kommt auch vor in der _Zus._ _Lattenkarle_ = Gendarm (s. darüber Näh.
unter diesem Worte) u. _Lattenpflanzer_ = Waffenschmied. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Latt_ =
Seitengewehr); s. auch noch _Hennese Flick_ von _Breyell_ 450 (_Lott_ =
Degen). Auch in der Soldatensprache ist _Latt_ in _gleichem_ Sinne
bekannt (s. _Horn_, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den
bayrischen Soldaten _auch das Gewehr_, und _ebenso_ auch wohl bei den
Gaunern (s. _Pollak_ 221; _Ostwald_ 93) u. Kunden (arg.: _August mit der
Latte_ = Landjäger, Gendarm [_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 u.
_Ostwald_ (_Ku._) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da
man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. _Latte_ stellen
darf (vgl. dazu noch _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 u. _Fischer_ Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1015 unter »Latt[e]«, Nr. 2).]
Deichsel, _Schure_[525] [64.137]
Diamant, _dofer Kies_[527]
dick, _grandich_[528]
Dickbauch, _grandicher Rande_[529]
Dickkopf, _grandicher Ki(e)bes_[530]
Dieb, _Schniffer_[531], _Schorer_[532]
Diebesbande, _Schnifferulma_, _Schorerulma_[533]
Diebesherberge, _Zschorkitt_[534]
diebisch, _schniffich_[531]
Diebstahl, _Schnifferei_[531], _Schorerei_[532], _Zopferei_[535]
[Fußnote 527: ([76] auf S. 64.137) S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas
abweichende Umschreibung für »Diamant« kennt die Zigeunersprache,
nämlich _dikkapáskĕro parr_, d. h. »durchsichtiger Stein« (_Liebich_,
S. 132, 189); vgl. »Vorbemerkung« S. 19, Anm. 48.]
[Fußnote 528: ([77] auf S. 64.137) S. Adler.]
[Fußnote 529: ([78] auf S. 64.137) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 530: ([79] auf S. 64.137) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
[Fußnote 531: ([80] auf S. 64.137) S. anfassen.]
[Fußnote 532: ([81] auf S. 64.137) S. ausstehlen.]
[Fußnote 533: ([82] auf S. 64.137) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
[Fußnote 534: ([83] auf S. 64.137) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 535: ([84] auf S. 64.137) _Zopferei_ = Diebstahl ist eine
Ableitung von dem Zeitw. _zopfen_, das für »stehlen« — nach _Wittichs_
»Einleitung« (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem
Sinne noch im W.-B. in der Zus. _herauszopfen_ = herausstehlen angeführt
ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für
»erwischen« vorkommt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
Konst. Hans_ 259 (_krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Schöll_ 271, 273
(_zopfen_ = nehmen, _krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 339-341, 345 (_zopfen_ = ausplündern, herausnehmen,
stehlen, _Zopfen_ [als Subst.] = Diebstahl; _krankzopfen_ =
gefangennehmen, _kiwiszopfen_ = köpfen u. a. m.); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 67 (_zopfen_ = ausplündern); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486
(_zopfen_ = ausplündern, nehmen, stehlen [in _Pfedelb._ (208, 213) auch:
ausplündern, nehmen u. verhaften], _Staubzepfer_ [eigtl. »Mehldieb«] =
Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die
_Etymologie_ (= Nebenform zu »zupfen«, die bes. auch der allgem. schwäb.
Mundart bekannt ist) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1
vbd. m. _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 550.]
Dienstbote, _Schenegler_ (Knecht), _Scheneglere_ (Magd)[536]; vgl. [64.138]
Gesinde
dienstfertig, _dof_[537]
Dienstknecht s. Dienstbote
Dienstmagd " " " "
dienstwillig, _dof_[537]
Dietrich _Glitschin_[538] oder (genauer) _nobes dofer Glitschin_, d. h.
»kein guter Schlüssel«[539]; vgl. Nachschlüssel
[Fußnote 536: ([85] auf S. 64.138) S. abschaffen.]
[Fußnote 537: ([86] auf S. 64.138) S. angenehm.]
