[Fußnote 574: ([123] auf S. 64.144) Der Plural _Bäzeme_ bedeutet auch:

»Hoden«. Ebenso handelt es sich bei dem — nach _Wittich_ (im

Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — _Betzam_ od. _Bezem_

= männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — »in der

Aussprache kaum davon zu unterscheiden« ist, um _dasselbe_ Wort, nur in

etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). _Zus._ a) mit _Bäzem(e)_ =

Ei(er) sind: [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Bäzemabrandleng_ =

Eierkuchen, _Bäzemagachne_ od. _-stierer_ = Legehuhn, _Bäzemaschei_

(eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.

Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18); [Griechisch: b]) _am

Ende_: _Fläderlingbäzeme_ = Vogeleier, _Strohbutzersbäzeme_ = Gänseeier.

b) Mit _Bäzeme_ = Hoden ist gebildet _Bäzemerande_ = Hodensack. c) Mit

_Betzam_ (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Betzum_ = Ei);

_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Betze_ od. _Betzum_ = Eier, in _Pfedelb._

[209]: _Bezem_ = Ei u. Eier, ebds. [211] _Bēzĕmĕ_ = membrum

muliebre, dagegen in _Lütz._ [215] — übereinstimmend mit _Wittichs_

Jenisch — = membrum virile); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u.

_Metzer Jenisch_ 212 (_Bĕtzche_ = Ei). Die Bedeutg. von _Betzam_

(Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh.

(s. z. B. _Pfister_ 1812 [_Pehzem_ = männliches Glied]; _v. Grolman_ 7

u. _T.-G._ 98 [_Behzem_]; _Castelli_ 1847 [391: _Bedzem_]; ebenso:

_Fröhlich_ 1851 [394] u. _Wiener Dirnenspr._ 1886 [417], während A.-L.

523 _Bezem_ hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in

der _ursprgl._ Bedeutg. »Ei«) im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom

gleichbed. hebr. _bêça_ [jüd. bezo], plur. _beçîm_) s. _Weber-Günther_,

S. 152/53 (unter »Bärkse«) vbd. mit A.-L. 523 (unter »Beitze«) u. 341

(unter »Beza«), _Günther_, Rotwelsch, S. 26, _Stumme_, S. 23 u.

_Kleemann_, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff

_penis_) s. _A.-L._ 523 u. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII,

S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum

_muliebre_ (bei d. schwäb. Händl. i. _Pfedelb._ [s. oben]) auf einer

weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag

dahingestellt bleiben.]

[Fußnote 575: ([124] auf S. 64.144) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 576: ([125] auf S. 64.144) S. abbiegen.]

Eierkuchen, _Bäzemabrandleng_[577] [64.145]

eifersüchtig, _lenk_, _schofel_[578]

Eimer, _Schure_[576]

einblasen, _einschurele_[576]

einbrechen, "

einbrennen, _einfunken_[579]

einfahren, _einruadla_[580]

einfallen, _einplotza_[581]

einfältig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[582]

Einfaltspinsel, _Hegel_[583]

einfangen, _einschurele_[576]

einfüllen, "

eingeben, "

einhandeln s. einkaufen

einhauen, _einguffen_[584]

einheizen, _einfunken_[579]

einkaufen, _einbaschen_ (Spr.), _eingreme_[585]

einkerkern, _eindofema_, _einleken_[586]

einlaufen, _ei'bosten_[587]

einnähen, _ei'stichle_[588]

einsalben, _einschunde_[589]

einsalzen, _einspronken_[590]

[Fußnote 577: ([126] auf S. 64.145) S. (betr. _Brandleng_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 578: ([127] auf S. 64.145) S. arg.]

[Fußnote 579: ([128] auf S. 64.145) S. abbrennen.]

[Fußnote 580: ([129] auf S. 64.145) S. abfahren.]

[Fußnote 581: ([130] auf S. 64.145) S. bewerfen.]

[Fußnote 582: ([131] auf S. 64.145) S. aberwitzig.]

[Fußnote 583: ([132] auf S. 64.145) S. Dummheit.]

[Fußnote 584: ([133] auf S. 64.145) S. aufschlagen.]

[Fußnote 585: ([134] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 586: ([135] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 587: ([136] auf S. 64.145) S. abgehen.]

