Wie der Professor Mosch Terpin im fürstlichen Weinkeller die Natur
erforschte. - Mycetes Belzebub. - Verzweiflung des Studenten
Balthasar. - Vorteilhafter Einfluß eines wohleingerichteten Landhauses
auf das häusliche Glück. - Wie Prosper Alpanus dem Balthasar eine
schildkrötene Dose überreichte und davonritt.
Balthasar, der sich in dem Dorfe Hoch-Jakobsheim versteckt hielt,
bekam von dem Referendarius Pulcher aus Kerepes einen Brief des
Inhalts: "Unsere Angelegenheiten, bester Freund Balthasar, gehen immer
schlechter und schlechter. Unser Feind, der abscheuliche Zinnober, ist
Minister der auswärtigen Angelegenheiten geworden und hat den großen
Orden des grüngefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen erhalten. Er hat
sich aufgeschwungen zum Liebling des Fürsten und setzt alles durch,
was er will. Professor Mosch Terpin ist ganz außer sich, er bläht sich
auf im dummen Stolz. Durch seines künftigen Schwiegersohns Vermittlung
hat er die Stelle des Generaldirektors sämtlicher natürlicher
Angelegenheiten im Staate erhalten, eine Stelle, die ihm viel Geld und
eine Menge anderer Emolumente einbringt. Als benannter Generaldirektor
zensiert und revidiert er die Sonnen- und Mondfinsternisse sowie
die Wetterprophezeiungen in den im Staate erlaubten Kalendern und
erforscht insbesondere die Natur in der Residenz und deren Bereich.
Dieser Beschäftigung halber bekommt er aus den fürstlichen Waldungen
das seltenste Geflügel, die raresten Tiere, die er, um eben ihre Natur
zu erforschen, braten läßt und auffrißt. Ebenso schreibt er jetzt
(wenigstens gibt er es vor) eine Abhandlung darüber, warum der Wein
anders schmeckt als Wasser und auch andere Wirkungen äußert, die er
seinem Schwiegersohn zueignen will. Zinnober hat es bewirkt, daß
Mosch Terpin der Abhandlung wegen alle Tage im fürstlichen Weinkeller
studieren darf. Er hat schon einen halben Oxhoft alten Rheinwein sowie
mehrere Dutzend Flaschen Champagner verstudiert und ist jetzt an ein
Faß Alikante geraten. - Der Kellermeister ringt die Hände! - So ist
dem Professor, der, wie Du weißt, das größte Leckermaul auf Erden,
geholfen, und er würde das bequemste Leben von der Welt führen, müßte
er oft nicht, wenn ein Hagelschlag die Felder verwüstet hat, plötzlich
über Land, um den fürstlichen Pächtern zu erklären, warum es gehagelt
hat, damit die dummen Teufel ein bißchen Wissenschaft bekommen, sich
künftig vor dergleichen hüten können und nicht immer Erlaß der Pacht
verlangen dürfen, einer Sache halber, die niemand verschuldet, als sie
selbst.
"Der Minister kann die Tracht Schläge, die Du ihm erteilt, nicht
verwinden. Er hat Dir Rache geschworen. Du wirst Dich gar nicht mehr
in Kerepes sehen lassen dürfen. Auch mich verfolgt er sehr, weil ich
seine geheimnisvolle Art, sich von einer geflügelten Dame frisieren
zu lassen, erlauscht habe. - Solange Zinnober des Fürsten Liebling
bleibt, werde ich wohl auf keinen ordentlichen Posten Anspruch
machen können. Mein Unstern will es, daß ich immer mit der Mißgeburt
zusammengerate, wo ich es gar nicht ahne, und auf eine Weise, die mir
fatal werden muß. Neulich ist der Minister in vollem Staat, mit Degen,
Stern und Ordensband, im zoologischen Kabinett und hat sich nach
seiner gewöhnlichen Weise, den Stock untergestemmt, auf den Fußspitzen
schwebend, an den Glasschrank hingestellt, wo die seltensten
amerikanischen Affen stehen. Fremde, die das Kabinett besehen, treten
heran, und einer, den kleinen Wurzelmann erblickend, ruft laut aus:
'Ei! - was für ein allerliebster Affe! - welch niedliches Tier! - die
Zierde des ganzen Kabinetts! - Ei, wie heißt das hübsche Äfflein?
woher des Landes?'
