[Fußnote 38: ([4] auf S. 63.15) Beispiele: a) _Gebrauch von Adjektiven

für Substantive_: Mit _Flexion_ der Adjektive (also z. B. _Wo[h]nischer_

= Katholik, _nobis Dofs_ [d. h. eigtl. »nichts Gutes«] = Übel) kommt

dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber

Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv

erhoben worden, s. z. B. die schon oben S. 7, Anm. 4, in anderem

Zusammenhange erwähnten Wörter _Dof_ (bezw. nobis Dof), _Molum_ u.

_Schofel_, für letzteres als Synon. auch _Lenk_, ferner _Bauserich_

(eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, _Begerisch_ (eigtl. krank)

= Siechtum, _Biberisch_ (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost,

_Dercherich_ (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, _Grandich_ (groß) = Höhe,

Gewalt u. a. m.; über _Flu(h)tich_ = Nässe s. lit. b am Ende; über

_Stumpf_ = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) _Gebrauch von

Substantiven für Adjektive_: _schwächer_ (Rausch) u. _dambes_ (eigtl.

wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, _kohl_ (Lüge) = verlogen, _leile_

u. _ratte_ (Nacht) = dunkel, _schei(n)_ (Tag, Helle) = hell; vgl. auch

_flu(h)te_ = naß, während _Flu(h)tich_ für »Nässe« angeführt ist, wobei

aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten

(Schreibfehler?).]

Hier ist nun die Stelle, wo noch etwas näher auf den Einfluß hinzuweisen

ist, den — gerade bei dieser Art von umschreibenden Aushilfs- oder

Ersatzbegriffen — die _Zigeunersprache_ geübt hat. Wenn man z. B.

_Wittichs_ Glossar mit dem »deutsch-zigeunerischen Wörterbuch« bei

_Liebich_ (Die Zigeuner usw. S. 171 ff.) vergleicht, wird man erstaunt [63.17]

sein, dort die allermeisten dieser Sprachgebilde — nur eben in

_zigeunerischer_ Form — wiederzufinden. Sehr zahlreich sind zunächst

die Übereinstimmungen mit den — auch im Jenischen — durch

_Verbindungen_ von Substantiven und Eigenschaftswörtern umschriebenen

Begriffen, wie z. B.: _grandicher Kaffer_ (zig. bāro gādscho[41]),

d. h. »großer Mann« = Riese, _grandicher Sins_ (zig. bāro rai), d. h.

»großer Herr« = Amtmann, Richter u. dergl. m.[42], _grandich Babing_ od.

_Strohbutzer_ (zig. bāro pāpin), d. h. »große [od. größte] Gans« =

Schwan, _grandiche Schrende_ (zig. bāri tattin od. isma), d. h.

»große Stube« = Saal, _grandicher Kies_ (zig. bāro parr), d. h.

»großer Stein« = Felsen, _grandicher Funk_ (zig. bāro jāk), d. h.

»großes Feuer« = Feuersbrunst[43]; _oberkünftiger Giel_ (zig. pralduno

mui), d. h. »oberes Maul« = Gaumen, _unterkünftiger Tritt_ (zig.

telstuno pīro), d. h. »unterer Fuß« = Fußsohle, _näpfiger Schund_

(zig. danterpáskero tschikk), d. h. »beißender Dreck« = Kalk, _g'funktes

Gib_ (zig. chadschēdo gīb), d. h.: »gebranntes Getreide« = Malz,

_nobes dofer Glitschin_ (zig. tschi tschātschi glitin), d. h. »kein

guter [rechter] Schlüssel« = Dietrich und noch gar vieles andere, wofür

hier auf das W.-B. selbst verwiesen werden muß[44]. Ebenso steht es mit

derartigen jenischen _Zusammensetzungen_ im e. S. (d. h. der in _einem_

Wort geschriebenen Bildungen aus mehreren Substantiven u. dergl.), nur

daß die _Zigeuner_ auch hierbei regelmäßig die Form der lockereren

_Verbindung_ (u. zwar meist von Haupt- und Eigenschaftswörtern) kennen. [63.18]

Auch dafür nur einige Beispiele, die zugleich die charakteristische

Denkweise der braunen Söhne des Ostens besonders ins Licht rücken:

_Schwächerlemamere_ (zig. tschutschĭnéngeri dai), d. h. »Brustmutter«

= Amme, _Trittgriffling_ (zig. heréngĕro gus[ch]to), d. h.

