[Fußnote 368: ([66] auf S. 63.384) Bei _dambes_ = berauscht liegt

offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (_Dambes_

= Rausch [Spr.]) vor; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38). Der

_Etymologie_ nach gehört _Dambes_, das als _Dam¶p¶es_ auch in

süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch

(mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.

510 u. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl.

Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu _Dampf_ od.

auch zu dem Zeitw. _dämmen_ = »prassen, schwelgen« u. dgl. (s.

_Schmeller_, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp 709).

Die Endung _-es_ (vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 32) ist _hier_ wohl

als eine Abschwächung des latein. _-us_ zu betrachten. — Im Rotw. u. in

sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. _nicht_ bekannt.]

[Fußnote 369: ([67] auf S. 63.384) S. Amme.]

[Fußnote 370: ([68] auf S. 63.384) _Molum_ = berauscht kommt (gleichsam

als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. _Dambes_ für »berauscht«) auch

als Hauptw. — für »Rausch« — gebraucht vor. _Zu vgl._ (aus d. _verw.

Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._

485, die übereinstimmend nur _Molum_ = Rausch (also _nicht_ als Adj.)

haben. Seiner _Etymologie_ nach ist das Wort aber als Adj. (bzw.

Partiz.) aufzufassen, da es _nicht_ etwa zu dem zigeun. _mōl_ =

»Wein« (s. _Finck_, S. 74; vgl. _Liebich_, S. 146 u. 259, _Miklosich_,

Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie _Jühling_, S.

224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. _môle_ (hebr. _mle'_ =

»erfüllend, voll«, zu _ml'_ [_mlê'_] = »erfüllen« [vgl. A.-L. 403]),

das in die meisten deutschen Mundarten als _mole_ (moule, moile) od.

_molum_ (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen,

Hessen u. Westfalen) und (in d. Form _molum_ = »besoffen«) auch der

Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s.

_Kluge_, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der

Gaunersprache aufgenommen wäre (s. _J. Meier_, Hall. Studentenspr., S.

10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i.

d. R. in der Form _mole_) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt,

und auch dann _meist_ nur in dem allgemeinen Sinne von »voll, gefüllt«

überhaupt (s. z. B. _v. Grolman_, T.-G. 131; _Karmayer_, G.-D. 121;

_Groß_ 479; nur bei _Thiele_ noch bes. _mole jajin_ = »voll Weines«;

erst bei A.-L. 575 in d. Form _molum_ = »betrunken« u. bei _Groß_ 479

vbd. m. 476 [unter »lunen«]: _Molum_ (-lun) = »Rausch«). S.

_Weber-Günther_, S. 159/60 (unter »moule«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.

W.-B. IV, Sp. 1733 (unter »Molum«).]

[Fußnote 371: ([69] auf S. 63.384) Auch hierbei handelt es sich (wie bei

d. Syn. _dambes_) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs,

_Schwächer_ = Rausch (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38).]

[Fußnote 372: ([70] auf S. 63.384) S. abschaffen.]

beschenken, _dogen_[373], _ste(c)ken_[374], s. auch schlagen [63.385]

beschimpfen, _stämpfen_[375]

beschmutzt, _schundich_[376]

beschreiben, _febera_ (d. h. eigtl. nur »schreiben«)[377]

besehen, _linzen_ (d. h. eigtl. »sehen«)[378]

Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste

besichtigen, _linzen_[378]

besonnen, _kochem_[379]

[Fußnote 373: ([71] auf S. 63.385) S. abgeben.]

[Fußnote 374: ([72] auf S. 63.385) _Ste(c)ken_ hat (gleich _dogen_) auch

die allgemeinere Bedeutung von »geben« (so z. B. _Fehma_ oder _Grifling

ste[c]ken_ = die Hand geben), dann aber auch die von »hauen, prügeln«

(s. auch: »fechten«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 92 (_stecken_ = geben); _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259

(_steken_ = geben, aber auch: sagen); _Schöll_ 272 (ganz ebenso);

_Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344 (_steken_ = hergeben, schenken, _Fehma

steken_ = Hand geben, _usserkinnig steken_ = herausgeben); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_stecken_ = geben); _Schwäb. Händlerspr._ (in

_Pfedelb._ [210]: _stecken_ = geben, _Griffling stecken_ = die Hand

geben); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_st¶i¶cken_ = geben). Zur

_Etymologie_: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl.

Zeitw. _stecken_, das »Bewirkungswort« zu _stec¶h¶en_ (_Weigand_, W.-B.

