[Fußnote 59: ([1] auf S. 63.24) Auch dieser Satz stimmt _fast wörtlich_

mit dem überein, was _Liebich_, a. a. O., S. 114, 115 über das

Verhältnis der Zigeunersprache zur _Gaunersprache_ bemerkt hat. — Der

_Sache_ nach ist das von _Wittich_ Gesagte übrigens unlängst auch von W.

_Zündel_ in den »Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte« usw., N.

F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. (»Auch weist der richtige Zigeuner

einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten

will, zurecht: _goi dig hawo jenari_, d. h. ›sieh da, was für ein

Jenischer‹«.)]

[Fußnote 60: ([2] auf S. 63.24) Auch hierbei zeigt sich Anschluß an

_Liebichs_ ähnliche Bemerkungen über die _Zigeunersprache_ (a. a. O. S.

118).]

Möge die Arbeit gütige Aufnahme finden im Kreise der Leser und Forscher;

dann bin ich reichlich belohnt für den darauf verwandten Fleiß.

Stuttgart, im Juni 1914.

_Engelbert Wittich._

III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer

Wörter.[61]

_früher_ _Bedeutung_ _heute dafür

(meistens)_

abgeholcht[62] fortgegangen schiebes[63]

Baiser Wirt Beizer[64]

Bomm[65] die Schweiz heute unbekannt [63.26]

Fehma[66] die Hände Grifleng[67]

holchen[68] kommen bosten[69]

Jamm[70] Tag Schei[71]

mich kohlert[72] mich hungert mich bickert('s)[73] [63.27]

Mahlbosch[74] Rock Malfes[74]

malochen[75] fortgehen, gehen schiebes bosten[76]

Mogumle[77] Stadt Steinhäufle[78]

Mokem[77] Stadt Mochum (aber auch =

Dorf)[77]

Palar[79] Dorf G'fahr[80]

Schofelkitt[81] Zuchthaus Dofes, Lek[82] [63.28]

schornen[83] stehlen schoren[83]

Schücksel[84] Mädchen Model[85]

zopfen[86] stehlen schniffen[87]

[Fußnote 61: ([1] auf S. 63.25) Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln

ist _hebräischen_ Ursprungs (vgl. schon m. »Vorbemerkung«, S. 9).

Während für _Bomm_ = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort

angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen

teils Wörter eines _anderen Stammes_ eingetreten (so für _abgeholcht_,

_holchen_, _Jamm_, _mich kohlert_, _malochen_, _Mogumle_, _Palar_),

teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der

_Form_ geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für _Baiser_,

_Mahlbosch_, _schornen_). Als doch _nicht völlig_ veraltet erscheinen

nach dem _Vokabular_ selbst: _Fehma_ = Hand und _Schofelkitt_ =

Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter »Arrest«); _zopfen_ ist

zwar im Wörterbuch für »_stehlen_« nicht erwähnt, dagegen findet es sich

unter »erwischen« sowie in der Zusammensetzung _herauszopfen_ =

herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete

Subst. _Zopferei_ = Diebstahl. Auch _Schücksel_ für »Mädchen« fehlt im

W.-B., aber unter »Hure« ist die Verbindg. _schofle Schüx_ (also

unverkleinert) angeführt. Daß _Mochum_ (statt des älteren _Mokem_) noch

jetzt sowohl »_Stadt_« wie »Dorf« bedeuten soll, ist aus dem Glossar

nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form _Mocham_) _nur_

unter »Dorf« — nicht auch unter »Stadt« — aufgeführt ist. Das vom

Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte _Rawine_ = Leiter

habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form _und_ Bedeutung

auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis

von _Wittich_ selber _nicht_ mit aufgenommene veraltete oder in der

Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere

Bemerkungen gegeben.]