[Fußnote 538: ([87] auf S. 64.138) _Glitschin_, eigtl. = Schlüssel, dann
auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. _nobes dofer
Glitschin_, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden
_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Glitschinpflanzer_ = Schlosser; b)
_am Ende_: _Kittglitschin_ = Hausschlüssel, _Duftglitschin_ =
Kirchenschlüssel, _Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel,
_Sturmkittglitschin_ = Rathhausschlüssel, _Luberglitschin_ =
Uhrschlüssel. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort zwar nicht bekannt,
wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in
_ähnl._ Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. _Groß'_ Archiv,
Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text)
auch ausführl. Angaben über die _Etymologie_ — aus der
_Zigeunersprache_ (s. »Einleitung« S. 30); vgl. dazu auch noch _Finck_,
S. 65 (der jedoch nur die Form _klídi[n]_ anführt, während die älteren
Sammlungen meist _glitschin_ u. _glitin_ als gebräuchlichste Form bei d.
_deutsch._ Zig. haben).]
[Fußnote 539: ([88] auf S. 64.138) Eine ähnliche Umschreibung kennt auch
die Zigeunersprache, wenigstens nach _Liebich_, S. 189, der _tschi
tschātschi glitin_, d. h. »kein _rechter_ Schlüssel«, für »Dietrich«
hat (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17), wogegen der Begriff bei _Finck_, S. 65
einfacher durch _bángi klídin_, d. h. etwa »falscher Schlüssel«,
wiedergegeben ist. — _Nobes_ od. (häufiger) _nobis_ hat außer der
Hauptbedeutg. »nicht« auch noch die von »nein«, »niemals« und »umsonst«,
ferner von »unbedeutend« od. »unnütz« sowie (als Subst. gebraucht) von
»Null« u. »Tand« (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.).
Dazu zahlreiche _Verbindungen_, nämlich: a) mit _Zeitwortformen_, u.
zwar [Griechisch: a]) mit _Infinitiven_: _nobis sehenegla_ (d. h.
»nicht[s] arbeiten«) = faulenzen, _nobis diberen_ od. _schmusen_ (d. h.
»nicht[s] reden, sprechen«) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg.
mit d. Zigeun.); [Griechisch: b]) mit der _ersten u. dritten Pers.
Präs._ (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): _gneis nobis_ (d. h.
»[ich] kenne [es] nicht«) = unbekannt, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist
nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (d. h. »[er, sie, es]
stirbt nicht«) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.);
[Griechisch: g]) mit _Partizipien_ (z. Teil für deutsche Adjektive):
_nobis vergrönt_ (eigtl. »nicht verheiratet«) = ledig (unverheiratet),
_nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) = nackt (unbedeckt),
_nobis geschert_ = ungekocht; b) mit _Adjektiven_: _nobis bauserich_ =
furchtlos, _nobis dof_ = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch,
unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die
Substantivierung _nobis Dofs_ = Trübsal, Übel), _nobis grandich_ =
machtlos, wenig, winzig, _nobis g'want_ = nichtsnutzig, _nobis
wo(h)nisch_ (bzw. _gril[l]isch_, _diboldisch_), d. h. eigtl. »nicht
katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch«) = ungläubig, _nobis
begerisch_ (d. h. »nicht krank«) = wohl (gesund, unverletzt); c) _mit
einem Substantiv_ (für ein deutsches Adjektiv): _nobis Strauberts_ (d.
h. »keine Haare«) = kahl; d) mit _Substantiven und_ vorgesetzten
_Adjektiven_ (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an
einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer _nobes dofer Glitschin_ =
Dietrich noch — _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ =
Falschmünzer, _nobis vergrönter Käfferle_ = Junggeselle, _nobis dofs
Jahne_ = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _nobis
grandicher Kaffer_ = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast
satzartigen Wendung: nämlich _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h.
»keine Haare auf dem Kopfe«) für das deutsche Subst. Kahlkopf. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 345 (_noves_
= nicht; _nobus schlaune_ = schlaflos; _Manobisch_, _schinegeln_ =
Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) _nobisch schinegeln_ =
faulenzen], _nobis maker_ [v. hebr. _makr_ = »bekannt«; s. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. _nobis knais_ = unbekannt); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_nobes_ = nichts [es ist nichts], _lauter
nobes_ = alles nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_nobis_ = nein,
_nôbis_ = nicht [in _Pfedelb._ (212): _nowes_ = nein, nicht u. _binowes_
= gar nichts]). Auch in _nicht_ verwandten Krämersprachen findet sich
das Wort (s. z. B. in _nordwestfäl. Bargunsch_ 446 [_nobis_ = nein,
nicht] u. im _Hennese Flick von Breyell_ 456 [_nobes_ = nein]). Über das
Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s.
