[Fußnote 418: ([116] auf S. 63.391) Auch die Zigeunersprache kennt die

Umschreibung »großer Pfarrer«, _bāro rašai_ (raschai), für

»Bischof« oder »Superintendent« (s. _Finck_, S. 82) u. dergl. (z. B.

»Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer« [s. _Liebich_, S. 127]), ja

nach _Jühling_, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach

_Liebich_, S. 131 u. 228] _schwendo dād_, d. h. »heiliger Vater«

gebräuchlich ist). Die von _Wittich_ im Text erwähnte Art der Steigerung

der Rangstufen im Jenischen (durch _grandicher_ — _grandich_) ist

mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — _nicht_

bekannt (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch

weiter unten die Anm. zu »Förster«).]

[Fußnote 419: ([117] auf S. 63.391) Diese merkwürdige Art der

Steigerung, bei der _grandicher_ als eine Art _Komparativ_ erscheint

(wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch

»größer« wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte —

Grundstufe (der »Positiv«) als _Superlativ_ fungiert, erinnert an einen

in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden

Sprachgebrauch, wonach etwa ein »besseres Kindermädchen« nicht so hoch

geschätzt wird wie ein »gutes«, ein »älterer Herr« jünger zu sein pflegt

als ein »alter« usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B.

durchgeführt (außer bei _Kolb_, _grandicher_ _Kolb_, _grandich Kolb_)

noch in folgenden Fällen: _Sins_ = »Herr« (Edelmann, Gebieter),

_grandicher Sins_ = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch

auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, _grandich Sins_, d. h. »der

größte Herr«, = König (fem. _grandich Sinse_ = Königin); _Grünwedel_ =

Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, _grandicher Grünwedel_ (d. h. —

wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. »der größere Forstmann«) =

Förster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«) =

Oberförster; _Schuker_ = Gendarm, _grandicher Schuker_ = Wachtmeister

(Obergendarm), _grandich Schuker_ = Oberwachtmeister; _Bu(t)z_ =

Polizeidiener, _grandicher Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister, _grandich

Bu(t)z_ = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu _Lanenger_ = Soldat,

_grandicher Lanenger_ (_Grandicher-Lanenger_) = Offizier, insbes.

Hauptmann ein Superlativ _grandich L._, den man etwa für den Oberst oder

General erwarten dürfte; vielmehr hat _grandich Lanenger_ im Vokab. die

Bedeutg. von »Heer«, ist demnach als Plural und in dem Sinne von »(sehr)

_viele_ Soldaten« auszulegen. In gleicher Weise ist _grandich_ auch

sonst noch verwendet worden, so z. B. in _grandich Ulma_ = Menge (eigtl.

»[sehr] viele Menschen«), _grandich Schure_ od. _Sore_ = Reichtum,

Überfluß, Vermögen (eigtl. »[sehr] viele Dinge«), u. in anderen Fällen

ist es, weil ein (durch den Zusatz von _grandicher_ gekennzeichnetes)

Mittelglied fehlt, wohl einfach durch »groß« oder »sehr groß«

wiederzugeben, so z. B. bei _grandich Flu(h)te_ = Meer (eigtl. »[sehr]

großes Wasser«), _grandich Begerisch_ = Schwindsucht (eigtl. »[sehr]

großes Siechtum«) oder _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ = Schwan

(eigtl. »[sehr] große Gans«). Dagegen könnte man die Verbindg. _grandich

Flederling_ = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche

Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne

nach wohl durch »_größter_ Vogel« (nämlich unter den bei uns in

Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in _grandicher Flederling_

= Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter »Adler«).]

bissig, _näpfich_ (-ig)[420] [63.392]

bitten, _derchen_[421]

Bittschrift s. Bettelbrief

Bleistift, _Feberschure_[422]

Blick, _Scheileng_[423]

blicken, _linzen_[424]

Block s. Holz

blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern

Blödigkeit (Blödsinn), _Ni(e)sserei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[425]

Blume, _Schure_[426]

[Fußnote 420: ([118] auf S. 63.392) S. abbeißen.]