[Fußnote 62: ([2] auf S. 63.26) Das Stammwort _holchen_ (= gehen) findet

sich (in dem bes. _verwandten Quellenkreise_) schon im _Dolm. der

Gaunerspr._ 92, ferner im _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (= laufen,

springen; vgl. 260: _abg'holcht_), bei _Schöll_ 271, 272 (= laufen,

gehen) u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch

_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_hulchen_ = springen). Zur _Etymologie_ des

(schon bei G. _Edlibach_ um 1490 [20] in der Form _alcha_ bezeugten)

Wortes (vom hebr. _hlak_) sowie über weitere Belege s. die Angaben in

_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch

_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.]

[Fußnote 63: ([3] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »davongehen«.]

[Fußnote 64: ([4] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »Gasthaus«.]

[Fußnote 65: ([5] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der

Gaunerspr._ 99 u. _W.-B. des Konst. Hans_ 256; im _Pfulld. J.-W.-B._

346: _Bum_ u. noch in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 75: _Pumps_

(od. Pummerkessel). Zur _Etymologie_ (Abkürzung nach den

Anfangsbuchstaben von _Bores-Medine_ u. ähnl. [d. h. »Land der Kühe«]

aus hebr. _pr[h]_, jüd. _pôrô_ = »Kuh« und _medîn[h]_ = »Landschaft,

Gerichtsbezirk, Provinz«) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_

Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter »Pumser«) u. Anm. 1.]

[Fußnote 66: ([6] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B unter »Hand«.]

[Fußnote 67: ([7] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »Daumen«.]

[Fußnote 68: ([8] auf S. 63.26) Vgl. oben Anm. 62.]

[Fußnote 69: ([9] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »abgehen«.]

[Fußnote 70: ([10] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der

Gaunerspr._ 100, _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. _Schöll_ 271; vgl.

_Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Jum_ [wie auch schon im _Basl. Gloss._ v. 1733

[202]). Dagegen hat auffälligerweise in der _schwäb. Gauner- u.

Kundenspr._ 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u.

Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. _Rabben_ 65 u. _Ostwald_ (Ku.) 71]) das

Dimin. _Jämchen_ (od. Jem[m]chen) die Bedeutung »Jahr« (daher z. B. _ein

Jemmchen abreißen_ = ein Jahr im Gefängnis zubringen [_Ostw._, a. a.

O.]). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _jôm_ = »Tag«) sowie über weitere

Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter

»Jomschmi[e]r[e]«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter

»Jam«), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei _Jämchen_ keine

Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine

Verquickung von _Jamm_ = Tag mit _Jann_ = Jahr (s. z. B. _Pfister bei

Christensen_ 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl.

Näh. im W.-B. unter »alljährlich«), vielleicht aber als bloße

Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzusehen ist. Auf gleiche Weise

könnte ev. auch _Jämchen_ selber entstanden sein.]

[Fußnote 71: ([11] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »alltäglich«.]

[Fußnote 72: ([12] auf S. 63.27) S. dazu schon _Dolm. der Gaunerspr._ 94

(_es kollert mich_ = es hungert mich); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_es

kohlert mi_); vgl. auch _Schöll_ 272 (_Koler_ = Hunger, _kolerig_ =

hungrig); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340 (_Kolter_ = Hunger; _kolderig_ =

ausgehungert, _kolterik_ = hungrig). Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_,

Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter »koldere[n]«), vbd. mit Sp. 575 (unter

»kolderig«) und Sp. 574 (unter »Kolder«) dürften die Vokabeln in

Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. _cholera_ = »Galle«, wozu auch

das nhd. »Koller« gehört (vgl. darüber _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1095/96).

Dagegen ist in _Kohldampf_ u. ä. = Hunger (vgl. _Schütze_, S. 75, 76),

das auch der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ (71) sowie der _pfälz._ u.

_schwäb. Händlerspr._ (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl

zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 574; vgl.

auch _Weber-Günther_, S. 191.]

[Fußnote 73: ([13] auf S. 63.27) S. im W.-B. unter »Abendessen«.]

