Als Kommandant Tonidandel von der Grenzerkompagnie S. auf
Regimentsbefehl (unterzeichnet: „K.“) die Untersuchung gegen den
Dorfpopen Vid wegen ungenügender Führung der Pfarrmatrikel durchgeführt
und dieses sonderbaren „Pfarrers“ Ernennungsdekret mitgenommen hatte,
verlebte der Pope Vid begreiflicherweise schwere Tage bitterster Angst
in Erwartung der Strafe und der Absetzung. Denn soviel Verstand besaß
Jaša Vid noch von seiner Tätigkeit als Rosselenker her, daß er selbst
die Belassung auf seinem Posten für unmöglich hielt, nachdem in seine
Führung der Pfarrgeschäfte von militärischer Seite „hineingeleuchtet“
worden war. An der Entlassung von kurzer Hand zweifelte Vid keinen
Augenblick; sie konnte nur noch die Frage weniger Wochen sein und hing
zeitlich davon ab, wann der Kompagniekommandant den Rapport schreiben,
das amtliche Schriftstück beim Regimentskommando in Karlstadt eintreffen
und Oberst K. dazu kommen werde, das Aktenstück zu erledigen.
Den ersten Tag nach Tonidandels Abzug verlebte der Pope in völliger
Verzweiflung. Der zweite Tag verging in dumpfem Hinbrüten. Am dritten
Tage dämmerte im „pfarrlichen“ Kutschergehirn der Gedanke auf, daß das
bittere Unheil vielleicht abgewendet werden könnte, wenn „man“ den
allmächtigen Regimentskommandanten bei besonders guter Laune antreffen,
ihm ein besonders schönes Pferd „vorführen“ und kniefällig um Belassung
auf dem Posten trotz mangelhafter Registerführung und früherer
Kutschertätigkeit bitten würde.
Mit einer gewissen Findigkeit, die der Logik nicht entbehrte, kam Vid zu
der Folgerung, daß der Regimentsgewaltige ihn nicht zu hart bestrafen
könne, nachdem doch der Oberst in eigener Person den Kutscher zum —
Pfarrer ernannt hatte. Schuld des Popen konnte es nicht sein, falls etwa
der Archimandrit dem Regimentskommandanten verschwiegen haben sollte,
daß Vid früher des Archimandriten Rosselenker gewesen. Wußte dies aber
der Oberst, hatte er trotzdem die Ernennung vollzogen, so durfte er, nun
durch die „Stocherei“ des Kontrolloffiziers der Tatbestand „aktenmäßig“
geworden, nicht so grausam sein, den Popen, sein Protektionskind,
davonzujagen.
Am vierten Tage beschäftigte sich Vid mit dem Verhalten des Hauptmannes
gegenüber dem ins Ohr geflüsterten Geheimnis. Der Pope fragte sich,
warum der Offizier sich krümmte und so schrecklich lachte, daß ihm das
Wasser aus den Augen schoß? Die „Beförderung“ des Kutschers zum Popen
mochte in fremden Augen ungewöhnlich erscheinen; Vid erblickte in ihr
nichts anderes als die Tilgung einer Dankesschuld. Verjagt der Oberst
den Popen vom Pfarrposten, so wird der Archimandrit entweder für eine
andere Stelle sorgen oder den rückständigen Kutschersold bezahlen
müssen....
Weshalb aber lachte der Offizier so unbändig? Ist er vielleicht ein
Feind des Regimentskommandanten? Will er ihm mit der Aufdeckung des
Geheimnisses, daß Vid früher — Kutscher gewesen, einen besonderen
Streich spielen? Darüber Näheres und Sicheres zu erfahren, bestand keine
Möglichkeit. Doch eines erriet Vid gefühlsgemäß: eine Hauptrolle werde
und müsse seine Tätigkeit als — Rosselenker spielen. Dieses „Gefühl“
lenkte auf den Gedanken, die Gunst des Regimentskommandanten neuerdings,
und zwar durch — Pferde zu gewinnen. Der arme schlechtbezahlte Dorfpope
besaß jedoch keine Pferde, konnte solche nicht kaufen. Ein schönes
wertvolles Roß schon gar nicht. Und ein — Pope konnte ein Prachtroß auch
nicht — „verschaffen“. Nur darüber — reden könnte er mit einem Besitzer
oder mit einem Sachverständigen in der Pferdebeurteilung.
