[Fußnote 150: ([34] auf S. 63.46) Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl

durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben

sein, da _schenegeln_ = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis

schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her

von dem Subst. _Schenagel_ = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe).

Weitere _Ableitungen_ davon sind: das Subst. _Schenegler_ = Arbeiter

(Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.:

_Scheneglere_ = Magd u. das Adj. _scheneglich_ = fleißig. Mit den

Hauptw. _Schenagel_ u. (bes.) _Schenegler_ sind mancherlei _Zus._

gebildet worden, so a) mit _Schenagel_: [Griechisch: a]) _am Anfang_:

_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Schenagelsbich_, _-lobe_ od. _-kies_ =

Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) _am Ende_:

_Griflingschenagel_ = Handarbeit, _Leileschenagel_ = Nachtarbeit; b) mit

_Schenegler_ (_nur_ am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt):

_Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, _Rutschenegler_

= Eisenbahnarbeiter, _Glansertschenegler_ = Glaser, _Kittschenegler_ =

Hausknecht (fem.: _-ere_ = Hausmagd), _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,

_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht,

_Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh.

unter »Hammel«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 89 (_schinnageln_ = arbeiten); _Schöll_ 271 (_schönegle_);

_Pfulld. J.-W.-B._ 337-348 (_schinepeln_ [sic] u. _Schineplerei_ =

Arbeit, aber [richtig] _Schinegglerei_ = Handwerk; vgl. auch

_Schiankterei_ = Kanzlei; für: »_Manobisch, schinegeln_« = »Faulenzer«

[339] ist wohl zu lesen: »_[ma] nobisch schinegeln_« = »faulenzen«; vgl.

noch _Schineller[in]_ = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], _Fuchsschineller_

= Goldarbeiter); _Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr._ 66, 67 (_schenägeln_,

_Schenagel_ = Arbeit, _Schenagelswinde_ = Arbeitshaus); _Schwäb.

Händlerspr._ 479 (_schenig[e]len_ oder [seltener] _schineg[e]len_ [in

_Pfedelb._ (208): auch _schenegln_], _Schenachel_ = Arbeit, auch

Handwerkszeug, vgl. dazu in _Degg._ [215]: _de[n] Schenagel reiße[n]_ =

arbeiten; in U. [214]: _Schenal-penk_ u. _-mŏs_ = Knecht u. Magd).

Vgl. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 416 (_schenēge[n]_),

_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schineggel_ = Arbeit, _schenigle_ = arbeiten)

u. _Metzer Jenisch_ 216 (_schinnegle_ = arbeiten). Zur _Etymologie_ (vom

rotw. _Schinagole_ = Schubkarren, Zus. vom _Schin_ = hebr. _schîn_, dem

Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und _Agole_ = »Karren, Wagen«, vom

gleichbed. hebr. _agl[h]_, jüd. _agôlô_) s. das Näh. in _Groß'_

Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283

(unter »Schien«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 164 (unter

»schenägeln«).]

abschießen, _abschnellen_[151] [63.97]

abschirren, _abschurele_[152]

abschließen, _beschrenken_ (abgeschlossen, _b'schrenkt_)[153]

[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit _schnellen_ = schießen (auch

knallen) sind noch zusammengesetzt: _herab-_ und _niederschnellen_,

ferner — als Substantivierung — _Fläderlingschnellen_ = (das)

Vogelschießen. _Ableitungen_: _Schnelle_ oder _Schneller_ = Büchse,

Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu _Schnellepflanzer_ =

Büchsenmacher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der

Gaunerspr._ 99, 101 (_schnellen_ = schießen, _geschnellt_ = geschossen,

_verschnellen_ = verschießen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_g'schnellt_

= geschossen); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_schnellen_ = schießen, als

Subst. _Schnellen_ = Schuß); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schnellen_, in

_Lütz._ [214]: _Schneller_ = Gewehr). Zur _Etymologie_ des (schon seit

dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit

_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit.

[Griechisch: d] sowie _Weigand_, W.-B. II, Sp. 764, wonach _schnellen_,

mhd. _snellen_ (Ableitg. vom Adj. _schnell_) = »durch starken Widerdruck

in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen,

dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch _Schneller_ u. a. =

»die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei _Stieler_).]

[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]

[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) _Beschrenken_ bedeutet auch schließen

(oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher

_b'schrenkt_ auch = verschlossen); dazu die _Zus._ _anb'schrenke_ =

anschließen und die _Ableitg._ _Beschrenker_ = Schließer. Dagegen setzt

_zuschrenken_ = zuschließen ein einfaches _schrenken_ = schließen

voraus, das aber im Vokab. fehlt. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_aufschrenken_ = aufmachen); _Pfulld.

