od. _Lehm_) kommt im W.-B. nur in _einer Zus._ vor, _Lanengermaro_
(eigtl. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 91 (_Marum_ = Brot, _gehechelter, schofel M._ = weißes,
schwarzes Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Maro_ = Brot, _Kächeltema¶n¶o_
(sic, Druckf.) = »Bäckerbrot«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maro_); s.
auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw.
sowie die _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S.
30]) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u.
dazu noch _Finck_, S. 72 (_māro_). Nach _Miklosich_, Denkschriften,
Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (_manḍha_ =
»eine Art Gebäck«) zurückverfolgen.]
[Fußnote 471: ([20] auf S. 64.129) S. Bäcker.]
[Fußnote 472: ([21] auf S. 64.129) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
Brötchen s. Semmel (Weck) [64.130]
Brotsack, _Lehmrande_[473]
Brotschrank, _Lehmschure_[474]
Brücke, _Flu(h)tesore_[475], _Schure_[474]
Bruder, _Glied_. Unter _Glied_ versteht man die Kinder (den Sohn, die
Tochter) einer Familie, aber auch sonstige Verwandte, z. B. einen Bruder
oder eine Schwester (des Vaters oder der Mutter); vgl. Geschwister,
Schwester, Sohn, Tochter, ferner Oheim, Tante u. Neffe[476]
[Fußnote 473: ([22] auf S. 64.130) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 474: ([23] auf S. 64.130) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
[Fußnote 475: ([24] auf S. 64.130) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen. — Das
Wort _Sore_ nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf
_denselben_ Stamm zurückzuführende) _Schure_ (vgl. »Einltg.«, S. 24 u.
»Vorbmkg.«, S. 16), jedoch kommt es für sich _allein_ doch seltener vor
als letzteres und auch in _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ mit anderen
Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie _Schure_. a)
_Ohne_ Zusatz erscheint es gebraucht: [Griechisch: a]) für _Tiere_: im
Sinne von »Vieh«; [Griechisch: b]) für _Sachen_: in den Bedeutgn. »Ding,
Sache«, ferner »Ware« (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch:
Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.:
Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine _Verbindg._ mit _Sore_ für
einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist _grandich Sore_ (ebenso wie
_gr. Schure_) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = »[sehr] viele
Dinge«; vgl. dazu oben unter »Bischof«). c) _Zusammensetzgn._ mit _Sore_
sind: [Griechisch: a]) im _Anfang_: _Soreschottel_ = Erbsen- od.
Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u.
_Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen; [Griechisch: b]) _am Ende_: (außer
_Flu[h]tesore_, das noch die Nebenbdtg. »Wasserfaß« hat, noch):
_Stöbersore_ = Obst, _Kupfersore_ (d. h. eigtl. »Grasding«) = Sense,
_Begersore_ = Totenbahre, _Pfladersore_ = Wäsche, _Johlesore_ = Weinfaß,
_Säftlingsore_ = Weinberg, _Rondlingsore_ = Wursthaut. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._ [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im
allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in _Wittichs_ Jenisch]):
_Dolm. der Gaunerspr._ 89, 95, 99, 101 (_Sore_ = allerhand Ware, _Mette
Sōre_ = Barche[n]t [zu _Mette_ = Bett, vom jüd. _mittō_, hebr.
_mittā_; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], _g'socht Sore_ =
Krämerware, _Gschock Sore_ = gestohlene Marktware); _W.-B. des Konst.
Hans_ 253 (_Sore_ = »die in den Kammern und Kisten befindliche Ware«);
_Schöll_ 272 (_Sore_ = Ware, _Achelsore_ = Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._
339, 341-343, 345, 346 (_Sore_ = Ware, Zeug, Sache, _Achselsore_ od.
_schluckige Sore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, _Kangerisore_ =
Kirchengerät [zu _Kangeri_ = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B.
_Finck_, S. 63], _Sichereisore_ = Küchengerätschaften); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Sore_ = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die
_Etymologie_ des Wortes (die die gleiche wie die von _Schure_ ist) s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter »abbiegen«.]