Eigentümer schöner Pferde gab es im Dorfe nicht, wohl aber im nächsten
größeren Orte. Sachverständige im Heimatsdorfe genug. Gleich der nächste
Nachbar des Pfarrhauses, der Mirko, stand im Rufe eines Pferdekenners,
der freilich viel schwätzte; doch erzählte die Fama von ihm, daß er —
nachts auf geheimnisvollen Gängen sehr schweigsam, stumm wie das Grab,
sei.
Nicht über die beunruhigende Sache betreffend die drohende Absetzung,
nur über — Pferde wollte der Pope mit Mirko sprechen. Bei nächster
Gelegenheit fragte also Vid, wie doch eigentlich die kavalleristische
Episode im „Provinzial“ bei der Landwehr gewesen sei.
Augenblicklich und sichtlich gern schnappte Mirko darauf ein und
erzählte, daß eine berittene Abteilung des Befehls zur Beendigung der
Übung und Versorgung der Pferde harrte. Der Kommandant rief den
Landwehrreitern den Befehl zu: „S konja dol!“ (Wörtlich: Vom Pferde zu
Tal; herunter, also absitzen!) Einer der Reiter jedoch, der im
Sprachgebrauch feinfühliger als der bürgerliche Kommandant und deshalb
sprachempfindlich war, fragte mit schallender Stimme: „Kai pa mi, koji
smo na _kobili_?“ (Wörtlich: Was aber wir, welche wir sind auf — Stuten?
Übersetzt: Was aber sollen wir machen, die wir auf — _Stuten_ sitzen?)
Obwohl Vid den Scherz dieser drolligen Wortklauberei kannte, lachte er
doch herzhaft und ließ sich die Pointe von Mirko erklären! Im
Kroatischen heißt koni soviel wie männliches Pferd. Der Kommandant hatte
also befohlen. „Vom _männlichen_ Pferd herunter!“ Deshalb fragte jener
Reiter, was die Leute machen sollten, die auf kobili, nämlich auf
_weiblichen_ Pferden, saßen.
Kutscherhaft bebrüllte Vid diesen Scherz und Spott auf zivile
Soldatenspielerei im „Provinzial“. Und diese freundliche Aufnahme des
Scherzes machte den Nachbar zugänglich für das — Weitere. Der Pope
teilte vertraulich mit, daß er beim Regimentskommandanten in Karlstadt
eine — Gehaltsaufbesserung anstrebe, gute Aussicht hätte, solange der
Oberst K. Regimentschef sei, weil dieser hohe Herr den untertänigen
Diener Vid zum Popen ernannt habe; aber eine große Schwierigkeit sei
einstweilen vorhanden: es fehle dem armen schlechtbezahlten Popen an
einem Gegenstand zur — „Verehrung“.
Mirko begriff sofort und fragte, „mit was“ der Pope — „schmieren“
möchte.
„Mit einem schönen, einem Regimentsobersten würdigen Roß!“
Augenzwinkernd fragte Mirko, ob Stute oder Wallach.
Vid „himmelte“ und versicherte, daß er weder das eine noch das andere
bezahlen könne, auf — „leihweise“ Überlassung angewiesen sein würde, den
Zeitpunkt der „Rückgabe“ des betreffenden Pferdes nicht genau angeben
könne, weil der kluge Mittelsmann noch nicht gefunden sei, der zu
„passender Zeit“ das „gewidmete“ Pferd wieder bei guter Gelegenheit von
Karlstadt „zurückhole“.
Auch diese dunklen Worte verstand der freundliche Nachbar sofort. Und
alsbald entwickelte Mirko einen seinen Plan, wonach in der Nacht zum
nächsten Feiertage aus dem größeren Nachbarorte zwei schöne Pferde
behufs Auswahl „leihweise“ geholt werden sollen. Diese Aufgabe wolle
Mirko aus Freundschaft übernehmen. Sache des Popen aber werde es sein
müssen, für die sichere Unterbringung der „entlehnten“ Pferde zu sorgen,
falls sich die — Gendarmen für den — Aufenthaltsort dieser Pferde am
Feiertage interessieren werden. Finden dürfen die Gendarmen diese Pferde
nicht, weil sie oder das ausgewählte Roß sonst dem Regimentskommandanten
nicht „verehrt“ werden könnten. Für die spätere „Heimholung“ des
„Schmier“pferdes müsse der Pope einen Vertrauensmann in Karlstadt
ausfindig machen; Mirko könne diese Aufgabe mangels genauer Ortskenntnis
am Sitze des Regimentskommandos nicht übernehmen.
