durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben
sein, da _schenegeln_ = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis
schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her
von dem Subst. _Schenagel_ = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe).
Weitere _Ableitungen_ davon sind: das Subst. _Schenegler_ = Arbeiter
(Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.:
_Scheneglere_ = Magd u. das Adj. _scheneglich_ = fleißig. Mit den
Hauptw. _Schenagel_ u. (bes.) _Schenegler_ sind mancherlei _Zus._
gebildet worden, so a) mit _Schenagel_: [Griechisch: a]) _am Anfang_:
_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Schenagelsbich_, _-lobe_ od. _-kies_ =
Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) _am Ende_:
_Griflingschenagel_ = Handarbeit, _Leileschenagel_ = Nachtarbeit; b) mit
_Schenegler_ (_nur_ am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt):
_Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, _Rutschenegler_
= Eisenbahnarbeiter, _Glansertschenegler_ = Glaser, _Kittschenegler_ =
Hausknecht (fem.: _-ere_ = Hausmagd), _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,
_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht,
_Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh.
unter »Hammel«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 89 (_schinnageln_ = arbeiten); _Schöll_ 271 (_schönegle_);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337-348 (_schinepeln_ [sic] u. _Schineplerei_ =
Arbeit, aber [richtig] _Schinegglerei_ = Handwerk; vgl. auch
_Schiankterei_ = Kanzlei; für: »_Manobisch, schinegeln_« = »Faulenzer«
[339] ist wohl zu lesen: »_[ma] nobisch schinegeln_« = »faulenzen«; vgl.
noch _Schineller[in]_ = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], _Fuchsschineller_
= Goldarbeiter); _Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr._ 66, 67 (_schenägeln_,
_Schenagel_ = Arbeit, _Schenagelswinde_ = Arbeitshaus); _Schwäb.
Händlerspr._ 479 (_schenig[e]len_ oder [seltener] _schineg[e]len_ [in
_Pfedelb._ (208): auch _schenegln_], _Schenachel_ = Arbeit, auch
Handwerkszeug, vgl. dazu in _Degg._ [215]: _de[n] Schenagel reiße[n]_ =
arbeiten; in U. [214]: _Schenal-penk_ u. _-mŏs_ = Knecht u. Magd).
Vgl. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 416 (_schenēge[n]_),
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schineggel_ = Arbeit, _schenigle_ = arbeiten)
u. _Metzer Jenisch_ 216 (_schinnegle_ = arbeiten). Zur _Etymologie_ (vom
rotw. _Schinagole_ = Schubkarren, Zus. vom _Schin_ = hebr. _schîn_, dem
Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und _Agole_ = »Karren, Wagen«, vom
gleichbed. hebr. _agl[h]_, jüd. _agôlô_) s. das Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283
(unter »Schien«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 164 (unter
»schenägeln«).]
abschießen, _abschnellen_[151] [63.97]
abschirren, _abschurele_[152]
abschließen, _beschrenken_ (abgeschlossen, _b'schrenkt_)[153]
[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit _schnellen_ = schießen (auch
knallen) sind noch zusammengesetzt: _herab-_ und _niederschnellen_,
ferner — als Substantivierung — _Fläderlingschnellen_ = (das)
Vogelschießen. _Ableitungen_: _Schnelle_ oder _Schneller_ = Büchse,
Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu _Schnellepflanzer_ =
Büchsenmacher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 99, 101 (_schnellen_ = schießen, _geschnellt_ = geschossen,
_verschnellen_ = verschießen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_g'schnellt_
= geschossen); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_schnellen_ = schießen, als
Subst. _Schnellen_ = Schuß); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schnellen_, in
_Lütz._ [214]: _Schneller_ = Gewehr). Zur _Etymologie_ des (schon seit
dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit
_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit.
[Griechisch: d] sowie _Weigand_, W.-B. II, Sp. 764, wonach _schnellen_,
mhd. _snellen_ (Ableitg. vom Adj. _schnell_) = »durch starken Widerdruck
in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen,
dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch _Schneller_ u. a. =
»die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei _Stieler_).]