[Fußnote 476: ([25] auf S. 64.130) _Glied_ bedeutet demnach: Bruder,
Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die _Zusammensetzgn._:
_Kafferglied_ = Mannesschwester (Schwägerin), _Patrisglied_ = a) Oheim
väterlicherseits (»Vatersbruder«), b) Tante väterlicherseits
(»Vatersschwester«), c) Neffe (väterlicherseits), _Mamereglied_ = a)
Oheim mütterlicherseits (»Mutterbruder«), b) Tante mütterlicherseits
(»Mutterschwester«), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter »Oheim« u. »Tante«. — _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 344 (_Glied_
= Bruder, Schwester); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _Glied_ =
Schwester). _Etymologie_: Ein Zusammenhang mit dem rotw. _Gli(e)d_ =
Hure (worüber Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u.
»Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr
dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 692 (unter »Glid« II) anzunehmen scheint — schlechthin mit
unserem gemeinsprachl. »Glied« (hier im Sinne etwa von »Familienglied«)
gleichbedeutend sein.]
Brühe, _Flu(h)te_[477] [64.131]
Brust (weibliche), _Schwächerle_[478]
Bube _Benges_[479], _Fi(e)sel_[480]
Buch, _Schure_[481]
Buche, _Stöber_[482]
Büchse (als Behältnis), _Schottel_[483]
Büchse (= Flinte), _Klass_[484], _Schnelle_[485]
Büchsenmacher, _Klass-_ od. _Schnellepflanzer_[486]
Büchsenranzen, _Rande_[487]
Buhldirne, _Lubne_[488]
buhlerisch, _lenk_, _schofel_[489]
[Fußnote 477: ([26] auf S. 64.131) S. abbrühen.]
[Fußnote 478: ([27] auf S. 64.131) S. Amme.]
[Fußnote 479: ([28] auf S. 64.131) S. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 480: ([29] auf S. 64.131) S. Bettelbube.]
[Fußnote 481: ([30] auf S. 64.131) S. abbiegen.]
[Fußnote 482: ([31] auf S. 64.131) S. Apfelbaum.]
[Fußnote 483: ([32] auf S. 64.131) S. Aschenbecher.]
[Fußnote 484: ([33] auf S. 64.131) _Klass_ = Büchse (Flinte, Gewehr
[Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei _Zus._, näml.
_Klasspflanzer_ = Büchsenmacher und _Klasskitt_ = Schießhaus. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaun._ 93 (_Klosheim_ =
Gewehr); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_Klasse_ [plur.] = Pistolen);
_Schöll_ 271 (_Glasse_ = Flinte, Gewehr); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344
(_Klassa_ = Geschütz, _Klasse_ = Gewehr, Schießgewehr, _klassen_ =
schießen, _Klasset_ = Schuß); _Schwäb Gaun.- u. Kundenspr._ 70, (_Klass_
= Gewehr); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Klaß_ [in _Pfedelb._ (209):
_Klasse_] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens
schon 1724 [im _Duisb. Vokab._ (184)] — als _Classey_ = Pistole —
nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber
sowie über die _Etymologie_ (entw. vom hebr. _kĕli ēma_ = »Gerät
der Furcht« od. vom hebr. _kĕli zimma_ — »Gerät der Schädlichkeit«)
in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu »Klassensenteser«).]
[Fußnote 485: ([34] auf S. 64.131) S. abschießen.]
[Fußnote 486: ([35] auf S. 64.131) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 487: ([36] auf S. 64.131) S. Bauch.]
[Fußnote 488: ([37] auf S. 64.131) S. Beischläferin.]
[Fußnote 489: ([38] auf S. 64.131) S. arg.]
[Fußnote 490: ([39] auf S. 64.131) _Hornikel_ od. _Hornigel_ = Ochse
(Bulle, Stier) findet sich in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am
Anfang_: _Schmunkhornikel_ = Mastochse; b) _am Ende_: _Hornikelschmunk_
= Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.),
_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Hornikelgielblättling_ =
Ochsenmaulsalat, _Hornikelkafler_ = Ochsenmetzger, _Hornikelstenkert_ =
Ochsenstall. In dem spez. _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. m. W.
unbekannt, dagegen findet er sich im _Metzer Jenisch_ 216 (in der Form
_Hornigl_ für »Kuh«) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für »Ochse«
oder »Kuh« (s. z. B. _Schwenter_ 1620 [137: _Hornnickl_ = Ochsen]; bei
_A. Hempel_ 1687 [167: _Hornickel_ = Kuh) u. a. m.). Zur _Etymologie_
(wohl von _Horn_ u. _Nickel_, Kurzform von _Nikolaus_, also e. Art.
Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. _Günther_,
Rotwelsch, S. 80; vgl. auch _Pott_ II, S. 11 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete _Gronickel_ = Schwein, worüber
Näh. auch noch unten unter »Eber«).]
Bulle (= Ochse), _Hornikel_[490] [64.132]
Bündel, _Rande_[487]
Bürgermeister, _Kritsch_[491], _Schar(r)le_[492]
Bursche s. Bube; fahrender Bursche, _jenischer Benges_, _Benk_ oder
_Fi(e)sel_[493]
Bürste, _Stiepa_, Plural: _Stiebe_ (Spr.)[494], _Rutscherschure_[495]
oder bloß _Schure_[496]
[Fußnote 491: ([40] auf S. 64.132) _Kritsch_ = Bürgermeister
(Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem _Dolm. der
Gaunerspr._ 98, 101 bekannt gewesen (_Kritsch_ = Schulz, Vogt; vgl.
[89]: _Krisch_ = Ammann [sic]); vgl. ferner: _Pfulld. J.-W.-B._ 346
(_Gritsch_ = Vogt) u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Kritsch_ =
Schultheiß). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft. Von _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 770 (unter »Kritsch« II) ist das zigeun. _krísni_ = »Amt,
Gericht« (s. _Finck_, S. 66; vgl. auch _Pott_ II, S. 123 [unter
»Krisni«]; _Liebich_, S. 138, 174 u. 202 [_grisni_ = Gericht, Amt];
_Jühling_, S. 222 [_Grissni_ = Gericht]) herangezogen worden.]
[Fußnote 492: ([41] auf S. 64.132) _Schar(r)le_ (Synon. zu _Kritsch_)
kommt in _dieser_ Form und Bedeutung im _Dolm. der Gaunerspr._ noch
_nicht_ vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere
_Grandscharle_ für »Hatschier«, das _früher_ auch in _Wittichs_ Jenisch
gebräuchlich gewesene (vgl. »Einleitung«, S. 28), dagegen hat schon das
_W.-B. des Konst. Hans_ neben _Grandscharle_ = Hatschier (so: 257, in
den »Schmusereyen«) auch noch _Scharle_ = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254,
im Vokabular), und ebenso führt das _Pfulld. J.-W.-B._ _beide_ Vokabeln
auf (s. 339: _Granscharle_ = Gardist; 346: _Scharle_ = Vogt). Die
neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s.
_Schwäb. Gaun. u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Scharle_
od. _Schrle_ = Schultheiß). _Etymologie_: Die Herkunft des Wortes
_Schar(r)le_ (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter »Grandscharle«) hat keine Erklärung
gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 347
(unter »Scha[a]rbin[c]k«); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw.
Belege für _Scha(a)r(r)le_ u. _Gran(d)schar(r)le_.]
[Fußnote 493: ([42] auf S. 64.132) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze,
(betr. _Benges_ od. _Benk_) brauchbarer Bursche u. (betr. (_Fi[e]sel_)
Bettelbube.]
[Fußnote 494: ([43] auf S. 64.132) _Stiepa_ (plur. Stiebe [Spr.]) =
Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. _Stiepenpflanzer_ =
Bürstenbinder (Spr.) — ist dem _verw. Quellenkr._ sowie auch sonst im
Rotw. m. Wiss. _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach dürfte es wohl zu
unserm gemeinsprachl. »stieben« bezw. »stäuben« gestellt werden (s.
_Weigand_, W.-B. II, Sp. 955: _stäuben_, [eigtl.] »_stieben_ machen,
Staub erregen; _aber auch_ in _denselben_ Bedeutgn. wie _stauben_«, d.
h. »Staub von sich geben, Staub erregen, _Staub entfernen_ [in
_abstauben_]«; vgl. Sp. 970 unter »stieben«).]
Bürstenbinder, _Schurespflanzer_ oder _Stiepenpflanzer_ (beides [64.133]
Spr.)[497]
Busen s. Brust
Büttel, _Buz_[498]; vgl. Polizeidiener
Butter, _dofer Schmunk_, d. h. »(gutes oder) besseres Fett
(Schmalz)«[499]
Butterbrot, _Schmunklehm_[500]
Butterfaß (Schmalzfaß), _Schmunkschure_[501]
Buttermilch, _Schmunkgleis_[502]
C.