[Fußnote 74: ([14] auf S. 63.27) S. unter »Frauenrock«.]

[Fußnote 75: ([15] auf S. 63.27) Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung

nur aufzufassen als eine Kürzung von _schiebes malochen_ (vgl. _Groß'_

Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im _W.-B. des Konst.

Hans_ vorkommt (258: _Jetzt maloch i' schiabes_ = jetzt gehe ich fort).

Zur _Etymologie_ von _malochen_ (aus dem hebr. _mel'k[h]_ = »Arbeit,

Verrichtung«) s. _Groß'_ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch _Fischer_,

Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.]

[Fußnote 76: ([16] auf S. 63.27) S. über _schiebes_: oben S. 26, Anm.

63, über _bosten_: oben S. 26, Anm. 69.]

[Fußnote 77: ([17] auf S. 63.27) S. unter »Dorf«.]

[Fußnote 78: ([18] auf S. 63.27) S. unter »Stadt«.]

[Fußnote 79: ([19] auf S. 63.27) Übereinstimmend hiermit hat schon das

_W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 (in den »Schmusereyen«) _Palar_ u.

_Balar_ = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur _Ballar_

anführt, das auch der _Dolm. der Gaunerspr._ 91 hat; ganz ähnlich ferner

_Schöll_ 272 u. das _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Balar_) sowie andere

Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. _Grolman_ 5 u. T.-G. 90). Die

_Etymologie_ bleibt (nach _Fischer_, _Schwäb_. W.-B. I, Sp. 581)

»unklar«. Einen Zusammenhang mit dem für »Wald« vorkommenden

kundensprachl. _Ballat_ (s. z. B. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77;

vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder _Ballert_ (s.

dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu

gewagt.]

[Fußnote 80: ([20] auf S. 63.27) S. Näh. unter »Bauerndorf«.]

Die ältere Zusammensetzung _Gefinkelterjohle_ = Branntwein[88] ist heute

in zwei Wörter getrennt worden: _Gefinkelter_ und _Johle_, indem man

unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89].

_Grandscharrle_ (= »Hatschier«) wurde früher (bei den jenischen Leuten)

eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl »Hatschier« wie das

jenische _Grandscharrle_ sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne

Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische _Scharrle_ für

»Schultheiß« (Bürgermeister) her[90]. _Kochem_, früher so viel wie der

Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur »schlau, gescheit« (z. B. _kochemer

Kaffer_ = ein gescheiter, kein dummer Mann, _sei kochem_ = sei gescheit

usw.)[91]. _Zwiss_ = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem

Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt

gleichfalls veraltete _tschi_ = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm.

118.

[Fußnote 81: ([21] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Abort«, »arg« und

»Arrest«.]

[Fußnote 82: ([22] auf S. 63.28) S. im W.-B. »Arrest«, vgl. auch

»Gefängnis« und »Zuchthaus«; unter letzterem Wort ist jedoch _Dofes_

nicht angeführt.]

[Fußnote 83: ([23] auf S. 63.28) S. unter »ausstehlen«.]

[Fußnote 84: ([24] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Hure«.]

[Fußnote 85: ([25] auf S. 63.28) S. unter »Beischläferin«.]

[Fußnote 86: ([26] auf S. 63.28) S. unter »Diebstahl«.]

[Fußnote 87: ([27] auf S. 63.28) S. unter »anfassen«.]

[Fußnote 88: ([28] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.]

[Fußnote 89: ([29] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter »Branntwein« und

»Apfelwein«. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das

_Pfulld. J.-W.-B._ (338 u. 346).]

[Fußnote 90: ([30] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Bürgermeister«.]

[Fußnote 91: ([31] auf S. 63.28) Mit dieser Bedeutungserweiterung ist

das Jenische wieder zu dem Begriffe des _hebr._ Stammwortes

zurückgekehrt; s. schon oben »Vorbemerkung«, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das

W.-B. unter »besonnen«.]