[Fußnote 421: ([119] auf S. 63.392) S. abbetteln.]

[Fußnote 422: ([120] auf S. 63.392) S. abschreiben u. abbiegen; vgl.

dazu auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 423: ([121] auf S. 63.392) S. Augapfel.]

[Fußnote 424: ([122] auf S. 63.392) S. anschauen.]

[Fußnote 425: ([123] auf S. 63.392) S. aberwitzig.]

[Fußnote 426: ([124] auf S. 63.392) S. abbiegen.]

Blut, _Rat_[427] [63.393]

blutig, _ratich_[427]

Bock, _Schure_[426]

Bohnen, "

Bohrer, "

Borg (Kredit), auf —, auf _den Bengel_[428], _auf Keif_[429]; vgl. auch

Schulden

borgen (leihen), _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden

machen«)[430]

Börse, _Kiesreiber_[431]

[Fußnote 427: ([125] auf S. 63.393) Zu _Rat_ = Blut (Geblüt) gehören die

_Ableitungen_ _ratich_ = blutig u. _verratten_ = verbluten. In dem

_verw. Quellenkr._ ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl.

jedoch z. B. _Groß_ 486). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunersprache_

[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Näh. bei _Pott_ II, S. 272 (unter »Rat«),

_Liebich_, S. 154 u. 186 (_rād_), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27,

S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: _rād_, zu altind. _rakta_, hind.

_rātā_ = »rot«), _Jühling_, S. 225 (_Ratt_) u. _Finck_, S. 82

(_rat_).]

[Fußnote 428: ([126] auf S. 63.393) Diese Wendung, die m. Wiss. sonst

nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.]

[Fußnote 429: ([127] auf S. 63.393) _Keif_ = Borg(en), Kredit, aber auch

Schulden kommt noch vor in der _Verbindg._ _Keif pflanzen_ (eigtl.

»Schulden machen«) = borgen, leihen u. in der _Zus._ _Keifkitt_ =

Leihhaus. Aus dem _verw. Quellenkr._ darf wahrscheinlich schon _keif_ =

teuer im _W.-B. des Konst. Hans_ (260) hierher gezogen werden, als

Subst. erscheint das Wort in der _Pfälz. Händlerspr._ (438) in der Form

_Kôfes_ = Schuld. — Die (allgem.) _Kundenspr._ kennt die Redensart

_Keif machen_ = Schulden (auf der Penne) machen (s. _Ku._ III [426] u.

IV [431]; _Ostwald_ [Ku.] 78) sowie ein Adj. _keif_ = schuldig (s.

_Ostwald_, a. a. O.). Seiner _Etymologie_ nach stammt _Keif_ wohl

jedenfalls aus dem Hebr. (_chôb_ = »Schuld«, jüd. _chuf_, _chof_,

poln.-jüd. _choiw_); s. A.-L. 368 (unter »Chuw«); vgl. auch _Fischer_,

Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd.

_Keifel_ = »Geldstück« zur Wahl stellt).]

[Fußnote 430: ([128] auf S. 63.393) Betr. _pflanzen_ s. anbrennen. —

_Bomma_ (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der _Zus._

_Bommerkitt_ = Syn. zu _Keifkitt_ (s. Anm. 429). _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Bommer_ [in _Pfedelb._

(212): _Bummen_] = Schulden; dazu in _Pfedelb._ [212] noch _bummich_ =

schuldig); _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bommer_ = Schulden).

_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu

»Pommer«, Nr. 6 [d. i. schwäb. = »Schulden, spez. Trink- u.

Spielschulden«]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. »Pump« bzw.