[Fußnote 588: ([137] auf S. 64.145) S. aufnähen.]

[Fußnote 589: ([138] auf S. 64.145) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 590: ([139] auf S. 64.145) Das Zeitw. _einspronken_ (s. dazu

die _Verbdg._ _eingespronkter Bossert_ = Pökelfleisch) ist ebenso wie

das einfache _spronkere_ = salzen (richtiger doch wohl: _spronken_?) —

u. dazu _g'spronkt_ od. _gesprunkt_ = gesalzen, salzig — eine Ableitung

von dem Hauptwort _Spronkert_ = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt:

_Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_ (d. h.

eigtl. »Salzfisch«) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.),

_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch,

_Spronkertnolle_ = Salznapf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):

_Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Sprunkert_ = Salz); übereinstimmd.: _Schöll_

271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier [339] auch: _einsprunken_ =

einsalzen); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Sprungert_ [in _Pfedelb._ (212):

_Sprunk_] = Salz). Auch die _Pfälz. Händlerspr._ 439 kennt _Sprungert_.

Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh.

— in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere)

_Etymologie_ s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 187/88 (unter »Sprunkert«)

vbd. m. _Pott_ II, S. 35, _A.-L._ 610 u. _Hoffmann-Krayer_ im Schweiz.

Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw.

»springen«, »sprenkeln« u. »[be]sprengen« gedacht haben).]

einschlafen, _ei'durme_ (-ma)[591], _einschlauna_[592] [64.146]

einschlagen s. _einhauen_

einschlummern s. einschlafen

einschmieren s. einsalben

einschneiden, _einschurelen_[593]

einschnüren, "

einschreiben, _einfebera_[594]

einschütten, _einschurelen_[593]

einspannen, "

einsperren s. einkerkern

einstecken " "

einstürzen, _einbohla_[595]

einwerfen, _einplotza_[596]

Eis, _Schure_[593]

Eisen, "

Eisenbahn, _Rutsch_[597]

Eisenbahnarbeiter, _Rutschschenegler_[598]

Eisenbahnwagen, _Rutschrädling_[599]

[Fußnote 591: ([140] auf S. 64.146) S. aufwachen.]

[Fußnote 592: ([141] auf S. 64.146) S. ausschlafen.]

[Fußnote 593: ([142] auf S. 64.146) S. abbiegen.]

[Fußnote 594: ([143] auf S. 64.146) S. abschreiben.]

[Fußnote 595: ([144] auf S. 64.146) S. abfallen.]

[Fußnote 596: ([145] auf S. 64.146) S. bewerfen.]

[Fußnote 597: ([146] auf S. 64.146) S. Bahn.]

[Fußnote 598: ([147] auf S. 64.146) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 599: ([148] auf S. 64.146) _Rädling_ (-leng) = Fahrzeug (auf

dem Lande), Wagen findet sich noch in der _Verbindg._ _dofer Rädling_

(d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche sowie in folgenden _Zusammensetzgn._:

a) _am Anfang_: _Rädlingkaffer_ = Fuhrmann u. _Rädlingpflanzer_ =

Kutschenbauer, Wagner; b) _am Ende_: _Kritzlerrädling_ (eigtl.

»Briefwagen«) = Postwagen u. _Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. _Zu

vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255

(_Rädling_ = Landkutsche); _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (= Wagen); _Schwäb.

Händlerspr._ 488 (ebenso; Syn. _Rdel_ od. _Rudel_). Über weitere rotw.

Belege u. die _Etymologie_ (zu »Rad«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,

S. 25 u. Anm. 1 (unter »Radlinger«) vbd. m. _Pott_ II, S. 37, _A.-L._

583 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46,

S. 27 (_Radlingpflanzer_ = Wagner bei _Karmayer_ 130).]

eisig, _bib(e)risch_ (eigtl. »kalt«)[600] [64.147]

Eiswasser, _Biberischerflu(h)te_ (d. h. eigtl. »kaltes Wasser«)[601]

elend, _lenk_, _schofel_[602] (elend daran gewesen, _schofel daran

gehauret_)[603]

Elster, _Flederling_[604] oder (genauer) _Stämpfflederling_[605], d. h.

