Siebentes Kapitel

Wie der Professor Mosch Terpin im fürstlichen Weinkeller die Natur

erforschte. - Mycetes Belzebub. - Verzweiflung des Studenten

Balthasar. - Vorteilhafter Einfluß eines wohleingerichteten Landhauses

auf das häusliche Glück. - Wie Prosper Alpanus dem Balthasar eine

schildkrötene Dose überreichte und davonritt.

Balthasar, der sich in dem Dorfe Hoch-Jakobsheim versteckt hielt,

bekam von dem Referendarius Pulcher aus Kerepes einen Brief des

Inhalts: "Unsere Angelegenheiten, bester Freund Balthasar, gehen immer

schlechter und schlechter. Unser Feind, der abscheuliche Zinnober, ist

Minister der auswärtigen Angelegenheiten geworden und hat den großen

Orden des grüngefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen erhalten. Er hat

sich aufgeschwungen zum Liebling des Fürsten und setzt alles durch,

was er will. Professor Mosch Terpin ist ganz außer sich, er bläht sich

auf im dummen Stolz. Durch seines künftigen Schwiegersohns Vermittlung

hat er die Stelle des Generaldirektors sämtlicher natürlicher

Angelegenheiten im Staate erhalten, eine Stelle, die ihm viel Geld und

eine Menge anderer Emolumente einbringt. Als benannter Generaldirektor

zensiert und revidiert er die Sonnen- und Mondfinsternisse sowie

die Wetterprophezeiungen in den im Staate erlaubten Kalendern und

erforscht insbesondere die Natur in der Residenz und deren Bereich.

Dieser Beschäftigung halber bekommt er aus den fürstlichen Waldungen

das seltenste Geflügel, die raresten Tiere, die er, um eben ihre Natur

zu erforschen, braten läßt und auffrißt. Ebenso schreibt er jetzt

(wenigstens gibt er es vor) eine Abhandlung darüber, warum der Wein

anders schmeckt als Wasser und auch andere Wirkungen äußert, die er

seinem Schwiegersohn zueignen will. Zinnober hat es bewirkt, daß

Mosch Terpin der Abhandlung wegen alle Tage im fürstlichen Weinkeller

studieren darf. Er hat schon einen halben Oxhoft alten Rheinwein sowie

mehrere Dutzend Flaschen Champagner verstudiert und ist jetzt an ein

Faß Alikante geraten. - Der Kellermeister ringt die Hände! - So ist

dem Professor, der, wie Du weißt, das größte Leckermaul auf Erden,

geholfen, und er würde das bequemste Leben von der Welt führen, müßte

er oft nicht, wenn ein Hagelschlag die Felder verwüstet hat, plötzlich

über Land, um den fürstlichen Pächtern zu erklären, warum es gehagelt

hat, damit die dummen Teufel ein bißchen Wissenschaft bekommen, sich

künftig vor dergleichen hüten können und nicht immer Erlaß der Pacht

verlangen dürfen, einer Sache halber, die niemand verschuldet, als sie

selbst.

"Der Minister kann die Tracht Schläge, die Du ihm erteilt, nicht

verwinden. Er hat Dir Rache geschworen. Du wirst Dich gar nicht mehr

in Kerepes sehen lassen dürfen. Auch mich verfolgt er sehr, weil ich

seine geheimnisvolle Art, sich von einer geflügelten Dame frisieren

zu lassen, erlauscht habe. - Solange Zinnober des Fürsten Liebling

bleibt, werde ich wohl auf keinen ordentlichen Posten Anspruch

machen können. Mein Unstern will es, daß ich immer mit der Mißgeburt

zusammengerate, wo ich es gar nicht ahne, und auf eine Weise, die mir

fatal werden muß. Neulich ist der Minister in vollem Staat, mit Degen,

Stern und Ordensband, im zoologischen Kabinett und hat sich nach

seiner gewöhnlichen Weise, den Stock untergestemmt, auf den Fußspitzen

schwebend, an den Glasschrank hingestellt, wo die seltensten

amerikanischen Affen stehen. Fremde, die das Kabinett besehen, treten

heran, und einer, den kleinen Wurzelmann erblickend, ruft laut aus:

'Ei! - was für ein allerliebster Affe! - welch niedliches Tier! - die

Zierde des ganzen Kabinetts! - Ei, wie heißt das hübsche Äfflein?

woher des Landes?'