»pumpen«, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen

ist. (S. schon bei _A. Hempel_ 1687 [168]: _pompen_ — borgen, u. _so_

auch noch bei den _schwäb. Händlern_ [in _Pfedelb._ (209)]; in _Körner's

Zus. zur Rotw. Gramm._ v. 1755 [241]: die Subst. _Pumpes_ = Schuld,

_Pumpesmacher_ od. _Pumper_ = Borger). Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 54

vbd. m. _Kluge_, W.-B. S. 358 u. _Weigand_, W-B. II, Sp. 491 (unter

»pumpen«, Nr. 3).]

[Fußnote 431: ([129] auf S. 63.393) S. Beutel; vgl. Bankier.]

Borsten, _Strauberts_[432] [63.394]

bösartig, _lenk_, _schofel_[433]

böse, _lenk_ (_link_ [Spr.]), _schofel_[433]

böse Frau, _lenke Goi_[434] od. _Moss_[435]

böse Sachen (Dinge) machen, _lenke_ od. _schofle Falla pflanzen_[436];

vgl. huren

böser (Komporativ), _lenker_, _schofler_[433]

böser Mann (Mensch), _lenker Kaffer_[437], _Linkfi(e)sel_ (Spr.)[438]

böses Kind, _Gof_, plur. _Gofa_[439]

böses kleines Kind, _Göfle_ (_Gefle_ [Spr.])[439]

Bouteille (Flasche), _Glansert_[440]

[Fußnote 432: ([130] auf S. 63.394) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 433: ([131] auf S. 63.394) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]

[Fußnote 434: ([132] auf S. 63.394) Mit _Goi_ (= Frau, Weib) kommt noch

vor die _Verbindg._ _schofle Goi_ = Kebsweib (also mit engerem Sinne als

_lenke Goi_, während sonst die Adj. _lenk_ u. _schofel_ ja ungefähr

gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter »arg«). _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Tschor-Gaya_ =

Frau, die gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 272 (_Gaja_ = Weib);

_Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_Gai_ = Frau, _Gaie_ = Weib, _Grängoi_ =

Eheweib); _Schwäb. Händlerspr._ 481 u. 483 (_Goie_ = Frau, _Goi_ =

Mädchen) s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Gôje_ = Frau). Über

weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (fem. zu rotw. _Goi_ =

»Mann« [in Zus.], vom hebr. _gôi_, pl. _gojim_, = »Volk, Nichtjude,

Heide, Christ«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m.

323/24; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter

»Goi«, Nr. 2).]

[Fußnote 435: ([133] auf S. 63.394) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 436: ([134] auf S. 63.394) Um was für »böse Sachen« es sich bei

dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein,

daß sie auch gleichbedeutend mit »huren« gebraucht wird, so daß das Wort

_Falla_ (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von »Bett« zu nehmen

ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. _H.

Meyer_, Richt. Berliner, S. 39 u. _Horn_, Soldatensprache, S. 9 u. 100).

Die rotw. Wendg. _Falle machen_ u. ä. (für »zum [betrüglichen] Spiel

verlocken« [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren

Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt

sei übrigens noch der Ausdruck _Falbais_ = »Hurenschenke« bei _Castelli_

1847 (391), _Fröhlich_ 1851 (397) u. in der _Wiener Dirnenspr._ 1886

(417).]

[Fußnote 437: ([135] auf S. 63.394) S. Bauer.]

[Fußnote 438: ([136] auf S. 63.394) S. Bettelbube.]

[Fußnote 439: ([137] auf S. 63.394) _Gof_ (plur. _Gofa_) = böses Kind

(Dim. _Göfle_ [Gefle (Spr.)] ist in _gleicher_ Bedeutg. auch der

_schwäb. Händlerspr._ bekannt (483: _Gôf_ = böses Kind, im Plur.

[_Gôfe_] dagegen = Kinder _schlechthin_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III,

Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) »nur

geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts« gebraucht wird, bes.

für ein »unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind«

(»Range«, »Göre«), während er sie der _Etymologie_ nach unerklärt

gelassen hat.]