[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]
[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) _Beschrenken_ bedeutet auch schließen
(oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher
_b'schrenkt_ auch = verschlossen); dazu die _Zus._ _anb'schrenke_ =
anschließen und die _Ableitg._ _Beschrenker_ = Schließer. Dagegen setzt
_zuschrenken_ = zuschließen ein einfaches _schrenken_ = schließen
voraus, das aber im Vokab. fehlt. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_aufschrenken_ = aufmachen); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 344 (_schränken_ = schließen, einschließen,
_aufschränken_ = eröffnen); _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._ 73
(_Schränker_ = Hausdieb); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]:
_schränke[n]_ = schließen, _Schrenke_ = Tür, in U. [214]:
_abschränke[n]_ = verschließen). Zur _Etymologie_ des zweifellos rein
deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes _schränken_
usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]
abschreiben, _abfeberen_[154] [63.98]
absingen, _abschallen_[155]
absondern, _abschurele_[152]
abspringen, _abbosten_[156]
absterben, _abbegeren_[157]
[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort _febere(n)_ (-ra) =
schreiben oder beschreiben (daher _gefebert_ = schriftlich) kommt noch
vor in den _Zus._: _auf-_, _aus-_, _ein-_, _heraus-_, _nach-_,
_nieder-_, _über-_, _unter-_ und _vorfebern_. Mit dem Stamm _feber-_
sind gebildet die Subst. _Feberschure_ = Bleistift (eigentl.
»Schreibding«) und _Feberklettert_ = Schreibtisch. _Ableitungen_ sind:
_Feberer_ = Schreiber (dazu _grandicher Feberer_ = Schriftgelehrter) und
_Feberei_ = Schrift oder (das) Schreiben. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_febren_ und _Febrer_); _W.-B.
des Konst. Hans_ 254, 257 (_febere_ und _Feberer_, _ausfeberen_ =
ausschreiben); _Schöll_ 274 (_febern_ = schreiben [in der Bettlerspr.]);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341, 344 (hier ebenfalls _febern_, _Feberer_ und
_ausfebern_, ferner noch _Feberei_ = Schreibzeug); _Schwäb. Händlerspr._
480, 486 (_f[^æ]beren_ oder _fêberen_ und _Pfeberei_ = Brief). Vgl. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_fêwere_ = schreiben). Zur _Etymologie_, die
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s.
Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 64
ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über _Fehma_ (unter
»Hand«).]
[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit _schallen_ = singen sind noch
zusammengesetzt: _nach-_ und _vorschallen_. _Ableitungen_: _Schaller_ =
Sänger (fem.: _-erin_, _Zus._: _Schallerfläderling_ = Singvogel, insbes.
Amsel, Kanarienvogel) und _Schallerei_ = Gesang. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_schallen_ = singen);
desgl. _W.-B. des Konst. Hans_ 254 und _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier
[340, 342] auch: _Schallen_ = Gesang und _Schaller_ = Sänger); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 74 (_schallen_, _Schaller_ = Sänger,
_Schallerle_ = Organist, _Schallerkasten_ = Kirche); _Schwäb.
Händlerspr._ 483, 486 (_schallen_, _Schaller_, _Duftschaller_ [d. h.
»Kirchensänger«] = Lehrer). Zur _Etymologie_ (von unserm deutsch. Zeitw.
_schallen_) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
S. 69-71; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180 u. 188.]
[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]
[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) _Begeren_ bedeutet: sterben, umkommen,
auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. _begert_ = gestorben,
verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation
_begert nobis_ (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus.
_Begertflössling_ (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht
ist _Begert_ = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel
_Beger_ u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. _begern_
(vgl. unter »Etymologie«), ist für sich _allein_ in _Wittichs_ Vokabular
_nicht_ angeführt, wohl aber sind _damit_ (od. vielleicht auch bloß mit
dem Stamme _beger-_ des Zeitw. _begeren_) zahlreiche _Zusammensetzgn._
gebildet worden, so _Begersins_ = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u.
dazu die Verbdg. _schofler Begersins_ = Quacksalber), _Begerschure_ =
Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, _Begerkies_ = Grabstein,
Leichenstein, _Begerfläderling_ = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr.
die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18
sowie unter »Käuzchen«), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital)
u. Leichenhaus (vgl. _grandiche B._ = Hospital, _Lanenger B._ =
Lazarett, u. das Dim. _Begerkittle_ = Sarg [s. dazu schon oben S. 44,
Anm. 147 unter »Abort«]), _Begergadscho_ od. _Begerkaffer_ =
Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, _Begersauft_ = Leichenbett
(Sterbe-, Totenbett), _Begermoss_ = Leichenfrau, _Begerbikus_ =
Leichenschmaus, _Begerbochdam_ = Leichentuch, _Begerkluft_ =
Sterbekleid, _Begersore_ = Totenbahre, _Begerkritzler_ = Totenschein.