Der Plan gefiel dem Popen sehr gut.
Aber die Zustimmung freute sich Mirko. Doch machte er als vorsichtiger
Mann von Erfahrung auf nächtlichen Gängen auf die Gefahr des —
Schneefalles aufmerksam. Spurschnee werde haargenau den Aufenthalt der
Pferde verraten, sowohl den Gendarmen als auch neugierigen Dörflern. Im
Augenblinzeln Mirkos lag die Frage, ob der Pope ein Mittel zur
Spurenverwischung wisse.
Einstweilen wußte Vid nichts, doch das Sprüchlein sagte er salbungsvoll
auf. „Hat der Mann ein Amt, bekommt er auch den — Verstand dazu!“
Mirko betonte nochmals, daß die „Leih“pferde in der Nacht bzw. gegen
Morgen des nächsten Feiertages in Dorfnähe gebracht werden, und daß der
Pope alsbald für sichere Unterbringung der Pferde wie für Vernichtung
ihrer Spuren im Schnee aufkommen müsse.
Im Pfarrhause wurde das Übereinkommen mit Slibowitz begossen, mit
Handschlag bekräftigt. —
In der Lika trat Schneefall ein. Weit mehr Geflock, als dem Popen lieb
war. Je näher der Feiertag heranrückte, desto mehr Bangen fühlte der
Pope in der Kutscherbrust. Das Spiel war doch arg gewagt. Wurde es
infolge eines Zufalls verloren, der „Krach“ in Karlstadt würde
entsetzlich werden, die Entlassung aus dem Pfarrdienst im Vergleich zur
Explosion im Regimentskommando ein harmloses Kinderspiel sein.... Doch
rückgängig machen konnte Vid die so pfiffig begonnene Sache nicht mehr.
Wollte er eigentlich auch nicht. Er wünschte Pope zu bleiben; wenn
möglich allerdings auf einer — besseren Pfarre.
Während der Nacht zum orthodoxen Feiertage blieb Vid in den Kleidern;
verschmähte jede Ruhe, lauerte auf jedes Geräusch. Um Mitternacht endete
der Schneefall; Sterne erschienen am Firmament und flimmerten. Der
Warmwind blies von der Adria herein.
Noch um drei Uhr morgens hatte Vid keine Ahnung davon, wo er die —
Pferde sicher vor Gendarmenaugen unterbringen könnte. Unmöglich in der
Scheune des Pfarrhauses wegen Platzmangels. Ebenso unmöglich bei Mirko,
der nicht in Verdacht gebracht werden durfte. Es war Aufopferung genug,
daß der Nachbar die Pferde „holte“....
Auch die Zeitfrage beschäftigte den Popen noch gegen Morgen. Wird es
wahrscheinlich sein, daß noch in der Nacht die — Gendarmen den Abgang
der Pferde merken, den „Entführer“ sofort verfolgen werden?
Vid verneinte diese Frage. Ohne vorausgegangene Meldung werden die
Gendarmen sich nicht auf die Socken machen. Erfolgt die Anzeige am
frühen Morgen, brechen die Organe der öffentlichen Sicherheit sogleich
zur Verfolgung der Spuren im Neuschnee auf, so können die Panduren im
Dorfe ankommen etwa um die Zeit, da der Pope die Bauern aus der Kirche
entlassen wird.
Ein Gedanke schoß dem „Pfarrer“ durch den Schädel. Eine gute Idee, die
vollen Erfolg gewährleisten könnte, wenn Mirko mit den Pferden
rechtzeitig eintreffen würde. Aber Mirko kam nicht. Auch keine Meldung,
ob das Unternehmen begonnen wurde.
Nichts, gar nichts.
Die Zeit rückte vor. Schon riefen die Glocken. Die Gläubigen wanderten
zur Kirche.