II, Sp. 957 unter »stecken« 1), das wohl auch (z. B. nach _Ku._ IV

[433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der _neueren_

Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: »_heimlich_

geben« [»zustecken«], »_heimlich_ zu _verstehen_ geben« (vgl. z. B.

A.-L. 610; _Groß_ 495; _Rabben_ 125] od. »_heimlich_ Unterschrift geben«

[s. _Ostwald_ 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie _den Kohl stecken_ =

»den Staupenschlag geben« oder _einem Guffti_ od. _Macks stecken_ =

»schlagen« (eigtl. »jmdm. Schläge geben«) im älteren Rotwelsch (s. für

die erstere Wendung: _A. Hempel_ 1687 [168] u. _Waldheim. Lex._ 1726

[189], für die letztere: _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218 u. 220])

sowie dem mundartl. volkstüml. »_einem eine_ (näml. Ohrfeige) _stecken_«

(s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann

die engere Bedeutung von »prügeln« usw. leicht entwickeln; außerdem mag

auch der Anklang an »Stecken« (= Stock) dabei vielleicht noch mit

eingewirkt haben.]

[Fußnote 375: ([73] auf S. 63.385) S. Ärger.]

[Fußnote 376: ([74] auf S. 63.385) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 377: ([75] auf S. 63.385) S. abschreiben.]

[Fußnote 378: ([76] auf S. 63.385) S. anschauen.]

[Fußnote 379: ([77] auf S. 63.385) _Kochem_ hat im W.-B. noch folgende

Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen,

verschmitzt, verständig. In dem _verw. Quellenkreise_ der _älteren_ Zeit

tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von »gaunerisch«, »auf

die Gauner bezüglich« u. dgl. oder in d. R. vielmehr _substantivisch_

gebraucht für »Gauner« (»Spitzbube«, »Dieb«) u. ä. auf, während es in

der _neueren_ Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl.

unten »Etymologie«) — von »klug«, »gescheit« usw. — angenommen hat,

also mit _Wittichs_ Jenisch übereinstimmt (s. auch schon »Einleitung«,

S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit »Vorbemerkung« S. 5, Anm. 8). _Vgl._ _Dolm.

der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Kocheme_ [sing.] = Spitzbub, _Kocheme-Kitt_

= Diebsherberge, _Kocheme Grunerej_ od. _Gascherey_ = Diebshochzeit,

_Kochemgeis_ = Diebsvolk u. a. m.); _W.-B. des Konst. Hans_ 256

(_Kochem_ = Dieb); _Schöll_ 268, 271, 273 (_Kochum_ = Dieb, _Kochumer_

[plur.] = »Jauner«, _Kochumebaiser_ = Diebswirt); _Pfulld. J.-W.-B._

308, 341, 343 (_Kochemer_ = »Schelm«, _Kochemer Kehr_, _-Kitt_ od.

_-Baiss_ = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber _kochem_ = klug, daher

_kochemer Baiser_, _Kaim_, _Kafer_ = kluger Wirt, Jud, Mann); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 70, 71, 77 (_kochem_ = klug, _kochum_ = hochfein,

_cochum_ = vortrefflich); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]:

_kochem_ = gescheit, klug). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _chkm_ =

»klug, weise«) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2

u. bei _Weber-Günther_, S. 157 (hier auch weiter _rotw._ Belege); vgl.

auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.]

besser, _döfer_[380] [63.386]

bestehlen s. berauben

bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken

bestraft (gerichtlich), _g'strupft_[381]

besudelt s. beschmutzt

beten, _bliblen_[382]

betrachten, _linzen_[383]

betrinken, _beschwächen_[384]

Betrug, _Kasperei_[385], _Kohlerei_[386]

betrügen, _kaspere_[385], _kohlen_[386]

[Fußnote 380: ([78] auf S. 63.386) Komparativ zu _dof_; s. angenehm.]

[Fußnote 381: ([79] auf S. 63.386) Ein danach zu erwartender Infin.

_strupfen_ = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich

noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. _Strupf_ = Strafe (u.

dazu: _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]: _Strups_ =

Strafe [aber _schripfen_ od. _stricheln_ = strafen]). Die _Etymologie_

erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 514

und _Schmeller_, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter »strupfen«)

angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher

nur bloße Verunstaltung von »Strafe«, »strafen« vor. Mit Bezug auf den

(aus der Wendg. _Strupf bereimen_ [für _Strupf_] zu entnehmenden)

engeren Begriff »_Geld_strafe« könnte man allenfalls auch an das

wienerische _Strupf'n_ = Gulden (s. _Schranka_, Wien. Dial.-Lex., S.