»der schimpfende Vogel«[606]

Eltern, _Patris[607] und Mamere_[608], d. h. »Vater und Mutter«[609]

[Fußnote 600: ([149] auf S. 64.147) Das Adj. _biberisch_ (bibrisch

[Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost)

gebracht wird, ist eine _Ableitung_ von dem Zeitw. _biberen_ = frieren

(_mich biberts'_ = mich friert's). Eine _Zus._ mit _biberisch_ ist

_Biberischerflu(h)te_ = Eiswasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_biberisch_ = kalt); _Pfulld.

J.-W.-B._ 339, 341 (_biberisch_ = kalt, _biberen_ = frieren, _verbibern_

= erfrieren); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_biberisch_ = kalt, in

_Pfedelb._ [209, 210]: _biberen_ = frieren [z. B. _mi bibert's an d'

Grifling_ = mich friert's an den Händen] u. _verbiberen_ = erfrieren).

Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt

(letzteres auch mit den _Neben_bedeutgn. »beten« u. »lesen«; s. A.-L.

524). Der _Etymologie_ nach erscheint _biberen_ (wie auch das gemeinspr.

_bebern_ = »heftig beben« u. d. mundartl. _bibbern_ od. _bebbern_ =

»zittern« [s. z. B. _H. Meyer_, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S.

19]) wohl als »Iteritivbildung« von »beben«. _S. Pott_ II, S. 17 vbd.

mit _Weigand_, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 79,

Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1

(zu S. 336).]

[Fußnote 601: ([150] auf S. 64.147) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 602: ([151] auf S. 64.147) S. arg.]

[Fußnote 603: ([152] auf S. 64.147) Das Zeitw. _hauren_ hat (ähnl. wie

_schef[f]ten_) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen

(niedersitzen). S. zur _ersteren_ Bedeutg. noch die Umschreibung _hauret

nobis_ (eigtl. »es ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben

unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.

J.-W.-B._ 337, 338, 342, 344-46 (_hauren_ = ausruhen, bleiben, liegen,

sitzen, _oberkinnig hauren_ = aufsitzen, _beducht hauren_ = still stehen

[vgl. dazu betr. _beducht_: _Weigand_, W.-B. I, Sp. 225 unter

»betuchen«], _scheffhauren_ = warten, _Haurigerlaninger_ = Schildwache);

_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]: _hawern_ = dasein,

sein, _ghawert_ = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die

_Etymologie_ des Wortes (vom ältern deutsch, _hauren_ [od. hauern] =

»niederhocken, kauern«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u.

Anm. 1 zu »Haurigerlaninger«).]

[Fußnote 604: ([153] auf S. 64.147) S. Adler.]

[Fußnote 605: ([154] auf S. 64.147) S. (betr. _Stämpf-_) Ärger.]

[Fußnote 606: ([155] auf S. 64.147) Übereinstimmend hiermit auch die

Zigeunersprache. _S. Liebich_, S. 118, 164 u. 193 u. _Finck_, S. 92

(_tšingerpáskero tširklo_ = Elster, eigtl. der »zänkische«, der

»Zank- u. Streitvogel«).]

[Fußnote 607: ([156] auf S. 64.147) _Patris_ od. _Patres_ = Vater findet

sich auch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Patrisglied_

(das — gleich _Mamereglied_ [s. dazu oben unter »Amme«] — drei

Bedeutgn. hat, näml.): [Griechisch: a]) Oheim (im Sinne

v. »Vatersbruder«); [Griechisch: b]) Tante (im Sinne von

»Vatersschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon

oben unter »Bruder« sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter

»Oheim« u. »Tante«), _Patriskitt_ = Vaterhaus, _Patrissteinhäufle_ =

Vaterstadt; b) _am Ende_: _Grandicher-Patres_ = Großvater, _Kittpatris_

= Hausvater, _Schoflerpatris_ = Stiefvater. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Patres_ = Vater [so: auch

_Sulz_, _Zigeunerliste_ 1787 (251)]); _Schöll_ 271 (_Patris_); _Schwäb.

Händlerspr._ 487 (_Ptris_). Über weitere rotw. Belege u. die

_Etymologie_ (von latein. _pater_, gen. _patris_) s. Näh. in _Groß'_

Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B.

