*Schloss*, wesentlich 16. und 17. Jh. Den architektonisch wichtigsten Teil

bildet die Hofseite. Das Mittelhaus im Charakter der Bauten des Kurfuersten

Moritz, also um 1530-40. Interessant die Pilasterordnung nach ital.

Vorbild. Proportionen nicht gelungen, doch reizvoll die Einzelheiten.

*Rathaus* E. 15. Jh., NGiebel 1540. Rundbg. Portal mit verschraenktem got.

Stabwerk und Sitznischen, darueber Wappen bez. 1534. Auf Konsolen 2 gute

Statuen, Maria und Laurentius, A. 16. Jh.

*Haus* am Markt no 19, Renss. Portal bez. 1543, von Pilastern aehnlich

denen am Schloss flankiert, in den Zwickeln Delphine.

_DITTERSBACH._ K. Sachsen AH Pirna.

*Dorf-K.* 1662, 1sch., Holzdecke, 3/8 Chor, WTurm 1721. -- _Grabstein_ der

Familie v. Kiesenwetter 17. und 18. Jh.

_DITTMANNSDORF._ K. Sachsen AH Borna.

*Dorf-K.* 17. Jh. Interessanter Gewoelbebau mit steinernen Emporen.

_DOeBELN._ K. Sachsen Amtshauptstadt.

*Stadt-K. S. Nikolai*. Nach Brand 1333, rest. 1497 und 1885. Hallenkirche

von 4 Jochen, Ssch. platt, Msch. aus 8Eck geschlossen. Pfll. glatt 8eckig,

Gwbb. auf Konsolen, in dem Ssch. kreuzf., im Msch. sternf., Fenstermasswerk

z. T. aus 14. Jh. Maessiger WTurm, die oberen Teile nach Braenden 1629 und

1730. -- Bedeutender _Schnitzaltar_ A. 16. Jh. vielleicht von _Hans Degen_;

im Schrein 3 fast lebensgrosse Statuen, auf den Fluegeln je 2 Heilige in

Hochrelief, reiche durchbrochene Kroenungsarchitektur; das Ganze ca. 11 m

h. -- _Kanzel_ vom Tischler _David Schatz_ 1599. -- _Taufstein_ , praechtig

aus Sandstein und Marmor, 1603. -- _Epitaphe_ des Buergermeisters

Zimmermann, Holz, 1662; des G. Petsch, Sandstein, 1617. -- Bmkw. _Kelch_

ca. 1470.

*Gottesacker-K.* neu; von der alten verwendet die bemalte hoelzerne _Decke_

von Hans Dittmann 1685.

*Rathaus*. Umbau 1571, 1733. -- _Altertumsmuseum_.

*Wohnhaeuser*. Einige Renss. Tore und Fenster.

_DOeBEN._ K. Sachsen AH Grimma.

*Dorf-K.* Im OTurm rom. Formen; Chor 1507. -- _Schnitzaltar_ 1594, wohl vom

Leipziger _Valentin Silbermann_. -- Rom. _Grabst._, wohl fuer den Burggrafen

Konrad v. Doeben, andere 1605, 1633.

*Schloss*, 14. und 17. Jh., nach Brand 1857 renoviert.

_DOBERGAST._ Pr. Sachsen Kr. Weissenfels.

*Dorf-K.* Neubau 1866. Vorher sprom. Backsteinbau, durch das Material eine

fuer diese Zeit und Gegend ungewoehnliche Erscheinung.

_DOBICHAU._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.

*Kirche*. Neubau 1801, also aus einer Epoche, die fuer den Kirchenbau wenig

uebrig hatte. Klassizismus in aermlicher Gestalt.

_DOeHLEN._ K. Sachsen AH Dresden-A.

*Dorf-K.* neu; zahlreiche _ikon. Grabst._ 16. und 17. Jh., darunter einige

gut charakterisierte martialische Gestalten aus dem 30j. Kriege. Auf dem

Kirchhof feiner jonischer Rundtempel als _Denkmal_ fuer A. Ch. v. Schoenberg

1801.

_DOHNA._ K. Sachsen AH Pirna.

*Stadt-K.* Spgot. Hallenkirche, 1833 im W um 1 Joch vergroessert. Der

Formcharakter passt zu der an der OChorwand befindlichen Inschr. 1489.

Schlanke Rundpfll. ohne Kapitelle. Die Rippen sitzen am Schaft wie

abgebrochen und greifen, einander ueberschneidend, aus einem Joch ins

andere ueber. An den Gwbb. einfaches Sternmuster; der an der SOEcke

eingreifende Turm in den unteren Teilen aus aelterer Bauepoche;

Achteckchor. -- _Schnitzaltar_ um 1500, mit besonders reicher in Laubwerk

aufgeloester Kroenung. -- _Taufstein_, 6eckig, ueberzogen mit Mass- und

Laubwerk in vielfachen Ueberschneidungen. -- *Pfarrhaus* 1493. Tuer mit

Vorhangbg.

*Schloss* der Burggrafen von Dohna, 1402 zerstoert, Fundamente erkennbar.

_DOMMITSCH._ Pr. Sachsen Kr. Torgau.

*Stadt-K.* Spgot. Hallenkirche in Backsteinrohbau. Gwb. im 7j. Kriege

zerstoert. WTurm. Rathaus einfacher, stark veraenderter Renss.Bau.

_DORFPROZELTEN._ UFranken BA Marktheidenfeld.

*Pfarr-K.* Gute _Holzfigg._ der Madonna um 1460 und St. Sebastian um 1500.

-- Messingkronleuchter mit kleiner Doppelmadonna 1. H. 17. Jh. von _Hans

Klanbacht_.

_DOeRINGSTADT._ OFranken BA Staffelstein.

*Pfarr-K.* Chor 1412, Lhs. 1716.

_DOeRNA._ Pr. Sachsen Kr. Muehlhausen.

*Dorf-K.* 1713. Grosser _Taufstein_ mit Masswerk etwa 14. Jh.

_DORNBURG._ Sachsen-Weimar VB Apolda.

*Stadt-K.* 1576, spgot., 1717 umgebaut. -- _Weinkanne_ und _Kelch_ schoene

Augsburger Arbeiten.

*3 Schloesser*, das steile Felsenufer der Saale malerisch kroenend. 1. _Das

noerdliche_. Rom. 8eck. Hauptturm, Palas und Nebengebaeude rom. und spgot.,

grosser Kuechenbau. Im sog. Pfalzgrafenzimmer verrestaurierte Wandmalerei

des 16. Jh. 2. _Das mittlere_. Reizender Rok.Bau um 1740. Von Italienern

erbaut und dekoriert. Grazioese Stuckdecken. Von jedem der 3 Geschosse

gelangt man auf eine andere Terrasse des Gartens. 3. _Das suedliche_.

Spaetrenss. Am Portal bez. 1608. Im Innern Tueren mit Intarsien. Die drei

Goethezimmer in Empire.