167) denken.]

[Fußnote 382: ([80] auf S. 63.386) S. anbeten.]

[Fußnote 383: ([81] auf S. 63.386) S. anschauen.]

[Fußnote 384: ([82] auf S. 63.386) S. Amme.]

[Fußnote 385: ([83] auf S. 63.386) _Kasperei_ = Betrug (bes. auch

Wahrsagen) u. _Kasperer_ = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem.

_Kaspere_ = Wahrsagerin sind _Ableitungen_ von dem Zeitw. _kaspere_ =

betrügen, auch zaubern (Spr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):

_Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kasperer_ = »Betrüger mit falschen

Arzneien«); _Schöll_ 270, 271 (_kaspern_ = betrügen, _Fenkel Caspar_ =

»Betrug mit Hexerei«, _Höllich Caspar_ = »Betrug mit Beschwörung

unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze«); _Pfulld.

J.-W.-B._ 338 (_kaspern_ = betrügen, lügen); _Schwäb. Händlerspr._ (in

_Pfedelb._ [209]: _kaspern_ = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s.

_Schütze_, S. 72, 73. Zur _Etymologie_ (vom hebr. _kzab_ = »belügen«)

s. _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter »Kasper-Fehlinger«); vgl.

auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter »kaspern«) betr.

Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.]

Betrüger, _Fehlinger_[387], _Kasperer_[385] [63.387]

betrunken s. berauscht; vgl. trunken.

Bett, _Sauft_, plur. _Sauften_, _Säufter_ oder _Säuftlinge_ (letzteres

Spr.)[388]

Bettelbrief, _Dercherkritzler_[389]

Bettelbrot, _derchter Lehm_ (d. h. »gebetteltes Brot«)[390]

Bettelbube, _Dercherfi(e)sel_[391]

[Fußnote 386: ([84] auf S. 63.387) S. belügen.]

[Fußnote 387: ([85] auf S. 63.387) _Fehlinger_ findet sich schon in den

_verw. Quellen_ des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von

»Betrüger mit falschen Arzneien« (so: _Dolm. der Gaunerspr._ 90; Synon.:

_Kasperer_ [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] _Feling_ = Arznei) u. dergl.

(s. _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [= »falsche Ärzte, Ölträger«]). Eine

nähere Einteilung der _Fehlinger_ (in _Staats-_ u. _gemeine Fehlinger_)

gibt dann _Schöll_ 1793 (269/70; vgl. 272: _Feling_ = Arzneien); s. auch

noch _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (262) und _Uracher Jauner- u.

Betrügerliste_ 1792 (268) sowie weitere Belege in _Groß'_ Archiv Bd. 42,

S. 21 (unter »Fe(h)ling«). In _neuerer_ Zeit ist dagegen der Ausdruck m.

Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren)

_Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. _Fischer_,

Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.]

[Fußnote 388: ([86] auf S. 63.387) _Sauft_ (wohl auch im Sing.

_Säuftl¶e¶ng_, argum.: plur. _Säuftling_ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13,

Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der

Redensart _in Sauft bosten_ = niederkommen sowie in folgenden _Zus._: a)

im _Anfang_: _Sauftschottel_ = Bettschüssel u. _Sauftschure_ =

Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) _am Ende_: _Rauschertsauft_ = Streu-

od. Strohlager u. _Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege. _Zu vgl._

(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld J.-W.-B._ 338, 341 (_Sa¶n¶ft_ =

Bett, Kissen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Sonft_ od. _Saunft_ = Bett;

Nebenformen: _Senftling_ u. _Sänftel_ [in _Eningen_ (206, Anm. 2):

_Seifle_]); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Sempfle_ oder

_Siampfle_). Zur _Etymologie_: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um

eine (mundartl.) Verunstaltung von _Sanft_ (bzw. _Sänftling_), einer

alten rotw. Vokabel, die — in der Form _Senfterich_ — schon im 15. u.

16. Jahrh. auftritt (s. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]; _Lib. Vagat._

55 [_Senfftrich_]), dann später als _Senftling_ (so schon _A. Hempel_

1687 [167]), _Sänftling_, _Senffte_ (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753

ff. [231]), _Sänft_ (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu

unserem Adj. »sanft« gehört (s. _Weber-Günther_, S. 181 vbd. im _Pott_

II, S. 11, A.-L. a. a. O., _Stumme_, S. 25). Der Übergang von _Sanft_

(Sonft) zu _Sau¶n¶ft_ (s. _Schwäb. Händlerspr._) und von da zu _Sauft_

ist leicht gegeben.]