z. B. schon _Ulenhart_ 1617 [132, 132: _nobis_ = nicht] u. dann öfter in
verschiedenen Formen) s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 173/74 unter
»_nowes_«; desgl. bezügl. der _Etymologie_, worüber u. a. folgendes
ausgeführt ist: »Nach _Wagner_ bei _Herrig_, S. 225 hängt das Wort ›ohne
Zweifel … mit dem alten _Nobis_ zusammen, welches wieder von der
italienischen Nebenform _nabisso_ (= in abisso; französ. _abîme_,
griech.-lat. _abyssus_ = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‹. Dazu das
bekannte _Nobiskrug_ = Hölle; eigtl. ›Höllenschenke‹ (s. dazu _Kluge_,
W.-B. S. 332/33, _Weigand_, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. _Grimm_, D. W.-B.
VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet _dieser_ Etymologie besteht aber
vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. _A. Landau_) auch noch ein
gewisser Zusammenhang zwischen _nobis_ = nicht und dem oben (Anm. 518)
betrachteten _lo[h]ne_. Da nämlich _lô lnû_ (woraus _lolone_, _lone_
entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps.
113) ›Non nobis, Domine …, sed nomini tuo da gloriam‹ lautet, so
könnte dies analog zur Anwendung von _non nobis_ _allein_ in der
Bedeutung ›nein‹ geführt haben, zumal, gleichwie in _lone_ lautlich _lô_
= nein steckt, auch in _nobis_ das _no_ als _Negation_ empfunden werden
konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß
dahingestellt bleiben.« Über weitere Bedeutungsveränderungen von _nobis_
in den _Krämersprachen_ s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.]
Ding, _Schure_[540], _Sore_[541] [64.139]
Dirne, _Lubne_[542], _schofele Model_[543] (bes. ersteres in der üblen
Bedeutg. von »Hure«); vgl. Buhldirne.
Docht, _Scheischure_[544]
[Fußnote 540: ([89] auf S. 64.139) S. abbiegen.]
[Fußnote 541: ([90] auf S. 64.139) S. Brücke.]
[Fußnote 542: ([91] auf S. 64.139) S. Beischläferin.]
[Fußnote 543: ([92] auf S. 64.139) S. arg. u. Beischläferin.]
[Fußnote 544: ([93] auf S. 64.139) S. alltäglich u. abbiegen.]
Docke s. Puppe [64.140]
Dohle, _Schure_[540]
Doktor (Arzt), _Begersins_[545]
Dokument s. Attest; vgl. Brief
Dolch, _Scharfling_[546]
Dom, _grandiche Duft_[547] (d. h. »große Kirche«)[548]
Dorf, _G'fahr_ (Gefahr)[549], _Mocham_, _Mochem_ (Spr.) od.
_Mochum_[550]
[Fußnote 545: ([94] auf S. 64.140) S. absterben u. Amtmann.]
[Fußnote 546: ([95] auf S. 64.140) Mit _Scharfling_ (od. _Scharpflengl_
= Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur
die _Zus._ _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied gebildet. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Schärfling_ =
Messer), wogegen in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 der Ausdr.
soviel wie »Rettich« bedeutet. Der _Etymologie_ nach gehört er natürlich
zu unserem Adj. _scharf_.]
[Fußnote 547: ([96] auf S. 64.140) _Duft_ = Kirche (Gotteshaus, Kapelle,
Tempel) erscheint auch noch in der _Verbindg._ _Duft halten_ =
Gottesdienst halten sowie in den _Zus._: _Duftnolle_ = Kelch,
_Duftglitschin_ = Kirchenschlüssel, _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Duft_ =
Kirche); ebenso übereinstimmend auch _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u.
_Pfulld. J.-W.-B._ 341 (hier [345] auch: _grandiche Duft_ = Tempel);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Duft_ = Kirche, _Duftreiter_ =
Kirchenräuber); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Duft_, Bedg. ebenso,
_Dufter_ od. _Duftschaller_ = Lehrer), s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216
(_Duft_ = Kirche) u. _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Doft_). Über weitere
Belege im Rotw. sowie die (unsichere) _Etymologie_ des Wortes
(vielleicht vom hebr. _tefill[h]_ = »Gebet« od. zu _duft_ [heb. _Tôb_]
= gut) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter
»Duftschaller«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem
Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in
Beziehung gesetzt.]
[Fußnote 548: ([97] auf S. 64.140) Dieselbe Umschreibung kennt auch die
Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 189 (_bari kangri_ = Dom).]