_DORNDORF._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.

*Dorf-K.* ern. 1727; Emporen und gemaltes Brettergwb., im O ueber

mittelalterl. Resten Turm mit gefaelliger Haube.

_DORNHAGEN._ Kr. Cassel-Land.

*Dorf-K.* Unter spaeteren Umbauten der rom. Mauerkern des Lhs. erhalten,

ebenso der Ansatz zu einem westl. Glockenhaus ursp. in voller Br. des

Schiffs, mit diesem durch Doppelarkade verbunden. Sprom. Umbau, aus

welchem die Fenster des Obergeschosses. Im Lhs. got. Gwb. -- Reste der ma.

_Friedhofsbefestigung_.

_DORNHEIM._ Schwarzb.-Sondersh. LA Arnstadt.

*Dorf-K.* alt. -- _Epit._ des Chr. v. Entzenberg. 1585.

_DORNREICHENBACH._ K. Sachsen AH Grimma.

*Dorf-K.* erneuert 1653. -- _Grabdenkmaeler_ des 16. und 17. Jh., schlichte

tuechtige Arbeiten.

_DOeTHEN._ Sachsen-Weimar VB Apolda.

*Dorf-K.* rom., umgebaut. -- _Kreuzigungsgruppe_, lebensgross, Holz, 15. Jh.

_DRACKENDORF._ Sachsen-Altenburg LA Roda.

*Dorf-K.* spgot. und 1653. -- Bmkw. 3 _Oelgemaelde_, die einst den Kanzelbau

von 1643 schmueckten.

*Lobdaburg*. Die sog. obere Burg, eine Vorburg am Rande des Bergplateaus,

ganz zerstoert. In der mittleren steht der Palas in 3 Geschossen, rom., 12.

Jh.; an der SSeite des Rittersaales kunstreiche Arkadenfenster.

Kaminanlage. Der NFluegel enthielt eine geraeumige Kapelle, von ihr erhalten

2 Rundbogenfenster und eine als Erker vorgekragte Altarnische. Am

Westrande Turmstumpf mit Zisternenanlage. -- Die untere Burg gehoert zu

Sachsen-Weimar (vgl. Lobeda).

_DREITZSCH._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a.d.O.

*Dorf-K.*, umgebaut 1703; Holzdecken und Emporenbruestungen mit

historischen und ornamentalen _Malereien_ reich staffiert.

_DRESDEN._ K. Sachsen.

_Kirchen_

*Annen-K*. Nach Brand im 7j. Kriege vollkommen neu gebaut 1765-69 von

_J. G. Schmidt_. Rechteck (33:23 m) mit 1/2kr. Abschluessen. Emporen

zwischen leichten Pfll. auf ovalem Gr. Flache Holzdecke. Neuerdings Umbau

zur Gewinnung besserer Beleuchtung 1907 von _R. Schleinitz_. [Denkmaeler in

mehrere Sammlungen zerstreut, u.a. bedeutender Renss.Altar von _Hans

Walther_.]

[*Bartholomaeus-K*. An Stelle eines ma. Baues Neubau 1564, abgebrochen

1839. Erhalten hat sich einiges von den Mobilien, jetzt im Stadtmuseum.]

*Dreikoenigs-K*. [Die ma. K. stand an anderer Stelle.] Neubau 1732-39. Der

Plan von _Poeppelmann_, der innere Ausbau von _Baehr_. Einfaches Rck. Im W

eingebaut ein quadr. Turm. An dessen Innenseite eine hohe Nische fuer den

Altar. Seitlich Vorhallen und Treppen, eine zweite Vorhalle im O. Fuer das

Gemeindehaus bleibt ein Raum von 45:28 m. Daraus ein ovaler Mittelraum

abgegrenzt. In dem schmalen Ssch. 2 Raenge Emporen. Muldenfoermiges Holzgwb.

(Die oberste Empore 1891 beseitigt.) Ausbildung der Schauseiten ganz

einfach. Das WPortal aus dem aelteren Bau heruebergenommen. Der Turm 1854

vollendet.

[_Dreikoenigsaltar_; nur der Schrein erhalten (Altert.-Ver.), vielleicht

von _Hans Eifflaender_ A. 16. Jh.; die Fluegelreliefs von geringerer Hand.]

-- Der jetzige _Altar_ 1738 mit schoenem Gitter, die Plastik von _B. Thomae_.

_Kanzel_ aus der aelteren K., 1688. -- Statue der _Dorothea Stubing_

({~DAGGER~} 1677), von einem groesseren Denkmal, tuechtige Arbeit (Altert.-Ver.). --

_Gemaelde_: Kreuzigung und Kreuzabnahme, in der Art _Wolgemuts_, doch

geringer; _Pastorenbildnisse_ 1698-1818. -- Unter dem _Altargeraet_ manches

bmkw.

*Frauen-K*. An Stelle einer aelteren spgot. erb. 1726-1738 vom

Ratszimmermeister _George Baehr_, letzte Arbeiten bis 1743. Nach einer

langen Epoche kleinmuetiger Bescheidenheit erhebt sich hier der

protestantische Kirchenbau zum erstenmal wieder seit Paul Frankes

Wolfenbuetteler Marienkirche (1604) zu einem grossen und freudigen

monumentalen Entschluss. Das Zweckliche der Predigtkirche ist sorgfaeltig

durchdacht, aber Baehr bleibt nicht daran kleben. Er kehrt den

geometrischen Spielereien in den Grundrissloesungen vieler Vorgaenger den

Ruecken und nimmt die durch die Jahrhunderte geweihte Form der einfachen

Rotunde fuer den Hauptraum auf. Die auf 23,5 m im Lichten gespannte Kuppel

wird getragen von 8 durch Rundbogen verbundene Oblongpfeiler, zwischen

ihnen Emporen in 7 Raengen, seitwaerts gegen die Umfassungsmauern

Verbindungsgaenge zu den sehr bequemen und ausgiebigen Treppen, so dass die

3600 Sitzplaetze fassende Kirche sich schnell und sicher entleeren kann.

Zuzugeben ist, dass die Loesung aesthetisch doch nicht ganz befriedigt. Denn

die Emporen sind hier ein nur vom sachlichen Zweck, aber nicht vom

baulichen Organismus geforderter Appendix. Sie bringen eine Unruhe in den

Raum, die ein Zentralbau am wenigsten vertragen kann. Zur Entschaedigung

hat Baehr es gewagt, dem Aussenbau eine an einer protestantischen Kirche

bisher unbekannte Kraft und Bedeutsamkeit zu verleihen. Zwar keine Pracht.

Die Formen sogar von ziemlich trockener Buergerlichkeit. Aber der

Hauptumriss ganz ausgezeichnet gut, wuerdevoll und zugleich grazioes

elastisch. Der Grundriss erscheint hier quadratisch, in den Mitten und an

den abgestutzten Ecken durch Risalite belebt, welche die Aufwaertsbewegung

der Masse sehr gluecklich einleiten. Von ganz origineller Wirkung, dabei

konstruktiv voll Zweckmaessigkeit der konkav geschwungene Kuppelhals.