Charfreitag s. Karfreitag
Chaussee (Straße, Weg), _Strade_[503]
[Fußnote 495: ([44] auf S. 64.133) In _Rutscherschure_ (sonst m. Wiss.
nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem
Zeitw. _rutschen_ (= »sich gleitend bewegen«); vgl. Näh. bei _Weigand_,
W.-B. II, Sp. 630. — Betr. _Schure_ s. d. folgde. Anm.]
[Fußnote 496: ([45] auf S. 64.133) S. abbiegen.]
[Fußnote 497: ([46] auf S. 64.133) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 498: ([47] auf S. 64.133) S. Amtsdiener.]
[Fußnote 499: ([48] auf S. 64.133) S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl.
auch »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]
[Fußnote 500: ([49] auf S. 64.133) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]
[Fußnote 501: ([50] auf S. 64.133) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
[Fußnote 502: ([51] auf S. 64.133) S. (betr. _Gleis_) abgerahmte Milch.]
[Fußnote 503: ([52] auf S. 64.133) _Strade_ = Straße (Chaussee, Pfad,
Weg) findet sich auch in einer Reihe von _Zusammensetzgn._ (nur am
Anfang), nämlich: _Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter
(Straßenarbeiter), _Stradebich_, _-gore_ oder _-lobe_ = Chausseegeld
(Pflaster-, Wegegeld), _Stradekies_ od. _-hertling_ = Kilometerstein
(Meilenzeiger), _Stradebenk_ = Straßenwärter, _Stradelinzer_ =
Wegweiser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._
99, 101 (_Strade_ = Weg; _Stratekehr_ = Straßenräuber); _W.-B. des
Konst. Hans_ 254, 259 (_Strade_ = Weg, Straße, _Stradekehrer_ u.
_-kehr¶a¶_ = Straßenräuber u. -raub); _Schöll_ 271 (_Strade_ = Straße);
_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); _Schwäb. Händlerspr._
487 (_Strate_ [in _Pfedelb._ (212): _Strade_] = Straße); s. auch _Metzer
Jenisch_ 216 (_Strālje_ = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie
die _Etymologie_ (Wurzel wohl: ital. _strada_ bzw. lat. _strata_, zu
vgl. ndd. _Strt_) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1
(zu »Straderadler«); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter »Stradehändler«
u. »Stradekehrer«).]
Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), _Stradeschenegler_[504] [64.134]
Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Stradebich_[505],
_Stradegore_[506], _Stradelobe_[507]
Cichorie s. Zichorie
Cigarre s. Zigarre
D.
Da (hier), da herum, _her(r)les_ oder _her(r)lem_[508]
Dachziegel s. Backstein
daher (= hierher), _her(r)les_[508], komme daher (= hierher), _bost'
her(r)lem_, _pfich' her(r)les_[509], _schef(f)t' her(r)les_[510]
[Fußnote 504: ([53] auf S. 64.134) S. (betr. _-schenegler_) abschaffen.]
[Fußnote 505: ([54] auf S. 64.134) S. (betr. _Bich_) Almosen.]
[Fußnote 506: ([55] auf S. 64.134) S. (betr. _Gore_) Barschaft.]
[Fußnote 507: ([56] auf S. 64.134) S. (betr. _Lobe_) Bank.]
[Fußnote 508: ([57] auf S. 64.134) Zu _her(r)les_ od. _her(r)lem_ =
hier, da (daher, daneben, danieder) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_herles_ = hier oder da); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256 (_herrles_ = hier); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_hirles_ = hier,
hierher); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 482 (_hirles_ [in _Pfedelb._ (209)
dagegen: _herlis_] = dieser, _herles_ od. _hirles_ = hierher! [komm
her!], in _Lütz._ [214]: _hirlem_ = hier); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_herlis_ = hier). Zur _Etymologie_ des (auch sonst hin und wieder im
Rotw. begegnenden) Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680
(unter »hirles«), wonach es »gewiß« zu unserem »hier« zu stellen ist.]
[Fußnote 509: ([58] auf S. 64.134) S. (betr. _bosten_ u. _pfichen_) =
abgehen.]
