Wie eigen mir nur ist! -

Der viele, viele Sonnenschein den ganzen Tag über; das Tollen, Lachen

und Jauchzen, die weiten, hellen Wiesen und kühlen Schatten; die weißen

Wölkchen am blauen Himmel hingeflockt; am Abend der Mond hoch oben am

weiten Himmel, der seine weißen Lichter auf die stillen Wege legte; der

endlose Abschied am Gartentor, bis sie dann aus meinen Armen war und

weiß in den dunklen Hausflur hinein; und dann der Heimweg: ihre Wärme

noch an meiner Brust, an meinem Halse, an meinem Gesicht, all die

selbstvergessene Lust: ich muß es wohl noch im Blute haben ...

Das muß es wohl sein.

Weit drüben, dort über der schwarzen Linde, die den mondhellen Dachfirst

überragt, im silbergrünen Nachthimmel flimmert ein Sternchen.

Ihr Haus ...

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_Vanitas! Vanitatum vanitas!_

Leise, leise klingt es in mein Ohr, anklagend, der Schmerzensruf vieler

Tausende, meiner selbst. Aber fernher, ganz von fern. Verzitternd in dem

milden, lichten Frieden. Ich muß lächeln in meinem großen Glück, daß mir

diese Tage beschieden sind und diese Nächte.

_Vanitas! Vanitatum vanitas!_

Ich muß lächeln, daß ich es so gar nicht verstehe, daß es mir ist wie

ein fremder, leerer Klang; und wie lange ist's her, da rief ich's selbst

in meiner Bedrängnis!

Alles hin. Alles vergessen.

Vergessen? Könnt ich dann staunen in diesem ernsten Glück, staunen wie

über etwas Unermeßliches, Unbegreifliches? Nein, auch der Akkord mischt

sich hinein in mein Träumen.

Nicht vergessen: überwunden ...

Das ganze Leben ein quälendes Suchen und seliges Finden solcher

Augenblicke. Die Welt ist so groß und weit und tief, so unergründbar

tief, und doch darf der Tag sie einem verdunkeln ...

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Das schlummernde Dorf da draußen.

So ärmlich, niedrig, gemein alles, wenn es der Tag ins Helle bringt. Die

staubigen Wege, die rissigen, wetterverwaschenen Lehmmauern der Katen

und Ställe; die Menschen: häßlich, schmutzig in ihrem groben

Arbeitskleid, niedergedrückt von der Last ihrer Arbeit; die hundert

Laute emsigen Lebens; aufdringlich, wirr, verwirrend alles in seiner

dürftigen Enge. Und nun weitet sich's in großen, ruhigen Linien so

wunderlich in die atmende Nacht hinein ...

Wie es rauscht durch die lichte Stille und rauscht und rauscht!

Als hörte man die goldenen Welten da oben auf ihren einsamen Bahnen

durch die eisige Unendlichkeit des Raumes mit der Pracht und dem Grauen

ungeahnter Tage und Nächte, mit den unerhörten Wundern all ihres Lebens,

mit der grausigen Öde ihres Todes.

Und hier, unter mir, mit ihnen die Erde mit all ihren geschauten und

doch ebenso unergründlichen Wundern.

Und dort, unter den niedrigen, mondhellen Dächern, spinnt sich das Leben

weiter. Da ringt es, Raum gebend, mit Todesschauern; da müht es sich mit

seinen großen und kleinen Sorgen; da schlummern die, die sich gerecht

und ungerecht, gut und böse, gemein und edel, arm und reich, schön und

häßlich nennen und alle doch unter dem Zwange unerforschter Gesetze

stehen, da schlummern sie, die Schönheit des gleichen Friedens auf ihren

Gesichtern. Da wächst es aus heimlichen Umarmungen auf zu unbekannten

Schicksalen ...

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Weiter! Hin über das mondlichte Feld.

Die weiten Ährenwogen nicken und knistern unter der Last ihrer Reife und

verschwimmen in den Lichtglast hinein. Aus der braunen Erde falten sich

Pflanzen und Kräuter mit stiller, wohliger Kraft hinauf, hinauf in das

Licht, in die Luft. Nächtliches Getier geht auf seinen verborgenen

Pfaden in Furchen und Feldern, über Wiesen, durch wispernde Sträucher,

über dämmernde Wege, oder ruht im Frieden schwarzer Schlüfte. Und die

einsamen Hügel draußen im Land: nur der lichte Himmel weit drüber hin,

und der Nachtwind frisch über die Gräserchen und Blümchen, und aus dem

Tal herauf rastlos das Rauschen der Mühlen. Die Wiesen, mit wallenden

weißen Nebeln drüber und flinkerndem Tau. Die glitzernden Wässerchen

rieseln hindurch zu den Bächen, zu den Flüssen, den Strömen, weiter,

weiter in ferne, endlose, monddämmernde Meere. - Durch die Nacht der

Wälder das Brausen unzähliger Wipfel und hundert heimliche Laute. Oben

auf den ragenden Kronen der weiße Glanz, zwischen Ästen und Zweigen, am

bebenden Laub, an den alten Stämmen hinspielend, nieder auf Gräser und

taufunkelnde Blumen.

