Erst spät am Morgen, als das Mädchen schon im Ofen das Feuer anzündet,
schläft sie ein.
Und als sie erwacht, erhält sie die Nachricht, daß Graf Hohen-Esp
bereits dagewesen sei. -- Sie starrt die Sprecherin an wie eine Vision.
»Er war hier?« -- Das klingt wie ein heiserer, jubelnder Aufschrei.
Sie preßt die Hände gegen die Schläfen, sie lacht jählings auf, wie aus
Todesängsten erlöst. Dann macht sie in rasender Eile Toilette,
frühstückt und geht in sehr gehobener Stimmung auf das Eis.
Als sie wiederkommt, sieht sie trotz der Kälte blaß und verstört aus.
Um ihre Augen liegen tiefe Schatten, und der Mund zeigt die Linien,
welche man im ganzen Hause fürchtet, -- sie zeigen an, daß die Komtesse
sich in höchst gereizter und schwer geärgerter Stimmung befindet.
Dann wirft und schleudert sie alles.
So auch jetzt.
Sie bringt zwei Neuigkeiten mit nach Hause.
Die erste ist die, daß Fräulein von Sprendlingen persönlich sehr wohl
und gesund ist, daß aber ihr Vater, gerade, als er im Begriff stand, für
das Tanzfest im Hotel St. Petersburg Toilette zu machen, von einem
Schlaganfall getroffen wurde.
Er liegt seit gestern abend bewußtlos, und die Ärzte fürchten das
Schlimmste.
Das würde Komtesse Sevarille ziemlich gleichgültig sein, im Gegenteil,
wenn »die Königin der Feste«, Fräulein Gabriele, Trauer bekäme und keine
Bälle besuchen könnte, würde es für die Freundin Thea nur vorteilhaft
sein.
Aber die zweite Neuigkeit!
Graf Hohen-Esp ist Knall und Fall abgereist. Kein Mensch weiß warum. --
Man vermutet, daß er Nachrichten von zu Hause erhielt.
Ob er wiederkommen wird?
Viele behaupten »ja«, manche »nein«. -- Gräfin Thea weiß es genau, --
nein, er kommt nicht wieder. Und diese Überzeugung kann sie wütend
machen -- wütend! -- Sie schließt sich in ihr Zimmer ein und tobt.
* * * * *