[Fußnote 510: ([59] auf S. 64.134) Das Zeitwort _schef(f)ten_ hat
mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von »sein« (s.
weiter unten im Vokabular: _das schef[f]t Lore_ = das ist nichts u.
_schef[f]t a Ruch_ = das ist ein Bauer; vgl. auch _dof schef[f]t's_ =
heil, d. h. eigtl. »es _ist_ [geht] gut«), sodann b) die spezielleren
von [Griechisch: a]) »sitzen« (niedersitzen) u. [Griechisch: b])
»kommen« (vgl. oben: _schef[f]t' her[r]les_ = komm daher [hierher]) oder
»gehen«, bes. in der Verbindg. _schiebes schef(f)ten_ = davongehen
(fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. _schiebes_] Näh. unter
»davongehen«). Auch in dem _verw. Quellenkr._ lassen sich diese
verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a,
in der neuern die unter b, [Griechisch: b] überwiegt. _Vgl._ _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_scheft_ = ist); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 256
(_scheften_ = sein); _Schöll_ 272 (_scheften_ = sein, aber auch: haben,
ferner: sich setzen); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 _schefften_ = gehen);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 214]: _schee[f]ten_ = gehen
[vgl. _scheeft ab_, _ist abgescheeft_], _zusammenscheften_ =
zusammenkommen; in _Lütz._ [215]: _schäfte[n]_ = laufen); vgl. auch noch
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_scheften_ = sein; gehen). Über weitere rotw.
Belege s. _Weber-Günther_ S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s.
_Kluge_, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind).
Ebends. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, die nicht ganz
sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern
ist. So hat es _Stumme_, S. 14 für die Bedeutg. »sein« und bes. »sitzen«
auf das hebr. _schebet_, infinit. construct. von _jschab_ = »sitzen,
verweilen«, zurückgeführt, während bezügl. der _anderen_ Bedeutungen von
A.-L. 597 u. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III
(1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. »_schaffen_« als Quelle
betrachtet worden ist.]
Dame, _Sense_, _Sinsemos(s)_[511] [64.135]
dämlich s. aberwitzig; vgl. albern
Dämmerung, _Leile_, _Ratte_ (eigtl. »Nacht«)[512]
daneben (danieder), _her(r)les_, _her(r)lem_[513]
danken (bedanken), _bederchen_[514]
darüberfahren, _darüberruadla_[515]
darübergehen (-springen), _darüberbosten_[516]
das ist nichts, _das sche(f)ft[517] Lore_ (lore)[518], das ist ein
Bauer, _schef(f)t[517] a Ruch_[519]
[Fußnote 511: ([60] auf S. 64.135) S. Amtmann u. (betr. _Mos[s]_)
Bauernfrau.]
[Fußnote 512: ([61] auf S. 64.135) S. Abend.]
[Fußnote 513: ([62] auf S. 64.135) S. da.]
[Fußnote 514: ([63] auf S. 64.135) S. abbetteln.]
[Fußnote 515: ([64] auf S. 64.135) S. abfahren.]
[Fußnote 516: ([65] auf S. 64.135) S. abgehen.]
[Fußnote 517: ([66] auf S. 64.135) S. unter »daher« a. E.]
[Fußnote 518: ([67] auf S. 64.135) _Lore_ (lore) = nichts, nicht, auch
wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen.
Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar
ein Schreibfehler für _Lo¶n¶e_ (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im
ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen »nichts«
(nicht), nein (auch: »niemand«) vorkommt (s. z. B. _Körners Zus. zur
Rotw. Gramm._ v. 1755 [241 unter »wächeln«: _lone_ = nichts]; _Krünitz'
Enzyklopädie_ 1820 [351: _Lohne_ = niemand, nein]; _v. Grolman_ 43 u.
T.-G. 112, 113 u. _Karmayer G.-D._ 208 [_lo[h]ne_ = nein, nicht,
nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach _Weber-Günther_, S. 156)
vermutlich eine Abkürzung der volleren Form _lolohne_, _laulo(h)ne_, die
in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch »mit nichten« u. dergl.
wiedergegeben ist (s. z. B. v. _Reitzenstein_ 1764 [247]; vgl. _Thiele_
273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich
trägt (s. z. B. _Kluge_, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht
dem hebr. _lô lnû_, d. h. eigtl. »nicht uns« (s. schon _Thiele_ 272,
Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines
traurigen Ereignisses, also etwa »Gott behüte« (nach gefl. Mitteilg. von
_A. Landau_). Das _einfache lo_ (loo), _lau_, _law_ u. a. = nicht
(nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei
_Weber-Günther_, a. a. O.), so namentl. auch in dem _schwäb.