Der alte Frauenkirchhof mit seinen 112 Erbbegraebnissen 1722 Kunstwert.

Jetzt z.T. in andern Kirchen, z.T. im Stadtmuseum. In der K. ein

_Schmerzensmann_ in Marmor vom zerstoerten Epitaph des Kanzlers Pfeifer um

1634, von _Hegewald_ oder einem andern Schueler _Nossenis_. [Epit. Buenau

von _Hans Kramer_ im Alt. Museum.]

*Friedrichstaedter-K*. 1728-32. Die Anlage erinnert an die Dreikoenigs-K.

und soll, gleich dieser, von _Poeppelmann_ herruehren. Das Aeussere zeigt den

Meister des Zwingers in einer bis zu erstaunlicher Nuechternheit sich

herbeilassenden Beschraenkung. --

*Kath. Pfarr-K. S. Michaelis,* erb. 1748 als Kap. des K. Krankenstifts.

*Josephinenstift und Kirche*, 1760 von _Ch. F. Exner_.

*Reformierte K*. 1760 von _Samuel Locke_.

*Kathol. Hof-K*. von _Gaetano Chiaveri_ aus Rom 1738-46; nach

Unterbrechung fortgesetzt von _Knoeffel_ und _Schwarze_, aber ohne

Planveraenderung. Die Formen roemischer Spaetbarock, die Anlage unroemisch.

Als basilikaler Langbau mit Chorumgang und hohem Frontturm erinnert sie,

ganz allgemein gesprochen, an den deutsch-gotischen Kirchentypus; nebenbei

auch etwas an die Schlosskapelle in Versailles. In allen Einzelheiten ist

die Grundrissloesung originell. Das hochraeumige, 52 m lange Msch. schliesst

am oestl. wie am westl. Ende im 1/2Kreis. Die Langseiten haben 6 relativ

enge Joche. Verdoppelte Sschiffe. Ueber den inneren eine Empore, die auch

ueber die runden Endigungen sich fortsetzt. Auch der Aufbau scheint in der

Gliederung der Pfeiler und der Art ihrer Verbindung mit dem Gewoelbe (Tonne

mit Stichkappen) gotisch inspiriert. Sehr originell die aeussere Silhouette.

Die Daecher ganz flach geneigt und durch Attiken mit Balustraden und

dichtem Statuenkranz verdeckt, so dass fuer das Auge rein horizontale

Abschluesse entstehen. Der in Pfeiler- und Saeulengruppen aufgeloeste Turm

(83 m H. gegen 93 m Gesamtlaenge) fuehrt einen Gedanken weiter, den zuerst

_Borromini_ in Sta. Agnese an der Piazza Navona ausgesprochen hat. Zu

allen roemischen Barockkirchen im Unterschied, wieder mehr im Sinne einer

gotischen Kathedrale, die am Aussenbau gleichmaessig an allen Seiten

durchgefuehrte Pracht. Dagegen fehlt dem Innern die spezifische

Barockpoesie, die an gleichzeitigen sueddeutschen Kirchen so stark ist; es

wirkt bei aller Wucht der Formen frostig. Auffallend u. a. die geringe

Rolle der Stuckdekoration. -- _Hochaltar_, mit dem ueber 9 m hohen Gemaelde

von Christi Himmelfahrt, von _Raf. Mengs_ 1752 ff. Seitlich _Marienaltar_

und _Josephsaltar_ von demselben 1750 und 1751. Die Gemaelde in den

Kapellen von Italienern und Franzosen; wenig bedeutend. Unter den

_Deckenbildern_ moechte das kraeftigste das in der Benno-Kap. von _Anton

Maulbersch_ sein. In der Nepomuk-Kap. malte _Karl Palko_. -- _Kanzel_ von

_Permoser_ und _Hackl_, Holz in Weiss und Gold staffiert; die Buehne von

einem schwebenden Wolkenknaeuel mit Evangelisten und Engeln getragen; im

Gegensatz dazu Bruestung und Treppengelaender in einfachen Flaechen; am

Schalldeckel Trophaee der Marterwerkzeuge. -- _Weihwasserbecken_, Muschel

auf einer Wolke, aus der Engelskoepfe hervorlugen. -- Im Umgang

_Beichtstuehle_ von _Hackl_. -- Im NWSchiff weichlich virtuose _Statue der

h. Magdalena_ von _Francesco Baratta_. _Johannes d. T._ in der Tauf-K. des

SOSchiffes angebl. von _Lorenzo Bernini_ (??). In der Gruft _Statue

Christi_ an der Martersaeule von _Balthasar Permoser_ 1721. Die 59

doppeltlebensgrossen Standbilder an den Dachbalustraden von _Lorenzo

Mattielli_. -- Ausgezeichnet vertreten ist die Goldschmiedekunst der Zeit

durch Arbeiten von _Drentwett_ und _Bauer_, beide Augsburger.

*Kreuz-K*. Gegr. gleichzeitig mit der Stadt um 1200; zweimal vollstaendig

erneuert: 1491 und 1760. Vom spgot. Bau sind Grundriss und Ansichten

erhalten: Hallenbau in der Richtung der Erzgebirgsschule. Der etwas aeltere

Chor war in seiner reichen Dekoration an Streben und Fenstern der

Marien-K. zu Bernburg aehnlich und ruehrt von denselben Meistern her,

_Hanns_ und _Matthias Kumoller_. -- Der jetzige Bau nach der Zerstoerung des

vorigen im 7j. Kriege erb. 1764-92. Langer Streit um den Plan zwischen dem

Ratszimmermeister _J. G. Schmidt_ (Schueler _Baehrs_ und dadurch Vertreter

der deutschen Barocktradition) und dem Hofbaumeister und Akademiker

_Krubsacius_ (der dem eben aufkommenden Pariser Klassizismus zuneigte).

Ein Gutachten _Chiaveris_ verhalf _Schmidt_ zum Siege. Die Anlage ein

Kompromiss zwischen zentraler und longitudinaler Grundform. Von dem

rechteckigen Umfang kommt der WBau fuer Turm und Emporentreppen in Abzug;

ferner sind am OEnde die Ecken abgerundet; als Gemeindehaus verbleibt ein

Quadrat, in dem aber doch wieder durch elliptischen Grundriss der Emporen

die west-oestl. Achse staerker betont ist. Die Emporen gestuetzt auf wenige

schlanke, die Uebersicht nicht hemmende Pfeiler. Ihretwegen kein massives

Gewoelbe, sondern nur ein verputztes Schalwerk gewagt. Der Aussenbau nach

_Schmidts_ Tode (1774) von _Chr. F. Exner_. Der Turm erst 1788 von _G. A.

