[Fußnote 233: ([83] auf S. 63.123) S. Abort.]

[Fußnote 234: ([84] auf S. 63.123) _Lek_ hat dieselben Bedeutgn. wie

_Dofes_ u. außerdem noch insbes. die von »Zuchthaus« (s. oben i. Text);

vgl. dazu: _im Lek_ = gefangen; _Zus._: _Lekbu(t)z_ = Gefangenwärter;

_Ableitg._: _ei'leken_ = _ei'dofema_. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 100 (_Leck_ = Gefängnis, _Leik_

= Turm); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Lek_, plur. _Leke_ = Gefängnis);

_Schöll_ 272 (ebenso, vgl. 273: _in der Leke_ = in der Gefangenschaft);

_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Leke_ [sing.] = Gefängnis); in der _schwäb.

Händlerspr._ unbekannt. Zur _Etymologie_ bemerkt _Fischer_, Schwäb.

W.-B. IV, Sp. 1172 nur, daß sie »unklar« sei; _Stumme_, S. 21, hat das

hebr. _lqach_ = »nehmen, ergreifen« herangezogen; vgl. auch A.-L. 566

unter »Lekach« vbd. mit 561 unter »Leck«, wo jedoch in erster Linie

_deutscher_ Ursprung des Wortes angenommen (mhd. _lûchen_ od. _liechen_,

ahd. _lûhhan_, _liohhan_ = »schließen, zuschließen«, das auch das

Stammwort für unser »Loch« [schon mhd. _loch_ oder (seltener) _luch_

auch = Gefängnis]) gewesen ist; s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 75, vbd. mit

_Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 1093, 1094, Nr. 4). Demnach dürfte _Lek_ =

Loch zu deuten sein, wofür auch die Form _L¶o¶cke_ (= Gefängnis) schon

im älteren Rotwelsch (s. A. _Hempel_ 1687 [169]; _Waldheim. Lex._ 1726

[187]; _Körners Zus. zur Rotw. Gramm._ von 1755 [240]) spricht, ferner

der gleiche Gebrauch von _Loch_ in der _modernen Gaun.- u. Kundenspr._

(s. z. B. _Rabben_ 83 u. _Ostwald_ [Ku.] 96), bei den _Studenten_ (vgl.

_Kluge_, Studentenspr., S. 18 [schon in älterer Zeit]: _Hundsloch_ =

Karzer), _Schülern_ (s. _Eilenberger_, Pennälerspr. S. 15 u. 42: _Loch_

= Karzer) und _Soldaten_ (s. _Horn_, Soldatenspr., S. 9 u. 121: _Loch_ =

Arrestlokal) sowie auch wohl in der allgemeinen Umgangssprache (vgl.

dazu u. a. _Blumschein_ in d. Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg.

Deutsch. Sprachv. III, S. 117).]

artig, _dof_[235], _g'want_[236]

Arzt, _Begersins_[237]

Asche, _Schund_[238]

Aschenbecher, _Schundschottel_[239]

[Fußnote 235: ([85] auf S. 63.124) S. angenehm.]

[Fußnote 236: ([86] auf S. 63.124) S. anmutig.]

[Fußnote 237: ([87] auf S. 63.124) S. absterben und Amtmann.]

[Fußnote 238: ([88] auf S. 63.124) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 239: ([89] auf S. 63.124) _Schottel_ (plur.: _Schottle_) =

Schüssel, Büchse (Gefäß, »Gelte«, Geschirr, Korb, Kübel, Schale, Tasse,

Teller, Wanne) ist beliebt in zahlreichen _Zusammensetzungen_ für

allerlei Behältnisse, so (außer _Schundschottel_) noch: _Lehmschottel_ =

Brotbüchse, _Soreschottel_ = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch

Pfefferbüchse u. Porzellantasse, _Schmunkschottel_ = Fettbüchse,

_Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Flößlingschottel_ = Heringbüchse,