[Fußnote 440: ([138] auf S. 63.394) S. Bierglas.]

Brand, _Funk_[441] [63.395]

Branntwein, _Gefinkelter_[442], _Katschete_[443], _Soruf_[444]

Branntweinpulle (-flasche), _Gefinkelterglansert_ od.

_Sorufglansert_[445]

braten, _sicheren_[446]

Braten, _Bossert_, _Mass_, d. h. »Fleisch«[447]

Bratkartoffeln, _Schmunkbolle_ (Spr.)[448]

[Fußnote 441: ([139] auf S. 63.395) S. abbrennen.]

[Fußnote 442: ([140] auf S. 63.395) _Zusammengesetzt_ hiermit sind a)

_am Anfang_: _Gefinkelterglansert_ = Branntweinpulle (-flasche) u. b)

_am Ende_: _Blauhanzegefinkelter_ = »Zwetschgenwasser«. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 ([_Finkeljochem_ od.]

_gefinkelter Jaiem_ = Branntwein); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256

(_G'finkelterjole_ = Branntwein); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Gfinkelter_ =

Branntwein); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_G[e]finkelte[r]_ = Schnaps); s.

auch noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Fünkeler_ = Schnaps). Zur _Etymologie_:

Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich

_Gefinkelter Jaiem_, _-jole_, d. h. »gebrannter Wein« (vgl.

»Einleitung«, S. 28), zu _finkeln_ (fünkeln) u. ä. = »sieden, braten,

kochen« (s. dazu schon oben unter »behext«). Vgl. _Günther_, Rotwelsch,

S. 81; _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter »g[e]finkelt«).]

[Fußnote 443: ([141] auf S. 63.395) Mit _Katschete_ sind im W.-B. _keine

Zus._ gebildet worden, auch _fehlt_ es in dem _verw. Quellenkreise_ und

kommt auch sonst im Rotw. nur _selten_ vor (so z. B. bei _Pfister_ 1812

[300: _Katschedi_, in einer Zusammensetzg.], _v. Grolman_ 33

[_Katschedi_] u. _Karmayer_, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch _Miklosich_,

Beitr., S. 11 u. 22). Über die _Etymologie_ des Wortes aus der

_Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. bei _Pott_ II, S.

160 (unter »Chatschjevava«), _Liebich_, S. 130 u. 186 (_chatschérdi_),

_Miklosich_, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter

»chačar«: bei den deutsch. Zig.: _chačerdi_ = Branntwein, Partiz.

von _chačāva_ od. _chačevava_ = »brennen, anzünden«),

_Jühling_, S. 220 (_Chatschärti_ = Schnaps) u. _Finck_, S. 68

(_xátšerdi_ = »Branntwein«).]

[Fußnote 444: ([142] auf S. 63.395) _Soruf_ erscheint in _gleicher_

Weise in _Zus._ verwendet wie _Gefinkelter_ (_Sorufglansert_,

_Blauhanzesoruf_). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.

J.-W.-B._ 486 (_Sorof_ = Branntwein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75

(_Soruff_ od. _Soroff_ = Schnaps); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Sôruf_ =

Schnaps); ebenso auch in der _Pfälz. Händlerspr._ 439. Über weitere

Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr. _frûf_, Part. pass.

von _fraf_ = »brennen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 223 u.

Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 85 u. in

d. »Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins«,

V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.]

[Fußnote 445: ([143] auf S. 63.395) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]

[Fußnote 446: ([144] auf S. 63.395) S. auskochen.]

[Fußnote 447: ([145] auf S. 63.395) S. (zu beiden Wörtern) Aas.]

