Falle, _Schure_[667]
fallen, _bohla_[672]
[Fußnote 661: ([210] auf S. 64.153) Das Adj. _gril(l)isch_ od.
(seltener) _kril(l)isch_ = evangelisch (protestantisch) erscheint auch
als Substantivierung _Gril(l)ischer_ = Protestant sowie in die
Verneinung _nobis gril(l)isch_ = ungläubig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_grillisch_ = lutherisch);
_W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, vgl. [256]: _Grillische
Käfer-Märtine_ = Württemberg [u. dazu _Günther_ i. d. Zeitschr. »Die
Polizei«, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); _Schöll_ 274 (in d.
»Bettlersprache«: _crilisch_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_grillisch_);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209]: _krillisch_ [oder
_krittisch_] = evangelisch, in _Lütz._ [215]: _grillisch_ =
protestantisch). Zur _Etymologie_ (des auch sonst im Rotw. [des 19.
Jahrb.] bekannten Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter
»Grill[e]« Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen
Gegenden Schwabens die Protestanten _Grillen_ (wobei zunächst wohl an
unsere _Tier_bezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj.
_grillisch_ (in schlechter Ausspr. _krillisch_) gebildet worden (s. a.
a. O., Sp. 836 unter »grillisch«).]
[Fußnote 662: ([211] auf S. 64.153) S. After u. Bäcker.]
[Fußnote 663: ([212] auf S. 64.153) S. Abort.]
[Fußnote 664: ([213] auf S. 64.153) S. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 665: ([214] auf S. 64.153) S. belügen.]
[Fußnote 666: ([215] auf S. 64.153) S. alltäglich.]
[Fußnote 667: ([216] auf S. 64.153) S. abbiegen.]
[Fußnote 668: ([217] auf S. 64.153) S. abfahren.]
[Fußnote 669: ([218] auf S. 64.153) S. Bachstelze u. arme Leute.]
[Fußnote 670: ([219] auf S. 64.153) _Krattler_ ist eine mundartliche,
besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die »fahrenden
Leute«, zunächst eigtl. für »die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft
ihrer ganzen Familie kleine Karren« (mit zwei Rädern, _Kratten_ genannt,
v. latein _caretta_) »voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern
ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen«.
(_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch _Grimm_, D. W.-B. V,
Sp. 2070 (unter »Kratte« Nr. 3) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693
(unter »Kratte[n]«). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss.
sonst nicht gebräuchlich.]
[Fußnote 671: ([220] auf S. 64.153) S. Eisenbahnwagen.]
[Fußnote 672: ([221] auf S. 64.153) S. abfallen.]
fallende Sucht (Fallsucht), _Begerisch_ (subst. Adj.)[673]; vgl. [64.154]
Epilepsie
falsch, _lenk_, _schofel_[674]
Falschmünzer, _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (d. h.
»kein guter Geldmacher«)[675]
fangen, _bestieben_[676]
Fastnacht, _Ni(e)sicheschei_ od. _Nillicheschei_ (d. h. der »närrische«
oder »Narrentag«)[677]
Fastnachtsküchle, _Nillichescheibrandling_[678]
Fastnachtsmaske, _Ni(e)sichegiel_, _Nilliche-_ od. _Nuschichegiel_ (d.
h. »närrisches Maul«)[679]
faul s. falsch
faulenzen, _nobis schenegla_ (d. h. »nicht[s] arbeiten«)[680]
Faust, _Grif(f)leng_[681]
fechten, _doga_[682], _guffa_[683], _ste(c)ken_[684]; vgl. schlagen
Federbett, _Sauft_[685]
Federmesser, _Scharfling_ od. _Scharpfleng_[686]
Fehde, _Guferei_[683], _Hamore_[687], _Stenzerei_[688]
[Fußnote 673: ([222] auf S. 64.154) S. absterben.]
[Fußnote 674: ([223] auf S. 64.154) S. arg.]
[Fußnote 675: ([224] auf S. 64.154) S. Dietrich; vgl. auch (betr.
_Bich_) Almosen, (betr. _Kies_) Bankier, (betr. _Lobe_) Bank u. (betr.
_-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 676: ([225] auf S. 64.154) S. bekommen.]
[Fußnote 677: ([226] auf S. 64.154) S. aberwitzig u. alltäglich. In
_gleicher_ Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s.
_Liebich_, S. 169 (_narbuléngĕro diwes_, d. h. »Narrentag«) u.