_Süßlengschottel_ = Kaffeetasse, aber auch Zichorienbüchse,

_Staubschottel_ = Mehlschüssel, _Gleisschottel_ = Milchgefäß,

eigtl. Milchschüssel, _Hornikelgielblättlingschottel_ =

Ochsenmaulsalatschüssel, _Horbogebossertschottel_ = Rindfleischbüchse,

_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Schwächschottel_ = Trinkgeschirr,

Trinkschale, _Pfladerschottel_ = Waschbecken. Mit _Schottel_ am Anfang

ist dagegen nur _eine Zus._ gebildet worden, nämlich _Schottelpflanzer_

= Korbmacher. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 95, 98 (_Schodel_ = Schüssel, _Schottel_ = Korb,

_Schottelpflanzer_ = Korbmacher); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Schottel_ =

Kachel); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483, 488 (_Schottele_ = Korb, Glas

[in _Pfedelb._ (212): Schoppen], Wanne, _Schottelepflanzer_ =

Korbmacher). _Etymologie_: Die Vokabel, die sonst im Rotw. auch in der

Form _Schuttel_ vorkommt (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814

[330]), ist doch wohl nur eine (dialekt.) Veränderung von uns.

gemeinspr. »Schüssel« (mnd. _schottel_ od. _schuttel_ [_Weigand_, W.-B.

II, Sp. 805]); s. _Günther_, Rotwelsch, S. 52; vgl. auch _Groß'_ Archiv,

Bd. 46, S. 31.]

Ast (Baumast), _Sprate_[240], _Stenz_[241] [63.125]

Attest, _Kritzler_[242]

[Fußnote 240: ([90] auf S. 63.125) _Sprate_ hat auch die allgemeinere

Bedeutung von »Stecken« od. »Stock«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Sprade_ = Stock); _ebenso_:

_Pfulld. J.-W.-B._ 345 u. _Schwäb. Händlerspr._ 487. Die _Etymologie_

ist unsicher. Da sich jedoch in der _Pfälzer Händlerspr._ (439) die Form

_spte_ = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl.

»_Spaten_« denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. _spatha_ =

»zweischneidiges Schwert« u. dergl. (s. Näh. bei _Weigand_, W.-B. II,

Sp. 904), ital. _spada_, auch rotw. (z. B. bei _Pfister_ bei

_Christensen_ 1814 [330]) _Spaden_ = Degen (vgl. dazu _Pott_ II, S. 17;

_Günther_, Rotwelsch, S. 37).]

[Fußnote 241: ([91] auf S. 63.125) _Stenz_ heißt ebenfalls eigentlich

»Stock« (»Stecken«), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten)

Prügel (auch im plur. _Stenze_ = Schläge). _Zus._ damit: _Dercherstenz_

= Bettelstab; _Ableitgn._: zunächst das Zeitw. _stenzen_ = hauen,

prügeln, schlagen (_Zus._ _niederstenzen_ = niederschlagen, _verstenzen_

= verhauen, _zustenzen_ = zuschlagen) u. davon wieder das Subst.

_Stenzerei_ = Schlägerei (Fehde). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 76 (_Stenz_ =

Stock, _Flatter-_ od. _Flosserstenz_ = Schirm; _stenzen_ = durchhauen);

_Schwäb. Händlerspr._ 487, 488 (_Stenz_ od. _Stanz_ [in _Pfedelb._

(213): auch _Stenzling_] = Stock, _Stenz kriegen_ = Prügel bekommen;

Nebenbdtg. [483]: »Louis«; in U. [215]: _stenzen_ = schlagen, in

_Pfedelb._ [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie

die (nicht sichere) _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,

S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter »Stanzer«) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.]

