammert_ od. _Flamme_,
_Flammert_); _Karmayer_ 52 (_Fürflamm_ [masc. gen.]) Die _Etymologie_
ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer
weithin leuchtenden (gleichsam »flammenden«) _weißen_ Schürze zu denken;
vgl. A.-L. 540 (unter »Flamme« [wo auch die Nebenbedeutgn. von
_Flamme(rt)_ — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s.
auch noch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — _Fischer_,
Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter »Flamme«) hat keine Erklärung
hinzugefügt.]
Frauensperson (Frauenzimmer), _Goi_[764], _Model_[765], _Mogel_[766], [64.165]
_Mos(s)_[767]; vgl. Frau
Frauenstube, _Mos(s)schrende_[768]
Fräulein, _Sinsemodel_[769]
frech, _lenk_, _schofel_[770]
Freien, im — übernachten s. übernachten
Fremder (d. h. ein Herr, Bursche, Mann, aber kein Bauer), _Freier_[771]
[Fußnote 764: ([313] auf S. 64.165) S. böse Frau.]
[Fußnote 765: ([314] auf S. 64.165) S. Beischläferin.]
[Fußnote 766: ([315] auf S. 64.165) S. Frau.]
[Fußnote 767: ([316] auf S. 64.165) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 768: ([317] auf S. 64.165) Mit _Schrende_ = Stube (Gemach,
Zimmer) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandiche Schrende_ = Saal) (s. d.
betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende _Zusammensetzgn._: a)
_am Anfang_: _Schrendepflanzer_ = Zimmermann; b) _am Ende_ (außer
_Mos[s]schrende_ noch) _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, _Leileschrende_
(eigtl. »Nachtstube«) = Wachtstube. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Schrende_ = Stube);
_übereinstimmend_ (in Form _und_ Bedeutg.) auch: _W.-B. des Konst. Hans_
254, _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 345; dagegen in der _schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]): _Schrenze_ = Stube. Über weitere
Belege im Rotwelsch sowie _Etymologie_ des Wortes (das ohne Zweifel
_deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 54, S. 165,
Anm. 2 u. dazu etwa auch noch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter
»Schrand«).]
[Fußnote 769: ([318] auf S. 64.165) S. Amtmann u. Beischläferin.]
[Fußnote 770: ([319] auf S. 64.165) S. arg.]
[Fußnote 771: ([320] auf S. 64.165) Zu _Freier_ = Fremder (auch Herr,
Jüngling) s. das Dimin. _Freierle_ = Junge, Knabe, auch Sohn, die
_Verbindungen_ _dofer Freier_ = Junker u. _schofler Freier_ = Heuchler
od. auch »Hurenkerl« sowie die _Zus._ _Fehtefreier_ = Quartierbursche
(vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Freier_ = »ein gewachsener
Bub«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Freier_ = Mann). Über sonstige Belege
im Rotw. sowie die _Etymologie_ s. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.
Daß _Freier_ in _Wittichs_ Jenisch niemals für einen Bauer verwendet
werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste
Bedeutg. im _Rotwelsch_ gerade »Bauer« gewesen sein dürfte (s. u. a.
schon _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [350]).]
Freudenmädchen, _Lubne_, _Schoflemodel_[772] [64.166]
Freund, _Benges_ od. _Benk_[773]; _Fi(e)sel_[774]
freundlich, _dof_[775]
friedfertig, "
Friedhof s. Gottesacker
frieren, mich friert's, _mich bibert's_[776]
frisch, _dof_ (Spr.)[775]
fromm, "
fromme Leute, _Blibelulma_[777]
Frost, _Bib(e)risch_ (subst. Adj.)[778]
frostig, _bib(e)risch_[776]
Frucht, _Gib_[779], _Kupfer_[780]
[Fußnote 772: ([321] auf S. 64.166) S. (zu beiden Ausdr.)
Beischläferin.]
[Fußnote 773: ([322] auf S. 64.166) S. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 774: ([323] auf S. 64.166) S. Bettelbube.]
[Fußnote 775: ([324] auf S. 64.166) S. angenehm.]
[Fußnote 776: ([325] auf S. 64.166) S. eisig.]
[Fußnote 777: ([326] auf S. 64.166) S. anbeten u. arme Leute.]
[Fußnote 778: ([327] auf S. 64.166) Vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
[Fußnote 779: ([328] auf S. 64.166) _Gib_ (= Frucht, bedeutet bes. auch
Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie
aus der _Verbdg._ _g'funktes Gib_ [»gebranntes Getreide« (Gerste)] =
Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon
»Vorbemerkg.«, S. 17] zu schließen sein dürfte). _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339-341 (_Gi[e]b_ = Frucht,
Korn, Hafer, für letzteres auch: _Spitzgib_); _Schwäb. Händlerspr._ 481
(_Gîp_ = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. _Etymologie_: Das
Wort stammt aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. in
letzter Linie aus dem Altind. S. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647
(unter »Gip«) vbd. m. _Pott_ II, S. 67 (unter »Gieb«), _Liebich_, S. 136
u. 203, 216 (_gīb_ = Getreide, Korn), _Miklosich_, Beitr. III, S. 21
u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter »_giv_«: bei d. _deutsch._
Zigeun.: _gīb_ = Getreide, Korn), _Jühling_ 222 (_Gib_ = Frucht,
Feld) u. _Finck_, S. 59 (_giw_ = »Getreide [Korn, Weizen, Gerste,
Roggen«]).]