I, Sp. 677.]

empfindlich, _stumpfich_[610] [64.148]

emporblicken, _linzen_[611]

Ente, _Lachapatscher_[612]

Entenfuß, _Lachepatscherstritt_[613]

[Fußnote 608: ([157] auf S. 64.148) S. Amme.]

[Fußnote 609: ([158] auf S. 64.148) Nach _Liebich_, S. 131 u. 193

umschreiben auch die Zigeuner den Begriff »Eltern« in gleicher Weise (_o

dad te i dai_, d. h. Vater u. Mutter); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17, Anm.

44.]

[Fußnote 610: ([159] auf S. 64.148) S. Ärger.]

[Fußnote 611: ([160] auf S. 64.148) S. anschauen.]

[Fußnote 612: ([161] auf S. 64.148) _Lacha-_ od. _Lachepatscher_ = Ente

(s. dazu die _Zus._: _Lachepatscherstritt_ u. _-stenkert_ = Entenfuß,

-stall sowie das _Dimin._ _Lachepatscherle_ = »Küchlein« [d. h.

_Enten_küchlein]) findet sich auch in der _schwäb. Händlerspr._ 480

(_Lachepatscher_ od. _Lachpatsche_). Das ältere Rotwelsch kannte dafür

den Ausdr. _Dreckpatscher_ (s. z. B. auch: _Dolm. der Gaunerspr._ 92:

_Treckpatscher_). S. dazu, insbes. auch über die _Etymologie_ der

Wörter, Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch

_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.]

[Fußnote 613: ([162] auf S. 64.148) _Tritt_ = Fuß (auch Fußstapfe,

Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh

kommt noch vor in der _Verbindg._ _unterkünftiger Tritt_ (d. h. eigtl.

»der untere Fuß«) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.)

sowie in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:

_Trittgrif(f)leng_ (-ling) (eigtl. »Fußfinger«) = (Fuß-) Zehe (s. d.

betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) _am Ende_: (_außer

Lachepatscherstritt_ noch): _Babinger-_ od. _Strohbutzerstritt_ =

Gänsefuß, _Traperttritt_ = Gaul- od. Pferdefuß, _Gachne-_, _Stanzel-_

od. _Stierertritt_ = Hühnerfuß u. _Vordertritt_ = Vorderfuß. Für

»Handschuhmacher« ist im W.-B. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ angeführt,

woraus sich _Grif(f)lingstritt_ = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür

nur _Grif(f)lengstrittleng_ genannt ist. Auch in dem _verw. Quellenkr._

kommt statt _Tritt_ durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte

_Trittling_ vor (s. darüber Näh. unter »Ferse«), während sich in der

sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch _Tritt_ für »Schuh« findet neben dem

(häufigern) Dimin. _Trittchen_ u. ä., das bes. auch in der neueren

Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 76 [_Trittchen_ = Stiefel] u. _Metzer Jenisch_ 217

[_Trittche_ = Schuh]). Ausführl. _Belege_ s. (betr. _Tritt_) in _Groß'_

Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. _Trittchen_ u. ä.) ebds., Bd.

46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 191/92. Die

_Etymologie_ bedarf keiner näheren Erläuterung.]

Entenstall, _Lachepatschersstenkert_[614] [64.149]

entfernen (sich), _schiebes bosten_ od. _schef(f)ten_, entferne dich,

gehe fort, _schef(f)te schiebes_[615]

entkleiden, _ausklufte_[616]

entleibt, _begeret_ (d. h. »gestorben«)[617]

entrinnen, _schiebes pfichen_[618]

entrüstet, _stumpfich_[619]

Entrüstung, _Stumpf_[619]

entschlafen s. entleibt

entseelt " "

Entsetzen, _Bauser_[620]

entspringen, entweichen, _schiebes bosten_[615]

entwenden (Entwendung), _schniffen_[621], _schornen_[622]

entwischen s. entspringen

entzwei, _schofel_ (Spr.)[623]

Epilepsie, _Begerisch_ (subst. Adj.)[624]

[Fußnote 614: ([163] auf S. 64.149) Mit _Stenkert_ od. (seltener)

_Stenker_ = Stall (Käfig) sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet:

_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall,

_Keiluf-_ od. _Kibestenkert_ = Hundestall, _Horbogestenkert_ = Kuhstall,

Rinderstall, _Hornikelstenkert_ = Ochsenstall, _Trabertstenker_ (hier

so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_ =

Füllenstall, wofür eigentlich _Trabertlestenkert_ zu erwarten, da das

Füllen _Trabertle_, Dimin. zu _Trabert_ [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl.

