[Fußnote 285: ([135] auf S. 63.131) Das Zeitw. _schlanne(n)_ (-na)
entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen)
ganz dem Syn. _durme(n)_, so auch in den _Zus._, nämlich (außer
_ausschlauna_ [wozu zu vgl.: _ausg'schlaunet_ = erwacht]) noch
_einschlauna_ = einschlafen, _herumschlauna_ = herumliegen,
_hinschlaunen_ = (sich) hinlegen, _niederschlaune_ = (sich) niederlegen.
_Ableitung_: das Adj. _schlaunerich_ = schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_schlaunen_ = schlafen);
_W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_schlauna_ = schlafen); _Schöll_ 271
(_Schlauna_ = Schlaf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 344 (_schlaunen_ =
schlafen, _verschlaunen_ = einschlafen, _nobus schlaune_ = schlaflos
sein, _Schlane_ = Schlaf, _Schlaunklamine_ = Schlafzimmer,
_Schlaumalfes_ [sic] = Schlafrock, _schlaunerig_ = schläfrig); _Schwäb.
Händlerspr._ (_Lütz._ 215: _schlaune[n]_ = schlafen). _Etymologie_: Der
Ausdruck, der sich bis in den _Lib. Vagat._ zurückverfolgen läßt (s.
dort 55: _schlun_ = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in
deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: _schlunen_). S.
_Pott_ II, S. 17, A.-L. 601 (unter _schlonen_), _Kluge_, Unser Deutsch
(2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter »schlummern«)
u. _Stalder_, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (_schlunen_); vgl.
auch _Weber-Günther_, S. 180. Über das stammverwandte _schlummern_ s. d.
Näh. unter »Herberge«.]
[Fußnote 286: ([136] auf S. 63.131) S. abschreiben.]
[Fußnote 287: ([137] auf S. 63.131) S. anschauen.]
[Fußnote 288: ([138] auf S. 63.131) S. anlachen.]
[Fußnote 289: ([139] auf S. 63.131) S. ansagen.]
ausspülen, _auspfladera_[290] [63.132]
ausstehlen, _ausschniffen_[291], _ausschoren_[292]
austreten (schwer), d. h. cacare, _fu(h)la_, _schmelza_[293],
_schunden_[294]
austreten (leicht), d. h. _mingere_, _flösle_[295]
[Fußnote 290: ([140] auf S. 63.132) S. abwaschen.]
[Fußnote 291: ([141] auf S. 63.132) S. anfassen.]
[Fußnote 292: ([142] auf S. 63.132) Das Zeitw. _schoren_ (z'schore
[Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d.
_Zus._: _herausschoren_ = herausstehlen u. _wegschoren_ = wegstehlen.
_Ableitungen_: _Schorer_ = Dieb, Räuber (vgl. dazu _Schorerulma_ =
Diebesbande) u. _Schorerei_ = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw.
_Zschor_ = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. _Zschor-Kitt_ =
Diebesherberge. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
Konst. Hans_ 253, 255, 257, 260 (_schornen_ = stehlen, _T'schor_ od.
_Schorne_ = Dieb, _T'schorr-Kitt_ = Diebesherberge, _T'schor-Bais_ =
Diebeswirtshaus, _T'schor-Kaffer_, _-Gaya_ = Mann [bzw. Frau], der [die]
gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 268, 271-73 (_dschornen_ = stehlen,
_Dschorn_ = Raub, _Tschor_ = Dieb, »Jauner«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337-39,
343, 345 (_schornen_ = stehlen, ausplündern, _Schornen_ = Diebstahl,
_Gschor_ = Dieb, Schelm, Spitzbube); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
(_tschornen_ = stehlen); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_schôren_ [in U.
(214): _tschōren_] = stehlen). Zur _Etymologie_ der (auch _sonst_ im
Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der
Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in _Groß'_
Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch _Jühling_, S. 227
(_Tschoraben_ = das Stehlen, _Tschormasskäro_ = Dieb) u. _Finck_, S. 92
(_tšōr_ = »Dieb, Räuber«, _tšōr[d]_- = »stehlen, rauben«);
vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschor[n]« bzw.
»tschor[n]e[n]«).]