Der Pope mußte sich beeilen. Während des Ganges zur Kirche brannte in
seiner Kutscherseele der heiße Wunsch, daß das Unternehmen gar nicht
begonnen worden sein möge. Denn jetzt würde alles zu spät und verloren
sein....
In der Kirche war das Volk andächtig, der Pope zerstreut, nicht bei der
Sache. Vids Gedanken beschäftigten sich mit — Pferden; er glaubte
plötzlich Hufgeklapper vernommen zu haben. Horchte auf, gelangte zur
Überzeugung, sich nicht getäuscht zu haben und verkündete der Gemeinde,
daß zur besonderen Festesfreude nun um die Kirche ein — „Kolo“, ein
Rundreigen, unter seiner Führung stattfinden werde.
Kolo, das Nationalvergnügen der Südslaven, ein immer willkommener Reigen
für jung und alt, wobei Männer wie Frauen erstaunlich viel Anmut in den
Körperbewegungen zu entfalten wissen.
Es verschlug nichts, daß jede Art von Begleitmusik fehlte, der Kolo — im
Schnee stattfinden mußte.
Der Pope führte die vielköpfige Schar der Kirchgänger Hand in Hand im
langgedehnten Zuge erst um die Kirche und dann in weitgestrecktem Bogen
auf einen freien Platz über die Landstraße. Wohl über vierhundert Füße
zertraten den Schnee, vernichteten alle Spuren....
Vid's scharfe Augen gewahrten zwei Gendarmen in Dienstausrüstung. Die
Wächter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit betrachteten langsam
schreitend gewisse Eindrücke im Schnee, gingen auf das Dorf zu.
Ein Nationallied anstimmend, führte Vid seine Schar zurück zur Kirche,
um die nun singend der Kolo langsam, würdevoll und anmutig getanzt, d.
h. ruhig Hand in Hand geschritten wurde.
Den Gendarmen war die Erfüllung ihrer Dienstpflicht unmöglich gemacht;
die verfolgten Eindrücke im Spurschnee waren völlig zertreten von den
Kolotänzern. Für den Reigen selbst hatten die Panduren nicht das
geringste Interesse. Sie wanderten an der Kirche vorüber, schritten
aufmerksam guckend durch das Dorf und kehrten unverrichteter Dinge
zurück in den größeren Ort.
Inzwischen hatte ein Schneesturm eingesetzt, der in wenigen Minuten die
ganze Gegend verwehte, den heimkehrenden Gendarmen den Marsch
erschwerte, den Kolotänzern das Feiertagsvergnügen nahm. Schreiend
flüchtete alles in die Häuser und Hütten.
Schneesturm in der Lika. Der tosende Wind aus Südwest, nicht schneidend
kalt, eher warm, dennoch durchschauernd, trieb den Schnee in schweren
Schwaden vor sich her, suchte den Häusern und Hütten die Dächer
wegzureißen und warf dann Schneemengen darauf, die alles zudeckten.
Schrilles Saufen in der oberen Luftregion, herunter dumpfes Surren in
den Dolinen, gurgelndes Heulen an Hängen und Flächen. Tolles Gewirbel
auf der Landstraße, die teils haushoch verweht wurde, auf kurze Striche
wie glattrasiert aussah, je nachdem der Sturm sie angreifen, der
Bodenwind kesseln und wegfegen konnte, was der Orkan an Schneemassen
hingeworfen hatte.
Wie ausgestorben die Gegend, kein Lebewesen außer Hausen ein verdorbener
Feiertag für den Gostioničar, den Wirt, dem die Gäste fehlten.
Nur der Pope hatte einen Gast im Hause, den pfiffigen Mirko, der sich
krumm lachte über den von Vid so schlau und prächtig veranstalteten
Kolo, wodurch den Gendarmen die Pflichterfüllung vereitelt, die Pferde
gerettet wurden. Daß die „entlehnten“ Rosse nicht länger in der —
Sakristei verbleiben konnten, sah Mirko völlig ein. Aber mit der
Angelegenheit wollte er weiter nichts mehr zu tun haben. Bisher war
alles Gefälligkeitssache aus nachbarlicher Freundschaft zum Popen; nun
aber Schluß. Kein Schritt weiter, kein Fingen rühren.
Vid hingegen sprach seine Meinung dahin aus, daß bei solchem Schneesturm
das Verbringen auch nur eines Pferdes nach Karlstadt wenn nicht
unmöglich, so lebensgefährlich sein würde.