Näh. unter »Füllen«), _Groenikelstenkert_ = Sau- (Schweine)stall,

_Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (Stenkert = Stall); _W.-B. des

Konst. Hans_ 255 (_Stenker_); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stinker_; vgl.

aber auch [343] unter »Roßstall«: _Stenger_, ferner [340]:

_Stierestinker_ = Hühnerstall); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75

(_Stenkert_); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (ebenso, in _Pfedelb._ [213]

aber _Stinkert_, das übrigens hier auch »Käs« bedeutet, während es in

_Lütz._ [214] soviel wie »Abtritt« ist). Das auch sonst im Rotw.

verbreitete Wort gehört der _Etymologie_ nach natürlich zu unserm Zeitw.

»stinken«; s. _Pott_ II, S. 35 u. _A.-L._ 610 (unter »Stänker«).]

[Fußnote 615: ([164] auf S. 64.149) S. davongehen; vgl. (betr.

_bosten_): abgehen u. (betr. _schef[f]ten_): daher a. E.]

[Fußnote 616: ([165] auf S. 64.149) S. ankleiden.]

[Fußnote 617: ([166] auf S. 64.149) S. absterben.]

[Fußnote 618: ([167] auf S. 64.149) S. (betr. _schiebes_) Anm. 615 u.

(betr. _pfichen_) abgehen.]

[Fußnote 619: ([168] auf S. 64.149) S. Ärger.]

[Fußnote 620: ([169] auf S. 64.149) S. Angst.]

[Fußnote 621: ([170] auf S. 64.149) S. anfassen.]

[Fußnote 622: ([171] auf S. 64.149) S. ausstehlen.]

[Fußnote 623: ([172] auf S. 64.149) S. arg.]

[Fußnote 624: ([173] auf S. 64.149) S. absterben.]

erbitten s. bitten [64.150]

erbittert s. entrüstet; vgl. auch zornig

erbrechen (sich), übergeben (sich), _giela_ (Spr.), auch als Subst.: das

Erbrechen, Übergeben, _Giela_ (-le)[625]

Erbsen, _Sore_[626]

Erbsenschüssel, _Soreschottel_[627]

Erdäpfel, _Bolla_[628], _Matrele_[629]; vgl. Kartoffel

Erdbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[630]

erfassen, _schniffen_[631]

erflehen, _derchen_[632]

erforschen s. ausfragen

erfragen (fragen), _lenzen_[633]

ergrimmt s. entrüstet

erhängen, _aufknüpfen_[634], _schnüren_[635]

erkaufen, _grema_[636]

erkennen, _kneisen_ (gneis[s]en)[637]

[Fußnote 625: ([174] auf S. 64.150) S. Affengesicht.]

[Fußnote 626: ([175] auf S. 64.150) S. Brücke.]

[Fußnote 627: ([176] auf S. 64.150) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 628: ([177] auf S. 64.150) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 629: ([178] auf S. 64.150) Diese Vokabel ist im W.-B. _nicht_

zu _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ verwendet worden. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Matrellen_ =

»Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld.

J.-W.-B._ 341 (_Matrella_ = Kartoffeln); _Schwäb. Händlerspr._ (U.

[214]: _Matrelle_ = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die

_Etymologie_ — aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s.

das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter »Matrelen-Bosseler«)

u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter

»Matērelle«) vbd. mit _Finck_, S. 72 (_matrēli_ = »Kartoffel«).]

[Fußnote 630: ([179] auf S. 64.150) S. Ananas.]

[Fußnote 631: ([180] auf S. 64.150) S. anfassen.]

[Fußnote 632: ([181] auf S. 64.150) S. abbetteln.]

[Fußnote 633: ([182] auf S. 64.150) S. anschauen.]

