I. Von Mohammed bis Ghazali (VII.-XII. Jahrhundert). (Vergriffen) Inhalt:

Mohammed / Abu Hanifa / Ahmed Ibn Mohammed at Tahawi / Abu l-Hasan

al-Aschari / Abu Laith as-Samarkandi /Abu Hamid Mohammed al-Ghazali

II. Die Mohammedanische Mystik. (X.-XIII. Jahrhundert.) In Vorbereitung

EUGEN DIEDERICHS VERLAG IN JENA

Fußnoten:

[1] Vgl. mein Drama DARA oder Schah Dschehan und seine Söhne, historisches

Trauerspiel in fünf Akten und einem Vorspiel. Mitau 1891.

[2] Vgl. KURT BOECK, durch Indien ins verschlossene Land Nepal. Leipzig

1903, p. 179. (Daselbst eine interessante Abbildung jenes Heiligen.)

[3] Den vollständigen Titel dieser Ausgabe s. unten.

[4] Der Titel lautet: Über die unter dem Namen Bhagavad-Gîtâ bekannte

Episode des Mahâbhârata; gelesen in der Berliner Akademie der

Wissenschaften am 30. Juni 1825 und 15. Juni 1826.

[5] Vgl. RICHARD FRITZSCHE in seiner schönen, tiefgründigen Besprechung von

P. Deussens »Vier philosophische Texte des Mahâbhârata«, in der

Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie und Soziologie, XXXI,

Heft 3, 1907, p. 350.

[6] Vgl. H. ST. CHAMBERLAIN, Arische Weltanschauung, p. 71, 72. (Erstes

Bändchen der Sammlung, »Die Kultur«, herausgeg. von C. GURLITT, Berlin;

Bard, Marquardt & Co.)

[7] Vgl. L. V. SCHROEDER, Indiens Literatur und Kultur in historischer

Entwicklung, (Leipzig 1887), p. 695. 696. -- Über den Ursprung und die

Entwicklung des großen Kampfes s. ebendaselbst p. 465 folg.

[8] Vgl. W. V. HUMBOLDT a. a. O. p. 45.

[9] R. GARBE spricht sich in der Einleitung zu seiner Übersetzung der

Bhagavadgîtâ p. 9 sehr entschieden gegen eine derartige Beurteilung aus,

wie sie in HUMBOLDTS Worten ausgedrückt ist. Ich kann hier meinem verehrten

und lieben Freunde nicht beistimmen und finde, daß er überhaupt die

poetische Bedeutung der Bhagavadgîtâ viel zu gering einschätzt. Gerade die

poetische Kraft der Dichtung erklärt zum großen Teil ihre fortdauernd

gewaltige Wirkung. Vgl. auch WZKM Bd. XIX, 1905, p. 415. 416.

[10] Genauer als »zur Brahman-Wissenschaft, zur Yogalehre gehörige

Upanishaden« -- nach der Unterschrift der Kapitel. Auch hier also

anscheinend Widersprüche. Wie sich dieselben ganz befriedigend aufklären,

darüber vgl. weiter unten.

[11] Vgl. die schönen Verse Bhagav. 13, 27 und 28, auf welche schon

SCHOPENHAUER in seiner »Grundlage der Moral« mit Begeisterung hingewiesen

hatte (am Schluß der Abhandlung). Er zitiert sie in der SCHLEGELschen

lateinischen Übersetzung.

[12] Es sind hier vor allem die folgenden grundlegenden Arbeiten zu

erwähnen: PAUL DEUSSEN, Allgemeine Geschichte der Philosophie, Bd. I,

Abteilung 1 und 2, Leipzig 1894 und 1899; 2. Auflage, vereinigt 1906;

Abteilung 3, 1908 (Die Philosophie des Epos und also auch die der

Bhagavadgîtâ enthaltend); derselbe, Das System des Vedânta, Leipzig 1883;

derselbe, Die Sutras des Vedânta, Leipzig 1887; derselbe, Sechzig

Upanishaden des Veda, aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und

Anmerkungen versehen, Leipzig 1897; derselbe, Vier philosophische Texte des

Mahâbhâratam, in Gemeinschaft mit DR. OTTO STRAUSS aus dem Sanskrit

übersetzt. Leipzig 1906. -- RICHARD GARBE, Die Sânkhya-Philosophie, eine

Darstellung des indischen Rationalismus nach den Quellen. Leipzig 1894;

derselbe, Sânkhya und Yoga (in G. BÜHLERs Grundriß der indoiranischen

Philologie, Bd. III, Heft 4); derselbe, Der Mondschein der

Sânkhya-Wahrheit, München 1899; derselbe, Die Bhagavadgîtâ, aus dem

Sanskrit übersetzt, mit einer Einleitung über ihre ursprüngliche Gestalt,

ihre Lehren und ihr Alter, Leipzig 1905.