[Fußnote 293: ([143] auf S. 63.132) S. (zu beiden Ausdr.) Abort.]
[Fußnote 294: ([144] auf S. 63.132) S. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 295: ([145] auf S. 63.132) Das Zeitw. _flös(s)le(n)_ od.
_flessle_ bedeutet (außer: »harnen«, »pissen«) auch noch »regnen« (Spr.)
u. dementsprechend das Subst. _Flösle_ = a) Harn (»Pisse«, Urin), b)
Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: _Flöslete_. Mit dem Stamm
(_flössel-_) des Zeitw. _flöss(e)le(n)_ erscheinen gebildet die _Zus._
_Flösselflu(h)te_ = a) Harn (»Pisse«), Urin, b) Regenwasser,
_Flösselnolle_ = Nachthafen, Urintopf u. _Flösselglansert_ = Uringlas,
ferner noch _Flösselreifling_ = Regenbogen u. _Flösselschei_ = Regentag.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101
(_flöslen_ = »Wasser abschlagen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_flößeln_ =
»brunzen«, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); _Schwäb. Händlerspr._ 484,
485, 488 (_flößlen_ = mingere, _flößeln_ od. _flößeren_ = regnen [aber
_flôßeren_ = weinen]; dazu in _Pfedelb._ [211] noch _Flößl_ = »Kandel«,
d. h. Dachrinne). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach _Kapff_
[212]: _flüssne[n]_ = mingere). Zur _Etymologie_ von _flös(s)len_ u. ä.
(dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a)
_Basler Betrügnisse_ um 1450 (15: _geflösselt_ = ertränkt) u. dann öfter
im 16. u. 17. Jahrh.; b) _Lib. Vagat._ 53 (_flößlen_ = »seichen«) u.
dann öfter (s. oben; vgl. auch noch _Pfister_ 1812 [298: _Flössel_ =
Urin]); c) _D. Schwenter_ um 1620 (140: _flösseln_ = sieden; vgl. _Flos_
= Suppe); d) _A. Hempel_ 1687 (168: _flösseln_ = weinen); e)
_Schintermicherl_ 1807 (289: _flösseln_ = regnen; vgl. _Flos_ =
Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter »Floß«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II,
Sp. 1585/86 (unter »flössere[n]« u. »flössle[n]«). An erster Stelle
dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. _Floß_ für
»kleines fließendes Wasser« (vgl. auch mhd. _vlôz_ = »Fluß, Strömung« u.
a. m. [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter »Floß« 1 u. 2]),
weiterhin überhaupt das gemein-deutsche _Fluß_ bzw. _fließen_ usw. Vgl.
auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische _Flößling_ = Fisch, worüber
d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. _Floßart_ (_Flossert_)
u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 186).]
austrinken, _ausschwächen_ (trink aus, _schwäch [a]uf_)[296] [63.133]
auswaschen s. ausspülen
ausweinen, _ausglemsa_[297]
auszahlen, _ausbleisgeren_[298], _auspfreima_, _auszeina_[299]
auszanken, _ausstämpfen_[300]
ausziehen, _ausklufta_ (-ten)[301]
Axt, _Dober_[302]
[Fußnote 296: ([146] auf S. 63.133) S. Amme.]
[Fußnote 297: ([147] auf S. 63.133) Zu _glemse(n)_ (-sa) = weinen
(beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. _Glemsen_ = Tränen,
_Ableitung_: _Glemserei_ = Heulerei) _vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_klemsen_ = heulen,
weinen); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _glimse[n]_ = weinen). Die
_Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht
aufgeführt.]
[Fußnote 298: ([148] auf S. 63.133) S. anzahlen.]
[Fußnote 299: ([149] auf S. 63.133) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]
[Fußnote 300: ([150] auf S. 63.133) S. Ärger.]
[Fußnote 301: ([151] auf S. 63.133) S. ankleiden.]
[Fußnote 302: ([152] auf S. 63.133) Dazu das Diminutiv _Doberle_ = Beil.
