Und am nächsten Tage spielte er voll nervöser Leidenschaft, hitziger,
aufgeregter, wie je.
Und er gewann!
Sein Kopf brannte! Wie unsinnig vor Freude stürmte er zu dem Bankier
und legte das Geld an! -- Und dann hatte er noch eine Chance!
Der Herzog war entzückt von seinem Viererzug schönster Rappen, welchen
er gern seiner jungen Schwiegertochter, der Prinzessin Margarete, zum
Geschenk machen wollte.
Prinz Georg, welcher mit Hohen-Esp unterhandelte, bot eine enorme
Summe, aber die Eitelkeit des Grafen litt es nicht, daß er sich von
seinen berühmten Pferden trennte. Das war jetzt anders geworden.
Er mußte für seinen Sohn Kapital machen! Noch an demselben Tage
verkaufte er die Rappen, und das Geld brachte er abermals auf die Bank!
Welch ein Vergnügen ihm das bereitete! Es war etwas so Neues für ihn,
zu sparen!
Vorläufig schaffte er auch keine anderen Pferde wieder an. Er kündigte
dem zweiten Kutscher, und freute sich, wieviel er dadurch ersparte, --
den Unterricht für den anspruchsvollen Engländer und vier Rationen! --
Er muß weiter überlegen, wie und wo er sparen kann, ohne daß Gundula es
merkt, denn ein Gefühl der Scham hält ihn plötzlich davon ab, seiner
Frau einzugestehen, wie gewissenlos er bisher gewirtschaftet hat. --
Und er spart und legt an ... und dann schlägt das Glück einmal wieder
um und er muß alles wieder von der Bank abholen, um die Spielschulden
abzutragen!
Es ist ein qualvoller Kampf, ein Auf und Nieder, ein Wasserschöpfen mit
dem Sieb!
Aber Graf Friedrich Karl kämpft voll zäher Beharrlichkeit, er denkt
an seinen Sohn! Und er sorgt und müht sich immer leidenschaftlicher
und nervöser, je mehr er es beobachtet, wie in Gundulas Wesen eine
wunderbare und auffällige Veränderung vor sich geht. --
Wie in langem Staunen haftet sein Blick oft verstohlen auf der Gräfin.
Ist dies dieselbe resignierte, müde, sanfte und gleichgültige Frau
von ehedem, welche auf all seine Wünsche nur ein selbstloses: »wie
du willst!« hatte, welche mit gesenktem Haupte einherschritt,
interessenlos, und so matt und scheu, wie eine weiße Taube, welcher ein
Sturm die Schwingen brach?
Ist dies dieselbe Gundula, welche zu ihrem eigenen Schatten geworden
war? --
Jetzt ist es, als ob ein Steinbild endlich zum Leben erwacht sei!
Ihre Gestalt wächst hoch und kraftvoll empor, ihr Haupt hebt sich stolz
und selbstbewußt auf den Schultern, und all ihre Bewegungen haben etwas
Festes, Sicheres, wie er es nie zuvor an ihr gekannt!
Die sanften Taubenaugen blitzen in sieghafter Freude, die Lippen
lächeln und sprachen doch nie energischere Worte wie jetzt!
Tante Agathe kommt zum ersten Male zu kurzem Besuch und weinte Tränen
der Freude über das Glück ihres Lieblings.
Als sie Gundula so gänzlich verändert schalten und walten sieht,
nickt sie leise vor sich hin. Wie ein Echo ziehen die Worte ihres
verstorbenen Bruders durch ihren Sinn --: »wenn aber erst die junge
Brut in der Höhle liegt, dann wird aus dem sanften, indolenten Weibchen
eine gar trotzige, wehrhafte Bärin!« --