"Da spricht der Aufseher des Kabinetts sehr ernsthaft, indem er
Zinnobers Schulter berührte: 'Ja, ein sehr schönes Exemplar, ein
vortrefflicher Brasilianer, der sogenannte Mycetes Belzebub - Simia
Belzebub Linnei - niger, barbatus, podiis caudaque apice brunneis -
Brüllaffe' -
"'Herr,' - prustet nun der Kleine den Aufseher an, 'Herr, ich glaube,
Sie sind wahnsinnig oder neunmal des Teufels, ich bin kein Belzebub
caudaque - kein Brüllaffe, ich bin Zinnober, der Minister Zinnober,
Ritter des grüngefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen!' - Nicht weit
davon stehe ich und breche - hätt' es das Leben gekostet auf der
Stelle, ich konnte mich nicht zurückhalten - aus in ein wieherndes
Gelächter.
"'Sind Sie auch da, Herr Referendarius?' schnarcht er mich an, indem
rote Glut aus seinen Hexenaugen funkelt.
"Gott weiß, wie es kam, daß die Fremden ihn immerfort für den schönsten
seltensten Affen hielten, den sie jemals gesehen, und ihn durchaus
mit Lampertsnüssen füttern wollten, die sie aus der Tasche gezogen.
Zinnober geriet nun so ganz außer sich, daß er vergebens nach
Atem schnappte und die Beinchen ihm den Dienst versagten. Der
herbeigerufene Kammerdiener mußte ihn auf den Arm nehmen und
hinabtragen in die Kutsche.
"Selbst kann ich mir aber nicht erklären, warum mir diese Geschichte
einen Schimmer von Hoffnung gibt. Es ist der erste Tort, der dem
kleinen verhexten Unding geschehen.
"So viel ist gewiß, daß Zinnober neulich am frühen Morgen sehr verstört
aus dem Garten gekommen ist. Die geflügelte Frau muß ausgeblieben
sein, denn vorbei ist es mit den schönen Locken. Das Haar soll ihm
struppig auf dem Rücken herabhängen und Fürst Barsanuph gesagt haben:
'Vernachlässigen Sie nicht so sehr Ihre Toilette, bester Minister,
ich werde Ihnen meinen Friseur schicken!' - worauf denn Zinnober
sehr höflich geäußert, er werde den Kerl zum Fenster herausschmeißen
lassen, wenn er käme. 'Große Seele! man kommt Ihnen nicht bei,' hat
dann der Fürst gesprochen und dabei sehr geweint!
"Lebe wohl, liebster Balthasar! gib nicht alle Hoffnung auf und
verstecke Dich gut, damit sie Dich nicht greifen!" -
Ganz in Verzweiflung darüber, was ihm der Freund geschrieben, rannte
Balthasar tief hinein in den Wald und brach aus in laute Klagen.
"Hoffen soll ich," rief er, "hoffen soll ich noch, da jede Hoffnung
verschwunden, da alle Sterne untergegangen und düstere - düstere Nacht
mich Trostlosen umfängt? Unseliges Verhängnis! - ich unterliege der
finstren Macht, die verderblich in mein Leben getreten! - Wahnsinn,
daß ich auf Rettung hoffte von Prosper Alpanus, von diesem Prosper
Alpanus, der mich selbst mit höllischen Künsten verlockte und mich
forttrieb von Kerepes, indem er die Prügel, die ich dem Spiegelbilde
erteilen mußte, auf Zinnobers wahrhaftigen Rücken regnen ließ!" "Ach
Candida! - Könnt' ich nur das Himmelskind vergessen! - Aber mächtiger,
stärker als jemals glüht der Liebesfunke in mir! - Überall sehe ich
die holde Gestalt der Geliebten, die mit süßem Lächeln sehnsüchtig die
Arme nach mir ausstreckt! - Ich weiß es ja! - du liebst mich, holde
süße Candida, und das ist eben mein hoffnungsloser tötender Schmerz,
daß ich dich nicht zu retten vermag aus der heillosen Verzauberung,
die dich befangen! - Verräterischer Prosper! was tat ich dir, daß du
mich so grausam äfftest!" -
Die tiefe Dämmerung war eingebrochen, alle Farben des Waldes schwanden
hin in dumpfes Grau. Da war es, als leuchte ein besonderer Glanz
wie aufflammender Abendschein durch Baum und Gebüsch, und tausend
Insektlein erhoben sich mit rauschendem Flügelschlage sumsend in die
Lüfte. Leuchtende Goldkäfer schwangen sich hin und her, und dazwischen
flatterten buntgeputzte Schmetterlinge und streuten duftenden
Blumenstaub um sich her. Das Wispern und Sumsen wurde zu sanfter,
süßflüsternder Musik, die sich tröstend legte an Balthasars zerrissene
Brust. Über ihm funkelte stärker strahlend der Glanz. Er schaute
hinauf und erblickte staunend Prosper Alpanus, der auf einem
wunderbaren Insekt, das einer in den herrlichsten Farben prunkenden
Libelle nicht unähnlich, daherschwebte.