[13] JOSEPH DAHLMANN, Das Mahâbhârata als Epos und Rechtsbuch, Ein Problem

aus Altindiens Kultur- und Literaturgeschichte, Berlin 1895.

[14] JOSEPH DAHLMANN, NIRVÂNA, Eine Studie zur Vorgeschichte des

Buddhismus, Berlin 1896. Vgl. meine Bemerkungen über dies bedeutende Werk

in der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. Bd. X. Jahrg.

1897. p. 190-197. -- In der Folge veröffentlichte DAHLMANN noch, zum Teil

durch die Kritik dazu herausgefordert, seine MAHÂBHÂRATA-STUDIEN, und zwar

Bd. I Genesis des Mahâbhârata, Berlin 1899; Bd. II Die Sânkhya-Philosophie

als Naturlehre und Erlösungslehre, Berlin 1902. -- DAHLMANNs Buch über

BUDDHA (Berlin 1898), das in der geflissentlichen Herabsetzung des großen

Religionsstifters weit über das Ziel hinausschießt, kommt für uns hier

nicht in Betracht.

[15] In den »Göttingischen Gelehrten Anzeigen«.

[16] RICHARD GARBE, Die Bhagavadgîtâ, aus dem Sanskrit übersetzt, mit einer

Einleitung über ihre ursprüngliche Gestalt, ihre Lehren und ihr Alter.

Leipzig 1905.

[17] Vgl. R. GARBE, Die Bhagavadgîtâ usw., p. 8.

[18] Als Krishna Devakîputra, Schüler des Angirasiden Ghora, Chândog.

Up. 3, 17, 6. Jene ethischen Lehren sind: Askese, Freigebigkeit,

Rechtschaffenheit, niemand ein Leid antun, die Wahrheit reden (tapas,

dânam, ârjavam, ahinsâ, satyavacanam. Chând. Up. 3, 17, 4). Vgl. GARBE

a. a. O. p. 19, 20.

[19] Vgl. R. GARBE, Beiträge zur indischen Kulturgeschichte. Berlin 1903.

Der erste Aufsatz: »Die Weisheit des Brahmanen oder des Kriegers?«

[20] Vgl. R. GARBE a. a. O. p. 19, 23-25, 29, 38.

[21] Vgl. R. GARBE a. a. O. p. 41, 42.

[22] Vgl. R. GARBE a. a. O. p. 34, 37.

[23] Vgl. R. GARBE a. a. O. p. 59.

[24] VIER PHILOSOPHISCHE TEXTE DES MAHÂBHÂRATAM; Sanatsujâta-Parvan,

Bhagavadgîtâ, Mokshadharma, Anugîtâ. In Gemeinschaft mit DR. OTTO STRAUSS

aus dem Sanskrit übersetzt von DR. PAUL DEUSSEN. Leipzig 1906.

(Bhagavadgîtâ daselbst p. 31-107). Neuerdings daraus die

Bhagavadgîtâ-Übersetzung auch selbständig erschienen unter dem Titel: DER

GESANG DES HEILIGEN, eine philosophische Episode des Mahâbhâratam, aus dem

Sanskrit übersetzt von DR. PAUL DEUSSEN. Leipzig 1911, bei F. A.

Brockhaus. -- Dem Texte, der mit demjenigen der größeren Ausgabe

übereinstimmt, ist hier auch noch eine Einleitung vorangestellt. --

[25] Vgl. DEUSSEN, Allgem. Geschichte der Philosophie I, 3, p. 8-114.

[26] Vgl. a. a. O. p. VI; ebenso vgl. auch DEUSSENs Vorwort zu seiner

Allgem. Geschichte der Philosophie I, 3, p. VI.

[27] Vgl. DEUSSEN a. a. O. p. 3; vgl. auch ebendaselbst p. 22.

