XIX.

Das schlechte Wetter hielt an und zwang die Damen, im Zimmer zu

verweilen.

Gabriele war eifrig bemüht, sich mit den Räumlichkeiten der Burg bekannt

zu machen und der Gräfin möglichst zur Hand zu gehen. Zu ihrer

Überraschung bemerkte sie, daß es so gut wie gar keine Arbeit für sie

gab, denn Gundula verrichtete nach wie vor alle Obliegenheiten der

Hausfrau und beaufsichtigte, schaltete und waltete wie sonst in Haus und

Hof.

Gabriele begleitete sie zwar auf Schritt und Tritt und bemühte sich,

hier und da kleine Handreichungen zu leisten, doch schien ihr diese

Beschäftigung schließlich so unbedeutend, daß sie die Gräfin um Arbeit

bat.

Diese lächelte.

»Ihre Arbeit ist die, bei mir zu sein, liebe Gabriele!« sagte sie ruhig.

»Fürerst sehen Sie sich alles an, wie ich gewohnt bin, den Tag

einzuteilen, und falls es einmal nottut, vertreten Sie mich. -- Am

Nachmittag ist es oft stille Zeit, dann werde ich mich am meisten Ihrer

Gesellschaft freuen. Heute zeige ich Ihnen die Zimmer der Burg, welche

wir für gewöhnlich nicht bewohnen.«

Die Bären von Hohen-Esp: Roman · 第 66 / 110 题