Vor ihr lag der Weg zum Ruhm. -- -- --

Winkelmann steht Gerda gegenüber.

»Ich bin gekommen, Sie um Verzeihung zu bitten, gnädiges Fräulein.«

Sie neigt das Haupt und bedeutet ihm, Platz zu nehmen. Ihre Augen

gleiten in grenzenloser Gleichgültigkeit über ihn hin, hochmütig

schürzt sie die Lippen. »Es ist mir gänzlich unverständlich, was Sie zu

diesem Benehmen veranlassen konnte. Ich bin mir nicht bewußt, Ihnen ein

Recht dazu gegeben zu haben.«

»Fräulein von Wangenheim, Sie wissen es, daß ich von einer

grenzenlosen Leidenschaft für Sie beherrscht werde. Einer Leidenschaft,

wie ich sie so stark noch nie empfunden. Eifersucht raubte mir die

Beherrschung. Verzeihen Sie mir.«

»Es tut mir leid für Sie, Herr Winkelmann, daß Ihr Begehren -- denn

Ihre Leidenschaft ist doch nur die Umschreibung dieses Begriffs -- so

ganz aussichtslos ist.«

Er fährt auf. »Kennen Sie eine Leidenschaft ohne Begehren? Ja, ich

begehre Sie, mit all meinen Sinnen begehre ich Sie. Ich weiß, daß Sie

keinen Funken von Gefühl für mich empfinden, und trotzdem liebe ich

Sie. Ja, ich liebe Sie. Alles würde ich hingeben, um Sie besitzen zu

können, selbst meine Freiheit. Ich würde Sie bitten, meine Frau zu

werden, wenn ich nur die leiseste Hoffnung hätte, daß sie ›ja‹ sagten.«

»Und wenn ich nun aus Berechnung ja sagte? Sie sind reich, haben

Einfluß --«

»Sie würden mich überglücklich machen.«

Sie sieht ihn spöttisch an. »Besitz ergreifen würden Sie! Nein, ich

danke für einen goldenen Käfig, ich brauche meine Freiheit.«

* * *

Ebba saß auf ihrem Fensterplatz im Erker. Das Fenster hatte sie

geöffnet, und eine warme, laue Luft strömte herein. Sonnenschein

durchflutete die Straße. Es schien, als wollten die letzten Märztage

den Frühling bringen.

Sie konnte sich nicht freuen des Sonnenscheins, es lag etwas in der

Luft, was sie belastete.

Vor ihre Seele traten die beiden Menschen, die sie lieb hatte.

Lukas! Inge!

Lukas war nicht wiedergekommen, seit jener verhängnisvollen Stunde,

in der er ihr seine Schuld bekannt. Schämte er sich? Reute ihn seine

Offenheit? Wohl hatten sie sich ein paarmal getroffen, aber unter

Menschen, wo sie keine Gelegenheit zu einem herzlichen Wort fand. Ob er

sich mit Thea ausgesprochen? Ihre Schwägerin war lustig, oberflächlich

und genußsüchtig wie stets. Sie streute mit vollen Händen das Geld

zum Fenster hinaus. Wozu das große Fest? Warum ließ er sie noch immer

gewähren?

Und Inge? Das Kind machte ihr Freude. Mit der ganzen Gewalt ihrer

jungen fünfzehnjährigen Seele hatte sie sich an sie geklammert. Nur

zu ernst war sie geworden. Brach auch oft der alte stürmende Übermut

durch, so hatte sie doch meist schwermütige Tage. Dann seufzte sie und

meinte, das Leben sei doch mehr ernst als heiter, und sie könne gar

nicht begreifen, wie man so in den Tag hineinleben könne, wie Mama.

Papa sei jetzt oft still und traurig. Oft bleibe er ruhig zu Hause

sitzen und laufe gar nicht in Eile davon wie früher. Dann wollte

er, daß sie bei ihm sitze, und ihm erzähle. Aber etwas bedrücke ihn.