Hoelzer_, im einzelnen ohne Reiz, aber mit seinen wohlproportionierten

Massen ein sehr glueckliches Element in der Stadtsilhouette. -- Das Innere

nach Brand 1897 von _Schilling_ und _Graebner_ durchgreifend umgestaltet,

in der Lichtfuehrung verbessert und in der Dekoration mit frei modernen

Einzelheiten.

*Sophien-K*. Die einzige K. Dresdens, von der noch wesentliche Teile ihrer

ma. Gestalt erhalten sind. Erb. 1351 fuer das (1265 gegr.) Barfuesserklst.

Hallenkirche von 2 Schiffen und 2 Choeren. Um 1400 die Kap. der Familie

Busmann angebaut, Gwb.Konsolen mit Bildniskoepfen. -- 1421 Erweiterung der

K. nach W. In Reformation profaniert, 1602 wieder als K. umgebaut. 1737

der protestantische Hofgottesdienst aus der Schlosskapelle hierher verlegt,

wobei saemtliche Ausstattungsstuecke mit uebernommen. 1834 und 1864

Ueberarbeitung im Sinne akademischer Neugotik. Letzte Neueinrichtung 1910.

-- Von der alten Ausstattung im 19. Jh. vieles entfernt. _Hauptaltar_ 1606

von dem Hofarchitekten _Giovanni __ Maria Nosseni_ aus Lugano unter

Mitwirkung von _Sebastian Walther_. Aufbau aus mehrfarbigem Marmor in

schulmaessiger italienischer Hoch-Renss., nur das seitlich den Umriss

belebende Schnoerkelwerk aus der deutschen Formenwelt. [Das h. Grab der

Busmann-Kap. aus A. 15. Jh. im Mus. des Altert.Ver.] _Grabmal Nossenis_

({~DAGGER~} 1620) beg. 1616; wohl von ihm selbst seine knieende Bildnisstatue, ein

Meisterwerk vornehmer Charakteristik, geringer seine drei Frauen. Von

seinen Schuelern _Sebast. Walther_ und _Hegewald_ der Schmerzensmann, eine

Transposition von Michelangelos Christus in der Minerva zu Rom.

_Epitaphe_: v. Osterhausen 1615 von _Hans Reis_; Marcus Gerstenberger

1613, wohl dazu gehoerig das Marmorrelief der Grablegung, manieristisch

falsches Pathos bei meisterhafter Durchbildung (von _Nosseni_?). Grosses

Alabasterrelief der _Kreuztragung_ von einem Unbekannten aus A. 17. Jh.

Epitaphe fuer Paul John 1631, R. v. Buenau 1643 (Stadtmuseum), Herzogin

Sophie 1653, A. v. Schoenberg 1688. Lange Reihe von Hofpredigerbildnissen;

Engelschall von _R. Mengs_, Strauss und Hermann von _A. Graff_.

_Profanbauten_

*Koenigl. Schloss*. Grosse unregelmaessige Baugruppe, deren Bestandteile

infolge vielfacher Veraenderungen sich nicht mehr leicht historisch

scheiden lassen. Vom ma. Bau (letzte Erweiterung 1471-76) sind einzelne

Mauerteile (Fluegel an der Schlossstr.), doch keine Kunstformen erhalten.

Das 16. Jh. wandelte die Burg zum Schloss um. 1701 wuetete ein schwerer

Brand. Nur das Innere wurde von August dem Starken mit Pracht neu

eingerichtet, das Aeussere in unscheinbarer Weise eilfertig instand gesetzt.

Der Koenig trug sich laengere Zeit mit dem Plane eines neuen Schlossbaues an

anderer Stelle. -- Mit dem _Georgenbau_ 1533 (nach der Ueberlieferung von

_Hans Schickentanz_) hielt die Renss. ihren Einzug in Dresden. Beim Brande

1701 nur das Erdgeschoss erhalten. Das eine der beiden _Portale_ beim Umbau

1899 in den Winkel gegenueber der kath. Hof-K. versetzt; der reiche Dekor

in ausgepraegt lombardischem Stil; die ursp. Bekroenung war hoeher, ein zu

ihr gehoeriges Relief in der Durchfahrt zum Jagdtor. Fries mit _Totentanz_

im Mus. des Gr. Gartens. -- _Moritzbau_. Ein vollstaendiger Um- und

Vergroesserungsbau begann 1548. Entwurf von _Caspar Vogt_, Oberaufsicht von

_Hans Dehn_. Unter den folgenden Regierungen weitere Um- und Zubauten. Den

Zustand E. 17. Jh. zeigt das bmkw. grosse Modell im Gruenen Gewoelbe. Als

Hauptfassade hat die WSeite des grossen Hofes zu gelten. In der Mitte

erhebt sich der maechtige, aus dem ma. Bau heruebergenommene Hausmannsturm,

ueberhoeht und mit Bar.Helm versehen 1674 von _Klengel_. Vor ihn legte sich

der grosse Altan in 3 Geschossen offener Bogenhallen; er sollte, da der

Turm keine Tueren hatte, die Verbindung zwischen den beiden Haelften

vermitteln (1896 wurde er um 2 m vorgerueckt). Das jetzt das Erdgeschoss des

Hausmannsturms durchbrechende Gruene Tor nach 1691. Aus der Zeit Moritzens

stammen die in die Winkel des Hofes verlegten grossen Treppentuerme

("Schnecken") aus dem 8Eck mit rundem Oberbau, und die ihnen zunaechst

liegenden Zwerchhaeuser. Nur die Schnecken und der Altan haben architekt.

Gliederung; die sonstige Fassade ist glatter Verputzbau; die sie

schmueckende sehr reiche Sgraffitomalerei (von den Italienern _Ricchini_

und _de Thola_) ist verschwunden. Am Altan die erste Bruestung mit Reliefs,

wohl von _Hans Walther_. -- Das Tor an der Schlossstrasse 1589; kraeftige

Rustikasaeulen dorischer Ordnung tragen einen Metopenfries; der Aufsatz

umgestaltet. Der _Kleine Schlosshof_ 1592 von _Paul Buchner_ in derber

deutscher Renss. Der Durchgang zum Grossen Hof nebst Portal in vornehmeren

Barockformen 1682. -- Von der _inneren Einrichtung_ der aelteren Teile ist

infolge von Braenden und Umbauten wenig uebrig: Die Deckenmalerei im sog.