[28] Vgl. DEUSSEN in seinem Vorwort zur Allgem. Gesch. der Phil. I, 3,

p. VI. -- Vgl. auch DEUSSEN a. a. O. p. 21: »Dieses wunderliche Gemisch, in

welchem ältere und jüngere Gedankengänge oft bunt durcheinander laufen,

erklärt sich daraus, daß die Dichter des Epos nicht eigentliche

Philosophen, nicht die ersten Urheber der von ihnen vorgetragenen

philosophischen Gedanken sind; vielmehr schöpften sie diese Gedanken aus

dem gärenden und unabgeklärten Bewußtsein der Zeit, in welcher sie lebten.«

[29] Vgl. oben p. V. -- Vgl. auch die hier vorangehende Anmerkung.

[30] Vgl. J. DAHLMANN, Nirvâna (Berlin 1896), namentlich p. 96-169;

derselbe, Die Sânkhya-Philosophie als Naturlehre und Erlösungslehre. Berlin

1902.

[31] Vgl. DEUSSEN, Allgem. Gesch. der Phil. I, 3, p. 15; auch p. 18 und 98.

[32] Vgl. DEUSSEN a. a. O. p. 12.

[33] Vgl. DEUSSEN a. a. O. p. 22: »Es gibt Stellen, welche noch ganz auf

dem Standpunkte der älteren Upanishads stehen, dann solche, in denen die

Prakriti dem Atman gegenübertritt, aber immer noch von ihm abhängig bleibt,

und endlich solche, in welchen die Prakriti, d. h. die Gesamtheit der

objektiven Welt, dem zum Purusha, zum reinen Subjekt des Erkennens

gewordenen Atman selbständig gegenübertritt.«

[34] Vgl. DEUSSEN a. a. O. p. 21, 22.

[35] Ich bekenne, daß ich in dieser Frage beim Erscheinen der Werke von

DAHLMANN, GARBE und DEUSSEN mehrfach stark geschwankt habe, jetzt aber doch

davon überzeugt bin, daß DEUSSENs Darstellung im wesentlichen das Richtige

trifft.

[36] Über die monotheistischen Bestrebungen im Epos, resp. im epischen

Zeitalter vgl. DEUSSEN a. a. O. p. 34-36; die Bhagavadgîtâ nennt DEUSSEN

a. a. O. p. 36 »das älteste Denkmal dieser monotheistischen Richtung.«

[37] Vgl. oben; DEUSSEN, Allgem. Gesch. der Phil. I, 3, p. 21-29.

[38] Vgl. R. GARBE a. a. O. p. 41, 52.

[39] Vgl. RICHARD FRITZSCHE in der Vierteljahrsschrift für

wissenschaftliche Philosophie und Soziologie, XXXI, Heft 3, Jahrgang 1907,

p. 359.

[40] Vgl. das Gedicht »Unbegrenzt« im Buch Hafis.

[41] Dhritarâshtra ist der blinde Bharata-König, das Haupt der Kuru-Partei,

welchem die Ereignisse der großen Schlacht berichtet werden; vgl. mein Buch

»Indiens Literatur und Kultur« p. 466 ff.

[42] Sanjaya, ein Sûta, d. i. Wagenlenker und Herold, im Dienste des

Dhritarâshtra; hier der Berichterstatter.

[43] Pândava, Söhne des Pându, des verstorbenen Bruders des Dhritarâshtra.

[44] Duryodhana, der älteste Sohn des Dhritarâshtra.

[45] Es ist der Held Drona gemeint, der die Königssöhne im Waffenhandwerk

unterrichtet hat.

[46] Der Sohn des Drupada ist Dhrishtadyumna. Drupada, König der Pancâla,

ist Bundesgenosse und Schwiegervater der fünf Pându-Söhne; seine Tochter,

Krishnâ oder Drâupadî, gehört den fünf Brüdern zugleich in polyandrischer

Ehe als Weib an.

[47] Arjuna und Bhîma sind die beiden hervorragendsten unter den fünf

Brüdern, den Söhnen des Pându; der älteste Bruder heißt Yudhishthira, die

beiden jüngsten Nakula und Sahadeva.

[48] Yuyudhâna, Sohn des Satyaka, ein Held des Pându-Heeres.

[49] Virâta, Fürst der Matsya, Bundesgenosse der Pându-Söhne.

[50] Dhrishtaketu, König der Cedi, Bundesgenosse der Pându-Söhne.