[Fußnote 549: ([98] auf S. 64.140) S. Bauerndorf. — Über das frühere
(jetzt veraltete) Synon. _Palar_ s. »Einleitung«, S. 27 u. Anm. 79.]
[Fußnote 550: ([99] auf S. 64.140) Die dritte Form (_Mochum_ [Dim.
_Mochumle_ (Spr.)]) soll nach der »Einltg.«, S. 27 — gleich den
früheren, jetzt veralteten _Mokem_ u. _Mogumle_ — _auch_ »Stadt«
bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für
»Stadt« nur _Steinhäufle_ angeführt ist (vgl. »Einltg.«, S. 25, Anm.
61). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._); _Dolm. der Gaunerspr._ 99
(_Mokum_ = Stadt); _W.-B. des Konst. Hans_ 251, 257 (_Mokem_ = Stadt,
Dimin.: _Mogumle_ = Städtchen); _Schöll_ 271 (_Mokum_ = Stadt,
_Ortschaft_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 345 (_Mochum_ = Stadt, _Dorf_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb.
Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: _Dorf_ [in _Degg._ (215) =
Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (v. hebr.
_mqôm_ = »Ort«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214;
vgl. auch _Weber-Günther_, S. 159 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
1720/21 (unter »Mochum«).]
Dörfchen (Dörflein), _Heges_[551], auch _Mochumle_ (Spr.)[550] [64.141]
Dorn, _Schure_[552], _Spraus_[553], _Stupfle_[554]
Dose, _Schure_[552]
Draht, "
Dreck, _Fu(h)l_[555], _Schund_ od. _Schond_[556]
dreckig, _schundich_[556]
Drehorgel s. Leierkasten
drohen, _stämpfen_[557]
[Fußnote 551: ([100] auf S. 64.141) Die Vokabel ist im _obigen_ Sinne
sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Hegis_ = Spital,
Bettelhaus), _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_Heges_ = Armenhaus) u. _Schwäb.
Händlerspr._ 482 (_Hêges_ = kleines Haus), _wenn_ man nämlich eine
Bedeutungsveränderung von »kleines _Haus_« (Bettel- oder Armenhaus usw.)
zu »kleines _Dorf_« für möglich hält. Auch für _Hegis_ (-es) usw. in
_jenem Sinne_, das auch z. B. schon im _Lib. Vagat_, 54 (_Hegiß_ =
Spital) vorkommt, ist die _Etymologie_ übrigens zweifelhaft; A.-L.s
Hypothesen (548 unter »Heckdisch«) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte
das jüd. _hekdisch_ = »Siechenhaus, Bettlerherberge«, vom neuhebr.
_hekdêsch_ = »was dem Heiligtum geweiht ist«, »Geheiligtes« (zu
_hkdasch_ = »abgesondert sein«) als Quelle herangezogen werden (nach
Dr. _A. Landau_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter »Hegis«)
hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte _Heges_ = Dörflein
auch einfach aus unserm _deutsch. Hege_ (= »Umhegung, Umzäunung« [vgl.
_Weigand_, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.]
[Fußnote 552: ([101] auf S. 64.141) S. abbiegen.]
[Fußnote 553: ([102] auf S. 64.141) S. Baumholz.]
[Fußnote 554: ([103] auf S. 64.141) _Stupfle_ = Dorn, Stachel ist in dem
_verw. Quellenkr._ zwar _nicht_ bekannt, dagegen findet sich hier das
Zeitw. _stupfen_ = stechen, zu dem das Hauptw. als _Ableitg._ gehört;
vgl. _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 344 (_ausstupfen_ = ausstechen;
_stupfeln_ = nähen, _Stupfler_ = Schneider [schon im _W.-B. des Konst.
Hans_ dafür: _Stupfer_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75
(_stupfen_ = stechen, erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._
[209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: _dupfen_ [worüber Näh. in
_Wittichs W.-B._ unter »stechen«]; vgl. 484, 486: _Stupfer_ = Schneider,
_Stupflerin_ = Näherin, womit auch zu vgl. _Pleißlen der Killertaler_
436 [_Stupferles-Penk_ = Schneider, _Stupferles-Senn_ = Näherin, auch
Floh, für _erstere_ Bedtg. auch _Stupferin_, während _Stupfer_ hier
»Gabel« bedeutet]). Zur _Etymologie_: das Stammwort _stupfen_ = stechen
(s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart
an. S. Näh. bei _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter »Stupfer«) vbd. mir
_v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B.