"Da spricht der Aufseher des Kabinetts sehr ernsthaft, indem er

Zinnobers Schulter berührte: 'Ja, ein sehr schönes Exemplar, ein

vortrefflicher Brasilianer, der sogenannte Mycetes Belzebub - Simia

Belzebub Linnei - niger, barbatus, podiis caudaque apice brunneis -

Brüllaffe' -

"'Herr,' - prustet nun der Kleine den Aufseher an, 'Herr, ich glaube,

Sie sind wahnsinnig oder neunmal des Teufels, ich bin kein Belzebub

caudaque - kein Brüllaffe, ich bin Zinnober, der Minister Zinnober,

Ritter des grüngefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen!' - Nicht weit

davon stehe ich und breche - hätt' es das Leben gekostet auf der

Stelle, ich konnte mich nicht zurückhalten - aus in ein wieherndes

Gelächter.

"'Sind Sie auch da, Herr Referendarius?' schnarcht er mich an, indem

rote Glut aus seinen Hexenaugen funkelt.

"Gott weiß, wie es kam, daß die Fremden ihn immerfort für den schönsten

seltensten Affen hielten, den sie jemals gesehen, und ihn durchaus

mit Lampertsnüssen füttern wollten, die sie aus der Tasche gezogen.

Zinnober geriet nun so ganz außer sich, daß er vergebens nach

Atem schnappte und die Beinchen ihm den Dienst versagten. Der

herbeigerufene Kammerdiener mußte ihn auf den Arm nehmen und

hinabtragen in die Kutsche.

"Selbst kann ich mir aber nicht erklären, warum mir diese Geschichte

einen Schimmer von Hoffnung gibt. Es ist der erste Tort, der dem

kleinen verhexten Unding geschehen.

"So viel ist gewiß, daß Zinnober neulich am frühen Morgen sehr verstört

aus dem Garten gekommen ist. Die geflügelte Frau muß ausgeblieben

sein, denn vorbei ist es mit den schönen Locken. Das Haar soll ihm

struppig auf dem Rücken herabhängen und Fürst Barsanuph gesagt haben:

'Vernachlässigen Sie nicht so sehr Ihre Toilette, bester Minister,

ich werde Ihnen meinen Friseur schicken!' - worauf denn Zinnober

sehr höflich geäußert, er werde den Kerl zum Fenster herausschmeißen

lassen, wenn er käme. 'Große Seele! man kommt Ihnen nicht bei,' hat

dann der Fürst gesprochen und dabei sehr geweint!

"Lebe wohl, liebster Balthasar! gib nicht alle Hoffnung auf und

verstecke Dich gut, damit sie Dich nicht greifen!" -

Ganz in Verzweiflung darüber, was ihm der Freund geschrieben, rannte

Balthasar tief hinein in den Wald und brach aus in laute Klagen.

"Hoffen soll ich," rief er, "hoffen soll ich noch, da jede Hoffnung

verschwunden, da alle Sterne untergegangen und düstere - düstere Nacht

mich Trostlosen umfängt? Unseliges Verhängnis! - ich unterliege der

finstren Macht, die verderblich in mein Leben getreten! - Wahnsinn,

daß ich auf Rettung hoffte von Prosper Alpanus, von diesem Prosper

Alpanus, der mich selbst mit höllischen Künsten verlockte und mich

forttrieb von Kerepes, indem er die Prügel, die ich dem Spiegelbilde

erteilen mußte, auf Zinnobers wahrhaftigen Rücken regnen ließ!" "Ach

Candida! - Könnt' ich nur das Himmelskind vergessen! - Aber mächtiger,

stärker als jemals glüht der Liebesfunke in mir! - Überall sehe ich

die holde Gestalt der Geliebten, die mit süßem Lächeln sehnsüchtig die

Arme nach mir ausstreckt! - Ich weiß es ja! - du liebst mich, holde

süße Candida, und das ist eben mein hoffnungsloser tötender Schmerz,

daß ich dich nicht zu retten vermag aus der heillosen Verzauberung,

die dich befangen! - Verräterischer Prosper! was tat ich dir, daß du

mich so grausam äfftest!" -

Die tiefe Dämmerung war eingebrochen, alle Farben des Waldes schwanden

hin in dumpfes Grau. Da war es, als leuchte ein besonderer Glanz

wie aufflammender Abendschein durch Baum und Gebüsch, und tausend

Insektlein erhoben sich mit rauschendem Flügelschlage sumsend in die

Lüfte. Leuchtende Goldkäfer schwangen sich hin und her, und dazwischen

flatterten buntgeputzte Schmetterlinge und streuten duftenden

Blumenstaub um sich her. Das Wispern und Sumsen wurde zu sanfter,

süßflüsternder Musik, die sich tröstend legte an Balthasars zerrissene

Brust. Über ihm funkelte stärker strahlend der Glanz. Er schaute

hinauf und erblickte staunend Prosper Alpanus, der auf einem

wunderbaren Insekt, das einer in den herrlichsten Farben prunkenden

Libelle nicht unähnlich, daherschwebte.