Hin über Länder und Meere, über Gefilde, Weiler und Dörfer, Städte, Seen

und Berge. Hin über die weite Erde bis zu all den Tiefen und Höhen, die

noch kein Mensch erreichte, die viel zu gewaltig sind für unser armes

Gehirn, vor denen selbst unsere Träume zurückschrecken ...

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Flaches Land im Monddunst.

Soweit man blicken kann, am Horizont hin mächtige Häusermassen in

bläulichem Dämmer, wie ein Gebirge breit in den Himmel hinein. Häuser,

Häuser und Häuser. Und es wächst und wächst und dehnt sich weiter und

immer weiter, beängstigend weit in das Land hinein. Oben drüberhin ein

roter Lichtdunst, der sich im breiten Halbkreis schmutzig und trüb in

die sternfunkelnde Klarheit dehnt.

Hier gibt es keine Nacht. Nimmermüde rauscht hier das Leben durch die

breiten, hellen Straßen. Millionen und aber Millionen rastloser Kräfte:

hier kreuzen sie sich in tausend und aber tausend Verfeinerungen.

Das Elend der Vorstädte. Lange, endlos lange Straßen mit schnurgeraden,

öden Fassaden, wie Mauern glatt und grau. Unzählige Fensterlöcher, viele

rot die ganze Nacht hindurch. Wie viel Jammer, Verzweiflung, Elend,

Müdigkeit, Erniedrigung dahinter! Wie viel Zukunft! Rächende Zukunft,

großgezogen in Träumen und Hoffnungen, bis der Tag kommen wird, an dem

aus unsäglichen Greueln eine neue Welt sich erhebt. Eine neue Welt!...

Immer sicherer gestaltet sie sich heraus aus unseren Wünschen, aus

unseren Visionen, aus unseren unabweislichen Bedürfnissen.

Und wir? Wir sind die Verkündiger und Hindeuter. Das ist unser

unausweichbares Schicksal! Verkündiger und Hindeuter, wenn wir den

Todeskampf absterbender Generationen in uns erleben; deren Schuld ihre

Schwäche ist, ihre Müdigkeit, ihre tausend Raffinements; Verkündiger und

Hindeuter, wenn es in uns lebendig wird von Ahnungen der Zukunft ...

Müde, leidend, hoffend, ahnend und besitzend arbeiten wir alle an der

Zukunft und - sind Zukunft ...

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Du schöne, freudige Welt der Zukunft! Daß ich an dir nicht zu

verzweifeln brauche! Daß meine Seele kräftig und gesund ist, dich zu

hoffen, dich zu ahnen, durch die Greuel hindurch, aus denen du erstehen

wirst!

Du schöne, freudige Welt! Ein neues, adliges und selbstsicheres

Geschlecht, das sich verwandt fühlt über die Erde hin, soweit Menschen

leben! Das keine Kaste, kein Rassenhaß, keine Religion trennt! Das

Taten, Erkenntnisse, Empfindungen kennt, nie geahnt!... Und dann?... Und

dann?... Wieder neue Taten, Erkenntnisse, Empfindungen?... Und so fort

bis zu unerforschlichen Vollendungen?...

Sterben und Werden! Ewig! - Das ist alles! - Mehr ergründet kein

Verstand. Doch unser Empfinden durchbebt es mit wunderbaren Schauern vor

den unergründlichen Mächten ...

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Ich liege und liege und kann keinen Schlaf finden und mag keinen finden.

Eine Stunde nach der anderen geht vorbei, vorbei.

Ein frischer Luftzug rührt das Laub draußen und bebt in den Gardinen.

Allmählich, leise wechselt das Licht. Und nun liegt es wie ein

verlorenes Frühdämmern drüben über den Bäumen, auf dem Tisch vorm

Fenster, an den Wänden hin. Oben verbleichen die Sterne am klaren

Himmel. Von den Höfen her krähen die Hähne, und unten im Garten

zwitschern die Stare ins Morgengrauen.

Ich hör alles wie in einem schwindenden Traum. Und nun deutlicher,

bestimmter, wie es rings um mich her erwacht in den hellen,

aufsteigenden Morgen hinein. Und die frohe, kräftige Sicherheit des

Tages kommt über mich. Eine süße Müdigkeit drückt mir die Augenlider.

Noch ein paar Stunden Schlaf; dann wird mir mein Frühstück schmecken,

und dann werd ich mich draußen der lieben Sonne freuen, offen den

Freuden und Leiden des Tages, geschickt beide zu ertragen; und Stunden

werden kommen, Stunden, da sie mir beide gering sind ...

In Dingsda · 第 20 / 29 题