_Finck_, S. 55, (_narwelengero díwes_).]
[Fußnote 678: ([227] auf S. 64.154) S. (btr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
[Fußnote 679: ([228] auf S. 64.154) S. Affengesicht.]
[Fußnote 680: ([229] auf S. 64.154) S. (betr. _nobis_) Dietrich u.
(betr. _schenegla_) abschaffen.]
[Fußnote 681: ([230] auf S. 64.154) S. Daumen.]
[Fußnote 682: ([231] auf S. 64.154) S. abgeben.]
[Fußnote 683: ([232] auf S. 64.154) S. aufschlagen.]
[Fußnote 684: ([233] auf S. 64.154) S. beschenken.]
[Fußnote 685: ([234] auf S. 64.154) S. Bett.]
[Fußnote 686: ([235] auf S. 64.154) S. Dolch.]
[Fußnote 687: ([236] auf S. 64.154) _Hamore_ = Streit (Fehde, Gefecht,
Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in
_Wittichs_ W.-B. gewissermaßen als Synonym zu _More_ (= Prügelei,
Streit) od. _Morerei_ (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen
Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Hamore_ = Händel); _Schöll_
272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (_More_ = Händel, _Mori_ =
Streit, Zus. _Morekaffen_ [lies: _-kaffer_] = »bestohlene
Diebsverfolger«); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Môrest_ od. _Mores_ =
Angst, in U. [214]: _Mōre_ = Streit u. _mōre[n]_ [in _Lütz._
(214): _hamīre(n)_] = streiten); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438
(_Môres_ = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. _Etymologie_ s.
noch Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das _Pfulld.
J.-W.-B._ (340) _More_ durch ganz denselben Ausdruck (»Händel«)
verdeutscht wie die _älteren_ rotw. Quellen _Hamore_, so läßt dies wohl
darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. _More_ aber
(von dem weiter _Morerei_ — ev. durch Vermittlung eines Zeitw.
_mōren_ [s. _Schwäb. Händlerspr._ in _Lütz._ (214)] — leicht
gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. _môr'_ = »Furcht«
gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach
durch »Angst« od. »Furcht« wiedergegeben ist (u. ebenso in d. _Schwäb.
u. Pfälz. Händlerspr._ [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese
Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem _Fragezeichen_ —
aufgestellte, wonach zu _Hamore_ das hebr. _chămôr_ = »Esel«
herangezogen worden.]
Feiertag, Festtag, _Weisleng_[689]. (Obgleich _Weisleng_ eigentlich [64.155]
Sonntag bedeutet, wird doch auch jeder andere Feiertag damit bezeichnet)
Feigling, _Buxeschmelzer_ (d. h. eigtl. »Hosenscheißer«)[690]
fein, _dof_, _g'want_[691]
feines Haus, _dofe Kitt_[692]; vgl. Schloß
Feldschütz s. Flurschütz
Felleisen, _Rande_[693]
Felsen, _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«)[694]
[Fußnote 688: ([237] auf S. 64.155) S. Ast.]
[Fußnote 689: ([238] auf S. 64.155) Mit _Weisleng_ (-ling) = Sonntag
(Feier-, Festtag) sind folgende _Zus._ gebildet worden:
_Brandlingweisling_ (d. h. eigtl. »Kuchensonntag« = Kirchweihsonntag
(der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), _Bäzemaweisling_ (d.
h. eigtl. »Eiersonntag«) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.), _Schuberleweisling_ (d. h. eigtl. »Geistsonntag« [mit Bez. auf
die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie
in d. Zigeunerspr.). Aus dem _verw. Quellenkr._ kennt nur die _schwäb.
Händlerspr._ in _Deggingen_ (215) _Weissling_ in der Bedeutg. »Sonntag«.
Im _Rotw._ kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne _nicht_, dagegen
für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z.
B. für _Ei_ (so auch in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68), für
_Milch_ (so auch in der _schwäb. Händlerspr._ 484), für _Schnee_ (s. z.
B. schon _Schintermicherl_ 1807 [288]), für den »Silbergnanziger« (s.
_Fröhlich_ 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg.
»Zwanzig- od. Fünfpfennigstück«) usw. Vgl. _Pott_ II, S. 8, A.-L. 621,
_Günther_, Rotwelsch, S. 62 u. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm.
