2. _Die Erde hat Kugelgestalt._

~A.~ _Beobachtungen, die das nahe legen._ ~a~) Man sagt gewöhnlich, daß

der Horizont überall als Kreislinie erscheint. Das ist freilich nicht

richtig; denn nur in den seltensten Fällen ist der Ausblick nach allen

Seiten frei, und auch dann kann man durch bloße Beobachtung niemals

feststellen, daß alle Punkte der Linie des Horizontes vom Standpunkte

gleich weit entfernt sind. Aber man kann wenigstens sagen, daß bei

freier Aussicht der Horizont eine kreisähnliche Linie ist.

~b~) Wir haben gesehen, daß überall auf der Erde _bei Erhöhung des

Standpunktes auch der Horizont größer wird_. Dieses Wachstum _müßte

zwar auch vor sich gehen, wenn die Erde eine Scheibe wäre, aber viel

schneller, als es in Wirklichkeit geschieht_.

Daß und wie der Horizont sich bei einer scheibenförmigen und bei einer

kugelförmigen Erde vergrößern muß, zeigen folgende Berechnungen.

[Illustration: Fig. 21.]

I. Angenommen, die Erde sei eine Scheibe. In Fig. 21 sei ~BA~ = ~h~

die Höhe des Beobachters über der Erdoberfläche, ~C~ ein Punkt, der

eben noch sichtbar ist, also ein Punkt des Horizontes; ~BC~ nennt

man dann die _Gesichtsweite_. Da die Gegenstände für das Auge erst

verschwinden, wenn der Gesichtswinkel kleiner als 2´ ist, so ist

∢ ~BCA~ = 2´ und ~h~/~BC~ = ~sin~ 2´, also ~BC~ = ~h~/(~sin~ 2´).

Offenbar wird ~BC~ um so größer, je größer ~h~ wird. Durch Berechnung

ergibt sich für ~h~ = 1 ~m~ ~BC~ = 1,7 ~km~, für ~h~ = 10 ~m~ ~BC~ = 17

~km~, für ~h~ = 100 ~m~ ~BC~ = 170 ~km~ usw.

[Illustration: Fig. 22.]

II. Angenommen, die Erde sei eine Kugel. In Fig. 22 sei ~BA~ = ~h~ die

Höhe des Beobachters über der Erdoberfläche; die Tangente ~BC~ ist

dann die Gesichtsweite. ~MA~ = ~MD~ = ~MC~ = ~R~ seien Halbmesser der

Erdkugel, so ist in dem rechtwinkligen Dreieck ~BCM~

~BC²~ = ~MB~² − ~MC~²

= (~R~ + ~h~)² − ~R~²

= ~R~² + 2~Rh~ + ~h~² − ~R~²

= 2~Rh~ + ~h~²

= (2~R~ + ~h~) · ~h~.

Mathematische Geographie für Lehrerbildungsanstalten · 第 10 / 21 题