In den _verw. Quellen_ m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren
Rotwelsch (denn in der _Sulzer Zigeunerliste_ v. 1787 [252] ist es nur
als Zigeunerwort — für rotw. _Hekerling_ — aufgeführt), dagegen findet
es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie _Pfister_ 1812 [297],
_v. Grolman_ 17 u. T.-G. 84, _Karmayer_ G.-D. 196). Zur _Etymologie_ aus
der Zigeunerspr. (vgl. »Einltg.«, S. 29) s. Näh. bei _Liebich_, S. 162,
180 u. 182 (_tōwer_ = Axt, Beil); _Miklosich_, Beiträge III, S. 20 u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter »tover«: bei den deutsch. Zig.:
_tover_; vgl. pers. u. hind. _tabar_, kurd. _taver_, armen. _tapar_,
russ. _topor_ usw.); _Jühling_, S. 89 (_Dowär_ = Axt, Beil); _Finck_, S.
89 (_tower_ = »Axt, Beil«).]
B. [63.372]
Bach, _Flu(h)te_[303]
Bachstelze, _Flu(h)tefläderling_[304]. Häufiger ist indessen die
Bezeichnung _jenischer Fläderling_, d. h. »der jenische Vogel«[305].
Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß
sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen
zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit
vielen »Fahrenden«) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche
Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben,
den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die
Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von
ihnen ausschließlich als ihr _romano tschirklo_, d. h. »Zigeunervogel«
angesehen wird[306].
[Fußnote 303: ([1] auf S. 63.372) S. abbrühen.]
[Fußnote 304: ([2] auf S. 63.372) Betr. _Fläderling_ s. Adler.]
[Fußnote 305: ([3] auf S. 63.372) Der Ausdruck _jenisch_ ist hier, wie
die nachfolgenden Bemerkungen _Wittichs_ im Text zeigen, in dem Sinne
von »zu den fahrenden Leuten gehörig« oder »auf sie Bezug habend« (vgl.
»Vorbemerkung«, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die
weiteren Verbindungen: _jenischer Benk_ (Benges) od. _Fi(e)sel_ =
»fahrender Bursche«, _jenische Moss_ u. _Model_ = »fahrende Frau« u.
»fahrendes Mädchen«, _jenische Ulma_ = »fahrende Leute«. Bemerkt sei
hierzu noch, daß nach _Jühling_, S. 220 von den Zigeunern »alle
herumziehenden Leute«, die »_nicht_ Zigeuner« sind, als _Chalo-Jenische_
(zu _Chalo_ = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen
vgl. betr. die _Etymologie_, die verschiedenen _Bedeutungen_ u. die
_Belege_ für das Wort _jenisch_ (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in
m. »Vorbemerkg.«, S. 4, Anm. 6 ff.]
[Fußnote 306: ([4] auf S. 63.372) Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von
_Liebich_, S. 156, 165 u. 180 u. _Finck_, S. 92 (_rómeno tširklo_),
die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll
sich nach einer Mitteilg. _Wittichs_ in seinen (auch von _Groß_, Handb.
für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im
Jahrg. 1912, Heft 1 der »Mitteilungen über die Vogelwelt« (S. 89, 212
ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.]
backen, _schupfen_[307] [63.373]
Bäcker (Bäckermeister), _Lehmschupfer_, d. h. eigtl. (genauer)
»Brotbäcker«[307][308]
Bäckerei, _Schupferei_[307]
Bäckerin, _Schupferin_[307]
Backofen, _Lehmschupferhitzling_[309]
Backstein, _Kittleskies_, d. h. »Hausstein«[310]
[Fußnote 307: ([5] auf S. 63.373) S. aufhören.]
[Fußnote 308: ([6] auf S. 63.373) _Lehm_ (od. [seltener] _Lechem_) =
Brot kommt auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._ vor: a) _im Anfang_
stehend: _Lehmschottel_ = Brotbüchse, _Lehmrande_ = Brotsack,
_Lehmschure_ = Brotschrank; b) _ans Ende_ gesetzt: _Dercherlehm_ =
Bettelbrot, _Schmunklehm_ = Butterbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_ (d.