Prosper Alpanus senkte sich herab zu dem Jüngling, an dessen Seite

er Platz nahm, während die Libelle aufflog in ein Gebüsch und in den

Gesang einstimmte, der durch den ganzen Wald tönte.

Er berührte des Jünglings Stirne mit den wundervoll glänzenden Blumen,

die er in der Hand trug, und sogleich entzündete sich in Balthasars

Innerm frischer Lebensmut.

"Du tust," sprach nun Prosper Alpanus mit sanfter Stimme, "du tust mir

großes Unrecht, lieber Balthasar, da du mich grausam und verräterisch

schiltst in dem Augenblick, als es mir gelungen ist, Herr zu werden

des Zaubers, der dein Leben verstört, als ich, um nur schneller dich

zu finden, dich zu trösten, mich auf mein buntes Lieblingsrößlein

schwinge und herbeireite, mit allem versehen, was zu deinem Heil

dienen kann. - Doch nichts ist bittrer als Liebesschmerz, nichts

gleicht der Ungeduld eines in Liebe und Sehnsucht verzweifelnden

Gemüts. - Ich verzeihe dir, denn mir ist es selbst nicht besser

gegangen, als ich vor ungefähr zweitausend Jahren eine indische

Prinzessin liebte, Balsamine geheißen, und dem Zauberer Lothos, der

mein bester Freund war, in der Verzweiflung den Bart ausriß, weshalb

ich, wie du siehst, selbst keinen trage, damit mir nicht Ähnliches

geschehe. - Doch dir dies alles weitläuftig zu erzählen, würde wohl

hier an sehr unrechtem Orte sein, da jeder Liebende nur von seiner

Liebe hören mag, die er allein der Rede wert hält, so wie jeder

Dichter nur seine Verse gern vernimmt. Also zur Sache! - Wisse, daß

Zinnober die verwahrloste Mißgeburt eines armen Bauerweibes ist und

eigentlich Klein Zaches heißt. Nur aus Eitelkeit hat er den stolzen

Namen Zinnober angenommen. Das Stiftsfräulein von Rosenschön oder

eigentlich die berühmte Fee Rosabelverde, denn niemand anders ist jene

Dame, fand das kleine Ungetüm am Wege. Sie glaubte, alles, was die

Natur dem Kleinen stiefmütterlich versagt, dadurch zu ersetzen, wenn

sie ihn mit der seltsamen geheimnisvollen Gabe beschenkte, vermöge der

alles, was in seiner Gegenwart irgendein anderer Vortreffliches denkt,

spricht oder tut, auf _seine_ Rechnung kommen, ja daß er in der

Gesellschaft wohlgebildeter, verständiger, geistreicher Personen

auch für wohlgebildet, verständig und geistreich geachtet werden und

überhaupt allemal für den vollkommensten der Gattung, mit der er im

Konflikt, gelten muß.

"Dieser sonderbare Zauber liegt in drei feuerfarbglänzenden Haaren,

die sich über den Scheitel des Kleinen ziehen. Jede Berührung dieser

Haare, sowie überhaupt des Hauptes, mußte dem Kleinen schmerzhaft,

ja verderblich sein. Deshalb ließ die Fee sein von Natur dünnes,

struppiges Haar in dicken anmutigen Locken hinabwallen, die, des

Kleinen Haupt schützend, zugleich jenen roten Streif versteckten und

den Zauber stärkten. Jeden neunten Tag frisierte die Fee selbst den

Kleinen mit einem goldnen magischen Kamm, und diese Frisur vernichtete

jedes auf Zerstörung des Zaubers gerichtete Unternehmen. Aber den Kamm

selbst hat ein kräftiger Talisman, den ich der guten Fee, als sie mich

besuchte, unterzuschieben wußte, vernichtet.