Wettinzimmer von _Hans Willkomm_ und _Gg. Fleischer_; dagegen von

Italienern die Decke des sog. Porzellanzimmers im Hausmannsturm; zartes

Groteskenornament in Stuck auf farbigem Grunde in der Art der

raffaelischen Loggien, speziell an dessen in Genua taetigen Schueler _Perino

del Vaga_ erinnernd (vielleicht aus der genuesischen Kuenstlertruppe, die

1538 nach Prag berufen war). -- Aus der ersten Zeit August des Starken

stammt die Ausstattung der Chambre de lit und des Thronsaals. -- Von den 7

Raeumen des Gruenen Gewoelbes besitzen das "Silberzimmer" und der

"Preziosensaal" Stuckdecken aus 16. Jh.; andere haben 1721-24 ihre

Dekoration erhalten, als August der Starke in ihnen den unvergleichlichen

Schatz von Edelmetallarbeiten, der noch heute dort bewahrt wird,

aufstellen liess. -- Aus letzterer Zeit auch der "Gardesaal" nahe der

"englischen Treppe"; diese ist aelter, von 1669. -- Verschiedene

Nebengebaeude, wie das Ballhaus und das Komoedienhaus, sind verschwunden. --

Die _Schlosskapelle_, im Moritzbau im S des Hausmannsturms, wurde 1602 und

1662 umgebaut, nach dem Uebertritt des Kurfuersten Friedr. August I. zur

kathol. Kirche 1737 dem Gottesdienst entzogen und zu den Wohnraeumen

geschlagen. Der erste Bau unter Moritz folgte dem Typus der Schlosskapelle

zu Torgau. Davon hat sich das (an den Juedenhof versetzte) herrliche

_Portal_ erhalten, bez. 1555, Formen und Verhaeltnisse in rein

italienischem Geist, doch von einem Deutschen (_Hans Walther ?, Christoph

Walther_?) Der _Altarbau_ von 1602, von einem der _Walther_, ist in die

Schlosskapella zu Torgau uebergefuehrt. Der _Taufstein_ jetzt in der

Sophienkirche, um 1555, mit Veraenderungen 1602. Ebendahin gelangten die

wertvollen _Altargeraete_.

*Palais am Taschenberg*. 1707 ff. unter starkem Anteil von _Poeppelmann_.

Die 48 m breite Front hat 19 Fensternischen und 4 Geschosse. Das

Mittelrisalit springt wenig vor, ist aber durch reichen Fensterschmuck

ausgezeichnet. Im Innern eine grossartige (nur zur Haelfte erhaltene)

Treppenanlage. 1756 ff. die seitl. Erweiterungsbauten unter Leitung von

_Schwartze_. Die koestlichen Brunnen und sonstigen plastischen Arbeiten von

_Gottfr. Knoeffler_. Von der alten Einrichtung erhielt sich nur die

Kapelle.

*Kanzleihaus* (jetzt Hofapotheke), 1567 von _Hans Irmisch_; die

Sgraffitomalerei, von _Benedikt de Thola_, zerstoert; einige Mobilien aus

der Erbauungszeit.

*Stallhof* (heute Johanneum und Gewehrgalerie). 1. Der kurfuerstl. Stall,

1586 ff. von _Paul Buchner_; nach Ausweis alter Zeichnungen eine nicht nur

sehr ausgedehnte, sondern auch ueberraschend glaenzende Anlage,

Sgraffitomalerei an den Waenden, reich dekorierte Zwerchhaeuser am hohen

Dach; jetzt ganz verunstaltet. 2. Der "lange Gang", seit 1731 als

Gewehrgalerie benutzt; die 53 Fuerstenbildnisse (meist von _Heinrich

Goeding_ ca. 1570-80) haben nur dekorativen Wert, die 29 Turnierbilder nur

kulturgeschichtlichen. Aussen das derbkraeftige "Jagdtor", die Bildwerke von

_Andreas Walther_. 3. Der "Stallhof" selbst; im 18. Jh. fuer die

Gemaeldegalerie umgebaut; seither weiter veraendert. Zwei prachtvolle

bronzene Saeulen (1588) auf dem Hofe dienten beim Ringelrennen.

*Zeughaus* (heute Albertinum) 1559-63 von _Paul Buchner_, gebuertig aus

Nuernberg, bis dahin in den Niederlanden taetig, von wo er die reiferen

Renaissanceformen einfuehrte. 4 Fluegel umgeben ein gestrecktes etwas

verschobenes Rechteck. Das Erdgeschoss (das sich allein in ursp. Gestalt

erhalten hat), wird durch toskanische Saeulen rundum in zwei Schiffe

geteilt; erhalten ferner 2 Tore gegen W in Rustikaarchitektur.

*Zwinger*. 1711-22 von _Matthaeus Daniel Poeppelmann_ (1662 bis 1736). Die

monumentale Gestaltung eines Renn- und Festspielplatzes, dergleichen um

jene Zeit in Florenz, Wien und Paris oefters, in Dresden selbst im Jahre

1709, in provisorischer Holzkonstruktion zur Ausfuehrung gekommen waren.

Etwas von der phantastischen Pracht der Buehnenarchitektur ist auf die

Anlage uebergegangen, aber gemaessigt durch eine hohe, klare und fuer den

gegebenen Zweck ueberaus glueckliche Grundrissdisposition. Den Zwinger von

der SWHauptpforte betretend, hat man vor sich einen Hof von 106 m Tiefe

und 107 m Breite; aus den Langseiten treten Fluegel mit Segmentbogenschluss

hervor, wodurch das Ganze kreuzfoermige Gestalt erhaelt, mit Erweiterung der

Querachse auf 204 m. Die dem Eingang gegenueberliegende Seite (wo jetzt

_Sempers_ Galeriegebaeude steht) blieb offen und man weiss nicht genau, mit

welchem Programm _Poeppelmann_ hier zu rechnen hatte. (Vor der Eingangseite

zog sich der breite Stadtgraben [jetzt Ostraallee] hin und links schlossen

sich die hohen, schon damals mit Baeumen bepflanzten Waelle an). Den grossen

Hof umgibt eine Pfeiler- und Bogenhalle auf hohem Sockel. Aus ihr erheben

sich mehrere Pavillons, 4 an den Langseiten des Mittelhofs und 2 am Schluss

der Kreuzfluegel. Von ihnen aus schaute die Hofgesellschaft den Spielen zu,

waehrend die Arkadengaenge eine Orangerie enthielten; mit diesem Zweck

haengen die vor jeder Arkade angeordneten Konsolen zusammen. -- Ueber der

genialen Phantastik der Behandlung darf der Wert der Gesamtanlage nicht

uebersehen werden: der wundervolle Rhythmus des Grundrisses und die hohe

Angemessenheit der Proportionen des Aufbaues. Der Stil der

Zwingerarchitektur hat mit dem Rokoko historisch nichts zu schaffen, ist

ihm auch nicht stimmungsverwandt; er ist aus umfassenden italienischen

Studien hervorgegangen; selbst _Palladio_ duerfte mit seinen

Villenentwuerfen nicht ohne Einfluss gewesen sein. Charakteristisch fuer den

Zwingerstil ist die enge Verbindung von Architekturformen mit _figuerlicher

Plastik_. Je einer der 4 Saalbauten ist in seiner Dekoration Jupiter,

Neptun, Vulkan und Apoll gewidmet. Von _Permoser_ der Atlas auf dem

Wallpavillon, die vier Jahreszeiten am Eingangspavillon, die Entwuerfe zu

den Faunen unter den Konsolen vor den Arkaden; anderes z.T. spaet; so die

Statuen am Uhrpavillon von _J. B. Dorsch_ 1785. -- Ausserhalb des Hofes im

noerdl. Winkel das Nymphenbad; das im suedl. Winkel gelegene grosse Opernhaus

ist nach Brand 1849, das kleine 1841 abgebrochen.