[Fußnote 242: ([92] auf S. 63.125) _Kritzler_ hat noch die Bedeutgn.:

Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende

_Zusammensetzgn._: a) mit _Kr. vorne_: _Kritzlerbukler_ = Briefträger,

Postbote, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, auch Papiersack, _Kritzlerbich_

od. _-lobe_ = Papiergeld, _Kritzlerpflanzer_ = Papiermacher,

_Kritzlerrädling_ = Postwagen; b) mit _Kr. hinten_: _Dercherkritzler_ =

Bettelbrief, _Schnurrantekritzler_ = Komödienzettel (Programm),

_Sprauskritzler_ = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache

übernommenes Wortspiel [vgl. schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 46],

worüber das Näh. noch unter »Steckbrief«), _Begerkritzler_ =

Totenschein. Als _Verbindg._ erscheint _lenker_ od. _schofler Kritzler_

= Steckbrief (vgl. Näh. schon oben S. 121, Anm. 223 u. Anm. 224). _Zu

vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480

(_Kritzler_ = Brief); auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (Bedtg.:

Brief, auch [nach _Kapff_ 213]: Paß, Wandergewerbeschein; _kritzle[n]_ =

schreiben). In der Pennälersprache bedeutet _Kritzler_ den Federhalter

(s. _Eilenberger_, S. 38). Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr.

jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. _kritzeln_ = »kratzend fein

schreiben«, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. _kritzen_, ahd. _krizôn_ =

»einritzen«, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s.

_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,

Sp. 771.]

aufbewahren, _aufschurela_[243] [63.126]

aufbrechen, _aufschurela_

aufdecken, _aufschurela_

aufessen, _aufbiken_, _aufbutten_, _aufkahla_[244]

auffallen, _aufbohlen_[245]

aufgeblasen sein s. hoffärtig (stolz) sein

aufhängen, _aufschnüren_[246]

aufheben, _aufschurelen_[243]

aufhenken s. aufhängen

aufhören, _sich (auf)schupfen_ (bes. als Imperat.: hör' auf, _schupf

dich [auf]_)[247]

[Fußnote 243: ([93] auf S. 63.126) S. abbiegen.]

[Fußnote 244: ([94] auf S. 63.126) S. (betr. alle drei Ausdr.)

Abendessen.]

[Fußnote 245: ([95] auf S. 63.126) S. abfallen.]

[Fußnote 246: ([96] auf S. 63.126) Das einfache _schnüren_ = erhängen,

hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem _Lib.

Vagat_ [55: _schnuren_]) bekannt gewesen. Aus dem _verw. Quellenkr._

vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_schüren_ [sic] = henken u. _geschürt_

[sic] _werden_ = gehenkt werden); _W.-B. des Konst. Hans_ 257

(_g'schürt_ [sic] = gehängt); _Schöll_ 271 (_schmieren_ [sic] = hängen,

aber richtig [273]: _die Geschnürten_ = die Gehängten); _Pfulld.

J.-W.-B._ 337, 340 (_schnüren_ = aufhenken, _schniren_ = henken).

_Etymologie_: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine

Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602,

vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch _Horn_,

Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.]

[Fußnote 247: ([97] auf S. 63.126) Die Aufforderung _schupf dich_ (od.

_schupf dich auf_) ist auch wiedergegeben durch »sei ruhig«, »schweig

still« od. »halts Maul« (für letzteres auch: _schupf' de' Giel_ [s.

unter »Maul«]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.

Händlerspr._ 487 (_schupf dich auf_ = still). _Etymologie_: Die auch

schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. _Hempel_ 1687

[169: _schuff dich_ = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf

hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das

schles. _schupf dich_ = »setz' dich nieder« [s. _Grimm_, D. W.-B. IX,

Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. _verschupfen_, _ab-_, _wegschupfen_ =

wegschieben, -stoßen [s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 481 u.

_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl.

Zeitwort _schupfen_ (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch _Groß'_

Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über _schupfen_ =

backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in _Wittichs_ Jenisch bekannt ist.

Dazu die _Ableitungen_: _Schupfer_ = Bäcker, jedoch nur in der _Zus._

_Lehmschupfer_, fem. _-ere_ (d. h. eigtl. »Brotbäcker[in]«; vgl. dazu

die weitere Zus. _Lehmschupferhitzling_ = Backofen) u. _Schupferei_ =

Bäckerei. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.