Prosper Alpanus senkte sich herab zu dem Jüngling, an dessen Seite
er Platz nahm, während die Libelle aufflog in ein Gebüsch und in den
Gesang einstimmte, der durch den ganzen Wald tönte.
Er berührte des Jünglings Stirne mit den wundervoll glänzenden Blumen,
die er in der Hand trug, und sogleich entzündete sich in Balthasars
Innerm frischer Lebensmut.
"Du tust," sprach nun Prosper Alpanus mit sanfter Stimme, "du tust mir
großes Unrecht, lieber Balthasar, da du mich grausam und verräterisch
schiltst in dem Augenblick, als es mir gelungen ist, Herr zu werden
des Zaubers, der dein Leben verstört, als ich, um nur schneller dich
zu finden, dich zu trösten, mich auf mein buntes Lieblingsrößlein
schwinge und herbeireite, mit allem versehen, was zu deinem Heil
dienen kann. - Doch nichts ist bittrer als Liebesschmerz, nichts
gleicht der Ungeduld eines in Liebe und Sehnsucht verzweifelnden
Gemüts. - Ich verzeihe dir, denn mir ist es selbst nicht besser
gegangen, als ich vor ungefähr zweitausend Jahren eine indische
Prinzessin liebte, Balsamine geheißen, und dem Zauberer Lothos, der
mein bester Freund war, in der Verzweiflung den Bart ausriß, weshalb
ich, wie du siehst, selbst keinen trage, damit mir nicht Ähnliches
geschehe. - Doch dir dies alles weitläuftig zu erzählen, würde wohl
hier an sehr unrechtem Orte sein, da jeder Liebende nur von seiner
Liebe hören mag, die er allein der Rede wert hält, so wie jeder
Dichter nur seine Verse gern vernimmt. Also zur Sache! - Wisse, daß
Zinnober die verwahrloste Mißgeburt eines armen Bauerweibes ist und
eigentlich Klein Zaches heißt. Nur aus Eitelkeit hat er den stolzen
Namen Zinnober angenommen. Das Stiftsfräulein von Rosenschön oder
eigentlich die berühmte Fee Rosabelverde, denn niemand anders ist jene
Dame, fand das kleine Ungetüm am Wege. Sie glaubte, alles, was die
Natur dem Kleinen stiefmütterlich versagt, dadurch zu ersetzen, wenn
sie ihn mit der seltsamen geheimnisvollen Gabe beschenkte, vermöge der
alles, was in seiner Gegenwart irgendein anderer Vortreffliches denkt,
spricht oder tut, auf _seine_ Rechnung kommen, ja daß er in der
Gesellschaft wohlgebildeter, verständiger, geistreicher Personen
auch für wohlgebildet, verständig und geistreich geachtet werden und
überhaupt allemal für den vollkommensten der Gattung, mit der er im
Konflikt, gelten muß.
"Dieser sonderbare Zauber liegt in drei feuerfarbglänzenden Haaren,
die sich über den Scheitel des Kleinen ziehen. Jede Berührung dieser
Haare, sowie überhaupt des Hauptes, mußte dem Kleinen schmerzhaft,
ja verderblich sein. Deshalb ließ die Fee sein von Natur dünnes,
struppiges Haar in dicken anmutigen Locken hinabwallen, die, des
Kleinen Haupt schützend, zugleich jenen roten Streif versteckten und
den Zauber stärkten. Jeden neunten Tag frisierte die Fee selbst den
Kleinen mit einem goldnen magischen Kamm, und diese Frisur vernichtete
jedes auf Zerstörung des Zaubers gerichtete Unternehmen. Aber den Kamm
selbst hat ein kräftiger Talisman, den ich der guten Fee, als sie mich
besuchte, unterzuschieben wußte, vernichtet.
