Gehorsam las Jovo: „Alte Pfaffen vorfinden!“

„Gut! Du bestätigst also, daß ‚Pfaffen‘ geschrieben und zu lesen ist!“

„Zu Befehl, Herr Kommandant, ja! Es steht deutlich geschrieben:

Pfaffen!“

„Gut! Geh in das Pfarrhaus und hole den Prota! Das ist der einzige alte

Pfaffe[6], den wir hier haben! Abtreten!“

Eine Viertelstunde später stand der ehrwürdige Greis vor dem

Kompagniekommandanten. Verschüchtert, demütig, zitternd.

Herr Tonidandel bedauerte die Belästigung des alten Erzpriesters und

machte den Prota mit dem Inhalt des überraschenden Regimentsbefehles

bekannt. Dabei hatte der Kommandant ein Wetterleuchten in den Augen. Und

seine Lippen umzuckte ein Lächeln vergnüglichsten Spottes,

unverfälschter Schadenfreude.

Bebenden Tones erklärte sich der Prota bereit, sofort nach Karlstadt zu

gehen trotz der alten steifen Beine und des weiten Weges und sich beim

Regimentskommandanten auf Grund des Befehles gehorsamst zu melden. „Ich

bitte Euer Herrlichkeit nur um eine Abschrift des Befehles zu meiner

Legitimation bei der Vorstellung!“

„Aber nein, lieber Prota! Das ist unmöglich! Tut mir sehr leid! Befehl

ist Befehl! Jeder Befehl muß befolgt werden, buchstäblich und gehorsamst

befolgt! Demnach muß ich eine Kiste beschaffen lassen, einen Verschlag,

wie es im Dienstschreiben heißt! In diesem Verschlag muß der Prota von

S. dem Regimentskommando eingeliefert werden! Laut Befehl!“

„Bog, bog!“[7] jammerte der Erzpriester beweglich und rang die Hände.

„Nur ruhig, lieber Prota! Ich bin kein Freund von Grausamkeiten, hasse

jede Brutalität! Demnach verfüge ich, daß der Prota bis eine

Viertelstunde des Weges vor Karlstadt inmitten des Militärpiketts auf

dem Wagen fährt, dort aber in die Kiste kriecht und im befohlenen

‚Verschlag‘ nach Karlstadt in die Regimentskanzlei gebracht wird! Halte

Er sich bereit! In einer Stunde geht der militärische Transport ab! Pelz

mitnehmen, Prota, denn es ist verdammt frisch! Wünsche wohl zu speisen!“

Der alte Erzpriester hatte eine Träne im Auge und bittere Angst im

Herzen, als er die Kanzlei verließ und zum Pfarrhause wankte. Jovo mußte

den merkwürdigen Befehl abschreiben, worauf der Kommandant die Kopie

verglich und den Wortlaut mit Unterschrift und Dienstsiegel beglaubigte.

Die Abschrift erhielt der Transportführer eingehändigt behufs

Legitimierung dieses — Pfaffentransportes. Dazu scharfe Befehle

betreffend schonendster Behandlung des Prota, der erst kurz vor

Karlstadt in die Kiste einzuschließen sei.

Auch dieser Unteroffizier, ein Graničar aus der Korbava, machte ein

höchst verblüfftes Gesicht und große Augen. Der Mund stand weit offen.

Mit einer Bedeckung von sechs Mann Grenzsoldaten in voller Wehr, mit

scharfen Patronen und „aufgepflanztem Bajonett“, in der Mitte der

zweispännige Wagen mit dem Prota und der Kiste, ging unter Führung des

Korporals der seltsame Transport ab.

Im Städtchen S. zerbrach man sich die Köpfe darüber.

Tonidandel rieb sich in seiner curia nobilis sehr vergnügt die Hände.

Den armen Prota als Opfer hoffte er später entschädigen zu können. Dem

Regimentschef aber gönnte Attilius den unausbleiblichen Ärger von ganzem

Herzen.

Behaglich speiste der Kommandant zu Mittag, schlief auch noch ein

Stündchen. Dann aber erteilte er Befehl, daß morgen ab acht Uhr früh ein

berittenes Pikett marschbereit zu sein habe, und zwar zu seiner

Begleitung auf dem Ritt nach Karlstadt. Denn Attilius ahnte etwas....