Hans_ 254 (_Leemschlupfer_ [sic] = »Beck«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337

(_Lächumschupfer_); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_schupfen_ = backen,

_Schupferei_ = Bäckerei, _Lêmschupfer_ [in _Pfedelb._ (208): auch

_Schupferbink_] = Bäcker).]

aufladen, _aufschurelen_[248] [63.127]

auflaufen, _aufbosten_ (_-tet_)[249]

auflesen, _aufschurela_[248]

aufmachen, _aufschurelen_, _aufpflanzen_ (Spr.)[250]

aufnähen, _aufstichlen_[251]

aufrichtig, _dof_[252]

aufsagen, _aufschmusen_[253]

aufschlagen, _aufguffen_[254]

[Fußnote 248: ([98] auf S. 63.127) S. abbiegen.]

[Fußnote 249: ([99] auf S. 63.127) S. abgehen.]

[Fußnote 250: ([100] auf S. 63.127) S. anbrennen.]

[Fußnote 251: ([101] auf S. 63.127) Mit _stichle(n)_ = nähen ist ferner

noch zusammengesetzt _ei'stichle_ = einnähen. _Ableitungen_: _Stichler_

= Schneider (vgl. dazu _Stichlersmoss_ = Schneidersfrau) u. _Stichlere_

= a) Schneiderin, b) Nadel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._);

_Dolm. der Gaunerspr._ 96, 98 (_Stichler_ = Schneider, _Stichlerin_ =

Näherin); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stichler_ = Schneider); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486

(ebenso, doch _Stichler_ auch = Metzger [wie _nur_ so im _Pleißlen der

Killertaler_ 436]; _sticheln_ = nähen). Zur _Etymologie_ (v. deutsch

_sticheln_, d. h. eigtl. »Stiche machen« [beim Nähen usw.]) s. Näh. in

_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter »Stichling« u. »Stich[e]ler«

[= Schneider]). Über das stammverwandte _Stichling_ = Gabel s. unter

diesem Worte.]

[Fußnote 252: ([102] auf S. 63.127) S. angenehm.]

[Fußnote 253: ([103] auf S. 63.127) S. ansagen.]

[Fußnote 254: ([104] auf S. 63.127) Weitere _Zus._ mit _guffe(n)_

(_-fa_) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: _einguffen_ =

einhauen, einschlagen, _niederguffa_ = niederschlagen, _verguffen_ =

verhauen, _zuguffen_ = zuschlagen. _Ableitungen_: _Guffe_ = Schläge

(wenn nicht bloß subst. Infin.), _Guf(f)es_ = Hieb(e), Prügel;

_Guf(f)erei_ = Fehde, Schlägerei, auch _Guffer_ in den _Zusammensetzgn._

_Galmeguffer_ = Lehrer, Schullehrer (eigtl. »Kinderprügler«) u.

_Hertling-_ od. _Kiesguffer_ = Steinhauer, Steinmetz. _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_guft_ = geschlagen);

_Pfulld. J.-W.-B._ 343-345 (_gufen_ = schlagen, prügeln, _niedergufen_ =

niederschlagen, _Gufes_ od. _Guves_ = Prügel, Schlag, Streich); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 74 (_guffen_ = schlagen, _Guffer_ =

»Bickel« [d. h. Spitzhacke], Meißel, _Gufferei_ = Schlägerei); _Schwäb.

Händlerspr._ 483, 485-487 (_guffen_ = prügeln, schlagen, _Galmeguffer_ =

Lehrer [in U. (214): _Galme¶n¶guffer_, in _Pfedelb._ (211): Form ebenso,

Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der »Unterlehrer«

_Schrazeskneppler_ (vgl. dazu: _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt],

_Hertlingguffer_ = Steinhauer; speziell in _Pfedelb._ [212, 213] ferner

noch: _Gufes_ = Schläge, _Gufferei_ = Schlägerei, _Galmegufferei_ =

Schule u. _Guffertemente_ = Ohrfeige). Vgl. auch noch _Pfälz.