h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.), _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) = Schwarzbrot,
_Dofelehm_ od. _dofer Lehm_ (Spr.) = Weißbrot, _Süßlinglehm_ =
Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch _Boslem_ = Exkremente zu
_Lehm_ zu ziehen s. schon oben unter »After«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Lechem_ od. _Lehm_ = Brot,
_schofel —_, _gehechelter —_ (= schwarzes, weißes Brot); _W.-B. des
Konst. Hans_ 254 (_Leham_ = Brot, _Lehmschlupfer_ [sic] = Bäcker);
_Schöll_ 271 (_Lehem_ = Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338 (_Lächum_ =
Brot, _Lächumschupfer_ od. _Lemer_ = Bäcker, _Lächumrande_ = Brotsack);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Lechum_ od. _Lehm_ = Brot,
_Kafferlechum_ = Bauernbrot); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 480 (_Lêm_ [in
_Pfedelb._ (209): _Lehm_] od. _Lechem_ = Brot, _Lêmschupfer_ = Bäcker,
in _Pfedelb._ [208]: _Kafferlehm_ = Bauernbrot). S. auch noch _Pfälz.
Händlerspr._ 436, 437 (_Lêchem_ od. _Leachem_ = Brot, _Finne Lêchum_ =
Stück Brot) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Lēm_). Zur _Etymologie_ (vom
gleichbed. hebr. _lĕchĕm_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26
(dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 157/58 (unter »Legem«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter »Lechem« u. »Lehm«).]
[Fußnote 309: ([7] auf S. 63.373) Mit _Hitzling_ = Ofen (_am Anfang_)
sind noch folgende _Zus._ gebildet: _Hitzlingschwä(t)zling_ = Ofenruß
(s. d. betr. _Schwetzling_ [wohl für Schwärzling] = Ruß),
_Hitzlingpflanzer_ od. _-schenegler_ = Ofensetzer, _Hitzlingbossert_ =
Rauchfleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 89, 91 (_Hitzling_ = Ofen, _Lechem-_ od. _Lehmhitzling_ =
Backofen); _Schöll_ 271 (_Hitzling_ = Ofen, aber auch = Sonne); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 343 (_Hitzling_ = Ofen, _Lächumschupferhitzling_ =
Backhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Hitzling_). Zur _Etymologie_ des
Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei _A. Hempel_ [167] — für »Stube«
vorkommt) vom deutsch. Subst. _Hitze_ vgl. A.-L. 549, _Günther_,
Rotwelsch, S. 60 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.]
[Fußnote 310: ([8] auf S. 63.373) S. (betr. _Kittle_) Abort u. (betr.
_Kies_) Apfelkern; vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48 sowie
die Anm. zu »Ziegelstein« im W.-B.]
Bad, _Flu(h)te_[311] [63.374]
baden, _pfladeren_[312]
Bahn, _Rutsch_[313]
Bank (zum Sitzen), _Sitzleng_[314]
Bank (= Bankhaus), _Bichkitt_[315] oder _Lobekitt_[316]
bankerott vgl. Konkurs
Bankier, _Bichsins_[317], _Kiessins_[318] oder _Lobesins_[319]
[Fußnote 311: ([9] auf S. 63.374) S. abbrühen.]
[Fußnote 312: ([10] auf S. 63.374) S. abwaschen.]
[Fußnote 313: ([11] auf S. 63.374) Mit _Rutsch_ = Bahn, Eisenbahn sind
_zusammengesetzt_: _Rutschschenegler_ = Eisenbahnarbeiter u.
_Rutschrädling_ = Eisenbahnwagen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Rutsch_ = Eisenbahn);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (ebenso); s. auch _Pleißlen der Killertaler_
436 (_Rutscher_ = Wagen, Eisenbahn). _Zur Etymologie_ (vom Zeitw.
_rutschen_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter »Rutscher«).]
[Fußnote 314: ([12] auf S. 63.374) _Sitzleng_ (-ling) = Bank (Kanapee)
oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den _Zus._ _Leile-_ od.
_Schundsitzl¶e¶ng_ = Nachtstuhl u. _Schoflereisitzl¶i¶ng_ =
Richterstuhl. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_Sitzling_ = Stuhl, Bank); s. auch im _Metzer Jenisch_
(217) _Setzerling_ = Stuhl, während der _Hennese Flick_ von _Breyell_
(450) dafür _Sitterd_, das _Bargunsch von Zeele_ (470) _Zitterik_ hat.
Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr. natürlich zu _sitzen_.]
[Fußnote 315: ([13] auf S. 63.374) S. Almosen u. Abort.]
[Fußnote 316: ([14] auf S. 63.374) Vgl. dazu die _Verbindg._ _grandiche
Lobekitt_ = Münze, Münzwerkstätte. — _Lobe_ = Geld, Geldstück, Münze
(ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in
folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Lobesins_ = Bankier,
_Lobeschure_ = Geldkasse od. -kästen, _Loberande_ = Geldsack,
_Lobepflanzer_ = Münzarbeiter (dazu: _nobis dufter Lobepflanzer_ =
Falschmünzer); b) _am Ende_: _Stradelobe_ = Chausseegeld,
_Schenagelslobe_ (eigtl. »Arbeitsgeld«) = Lohn, _Duftlobe_ (eigtl.
»Kirchengeld«) = Opfergeld, _Kieslobe_ (eigtl. »Steingeld«) =
Pflastergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Labe_ = Geld); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Labai_);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Lôbe_); ebenso auch im _Metzer Jenisch_ 216.
Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur _Etymologie_ aus der
_Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd.
33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. _Liebich_, S. 144, 201, 223
(_lōwo_ = Geld, Münze), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei
d. deutsch. Zig.: _lōvo_) u. _Finck_, S. 71 (_lōwo_ = Münze, plur.
_lōwe_ = Geld); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter
»Labe«) u. 1310 (unter »Lobe«).]
[Fußnote 317: ([15] auf S. 63.374) S. Almosen und Amtmann.]
[Fußnote 318: ([16] auf S. 63.374) Mit _Kies_ = Geld, Geldstück, Münze
sind ferner noch _zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Kiesreiber_ =
Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, _Kiesschure_ = Geldkasse od.
-kästen, _Kiesrande_ = Geldsack, _Kiespflanzer_ = Münzarbeiter (vgl.
_nobis dufter Kiespflanzer_ = Falschmünzer); b) _am Ende_:
_Schenagelskies_ = Lohn u. _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kis_ = Beutel u.
_kislen_ = Beutel schneiden); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 258 (_Kies_
= Silber, Geld; vgl. auch [255]: _kiesle_ = Beutel schneiden); _Schöll_
269, 270 (_Kis_ = Beutel, Geld; _Kißler_ = Beutel schneiden); _Pfulld.
J.-W.-B._ 340 (_Kiß_ = Geld, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.-
u. Kundenspr._ 69, 70 (_Kies_ = Geld, _Kiesreiber_ = Geldbeutel);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîs_ [in _Pfedelb._ (211): _Kies_] = Geld,
_Kis-_ [od. Kies]_reiber_ = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw.
und die _Etymologie_ (vom hebr. _kîs_ = »Beutel, Geldbeutel, Geld«,
jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. _Kisow_ od. _Kisof[f]_ =
Silber[geld] aus hebr. _kesef_ = »Silber«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch
noch _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
420 (unter »Kis«, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. _kísik_
= »Beutel, Geldbeutel« [_Finck_, S. 64]).]
Barchent, _Bochdam_[320] [63.375]
Barschaft, _Bich_[321], _Gore_[322], _Lobe_[323]
Bauch, _Rande_[324]
[Fußnote 319: ([17] auf S. 63.375) S. Bank u. Amtmann.]
[Fußnote 320: ([18] auf S. 63.375) _Bochdam_ bedeutet auch allgemeiner
Leinwand od. Tuch. _Zus._ damit sind: a) _am Anfang_: _Bochdampflanzer_
= Leinenweber od. Tuchmacher; b) _am Ende_: _Begerbochdam_ =
Leichentuch. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 100 (_Bockdam_ = »Tuch en général«); _W.-B. des Konst. Hans_
255 (_Bokdam_ = Tuch); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 u. 345 (_Bokdame_ =
wollenes Tuch; _Dame_ = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei
_Schintermicherl_ 1807 [288] z. B. in der Form _Poktam_ [= Leinwand])
bekannt. Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S.