_Ableitungen_ (von _begeren_) sind: das Subst. _Begerei_ = (das)
Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. _begerisch_ =
sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm
(daher: _begerisch bosten_ = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis
begerisch_ = wohl [gesund], die Verbdg. _begerische Mufferei_ =
Totengeruch u. die Zus. _Begerischsauft_ = Krankenbett). Auch als Subst.
wird _Begerisch_ gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie
(Fallsucht), während _grandich Begerisch_ die Schwindsucht bedeutet. _Zu
vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95
(_begerisch_ = krank, vgl. auch 98: _begerisch gekeilt werden_ = hart
geschlagen werden); _Schöll_ 271, 273 (_Beger_ = Tod, _begern_ =
sterben); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 345 (_bäkeren_ = sterben, _bägeret_ =
gestorben, _bäkeret_ = tot, _Bäkerei_ = Krankheit, _bäkerisch_ = krank,
_Bäkerischkitt_ = Krankenhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72,
76 (_begern_ = sterben od. krank sein [hierfür auch _bechern_],
_abgebegert_ = gestorben, _Begerer_ = Arzt, _Begerwinde_ = Krankenhaus);
_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_bêkeren_ = sterben [vgl. in _Pfedelb._
(213): _bägert_ u. _beechert_ = gestorben], _bêkerisch_ [in _Pfedelb._
(213): _beecherisch_] = sterbenskrank, todkrank, _Bêkerwinde_ = Spital).
Zur _Etymologie_ (vom hebr. _peger_ = »Leichnam«) sowie über weitere
Belege im Rotw. s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1
(unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl.
auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter
»auf-bägere[n]«).]
Abt s. Priester, [63.99]
abtragen, _abbugle_[158]
Abtritt s. Abort
[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit _bugle_ (-la) od. _buk(e)le(n)_
(-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die
_Zusammensetzungen_: _fortbugla_ = fortbringen, forttragen,
_herausbukla_ = heraustragen, _mitbukle_ = mitbringen, _umher-_,
_wegbukle_ = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes
bukle_ = davontragen. _Ableitungen_ sind: die Subst. _Bukler_ (in der
Zus. _Kritzlerbukler_ = Briefträger, Postbote) u. _Buklete_ = Last,
Traglast. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
100 (_buckeln_ = tragen); _Schöll_ 272 (_buklen_); _Pfulld. J.-W.-B._
345 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_buckeln_); _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213] _bukeln_, in _Lütz._ [215]
_buckle[n]_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. _Buckel_ od. _Puckel_)
sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S.
209 u. Anm. 2. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit
weiteren Angaben).]
abwaschen, _abpfladeren_[159] [63.100]
abwerfen s. abfallen
Abweichung (Diarrhöe), _Fu(h)lete_[160], _Schmelzede_[160]
abwischen, _abschurele_[161]
abzahlen, _abpfreimen_[162], _abzaine_[163]
abziehen, _abschurele_[164]
Achsel, _Schure_[164]
Acker, _Schure_[164]
Adler, _grandicher Flederling_[165]
[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit _pfladere(n)_ (-ra) = waschen
(auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch
zusammengesetzt: _auf-_ u. _auspfladere(n)_ (-ra) = auf- u. auswaschen
(ausspülen). Mit dem Stamme _pflader-_ zusammenges. Hauptwörter sind
_Pfladerschottel_ = Waschbecken, _Pfladersore_ = Wäsche, _Pfladermoss_ =
Wäscherin, _Pfladerkitt_ = Waschhaus, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91,
101 (_Fladerei_ = Wäsche, _Fladerer_ = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld.
J.-W.-B._ 343, 346 (_fladeren_ = waschen, _Flader-Schury_ =
Schermesser); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_flattern_ = waschen);
_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_pfladere_); vgl. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 435 (_fladere[n]_) u. _Metzer Jenisch_ 207 (_flādere_).
Zur (nicht ganz sichern) _Etymologie_ sowie über weitere rotw. Belege s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]
[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]
[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit _pfreimen_ (-ma) = bezahlen
(zahlen), vergüten ist noch zusammenges. _auspfreimen_ = auszahlen; als
Subst. gebraucht: _Pfreimen_ = Steuern. _Ableitung_: _Pfreimerei_ =
Zahlung (Sold, Verdienst). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 346 (_pfräumen_ = auszahlen, bezahlen,
zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_pfreimen_ = bezahlen, zahlen).
Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist
_pfreimen_ wohl nur eine Nebenform von _bereimen_ (s. darüber das Näh.
weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei _Karmayer_ 17
vorkommende) Form _bepreimen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, B. 33, S. 305, Anm.
3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]
[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit _z¶a¶ine[n]_ (od. _z¶e¶ine[n]_) =
bezahlen (zahlen) sind noch zus. _an-_ u. _auszeine[n]_ (-na). Als
Subst. gebraucht ist _Zeine_ = Zahlung. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_zainen_ = zahlen); _Schwäb.
Händlerspr._ in U. [214]: _zaine[n]_= bezahlen). Die _Etymologie_ ist
unklar.]
[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) _Grandicher Flederling_ heißt
wörtlich »großer Vogel«, während _¶grandich¶ Flederling_ = Storch,
eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte
größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was
_Wittich_ an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von
_grandich_ (im Gegensatz zu _grandicher_) als Superlativ im Jenischen
ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u.
Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit _Flederling_ (od.
_Fläderling_) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so
die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu
»Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche _Zusammensetzungen_ mit dem
Worte finden sich sowohl für bestimmte _Gattungen_ von Vögeln (s.
_Schallerflederling_ = Singvogel, _Flu[h]teflederling_ = Wasservogel)
als auch für einzelne _Arten_. So kommt _Schallerflederling_ auch
spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und _Flu(h)teflederling_
für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng.
_jenischer Flederling_, worüber das Näh. noch weiter unten bei
»Bachstelze«); vgl. ferner: _Stämpfflederling_ (eigtl. »der schimpfende
Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.),
_Leile-_ od. _Ratteflederling_ (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127),
_Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu
schon oben S. 98, Anm. 157), _Schmuserflederling_ (d. h. »der sprechende
Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl.
auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), _Dofeflederling_ (d. h. »der schöne
Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch
»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), _Schofeleiflederling_ (d. h.
»Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u.
_Furschetflederling_ (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren
gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter
»Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß _Flederling_ in gewiss. Zus. auch
für _andere_ Tiere (Insekten) vorkommt, so in _Kupferflederling_ =
Heuschrecke und _Schundflederling_ = Mistkäfer. Seltener sind endlich
Zus., in denen das Wort _vorangesetzt_ ist, so: _Flederlingskitt_ =
Vogelbauer, _Fl.-bäzeme_ = Vogeleier, _Fl.-nolle_ = Vogelnapf u.
_Fl.-schnellen_ = Vogelschießen. — _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Fletterling_ = Vogel);
_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Fläterling_ = Vogel [in _Pfedelb._ (213):
_Flätterling_ auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade
_diese engere_ Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb.
W.-B._ 1753ff (227) u. _Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]).
Seiner _Etymologie_ nach gehört das Wort natürlich zu »_flattern_«; s.
_Günther_, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.
1545 (unter »Flätterling«). —
Das (in der Verbindg. _grandich[er] Flederling_ enthaltene) Adj.
_grandich_ (oder _grandig_) hat außer der häufigsten und allgemeinsten
Bedeutung »groß« noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen,
gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll,
vorzüglich, endlich auch noch »wütend« (doch geht es in _diesem_ Sinne
wahrscheinl. auf einen _anderen_ Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der
»Etymologie« a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (_nobis grandich_) ist
es = wenig, winzig, als _Adverb_ gebraucht bedeutet es: oft (häufig),
als _Subst._ (_Grandich_): Gewalt, Höhe. Der Komporat. _grandicher_
kommt nicht nur für »größer«, sondern auch für »mehr« (»mehrfach«,
»vielmals«) vor. In _Verbindungn._ erscheint _grandich_: a) zuweilen mit
einem _Zeitw._, so _grandich¶e¶ pflanzen_ (eigtl. etwa »den Großen
spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen
_grandich¶e¶r pflanzen_ nur durch »verlängern« wiedergegeben ist), viel
häufiger aber natürlich: b) mit _Hauptwörtern_, und zwar in d. R. (und
nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als
umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine
besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. »Vorbemerkung«, S.
17ff.), so [Griechisch: a]) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B.
Gebäude u. dergl.): _grandiche Jahre-_ od. _Krachersäftling_ (d. h.