3. Der _Etymologie_ nach nimmt _Weissling_ = Sonntag usw. jedenfalls
wohl Bezug auf das Weiße als »Farbe des Tages, Lichtes .. und _der
festlichen Freude_« (vgl. Näh. dazu bei _H. Schrader_, Wundergarten, S.
70).]
[Fußnote 690: ([239] auf S. 64.155) S. Beinkleid u. Abort.]
[Fußnote 691: ([240] auf S. 64.155) S. angenehm u. anmutig.]
[Fußnote 692: ([241] auf S. 64.155) S. angenehm u. Abort.]
[Fußnote 693: ([242] auf S. 64.155) S. Bauch.]
[Fußnote 694: ([243] auf S. 64.155) S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe
Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_ S. 196
(_bāro parr_, d. h. »großer Stein« [od. _pesso parr_, d. h. »dicker
Stein«] = Fels).]
Fenster, _Feneter_[695], _Schei_[696] [64.156]
Fensterglas, _Feneter-_ od. _Scheiglansert_[697]
Ferkel, _Balo_, _Groanikel_[698]
Ferse, _Tritt_[699], _Trittleng_[700]
Fett, _Schmunk_[701]
Fettbüchse, _Schmunkschottel_[702]
feucht, _flu(h)tich_[703]
Feuer, _Funk_[704]
[Fußnote 695: ([244] auf S. 64.156) _Zusammengesetzt_ damit ist nur
_Feneterglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Fenette_ [fem. gen.] = Fenster); _Schöll_
271 (_Feneter_); _Pfulld. J.-W.-B._ 389 (_Finetter_) _Schwäb.
Händlerspr._ 480 (_Feneter_ od. _Finêter_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_Fenēt_); _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Finet_) u. _Winterfeld_,
_Hausiererspr._ 441 (_Finester_ = Fenster u. Auge). Zur _Etymologie_
(vom franz. _fenêtre_ [ital. _finestra_]) s. _Pott_ II, S. 17,
_Günther_, Rotwelsch, S. 37 u. _Weber-Günther_, S. 173; vgl. auch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da _Wittich_ in sr. »Einleitung«
(S. 29) die Vokabel unter den aus der _Zigeunersprache_ stammenden (in
der Form _Fenetra_) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine »jenischen
Leute« sie _zunächst_ von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in
ähnl. Form) auch kennen (s. _Finck_, S. 57: _fenétri_ = »Fenster«,
während _Liebich_ S. 196 dafür nur _wochni_ hat [vgl. bei _Jülling_, S.
227: _Wochli_ = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das
Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26 u. »Einleitg.« S. 29, Anm. 93).]
[Fußnote 696: ([245] auf S. 64.156) S. alltäglich.]
[Fußnote 697: ([246] auf S. 64.156) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
[Fußnote 698: ([247] auf S. 64.156) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]
[Fußnote 699: ([248] auf S. 64.156) S. Entenfuß.]
[Fußnote 700: ([249] auf S. 64.156) _Trittleng_ (-ling) bedeutet
(ähnlich wie _Tritt_) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh
od. Stiefel. _Zusammensetzgn._ damit sind: a) _im Anfang_:
_Trittlengstreifling_ = Fußlappen; b) _am Ende_: _Grif(f)lingtrittling_
= Handschuh, _Halbtrittleng_ = Halbstiefel, _Traperttrittling_ = Huf
(eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. _Traperttritt_ = »Gaulfuß« [s. oben unter
»Entenfuß«]. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92, 98 (_Trittling_ = Füße, Schuh); _Schöll_ 271 (Form:
ebenso, Bedtg.: Fuß); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso); _Schwäb. Gaun.-
u. Kundenspr._ 75, 76 (_Trittling_ = Schuh, Stiefel); _Schwäb.
Händlerspr._ 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel,
vgl. _Trittlingspflanzer_ = Schuster); auch im _Pleißlen der
Killertaler_ (436) hat _Trittling_ _dieselben_ Bedeutgn. Über weitere
Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (zu »Tritt« bzw. »treten«) s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.]
[Fußnote 701: ([250] auf S. 64.156) S. Bratkartoffeln.]
[Fußnote 702: ([251] auf S. 64.156) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
[Fußnote 703: ([252] auf S. 64.156) S. abbrühen.]
[Fußnote 704: ([253] auf S. 64.156) S. abbrennen.]