[Fußnote 92: ([32] auf S. 63.28) _Zwis_ = zwei haben schon der _Dolm.

der Gaunerspr._ 102, das _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. das

_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits

der _Niedd. Lib. Vagat_ (78) kennt die Form _swis_. Vgl. dazu _Kluge_,

Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in

dem _schwäb._ Quellenkreise bekannte) Zahlwort _tribis_ oder _dribis_ =

drei.]

IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache [63.29]

stammen.[93]

_jenisch_ _Bedeutung_ _zigeunerisch_[94]

Babing Gans Babi[95]

Balo Schwein Bali[96]

Bellel Kropf Bälel[95]

Bet Mark (Geldstück) Beti[95]

bleisgeren bezahlen bleisern[97]

Bochdam Leinwand, Tuch Pochtann[98]

Bogeia Fischbein Gogeia (d. h.

Knochen,

Bein)[95]

Bog(g)elo Hunger Bock, Bockelo[99]

butsche fragen putsche[100]

Dibolde Juden Bipolte[95]

Dober Axt Tower[95]

Doberle Beil zu Tower[101]

Feneter Fenster Fenetra[95]

Fu(h)l Kot (menschl.od. Ful[102]

tierische

Exkremente)

Furschet Gabel Forschreta[95] [63.30]

Gachne Huhn Kachni[103]

Garo, Gari penis Gar[104]

Gasche Menschen, Leute Gatsche[105]

Gaschele Kinder (eigtl. zu Gatschen[105]

»kleine Leute«)

Gib Frucht, Getreide Gib[95]

Girall Käse Girall[95]

Glitschin Schlüssel Gliten[106]

Jak Licht Jag (= Feuer)[95]

kahla essen chala[107]

Katschete Branntwein Chatscherti[95]

Kopel Hose Cholep[108]

Kuiete bes. Viehpulver, aber Chuerti[109]

auch Pulver

überhaupt, z. B.

Schießpulver

Lobe Geld Lowe[110]

Loli, Lolo Gendarm vgl. lolo (d. h.

rot)[95]

Lomel Messerklinge Lommla[111]

Lubne Dirne (= Hure) Lubni[112]

manga betteln manga[95]

Maro Brot Maro[95]

Mass Fleisch Mass[113]

Matrele Kartoffeln Maträli[114]

Matsche Fisch Matscho[95]

naschen fliehen, gehen nascha[95]

Rat Blut Ratt[95]

Ratte Nacht Rati[115]

Romane Frau Romni[95]

schoren stehlen vgl. Tschoraben, d.

h. das

Stehlen[116]

Sende (die) Zigeuner Sinte (sing.

Sinto)[95]

Tschai Mädchen Tschai (Tochter,

Mädchen)[95]

tschanen fliehen, gehen (auch tschantamenge[95] [63.31]

kommen)

Tschuggel Hund Tschukel[95]

Tschure Messer Tschuri[95]

[Fußnote 93: ([1] auf S. 63.29) Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß

ich es nach dem »deutsch-jenischen Wörterbuche« (sowie nach einzelnen

Stellen von _Wittichs_ »Einleitung«) noch vervollständigt habe (es

fehlten in ihm ursprünglich die Wörter _Bellel_, _Gib_, _Loli_ [Lolo],

_Maro_, _Rat_, _schornen_ und _Tschai_); _nicht_ darin aufgenommen sind

dagegen die _bloßen Ableitungen_ _bogelich_ = gierig, _lubnen_ = huren,

_matschen_ = fischen u. _Matscher_ = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche

Vokabeln, bei denen nur _vermutungs_weise auch zigeunerischer Ursprung

angenommen werden könnte (wie z. B. bei _Ki[e]bes_ = Kopf [s. Näh. unter

»Angesicht«), _Kritsch_ = Bürgermeister [s. d.] u. _Toberich_ = Tabak,

auch Pfeife [s. d.]). Zu _Feneter_ u. _Furschot_ ist zu sagen, daß sie

zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen

sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter »Fenster« u. »Gabel«), eigentlich

aber natürlich, aus dem _Französischen_ herstammen, von dem sie ev. auch

direkt entlehnt sein könnten (vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 26).

