Elftes Kapitel

April kam und überschüttete Ferrara mit Blüten. Lukrezia ließ die

Mäuler der herzoglichen Ställe bepacken, denn sie wollte nach einem

ihrer Landhäuser hinausziehen.

An einem schon die Siesta verlangenden Nachmittage saß sie mit Donna

Angela an dem offenen Fenster lässig vor dem Schachbrett und lauschte

dem Singen ihres im Hofe beschäftigten Gesindes und der Treiber. Es

war ein Liebeslied, welches der üppige Lenz erregte, aber die

Ehrfurcht dämpfte.

Jetzt verstummte dieses völlig, und unter dem Hoftore klirrte der

Hufschlag von Pferden.

"Gäste!" sagte Donna Lukrezia, und die Frauen erhoben sich.

Die Diener, welche ihm die Tür öffneten, wegdrängend, trat der Herzog

ein.

"Ich komme von Rom", begann der Staubbedeckte, "und bin scharf

geritten, da ich mich nach Euerm Antlitz sehnte, liebe Frau"--er

ergriß und küßte ihre Hand--"und bin herzlich froh, wieder bei Euch

zu sein! Doch bedaure ich, Euch eine Trauerbotschaft zu bringen.

Euer erlauchtester Bruder, der Herzog von Romagna, ist nicht mehr

unter den Lebenden.

Angela Borgia · 第 18 / 23 题