[Fußnote 634: ([183] auf S. 64.150) Der Ausdruck bedarf keiner

Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht

gebräuchlich; vgl. jedoch bei _Karmayer_ 95 die Bezeichng.

_Knüpfschragen_ für den Galgen (wohl zu _Schagen_ = »Holzgestell mit

schräg od. kreuzweise stehenden Füßen« nach _Weigand_, W.-B. II, Sp.

784).]

[Fußnote 635: ([184] auf S. 64.150) S. aufhängen.]

[Fußnote 636: ([185] auf S. 64.150) S. abkaufen.]

[Fußnote 637: ([186] auf S. 64.150) Das Zeitw. _kneisen_ od.

_gneis(s)en_ bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können

(wissen, verstehen); dazu die Umschreibung _gneis nobis_ = unbekannt

(vgl. schon oben unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 ([einen] _kneisen_ = [einen]

kennen); _Schöll_ 272 (_kneissen_ — »inne werden«); _Pfulld. J.-W.-B._

338, 339 (_begneist_ = bekannt, _verkneissen_ = erkennen); _Schwäb.

Händlerspr._ 479, 484, 488 (_kneißen_ od. _kneißen_ = bemerken, merken,

verstehen, in _Pfedelb._ [213]: _kneissen_, auch = sehen). Über weitere

Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ s.

Näh. bei _Weber-Günther_, S. 178 (unter, »kneisen«). Zu den dortigen

Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759

[_g'neißen_ = »(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken,

wahrnehmen, ahnen«]) s. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357

(unter »g[e]neisse[n]«); zu vgl. ferner _H. Meyer_, Richt. Berliner (7.

Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin _kneißen_ für »scharf hinsehen«

bekannt ist).]

erlogen, _kohl_ (eigtl. _Kohl_ = Lüge)[638] [64.151]

ermorden, _deisen_ (Partiz.: ermordet, _deist_)[639]

erschlagen, " "

erschießen, _verschnellen_ (erschossen, _verschnellt_)[640]

Erschrecken (das), _Bauser_[641]

ersehen (sehen), _linzen_[642]

ersticken, _begeren_[643]

erwachsen, _grandich_ (od. -dig)[644]

erwacht, _ausdurmt_[645], _ausg'schlaunet_[646]

erwischen, _bestieben_[647], _zopfen_[648]

erwürgen, _deisen_[649]

[Fußnote 638: ([187] auf S. 64.151) S. belügen.]

[Fußnote 639: ([188] auf S. 64.151) Das Zeitw. _deisen_ kommt vor für:

ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]),

unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für »erwürgen« sowie für

»schlachten«; dazu die _Zus._ _halbdeist_ = halbtot u. die _Ableitg._

_Deiser_ = Mörder od. Totschläger. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_deisen_ od. _teißen_ =

schlagen, _Teißerei_ = Schlägerei); _Schwab. Händlerspr._ 484, 487

(_deißen_ = töten, metzgen, schlachten, dazu: _Klæbedeißer_ =

Pferdemetzger; in _Pfedelb._ [212]: _deisen_ = schlachten, aber _deißen_

= coire [Grundbedtg. auch hier wohl »schlagen«, vgl. (209): _eindeißte

Bezem_ = »eingeschlagene Eier«], ferner in _Lütz._ [215): _deisse[n]_ =

schlagen, _Deisser_ = Metzger u. in _Degg._ [215]: _Deiss_ = Schlag).

Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ s.

Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.:

»Teissflamerer«). Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet

die Etymol. als »unklar«.]

[Fußnote 640: ([189] auf S. 64.151) S. abschießen.]

[Fußnote 641: ([190] auf S. 64.151) S. Angst.]

[Fußnote 642: ([191] auf S. 64.151) S. anschauen.]

[Fußnote 643: ([192] auf S. 64.151) S. absterben.]

[Fußnote 644: ([193] auf S. 64.151) S. Adler.]

[Fußnote 645: ([194] auf S. 64.151) S. aufwachen.]

[Fußnote 646: ([195] auf S. 64.151) S. ausschlafen.]

[Fußnote 647: ([196] auf S. 64.151) S. bekommen.]

[Fußnote 648: ([197] auf S. 64.151) S. Diebstahl.]