Noch vor Tagesbeginn bei dichtestem Karstnebel traf auf dampfendem

Pferde ein Meldereiter in S. ein, der dem Kompagniechef einen Befehl

überbringen sollte. Tonidandels Diener ließ aber auftragsgemäß den

erwarteten Meldereiter nicht vor und verwies ihn in den Stall mit dem

Bedeuten, daß der Befehl erst um acht Uhr überreicht werden dürfe.

Lautete doch Tonidandels Leibspruch. Nur nichts überhudeln beim Militär.

Punkt acht Uhr ritt der Kommandant wohlbewaffnet mit Sattelpistolen und

mit dem Regimentsbefehl betreffend Ablieferung des alten Pfaffen im

Waffenrocke, begleitet von sechs berittenen Graničaren nach Karlstadt

ab. Gemächlich und trotz des Karstnebels recht vergnügt. Zeitweilig im

Trabe, meist aber im Schritt! Nur nichts überhudeln!

Wütend zum Bersten wartete der Oberst K., ein graubärtiger, dicker Herr

mit struppigen Haaren und sehr liebebedürftigem Herzen, auf den

Kompagniekommandanten, über den sich ein militärisches Gewitter

sondergleichen entladen sollte. Wegen Verhöhnung des Vorgesetzten!

Tonidandel wurde „angehaucht und zusammengestaucht,“ daß die Fenster in

der Regimentskanzlei klirrten. Attilius stand wie aus Erz gegossen,

muckste nicht und ließ den Regimentschef nach Herzenslust wettern,

schimpfen, fluchen und drohen.

Bis der Oberst keinen Atem mehr hatte, nach Luft rang und stöhnte.

Dann sprach Tonidandel. „Zu Befehl, Herr Oberst! Befehl ist Befehl! Hier

ist der mir zugegangene Regimentsbefehl! Ich bitte gehorsamst, das

Originalschriftstück lesen zu wollen!“

Knirschend vor Wut griff der Oberst nach dem Dienstschreiben und las es

zornfunkelnden Auges. Und heiseren Tones stieß er hervor: „Allerdings!

Es steht ‚Pfaffen‘ geschrieben! Herr Hauptmann hätten aber doch unschwer

den — Schreibfehler erkennen können und sollen! Statt ‚Pfaffen‘ muß es

heißen: _Waffen_! Wo bleibt die Intelligenz? Wo das höhere Erfassen? Den

Kerl von Regimentsschreiber laß ich in Eisen legen! Ich danke, Herr

Hauptmann!“

„Zu Befehl, Herr Oberst!“ sprach Tonidandel, salutierte stramm und

schloß dabei die vergnügt lachenden Augen.

„Danke! Werde das nicht vergessen! Auch nicht den Auflauf der

Bevölkerung in Karlstadt bei Einlieferung des Prota in einer — Kiste!

Schauderhaft! Eine Blamage für mich, die ich Ihnen zu verdanken habe!“

„Bedaure sehr, Herr Oberst! Befehl ist Befehl! Ich bin seit vierzig

Jahren gewohnt, Befehle genau nach Vorschrift zu befolgen! Ich bin....“

„Des Teufels sind Sie, Herr! Danke, Herr Hauptmann!“

Tonidandel verbiß das Lachen und griff nach der Türklinke. Da trat der

zornige Oberst an Tonidandel heran und zischte ihm ins Ohr: „Und was ich

Ihnen nie vergeben werde, ist, daß ich das arme Opfer Ihrer Bosheit

entschädigen mußte! Mit hundert Gulden! Scheußlich!“

„Das freut mich....“

„Was? Auch das noch!“

„... für den Prota, der ein bettelarmer Mann ist und die hundert Gulden

als Wohltat empfanden wird! Ich werde ihm fünfzig Gulden schenken!

Gehorsamst guten Tag, Herr Oberst!“ Damit drückte sich Tonidandel zur

Tür hinaus und lachte ein stilles, beseligendes, göttliches Lachen der

reinsten Schadenfreude....

Auf die Rache des Regimentschefs, der mit der Sendung des „Pfaffen in

der Kiste“ so schön verulkt worden war, harrte Attilius Tonidandel

gleich nach seiner Ankunft in S. Aber der erwartete Gegenstreich

erfolgte nicht. Sogar die Regimentsbefehle blieben aus. Diese Tatsache

bestärkte Tonidandels Überzeugung, daß sich die Institution der

Militärgrenze bereits überlebt habe und reif zur Aufhebung geworden sei.

Mit dieser Auffassung eilte der Kommandant, was er nicht wissen konnte,

den Ereignissen um reichlich vierzig Jahre voraus.