"Es kommt jetzt nur darauf an, ihm jene drei feuerfarbnen Haare

auszureißen, und er sinkt zurück in sein voriges Nichts! - Dir, mein

lieber Balthasar, ist diese Entzauberung vorbehalten. Du hast Mut,

Kraft und Geschicklichkeit, du wirst die Sache ausführen, wie es sich

gehört. Nimm dieses kleine geschliffene Glas, nähere dich dem kleinen

Zinnober, wo du ihn findest, richte deinen scharfen Blick durch dieses

Glas auf sein Haupt, frei und offen werden die drei roten Haare sich

über das Haupt des Kleinen ziehen. Packe ihn fest an, achte nicht auf

das gellende Katzengeschrei, das er ausstoßen wird, reiße ihm mit

einem Ruck die drei Haare aus und verbrenne sie auf der Stelle. Es ist

notwendig, daß die Haare mit _einem_ Ruck ausgerissen und _sogleich_

verbrannt werden, denn sonst könnten sie noch allerlei verderbliche

Wirkungen äußern. Richte daher dein vorzüglichstes Augenmerk darauf,

daß du die Haare geschickt und fest erfassest und den Kleinen

überfällst, wenn gerade ein Feuer oder ein Licht in der Nähe

befindlich." -

"O Prosper Alpanus," rief Balthasar, "wie schlecht habe ich diese

Güte, diesen Edelmut durch mein Mißtrauen verdient! - Wie fühle ich es

so in tiefer Brust, das nun mein Leiden endigt, daß alles Himmelsglück

mir die goldnen Tore erschließt!" -

"Ich liebe," fuhr Prosper Alpanus fort, "ich liebe Jünglinge, die so

wie du, mein Balthasar, Sehnsucht und Liebe im reinen Herzen tragen,

in deren Innerm noch jene herrlichen Akkorde widerhallen, die dem

fernen Lande voll göttlicher Wunder angehören, das meine Heimat ist.

Die glücklichen, mit dieser inneren Musik begabten Menschen sind

die einzigen, die man Dichter nennen kann, wiewohl viele auch so

gescholten werden, die den ersten besten Brummbaß zur Hand nehmen,

darauf herumstreichen und das verworrene Gerassel der unter ihrer

Faust stöhnenden Saiten für herrliche Musik halten, die aus ihrem

eignen Innern heraustönt. - Dir ist, ich weiß es, mein geliebter

Balthasar, dir ist es zuweilen so, als verstündest du die murmelnden

Quellen, die rauschenden Bäume, ja, als spräche das aufflammende

Abendrot zu dir mit verständlichen Worten! - Ja, mein Balthasar! -

in diesen Momenten verstehst du wirklich die wunderbaren Stimmen der

Natur, denn aus deinem eignen Innern erhebt sich der göttliche Ton,

den die wundervolle Harmonie des tiefsten Wesens der Natur entzündet.

- Da du Klavier spielst, o Dichter, so wirst du wissen, daß dem

angeschlagenen Ton die ihm verwandten Töne nachklingen. - Dieses

Naturgesetz dient zu mehr als zum schalen Gleichnis! - Ja, o Dichter,

du bist ein viel besserer, als es manche glauben, denen du deine

Versuche, die innere Musik mit Feder und Tinte zu Papier zu bringen,

vorgelesen. Mit diesen Versuchen ist es nicht weit her. Doch hast du

im historischen Stil einen guten Wurf getan, als du mit pragmatischer

Breite und Genauigkeit die Geschichte von der Liebe der Nachtigall zur

Purpurrose aufschriebst, welche sich unter meinen Augen begeben. - Das

ist eine ganz artige Arbeit" -

Prosper Alpanus hielt inne, Balthasar blickte ihn ganz verwundert an

mit großen Augen, er wußte gar nicht, was er dazu sagen sollte, daß

Prosper das Gedicht, welches er für das fantastischste hielt, das er

jemals aufgeschrieben, für einen historischen Versuch erklärte.

"Du magst," fuhr Prosper Alpanus fort, indem ein anmutiges Lächeln

sein Gesicht überstrahlte, "du magst dich wohl über meine Reden

verwundern, dir mag überhaupt manches seltsam an mir vorkommen.

