April kam und überschüttete Ferrara mit Blüten. Lukrezia ließ die
Mäuler der herzoglichen Ställe bepacken, denn sie wollte nach einem
ihrer Landhäuser hinausziehen.
An einem schon die Siesta verlangenden Nachmittage saß sie mit Donna
Angela an dem offenen Fenster lässig vor dem Schachbrett und lauschte
dem Singen ihres im Hofe beschäftigten Gesindes und der Treiber. Es
war ein Liebeslied, welches der üppige Lenz erregte, aber die
Ehrfurcht dämpfte.
Jetzt verstummte dieses völlig, und unter dem Hoftore klirrte der
Hufschlag von Pferden.
"Gäste!" sagte Donna Lukrezia, und die Frauen erhoben sich.
Die Diener, welche ihm die Tür öffneten, wegdrängend, trat der Herzog
ein.
"Ich komme von Rom", begann der Staubbedeckte, "und bin scharf
geritten, da ich mich nach Euerm Antlitz sehnte, liebe Frau"--er
ergriß und küßte ihre Hand--"und bin herzlich froh, wieder bei Euch
zu sein! Doch bedaure ich, Euch eine Trauerbotschaft zu bringen.
Euer erlauchtester Bruder, der Herzog von Romagna, ist nicht mehr
unter den Lebenden.