»Fußfinger« = Zehe, _Stöberschmaler_ (zig. rukkéskri mádschka), d. h.

»Baumkatze« = Eichhörnchen, _Mufferhorboga_ (zig. nakkéskĕri

gurumni), d. h. »nasige Kuh« = Nashorn, _Leile-_ oder _Ratteflederling_

(zig. rattjakro tschirkŭlo), d. h. »Nachtvogel« = Eule,

_Begerflederling_ (zig. muléskĕro tschirkŭlo), d. h. »Totenvogel«

= Käuzchen, Steineule, _Schmuserfläderling_ (zig. rakkerpáskĕro

tschirkŭlo), d. h. »der sprechende Vogel« = Papagei[45],

_Koelegroenert_ (zig. bengeskĕri trab), d. h. »Teufelskraut« =

Unkraut, _Begerkittle_ (zig. mīleskĕro kēr), d. h.

»Totenhäuschen« = Sarg, _Bossertschei_ (zig. [auch], massĕlo diwes),

d. h. »Fleischtag« = Sonntag, _Bäzamaschei_ (zig. jāringĕro

diwes), d. h. »Eiertag« = Karfreitag, _Bäzemaweisling_ (zig. [u. a.

auch] jāringĕro gurko), d. h. »Eiersonntag« = Ostern usw.[46]

[Fußnote 39: ([1] auf S. 63.16) Vgl. auch noch _Lanenger_ (Soldat),

sowohl = Infanterist wie Kavallerist (»Husar«), _Begerisch_ = Siechtum

im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.]

[Fußnote 40: ([2] auf S. 63.16) S. daselbst auch über das — gleichfalls

eine Art Aushilfsfunktion versehende — von _Schure_ abgeleitete Zeitw.

_schurele_ (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner

über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. _pflanzen_.]

[Fußnote 41: ([1] auf S. 63.17) Die zigeunerischen Ausdrücke sind im

folgenden ausschließlich nach dem Werke von _R. Liebich_ über die

Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren

Wörterbüchern (vgl. unten S. 22) keines eine _deutsch-zigeunerische_

Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen,

ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute

noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.]

[Fußnote 42: ([2] auf S. 63.17) S. Näh. noch im W.-B. unter »Amtmann«.

Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im

_Wittichschen_ Jenisch, wonach über _grandicher_ (als Komparativ

aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) _grandich_ — als

Superlativ — steht, so daß z. B. _grandich Sins_ mehr als _grandicher

Sins_, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter

»Bischof«), ist der Zigeunersprache unbekannt.]

[Fußnote 43: ([3] auf S. 63.17) Noch weitere Verbindungen dieser Art mit

_grandich_ s. im W.-B. in der Anm. zu »Adler«.]

[Fußnote 44: ([4] auf S. 63.17) Außer Verbindungen von Haupt- und

Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von _mehreren

Hauptwörtern_, wie z. B. _Patris und Mamere_ (zigeun. o dad te i dai),

d. h. »Vater und Mutter« = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für

(im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. _Flu(h)te bostet mer herab_

(zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. »(das) Wasser läuft mir

herab« = ich schwitze.]

Man könnte nun geneigt sein, anzunehmen, daß _Wittich_, dem ja die

Zigeunersprache ganz geläufig ist, einfach die zigeunerischen

Umschreibungen ins »Jenische« übersetzt habe. Allein dem steht die

Tatsache entgegen, daß in vielen ähnlichen Fällen _keine wörtliche_

Übereinstimmung, vielmehr nur eine gewisse Analogie zwischen »Jenisch«

und »Zigeunerisch« besteht[47], ja in manchen sogar auch das nicht

einmal, sei es, daß die Zigeuner ihre Umschreibung einem anderen [63.19]

Vorstellungskreise entnommen haben als die jenischen Leute[48] oder

überhaupt für den betreffenden Begriff ein selbständiges kurzes Wort

besitzen, während das im Jenischen nicht der Fall ist[49]. So muß man

wohl vermuten, daß infolge des Verkehrs zwischen den Händlern,

Hausierern usw. und den Zigeunern aus der Anschauungsweise der letzteren

zwar ein sehr beträchtlicher Teil auch bei den ersteren eingedrungen

ist, während dagegen ein — immerhin noch ganz stattlicher — Rest des

Jenischen sich von diesem Einfluß frei gehalten hat.