Händlerspr._ 438 (_kuffese_ = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie

die _Etymologie_ des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] _Goffe_ =

»Hinterbacke«) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2;

vgl. auch _Weber-Günther_, S. 178 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.

905 (der in der Endung _-es_ bei _Guf[f]es_ das hebr. _-ôth_ erblickt

[vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 32]).]

aufschreiben, _auffeberen_[255] [63.128]

aufsehen, _auflinzen_[256]

aufspielen (zum Tanz), _aufnikla_[257]

aufsuchen, _aufschurele_[258]

aufwachen, _aufdurme_[259]

[Fußnote 255: ([105] auf S. 63.128) S. abschreiben.]

[Fußnote 256: ([106] auf S. 63.128) S. anschauen.]

[Fußnote 257: ([107] auf S. 63.128) Das einfache _nikle(n)_ (-la) hat

die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = »spielen«, d. h.

musizieren (daher auch _vornikle_ = a) vortanzen u. b) vorspielen),

während _nur_ die _erstere_ (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl.

die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in _herum-_ (od.

_umher-_) _nikla_ (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. _Ableitungen_:

_Nikler_ = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: _Vornikler_ =

Vortänzer); fem.: _Niklere_ = Tänzerin; _Niklerei_ = Tanz, Theater,

_Nikelei_ (besser wohl gleichfalls _Niklerei_[?]) = Musik, Spiel. Mit

dem Stamm des Zeitw. (_nikel-_) sind gebildet die _Zus._: _Nikelkitt_ =

Komödienhaus u. _Nikelschure_ = Klarinette od. Klavier (vgl. auch

_Nikleschure_ = Leierkasten, während für »Harfe« und »Harmonika« das

vollere _Niklengschure_ angeführt ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_nikle_ = tanzen [wohl

zugleich der früheste Beleg]); _Schöll_ 272 (_niklen_ = tanzen);

_Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_nikeln_, Bedeutg. ebenso); _Schwäb.

Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _nickle[n]_ = tanzen). Die _Etymologie_ des

Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher,

es mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. _nickle(n)_

= »Kopf und Nacken hin- und herbewegen«) zu unserem Zeitw. _nicken_ zu

stellen, als es mit _Stumme_, S. 20 mit dem hebr. _niggên_ = »Musik

machen« in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere

Bedeutg. doch wohl zweifelsohne »tanzen« gewesen ist.]

[Fußnote 258: ([108] auf S. 63.128) S. abbiegen.]

[Fußnote 259: ([109] auf S. 63.128) Das Zeitw. _durme(n)_ bedeutet:

schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: _aufdurme_

eigtl. wohl = »aufhören zu schlafen«; weitere _Zus._ sind noch:

_ausdurme(n)_ = ausschlafen (vgl. _ausdurmt_ = erwacht), _ei'durme_ =

einschlafen, _herumdurma_ = herumliegen, _hindurmen_ = (sich) hinlegen,

_niederdurmen_ = (sich) niederlegen. _Ableitung_: das Adj. _durmerich_ =

schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._

344 (_Durmklamine_ = Schlafzimmer [während schlafen hier durch

_schlaunen_ wiedergegeben]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 77

(_durmen_ = schlafen, _Durmel_ = Schlaf, _Durmmalfes_ = Schlafrock);

_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_durmen_ [in _Pfedelb._ (212): _dormen_] =

schlafen, desgl. in _Pfedelb._ [212]: _dormisch_ = schläfrig, _i hab

Darming_ = ich bin schläfrig u. _Dormmalfes_ = Schlafrock). Vgl. auch

_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_durme_ = schlafen). Über weitere Belege im

Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die _Etymologie_

(zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. _durmeln_ [turmeln u. ä.]) =

taumeln, schlummern, leicht schlafen, _Durmel_ [Turmel u. ä.] = Taumel,

Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. _türmeln_, _turmeln_ = taumeln,

_türmel_, _turmel_ = Taumel, Schwindel (vgl. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp.