Quellenkr._; vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_lau_ = nein); _W.-B. des
Konst. Hans_ 255 (ebenso); _Schöll_ 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts);
_Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_lau_, _lo_ = nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484
(_lo_ = nicht); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_lô_ = nein);
merkwürdig die Form _lopach_ = nichts (es ist nichts) in der _schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (während nein dort _none_ heißt). Zur
_Etymologie_ von _lo_, _lau_ (u. s. Nebenbedeutg. »falsch, schlecht«) s.
noch A.-L. 565 (unter »Lametaleph«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 1020 u. 1261.]
[Fußnote 519: ([68] auf S. 64.135) S. Bauer.]
Daumen, _Grif(f)leng_[520] [64.136]
davongehen, _schiebes[521] bosten_[522], — _pfichen_[522], —
_schef(f)ten_[523]
davontragen, _schiebes bukle_[524]
Decke, _Schure_[525]
Deckel, "
Degen, _Latt_[526]
[Fußnote 520: ([69] auf S. 64.136) _Grif(f)leng_ (-ling) = Hand (Faust,
auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung
_Grif(f)leng steken_ = die Hände geben sowie in folgenden
_Zusammenstzgn._: a) _im Anfang_: _Grif(f)lingobermann_ = Fingerhut,
_Gri(f)lengschenagel_ = Handarbeit, _Grif(f)lingtrittling_ = Handschuh;
b) am _Ende_: _Trittgrif(f)leng_ (eigtl. »Fußfinger«) = Zehe (s. d.
betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), _Linzgrif(f)ling_ = Zeigefinger.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (hier
_Griffling_ = Handschuh, während die Hand durch _Feme_ wiedergegeben
ist); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Grifling_ = Hand); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 70 (_Griffling_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Griffling_ =
Hand, Finger). Das _Pleißlen der Killertaler_ 435 kennt _Greiferle_ =
Hand. S. weiteres, bes. auch zur _Etymologie_ des Wortes (das natürlich
zu unserm »Griff« bezw. »greifen« gehört), noch in _Groß'_ Archiv, Bd.
42, S. 50 (unter »Greifer«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
834.]
[Fußnote 521: ([70] auf S. 64.136) _Schiebes_ (davon, fort, weg) kommt
in _Wittichs W.-B._ nur vor in den Wendungen _schiebes bosten_,
_pfichen_ od. _schef(f)ten_ = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich
entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie
_schiebes bukle_ = davontragen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Schiebes[-]machen_ = durchgehen od.
»echappieren« [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von
_St. Georgen_ 1750 (216: _Schübes machen_, Bdtg. ebenso)]; _W.-B. des
Konst. Hans_ 258 (_schiabes malochen_ = fortgehen [vgl. dazu
»Einleitung«, S. 27, Anm. 75]; _Schöll_ 273 (_schiebes machen_ = sich
aus dem Staube machen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (_schibes_ = fort,
los, _schibisnaschen_ = scheiden [s. betr. _naschen_ in _Wittichs W.-B._
unter »fliehen«]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_schiebes_ = fort) u.
_Eifler Hausiererspr._ 491 (_bod schiebes_ = geh fort). Zur
_Etymologie_: Am einfachsten ist das Wort _schiebes_ doch wohl (mit
_Stumme_, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. »schieben« (über dessen
Gebrauch im Rotw. zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.)
herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch _hebr._ Vokabeln mit von
Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei _Weigand_ im »Intelligenzblatt
für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd.
_Schībes gehen_ = zu Grunde, verloren gehen das hebr. _schêbet_ =
»Ruhe, Aufhören« herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter »schieben« u.
_Weber-Günther_, S. 192.]
[Fußnote 522: ([71] auf S. 64.136) S. abgehen.]
[Fußnote 523: ([72] auf S. 64.136) S. unter »daher« a. E.]
[Fußnote 524: ([73] auf S. 64.136) S. (betr. _bukle_) abtragen.]
[Fußnote 525: ([74] auf S. 64.136) S. abbiegen.]