J.-W.-B._ 339, 344 (_schränken_ = schließen, einschließen,

_aufschränken_ = eröffnen); _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._ 73

(_Schränker_ = Hausdieb); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]:

_schränke[n]_ = schließen, _Schrenke_ = Tür, in U. [214]:

_abschränke[n]_ = verschließen). Zur _Etymologie_ des zweifellos rein

deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes _schränken_

usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in

_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]

abschreiben, _abfeberen_[154] [63.98]

absingen, _abschallen_[155]

absondern, _abschurele_[152]

abspringen, _abbosten_[156]

absterben, _abbegeren_[157]

[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort _febere(n)_ (-ra) =

schreiben oder beschreiben (daher _gefebert_ = schriftlich) kommt noch

vor in den _Zus._: _auf-_, _aus-_, _ein-_, _heraus-_, _nach-_,

_nieder-_, _über-_, _unter-_ und _vorfebern_. Mit dem Stamm _feber-_

sind gebildet die Subst. _Feberschure_ = Bleistift (eigentl.

»Schreibding«) und _Feberklettert_ = Schreibtisch. _Ableitungen_ sind:

_Feberer_ = Schreiber (dazu _grandicher Feberer_ = Schriftgelehrter) und

_Feberei_ = Schrift oder (das) Schreiben. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_febren_ und _Febrer_); _W.-B.

des Konst. Hans_ 254, 257 (_febere_ und _Feberer_, _ausfeberen_ =

ausschreiben); _Schöll_ 274 (_febern_ = schreiben [in der Bettlerspr.]);

_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341, 344 (hier ebenfalls _febern_, _Feberer_ und

_ausfebern_, ferner noch _Feberei_ = Schreibzeug); _Schwäb. Händlerspr._

480, 486 (_f[^æ]beren_ oder _fêberen_ und _Pfeberei_ = Brief). Vgl. auch

_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_fêwere_ = schreiben). Zur _Etymologie_, die

_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s.

Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 64

ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über _Fehma_ (unter

»Hand«).]

[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit _schallen_ = singen sind noch

zusammengesetzt: _nach-_ und _vorschallen_. _Ableitungen_: _Schaller_ =

Sänger (fem.: _-erin_, _Zus._: _Schallerfläderling_ = Singvogel, insbes.

Amsel, Kanarienvogel) und _Schallerei_ = Gesang. _Zu vgl._ (aus dem

_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_schallen_ = singen);

desgl. _W.-B. des Konst. Hans_ 254 und _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier

[340, 342] auch: _Schallen_ = Gesang und _Schaller_ = Sänger); _Schwäb.

Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 74 (_schallen_, _Schaller_ = Sänger,

_Schallerle_ = Organist, _Schallerkasten_ = Kirche); _Schwäb.

Händlerspr._ 483, 486 (_schallen_, _Schaller_, _Duftschaller_ [d. h.

»Kirchensänger«] = Lehrer). Zur _Etymologie_ (von unserm deutsch. Zeitw.

_schallen_) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,

S. 69-71; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180 u. 188.]

[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]

[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) _Begeren_ bedeutet: sterben, umkommen,

auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. _begert_ = gestorben,

verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation

_begert nobis_ (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus.

_Begertflössling_ (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht

ist _Begert_ = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel

_Beger_ u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. _begern_

(vgl. unter »Etymologie«), ist für sich _allein_ in _Wittichs_ Vokabular

_nicht_ angeführt, wohl aber sind _damit_ (od. vielleicht auch bloß mit

dem Stamme _beger-_ des Zeitw. _begeren_) zahlreiche _Zusammensetzgn._

gebildet worden, so _Begersins_ = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u.

dazu die Verbdg. _schofler Begersins_ = Quacksalber), _Begerschure_ =

Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, _Begerkies_ = Grabstein,

Leichenstein, _Begerfläderling_ = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr.

die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18

sowie unter »Käuzchen«), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital)

u. Leichenhaus (vgl. _grandiche B._ = Hospital, _Lanenger B._ =

Lazarett, u. das Dim. _Begerkittle_ = Sarg [s. dazu schon oben S. 44,

Anm. 147 unter »Abort«]), _Begergadscho_ od. _Begerkaffer_ =

Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, _Begersauft_ = Leichenbett

(Sterbe-, Totenbett), _Begermoss_ = Leichenfrau, _Begerbikus_ =

Leichenschmaus, _Begerbochdam_ = Leichentuch, _Begerkluft_ =

Sterbekleid, _Begersore_ = Totenbahre, _Begerkritzler_ = Totenschein.