II, Sp. 774. Über den auf den _gleichen_ Stamm zurückgehenden jenisch.
Ausdr. _Stupfel_ od. _Stupfleng_ = Igel s. noch weiter unten.]
[Fußnote 555: ([104] auf S. 64.141) S. Abort.]
[Fußnote 556: ([105] auf S. 64.141) S. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 557: ([106] auf S. 64.141) S. Ärger.]
duften, _dof muffen_ (eigtl. »gut riechen«; _herles muft's dof_, hier [64.142]
riecht es gut[558]
dumm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[559]
dummer Mensch s. Dummkopf
Dummheit, _Hegelei_[560], _Ni(e)serei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[559]
Dummkopf, _Hegel_[560], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[559]
Dünger s. Dreck
dunkel, _leile_ (= Leile), _ratte_ (= Ratte, d. h. Nacht)[561]
dürftig, _dercherich_ (eigtl. »bettelhaft«)[562]
Durst, _Schwächerich_ (subst. Adj.; s. durstig)[563]
dursten, mich durstet, _mich schwächert's_[563]
durstig, _schwächerich_ (Spr.)[563]
E.
Eber, _Balo_[564], _Groanikel_[565]
[Fußnote 558: ([107] auf S. 64.142) S. angenehm u. Aas.]
[Fußnote 559: ([108] auf S. 64.142) S. aberwitzig.]
[Fußnote 560: ([109] auf S. 64.142) _Hegelei_ ist — ebenso wie das Adj.
_hegelich_ = unverständig — eine Ableitung von _Hegel_ = Dummkopf
(dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn.
_Hegelkitt_ = Irrenhaus u. _Hegellauti_ = närrischer Kerl, Possenreißer
(wobei die Bedtg. des _-lauti_ zweifelhaft bleibt). Auch das _Metzer
Jenisch_ 216 kennt _Hēgel_ = Dummkopf, wogegen das Wort in den
zunächst _verw. Quellen_ in diesem Sinne _un_bekannt erscheint (s.
jedoch _Pfulld. J.-W.-B._ 389 [_Jahrhegel_ = Förster]). Über das
Vorkommen der Vokabel im sonstigen _Rotwelsch_ (in d. Formen _Hegel_,
_Heckel_, _Häckel_, _Hög[e]l_ mit den Bedtgn. »Narr, Geck; Lump; Schaf;
Bauer«) sowie ihre _Etymologie_ s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd.
42, S. 6, 7 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter
»Hegel«) vbd. mit Sp. 1011 (unter »Häckel« I, Nr. 2), der Heckel =
»roher Mensch« zu »_hacken_« stellt. Vgl. auch _Weber-Günther_, S. 183
(unter »Häckel«).]
[Fußnote 561: ([110] auf S. 64.142) S. Abend; vgl. über den Gebrauch des
Substantivs als Adjektiv: »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38 a. E.]
[Fußnote 562: ([111] auf S. 64.142) S. abbetteln.]
[Fußnote 563: ([112] auf S. 64.142) S. Amme.]
[Fußnote 564: ([113] auf S. 64.142) _Balo_ = Schwein, Sau (Eber, Hauer,
auch Ferkel) findet sich (in dem _verw. Quellenkr._) schon bei _Schöll_
271, während das _Pfulld. J-W.-B._ 343, 344 die Form _Bale_ (= Sau,
Schwein), die _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 aber _Male_ (= Schwein)
hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw.
sowie die _Etymologie_ des Wortes (aus der _Zigeunerspr._ [vgl.
»Einleitung«, S. 29]) s. d. näh. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S.
32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu »Balebumser«), u. dazu noch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter »Male«) vbd. mit _Finck_,
S. 49 (_bálo_ oder _bālo_ = »Schwein«).]
[Fußnote 565: ([114] auf S. 64.142) _Groanikel_ od. (häufiger)
_Groenikel_, Syn. zu _Balo_, findet sich auch in verschied.
_Zusammensetzgn._ (während solche mit _Balo_ _nicht_ gebildet sind) u.
zwar: a) _am Anfang_: _Groenikelbenk_ od. _-schure_ = Sau- od.
Schweinehirt, _Groenikelstenkert_ = Sau- od. Schweinestall,
_Groenikelbossert_ = Schweinefleisch, _Groenikelkemerer_
= Schweinehändler, _Groenikelkafler_ = Schweinemetzger,
_Groenikelschwächerle_ = Schweinezitzen, _Groenikelstrauberts_ =
Schweinsborsten; b) _am Ende_: _Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen u.