Sie hatte es wohl gemerkt. ›Ach, Tante Ebba, Papa tut mir eigentlich

schrecklich leid, kannst du ihn denn nicht fragen, ob wir ihm helfen

können?‹

›Weißt du, Tante Ebba‹, sagte sie dann nach einer Pause, ›ich glaube,

es könnte viel gemütlicher bei uns sein, wenn Mama nicht da wäre.‹

›Aber Inge, wie kannst du so etwas sagen‹, hatte sie ihr vorgeworfen.

›Du kannst es mir glauben, sie bringt Unruhe ins Haus. Gemütlich ist es

nur, wenn sie nicht da ist.‹

›Du darfst nicht so denken, Inge, und so etwas nicht aussprechen.‹

›Ich muß aber offen zu dir sein -- ich denke doch so. Papa hätte es

auch viel besser.‹

An dies Gespräch mußte sie denken.

Was würde werden?

Wie würde Thea die Forderung, sich einzuschränken, aufnehmen?

Da wurde die Tür aufgerissen und Inge stürzte bleich, in voller

Aufregung, ins Zimmer.

»Tante Ebba, komm, komm schnell zu Papa! Er hat sich eingeschlossen.

Ich habe gehört, wie er gestöhnt hat, und nun sitzt er ganz allein und

läßt niemand zu sich, komm schnell, Tante Ebba, komm schnell!«

Ebba vermochte sich nicht zu rühren. Starr vor Schrecken starrte sie

auf das junge Ding zu ihren Füßen. Inge war vor ihr niedergesunken,

warf den Kopf auf ihren Schoß und weinte herzzerbrechend.

»Es ist schrecklich, Tante, denn ich bin schuld, ich habe es gewünscht,

und nun ist es so gekommen. Ich dachte, es ist gut für Papa, und nun

leidet er so!«

»So sage doch nur, was ist geschehen?«

»Sie ist fort, heut in der Früh. Als Papa nach Hause kam, lag der

Brief auf seinem Schreibtisch. -- Und sie kommt nicht wieder, hat sie

geschrieben, er braucht gar nicht darum zu bitten -- sie braucht viel

Geld -- Luxus ist ihr Lebensfreude -- -- Papa hat es halblaut gelesen

und immer wieder gelesen und wußte nicht, daß ich neben ihm stand --

und dann hat er so schrecklich gestöhnt und ist auf den Stuhl gesunken.

-- Ich weiß nicht, was noch drin stand -- er stöhnte nur immer: ›Auch

das noch, auch das noch!‹« -- -- --

Und nun stand Ebba vor dem gebrochenen Mann, der in Selbstanklagen sich

erging.

»Nur auf Gelderwerb ging ich aus und vergaß darüber die Pflichten,

die ich meiner Frau, meinem Kinde, schuldig bin. Statt sie vor den

Gefährnissen, den Verführungen, die allerorten auf ein junges, schönes

Weib lauern, zu schützen, ließ ich sie gehen -- unbeaufsichtigt

habe ich sie den Gefahren ausgesetzt. Ebba, sie war leichtsinnig,

genußsüchtig, aber nicht schlecht! Mein Gott, die arme Inge! Inge -- wo

ist Inge? Hast du sie gesprochen?«

Also durchgebrannt! Richtig, auf und davon!

»›Und damit du nicht auf den Gedanken kommst, mich zurückholen zu

wollen, ich gehe nicht allein -- -- deine Tür muß mir verschlossen

bleiben‹ -- -- so hat sie geschrieben, Ebba. Und kein Wort über ihre

Tochter.«

»Sie ist ein schlechtes, ehrvergessenes Weib, Lukas,« sagte Ebba hart,

»streiche sie aus deinem Herzen und lebe für dein Kind.«

Da sah er sie an und seufzte: »Meinst du, daß ich an dem Kinde

nachholen kann, was ich versäumt habe?«

»Das kannst du, Lukas, wenn du ernstlich den Willen hast.«

Begierde · 第 26 / 55 题