[51] Cekitâna, ein Fürst und Bundesgenosse der Pându-Söhne.

[52] Kâçi ist die Stadt Benares.

[53] Purujit, ein Held im Heere der Pându-Söhne, Bruder des Kuntibhoja.

[54] Kuntibhoja, König der Kunti, Bundesgenosse der Pându-Söhne.

[55] Çâivya oder Çâibya, König der Çibi, Bundesgenosse der Pându-Söhne.

[56] Yudhâmanyu und Uttamâujas, Helden im Heere der Pându-Söhne.

[57] Der Sohn der Subhadrâ ist Abhimanyu; sein Vater ist Arjuna.

[58] Drâupadî hat von jedem der Pânduiden einen Sohn, welche alle hier

schon mitkämpfen; ihre Namen sind für uns belanglos.

[59] Bhîshma, der greise königliche Held unter den Kurus, Oheim des

Dhritarâshtra und Pându; vgl. über ihn »Indiens Literatur und Kultur«

p. 466, 471, 472.

[60] Karna, Fürst der Anga, einer der gewaltigsten Helden des Heeres der

Kuru; vgl. über ihn »Indiens Literatur und Kultur« p. 472, 473.

[61] Açvatthâman, Sohn des Drona (cf. oben Vers 2); vgl. über ihn und seine

Rächerrolle nach dem Kampf »Indiens Literatur und Kultur« p. 473, 474.

[62] Vikarna ist Name eines Sohnes des Karna wie auch eines Sohnes des

Dhritarâshtra.

[63] Der alte Bhîshma.

[64] Es ist Arjuna gemeint, als dessen Wagenlenker Krishna fungiert.

[65] Eine Muschel, die er dem Dämon Pancajana abgenommen haben soll.

[66] So wird Bhîma genannt, dessen Name schon »der Schreckliche« bedeutet;

er ist der furchtbarste Kämpfer unter den fünf Söhnen des Pându.

[67] Vgl. die erste Anmerkung zu Vers 4.

[68] Ein Sohn des Drupada, welcher den Bhîshma zu töten bestimmt war.

[69] Das ist Yuyudhâna, cf. Vers 4.

[70] Die Söhne seiner Tochter, der Drâupadî, und der fünf Pânduiden.

[71] Die vielfach eingestreuten Vocative »o Erdenherr«, »o Bhârata« u. dgl.

beziehen sich auf den alten blinden Dhritarâshtra, dem der Erzähler die

Ereignisse der Schlacht schildert.

[72] Dieser Arge ist Duryodhana, der älteste Sohn des Dhritarâshtra, dessen

Gewalttätigkeiten und Intriguen den großen Kampf hauptsächlich verschuldet

haben.

[73] Arjuna heißt Sohn der Prithâ oder auch Sohn der Kuntî (cf. Vers 27),

da seine und seiner Brüder Mutter, die Gemahlin des Pându, diese beiden

Namen trägt; vgl. »Indiens Literatur und Kultur« p. 466.

[74] Gândîva heißt der Bogen des Arjuna.

[75] Keçava, eigentlich wohl »der mit reichem Haar Versehene«, ist ein

Beiname des Krishna.

[76] Vgl. »Indiens Literatur und Kultur« p. 427, 428.

[77] Ich lese hier mit BÖHTLINGK bhûshâ für bhâshâ.

[78] Bei der Erklärung dieses schwierigen Verses habe ich mich am nächsten

an GARBE, Bhag. p. 78, angeschlossen.

[79] Janârdana ist ein Beiname des Krishna, ebenso wie auch das gleich

folgende Keçava.

[80] D. h., wie schon das Petersburger Wörterbuch erklärt, mit Ausnahme

eines Werkes, das ein Opfer zum Ziel hat, zum Opfer dient.

[81] D. h. solche Tat, die auf das Opfer gerichtet ist, dem Opfer dient.

[82] D. h. jegliche Speise soll zuerst als ein Opfer den Göttern dargeboten

werden. Nachher ist sie dann ein Opferrest, den man mit gutem Gewissen

verzehren kann. Die Götter aber müssen gewissermaßen zuvor zu Gaste geladen

sein.

[83] Ein berühmter König der Upanishaden-Zeit. Vgl. über denselben »Indiens

Literatur und Kultur« p. 187-189, 208, 209 flg.