_Lomel_ = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches

Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter

»Klinge«). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der

Wörter _Bogeia_ u. _Dibolde_ (statt zigeun.: _Gogeia_ u. _Bipolte_) s.

d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.]

[Fußnote 94: ([2] auf S. 63.29) Da _Wittich_ die Zigeunerwörter durchweg

in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch

_Jühling_ in _Groß'_ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen

»alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« (vgl. »Vorbemkg.« S.

2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls

_danach_ angeführt.]

[Fußnote 95: ([3] auf S. 63.29) S. das deutsch-jenische W.-B. unter der

deutsch. Bedeutg.]

[Fußnote 96: ([4] auf S. 63.29) S. das W.-B. unter »Eber«.]

[Fußnote 97: ([5] auf S. 63.30) S. das W.-B. unter »anzahlen«.]

[Fußnote 98: ([6] auf S. 63.30) S. unter »Barchent«.]

[Fußnote 99: ([7] auf S. 63.30) S. »Appetit«.]

[Fußnote 100: ([8] auf S. 63.30) S. »anfragen«.]

[Fußnote 101: ([9] auf S. 63.30) S. »Axt«.]

[Fußnote 102: ([10] auf S. 63.30) S. »Abort«.]

[Fußnote 103: ([11] auf S. 63.30) S. »Hahn«.]

[Fußnote 104: ([12] auf S. 63.30) S. »Glied (männliches)«.]

[Fußnote 105: ([13] auf S. 63.30) S. »Kerl«.]

[Fußnote 106: ([14] auf S. 63.30) S. »Dietrich«.]

[Fußnote 107: ([15] auf S. 63.30) S. »Abendessen«.]

[Fußnote 108: ([16] auf S. 63.30) S. »Beinkleid«.]

[Fußnote 109: ([17] auf S. 63.30) S. »Mastpulver«.]

[Fußnote 110: ([18] auf S. 63.30) S. »Bank«.]

[Fußnote 111: ([19] auf S. 63.30) S. »Klinge«.]

[Fußnote 112: ([20] auf S. 63.30) S. »Beischläferin«.]

[Fußnote 113: ([21] auf S. 63.30) S. »Aas«.]

[Fußnote 114: ([22] auf S. 63.30) S. »Erdäpfel«.]

[Fußnote 115: ([23] auf S. 63.30) S. »Abend«.]

[Fußnote 116: ([24] auf S. 63.30) S. »ausstehlen«.]

_Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln_: In der

Zigeunersprache bedeutet _lolo_ rot, der Rote, im Jenischen wird mit

_Loli_ oder _Lolo_ der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den

früheren roten Aufschlägen der Landjäger. _Gaschele_ = Kinder (d. h.

eigentl. »kleine Leute«) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun.

_Gatsche_, sing. _Gatscho_, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im

Gegensatze zum zigeun. _Rom_, der Mann überhaupt[117], und _Sinto_, der

Zigeuner. _Tschai_ ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei

ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die

Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen

(Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine

Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].

[Fußnote 117: ([1] auf S. 63.31) Über das fem. _Romane_ s. Näh. im W.-B.

unter »Frau«.]

[Fußnote 118: ([2] auf S. 63.31) An einer anderen Stelle der

»Einleitung« hatte der Verf. auch die heute in der »jenischen Sprache«

veraltete Vokabel _tschi_ = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. _Dolm.

der Gaunerspr._ 94, _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256 [_t'schi_] u.

_Pfulld. J.-W.-B._ 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck

_tschi_ = nicht(s) (nein) (vgl. _Pott_ I, S. 274, 323; _Liebich_, S.