[Fußnote 389: ([87] auf S. 63.387) S. abbetteln u. Attest.]

[Fußnote 390: ([88] auf S. 63.387) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 391: ([89] auf S. 63.387) _Fi(e)sel_ = Bube (Jüngling) bedeutet

auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam,

Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. _Fi(e)sele_ = Junge (Knabe), Sohn.

_Verbindungen_ damit sind: _schofler Fi(e)sel_ = Heuchler, ferner,

»Hurenkerl« u. auch Krüppel, _jenischer Fi[e]sel_ = fahrender Bursche,

_dofer Fi(e)sel_ = Junker (während _dufter Fi(e)sel_ für »brauchbarer

Bursche« angeführt ist); als _Zusammensetzgn._ damit kommen (_bes._ auch

als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. »Vorbemerkung« S. 12, Anm. 29])

noch (außer _Dercherfi[e]sel_) vor: _Linkfi(e)sel_ = böser Mensch

(Mann), _Verkemerfi(e)sel_ = Handelsbursche, _Sicherfi(e)sel_ = Koch,

_Kenemerfi(e)sel_ = »Lausbube«, _Fehtefi(e)sel_ = Quartierbursche,

_Modelfi(e)sel_ = Tochtersohn (während unter »Sohn« nur das Dim.

_Fi[e]sele_ [s. oben] angeführt ist), _Schmelemerfi(e)sel_ =

Zigeunerbursche. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.

J.-W.-B._ 338, 341, 344 (_Fißel_ = Bube, Junge, Knabe, _Visel_ = Sohn);

_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 76 (_Fiesel_ = Bursche, _Bruchfiesel_

= lumpiger Stromer); _Schwäb. Händerspr._ 482-84, 486 (_Fîsel_ [Fisel],

_Fîßel_ = Junge, Mann, Sohn [in _Pfedelb._ (209, 210): Bursche,

Junggeselle]; _Zus._: _Kîslerfîsl_ = Maurer, in _Pfedelb._ [209, 211,

212]: _Stibbersfisel_ = Bettler, _Wägersfisel_ = Kaufmannslehrling,

_Facklersfisel_ = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw.

sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.:

vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter »Fisel«, Nr.

5).]

Bettelei, _Dalferei_, _Dercherei_[392] [63.388]

Bettelfrau, _Derchermoss_[393]

bettelhaft s. arm; vgl. dürftig

Bettelleute, _Dercherulma_ (-me)[394]

Bettelmädchen, _Derchermodel_[395]

Bettelmann, _Dercherkaffer_[396]

betteln, _dalfen_, _derchen_[392], _manga_[397]

Bettelsack, _Dercherrande_[398]

Bettelstab, _Dercherstenz_[399]

[Fußnote 392: ([90] auf S. 63.388) S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.]

[Fußnote 393: ([91] auf S. 63.388) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 394: ([92] auf S. 63.388) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]

[Fußnote 395: ([93] auf S. 63.388) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]

[Fußnote 396: ([94] auf S. 63.388) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 397: ([95] auf S. 63.388) Zu _manga_ (dial. = mange[n]) vgl.

(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 330, 338 (_mangölen_ =

abbetteln, betteln, _Mangöler_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 479

(_mangen_ = betteln; in U. [213]: _Mangkitt_ = Bettelhaus); s. auch noch

_Metzer Jenisch_ 216 (_mange_ = betteln). Zur _Etymologie_ (aus der

_Zigeunerspr._ vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B.

IV, Sp. 1438 vbd. m. _Pott_ II, S. 445 (unter »Mangawa«), _Liebich_, S.

145, 184 u. 197 (_mangāwa_ = ich bitte, flehe, bettele), _Miklosich_,

Beitr. III, S. 15 (unter »mangen«) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S.

9, 10 (unter »mang«: bei d. deutsch. Zig.: _mangāva_ = bitten,

betteln), _Jühling_, S. 224 (_manga_ = betteln) u. _Finck_, S. 72

(Stamm: _mang-_ [mangd-] = »bitten, betteln, fordern«).]

[Fußnote 398: ([96] auf S. 63.388) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 399: ([97] auf S. 63.388) S. (betr. _Stenz_) Ast.]

