„Ja und nein, Euer Herrlichkeit aufzuwarten! Die Erklärung ist leicht zu
geben! Unsere Kirchenbücher müssen in — Rußland gedruckt werden, weil
die österreichische Regierung nicht erlaubt, daß unsere orthodoxen
Bücher in Österreich gedruckt werden! So ist es denn ganz erklärlich,
daß in den in Rußland gedruckten Büchern der Name des dortigen
Landesherrn steht. Selbstverbindlich beten wir aber für den Kaiser von
Österreich, für unseren Landesherrn!“
„Weiter!“
„Jener Oberst steifte sich aber darauf, daß es in den Büchern ‚Zar‘,
nicht ‚Kaiser‘ heißt! Ich als Sprecher der Erzpriester habe den
gestrengen Kommandanten aufmerksam gemacht, daß man in der slavischen
Sprache das Wort ‚Kaiser‘ nicht kennt, nicht anders nennen kann als
‚Zar‘! Zar ist gleichbedeutend mit Kaiser! Zum Schluß der denkwürdigen
Audienz hatte ich gebeten, es möge der Oberst bewirken, daß unsere
Kirchenbücher in Österreich gedruckt werden dürfen; dann werde sicher
der Name unseres österreichischen Zaren = Kaisers gedruckt werden!“
„Was geschah dann?“
„Wir wurden ziemlich ungnädig entlassen! Der Oberst schien nicht recht
zu glauben, was ich ihm sagte! Und seither befürchte ich immer, daß man
mir meinen Freimut verübeln, mich hinterdrein bestrafen, um meine so
kärgliche Stelle bringen werde!“
„Mut, lieber Alter! Jener Oberst ist längst nach — Europa versetzt, also
hat es für den Prota von S. keine Gefahr! Und selbst im Falle, daß sich
unser gestrenger Chef um diese verjährte Geschichte unerwarteterweise
kümmern sollte, werde ich für den Prota schon einzutreten wissen!
Jawohl! Prosit!“
Erfreut, von dieser alten Sorge befreit, griff der alte Erzpriester zum
Glase, dankte für die Zusicherung des Wohlwollens und der Unterstützung
und leerte das Glas auf das Wohl des gnädigen Kompagniekommandanten.
Spät wurde es an diesem Abend, bis Tonidandel sich verabschiedete und
sporenklirrend seiner Behausung zustapfte.
In der Kompagniekanzlei erschien der Kommandant am andern Tag erst zur
Stunde, da die Militärstaffette die Post von Karlstadt brachte.
Mit einigem „Haarweh“ behaftet, sah Tonidandel den Einlauf durch,
langsam, ohne Interesse, verdrossen. Stutzig wurde er, als er einen
neuen Befehl des Regimentskommandos in Händen hielt, ein Dienstschreiben
an alle Militärstationen des Likaner Bezirks mit dem Wortlaute. „Sollten
sich bei den Militärstationen alte _Pfaffen_ vorfinden, sind diese,
wohlverwahrt im Verschlag, dem Regimentskommando unverweilt
abzuliefern.“ Die unleserliche, doch wohlbekannte Unterschrift des Chefs
stand unter diesem verblüffenden Befehl.
Zweimal las Tonidandel dieses Schriftstück sehr aufmerksam. Dann pfiff
er durch die Zähne. Wie weggeblasen war nun das „Haarweh“. Und in seinen
Augen glänzte eine seltsame Freude. Wie Donnerrollen klang der Ruf:
„Jovo, hereinkommen!“
Der Kompagnieschreiber Jovo erschien, erwies stramm die Ehrenbezeugung.
„Zu Befehl, Herr Kommandant!“
„Da! Vorlesen diesen Regimentsbefehl!“
Jovo nahm gehorsamst dieses Schriftstück und las es mit geschraubter
Stimme laut vor. Beim Worte: „Pfaffen“ stockte er, las es zweimal und
hielt verblüfft inne. Seine Augen waren groß wie Pflugräder geworden.
Und der Mund stand so weit offen, daß ein Leiterwagen hätte hineinfahren
können.
„Noch einmal vorlesen das Wort!“ donnerte der Kommmandant.