[84] Die Gunas, Qualitäten, Eigenschaften oder Kräfte der Natur (Prakriti),

walten nur in dieser und gestalten so die Welt; der ewige Geist kennt

dieselben nicht, ist qualitätenlos.

[85] Doppelunterschied, d. h. wohl: Qualität (Kraft) sowohl wie Tat sind

beide vom ewigen Geiste absolut unterschieden und berühren ihn gar nicht.

Das ist eine Welt für sich, die der Weise ruhig ihren Gang gehen läßt.

[86] D. h. die Lehre von der andachtsvollen Hingabe (yoga) an das

pflichtmäßige Tun, im oben angegebenen Sinne.

[87] Ähnlich hat auch Buddha den Vorzug, sich seiner früheren Geburten zu

erinnern.

[88] So entsteht auch nach buddhistischer Lehre, wenn die rechte Erkenntnis

in der Welt zugrunde zu gehen droht, immer wieder ein neuer Buddha.

[89] D. h. in jedem Weltalter, jedem Yuga (yuge yuge).

[90] dvandvâtîta. Eig. »über die Paare hinausgegangen«. Die Paare (dvandva)

sind die Gegensätze, wie Kälte und Hitze, Freud und Leid, auch Gut und Böse

usw. Also jenseits dieser Gegensätze, ihnen entrückt, von ihnen

befreit --jenseits von allem Leid, jenseits auch von Gut und Böse.

[91] Vgl. dazu die Erläuterung von GARBE a. a. O. p. 89, Anm. 5.

[92] nirdvandva »ohne die Gegensätze, frei von den Gegensätzen«, vgl.

oben 4, 22. Anm.

[93] Denken und Andacht -- der Text sagt hier wie auch im folgenden Verse

Sânkhya und Yoga, es handelt sich aber nicht um die so benannten späteren

Systeme der Philosophie, sondern -- wie schon unsere Einleitung zu zeigen

suchte -- um einen doppelten Weg zu dem gleichen Ziele der Gotteserkenntnis

und allendlichen Vereinigung mit der Gottheit, und zwar 1) den Weg der

Reflexion, des reflektierenden Denkens, Sânkhya, den ich kurzweg durch

»Denken« wiedergebe, und 2) den Weg der andächtigen Verinnerlichung, der

Konzentration, Kontemplation, der energisch auf das Höchste gerichteten

Andachtsstimmung, Yoga, welche ich ebenso kurzweg als »Andacht« bezeichne.

Der gottsuchende Philosoph wie der gottergebene Fromme, der sich in Gott

versenkt und alles in Gott tut -- sie streben demselben Ziele zu, und in

diesem Sinne darf Denken und Andacht für Eins gelten.

[94] Unsere Sprache versagt hier, wie auch sonst bisweilen bei der

Übersetzung und macht eine wirklich genau entsprechende Wiedergabe des

Originals unmöglich. Im Sanskrit des Urtextes ist es ein und dasselbe

Wort -- Yoga, eig. die Anspannung --, welches die energische Übung (der

Tat), in Vers 1 und 2, und die Andacht, hier und im Folgenden, bezeichnet.

Es ist im Grundbegriff eine energische Bemühung, exercitatio,

exercitium --etwa wie bei uns Exerzieren, Exerzitien von der Arbeit der

Soldaten und Schüler gebraucht wird, aber auch von angestrengten

Andachtsübungen, wenigstens bei den Katholiken.

[95] Hier, wie auch in Vers 10, habe ich das im Text befindliche Wort

Brahman durch »die Gottheit« wiedergegeben.

[96] D. h. in dem Leibe.

[97] D. h. der Herr der Welt, Gott, Brahman, mit dem im Grunde unser Geist

identisch ist. Den ewigen Geist, die Weltseele, berühren weder gute noch

böse Taten, sie dringen garnicht bis zu ihm hin, er nimmt sie nicht an oder

auf, oder -- wie DEUSSEN sagt -- erkennt sie nicht als sein an.

[98] Ich lese mit BÖHTLINGK und GARBE svargo.

[99] Im Text: Der ist ein Sannyâsin, der ein Yogin.

[100] D. h. nicht derjenige, welcher das pflichtmäßig zu unterhaltende

heilige Feuer und die pflichtmäßigen Verrichtungen gänzlich aufgibt.

[101] Vgl. Ev. Matth. 13, 44-46.

[102] Welch eine milde, humane, tröstliche Lehre!