[Fußnote 780: ([329] auf S. 64.166) Auch _Kupfer_ = Frucht, dann
Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich _Gib_) noch spezieller für
einzelne Getreide_arten_ vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und
endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling).
Auch sind damit (im Gegens. zu _Gib_) verschiedene _Zusammensetzgn._
gebildet worden, nämlich a) am _Anfang_: _Kupfertrapert_ = Heupferd,
_Kupferflederling_ (eigtl. »Heuvogel«) = Heuschrecke, _Kupfersore_
(eigtl. etwa »Gras- od. Heuding«) = Sense (s. d. betr. Analogie in d.
Zigeunerspr.), _Kupferstöber_ (eigtl. »Grasbaum«) = Weidenbaum; b) _am
Ende_: _Flu(h)tekupfer_ = Meergras, Schilf. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Kupfer_ = Heu); _Schöll_ 271
(ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (desgl.); _Schwäb. Händlerspr._ 481,
482 (_Kupfer_ = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt
die Vokabel (für »Heu«) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon
_Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [271: _Kuffert_ (sic) = Heu] u. dann [i. d.
Form _Kupfer_] öfter; merkwürdig die Umkehrung _Heu_ [als _rotw._ Vok.]
= Kupfer im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [217], die aber vielleicht bloß
auf einem Irrtum beruht). Die _Etymologie_ ist ungewiß, auch von
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt
daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch.
(Lehn-)Worte »Kupfer« — als Metallbezeichnung — (vgl. _Günther_,
Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.]
Frühstück, _Achilerei_[781], _Bikerei_ od. _Bikus_, _Kahlerei_[782] [64.167]
Fuhrmann, _Rädlingskaffer_ (d. h. »Fuhrwerksmann«)[783]
Füllen (Fohlen), _Trabertle_ (d. h. »Pferdchen«)[784]
Füllenstall, _Trabertstenkertle_[785]
Furcht, _Bauser_[786]
fürchten, _bausen_[786]
furchtlos, _nobis bauserich_ (d. h. »nicht furchtsam«)[787]
furchtsam, _bauserich_[786]
Fürst, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[788]
Furz, _Bremser_[789]
[Fußnote 781: ([330] auf S. 64.167) S. essen.]
[Fußnote 782: ([331] auf S. 64.167) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]
[Fußnote 783: ([332] auf S. 64.167) S. Eisenbahnwagen u. Bauer.]
[Fußnote 784: ([333] auf S. 64.167) _Trabertle_ ist Dimin. zu _Trabert_
od. _Trapert_ = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre
sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne
Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die
Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für »Hengst« noch
spezieller auch _Trabertkaffer_ (d. h. eigtl. »Pferdemann«, männliches
Pferd), wozu dann als Gegenstück _Trabertmos(s)_ (eigtl. »Pferdefrau«) =
Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu »Bauer« u.
»Bauernfrau« sowie weiter unten unter »Hengst«). Weitere
_Zusammensetzgn._ mit _Tr._ sind noch: a) am _Anfang_: _Trapertstritt_ =
Gaul- od. Pferdefuß, _Traperttrittleng_ = Huf (eigtl. wohl auch
»Pferdefuß«), _Trabertbossert_ od. _-mass_ = Pferdefleisch,
_Trabertstrauberts_ = Pferdehaare, _Trabertkemerer_ = Pferdehändler,
_Trabertschenegler_ = Pferdeknecht, _Trabertstenkert_ = Pferdestall (u.
dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_, wofür logischer _Trabertlestenkert_
zu erwarten [s. schon oben unter »Entenstall«]) u. _Trabertschwäche_ =
Pferdetränke (wogegen _Trabertschwächerle_ »Pferdeeuter« bedeutet [vgl.
oben unter »Amme«]); b) _am Ende_: _Kupfertrapert_ = Heupferd (vgl. oben
S. 166, Anm. 780). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 97 (_Trappert_ = Pferd); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Trappen_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Trappert_ u. _Trapperle_ = Pferd);
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Trappert_ [Treppert, Treppling] u.
_Traber_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Trappert_). Über weitere rotw.
Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ (zu »traben« bzw.
»trappeln« usw.) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu
»Trappert-Leininger«).]
[Fußnote 785: ([334] auf S. 64.167) S. Entenstall; vgl. auch die vorige
Anm.]
[Fußnote 786: ([335] auf S. 64.167) S. Angst.]
[Fußnote 787: ([336] auf S. 64.167) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]
[Fußnote 788: ([337] auf S. 64.167) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]
[Fußnote 789: ([338] auf S. 64.167) S. auslassen.]
furzen, _bremsere_[789], _Bremser schmusen_[790] [64.168]
Fuß, _Tritt_[791], _Trittleng_[792]; vgl. auch Schuh, Stiefel
Fußlappen, _Trittlengstreifleng_[793]; vgl. Socken
Fußsohle, _unterkünftiger Tritt_ (d. h. »der untere Fuß«)[794]
Fußstapfe, Fußtritt, _Tritt_[791]
[Fußnote 790: ([339] auf S. 64.168) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]
[Fußnote 791: ([340] auf S. 64.168) S. Entenfuß.]
[Fußnote 792: ([341] auf S. 64.168) S. Ferse.]