164, 225 [_tsi_, _tschi_ = nicht, nichts]; _Miklosich_, Beiträge l/II,

S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [_či_ = nicht(s)]; _Finck_, S.

91 [_tši_ = nicht]), das auch in die _schwäbische Händlersprache_

eingedrungen ist (s. U. [214]: _tschi_ = nein). Danach würde es sich

dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog.

_Enantiosemie_, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade

Gegenteil (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es

dürfte jedoch _richtiger_ sein, mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432

das italienische _si_ (dial. _ši_ [spr. schi]) = »ja« (das auch in

deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. _Lexer_, Kärnt. W.-B., Leipz.

1867, S. 216: _schi_ = ja]) als die Quelle zu vermuten.]

V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.

A.

Aas, _mufiger Bossert_ oder _mufiger Mass_, d. h. stinkendes

Fleisch[119]

[Fußnote 119: ([3] auf S. 63.31) a) Über die Analogie in der

Zigeunerspr. (_mulo mass_, eigtl. »totes Fleisch« [s. _Liebich_, S. 147,

171]) vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47. Das Adj. _mufig_ od.

_muffich_ = stinkend gehört zu dem Zeitw. _muffen_ = riechen

(»schmecken«), stinken; vgl. auch die Verbdgn. _dof muffen_ (eigtl. »gut

riechen«) = duften u. _Toberich muffen_ (eigtl. »Tabak riechen«) =

schnupfen (vgl. »Pfeife«). Eine _Zusammensetzg._ mit dem Stamme

(_muff-_) des Zeitworts ist _Muffkenem_ = Wanze (eigtl. »Stinklaus«;

vgl. über Analogie im Zig. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47 u. Näh. unter

»Wanze« bezw. »Filzlaus«). Als _Subst._ gebraucht ist _Muffen_ = Geruch.

Weitere Ableitungen sind: _Muffer_ (eigtl. »Riecher«) = Nase (vgl. dazu

_Mufferhorboge_, eigtl. »Nasenkuh« = Nashorn [s. d. betr.

Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.« S. 18])

und _Mufferei_ = Gestank, Witterung (daher: _begerische Mufferei_ =

Totengeruch; vgl. Näh. unter »absterben«). Ein Zeitw. _vermuf(f)en_

setzt voraus das Partizip _vermuft_, eigtl. = verfault, dann (im

übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen,

bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. _Zu

vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise)_: _Dolm. der Gaunerspr._ 96

(_Muffer_ = Nase); _Schöll_ 271, 272 (_muffen_ = riechen, _Muffer_ =

Nase); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 342, 343 (_muffen_ = riechen,

_Muffer_ = Nase); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_Muffer_ = Nase,

_vermuft_ = bankerott, in _Pfedelb._ [210, 212] auch: _muffen_ = riechen

und _Muffert_ = Mist, in _Lütz._ [215]: _muffen_ = riechen, _vermuffen_

= im Spiel verlieren u. _Muffnagel_ = Zigarre, in _Degg._ [215]:

_Mufferling_ = = Schnupftabak). _Zur Etymologie_ (von dem deutsch.,

mundartl. weit verbreiteten Zeitw. _muffen_ = ȟbel, insbes. nach Moder

oder Fäulnis riechen« bezw. d. Adj. _muffig_ od. _mufficht_) s. _Pott_

II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp.