[Fußnote 45: ([1] auf S. 63.18) Weitere Bezeichnungen dieser Art für

Vögel s. im W.-B. unter »Adler«. Auch dem oben (S. 16) erwähnten

_Spronkert-Flössling_ = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho,

d. h. »gesalzener Fisch«.]

[Fußnote 46: ([2] auf S. 63.18) Über den als _Wortspiel_ zu

betrachtenden Ausdruck _Sprauskritzler_ (zig. [u. a. auch] gaschtĕno

lil), d. h. »Holzbrief« = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum

W.-B. — Über den Einfluß des _Aberglaubens_, besonderer _Gebräuche_

usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter

»Bachstelze« und »Löwenzahn«.]

[Fußnote 47: ([3] auf S. 63.18) So heißt z. B. das Aas im Jensichen

_mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. »stinkendes Fleisch«), im Zigeun.

_mulo mass_ (d. h. »totes Fleisch«), der Pfau im Jenischen

_Dofefläderling_ (d. h. »schöner Vogel«), im Zigeun. (u. a. auch)

_gisĕwo tschirkŭlo_ (d. h. »stolzer Vogel«), die Wanze im

Jenischen _Mufkenem_ (d. h. »Stinklaus«), im Zigeun. _platti_ oder

_lōli tochīw_ (d. h. »platte oder rote Laus«), der Mond im

Jenischen _Leileschei_ (d. h. »Nachtlicht«), im Zigeun. _rattískĕro

kamm_ (d. h. »Nachtsonne«), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch)

_lenker_ oder _schofler_) _Kritzler_ (d. h. »schlechter [böser] Brief«),

im Zigeun. (u. a. auch) _gālo lil_ (d. h. »schwarzer Brief«) usw.]

Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die Einrichtung meiner

»Anmerkungen« zu _Wittichs_ »Deutsch-Jenischem Wörterbuch«. Was zunächst

deren Reihenfolge betrifft, so habe ich dabei grundsätzlich die Methode

beobachtet, daß jedesmal _dort_ zu einer jenischen Vokabel die

erforderlichen Erläuterungen gegeben wurden, wo diese _zum ersten Mal_

auftritt, sei es nun für sich _allein_ oder auch nur in einer

_Zusammensetzung_ mit anderen Wörtern, sodaß also z. B. unter

»Apfelbaum« = _Bommerlingstöber_ — als der ersten Zusammensetzung mit

_Stöber_ = Baum — auch alles, was über _Stöber_ zu bemerken, mitgeteilt

worden[50], während andererseits unter der Zus. »Baumkatze« =

_Stöberschmaler_ (und nicht erst unter »Katze«) die Vokabel _Schmaler_

behandelt worden ist. In ganz derselben Weise wurde auch mit den

Verbindungen verfahren. Gleich bei der ersten Vokabel des Wörterbuchs:

Aas = _mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. eigtl. »stinkendes Fleisch«) [63.20]

sind daher z. B. auch _mufig_ und sein Stammwort _muffen_ = riechen

(stinken) sowie _Bossert_ od. _Mass_ = Fleisch betrachtet und die

_weiteren_ Verbindungen und Zusammensetzungen damit aufgezählt

worden[51], wogegen an allen anderen Stellen, wo diese Vokabeln noch

wiederkehren, auf »Aas« zurückverwiesen worden ist. Es liegt auf der

Hand, daß hierdurch gerade zu Beginn des Glossars die Anmerkungen in

Zahl und Umfang reichlich anschwellen mußten, während sie dann

weiterhin geringer werden und gegen das Ende zu fast nur noch in

Zurückverweisungen bestehen.

[Fußnote 48: ([1] auf S. 63.19) So heißt z. B. im Jenischen der Adler

_grandicher Flederling_ (d. h. »großer Vogel« [vgl. oben S. 16]), im

Zigeun. dagegen _dui menakro tchírkŭlo_ (d. h. »der doppelhalsige

Vogel«, und zwar nach _Liebich_, S. 146 wahrscheinlich deshalb, »weil

dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen

Wappenschilde begegnet ist«), weiter die Tanne im Jen. _Jahre-_ oder

_Kracherstöber_ (d. h. »Waldbaum«), im Zigeun. dagegen _mellĕlo ruk_

(d. h. »schwarzer Baum«), der Diamant im Jen. _dofer Kies_ (d. h.