[Fußnote 448: ([146] auf S. 63.395) a) _Schmunk_ bedeutet soviel wie:

Schmalz (Fett, Mark, »Schmer«), in _Zus._ auch Butter, wofür sonst

spezieller _dofer Schmunk_, d. h. »gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)«,

gebraucht wird. Die _Zusammensetzgn._ sind: [Griechisch: a]) mit _Schm.

voran_ (außer _Schmunkbolle_ noch): _Schmunklehm_ = Butterbrot

_Schmunkschure_ = Butter-(od. Schmalz-)faß, _Schmunkgleis_ = Buttermilch

_Schmunkschottel_ = Fettbüchse, _Schmunkhornikel_ = Mastochse,

_Schmunkbossert_ = Speck; [Griechisch: b]) mit _Schm. am Ende_:_

Bogaschmunk_ = Kuhbutter, _Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt

(s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), _Horbogeschmunk_ =

Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine _Ableitg._ ist das Zeitw.

_schmunken_ = schmälzen (schmelzen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 98 (_Schmunk_ = Butter,

Schmalz); _W.-B. des Konst. Hans_ 253 (_Form_: ebenso, _Bedtg._:

Schmalz), _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso, dazu: _schmunkig_ =

schmutzig); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 75 (_Schmunke_ = Schmalz;

_Zus._: _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Schmunk_

= Schmalz; dazu in _Pfedelb._ [209, 213]: _Rindschmunk_ = Butter u.

_Schmunkbossert_ = Speck); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436

(_Schmoñg_ = Schmalz) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmunk_ = Butter). Über

weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (das nach

richtiger Ansicht _deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_

Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter »Schmunk-Buckeler«); vgl. auch

_Weber-Günther_, S. 180. — b) _Bolle_ (-la) bedeutet — ebenso wie die

Zus. _Schundbolla_ (s. dazu Näh. schon unter »abgerahmte Milch«) —:

Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere _Zus._ damit sind noch (nach den

Spr.) _Bolleblättling_ = Kartoffelsalat u. _Bolleschottel_ =

Kartoffelschüssel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 93 (_Schompollen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen,

schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Bolle_ = Kartoffeln);

_Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Bolle_ od. _Schunbolle_ = Kartoffeln). Zur

_Etymologie_ s. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter

»Bolle«, Nr. 5, bes. lit. b), wonach _Bolle_ im allgem. einen »runden

Körper, Klumpen, Kugel«, weiter eine »rundliche (knorpelige) Frucht« u.

bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S.

298 (betr. _Bolle_ = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form

_Schundbolle_ u. ä. A.-L. 605 u. _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265,

283. Über die Verwandschaft von _Bolle_ mit d. mhd. Zeitw. _boln_ (ahd.

_bolôn_) = »rollen, wälzen, werfen, schleudern« u. dgl. s. _Kluge_,

W.-B., S. 64 u. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter

»abfallen«) betr. das jenische Zeitw. _bohlen_.

[Fußnote 449: ([147] auf S. 63.396) S. angenehm.]

brauchbar, _duft_[449], _g'want_[450] [63.396]

brauchbare Frau, _dufte Mos(s)_[451]

[Fußnote 450: ([148] auf S. 63.396) S. anmutig.]

[Fußnote 451: ([149] auf S. 63.396) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

brauchbarer Bursche, _dufter Benges_, — _Benk_[452] oder — [64.127]

_Fi(e)sel_[453]

[Fußnote 452: ([1] auf S. 64.127) _Benges_ od. _Benk_ = Bube, Bursche,

Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter,

Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin.

_Bengesle_ = Junge, Knabe) erscheint beliebt in _Verbindungen_ und

_Zusammensetzgn._ (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u.

Berufsbezeichnungen [vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]), so: a)

in _Verbindgn._ (außer _dufter B._ noch): _jenischer Benges_ od. _Benk_

= fahrender Bursche, _schofler Benk_ = Heuchler, auch Krüppel, _dofer

Benk_ = Junker, dann (gleich _dofer Benges_) auch: Geliebter (also wie

das einfache _Benges_ od. _Benk_ [s. oben], während _dufter Benk_ od.