_Mameregroanikel_ = Mutterschwein. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Kranickel_ = Schwein);
_Pfulld. J.-W.-B._ 343, 344 (_Kronickel_ = Sau, Schwein); _Schwäb.
Händlerspr._ 486 (_Krûnikel_, _Krônikel_ [_in Pfedelb._ (213):
_Graunickel_], auch wohl bloß _Nickel_ = Schwein). Über weitere rotw.
Belege sowie die _Etymologie_ (zu mundl. _gronen_ [_graunen_] u. ä. =
»grunzen« [s. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. _Ni[c]kel_,
Abkürzung vom Eigennamen _Nikolaus_ [vgl. oben unter »Bulle« betr.
_Hornickel_], also eigtl. »Grunznikel« [wie in _Strelitz. Gloss._ v.
1747 (214/15)]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu
»Kronickels-Bumser«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
849/50 (unter »Gronickel«, mit Anfühg. von bayr. _Gronigl_ = »Murrkopf«
nach _Schmeller_, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter »Nickel«).]
echt, _dof_[566] [64.143]
edel, _dof_[566], _g'want_[567]
Edelmann, _Sins_, femin. (Edeldame), _Sense_[568]
Edelstein s. Diamant
Ehe, _Vergrönt_ (= _vergrönt_, d. h. eigtl. »_in_ der Ehe«,
»verheiratet«)[569]; vgl. Heirat u. Hochzeit
[Fußnote 566: ([115] auf S. 64.143) S. angenehm.]
[Fußnote 567: ([116] auf S. 64.143) S. anmutig.]
[Fußnote 568: ([117] auf S. 64.143) S. Amtmann.]
[Fußnote 569: ([118] auf S. 64.143) Es liegt hier wohl vor der Fall des
Gebrauchs eines Partizips (_vergrönt_ = verheiratet [ehelich], von dem
Zeitw. _vergrönen_ od. _vergröneren_ = [ver]heiraten, verehelichen) als
Substantiv (s. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36); vgl. als Gegensatz:
_nobis vergrönt_ = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher _nobis
vergrönter Benges_ od. _Käfferle_ = lediger Mann, Junggeselle. Eine
_Ableitg._ von _vergröne(re)n_ ist _Vergrönerei_ = Heirat, während
_Groenerei_ = Hochzeit (nebst d. _Zus._ _Groenereibikus_ od. _-kahlerei_
= Hochzeitsschmaus) ein einfaches _groenen_ = heiraten voraussetzt, das
aber im W.-B. nicht angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Grunerej_ = Hochzeit,
_Kocheme Grunerej_ = Diebshochzeit, _Grünt'schaj_ od. _-Mos_ = Ehefrau,
_Grün-Kaffer_ = Ehemann); _Schöll_ 271 (_Grunerey_ = Hochzeit); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 340 (_Gränerei_ = Ehe, Hochzeit, _Kränerei_ = Heirat,
_Grenzgasch_ = Ehe, _Grängoi_ = Eheweib); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
68-70 (_krönern_ = heiraten, _Krönerin_ = Ehefrau, _Kroner_ = Ehemann,
_Krone_ = Frau); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_krönen_ od. _krö[h]nern_ =
heiraten, dazu [in _Pfedelb._ (209): _Krönerei_ = Hochzeit, _Kröner_,
_Krönerin_ = Ehemann, -frau, ferner _vergrünt_ [in _Pfedelb._ (213):
_verkrönert_] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ des
Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als
Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S.
56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter »Krönerin«) sowie Bd. 56, S. 69
(unter »Krone«).]
Ehebrecherin, _Lubne_[570] od. _schofle Mos(s)_[571] [64.144]
Ehefrau, _Mos(s)_[571]
ehelich s. Ehe
Ehemann, _Kaffer_[572]
ehrbar, _dof_[573]
ehrenhaft, ehrenwert, "
ehrlich, "
Ei, _Bäzem_, plur. _Bäzema_ (od. _-me_)[574]
Eiche, _Stöber_[575]
Eichhörnchen s. Baumkatze
Eid, _Schure_[576]
[Fußnote 570: ([119] auf S. 64.144) S. Beischläferin.]
[Fußnote 571: ([120] auf S. 64.144) S. arg u. Bauernfrau.]
[Fußnote 572: ([121] auf S. 64.144) S. Bauer.]
[Fußnote 573: ([122] auf S. 64.144) S. angenehm.]