*Palais im Grossen Garten*. Der Garten beg. 1676 unter Johann Georg II.;

schnurgerade Alleen, Rennbahn fuer Reiterspiele, Naturtheater, Irrgarten,

Wasserkuenste, zahlreiche Pavillons (im heutigen Bestande aber nur in

einzelnen Andeutungen noch zu erkennen). In der Mitte das _Palais_, 1679

von Oberlandbaumeister _J. G. Starke_. Es sollte "italienisch" gebaut

werden. Anklaenge speziell an die Gartenpalaeste Genuas (durch das Buch von

Rubens sehr bekannt) nicht zu verkennen. In der Verbindung des

Monumentalen mit dem Anmutig-Heiteren eine ausgezeichnete Leistung. Gr.

gestreckter Mittelbau mit kurzen, nach beiden Seiten vorspringenden

Querfluegeln. Im Aufriss folgen sich: Erdgeschoss in Rustika; Hauptgeschoss

mit Pilastern und grossen Fenstern; Attika als Halbgeschoss. Der Mittelbau

hat auf beiden Seiten eine weitlaeufige Freitreppe in der Hoehe des

Erdgeschosses und ein Mittelrisalit mit gekuppelten Sll., toskanisch im

Erdgeschoss, jonisch im Hauptgeschoss. Die Mauerflaechen neben ihr und ueber

den Fenstern sind mit Festons und Draperien geschmueckt; ferner spielen

Nischen mit Statuen und (im Attikageschoss) Buesten eine Rolle. Auf dem

mittl. Dachfirst eine Balustrade mit Vasen. Im ganzen herrschen gerade

Linien, wie ueberhaupt der Bau mehr renaissancemaessigen als barocken

Charakter hat. Der den ganzen Mittelbau einnehmende Saal in seinem

gravitaetischen Prunk sehr eindrucksvoll; Gliederung der Wand durch Nischen

mit ueberlebensgrossen Standbildern antiker Goettinnen (vom Niederlaender

_Dierks_), Buntmarmorsaeulen, schwerem verkroepftem Hauptgesims,

Spiegelgewoelbe -- alles kraftvoll mit Stuck und Farbe dekoriert. -- Die

Marmorstatuen und Vasen des Gartens (einst 150) in Rom und Venedig

bestellt, von _Baratta_, _Balestra_, _Corradini_ und angebl. auch

_Bernini_, von dem aber heute nichts mehr nachzuweisen. Die in

entfernteren Teilen zerstreuten Sandsteinbildwerke meist von deutschen

Kuenstlern; bmkw. die Apotheose eines Fuersten (Eugen v. Savoyen?) von

_Permoser_ (ursp. an anderem Ort). --

*Japanisches Palais* in der Neustadt. Hiess ursp. "hollaendisches". Erster

Bau 1715 von _Poeppelmann_ fuer Gf. Flemming. Dann vom Koenig angekauft und

1729-41 umgebaut und vergroessert von _Poeppelmann_ ({~DAGGER~} 1733) und _Longuelune_

unter Oberleitung des Generalintendanten _Jan de Bodt_. _Poeppelmann_

gehoert der Elbfluegel und der Arkadenhof. -- 4 Fluegel im Rck., aussen 74 : 56

m. Jede Langseite durch Eck- und Mittelvorlage, jede Vorlage durch

Pavillondach herausgehoben. Die kraeftigste wagerechte Teilungslinie ueber

dem Erdgeschoss; es folgen Hauptgeschoss und Mezzanin, durch senkrechte

Streifen zusammengehalten; das Mittelrisalit hat einen Giebel, getragen

von 4 Paaren gekuppelter Saeulen. Die eigenartig geschwungenen Linien des

Kupferdachs sollen an Japanisches erinnern. Augusts Plan, das ganze Innere

einheitlich mit Porzellan zu dekorieren, kam nur zum kleinsten Teil zur

Ausfuehrung. -- Die dekorative Plastik, vornehmlich im Hof, von _J. Ch.

Kirchner_. Die Gartenanlage von _Poeppelmann_, frueher reichlicher mit Vasen

und Statuen dekoriert.

*Kurlaender Palais*. Erster Bau fuer Gf. Wackerbarth 1718, Umbau 1728

wahrscheinlich durch _Joh. Christoph Knoeffel_. Die Anlage gruppiert sich

unregelmaessig, doch mit trefflicher Raumausnutzung, um mehrere Hoefe. Die

nicht sehr ausgedehnte Fassade erreicht monumentale Wirkung; Erdgeschoss

und Hauptgeschoss mit fast verborgenem Mezzanin. Im Innern hat der

Gobelinsaal seine Einrichtung fast vollstaendig erhalten; die _Oelgemaelde_

ueber den Tueren von _Silvestre_ und _Casanova_, die _Bildwebereien_ mit

Darstellungen aus dem Bauern-, Schiffer- und Hirtenleben von dem Bruesseler

_van dem Borcht_ nach David Teniers d. J. Der Festsaal von _Joseph Deibel_

in der Zeit als der Chevalier de Saxe Besitzer war (um 1761).

*Landhaus.* An der Stelle des in der Belagerung von 1760 beschaedigten

Flemmingschen Palais 1770 von _F. A. Krubsacius_. Die 77 m lange

Schauseite auf die Wirkung in enger Strasse berechnet. Die Hofseite gab

Gelegenheit zu einem kraeftig vortretenden Mittelbau mit riesigem

Treppenhaus. Die Einzelformen sehr einfach, auf eigentliches Ornament ganz

verzichtend.

*Regimentshaus* 1710.

*Hotel de Saxe* und *British Hotel*. Ursp. vornehme Adelshaeuser, um 1720

von _George Baehr_. Geistvolle und praechtige, lebhaft bewegte Kompositionen

bei recht derber Detailbildung.

*Hoymsches Palais* (Harmonie). Die Front gegen die Landhausstrasse von

_Knoeffel_, die gegen die Rampische Str. von _Krubsacius_,

Lisenengliederung von guten Verhaeltnissen, sparsames Zierwerk. Im Hofe

reizender _Brunnen_ von _Gottfr. Knoeffler_.

*Coselsches Palais*. Gleich dem vorigen fuer das saechsische Spaetbarock

besonders bezeichnend. Der hohe Mittelbau 1744 von _Knoeffel_ in der bei

ihm beliebten Lisenenarchitektur mit schwachen Gruppierungskontrasten. Die

vorspringenden niedrigen Fluegel 1762 hinzugefuegt.