_Ableitungen_ (von _begeren_) sind: das Subst. _Begerei_ = (das)

Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. _begerisch_ =

sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm

(daher: _begerisch bosten_ = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis

begerisch_ = wohl [gesund], die Verbdg. _begerische Mufferei_ =

Totengeruch u. die Zus. _Begerischsauft_ = Krankenbett). Auch als Subst.

wird _Begerisch_ gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie

(Fallsucht), während _grandich Begerisch_ die Schwindsucht bedeutet. _Zu

vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95

(_begerisch_ = krank, vgl. auch 98: _begerisch gekeilt werden_ = hart

geschlagen werden); _Schöll_ 271, 273 (_Beger_ = Tod, _begern_ =

sterben); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 345 (_bäkeren_ = sterben, _bägeret_ =

gestorben, _bäkeret_ = tot, _Bäkerei_ = Krankheit, _bäkerisch_ = krank,

_Bäkerischkitt_ = Krankenhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72,

76 (_begern_ = sterben od. krank sein [hierfür auch _bechern_],

_abgebegert_ = gestorben, _Begerer_ = Arzt, _Begerwinde_ = Krankenhaus);

_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_bêkeren_ = sterben [vgl. in _Pfedelb._

(213): _bägert_ u. _beechert_ = gestorben], _bêkerisch_ [in _Pfedelb._

(213): _beecherisch_] = sterbenskrank, todkrank, _Bêkerwinde_ = Spital).

Zur _Etymologie_ (vom hebr. _peger_ = »Leichnam«) sowie über weitere

Belege im Rotw. s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1

(unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl.

auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter

»auf-bägere[n]«).]

Abt s. Priester, [63.99]

abtragen, _abbugle_[158]

Abtritt s. Abort

[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit _bugle_ (-la) od. _buk(e)le(n)_

(-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die

_Zusammensetzungen_: _fortbugla_ = fortbringen, forttragen,

_herausbukla_ = heraustragen, _mitbukle_ = mitbringen, _umher-_,

_wegbukle_ = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes

bukle_ = davontragen. _Ableitungen_ sind: die Subst. _Bukler_ (in der

Zus. _Kritzlerbukler_ = Briefträger, Postbote) u. _Buklete_ = Last,

Traglast. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._

100 (_buckeln_ = tragen); _Schöll_ 272 (_buklen_); _Pfulld. J.-W.-B._

345 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_buckeln_); _Schwäb.

Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213] _bukeln_, in _Lütz._ [215]

_buckle[n]_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. _Buckel_ od. _Puckel_)

sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S.

209 u. Anm. 2. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit

weiteren Angaben).]

abwaschen, _abpfladeren_[159] [63.100]

abwerfen s. abfallen

Abweichung (Diarrhöe), _Fu(h)lete_[160], _Schmelzede_[160]

abwischen, _abschurele_[161]

abzahlen, _abpfreimen_[162], _abzaine_[163]

abziehen, _abschurele_[164]

Achsel, _Schure_[164]

Acker, _Schure_[164]

Adler, _grandicher Flederling_[165]

[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit _pfladere(n)_ (-ra) = waschen

(auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch

zusammengesetzt: _auf-_ u. _auspfladere(n)_ (-ra) = auf- u. auswaschen

(ausspülen). Mit dem Stamme _pflader-_ zusammenges. Hauptwörter sind

_Pfladerschottel_ = Waschbecken, _Pfladersore_ = Wäsche, _Pfladermoss_ =

Wäscherin, _Pfladerkitt_ = Waschhaus, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser.

_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91,

101 (_Fladerei_ = Wäsche, _Fladerer_ = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld.

J.-W.-B._ 343, 346 (_fladeren_ = waschen, _Flader-Schury_ =

Schermesser); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_flattern_ = waschen);

_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_pfladere_); vgl. auch _Pleißlen der

Killertaler_ 435 (_fladere[n]_) u. _Metzer Jenisch_ 207 (_flādere_).

Zur (nicht ganz sichern) _Etymologie_ sowie über weitere rotw. Belege s.

_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — _Fischer_, Schwäb.

W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]

[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit _pfreimen_ (-ma) = bezahlen

(zahlen), vergüten ist noch zusammenges. _auspfreimen_ = auszahlen; als

Subst. gebraucht: _Pfreimen_ = Steuern. _Ableitung_: _Pfreimerei_ =

Zahlung (Sold, Verdienst). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):

_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 346 (_pfräumen_ = auszahlen, bezahlen,

zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_pfreimen_ = bezahlen, zahlen).

Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist

_pfreimen_ wohl nur eine Nebenform von _bereimen_ (s. darüber das Näh.

weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei _Karmayer_ 17

vorkommende) Form _bepreimen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, B. 33, S. 305, Anm.

3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]

[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit _z¶a¶ine[n]_ (od. _z¶e¶ine[n]_) =

bezahlen (zahlen) sind noch zus. _an-_ u. _auszeine[n]_ (-na). Als

Subst. gebraucht ist _Zeine_ = Zahlung. _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_zainen_ = zahlen); _Schwäb.

Händlerspr._ in U. [214]: _zaine[n]_= bezahlen). Die _Etymologie_ ist

unklar.]

[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) _Grandicher Flederling_ heißt

wörtlich »großer Vogel«, während _¶grandich¶ Flederling_ = Storch,

eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte

größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was

_Wittich_ an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von

_grandich_ (im Gegensatz zu _grandicher_) als Superlativ im Jenischen

ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u.

Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit _Flederling_ (od.

_Fläderling_) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so

die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu

»Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche _Zusammensetzungen_ mit dem

Worte finden sich sowohl für bestimmte _Gattungen_ von Vögeln (s.

_Schallerflederling_ = Singvogel, _Flu[h]teflederling_ = Wasservogel)

als auch für einzelne _Arten_. So kommt _Schallerflederling_ auch

spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und _Flu(h)teflederling_

für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng.

_jenischer Flederling_, worüber das Näh. noch weiter unten bei

»Bachstelze«); vgl. ferner: _Stämpfflederling_ (eigtl. »der schimpfende

Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.),

_Leile-_ od. _Ratteflederling_ (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.

Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127),

_Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu

schon oben S. 98, Anm. 157), _Schmuserflederling_ (d. h. »der sprechende

Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl.

auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), _Dofeflederling_ (d. h. »der schöne

Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch

»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), _Schofeleiflederling_ (d. h.

»Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u.

_Furschetflederling_ (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren

gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter

»Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß _Flederling_ in gewiss. Zus. auch

für _andere_ Tiere (Insekten) vorkommt, so in _Kupferflederling_ =

Heuschrecke und _Schundflederling_ = Mistkäfer. Seltener sind endlich

Zus., in denen das Wort _vorangesetzt_ ist, so: _Flederlingskitt_ =

Vogelbauer, _Fl.-bäzeme_ = Vogeleier, _Fl.-nolle_ = Vogelnapf u.

_Fl.-schnellen_ = Vogelschießen. — _Zu vgl._ (aus dem _verw.

Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Fletterling_ = Vogel);

_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Fläterling_ = Vogel [in _Pfedelb._ (213):

_Flätterling_ auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade

_diese engere_ Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb.

W.-B._ 1753ff (227) u. _Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]).

Seiner _Etymologie_ nach gehört das Wort natürlich zu »_flattern_«; s.

_Günther_, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.

1545 (unter »Flätterling«). —

Das (in der Verbindg. _grandich[er] Flederling_ enthaltene) Adj.

_grandich_ (oder _grandig_) hat außer der häufigsten und allgemeinsten

Bedeutung »groß« noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen,

gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll,

vorzüglich, endlich auch noch »wütend« (doch geht es in _diesem_ Sinne

wahrscheinl. auf einen _anderen_ Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der

»Etymologie« a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (_nobis grandich_) ist

es = wenig, winzig, als _Adverb_ gebraucht bedeutet es: oft (häufig),

als _Subst._ (_Grandich_): Gewalt, Höhe. Der Komporat. _grandicher_

kommt nicht nur für »größer«, sondern auch für »mehr« (»mehrfach«,

»vielmals«) vor. In _Verbindungn._ erscheint _grandich_: a) zuweilen mit

einem _Zeitw._, so _grandich¶e¶ pflanzen_ (eigtl. etwa »den Großen

spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen

_grandich¶e¶r pflanzen_ nur durch »verlängern« wiedergegeben ist), viel

häufiger aber natürlich: b) mit _Hauptwörtern_, und zwar in d. R. (und

nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als

umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine

besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. »Vorbemerkung«, S.

17ff.), so [Griechisch: a]) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B.

Gebäude u. dergl.): _grandiche Jahre-_ od. _Krachersäftling_ (d. h.