[Fußnote 649: ([198] auf S. 64.151) S. ermorden.]

erzählen, _dibere_[650], _schmusen_[651] [64.152]

Erzählung, _Diberei_, _Schmuserei_

erzeugen, _bodere_ (od. budere), _kirme_, _schnirgle_[652],

_schurele_[653], auch _fuchsa_[654]

erzürnt, _stumpfich_[655], auch wohl _lenk_ od. _schof(f)el_[656]

essen, _achila_[657], _biken_, _butten_, _kahla_[658]

Essen (das), _Achilerei_[657], _Bikerei_ (od. _Bikus_), _Butterei_,

_Kahlerei_[658]

Eule, _Leile-_ od. _Ratteflederling_, d. h. »Nachtvogel«)[659]

Euter, _Schwächerle_[660]

[Fußnote 650: ([199] auf S. 64.152) S. ansagen.]

[Fußnote 651: ([200] auf S. 64.152) S. anreden.]

[Fußnote 652: ([201] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.]

[Fußnote 653: ([202] auf S. 64.152) S. abbiegen.]

[Fußnote 654: ([203] auf S. 64.152) Das oben unter »begabten« nicht als

Syn. angeführte Zeitw. _fuchsa_ kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr.

nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für

»unehelich beiwohnen« od. — allgemeiner — »Unzucht treiben«; s.

_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter »fuchse[n]« vbd. mit _v.

Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter »fugsen« [u. neben »vögeln«], der

zwar das Wort zunächst zu _fügen_ im Sinne von »vereinigen« stellt,

jedoch weiter bemerkt, daß es »auch von Vögeln wegen ihrer

Begattungslust und vom _Fuchs_ hergeleitet werden« könne, »da auch das

lateinische _lupa_ und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen«.]

[Fußnote 655: ([204] auf S. 64.152) S. Ärger.]

[Fußnote 656: ([205] auf S. 64.152) S. arg.]

[Fußnote 657: ([206] auf S. 64.152) Von dem Zeitw. _achila_, _achile(n)_

= essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw.

_Achilerei_ = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu

die _Zus._: _Fösslingachilerei_ = Fischessen, _Leileachilerei_ =

Nachtessen, _Rundlingachilerei_ = Wurstessen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Schöll_ 271, 272 (_achlen_ = essen, _Achelsore_ =

Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 342, 345 (_acheln_ = essen,

_abacheln_ = abfressen, _Achelsore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen);

_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ach[e]len_ [in _Pfedelb._ (209):

_ach¶i¶len_] = essen); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 337 (_achîle_ =

essen). Die zuletzt genannten (mit ¶i¶ in der zweiten Silbe gebildeten)

Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B.

_Thiele_ 223 u. A.-L. 516 [_Achile-Bajes_ = Speisehaus, Restaurant];

_Ostwald_ [Ku.] 11 [_ach¶ie¶len_ neben _acheln_]). Über weitere rotw.

Belege im allg. (seit d. _Lib. Vagat_ [52]) sowie die _Etymologie_ (vom

gleichbed. hebr. _kal_ [od. _āchal_]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S.

154 (unter »Achelpeter«) vbd. mit _Schütze_, S. 70; vgl. auch

_Weber-Günther_, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch.

Mundarten), ferner _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter »achle[n]«)

u. _Seiler_, Lehnwort IV, Sp. 489.]

[Fußnote 658: ([207] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.)

Abendessen.]

[Fußnote 659: ([208] auf S. 64.152) S. Abend u. Adler. —

Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als _rattjakro tschirkulo_, d. h.

gleichfalls »Nachtvogel«) auch in der Zigeunersprache nach _Liebich_, S.

165 u. 193 (vgl. »Vorbemerkung«, S. 18).]

[Fußnote 660: ([209] auf S. 64.152) S. Amme.]

evangelisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_ (Spr.)[661] [64.153]

Exkremente (tierische u. menschliche), _Boslem_[662], _Fu(h)l_[663],

_Schond_[664]

F.

Fabel, _Kohl_[665]

Fackel, _Schein_[666]

Faden, _Schure_[667]

Fahne, "

fahren, _ruadla_[668]

fahrende Leute, _jenische Ulma_[669], _Krattler_[670]

Die jenische Sprache · 第 17 / 36 段