Feuersbrunst, _grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«)[705] [64.157]
Feuerstein, _Funkkies_[706]
feurig, _funkich_[707]
Fichte, _Stöber_[708]
Fichtenwald, _Jahre_, _Kracher_ (d. h. überhaupt »Wald«)[709]
Filzlaus, _Kenem_[710]
Finger, _Grif(f)ling_[711]
Fingerhut, _Grif(f)lingoberman(n)_[712]
[Fußnote 705: ([254] auf S. 64.157) S. Adler u. abbrennen. — Auch die
Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern
sagen dafür _bāro jāk_, d. h. gleichfalls »großes Feuer«, oder
_diwii jāk_, d. h. »wildes, wütendes Feuer« (s. _Liebich_, S. 197);
vgl. »Vorbemerkg.«, S. 17.]
[Fußnote 706: ([255] auf S. 64.157) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
[Fußnote 707: ([256] auf S. 64.157) S. abbrennen.]
[Fußnote 708: ([257] auf S. 64.157) S. Apfelbaum.]
[Fußnote 709: ([258] auf S. 64.157) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]
[Fußnote 710: ([259] auf S. 64.157) Mit _Kenem_ (= Laus, Filzlaus, plur.
_Keneme_ = Ungeziefer) sind _zusammengesetzt_: a) am _Anfang_:
_Kenemebenges_, _-benk_ od. _-fi(e)sel_ = »Lausbub«; b) am _Ende_:
_Muffkenem_ (d. h. eigtl. »Stinklaus«) = Wanze (vgl. Aas). _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Kinum_ =
Läuse); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Künum_ = Laus, plur. hier: _Künumer_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 72 (_Kinum_ od. _Kinem_ = Läuse,
_Kinumrechen_ = Kamm [vgl. das volkstüml. »Lauseharke«]); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Kenum_, _Kînum_ od. _Kîneme_ [in _Pfedelb._ (211):
_Kinnem_] = Laus, in _Pfedelb._ [211] auch _Kinnemrechen_ = Kamm); s.
auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kînum_ = Laus). Zur _Etymologie_
aus dem Hebr. (bibl. _kinnîm_ od. _kinnm_, eigtl. = »Stechmücken«, jüd.
_kinnim_ = »Läuse«) s. _Günther_, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit
A.-L. 538 u. 390 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 157 (unter »Kinnem«), woselbst auch noch weitere
Belege aus d. Rotw. angeführt sind.]
[Fußnote 711: ([260] auf S. 64.157) S. Daumen.]
[Fußnote 712: ([261] auf S. 64.157) _Oberman(n)_ = Hut (Haube, Kappe,
Mütze) kommt auch noch in folgenden _Zus._ vor: a) _am Anfang_:
_Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b)
_am Ende_: _Lanengeroberman(n)_ = Helm od. Soldatenmütze,
_Grandicher-Sins-Oberman(n)_ (d. h. eigtl. »Königshut«, zu _grandich
Sins_ = König [s. oben unter »Bischof«], weshalb genauer
_Grandich-Sins-Oberm._ zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _Süslingoberman(n)_ = Zuckerhut (wobei
der Ausdr. — wie in _Grif[f]lingoberman[n]_ — im _übertrag._ Sinne
gebraucht ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_Obermann_ = Hut, dann auch Rahm); _Pfulld. J.-W.-B._
339-342 (_Aberma_ = Filzhut, _Oberma_ = Hut, auch Milchrahm, _Obermäne_
= Kappe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Obermann_ = steifer Hut,
vgl. _Strohmann_ = Strohhut); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Oberman_ =
Hut; dazu in _Pfedelb._ [210] noch: _Obermannspflanzer_ = Hutmacher).
Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die _Erklärung_ des Ausdrucks s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch _Weber-Günther_, S.
191/92 (unter »Öwermännche«).]
Fingerring, _Reifling_[713] [64.158]
finster, _leile_ (eigtl. _Leile_ = Nacht)[714]
Finsternis, _Leile_
Fisch, _Flössling_[715], _Flotscher_[716], _Matsche_[717],
_Schwimmerling_[718]
[Fußnote 713: ([262] auf S. 64.158) _Reifling_ = Ring (Fingerring) kommt
(in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der _Zus._ _Flösselreifling_
(d. h. eigtl. »Wasserring«) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m.
d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem »Reif[en]« gehörende) Wort ist
auch der _schwäb. Händlerspr._ (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr.
dagegen kaum gebräuchlich. Das _Pleißlen der Killertaler_ (436) hat
_Raifle_ = Ring.]