[103] Er kommt über das çabdabrahman hinaus, d. h. über das Wort-Brahman,

das in Worte gefaßte Brahman.

[104] Wörtlich: »Dieses mein göttliches, aus den Qualitäten gebildetes

Scheinbild« -- mâyâ, welches Wort ich weiterhin auch durch Zauberbild und

Schein wiedergebe.

[105] Gewiß ein weitherziger Standpunkt des großen Gottes gegenüber den

Verehrern anderer Götter!

[106] Werden -- im Text ksharo bhâvah, d. h. eig. das fließende Sein, wie

auch Deussen es richtig übersetzt; das fließende Sein, d. h. das Werden,

beherrscht alle Wesen, solange sie Einzelwesen sind.

[107] Vgl. zu Vers 23-26 P. DEUSSEN, Allgemeine Geschichte der Philosophie,

Bd. I, Abt. 3, p. 106-108. Danach wäre hier nicht von Zeitabschnitten,

sondern von örtlichen Stationen die Rede, gleichsam räumlich übereinander

liegenden Schichten. Eine ziemlich phantastische Vorstellung, die auf alte

Upanishad-Gedanken zurückgeht, welche wir hier nicht erörtern können.

[108] D. i. Rigveda, Sâmaveda und Yajurveda -- die drei kanonischen Veden,

denen sich als vierter, nicht ganz ebenbürtig, der Atharvaveda anschließt.

[109] D. h. in das irdische Dasein, Sansâra.

[110] Vorsteher, resp. Schöpfer und Ordner der großen Weltperioden, der

vier Weltalter. Auf den mythischen Manu des jetzigen Weltalters wird das

berühmte Gesetzbuch zurückgeführt.

[111] Bekannte Seher der Vorzeit.

[112] Eine Ordnung höchster Götter.

[113] Marîci, der oberste unter den Sturmgöttern, den Marut.

[114] Çankara, der Heilvolle, ein Beiname des Çiva-Rudra, welcher seit

alters als der oberste unter den Rudras, einer Ordnung göttlicher Wesen,

gilt, die halb unheimlich und gefahrbringend, halb heilvoll und helfend

gedacht sind.

[115] Kuvera ist Gott des Reichtums, Herr der Yaksha genannten Halbgötter

oder Elfen.

[116] Eine bestimmte Götterordnung.

[117] Meru, der mythische Weltenberg. Er ist aus Gold, die sieben

Weltinseln liegen um ihn herum und die Gestirne kreisen um ihn.

[118] Brihaspati, Herr des Gebets, der Priester unter den Göttern.

[119] Skanda, der Kriegsgott.

[120] Das heiligste Wort, von mystischer Bedeutung.

[121] Der heilige Feigenbaum.

[122] Citraratha ist König der Gandharven genannten Halbgötter.

[123] Kapila, ein mythischer Weiser, der angebliche Begründer der

Sânkhya-Lehre.

[124] Ein mythisches Roß, das bei der Quirlung des Ozeans durch die Götter

herausgekommen sein soll, -- Prototyp und Urbild aller Rosse.

[125] Der bei der Quirlung des Ozeans herausgekommene Elephant, das

Reittier des Indra, Prototyp aller Elephanten.

[126] Die berühmte Wunschkuh, die jeden Wunsch alsbald erfüllte.

[127] Der Fürst der Schlangen.

[128] Ananta »Unendlich«, Beiname des Çesha, des Königs der Nâga oder

Schlangendämonen.

[129] Der Gott der Gewässer.

[130] Der Todesgott.

[131] Prahlâda oder Prahrâda, der fromme Sohn des bösen Riesen

Hiranyakaçipu -- ein standhafter Verehrer Vishnus unter dem

götterfeindlichen Dämonengeschlechte der Dâityas; vgl. die rührende

Geschichte des Prahrâda bei Schack, Stimmen vom Ganges.

[132] Der mythische König der Vögel, Reittier des Vishnu.

[133] Weil dies der erste Buchstabe ist, auch im Alphabet der Inder.

[134] Das Dvandva oder copulative Kompositum steht in der Grammatik der

Inder als erstes da in der Reihe der Nominal-Composita, daher es auf diesem

Gebiet quasi eine führende Stellung einnimmt.

[135] Das Brihat ist einer der hervorragendsten unter den Sâmans oder

heiligen Opfergesängen.

