Ein wenig blasiert, ein wenig müde, kam ich hierher in dieses Nest.
Ein ganz gewöhnlicher Marktflecken, mehr Dorf als Stadt, einen Talkessel
in die Höhe liegend, zwischen Gartengrün und Wald, bei einem See.
Ein ganz simples Nest. Aber ich begegne hier keinem Menschen, denn für
regelrechte Touristen ist es doch ein wenig zu langweilig. Gott sei
Dank! Ich meinerseits habe hier Luft, Licht, Sonne. Das ist für mich die
Hauptsache. Und dann macht sich der sterntropfende Nachthimmel hier über
diesen winzigen Baracken und bemoosten Scheunendächern ebenso schön wie
anderswo.
Aber eins nötigt mir zuweilen ein resigniertes Lächeln ab. Ich genieße
hier. Ja! Ich genieße alles. Bis zum Kleinsten. Einen Buchenwipfel, vom
Sonnenlicht durchzittert; die lärmenden Spatzen auf der ungepflasterten
Gasse; ein Huhn, das im Grase pickt; die Bienen, die in den
Kirchenlinden summen; einen Schmetterling über die Blumen am Feldrain
hin. Aber ich genieße das alles als Kontrast, als etwas Heiteres,
Niedliches, Lichtes, Sonniges gegen einen gewaltigen, düsteren
Hintergrund. Es ist noch so etwas wie Raffinement in meinem Genuß; er
ist nicht unbefangen. Ich genieße wie einer, der einer Krankheit
entronnen ist, wie ein Genesender. Nun immerhin: wie ein Genesender ...
Ob das wohl jemals anders sein kann? Ich meine: ob man wohl noch einmal
ganz, ohne Rest, im Leben, in einem großen Glück aufgehen kann?
Besinnungslos? Fortgerissen? - Ganz Kraft, ganz Leben, ohne des
»Gedankens Blässe«?
Wenn ich mich recht zurückbesinnen kann, so war das wohl früher einmal.
Es ist aber nun schon recht lange her. Ein einziges großes Fest war
damals das Leben und ließ kein Reflektieren aufkommen; kein
Reflektieren ...
Ach was!
Wie herrlich der Mond dort voll über den Bäumen steht!
Zudem: heute hab ich ja ein Rendezvous. Ein nächtliches Rendezvous ...
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