Sie hat früher die Gemälde kaum beachtet, welche ein Stück Seemannsleben
vorstellten, sie las keine Romane über Schiffervolk und Matrosen ... was
interessierte sie, die Residenzlerin, solch eine fernliegende Welt!
Jetzt mit einem Mal deucht es sie, als habe sie viel, sehr viel
versäumt.
Die Schritte drunten verhallen, die Schatten des Gebüsches decken die
hohe Männergestalt. Graf Guntram Krafft will mit seinen Fischern hinaus
zum Fang fahren, er stellt seine starken Arme in den Dienst der Seinen,
so wie sie zu ihm stehen, wenn er sie aufruft zu Schutz und Trutz der
Gefährdeten.
Gabriele hat sich das nie so recht vorstellen können, jetzt aber ist es
ihr, als ob ein ahnungsvolles Verstehen in ihrem Herzen aufdämmere.
Kreist vielleicht jener Tropfen wilden Bärenbluts dennoch in seinen
Adern?
Er schritt still und ernst vorbei, er hob nicht das Haupt und blickte
nicht empor zu ihr, und doch wußte er, daß diese Fenster ihrem Zimmer
angehörten.
Langsam wich Gabriele zurück.
Drunten rauschten die dunklen Waldwipfel leise im Hauch der Nacht, und
fernher glänzte die See wie ein silbernes Märchenland. --
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