Bettelweib s. Bettelfrau [63.389]

Bettler, _Dalfer_, _Dercher_ (fem. _Derchere_ [Spr.])[392]

Bettschüssel, _Sauftschottel_[400]

Bettüberzug, _Sauftschure_[401]

Bettuch, " "

Bettzüge, " "

beunruhigen (sich), _bauserich sein_[402]

Beutel, _Kiesreiber_[403], _Rande_[404]

beweinen, _glemsen_[405]; vgl. weinen

bewerfen, _plotzen_[406]; vgl. werfen

bezahlen, _bereimen_[407], _bleisgeren_[408], _pfreimen_, _zainen_,

(zeinen [Spr.])[409]

[Fußnote 400: ([98] auf S. 63.389) S. Bett u. Aschenbecher.]

[Fußnote 401: ([99] auf S. 63.389) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 402: ([100] auf S. 63.389) S. Angst.]

[Fußnote 403: ([101] auf S. 63.389) _Kiesreiber_ bedeutet eigentl.

spezieller _Geld_beutel, _Geld_börse (Börse, Säckel), zus. aus _Kies_ =

_Geld_ u. dgl. (s. Näh. unter »Bankier«) u. _Reiber_ = Beutel, das

jedoch in _Wittichs_ W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur

in gewiss. _Zus._ wie (außer _Kiesreiber_) noch _Toberichreiber_ =

Tabaksbeutel u. _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel. _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 98 (_Reipert_ = Sack)

_Megesreipert_ = Geldbeutel [wozu betr. _Meges_ = Geld zu vgl. _Groß'_

Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,

Sp. 572: zu hebr. _mäkäs_ = »Abgabe«]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._

70 (_Kiesreiber_ = Geldbeutel); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîsreiber_,

Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s.

schon _Lib. Vagat._ 54 [_Rippart_ = »Säckel«]) — u. die _Etymologie_

(wohl zu unserem Zeitw. _reiben_, mhd. _rîben_) s. Näh. bes. bei

_Weber-Günther_, S. 179; vgl. auch _Pott_ II, S. 34, 35; A.-L. 591

(unter »Reiber«); _Stumme_, S. 24.]

[Fußnote 404: ([102] auf S. 63.389) S. Bauch.]

[Fußnote 405: ([103] auf S. 63.389) S. ausweinen.]

[Fußnote 406: ([104] auf S. 63.389) Mit _plotze[n]_ (-za) = werfen

(bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: _einplotza_ = einwerfen

(oder einfallen), _herab-_, _hin-_, _nach-_, _niederplotze[n]_ = herab-,

hin-, nach-, niederwerfen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):

_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_plozen_ = fallen, _aufplozen_ =

aufbrechen, aufmachen, _niederplozen_ = niederwerfen; _Schunplotzer_ =

Maurer); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Schumplotzer_ od. _Schundplotzer_

[in _Degg._ (215): _Schund-blozer_] = Maurer; in _Pfedelb._ [212]:

_niederpletzen_ = niederwerfen). Zur _Etymologie_ (zu d. mundartl., bes.

schwäb. _plotzen_ od. _blotzen_ = »stoßen, schlagen [prügeln], _werfen_«

[bes. mit Geräusch »hin- und herwerfen« u. dgl.]) s. die Angaben in

_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch _Fischer_, Schwäb.

W.-B. I, Sp. 1217.]

[Fußnote 407: ([105] auf S. 63.389) Zu _bereimen_ = bezahlen (auch

vergüten) s. die Wendung _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen (vgl. oben

unter »bestraft«). Auch _Bereime_ = Zahlung ist wohl nichts anderes als

der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während _Bereimerei_ =

Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. _Zu_ _vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_beräumen_ [in

_Pfedelb._ (209): _bereimen_] = bezahlen, in _Pfedelb._ [208] auch:

_ausbereimen_ = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18.

Jahrh. [s. _Kluge_ Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. _Groß'_ Archiv

Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die _Etymologie_

des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei

_Graff_, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während

_Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck »bereinigen« (im

Sinne von »bezahlen«) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch

meint, eine Entstellung aus »bereinen« passe deshalb nicht, weil dieses

ebenso wie das Adj. »rein« in Schwaben nicht volksüblich sei.]

bieder, _dof_[410] [63.390]

Bier, _Blamb_[411]

Bierglas (-flasche), _Blambglansert_[412]

Bindfaden, _Schure_[413]

Binsen, "

Birke, _Stöber_ (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen —

_alle_ Bäume bezeichnet[414]

[Fußnote 408: ([106] auf S. 63.390) S. anzahlen.]