_Benges_ nur durch »brauchbarer Bursche« wiedergegeben ist (s. oben im

Text), _nobis vergrönter Benges_ (d. h. eigtl. »nicht verheirateter

Bursche«) = lediger Mann; b) in _Zus._: [Griechisch: a]) für

_Eigenschaften_: _Lubnebenges_ = »Hurenkerl«, _Kenemerbenges_ (_-benk_)

= »Lausbube«; [Griechisch: b]) für _Berufe_: _Verkemersbenk_ =

Handelsbursche, _Sicherbenk_ = Koch, _Rattebenk_ = Nachtwächter,

_Groenikelbenk_ = Sauhirt, Schweinehirt, _Jerusalemsfreundbenk_ =

Schäfer, Schafhirt, _Stradebenk_ = Straßenwärter. _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Bink_ = Vater);

_Schwäb. Händlerspr._ 482-484 (_Penk_ = Herr, _Pink_ [in _Pfedelb._

(211, 213): _Bink_] = Mann [in _Pfedelb._ (a. a. O) auch: Meister,

Vater]; _Kislerpink_ = Maurer, in _Pfedelb._ [208, 210, 211, 213] noch:

_alter Bink_ = »Ausdinger«, _Schupferbink_ = Bäcker, _Treppertsbink_ =

Fuhrmann, _Hausbink_ = Hausherr, _Wägersbink_ = Kaufmann,

_Langraßlersbink_ = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in _Eningen_

[206, Anm. 1]: _Penk_ = Mann, _Stichelpenk_ = Landjäger, _Gwanderpenk_ =

Schultheiß, _Plempenteilespenk_ = Wirt; in U. [214]: _Schenägelspenk_ =

Knecht, _Balespenk_ = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit _Penk_

(Pink) = Mann (vgl. dazu _Penkle_ = Bube, Knabe) auch im _Pleißlen der

Killertaler_, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in

_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von

Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: _Fetschnerspink_ = schlechter Kerl

u. _Schnellpenk_ = geiler Mann; vgl. auch [nach _Kapff_ 213]:

_Schwenzlerspenk_ = Dieb (zu _schwenzle(n)_ = stehlen]). Über weitere

Belege aus dem Rotw. sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv,

Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter

»Penk«).]

brauchbarer Mann, _dufter Kaffer_[454] [64.128]

brauchbares Kind, _dufter Galm_[455]; im Plural: _dufte Galme_ oder

_Schrabiner_[456]; vgl. braves Kind

brauchbares Mädchen, _dufte Model_[457]

Braut, _Model_[457]

Bräutigam, _Benges_[458], _Fie(s)el_[459]

brav, _dof_[460]

braves Kind, _dofer Galm_, plur.: _dofe Galme_ oder _Schrabiner_[461]

[Fußnote 453: ([2] auf S. 64.128) S. Bettelbube.]

[Fußnote 454: ([3] auf S. 64.128) S. Bauer.]

[Fußnote 455: ([4] auf S. 64.128) _Galm_ = Kind, plur. _Galme_ (od. -ma)

= Kinder (Nachkommen), Dimin. _Gälmle_ (Kindlein [Spr.]) findet sich

noch in der _Verbdg._ _dofer Galm_ = braves Kind sowie in den folgenden

_Zusammenstzgn._: a) _am Anfang_: _Galmamodel_ = Kindermädchen (-magd),

_Galmeguffer_ (d. h. eigtl. »Kinderprügler«) = Lehrer, Schullehrer,

_Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege; b) _am Ende_: _Schoflergalm_

= Stiefkind. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 95 (_Gallme_ = Kind); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Galma_ =

Kind); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Galme_ = Kinder [sowohl kleinere wie

auch größere], _Galmeguffer_ = Lehrer [in _Pfedelb._ (211, 213):

_Galmen_ = Kind (sic), _Galmenguffer_ = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem

_Schrazeskneppler_ = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter

»aufschlagen«] u. _Galmegufferei_ = Schule]): s. auch _Metzer Jenisch_

216 (_Galmes_ [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw.