Mirko hob die Schultern und schluckte Slibowitz dazu. Und mählich wurde
er — anzüglich; er stichelte, daß das Wetter gar nicht besser sein
könnte für einen „ungesehenen“ Pferdetransport, wenn der — kočijaš
(Kutscher) „tüchtig“ sei. Es klang wie Hohn, als Mirko herausquetschte:
„Danas je vrlo liepo vrieme, samo je jako snieg!“ (Heute ist sehr
schönes Wetter, nur ist starker — Schnee!) Und nach einem neuen
kräftigen Schluck Pflaumenschnapfes fügte er bei: „_Danas_ su naši oni
konji!“ (_Heute_ sind unser jene Pferde!)
Zum Abend war die Lage geklärt. Mirko verweigerte bis auf die
Pferdefütterung jede weitere Hilfe; die „Leih“rosse mußte Vid in eigener
Person entweder nach Karlstadt oder in ihre — Heimat bringen. Noch in
dieser Nacht trotz des schweren Schneesturmes.
Mirko leistete den letzten Gefälligkeitsdienst und fütterte die Pferde
in der Sakristei. Das „Wassern“ (Tränken) besorgte der Pope. Dann
verschwand der Nachbar.
Ein letztes Sinnen und Überlegen seitens des „Pfarrers“. Diesmal in der
Richtung nach der vom Regimentskommando auf — Pferdediebstahl verhängten
Strafe. Vid verspürte einen sehr starken Kitzel am — Hals. Und dieses
Gefühl verstärkte sich, als der Pope zu Pferde saß.
Im Freien, vom Schneesturm umtost, von nachtschwarzer Finsternis
umhüllt, drängten die „Leih“rosse der Richtung zu, die in ihre Heimat
führte. Der Versuch Vids, die Gäule mit Schenkeldruck auf die Straße
nach Karlstadt zu bringen, mißlang vollständig.
Als die Pferde ihrer Heimat zuliefen, spürte Vid deutlich, daß das
fatale Gefühl an seinem Halse nachließ. Doch der Gedanke an die noch
immer drohenden einhundert Stockprügel für den Fall des Erwischtwerdens
auf der Heimbringung der „entlehnten“ Gäule verursachte ein gewisses
Brennen am — Gesäß.
Auch in der Seele brannte etwas plötzlich sehr heftig, die Frage, wem
wohl die „entlehnten“ Pferde gehören?
Vid hatte davon keine Ahnung.
Aber die Rosse werden und müssen ihren Stall kennen; sie werden ihn auch
ohne jede Begleitung finden. So dachte Vid. Und er rutschte vom Gaul
herunter.
Wie zum Dank gingen die Pferde im Galopp weg, der ersehnten Heimat zu
durch Nacht und Schneesturm.
Hart und mühsam war der Heimmarsch für den Popen. Dennoch sozusagen
schön. Von bitterer Angst befreit die Seele, wie weggefegt das bängliche
Gefühl am Halse, das ahnungsvolle Brennen am Gesäß. Und erquickend das
Bewußtsein, daß die Mitwisserschaft Mirkos nicht gefährlich werden kann,
weil die von ihm, nicht vom Popen, gestohlenen Pferde nicht behalten
wurden.
Mit „reinem Gewissen“, freilich körperlich sehr ermüdet, erreichte Vid
sein Pfarrhaus.
Bängliche Wochen folgten im Warten auf den Karlstadter „Krach“ als
Konferenz des Berichtes vom Kompagniekommandanten. Viel später als nach
S. drang auch in das einsame Dorf in der verschneiten Lika die Kunde,
daß der gefürchtete Oberst K. nach Wien befördert worden sei.
Jetzt konnte Vid von aller Sorge befreit aufatmen. Denn wiewohl nur ein
ehemaliger Kutscher und eigentlich unmöglicher Pope, wußte Vid doch, daß
in der Regimentskanzlei alte Geschichten nicht ausgegraben wurden,
neuernannte Regimentskommandanten alte Sachen nicht aufstocherten. Und
daß der Hauptmann von S. ihm nicht wehtun würde, das hatte Vid im —
Gefühl.
Mit diesem „Gefühl“ behielt er recht bis an sein Ende.