[Fußnote 409: ([107] auf S. 63.390) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]

[Fußnote 410: ([108] auf S. 63.390) S. angenehm.]

[Fußnote 411: ([109] auf S. 63.390) Mit _Blamb_ ist _zusammengesetzt_

nur _Blambglansert_ (s. d. W.-B.), das auch unter »Schoppenglas«

angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 90 (_Blembel_ = Bier); _W.-B. des Konst. Hans_ 254

(_B[l]empel_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Blamp_ od. _Blempel_); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Plampe_); _Schwab. Händlerspr._ 480 (_Plamp_

= Bier, dazu in _Pfedelb._ [208]; _Plamppflanzer_ = Bierbrauer;

abweichend in _Eningen_ [206, Anm. 1]: _Plempel_ = Wein). Im _Pleißlen

der Killertaler_ (436) ist _Plamp_, _Plempel_ od. _Plimpel_ = Getränk

schlechthin, _Gañsplempel_ = Wasser, _gwanter Plempel_ = Wein. Über

sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die _Etymologie_ s.

ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch

_Weber-Günther_, S. 179 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter

»Plämpel«).]

[Fußnote 412: ([110] auf S. 63.390) Mit _Glansert_ = Glas (Humpen,

Schoppen) aber auch Flasche (»Bouteille«, »Pulle«) finden sich ferner

noch folgende _Zus._: _Gefinkelter-_ oder _Sorufglansert_ =

Branntweinpulle (-flasche), _Feneter-_ oder _Scheiglansert_ =

Fensterglas, _Gleisglansert_ = Milchglas, _Grabegautsehertglansert_ =

Mostglas, _Schwächglansert_ = Trinkglas, -geschirr, _Flösselglansert_ =

Uringlas, _Johleglansert_ = Weinglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Glensert_ = Glas); _Schwäb.

Händlerspr._ (U. [213]: _Glänzerle_ = Glas). _Etymologie_: Das Wort, dem

sich auch sonst im Rotwelsch noch manche _ähnliche_ Formen zur Seite

stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. »Glanz« bzw.

»glänzen«. Vgl. _Pott_ II, S. 33; _Weber-Günther_, S. 189; _Fischer_,

Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter »Glänzer«).]

[Fußnote 413: ([111] auf S. 63.390) S. abbiegen.]

[Fußnote 414: ([112] auf S. 63.390) S. alles Nähere unter »Apfelbaum«.]

Birnbaum, _Stielingstöber_[415] [63.391]

Birne, _Stieling_

Birnenkern, _Stielingkies_[416]

Bischof, _grandicher Kolb_, d. h. »der große Pfarrer«[417], während der

Papst als _grandich Kolb_, d. h. »der größte Pfarrer«, bezeichnet

wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit _grandicher_ immer die nächste

höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit _grandich_ dagegen stets

der höchste Rang usw.[419].

[Fußnote 415: ([113] auf S. 63.391) Mit _Stieling_ = Birne ist ferner

noch zusammengesetzt _Stielingkies_ = Birnenkern. _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Stieling_ = Birne);

_Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stühling_); _Schwäb.

Händlerspr._ 480, 484 (_Stîling_; vgl. _Stîlingsjôle_ = Most); s. auch

noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Stilche_ od. _Stîlche_). Der _Etymologie_

nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort

(vgl. _Kluge_, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr.

»Stiel«; vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 61.]

[Fußnote 416: ([114] auf S. 63.391) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]

[Fußnote 417: ([115] auf S. 63.391) Vgl. auch Hoherpriester. Mit _Kolb_

= Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende

_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Kolbekitt_ = Pfarrhaus (u. dazu die

Verbindg. _grandiche Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg.

mit d. Zigeunerspr.]) u. _Kolbemalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_:

_Kaimekolb_ (d. h. »Judenpfarrer«) = Rabbiner (s. d. betr.

Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). _Zu vergl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kolb_ = Pfarrer, Priester,

_Unterkolb_ = Kaplan); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (unter »katholisch«) u.

484 (_Kol¶p¶_ [in _Pfedelb._ (212): _Kol¶b¶_] = Pfarrer, in _Pfedelb._

[212]: _Oberkolb_ = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die

_Etymologie_ des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.]

_Kolbe_ = »geschorener Kopf« mit Bez. auf die Tonsur der kathol.

Geistlichen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch

_Weber-Günther_, S. 172 (unter »Kolm«).]

Die jenische Sprache · 第 13 / 36 段