[Fußnote 714: ([263] auf S. 64.158) S. Abend.]
[Fußnote 715: ([264] auf S. 64.158) _Flössling_ wird (ähnlich wie
_Flederling_ = Vogel für bestimmte Vogel_arten_) auch für einzelne
_Fischarten_ verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in
der _Gaunerspr._ [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg.
als argum.: _Flösslingschottel_ = »Heringbüchse«), der übrigens auch
genauer durch _Spronkertsflössling_ (d. h. »Salzfisch«) oder
_Begertflössling_ (d. h. »toter Fisch«) wiedergegeben wird (s. hierzu
auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter »Hering«; vgl.
auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten
erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. _Schwimmerling_ (s. unten
Anm. 4) gebräuchlicher. _Zusammensetzgn._ mit _Flössling am Anfang_ sind
noch _Flösslingachilerei_ od. _-bikus_ = Fischessen. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Flösling_); _Schöll_
271 (_Flößling_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Fl¶e¶ßling_, vgl. _fleßlinge_
= fischen); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flößling_ [plur.] = Fische).
_Etymologie_: Nach _Stumme_, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15.
Jahrb. (s. z. B. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]) auftretende —
Ausdruck »weniger von der _Flosse_ des Fisches (s. dazu _Weigand_, W.-B.
I, Sp. 559) als von _Floß_ = ›Wasser‹ (s. dazu _Weigand_, a. a. O., Sp.
559 unter »Floß« Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. _Schintermicherl_ 1807
[289: _Flos_ = Wasser]) ausgehend zu deuten«. S. auch A.-L. 541 (unter
»Floß«). — Vgl. oben _flösle(n)_ usw. unter »austreten (leicht)«.]
[Fußnote 716: ([265] auf S. 64.158) _Flotscher_ (od. _Pflotscher_)
erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. _Flössling_ u.
_Schwimmerling_, auch in _Zus._, von denen nur _Spronkertflotscher_ =
Hering (vgl. Anm. 715) u. _Flotscherkahlerei_ = Fischessen zu nennen
sind. Außerdem hat aber _Flotscher_ od. _Pflotscher[t]_ auch noch die
Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (_Zus._: _Bogeiepflotschert[t]_ =
Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. _Pflotscherpflanzer[in]_ =
Schirmflicker[in]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92 (_Flotschen_ = Fisch, _Flotschenkitt_ = Fischkasten;
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flotscher_ = Fisch; vgl. auch [488]:
_pflötsche_ = [sich] waschen). _Zur Etymologie_: In der Bedeutg. »Fisch«
dürfte _Flotscher_ doch wohl in _letzter_ Linie mit _fließen_ (im Sinne
von »schwimmen« [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 554 unter »fließen«, Nr. 2
u. 559 unter »Flosse« a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu
der _zweiten_ Bedeutg. (Regenschirm) gibt _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
Sp. 1068 (unter »Pflotsch«) vbd. mit Sp. 1057 (unter »Pflatsch«) u. 1058
(unter »pflatsche[n]«) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb.
_pflatsche(n)_ »mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut:
»_pflatsch_«) auf den Boden fallen«, was besonders vom Wasser und
_Regen_ gebraucht wird, daher _Pflatschregen_ od. auch bloß _Pflatsch_
(Pflatscher) od. _Pflotsch_ = Regenguß (vgl. »Platzregen«). Das Wort
geht (nach _Fischer_) »etwa parallel mit _patschen_« (worüber zu vgl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215), »nur daß es sich weit mehr auf das
Wasser bezieht« (vgl. auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens
läßt _Fischer_ (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob _pflotsche[n]_
(das auch für »im Wasser waten« vorkommt) nicht »ein Wort für sich« sein
könnte.]
Fischbein, _Bogeia_[719] [64.159]
Fischbeinschirm, _Bogeilepflotschert_[720]
[Fußnote 717: ([266] auf S. 64.159) _Matsche_ kommt (gleich _Flössling_)
ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. »Karpfen« vor. _Zus._ damit:
_Matschebutterei_ = Fischessen; _Ableitungen_ davon: _matschen_ =
fischen u. (_davon_ wieder) _Matscher_ = Fischer. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Matsche_ = Fische, in
U. [214] auch d. sing. _Mătsch_ = Fisch); nur vereinzelt auch im
Rotw. bekannt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [302: _Matsche_ = Fisch]; _v.