Tag für Tag brachte die Militärpost von Karlstadt die leere Tasche aus

der Regimentskanzlei. Darob wurde Hauptmann Tonidandel nun doch stutzig

und nachdenklich. Und je mehr er grübelte, desto mehr kräftigte sich die

Überzeugung, daß der reingelegte Oberst diese stille Zeit zur Ausbrütung

eines besonderen Racheplanes benützen werde.

Furcht kannte Tonidandel als alter „Haudegen“ nicht; er war bereit,

jeden Stoß des ihm aufsässigen Chefs kräftig aufzufangen und tüchtig zu

erwidern. Umkehren den Spieß im richtigen Augenblick und zustoßen, auf

daß der Oberst abermals in den Sand fliegt. Mißlich konnte die

„Vergeltung“ des Chefs nur dann werden, wenn sie in die Winterszeit

fallen würde. Den schrecklichen Winter in der Lika mit fürchterlichen

Stürmen und ungeheurem Schneefall kannte der Kommandant seit Jahren und

genauer, als ihm lieb war.

Eines trüben Tages, da schüchterne Schneeflocken zaghaft in die

blaugraue Korana fielen, brachte die Militärpost endlich einen

Regimentsbefehl aus Karlstadt an den Kommandanten der Kompagnie. In

größter Spannung las Tonidandel sehr aufmerksam das Dienstschreiben Wort

für Wort, lauernd wie ein Luchs, erwartungsvoll wie nie im Dienstleben

an der Militärgrenze. Doch nichts von „Revanche“ war zu finden, keine

„Falle“ zu entdecken. Nicht einmal ein Schreibfehler ähnlich Pfaffen =

Waffen.

Geradezu harmlos war der Auftrag, einen Dorfpopen im Bezirke wegen

ungenügender Führung der Tauf-, Ehe- und Sterberegister zur

Verantwortung zu ziehen, Ordnung zu schaffen und über das Ergebnis der

Untersuchung sowie Strafantrag an das Regimentskommando erschöpfend zu

berichten. Der zweite Teil des Dienstschreibens enthielt den Befehl zur

Aufstellung von Detachements in mehreren, eigens benannten Dörfern, von

sogenannten Räuberkommandos zur Unterdrückung von Räubereien.

Diesen Befehl las Tonidandel immer wieder, wobei er sich an den Kopf

griff. Der Zweck dieses Befehles war unfaßlich, denn seit Jahrzehnten

gab es in der Lika keine Räuber mehr; Leute, auch Graničari, die „sich

etwas verschaffen“ bei guter Gelegenheit, genug, aber keine Räuber.

Sinn und Zweck soll aber ein Befehl haben!

Tonidandel fragte sich, ob in diesem Teile des Befehls vielleicht die

„Revanche“ stecke, ob in der Aufstellung von Räuberkommandos die Rache

des Regimentschefs zu suchen sei. Nichts war zu entdecken, der Befehl im

ersten Teile harmlos, in der anderen Hälfte unsinnig und zwecklos, da es

keine Räuber gab. „Aber Befehl ist Befehl!“

Vorsichtig wollte Tonidandel vorgehen, mißtrauisch, ohne Fehler, ohne

Übergriffe.

Ungewöhnlich konnte der Auftrag zur Kontrolle der Amtsführung eines

Dorfpfarrers nicht genannt werden; denn der Militärverwaltung in der

Militärgrenze war alles unterstellt: Männer, Frauen und Kinder, alle

Stände, Klerus, Stadtbürger und Landvolk. Demnach war das

Regimentskommando nicht nur „kompetent“, sondern auch verpflichtet, die

Dienstgeschäfte der Pfarrer zu überwachen, Ordnung zu schaffen,

besonders dann, wenn Beschwerden eingelaufen waren.

Tonidandel vermutete, daß just über den im Befehle genannten Popen

namens Vid (Veit) Denunziationen in Karlstadt eingelaufen sein dürften,

und daß dieser Pope möglicherweise kein ordnungsgemäß geprüfter Priester

von normaler Ausbildung, sondern nur ein Protektionskind ohne

Fachbildung sein werde.

In diesem Falle war besondere Vorsicht angezeigt, um nicht gegen den —

Protektor zu verstoßen.