29]) s. A.-L. 585 (unter »Pochtam« [der an eine zigeunerische
Verstümmelung von _begodim_, Plur. des hebr. _beged_ = »Kleid«, dachte])
vbd. mit _Pott_ II, S. 367/68 (unter »Pochtan«), _Liebich_, S. 152, 181,
219 (_pōchtánn_ = Leinwand, Barchent), _Miklosich_, Beiträge III, S.
17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: _pōchtan_
= Leinwand), _Jühling_ 220 (_Bochtan_ = Leinwand) u. _Finck_, S. 79
(_póxtan_ = »Leinwand, Tuch, Barchent«).]
[Fußnote 321: ([19] auf S. 63.375) S. Almosen.]
[Fußnote 322: ([20] auf S. 63.375) _Gore_ hat ungefähr dieselben
Bedeutgn. wie _Bich_, _Kies_ u. _Lobe_, also (außer Barschaft noch) bes.
Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in _Zus._ weniger
beliebt; vgl. jedoch _Stradegore_ = Chausseegeld. Unter den _verw.
Quellen_ hat das Wort nur die _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Gore_
= Geld). Nach _Horn_, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den
württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die _Etymologie_ ist
unsicher; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen
Aufschluß.]
[Fußnote 323: ([21] auf S. 63.375) S. Bank.]
[Fußnote 324: ([22] auf S. 63.375) Die Bedeutung von _Rande_ = Bauch
(Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der
Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen
[auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In _diesem_ Sinne
ist er verwendet in folgenden _Zus._: a) _am Anfang_ (selten):
_Randeschnurrant_ = Taschenspieler; b) _am Ende_ (sehr häufig):
_Dercherrande_ = Bettelsack, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, _Lehmrande_
= Brotsack, _Bich-_, _Kies-_ u. _Loberande_ = Geldsack, _Bäzemerande_ =
Hodensack, _Sprausrande_ = Holzsack, _Buxen-_ od. _Kopelrande_ =
Hosensack (-tasche), _Stupflengrande_ = Igelsack, _Schmalerrande_ =
Katzensack, _Staubertrande_ = Mehlsack, _Malfesrande_ = Rocktasche,
_Dächlesrande_ = Schirmsack, _Toberichrande_ = Tabaksbeutel,
_Toberichschurerande_ = Zigarrentasche. Mit _Rande_ = Bauch sind
gebildet nur die _Zus._ _Randeschure_ = Bauchgrimmen u. die _Verbindg._
_grandicher Rande_ = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt,
insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu _gr. Rande bosten_ =
schwanger gehen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 98 (_Rante_ = Sack); _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 260
(_Rande_ = Sack, Felleisen); _Schöll_ 271 (_Rande_ = Sack); _Pfulld.
J.-W-B._ 338, 340, 343, 345 (_Rande_ = Bündel, Sack, Tasche,
_Lächumrande_ = Brotsack, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 67 (_Rande_ = Bauch [_nur_ so!]); _Schwäb. Händlerspr._ 485,
487 (_Rande_ = Ranzen, Tasche, [in _Pfedelb._ (208) auch = Bauch]); s.
auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Rande_ = Portemonnaie). Zur
_Etymologie_ des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl.
_Lib. Vagat._ [55]: _Rantz_ = Sack), das auch als Quelle unseres
gemeinsprachl. »Ranzen« zu betrachten ist, s. _Günther_, Rotwelsch, S.
96 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter »Ranzen«, Nr. 2),
_Kluge_, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und _Weigand_, W.-B. II, Sp.
526 (unter »Ranzen« u. »Ränzel«); vgl. auch _Horn_, Soldatenspr., S. 65.
Auch unser _Ranzen_ ist wohl für »Bauch«, »dicken Leib, auch im Zustand
der Schwangerschaft«, zunächst als »ein niedriges Volkswort des 18./19.
Jahrhunderts«, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S.
_Grimm_, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit _Kluge_, a. a. O.]
Bauchgrimmen, _Randeschure_[325] [63.376]
Bauer, _Kaffer_[326], _Ruch_[327]; vgl. auch Landmann
[Fußnote 325: ([23] auf S. 63.376) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]