"Es kommt jetzt nur darauf an, ihm jene drei feuerfarbnen Haare
auszureißen, und er sinkt zurück in sein voriges Nichts! - Dir, mein
lieber Balthasar, ist diese Entzauberung vorbehalten. Du hast Mut,
Kraft und Geschicklichkeit, du wirst die Sache ausführen, wie es sich
gehört. Nimm dieses kleine geschliffene Glas, nähere dich dem kleinen
Zinnober, wo du ihn findest, richte deinen scharfen Blick durch dieses
Glas auf sein Haupt, frei und offen werden die drei roten Haare sich
über das Haupt des Kleinen ziehen. Packe ihn fest an, achte nicht auf
das gellende Katzengeschrei, das er ausstoßen wird, reiße ihm mit
einem Ruck die drei Haare aus und verbrenne sie auf der Stelle. Es ist
notwendig, daß die Haare mit _einem_ Ruck ausgerissen und _sogleich_
verbrannt werden, denn sonst könnten sie noch allerlei verderbliche
Wirkungen äußern. Richte daher dein vorzüglichstes Augenmerk darauf,
daß du die Haare geschickt und fest erfassest und den Kleinen
überfällst, wenn gerade ein Feuer oder ein Licht in der Nähe
befindlich." -
"O Prosper Alpanus," rief Balthasar, "wie schlecht habe ich diese
Güte, diesen Edelmut durch mein Mißtrauen verdient! - Wie fühle ich es
so in tiefer Brust, das nun mein Leiden endigt, daß alles Himmelsglück
mir die goldnen Tore erschließt!" -
"Ich liebe," fuhr Prosper Alpanus fort, "ich liebe Jünglinge, die so
wie du, mein Balthasar, Sehnsucht und Liebe im reinen Herzen tragen,
in deren Innerm noch jene herrlichen Akkorde widerhallen, die dem
fernen Lande voll göttlicher Wunder angehören, das meine Heimat ist.
Die glücklichen, mit dieser inneren Musik begabten Menschen sind
die einzigen, die man Dichter nennen kann, wiewohl viele auch so
gescholten werden, die den ersten besten Brummbaß zur Hand nehmen,
darauf herumstreichen und das verworrene Gerassel der unter ihrer
Faust stöhnenden Saiten für herrliche Musik halten, die aus ihrem
eignen Innern heraustönt. - Dir ist, ich weiß es, mein geliebter
Balthasar, dir ist es zuweilen so, als verstündest du die murmelnden
Quellen, die rauschenden Bäume, ja, als spräche das aufflammende
Abendrot zu dir mit verständlichen Worten! - Ja, mein Balthasar! -
in diesen Momenten verstehst du wirklich die wunderbaren Stimmen der
Natur, denn aus deinem eignen Innern erhebt sich der göttliche Ton,
den die wundervolle Harmonie des tiefsten Wesens der Natur entzündet.
- Da du Klavier spielst, o Dichter, so wirst du wissen, daß dem
angeschlagenen Ton die ihm verwandten Töne nachklingen. - Dieses
Naturgesetz dient zu mehr als zum schalen Gleichnis! - Ja, o Dichter,
du bist ein viel besserer, als es manche glauben, denen du deine
Versuche, die innere Musik mit Feder und Tinte zu Papier zu bringen,
vorgelesen. Mit diesen Versuchen ist es nicht weit her. Doch hast du
im historischen Stil einen guten Wurf getan, als du mit pragmatischer
Breite und Genauigkeit die Geschichte von der Liebe der Nachtigall zur
Purpurrose aufschriebst, welche sich unter meinen Augen begeben. - Das
ist eine ganz artige Arbeit" -
Prosper Alpanus hielt inne, Balthasar blickte ihn ganz verwundert an
mit großen Augen, er wußte gar nicht, was er dazu sagen sollte, daß
Prosper das Gedicht, welches er für das fantastischste hielt, das er
jemals aufgeschrieben, für einen historischen Versuch erklärte.
"Du magst," fuhr Prosper Alpanus fort, indem ein anmutiges Lächeln
sein Gesicht überstrahlte, "du magst dich wohl über meine Reden
verwundern, dir mag überhaupt manches seltsam an mir vorkommen.