Tonidandel ersah aus der Bezirkskarte, daß die „Inspektions“reise zum

Amtssitz des Popen Vid mindestens drei Tage beanspruchen werde. Er

übertrug daher die Dienstgeschäfte der Kompagniekommandantur dem

Hauptmann Pegan und trat dann mit üblicher Bedeckung die Reise zu Pferd

an.

Ein erbärmliches Nest war das Dorf; die Holzhäuser tief im Boden

steckend, meist nur ein Gelaß enthaltend, mit Stroh oder Dünger gedeckt.

Der Fürsorge der Militärverwaltung entsprachen nur die Kirche und die

steingefügten Häuser für den Popen und für die Schule.

Der langhaarige und bärtige Pope Vid sprang wie ein gehetzter Hirsch

herbei, als Hauptmann Tonidandel mit sechs Soldaten am Pfarrhause hielt.

Überschwenglich und untertänig begrüßte der Pope den „erlauchten“ und

gnädigen Herrn, völlig nach Domestikenart, unterwürfig und kriechend.

Barsch fragte Tonidandel in dem üblichen Gemisch von Militärdeutsch und

Likaner Kroatisch, ob der Pope Vid heiße und der Pfarrer dieses Dorfes

sei.

„Gehorsamst aufzuwarten, gnädiger Herr! Ich bin der Pope dieses Dorfes

auf Empfehlung des hochwürdigsten Archimandriten durch die Gnade des

erlauchten Chefs des Likaner Regiments, des gnädigsten Herrn Oberst K.

in Karlstadt! Womit kann ich Euer Hochwohlgeboren dienen! Ich bitte um

die hohe Ehre, die Schwelle meines Hauses überschreiten zu wollen!“

Den Hinweis auf die Ernennung zum Popen durch den Regimentschef K. hielt

Tonidandel einstweilen für eitel Prahlsucht. Sein Pferd und die

Bedeckungsmannschaft schickte der Offizier in das Dorfgasthaus. Und

sofort machte sich Tonidandel an die Erledigung der Dienstgeschäfte, die

für einen Offizier ebenso seltsam wie lästig waren.

Der Forderung, die Register (Pfarrmatrikel) vorzulegen, suchte sich der

Pope zu entziehen mit dem Hinweise, daß er — kein Freund von

Schreibereien sei und um keinen Preis der Welt den gnädigen Herrn

Kommandanten belästigen wolle.

Scharf bestand Tonidandel auf der Vorlage der Pfarregister. Der Pope

wand und krümmte sich. Und er jammerte: „Halten zu Gnaden, erlauchter

Herr Hauptmann! Die Matrikel, so Euer Herrlichkeit wünschen, ist ganz

überflüssig, also nicht vorhanden!“

„Waaas? Wieso?“

„Halten zu Gnaden, Erlaucht! Li ja baš tako![8] Ganz überflüssig! Wird

ein Kind geboren, so taufe ich es, das Kind ist da, braucht also nicht

aufgeschrieben werden, weil es da ist! Stirbt einer in meiner Gemeinde,

so ist er weg; den Toten schreibe ich nicht auf, weil er eben weg ist!“

„Prachtvoll!“ höhnte Tonidandel.

„Danke gehorsamst für diese Anerkennung Euer Erlaucht! Sie freut mich

sehr!“

„Und die Hochzeiten! Werden diese auch nicht aufgeschrieben?“

„Nur die Namen, von wegen der Gebühren, wenn die Paare nicht gleich

bezahlen! Die Zahlung ist die Hauptsache! Wovon soll ein armer Pop

leben?“

„Eine interessante Wirtschaft in einem Pfarramt!“

„Ich danke untertänigst! Aber interessant ist bei mir nichts, das

Einkommen schlecht!“

„Wo hat Er denn studiert?“

„Gehorsamst aufzuwarten, beim Archimandriten!“

„Wie? Unbegreiflich! Zeig' Er mir seinen Lehrbrief!“

„Halten zu Gnaden, Herrlichkeit! Ich besitze ein solches Dokument

nicht!“

„Tod und Teufel! Also hat Er Theologie gar nicht gelernt!“

„Zu dienen, Erlaucht! Der hochwürdigste Archimandrit hat mich

höchstpersönlich unterrichtet, hat mich gelehrt: Messe lesen, Predigen,

alle praktischen Funktionen, die ein Pop wissen und ausüben muß! Ganz

praktisch, nur praktisch! Ein Dokument hierüber haben mir der

hochwürdigste Archimandrit nicht auszufertigen geruht!“

„Warum hat Ihn der Archimandrit in so auffallender Weise sozusagen —

abgerichtet?“

„Aus Dankbarkeit!“

„Wie? Was? Wie kommt ein Archimandrit dazu, einem Menschen wie Ihm — so

sonderbar zu Dank verpflichtet zu sein?“

„Das kann ich Euer Herrlichkeit nur ins — Ohr sagen, denn es muß das ein

Geheimnis bleiben!“

Und ehe der Offizier diese widerliche Zudringlichkeit verhindern konnte,

hatte ihm der Pope das — Geheimnis ins Ohr geflüstert.