»große Waldtraube«) = Ananas, _grandiche Duft_ (d. h. »große Kirche«) =
Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«) =
Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, _grandiche Kitt_ (d.
h. »großes Haus«) = Hof, _grandiche Kolbekitt_ (d. h. »großes
Pfarrhaus«) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Schoflerei_
(d. h. »großes Gericht«) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr.
d. Zigeun. unter »Kreis-« u. »Kriminalgericht«), _grandicher
Sins-Obermann_ (d. h. etwa »des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut«) =
Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes
Geldhaus«) = Münze, Münzwerkstätte, _grandiche Hegerle_ (d. h. »große
Knödel«) = Nudeln, _grandiche Kaflerkitt_ (d. h. »großes Metzgerhaus«) =
Schlachthaus, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«) = Saal (s. d.
betr. d. Zigeun.), _grandicher Spraus_ (d. h. »großes [langes] Holz«) =
Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner [Griechisch: b]) auch
für — mehr od. weniger — _abstrakte Begriffe_; so: _grandich Flu(h)te_
(d. h. »großes« [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36,
Anm. 126), _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) = Menge, _grandich
Lanenger_ (»viele Soldaten«) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner
_grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«) = Feuersbrunst (s. d. betr. d.
Zigeun.), _grandich Bogelo_ (d. h. »großer Hunger«) = Heißhunger,
_grandich Begerisch_ (d. h. »großes [schweres] Siechtum«) =
Schwindsucht, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »viele Dinge«) =
Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann [Griechisch: g]) für _Tiere_: so
(außer _grandich[er] Flederling_ noch); _grandiche Gachne_ (d. h.
»großes Huhn«) = Hahn, _grandich Jerusalemsfreund_ (d. h. »großes Schaf
[Hammel]«) = Schafbock, _grandich Babing_ od. _Strohbuzer_ (d. h. »große
Gans«) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich [Griechisch: d]) für
_Menschen_, und zwar: aa) nach deren _Eigenschaften_, wie _grandicher
Kaffer_ (d. h. »großer Mann«) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw.
_nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro
toto für die Personen _selbst_ gebräuchl.) Bezeichngn. _grandicher
Rande_ = Dickbauch, _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf oder Starrkopf u.
_grandicher Giel_ (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen,
daß _solche_ Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z.
B. _grandicher Rande_ = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger,
trächtig, _grandicher Muffer_ = großnasig; vgl. auch _grandich Sore_ (s.
oben) = vermögend; bb) nach dem _Stande_ od. _Beruf_, wie z. B.
_grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«) = Amtmann, Richter (s. d. betr.
d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d.
Zigeun.), _grandicher Feberer_ (d. h. »großer Schreiber«) =
Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele _dieser Art_ ist —
um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem
Worte »Bischof« eingegangen, da dort _Wittichs_ Bemerkung über die in
seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen
durch Hinzufügung von _grandicher_ (als Komparativ) u. _grandich_ (als
Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen
unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich _Grandicher-Patres_
u. _Grandichemamere_ = Großvater, -mutter. — _Zu vgl._ betr. _grandich_
(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259
(_grandig_ = gewaltig, stark); _Schöll_ 271 (_grandig_ = groß, stark,
viel); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 340, 342, 344, 345 (_grandig_ = groß,
_grandiger Kanoffer_ od. _Gschor_ = »Erzdieb«, _grandiges Schuberle_ od.
_Balderle_ = Gespenst, _grandig Flotte_ = Meer, _grandige Kehr_ = Schloß
[Gebäude], _grandige Duft_ [od. _Kangeri_ (aus dem Zigeun.)] = Tempel);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_grandig_ = groß); auch dem _Metzer Jenisch_
(216) bekannt. Der _Etymologie_ nach geht das (schon zu Beginn des 17.
Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung,
und zwar noch eher auf das italien. _grande_ als auf das französ.
_grand_, zurück. S. Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter »Sens«)
u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 173 (unter »garant«) sowie _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne »wütend« — wozu das bes.
in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. _grandig_ = »mürrisch,
verdrießlich, übel aufgelegt« u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es
wohl auf einen _anderen_ Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei
_Fischer_, a. a. O. unter u. zu »grandig«, Nr. 2, c verbd. mit
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter »Grand«) sowie Sp. 999
(unter »grennen«).]
Affe, _Schure_[166] [63.102]
Affengesicht (Fastnachtsmaske), _Ni(e)sichegiel_, auch _Nilliche-_ od.
_Nuschichegiel_ (d. h. »närrisches Maul«)[167]
After, _Bos_[168], _Schmelzer_[169] [63.103]
[Fußnote 166: ([16] auf S. 63.103) S. abbiegen.]