»schöner Stein«), im Zigeun. _dikkapáskĕro parr_ (d. h.

»durchsichtiger Stein«), der Backstein im Jen. _Kittleskies_ (d. h.

»Hausstein«), im Zigeun. _chadschēdo_ od. _lōlo parr_ (d. h.

»gebrannter« od. »roter Stein«), der Bleistift im Jen. _Feberschure_ (d.

h. »Schreibding«), Im Zigeun. _geschtĕno pōr_ (d. h. »hölzerne

Feder«) usw.]

[Fußnote 49: ([2] auf S. 63.19) Vgl. z. B. _grandich Sins_ (eigtl.

»größter Herr«) = König (s. oben S. 17, Anm. 42), zig. (meist) _kralo_,

_grandiche Gachne_ (eigtl. »große Henne«) = Hahn, zig. _paschno_(-lo)

od. _pussin_, _Schofeleiflederling_ (eigtl. »Unglücksvogel«) = Rabe,

zig. _korāko_, _grandich Flu(h)te_ (eigtl. »großes [od. größtes]

Wasser«) = Meer, zig. _sēro_, _grandiche Kitt_ (eigtl. »großes Haus«)

= Hof, zig. _medrīa_, _dofe Kitt_ (eigtl. »schönes Haus«) = Schloß,

zig. _filĕzzin_, _dofer Schmunk_ (eigtl. »gutes Fett«) = Butter, zig.

_kīl_ u. a. m.]

[Fußnote 50: ([3] auf S. 63.19) Über _Bommerling_ konnte dagegen das

Erforderliche schon unter »Apfel« angegeben werden, da ja das _einfache_

Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.]

In den Anmerkungen habe ich außer der Übersicht über den jenischen

Wortbestand (Stammwort und Ableitungen davon[52], Zusammensetzungen,

Verbindungen und Redensarten damit) auch die etwa nachweisbaren _Belege_

in den _stammverwandten_ (rotwelschen oder sonstigen geheimsprachlichen)

_Quellen_ zusammengestellt. Dabei mußte indessen grundsätzlich eine

gewisse Beschränkung — nämlich auf das schwäbische (bzw. badische)

Sprachgebiet — platzgreifen. Es wurden demnach regelmäßig auf etwa

vorhandene Parallelen hin geprüft: a) _für das ältere Rotwelsch_: der

sog. »_Dolmetscher der Gaunersprache_« (nach einer im Reg.-Archiv zu

Sigmaringen befindlichen Handschrift aus dem 18. Jahrh. von Prof. _H.

Fischer_ in Tübingen abgedruckt in den »Mitteilungen des Vereins für

Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern«, Jahrg. 38 [1904/5], S.

89 ff.), zitiert: _Dolm. der Gaunerspr._;

das _Wörterbuch des Konstanzer Hans_, 1791 (vgl. näh. Titel u. Abdr. bei

_Kluge_, Rotw. I, S. 232 ff.), zitiert: _W.-B. des Konst. Hans_;

die rotwelschen Vokabeln in _Schölls_ »Abriß des Jauner- und

Bettelwesens in Schwaben«, 1793 (nach _Kluge_, a. a. O., S. 268 ff.),

zitiert: _Schöll_;

das _Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch_ von 1820 (s. Titel u. Abdr. bei

_Kluge_, S. 336 ff.), zitiert: _Pfulld. J.-W.-B._;

[Fußnote 51: ([1] auf S. 63.20) Und zwar sind diese Aufzählungen der

Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in

der Form »Deutsch-Jenisch« — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge

der _deutschen_ Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.]

[Fußnote 52: ([2] auf S. 63.20) Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor

dem Stammworte findet, ist das letztere _dort_ mitbehandelt worden, so

z. B. _Schure_ unter »abbiegen« (= _abschurele_) u. nicht erst unter

»Achsel«, wo _Schure_ zum ersten Mal selbständig auftritt, _Funk_ =

Feuer unter »abbrennen« (_abfunken_), _Ruadel_ = Wagen unter »abfahren«

(_abruadlen_), das Zeitw. _muffen_ = riechen, wie schon im Text bemerkt

worden, unter »Aas« (= _mufiger Bossert_ od. _Mass_) usw.]

b) für die _Gauner-_ und _Kundensprache der Gegenwart_: [63.21]

F. X. _Mayer_, »Jenisch in der Verbrecherwelt«, in den »Württemb.

Vierteljahrsheften für Landesgeschichte«, N. F. Bd. XVI (1907), S. 66

ff., zitiert: _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._;

c) für die _schwäbischen Händlersprachen_:

die Sammlung von _Kluge_ in s. Rotw. I, S. 479 ff., zitiert: _Schwäb.