*Palais des Chevalier de Saxe* (Palais Prinz Johann Georg) 1764-70 von

_F. A. Krubsacius_. 1855 umgebaut. Es hatte ursp. ein einziges

Hauptgeschoss, darueber ein Halbgeschoss und die in dem hohen Dach

angebrachten Mansardenzimmer. Charakter: vornehme Einfachheit. Die

Trophaeen und Putten von _Gottfr. Knoeffler_. Im Park Zierbauten -- Ruine,

Tempel, Einsiedelei (1799) und dergl. -- von _Weinlig_ (_?_), Vorahnungen

der Romantik in klassizistischem Gewande. Gartenplastik.

*Ministerpalais in der Seestrasse.* 1753 als Privatgebaeude, in der Art

_Knoeffels_. Fassade von 9 Achsen in schlichter Lisenenarchitektur; 4

Geschosse, von denen nur das erste und das letzte durch Gurtgesimse

abgesondert, so dass doch wieder ein Dreiklang entsteht.

*Palais des Grafen Bruehl, spaeter Marcolini* (jetzt Stadtkrankenhaus) 1746.

Langgestreckter Bau (200 m) in einfacher Lisenenarchitektur. In der Achse

kleiner Ehrenhof. Die Hermen an den Torpfeilern von _Wiskotschill__, die

wunderlichen Loewen __ (nach chinesischen Mustern?) von J. B. Dorsch_. Von

der Inneneinrichtung blieb wenig intakt, so der chinesische Saal und ein

pompejanisches Zimmer. Im Garten der grossartige _Neptunsbrunnen_ nach

_Longuelunes_ Entwurf von _Lorenzo Mattielli_ 1741-44, eine Fels- und

Grottenarchitektur mit plastischen Kolossalfiguren in meisterhaftem

Gruppenbau. [Eine reizende Brunnengruppe mit Amphitrite von _Knoeffler_

jetzt im neuen Staendehaus; die einst im Garten zerstreuten Vasen und

_Einzelstatuen_ auf der Buergerwiese.]

*K. Stallgebaeude*. 1794 von _Ch. Weinlig_.

*Justizministerium.* 1733 angeblich von _Poeppelmann_.

*Blockhaus* (jetzt Hauptwache) erb. 1737ff. von _Zacharias Longuelune_,

als wichtiger Richtungspunkt fuer die Strassenzuege der Neustadt. Ein

wesentlicher Bestandteil, die Kroenung durch Pyramide und Obelisk mit dem

Bilde Augusts des Starken, blieb unausgefuehrt. Das jetzige Obergeschoss

ueber dem Hauptsims nach 1880.

*Palais des Grafen Wackerbarth,* begonnen 1725 als Kadettenhaus, dazu

Reitbahn.

*Rathaus der Altstadt.* 1741-45 nach _Knoeffels_ Entwurf.

*Rathaus der Neustadt*. 1750-54 von _Berger_ und _Winkler_; sehr schlicht,

nur durch die sorgfaeltig abgewogenen Verhaeltnisse wirkend.

*Gewandhaus* 1768 von _J. G. Schmidt_.

*Buergerhaeuser*. Dresden war bis ins 16. Jh. eine unbedeutende Stadt. Von

ca. 1550 begann eine lebhafte, wenn auch nicht glaenzende Bautaetigkeit, die

durch den 30j. Krieg unterbrochen wurde. Von dessen Ende bis zum 7j.

Kriege ist Dresdens klassische Zeit. In keiner anderen deutschen Stadt ist

diese Epoche im buergerlichen Bauwesen so gut vertreten, trotz grosser

Einbussen durch den Brand der Neustadt 1695, die Belagerung von 1760 und

die umgestaltende Taetigkeit des letztverflossenen Menschenalters. Im

Folgenden nur eine Auswahl charakteristischer Beispiele.

a) _Aus der Spaetgotik_. Marien-Apotheke; spitzbg. Tor um 1460-70, im

schraegen Gewaende Sitznischen mit Baldachin, in Bgg. verschraenktes

Stabwerk; jetzt im Zoologischen Garten; ein zweites kleineres an der

Hofseite des Hausflurs. -- Interessanter Gr. Wilsdruffer Str. 2. -- Gewoelbte

Hausflure Schlossstr. 32 und Seestr. 2 mit angeputztem gewundenem Netzwerk.

-- [Mehrere bis ins 19. Jh. erhaltene Votivmadonnen jetzt im Altert.-Ver.].

b) _Fruehrenaissance_. Ecke Frauenstr. und Neumarkt Runderker mit reizendem

Kinderfries um 1530. -- Reich mit Masken belebte Treppentuer in Schlossstr. 1

und 20. -- Portalaufsatz Altmarkt 20 von 1538.

c) _Hoch- und Spaetrenaissance_ 1550-1650. In sonst umgebauten Haeusern

Fenster aus dieser Epoche: Webergasse 3, 5, 9, 13; Scheffelstr. 4, 7, 13;

Wilsdruffer Str. 3, 6, 10, 13, 20, 31, 36, 40; Schlossstr. 6, 12, 15, 18,

23; Schoessergasse 5, 11, 17, 27. -- Da in dieser Epoche die Firste

regelmaessig parallel zur Strasse angelegt werden, kommen groessere Giebel nur

an Eckhaeusern vor; sonst nur Zwerchgiebel; besonders bmkw. Exemplare haben

sich nicht erhalten. -- Ganze Fassaden: Schreibergasse 12 mit 3geschossigem

rck. Erker an der Ecke. -- Seestr. 1, Erker aehnlich dem vorigen. --

Wilsdruffer Str. 15 Hotel de France, 4geschossig zu 6 Fenstern in dichter

Stellung, Details nach Serlios Musterbuch. -- Schlossstr. 11 Hotel Stadt

Gotha, kraeftig ausgebildeter Erker auf gequadertem Tragstein, vor A. 1591.

-- Schlossstr. 6, 2geschossiger Erker mit gequaderten Ecklisenen. --

Schlossstr. 30, Erker mit den Halbfiguren des Kurf. Christian II. und

seiner Gemahlin, 1612 von _Hans Steyer_. -- Schlossstr. 11 und 34, wo auch

ein groesserer Giebel. -- Huebsche, doch nicht hervorragend reiche Portale:

Zahngasse 13, Pfarrgasse 7, Kleine Kirchgasse 5, Weissegasse 2. -- Reste

alten Holzbaus selten.

d) _Barockbauten_ 1650-1690. Ecke Wilsdruffer Str. 14 und Grosse

Bruedergasse 1 um 1650-60, Schlossstr. 14 um 1660 -- mit Kartuschenumrahmung

der Fenster --, Wilsdruffer Str. 15 vorzueglich erhaltener reicher Erker um

1680. -- Ebenda 42 um 1690. -- Rampische Str. 9 grosse Fassade in

niederlaendischer Art um 1690.