2623 (unter »Muff«, I, Nr. 3), _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff.

u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch _Weigand_, W.-B. II,

Sp. 326.

b) _Bossert_ = Fleisch (auch speziell »Wellfleisch«), Braten, erscheint

sehr beliebt in allerlei _Zusammensetzgn._ (oder _Verbindgn._) und zwar

bes.: [Griechisch: a]) _ans Ende_ gesetzt, so: aa) für die Fleischarten

_nach den verschiedenen Tieren_, wie: _Babingbossert_ = Gänsefleisch

(_gesicherter Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten), _Kibe(n)bossert_ =

Hundefleisch, _Stupflengbossert_ = Igelfleisch, _Schmalerbossert_ =

Katzenfleisch, _Horbogebossert_ = Kuh- oder Rindfleisch,

_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Trabertbossert_ = Pferdefleisch,

_Groenikelsbossert_ = Schweinefleisch; ferner bb) für die _Art der

Zubereitung_: _eingespronktes Bossert_ = Pökelfleisch, _Hitzlingbossert_

= Rauchfleisch, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch, _Schwäzlingbossert_ =

Schinken, _Schmunkbossert_ = Speck, _Rondlingbossert_ = Wurstfleisch;

cc) für _menschl. Körperteile_: _Näpflingbossert_ = Zahnfleisch; dd)

auch im _übertragenen Sinne_: _Koelebossert_ = »Teufelsbraten«;

[Griechisch: b]) _am Anfang_ der Zusammensetzg. stehend; aa) für

_Gerätschaften_, wie _Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Bossertnolle_ =

Fleischhafen; bb) für gewisse _Speisen_: _Bossertblättling_ = Gulasch

(eigtl. »Fleischsalat«), _Bosserträsling_ = Leberkäse; cc)

_Bossertschei_, d. h. eigtl. »Fleischtag« = Sonntag (s. d. betr. die

Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18).

_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 99

(_Boser_ = Fleisch, Speck); _Pfulld. J.-W. B._ 339, 340, 341 (_Bosert_ =

Fleisch, _Schwarzbosert_ = geräuchertes Fleisch, _B. von einem Horboge_

= Kalbfleisch); _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 69, 75 (_Bossert_ =

Fleisch, _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bosset_,

_Bôser_ od. _Bôßert_ = Fleisch; dazu noch in _Pfedelb._ [209, 213] bes.

_Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert_ = Schweine-, Kuh-,

Pferdefleisch u. _Schmunkbossert_ = Speck sowie in _Lütz._ [213]:

_Flīse-bosert_ = Ente). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _bsr_, jüd.

_bôsôr_ = »Fleisch«) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15.

Jahrh.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch

_Weber-Günther_, S. 154 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.

c) _Mass_ (im wesentl. gleichbed. mit _Bossert_ gebraucht) erscheint

nicht ganz so beliebt in _Zusammensetzgn._, doch findet es sich z. B.

(am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren,

wie _Babingmass_ = Gänsefleisch (_gesicherter B._ = Gänsebraten),

_Tschuggel-_, _Stupfleng-_, _Horboge-_, _Trabertmoss_ = Hunde-, Igel-,

Kuh-, Pferdefleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_); _Dolm.

der Gaunerspr._ 92, 99 (_Mas_ = Fleisch, Speck); _W.-B. des Konst. Hans_

245 (_Mass_); _Pfulld. J.-W.-B._ (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B.

[343] _Horboge-Maß_ = Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maß_;

_Maßfetzer_ = Metzger; in _Pfedelb._ [214]: _Mast_ = Wurst). Vgl. auch

_Metzer Jenisch_ 216 (_Mās_ = Fleisch). Zur _Etymologie_: Am

wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw.

Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist

(vgl. »Einleitg.« S. 30), welche _mas_ od. (in Deutschl.) _mass_ (schon

altind. _māsa_) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in

_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter »Masengero« und dazu noch _Finck_,

S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. _maso_ mit

eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel

zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete

_Mass_ = »Speise« (»zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen«,

schon ahd. u. mhd. _maz_ [vgl. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063],

got. _mats_, angels. _mete_, engl. _meat_) s. Näh. bes. bei _Grimm_, D.

W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517

(unter »Mass« II, Nr. 1 u. 2).]

abbeißen, _abnäpfen_[120] [63.33]

abbetteln, _abdalfen_[121], _abderchen_[122]

Die jenische Sprache · 第 3 / 36 段