Erst starrte der Hauptmann den sonderbaren „Pfarrer“ an, verblüfft in

hohem Maße; dann aber lachte Tonidandel, daß ihm das Wasser aus den

Augen schoß.

Zum Schlusse dieser denkwürdigen Pfarrmatrikelkontrolle bestand der

Offizier auf der Einhändigung des Ernennungsdekretes.

Dieses Dokument lieferte der Pope ersichtlich ungern, zögernd und wider

Willen ab.

Ein Blick auf Dienstsiegel und Unterschrift. Und Tonidandel frohlockte.

Es stimmte genau; der Oberst K., kein anderer, hatte dieses Monstrum von

Theologen zum Pfarrer ernannt. Und den Popen Vid mußte er völlig

vergessen haben: denn sonst würde er den Hauptmann nicht auf das —

Protektionskind gehetzt, Kontrolle und Bestrafung angeordnet haben.

Wegen der weiteren Erledigung dieser Angelegenheit, erklärte der

Offizier, daß ein Bescheid dem — „Pfarrer“ schriftlich zugehen werde.

Das Ernennungsdekret nahm er mit.

Wie zu Stein erstarrt blieb der Pope stehen, als der Hauptmann lachend

das Pfarrhaus verließ....

Zwei Tage später schrieb Tonidandel in der Kanzlei zu S. den gewünschten

Bericht an das Regimentskommando in Karlstadt. Zwar nicht „erschöpfend“,

aber sarkastisch, knapp und sehr verständlich. Der Inhalt lautete

ungefähr: Eine Pfarrmatrikel gibt es im Dorfe .... nicht; der mit Dekret

des Regimentskommandanten, des Herrn Oberst K. zum — Pfarrer ernannte

Jaša Vid war früher durch viele Jahre _Kutscher_ beim Archimandriten

...., der den Vid aus Dankbarkeit zum Popen abrichtete, weil der Vid

niemals einen — Lohn für seine Kutscher- und Hausknechtsarbeit erhalten

hat. Deshalb besitzt der Vid auch keinen theologischen Lehrbrief und

keine theologischen Kenntnisse. Vid behauptet, daß der Archimandrit ihn

dem Herrn Regimentschef empfohlen habe. Die Bestrafung wegen

ungenügender Matrikelführung wolle das hohe Regimentskommando vornehmen.

Bezüglich der Errichtung von Räuberkommandos wird gehorsamst bemerkt,

daß es im Dienstbereiche des Kompagniekommandos S. Räuber nicht gibt.

Deshalb wird gehorsamst um Angabe der Dörfer gebeten, in die zwecklos

Detachements gelegt werden sollen....

Lachend fügte Tonidandel diesem Schriftstück das Dienstsiegel des

Kompagniekommandos und seine Unterschrift bei.

Das Städtchen S. und die Lika wurden bald darauf eingeschneit, von allem

Verkehr gänzlich abgeschnitten. Wochen vergingen. Und als erstmals

wieder auf Schlitten die Militärpost aus Karlstadt nach S. kam, enthielt

die Posttasche unter anderm ein Schriftstück, das den Befehl zur

Aufstellung von Räuberkommandos widerrief und dem Kompagniekommando

mitteilte, daß Oberst K. unter Beförderung zum Generalmajor nach Wien

versetzt worden sei. Also war Hauptmann Tonidandel seinen „Befehlsgeber“

und Peiniger los geworden.

Fußnoten:

[1] Starešina (gesprochen Starjeschina) = Oberhaupt, Gemeindesvorsteher,

Bürgermeister, Dorfältester, auch Befehlshaber. Es muß der Starešina

nicht immer ein alter Mann sein, soll sich aber in „gesetzten“ Jahren

befinden. Der Südslave verehrt nur den Alten, der in bester Lebenskraft

voll und ganz seinen Mann gestellt, Großes geleistet hat.

Aus Kroatien: Skizzen und Erzählungen · 第 7 / 14 题