»große Waldtraube«) = Ananas, _grandiche Duft_ (d. h. »große Kirche«) =

Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«) =

Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, _grandiche Kitt_ (d.

h. »großes Haus«) = Hof, _grandiche Kolbekitt_ (d. h. »großes

Pfarrhaus«) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Schoflerei_

(d. h. »großes Gericht«) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr.

d. Zigeun. unter »Kreis-« u. »Kriminalgericht«), _grandicher

Sins-Obermann_ (d. h. etwa »des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut«) =

Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes

Geldhaus«) = Münze, Münzwerkstätte, _grandiche Hegerle_ (d. h. »große

Knödel«) = Nudeln, _grandiche Kaflerkitt_ (d. h. »großes Metzgerhaus«) =

Schlachthaus, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«) = Saal (s. d.

betr. d. Zigeun.), _grandicher Spraus_ (d. h. »großes [langes] Holz«) =

Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner [Griechisch: b]) auch

für — mehr od. weniger — _abstrakte Begriffe_; so: _grandich Flu(h)te_

(d. h. »großes« [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36,

Anm. 126), _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) = Menge, _grandich

Lanenger_ (»viele Soldaten«) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner

_grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«) = Feuersbrunst (s. d. betr. d.

Zigeun.), _grandich Bogelo_ (d. h. »großer Hunger«) = Heißhunger,

_grandich Begerisch_ (d. h. »großes [schweres] Siechtum«) =

Schwindsucht, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »viele Dinge«) =

Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann [Griechisch: g]) für _Tiere_: so

(außer _grandich[er] Flederling_ noch); _grandiche Gachne_ (d. h.

»großes Huhn«) = Hahn, _grandich Jerusalemsfreund_ (d. h. »großes Schaf

[Hammel]«) = Schafbock, _grandich Babing_ od. _Strohbuzer_ (d. h. »große

Gans«) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich [Griechisch: d]) für

_Menschen_, und zwar: aa) nach deren _Eigenschaften_, wie _grandicher

Kaffer_ (d. h. »großer Mann«) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw.

_nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro

toto für die Personen _selbst_ gebräuchl.) Bezeichngn. _grandicher

Rande_ = Dickbauch, _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf oder Starrkopf u.

_grandicher Giel_ (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen,

daß _solche_ Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z.

B. _grandicher Rande_ = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger,

trächtig, _grandicher Muffer_ = großnasig; vgl. auch _grandich Sore_ (s.

oben) = vermögend; bb) nach dem _Stande_ od. _Beruf_, wie z. B.

_grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«) = Amtmann, Richter (s. d. betr.

d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d.

Zigeun.), _grandicher Feberer_ (d. h. »großer Schreiber«) =

Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele _dieser Art_ ist —

um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem

Worte »Bischof« eingegangen, da dort _Wittichs_ Bemerkung über die in

seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen

durch Hinzufügung von _grandicher_ (als Komparativ) u. _grandich_ (als

Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen

unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich _Grandicher-Patres_

u. _Grandichemamere_ = Großvater, -mutter. — _Zu vgl._ betr. _grandich_

(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259

(_grandig_ = gewaltig, stark); _Schöll_ 271 (_grandig_ = groß, stark,

viel); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 340, 342, 344, 345 (_grandig_ = groß,

_grandiger Kanoffer_ od. _Gschor_ = »Erzdieb«, _grandiges Schuberle_ od.

_Balderle_ = Gespenst, _grandig Flotte_ = Meer, _grandige Kehr_ = Schloß

[Gebäude], _grandige Duft_ [od. _Kangeri_ (aus dem Zigeun.)] = Tempel);

_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_grandig_ = groß); auch dem _Metzer Jenisch_

(216) bekannt. Der _Etymologie_ nach geht das (schon zu Beginn des 17.

Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung,

und zwar noch eher auf das italien. _grande_ als auf das französ.

_grand_, zurück. S. Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter »Sens«)

u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 173 (unter »garant«) sowie _Fischer_,

Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne »wütend« — wozu das bes.

in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. _grandig_ = »mürrisch,

verdrießlich, übel aufgelegt« u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es

wohl auf einen _anderen_ Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei

_Fischer_, a. a. O. unter u. zu »grandig«, Nr. 2, c verbd. mit

_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter »Grand«) sowie Sp. 999

(unter »grennen«).]

Affe, _Schure_[166] [63.102]

Affengesicht (Fastnachtsmaske), _Ni(e)sichegiel_, auch _Nilliche-_ od.

_Nuschichegiel_ (d. h. »närrisches Maul«)[167]

After, _Bos_[168], _Schmelzer_[169] [63.103]

[Fußnote 166: ([16] auf S. 63.103) S. abbiegen.]

Die jenische Sprache · 第 6 / 36 段