1733 ff; _Schmeller_, _Bayer. W-B. I_, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber

auch wohl vom französ. _dormir_ [in letzter Linie also vom lat.

_dormire_] beeinflußt worden [vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 25 u. 26)

s. Näheres bei _Weber-Günther_, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit _Pott_

II, S. 17, A.-L. 534 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch

_Fischer_, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter »durme[n]« vbd. mit Sp. 499

(unter »Durmel«).]

aufwaschen, _aufpfladeren_[260] [63.129]

aufzehren s. aufessen

Augapfel, _Scheinlingbommerling_[261]

Auge, _Scheiling_[261]

Augenbrauen, _Scheinlingstrauberts_[262]

Augenwasser, _Scheinlingflu(h)te_[263]

ausbeißen, _ausnäpfen_[264]

[Fußnote 260: ([110] auf S. 63.129) S. abwaschen.]

[Fußnote 261: ([111] auf S. 63.129) Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen

in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. _Liebich_, S. 140 u.

178). Mit _Schei(n)ling_ = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch:

_Scheinlingstrauberts_ (d. h. eigtl. »Augenhaare«) = Augenbrauen (s. d.

betr. die Zigeunerspr.) u. _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser. _Zu vgl._

(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Scheinling_ =

Auge); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342 (ebenso,

Nebenbdtg. auch: Licht); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Scheinling[e]_ =

Augen [in _Pfedelb._ (209) auch = Brille]). Vgl. auch _Pleißlen der

Killertaler_ 435 (_Schenling_ = Augen, Fenster). Zur _Etymologie_ des —

auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter

begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. »Fenster« [so schon bei A.

_Hempel_ 1687 (168: _Schein¶d¶ling_)], »Laterne« [s. schon _Hermann_

1818 (336)], »Spiegel« [s. _Fröhlich_ 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u.

Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. _scheinen_ — s.

_Weber-Günther_, S. 186 vbd. mit _Pott_ II, S. 20 u. A.-L. 597.]

[Fußnote 262: ([112] auf S. 63.129) Mit _Strauberts_ = Haar(e),

(Borsten) sind noch folgende _Zus._ gebildet worden: a) am _Anfang_

stehend: _Straubertsschure_ = Haarnadel, Haaröl u. Kamm,

_Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf; b) ans _Ende_ gesetzt:

Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, _Trabertstrauberts_ = Pferdehaar,

_Groenikelsstrauberts_ = Schweinsborsten, _Jerusalemfreundsstrauberts_

(d. h. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der

Zigeunerspr.). Als _Verbindgn._ kommen vor: _Straubertspflanzen_ (d. h.

etwa »Haare machen«) = kämmen, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)

= kahl sowie das längere _nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes_ = Kahlkopf.

Eine _Ableitg._ ist das Adj. _straubertsich_ = haarig. _Zu vgl._ (aus

dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Straupert_ = Haar);

_Schöll_ 271 (_Straubert_); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 481 (_Straubert_

[in _Pfedelb._ (210) auch _Straub_ od. _Straupert_ = Haar, letztere Form

sowie [in _Pfedelb._ (208) auch _Straub_] auch = Bart [womit schon das

ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. _Scherffer_ 1650 (160)).

Vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Straubert_ = Haar). Der _Etymologie_

nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. _(sich) sträuben_, d. h.

»sich starr empor richten (vom Haar)« (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 984).

Über das -s am Ende s. schon »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29.]

[Fußnote 263: ([113] auf S. 63.129) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen.]