Händlerspr._; dazu die Ergänzungen von:

W. _Zündel_, »Jenisch in Pfedelbach«, in den »Württ. V.-J. H. f.

Landesgesch.«, N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff.[53], zitiert nur durch

den Zus.: »_Pfedelbach_« nebst Seitenzahl zu »Schwäb. Händlerspr.«;

Rud. _Kapff_, »Nachträge zu _Kluge_, Rotwelsch I«, in der »Zeitschr. für

deutsche Wortforschung«, Bd. X (1908/9), S. 212 ff. Sofern sich diese

Nachträge auf die _schwäb. Händlerspr._ beziehen, sind sie nur nach den

Namen der betr. Ortschaften (_Unterdeufstetten_, _Lützenhardt_ u.

_Deggingen_) abgek. zitiert: _U., Lütz. u. Degg._ nebst Seitenzahl zu

»Schwäb. Händlerspr.«.

Berücksichtigt wurden auch noch das (der schwäb. Händlerspr. sehr

ähnliche) sog. _Pleißlen der Killertaler_ in Hohenzollern (nach _Kluge_,

a. a. O., S. 434 ff. vbd. mit R. _Kapff_, a. a. O., S. 212/13), ferner

die (ebenfalls manche Übereinstimmungen usw. enthaltende) _Pfälzer

Händlersprache_ (bei _Kluge_, S. 437 ff.), das (_dieser_ wieder

verwandte) Jenisch der Handelsleute aus der Gegend von _Metz_ nach

_Kapff_, S. 216/17 (zit.: Metzer Jenisch) und ausnahmsweise auch noch

sonstige Krämersprachen sowie anderen Gegenden angehörige Sammlungen der

Gaunersprache (wie z. B. die stets reichen Aufschluß bietende v.

_Grolmans_).

Für die _Etymologien_ der jenischen Vokabeln endlich konnte ich meistens

auf die Ausführungen in meinen, in dieser Zeitschr. (Bd. 33 und Bd.

38-56) veröffentlichten »Beiträgen zum Rotwelsch und den ihm verwandten

Geheimsprachen« (I, II) verweisen (zitiert einfach: _Groß'_ Archiv [mit

Band- und Seitenzahl]), während manches andere in meinen Erläuterungen

zu der oben S. 6, Anm. 12 angeführten Abhandlung von H. _Weber_ (zitiert

einfach: _Weber-Günther_) enthalten ist. Eine reiche Fundgrube

etymologischer Notizen über die Gauner-, Kunden- und Händlersprache in

Schwaben bildet sodann H. _Fischers_ »Schwäbisches Wörterbuch« (z. Zt. 4

Bände, Tübingen, 1901-1911). Da dieses groß angelegte Werk jedoch noch [63.22]

nicht ganz abgeschlossen ist, wurde für das Fehlende auch das ältere

Schwäbische Wörterbuch von Joh. Christ. v. _Schmid_ (2. Aufl., Stuttg.

1844) herangezogen. Mancherlei etymologische Aufschlüsse verdanke ich

endlich wiederum der stets freundlichst gewährten Beihilfe von Dr. A.

_Landau_ (Wien). — Für die Zigeunersprache habe ich (außer den schon

erwähnten Vokabularen von _Liebich_ und _Jühling_(_-Wittich_) sowie den

bekannten Werken von _Pott_ und _Miklosich_ [vgl. _Groß'_ Archiv, Bd.

33, S. 225, 231 und Bd. 38, S. 252, Anm. 1]) noch benutzt: Franz

Nikolaus _Finck_, Lehrbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner, Marburg

1903 (zitiert: _Finck_). Für die Zitierungsart der sonstigen Literatur

sei hier auf die Übersicht in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 222-232 (nebst

den Ergänzungen in Bd. 38 ff.) verwiesen. H. _Groß_, Handbuch für

Untersuchungsrichter wurde überall nach der neuesten (6.) Aufl.