Grolman_ 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: _Matscho_ als sing.]; _Karmayer_
G.-D. 209 [wie _v. Grolm._]). Zur _Etymologie_: (aus der _Zigeunerspr._
[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525
(unter »Matsch«) vbd. mit _Pott_ II, S. 437 (unter »Maczo«), _Liebich_,
S. 145 u. 197 (_mādscho_ od. _mādschin_), _Miklosich_, Beitr. III,
S. 14 (bei d. _deutsch._ Zigeun.: _mādšo_ od. _-šin_) u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter »mačo«: bei den _deutsch._
Zigeun.: _māčo_ [mādscho]), _Jühling_, S. 224 [_Matscho_, plur.
-e) u. _Finck_, S. 73 (_mātšo_). Nach _Miklosich_ (a. a. O.) läßt
sich die Vokabel bis ins Altindische (_matsja_) zurückverfolgen.]
[Fußnote 718: ([267] auf S. 64.159) Auch _Schwimmerling_ kommt (gleich
_Flössling_ u. _Matsche_) noch spezieller für »Karpfen« vor. Für andere
Fischarten erscheint es in der _Verbindg._ _dofer Schwimmerling_ (d. h.
etwa »schöner Fisch«) = Forelle sowie in der _Zus._ _Fuchsschwimmerling_
= Goldfisch u. _Spronkertschwimmerling_ = Hering (vgl. die Synon.
_Spronkertflössling_ u. _-flotscher_). An den _Anfang_ gestellt ist
dieses Wort in der _Zus._ _Schwimmerlingbikerei_ = Fischessen u.
_Schwimmerlingsflederling_ = Fischreiher (d. h. eigtl. nur
»Fischvogel«). In dem _verw. Quellenkr._ ist die Vokabel (die natürlich
zu »schwimmen« gehört) nicht bekannt, im _sonst. Rotw._ vereinzelt
anzutreffen, während die _Kundenspr._ ein kürzeres _Schwimmling_ =
Hering kennt. S. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.]
[Fußnote 719: ([268] auf S. 64.159) Dieses Wort (mit dem die _Zus._
_Bogeiepflotschert_ = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist)
hat auch die _schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bogeie_ = Fischbein), während
es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner _Etymologie_ nach stammt
es wohl aus der _Zigeunersprache_ her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der
es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere
Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. _Jühling_, S. 222 (wo _Gogcia_ =
»Beiner[?]« u. als Sing. _Gogalo_ [= Bein] angeführt ist, das auch in
anderen Sammlungen vorkommt [s. _Liebich_, S. 137, 182 u. 215
(_gogālo_ od. _kokālo_ = Bein od. Knochen); _Miklosich_,
Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter »kokalo«: bei den _deutsch._
Zigeun.: _gogālo_); _Finck_, S. 65 (_kókalo_ = »Knochen, Bein,
Knöchel«)] und [nach _Mikl._, a. a. O ] mit dem neugriech. [Griechisch:
kokalon] zusammenhängt).]
fischen, _matschen_[721] [64.160]
Fischer, _Matscher_
Fischessen, _Flösslingachilerei_[722] od. _-bikus_[723],
_Flotscherkahlerei_, _Matschebutterei_ od. _Schwimmerlingbikerei_[724]
Fischreiher, _Schwimmerlingsflederling_[725]
Flamme, _Funk_[726]
Flasche, _Glansert_[727]
flehen, _derchen_[728]
Fleisch, _Bossert_, _Mas(s)_[729]
Fleischbüchse, _Bossertschottel_[730]
Fleischer, _Kafler_[731]
[Fußnote 720: ([269] auf S. 64.160) S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158,
Anm. 716).]
[Fußnote 721: ([270] auf S. 64.160) S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).]
[Fußnote 722: ([271] auf S. 64.160) S. Fisch u. essen.]
[Fußnote 723: ([272] auf S. 64.160) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
[Fußnote 724: ([273] auf S. 64.160) S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und
Abendessen.]
[Fußnote 725: ([274] auf S. 64.160) S. (betr. _Flederling_) Adler.]
[Fußnote 726: ([275] auf S. 64.160) S. abbrennen.]
[Fußnote 727: ([276] auf S. 64.160) S. Bierglas.]
[Fußnote 728: ([277] auf S. 64.160) S. abbetteln.]
[Fußnote 729: ([278] auf S. 64.160) S. Aas.]
[Fußnote 730: ([279] auf S. 64.160) (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]