Bedenke aber, daß ich nach dem Urteil aller vernünftigen Leute eine
Person bin, die nur im Märchen auftreten darf, und du weißt, geliebter
Balthasar, daß solche Personen sich wunderlich gebärden und tolles
Zeug schwatzen können, wie sie nur mögen, vorzüglich wenn hinter allem
doch etwas steckt, was gerade nicht zu verwerfen. - Nun aber weiter!
- Nahm sich die Fee Rosabelverde des mißgestalteten Zinnober so
eifrig an, so bist du, mein Balthasar, nun ganz und gar mein lieber
Schützling. Höre also, was ich für dich zu tun gesonnen! - Der
Zauberer Lothos besuchte mich gestern, er brachte mir tausend Grüße,
aber auch tausend Klagen von der Prinzessin Balsamine, die aus dem
Schlafe erwacht ist und in den süßen Tönen des Chartah Bhade, jenes
herrlichen Gedichts, das unsere erste Liebe war, sehnende Arme nach
mir ausstreckt. Auch mein alter Freund, der Minister Yuchi, winkt mir
freundlich zu vom Polarstern. - Ich muß fort nach dem fernsten Indien!
- Mein Landgut, das ich verlasse, wünsche ich in keines andern Besitz
zu sehen als in dem deinigen. Morgen gehe ich nach Kerepes und lasse
eine förmliche Schenkungsurkunde ausfertigen, in der ich als dein
Oheim auftrete. Ist nun Zinnobers Zauber gelöst, trittst du vor den
Professor Mosch Terpin hin als Besitzer eines vortrefflichen Landguts,
eines beträchtlichen Vermögens, und wirbst du um die Hand der schönen
Candida, so wird er in voller Freude dir alles gewähren. Aber noch
mehr! - Ziehst du mit deiner Candida ein in mein Landhaus, so ist das
Glück deiner Ehe gesichert. Hinter den schönen Bäumen wächst alles,
was das Haus bedarf; außer den herrlichsten Früchten der schönste Kohl
und tüchtiges schmackhaftes Gemüse überhaupt, wie man es weit und
breit nicht findet. Deine Frau wird immer den ersten Salat, die ersten
Spargel haben. Die Küche ist so eingerichtet, daß die Töpfe niemals
überlaufen und keine Schüssel verdirbt, solltest du auch einmal eine
ganze Stunde über die Essenszeit ausbleiben. Teppiche, Stuhl- und
Sofa-Bezüge sind von der Beschaffenheit, daß es bei der größten
Ungeschicklichkeit der Dienstboten unmöglich bleibt, einen Fleck
hineinzubringen, ebenso zerbricht kein Porzellan, kein Glas, sollte
sich auch die Dienerschaft deshalb die größte Mühe geben und es auf
den härtesten Boden werfen. Jedesmal endlich, wenn deine Frau waschen
läßt, ist auf dem großen Wiesenplan hinter dem Hause das allerschönste
heiterste Wetter, sollte es auch rings umher regnen, donnern und
blitzen. Kurz, mein Balthasar, es ist dafür gesorgt, daß du das
häusliche Glück an deiner holden Candida Seite ruhig und ungestört
genießest! -
"Doch nun ist es wohl an der Zeit, daß ich heimkehre und in
Gemeinschaft mit meinem Freunde Lothos die Anstalten zu meiner
baldigen Abreise beginne. Lebe wohl, mein Balthasar!" -
Damit pfiff Prosper ein- zweimal der Libelle, die alsbald sumsend
herbeiflog. Er zäumte sie auf und schwang sich in den Sattel. Aber
schon im Davonschweben hielt er plötzlich an und kehrte um zu
Balthasar. -
"Beinahe," sprach er, "hätte ich deinen Freund Fabian vergessen. In
einem Anfall schalkischer Laune habe ich ihn für seinen Vorwitz zu
hart gestraft. In dieser Dose ist das enthalten, was ihn tröstet!" -
Prosper reichte dem Balthasar ein kleines, blank poliertes
schildkrötenes Döschen hin, das er ebenso einsteckte, wie die kleine
Lorgnette, die er erst zur Entzauberung Zinnobers von Prosper
erhalten.
Prosper Alpanus rauschte nun fort durch das Gebüsch, indem die Stimmen
des Waldes stärker und anmutiger ertönten.
Balthasar kehrte zurück nach Hoch-Jakobsheim, alle Wonne, alles
Entzücken der süßesten Hoffnung im Herzen.