Auf dringenden Wunsch der Gräfin siedelte die Haushaltung nach
Hohen-Esp über und verblieb den ganzen Sommer daselbst, denn wie
Gundula scherzend sagte: »sollte der junge Bär in seiner angestammten
Höhle geboren werden!« --
Graf Friedrich Karl leistete seiner Gemahlin tagelang Gesellschaft,
dann trieb es ihn wieder voll rastloser Ungeduld in die Residenz
zurück; er kam und ging -- er schweifte ruhelos zwischen dort und hier,
und dabei ward er immer nervöser, immer blasser und elender, und sah
schließlich so ernstlich krank aus, daß es Gundula auffiel und sie
besorgt nach der Ursache fragte.
Er lachte und versuchte voll unsicherer Heiterkeit zu scherzen. »Ich
werde noch die Ankunft des neuen Herrn und Gebieters abwarten, und
alsdann ein paar Wochen in ein Bad reisen; der Doktor meint, es sei
eine verschleppte Erkältung, dafür ist Luftwechsel gut!«
Früher hatte die Gräfin nie an einem Wort ihres Mannes gezweifelt,
jetzt plötzlich hatte ihr Auge etwas so seltsam Forschendes und
Durchdringendes, daß Friedrich Karl ihrem Blicke auswich.
* * * * *
Und die Wochen vergingen ... und auf der Burg Hohen-Esp wurde ein Sohn
geboren. Ein Sohn! -- wie ein zitternder Jubelschrei rang es sich von
den Lippen der jungen Mutter. Nun lag der heißersehnte kleine Bär in
ihrem Arm, und die alten Bilder von der Wand schauten mit wundersam
lebendigem Blick auf sie nieder und lächelten ihr zu.