(München, Berlin und Leipzig 1914) angeführt.

[Fußnote 53: ([1] auf S. 63.21) Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige

Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in _Eningen_ (einem von

_Kluge_, Rotw. I, S. 479 ff. _nicht_ berücksichtigten Orte) vorkommen.

Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden

(zitiert: _Eningen_ [S. 206, Anm. 1]).]

II. Einleitung.

(»_Allgemeine Bemerkungen über die jenische Sprache_«).

Von _Engelbert Wittich_.

Die vorliegende Arbeit will und kann in keiner Weise auf Sprachforschung

— soweit man davon überhaupt bei der jenischen Sprache reden kann —

Anspruch erheben, sie soll nur einen bescheidenen Beitrag liefern zur

Sprachbereicherung, sozusagen zur Erschließung und Vervollständigung des

Sprachschatzes, zur Belehrung für jeden Interessenten. Vielleicht kann

sie auch in der Praxis der Kriminal- und Polizeibehörden verwendet

werden und ihnen einige Dienste leisten.

Ob die jenische Sprache eine direkte Gaunersprache ist, d. h. eine zu

polizeiwidrigen Zwecken erfundene Sprache[54], kann der Verfasser nicht

sagen oder beurteilen, denn dazu fehlen ihm alle notwendigen tieferen

Kenntnisse[55].

Der Verfasser hat die Sprache unter den »fahrenden Leuten« kennen

gelernt, welche mit ihren kleinen zwei- und vierrädrigen, mit Segeltuch [63.23]

bedeckten Karren, die gewöhnlich Mann und Frau, Kind und Kegel

beherbergen, im Lande umherziehen. Diese Leute, die teils aus dem

Württembergischen, teils aus Bayern und Baden, aber auch aus dem Elsaß

stammen und in Bayern »Krattler«[56], sonst überall »Jenische« genannt

werden (daher auch die Bezeichnung »jenische Sprache«[57]), setzen sich

ihrem Berufe nach aus Bürstenbindern, Schirmhändlern, Sieb- und

Korbmachern, Kesselflickern (»Keßlern«), Scherenschleifern u. dergl.

zusammen.

[Fußnote 54: ([1] auf S. 63.22) Zu dieser Definition des Begriffs

»Gaunersprache« durch _Wittich_ vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 2 und Anm.

1 vbd. mit H. _Groß_, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447

u. Anm. 2.]

[Fußnote 55: ([2] auf S. 63.22) Etwas weiter unten hat der Verf. aber

doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl.

dazu Anm. 58 auf S. 23.]

Früher wurde das Hausiergewerbe vielfach zum verschleierten Bettel

benutzt. Ein charakteristisches und wahrheitsgetreues Bild aus der

Vergangenheit dieser Leute gibt unter den »Sprachproben« die Skizze

»Dächlespflanzerulme« (Nr. 25; vgl. auch die »Schnadahüpfel« am Schluß

der Arbeit). Um aber meinem Gerechtigkeitssinne Genüge zu tun und zur

Ehre dieser modernen Nomaden, denen die stete Wanderschaft zwar Licht

und Luft in reichem Maße, aber auch ein kärgliches und unruhiges Dasein

bietet, sei es gesagt, daß der Bettel bei ihnen _heutigen_ Tages nur

noch in geringem Umfange oder gar nicht mehr vorkommt, daß sie also im

wesentlichen nur ihrem gesetzlich geregelten Wandergewerbe nachgehen.

Auch haben es sich die Heutigen bequemer gemacht als es vor Zeiten ihre

Väter hatten; sie haben die kleinen Schnappkarren, die sie selbst ziehen

mußten, abgeschafft und sich dafür größere, mit einer Plane überspannte

oder ganz aus Holz hergestellte Wagen (ähnlich denen der Zigeuner)

zugelegt samt einem Rößlein davor. Übrigens gehen diese Gewerbe

bedeutend zurück, und die fahrenden Leute verschwinden daher mehr und

mehr von der Landstraße; am häufigsten sind sie noch in den Reichslanden

und in Bayern anzutreffen.

