Je nun, so muß ihr doch das Glück derselben ganz besonders am Herzen
liegen!
Die Musik intoniert von neuem, und unruhig schaut der Graf nach seinem
reizenden Gegenüber aus, -- umsonst, der Platz an der Seite der Frau von
Sprendlingen bleibt leer. Jetzt treten die hohen Herrschaften wieder
ein, und hinter ihnen -- richtig -- da erscheint Gabriele und nimmt
neben einer der Hofdamen Platz.
Erst nach der nächsten Pause kehrt sie an die Seite der Mutter zurück.
Mit strahlenden Augen begrüßt sie Guntram Krafft -- doch seltsam ...
sie, die ihm noch vorhin ein so anmutiges Lächeln spendete, blickt jetzt
plötzlich über ihn hinweg, als existiere er nicht mehr für sie.
Die großen, hellen Nixenaugen blicken so kalt -- so unheimlich kalt, und
die feinen Lippen wölben sich so stolz und hochmütig, als habe sie der
blonde Fremdling hier drüben nie und nimmer im Arm gehalten.
Was mag ihr plötzlich in den Sinn gekommen sein?
Der Bär von Hohen-Esp ist so in Schauen und Sinnen versunken, daß er für
nichts anders mehr Augen und Ohren hat, -- er bemerkt es nicht, wie
Komtesse Thea keinen Blick von ihm wendet und ihn scharf beobachtet, wie
das sanfte Madonnengesicht plötzlich einen sehr scharfen, ironischen
Ausdruck bekommt, wie es in den schwärmerischen Augen aufglimmt. Er
sieht nur das kühle, stolze Nixengesicht in der Loge drüben -- und als
die Senta auf der Bühne drunten mit weicher Stimme klagt: »Doch nie ein
treues Weib er fand!« da geht es plötzlich wie ein Erschrecken durch das
Herz des weltfremden Mannes.