Bedenke aber, daß ich nach dem Urteil aller vernünftigen Leute eine

Person bin, die nur im Märchen auftreten darf, und du weißt, geliebter

Balthasar, daß solche Personen sich wunderlich gebärden und tolles

Zeug schwatzen können, wie sie nur mögen, vorzüglich wenn hinter allem

doch etwas steckt, was gerade nicht zu verwerfen. - Nun aber weiter!

- Nahm sich die Fee Rosabelverde des mißgestalteten Zinnober so

eifrig an, so bist du, mein Balthasar, nun ganz und gar mein lieber

Schützling. Höre also, was ich für dich zu tun gesonnen! - Der

Zauberer Lothos besuchte mich gestern, er brachte mir tausend Grüße,

aber auch tausend Klagen von der Prinzessin Balsamine, die aus dem

Schlafe erwacht ist und in den süßen Tönen des Chartah Bhade, jenes

herrlichen Gedichts, das unsere erste Liebe war, sehnende Arme nach

mir ausstreckt. Auch mein alter Freund, der Minister Yuchi, winkt mir

freundlich zu vom Polarstern. - Ich muß fort nach dem fernsten Indien!

- Mein Landgut, das ich verlasse, wünsche ich in keines andern Besitz

zu sehen als in dem deinigen. Morgen gehe ich nach Kerepes und lasse

eine förmliche Schenkungsurkunde ausfertigen, in der ich als dein

Oheim auftrete. Ist nun Zinnobers Zauber gelöst, trittst du vor den

Professor Mosch Terpin hin als Besitzer eines vortrefflichen Landguts,

eines beträchtlichen Vermögens, und wirbst du um die Hand der schönen

Candida, so wird er in voller Freude dir alles gewähren. Aber noch

mehr! - Ziehst du mit deiner Candida ein in mein Landhaus, so ist das

Glück deiner Ehe gesichert. Hinter den schönen Bäumen wächst alles,

was das Haus bedarf; außer den herrlichsten Früchten der schönste Kohl

und tüchtiges schmackhaftes Gemüse überhaupt, wie man es weit und

breit nicht findet. Deine Frau wird immer den ersten Salat, die ersten

Spargel haben. Die Küche ist so eingerichtet, daß die Töpfe niemals

überlaufen und keine Schüssel verdirbt, solltest du auch einmal eine

ganze Stunde über die Essenszeit ausbleiben. Teppiche, Stuhl- und

Sofa-Bezüge sind von der Beschaffenheit, daß es bei der größten

Ungeschicklichkeit der Dienstboten unmöglich bleibt, einen Fleck

hineinzubringen, ebenso zerbricht kein Porzellan, kein Glas, sollte

sich auch die Dienerschaft deshalb die größte Mühe geben und es auf

den härtesten Boden werfen. Jedesmal endlich, wenn deine Frau waschen

läßt, ist auf dem großen Wiesenplan hinter dem Hause das allerschönste

heiterste Wetter, sollte es auch rings umher regnen, donnern und

blitzen. Kurz, mein Balthasar, es ist dafür gesorgt, daß du das

häusliche Glück an deiner holden Candida Seite ruhig und ungestört

genießest! -

"Doch nun ist es wohl an der Zeit, daß ich heimkehre und in

Gemeinschaft mit meinem Freunde Lothos die Anstalten zu meiner

baldigen Abreise beginne. Lebe wohl, mein Balthasar!" -

Damit pfiff Prosper ein- zweimal der Libelle, die alsbald sumsend

herbeiflog. Er zäumte sie auf und schwang sich in den Sattel. Aber

schon im Davonschweben hielt er plötzlich an und kehrte um zu

Balthasar. -

"Beinahe," sprach er, "hätte ich deinen Freund Fabian vergessen. In

einem Anfall schalkischer Laune habe ich ihn für seinen Vorwitz zu

hart gestraft. In dieser Dose ist das enthalten, was ihn tröstet!" -

Prosper reichte dem Balthasar ein kleines, blank poliertes

schildkrötenes Döschen hin, das er ebenso einsteckte, wie die kleine

Lorgnette, die er erst zur Entzauberung Zinnobers von Prosper

erhalten.

Prosper Alpanus rauschte nun fort durch das Gebüsch, indem die Stimmen

des Waldes stärker und anmutiger ertönten.

Balthasar kehrte zurück nach Hoch-Jakobsheim, alle Wonne, alles

Entzücken der süßesten Hoffnung im Herzen.

Klein Zaches, genannt Zinnober: Ein Märchen · 第 9 / 12 题