[Fußnote 264: ([114] auf S. 63.129) S. abbeißen.]

ausblasen, _auspflanzen_[265] [63.130]

ausbrechen, _auspfiche_[266]

ausbrennen, _ausfunken_[267]

ausbürsten, _ausschurele_[268]

ausessen, _ausbiken_, _ausbutten_, _auskahla_[269]

ausfahren, _ausruadlen_[270]

ausfegen, _ausschurele_[268]

ausforschen, _ausbutschen_[271], _auslinzen_[272]; vgl. forschen

ausfragen, _ausbutchen_[271]

ausgeben, _ausdogen_[273]

ausgehen, _ausbosten_[274]

ausgekleidet, _auskluftet_[275]

ausgeschlafen, s. ausschlafen

auskleiden, _auskluften_[276]

auskochen, _aussicheren_[275]

auslachen, _ausschmol(l)en_[277]

auslassen, _bremsere_[278], _Bremser schmusen_[279]

[Fußnote 265: ([115] auf S. 63.130) S. anbrennen.]

[Fußnote 266: ([116] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 267: ([117] auf S. 63.130) S. abbrennen, vgl. anzünden.]

[Fußnote 268: ([118] auf S. 63.130) S. abbiegen.]

[Fußnote 269: ([119] auf S. 63.130) S. (zu allen drei Ausdr.)

Abendessen.]

[Fußnote 270: ([120] auf S. 63.130) S. abfahren.]

[Fußnote 271: ([121] auf S. 63.130) S. anfragen.]

[Fußnote 272: ([122] auf S. 63.130) S. anschauen.]

[Fußnote 273: ([123] auf S. 63.130) S. abgeben.]

[Fußnote 274: ([124] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 275: ([125] auf S. 63.130) S. ankleiden.]

[Fußnote 276: ([126] auf S. 63.130) Stammwort: _sicheren_ = kochen

(braten); vgl. dazu: _gesichert_ (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn.

_gesicherter Babingermass_ od. _Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten u.

_gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein,Punsch; _nobis gesichert_ = ungekocht;

ferner (als _Zus._ mit dem Stamm _sicher-_): _Sicherbenk_, _-fiesel_

oder _-kaffer_ = Koch. _Ableitung_: _Sichere_ = Küche (u. dazu

_Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel). _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_sichern_ = kochen, _Sicherei_

= Küche); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 257 (_Sicherey_ od. _Zicherey_ =

Küche); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340, 342, 344 (_sichern_ = aussieden,

schmälzen, _gesichert_ = gesotten, _versichern_ = ausschmälzen,

_Sicherei_ = Küche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_sichern_ =

kochen, _gesichert_ = gekocht, _Sichere_ = Küche); _Schwäb. Händlerspr._

483 (_sichern_ = kochen, in _Pfedelb._ [210, 211]: _gesichert_ =

gesotten u. _Sichere_ = Küche). Über die unsichere _Etymologie_

(vielleicht vom hebr. sîr = »Topf«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 51.]

[Fußnote 277: ([127] auf S. 63.130) S. anlachen.]

[Fußnote 278: ([128] auf S. 63.130) Was hier unter »auslassen« zu

verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei _Kapff_

in seinen Ergänzungen zur _schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ 214:

_bremse[n]_ = »furzen«, _Bremser_ = »Furz«). Die _Etymologie_ bleibt

unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem

knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch _Fischer_,

Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter »bremse[n]«, Nr. 5: _bremse[n]_ =

»prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke«).]

auslaufen, _ausbosten_[280] [63.131]

auslöschen s. löschen

ausrechnen, _ausschurele_[281]

aussagen, _ausschmusen_[282]

ausschalten, _ausstämpfen_[283]

ausschimpfen, _ausstämpfen_

ausschlafen, _ausdurmen_[284], _ausschlauna_[285]

ausschreiben, _ausfeberen_[286]

aussehen, _auslenzen_[287]

ausspotten, _ausschmol(l)en_[288]

aussprechen, _ausschmusen_[289]

[Fußnote 279: ([129] auf S. 63.131) Zu dieser Redensart s. (betr.

_schmusen_) das Näh. unter »ansagen«.]

[Fußnote 280: ([130] auf S. 63.131) S. abgehen.]

[Fußnote 281: ([131] auf S. 63.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 282: ([132] auf S. 63.131) S. ansagen.]

[Fußnote 283: ([133] auf S. 63.131) S. Ärger.]

Die jenische Sprache · 第 10 / 36 段