Meiner, allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach ist die jenische Sprache

ein gemachtes und ersonnenes Kauderwelsch, dem jedoch kein unerlaubter,

geheimer Zweck des jenischen Volkes zugrunde liegt, sondern lediglich

das Bestreben, sich vor Uneingeweihten abzuschließen und ihren Jargon

als harmlose Handelssprache zu benutzen[58], ähnlich wie es auch die

Handelsjuden tun, welche die jenische Sprache ebenfalls verstehen und

sprechen.

[Fußnote 56: ([1] auf S. 63.23) S. dazu Näh. im Vokabular unter

»fahrende Leute«.]

[Fußnote 57: ([2] auf S. 63.23) Diese Behauptung dürfte dahin zu

berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff »jenische _Sprache_« der

geschichtlich _früher_ auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in

meiner »Vorbemerkung«, S. 4 und Anm. 6.]

[Fußnote 58: ([3] auf S. 63.23) In der Fassung dieses Satzes hat sich

der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die _Liebich_, Die

Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder

Berufssprachen zur _Gaunersprache_ gegeben hat.]

Beinahe selbstverständlich erscheint es, daß sich die jenische Sprache [63.24]

auch durch zigeunerische Wörter bereichert hat, während umgekehrt die

Zigeunersprache — die ja eine richtige grammatikalische Sprache und als

solche mit der jenischen nicht zu vergleichen ist — aus dieser keine

Anleihen gemacht hat. Zwar versteht der Zigeuner fast ohne Ausnahme die

jenische Sprache, aber er verschmäht es, das defekte Gefieder der

seinigen mit jenischen Federn zu ergänzen und auszuflicken, denn zieren

würde er sie dadurch nicht, sondern nur herabwürdigen und schänden[59].

Im Laufe der Zeit haben sich manche Wörter der jenischen Sprache

verändert, sind z. B. abgekürzt worden usw., ja es scheint, daß sich

auch das zur Zeit noch gebräuchliche Wortmaterial in fortwährender

Umgestaltung und die jenische Sprache überhaupt im großen ganzen heute

im Rückgange befindet. Die schon veralteten Ausdrücke sowie die Vokabeln

zigeunerischen Ursprungs — von denen oben kurz die Rede war — sind vor

dem eigentlichen deutsch-jenischen Lexikon noch besonders

zusammengestellt worden (s. N. II u. III). Auffallend ist es, daß im

Jenischen sehr häufig besondere Ausdrücke für die meisten Tier- und

Pflanzengattungen, für Baum- und Straucharten, die doch jeden Tag

gesehen werden, fehlen[60], und daß zur Bezeichnung derselben — sowie

überhaupt aller Gegenstände (oder auch Tätigkeiten), wofür kein

spezieller Name vorhanden ist — die Wörter _Schure_ oder _Sore_ (bei

Tätigkeiten das [davon abgeleitete] Zeitw. _schurele_ [oder auch

_pflanzen_]) herhalten müssen, auf welche in dieser Beziehung fast

Unglaubliches abgeladen wird. _Schure_ oder _Sore_ bedeutet aber

zunächst nur eine (die) Sache oder ein (das) Ding ohne irgendwelche

genauere Angabe, so daß der richtige Sinn des Wortes lediglich erst aus

dem jeweiligen Zusammenhang der Rede zu entnehmen ist. Ein überaus

häufig gebrauchtes Wort der jenischen Sprache ist auch _grandich_.

Endlich möchte ich noch hervorheben, daß ich mich beim Aufschreiben

dieser Sprache sowohl an das schwäbische Idiom hielt als _auch_ an mein [63.25]

Gehör. Daher kommt es, daß ich bald _l¶i¶nzen_, _Rädl¶i¶ng_,

_Scheinl¶i¶ng_, bald _l¶e¶nzen_, _Rädl¶e¶ng_, _Scheinl¶e¶ng_ geschrieben

habe u. a. m. Nur nebenbei sei bemerkt, daß ich die jenische Sprache

gewissenhaft und nach genauer Prüfung eines jeden Wortes aufgeschrieben

habe und nicht — aus Büchern! Leicht war es für mich, die Wörter dieser

Sprache zu sammeln, aber schwer, sie zu ordnen und zu erklären, was ja

selbst dem Fachmann Schwierigkeiten bereiten dürfte. Der Verfasser

bittet daher, etwaige Mißverständnisse, Schreibfehler usw., die sich

eingeschlichen haben sollten, zu entschuldigen.

Die jenische Sprache · 第 2 / 36 段