[136] Hervorragend wichtiges und heiliges Metrum im Rigveda.

[137] Der erste Monat im Jahre.

[138] Vâsudeva, ein Beiname des Krishna; als solcher gehört er zum

Geschlechte der Vrishnis.

[139] Der berühmte mythische Verfasser des Mahâbhârata.

[140] Ein schon im Rigveda genannter Dichter und Seher der Vorzeit.

[141] Eig. unter den geheimen verborgenen Dingen bin ich das Schweigen.

[142] Ein Beiname des Vishnu-Krishna.

[143] Verschiedene Götterordnungen.

[144] Die götterfeindlichen Dämonen.

[145] Sohn eines Wagenlenkers, eines Sûta -- so wird der Held Karna

genannt, als Adoptivsohn des Sûta Adhiratha.

[146] Böse Geister, Unholde.

[147] Ein Beiname des Krishna, nach seiner Herkunft aus dem Stamme der

Yâdava, der Nachkommen des Yadu.

[148] D. h. die das neutrale Brahman, die unpersönlich gedachte göttliche

Substanz verehren. -- Die Frage zielt also dahin, ob Verehrung eines

persönlichen Gottes oder des unpersönlichen Absoluten höher zu werten sei.

[149] Das materielle und das geistige, erkennende Prinzip -- Natur

einerseits, Geist andererseits -- werden sich hier gegenübergestellt unter

originellen Namen. Das erstere wird als Feld oder Ort (kshetra) gefaßt und

bezeichnet, das Gebiet, auf welchem oder in welchem das geistige,

erkennende Prinzip sich bewegt. Dieses letztere, die Seele, erhält die

merkwürdige Bezeichnung Kenner des Feldes oder des Ortes, der Feldkenner

(kshetrajna). Man begreift den Gedanken, doch muß man sich an die

originelle Auffassung erst gewöhnen.

[150] Das Wissen von jenen beiden großen Prinzipien verdient wirklich

Wissen genannt zu werden.

[151] Man rechnet fünf Wahrnehmungssinne -- Gesicht, Gehör, Geruch,

Geschmack, Gefühl -- und fünf Tatsinne -- Reden, Greifen, Gehen, Entleeren,

Zeugen; dazu kommt als elfter der sogen. innere Sinn (manas), der sie als

Zentralorgan regiert.

[152] Nur der innerste Kern unseres geistigen Wesens gilt der indischen

Philosophie als ewig, unwandelbar, göttlich oder der Vereinigung mit dem

Göttlichen fähig. Nicht nur die Sinne, auch der sogen. innere Sinn, der

Verstand u. a. m. wird als Produkt der Natur, der Prakriti, die hier »das

Feld« heißt, angesehen. Jener innerste, ewige, göttliche Kern unseres

Wesens ist qualitätenlos; das ganze Reich der Qualitäten gehört der Natur,

dem »Feld« an und ist eben darum ewigem Wechsel unterworfen. Das Ewige in

uns ist von einem geistigen und einem körperlichen Leibe umgeben, welche

beide nicht dauern, sondern sich wandeln, resp. auch zugrunde gehen. Die

Erlösung des Ewigen in uns aus den Banden der Natur ist das Ziel, dem wir

zustreben sollen.

[153] Wieder stehen sich hier die beiden großen Prinzipien gegenüber. Wie

das »Feld«, d. i. die Natur, mit dem Nichtwissen (im Vedânta), der Mâyâ,

zusammenfällt, so das Wissen mit dem Wissenswürdigen, dem ewigen, geistigen

Prinzip, dem alten Brahman-Atman, dem »Feldkenner«, wie es oben heißt, der

Seele, die Eins ist und doch in eines Jeden Herzen steckt, scheinbar

zerteilt und doch in Wahrheit ewig ungeteilt.

[154] Der höchste Atman, Paramâtmâ (Atman = Selbst).

[155] Der höchste Purusha (purushah parah); Atman und Purusha sind als ein

und dasselbe erkannt, nur verschiedene Bezeichnungen derselben Größe, die

zu Anfang und Ende des Gesanges »der Feldkenner« genannt wird.

[156] Sânkhya-Yoga; ähnlich Deussen: »Durch Hingebung an die Reflexion.«

Bhagavadgita — Des Erhabenen Sang Religiöse Stimmen der Völker: Die Religion des alten Indien II · 第 6 / 7 段