Belege sowie die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ (vielleicht in erster

Linie zu hebr. _gôlem_ = »Leibesfrucht, Embryo« u. dergl.) s. _Groß'_

Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch _Fischer_,

Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350

(Nachtr. u. Berichtigungen: _Galme_ zu mhd. _galmen_ = »schallen«?)]

[Fußnote 456: ([5] auf S. 64.128) _Schrabiner_ od. _Schrawiner_ =

Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein

als _Galme_ (-ma), auch in _Verbdgn._ u. _Zus._; s. jedoch noch _dofe

Schrabiner_ und _Schrabinermodel_ als Synon. zu _dofe Galme_ u.

_Galmamodel_ (s. d.) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.

Händlerspr._ 483 (_Schrawêner_ = Kinder). — Nach _Schütze_ 90 soll

_Schrab(b)iner_ (das auch schon in _Ku._ III [428] angeführt) gemäß

einer Mitteilung eines ostpreußischen »Kunden« der Plural zu _Schrappen_

= Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die _Mehrzahl_

[»Kinder«]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. _v. Grolman_

64 u. T.-G. 105 [_Schrappen_ = Kinder]; _Karmayer_ 149 (_Schrapp_ od.

_Schrampen_ = Kind [also beides _sing._]; A.-L. 604 [_Schrappen_,

_Schrabben_ od. _Schrammen_ = Kinder]; _Groß_ 492 [_Schrapfen_ = kleine

Kinder]; vgl. ferner noch _Hall. Lattcherschmus_ 492 [_Schräppchens_ =

Kinder]). Die _Etymologie_ bleibt unsicher (s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47,

S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. _screpan_ (nach

_Kluge W.-B._, S. 415: _crimpan_) = »schrumpfen«, das engl. _shrimp_ =

»Knirps, Zwerg« sowie unser volkstüml. spött. _Krabbe_ (eigtl. »kleiner

Seekrebs«) für ein kleines (munteres) Kind (s. _Paul_, W.-B., S. 304 u.

_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon.

_Stratz_ (plur.: Stratze) s. unter »Hurenkind«.]

Brecheisen, _Schure_[462] [64.129]

Brei, "

Bremse, "

brennen; _funken_[463]

brennend, _funkt_ (d. h. »es brennt«)

Brett, _Schurele_[462]

Brief, _Kritzler_[464]

Brieftasche, _Kritzlerrande_[465]

Briefträger, _Kritzlerbuckler_[466]

Brille, _Linzere_[467]

Brombeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[468]

Brot, _Lechem_ od. _Lehm_[469], _Maro_[470]

Brotbäcker, _Lehmschupfer_[471]

Brotbüchse, _Lehmschottel_[472]

[Fußnote 457: ([6] auf S. 64.129) S. Beischläferin.]

[Fußnote 458: ([7] auf S. 64.129) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 459: ([8] auf S. 64.129) S. Bettelbube.]

[Fußnote 460: ([9] auf S. 64.129) S. angenehm.]

[Fußnote 461: ([10] auf S. 64.129) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 462: ([11] auf S. 64.129) S. abbiegen. Ob es sich bei _Schure_

= Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug

handelt, ist nicht ersichtlich.]

[Fußnote 463: ([12] auf S. 64.129) S. abbrennen.]

[Fußnote 464: ([13] auf S. 64.129) S. Attest.]

[Fußnote 465: ([14] auf S. 64.129) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 466: ([15] auf S. 64.129) S. (betr. _-buckler_) abtragen.]

[Fußnote 467: ([16] auf S. 64.129) S. anschauen.]

[Fußnote 468: ([17] auf S. 64.129) S. Ananas.]

[Fußnote 469: ([18] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

Die jenische Sprache · 第 14 / 36 段