e) _Barockbauten_ 1690-1715. Sporergasse 2, grosses Haus, mit einfachen

Mitteln kraftvoll gegliedert, der Art _Klengels_ nahestehend, um 1695. --

Portal Neumarkt 12, jetzt als Fenster umgebildet. -- Scheffelstr. 5, dor.,

jon. und korinth. Pilasterordnungen, an den Fensterbruestungen aufgehaengte

Tuecher, um 1700. -- Landhausstr. 13 um 1710. -- Grosse Bruedergasse 39 unter

_Poeppelmanns_ Einfluss um 1710, polyg. Erker. -- Haeuser derselben Richtung

von zunehmender Stattlichkeit sind: das Eckhaus Wilsdruffer Str. 1 von

_J. G. Fehre_, einerseits 8, andererseits 9 Achsen, an der Ecke

durchgehende Erker, im Aufbau die schwierige Vierzahl der Geschossteilung

geschickt geloest; Galeriestr. 14 von _G. Hase_; Grosse Bruedergasse 31; An

der Mauer 2 von _George Baehr_, fuer sich selbst, 3achsig, originelle

Stockwerkteilung; Rampische Str. 7 von _Georg Hase_, 5achsig, flacher

Mittelerker, eigenartig krause Verdachungen. -- Frauenstr. 9, tiefes

Grundstueck, Fassade 3achsig, Hof mit gewoelbten Bogengaengen durch 5

Stockwerke. -- Schlossstr. 5 um 1710. -- Juedenhof 5 (fuer den beruehmten

Goldschmied Chr. Georg Dinglinger), die Fassade voll rhythmischen Lebens,

eine der feinsten unter den _Poeppelmann_ nahestehenden, mit Ausnahme des

Erdgeschosses ganz unveraendert. -- Grosse Klostergasse 2, wohl von

_Poeppelmann_ selbst bez. 1715. -- Ebenso Hauptstr. 17 und Rampische Str. 5.

f) _Barockhaeuser_ 1715-40. Wilsdruffer Str. 7, Goldener Engel, die 4

mittleren der 6 Achsen durch reiche Fensterverdachung ausgezeichnet und

ueber dem Dachgesims mit einem Stichbogengiebel gekroent. -- Aehnlicher

Kompositionsgedanken auf ein Dreifensterhaus angewendet Rampische Str. 33.

-- Zahnsgasse 10, beg. 1722, 8 Fenster Front, durch Wechsel der

Verdachungen rhythmisiert. -- Heinrichsstr. 2 von _Fehre_ 1720. -- Hauptstr.

26 um 1730. -- Juedenhof 2 bez. 1736. -- Koenigstr. 1 bez. 1734; aehnlich 5.

g) _Rokokohaeuser vor_ 1760. Frauenstr. 14 um 1750 mit reizendem

plastischem Schmuck von _Knoeffler_. -- Sophienstr. 1, Gliederung durch

Lisenen, zwischen den Fenstern trefflich gezeichnete Kartuschen. --

Altmarkt 1 von _Knoeffel_ 1741.

h) _Rokokohaeuser nach_ 1760. An der Frauenkirche 20 von 1764. -- Breitestr.

12. -- Moritzstr. 6 ganz ohne architektonische Glieder, nur mit frei ueber

die Flaeche verteiltem Stuckornament. -- Aehnlich Landhausstr. 4. -- Im ganzen

jedoch herrscht in dieser Zeit einfache Lisenengliederung der Flaechen,

z.B. Neumarkt 10 Stadt Rom; An der Frauenkirche 5; Augustusstr. 2.

i) _Der Klassizismus_: Landhausstr. 18 und 27. -- Pillnitzer Str. 26. --

Johannesstr. 23. -- Pirnaische Str. 50. -- Polierstr. 19. -- Gewandhausstr. 7

dorisch.

*Museen*: Altertums-M.; M. des K.S. Altertumsvereins; Sammlung fuer

Baukunst d. Techn. Hochschule; Stadtmuseum im neuen Rathaus; M. d. Ver. f.

saechs. Volkskunde.

*Denkmaeler.* Reiterstandbild _Augusts des Starken_ auf dem Markt der von

ihm geschaffenen Neustadt, 1732 von _Ludwig Wiedemann_. Denkmal fuer den

_Kurfuersten Moritz_ nach 1553 (jetzt an der Bruehlschen Terrasse); in einer

Aedikula dorischer Ordnung reliefartig wirkende Rundfigg. vor festem

Hintergrund: Moritz, vom Knochenmann gedraengt, uebergibt seinem Bruder

August das Kurschwert. Meister unbekannt [_Hans Walther?_].

_DROYSSIG._ Pr. Sachsen Kr. Weissenfels.

*Dorf-K.* Der oestl. platt geschlossene Teil mit schmalen spitzbg. Fenstern

deutet auf 13. Jh. -- Guter spgot. _Schnitzaltar_. Zahlreiche

_Grabdenkmaeler_ 14. bis 18. Jh., z.T. vortrefflich.

*Schloss*. Sehr interessante ma. Anlage, ovaler Grundriss, 5 (ursp. 6)

halbrunde Tuerme, Zwinger, die Wohnbauten renss. und bar. Reizvoll

malerischer Eindruck.

_DRUeGENDORF._ OFranken BA Ebermannstadt.

*Pfarr-K.* 1775. Altaere und Kanzel von _J. B. Kamm_, Deckenfresken von

_Wunder_ bez. 1770, Hochaltargemaelde von _Mattenheimer_.

_DUTTENBRUNN._ U Franken BA Karlstadt.

*Pfarr-K.* Chor und OTeil des Lhs. E. 12. Jh., Erweiterung 17. Jh.

_E_

_EBELEBEN._ Schwarzburg-Sondersh. LA Sondersh.

*Dorf-K.* Umbau 1702; graefl. Schwarzbg. Grabkap. 1642. Epit. der Herren v.

E. 1569. --

*Fuerstl. Schloss* 16.-18. Jh.

_EBELSBACH._ UFranken BA Hassfurt.

*Schloss.* Von 1396 bis zur Gegenwart im Besitz der Herren v. Rotenhan.

Erb. 1564 ff. Wasseranlage. Die Umfassungsmauern regelmaessiges Rok. mit

Ecktuermen. Nur an 2 Seiten wohnmaessig ausgebaut, Fachwerk ueber

Quaderunterbau. Kapelle 1580, neu ausgestattet A. 18. Jh.

_EBENHARD._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.

*Dorf-K.* Der turmtragende eingezogene quadr. Chor in der Anlage frgot.,

Lhs. rok.

_EBERN._ UFranken BAmtsstadt.

*Pfarr-K.* 2. H. 15, Jh. Hallenkirche mit niedrigeren Sschiffen. Die

letzteren schliessen polyg., ebenso der das Msch. fortsetzende (aeltere)

Chor. Im Msch. Sterngwbb. von strenger Bildung, im Chor und in den Ssch.

einfache Kreuzgwbb. Die runden Pfll. haben schlichtes Kaempfergesims.

WEmpore juenger (1492). Aussen Quaderbau, bar. und modern rest. Turm im W.

Im noerdl. Sschiff praechtiger _Bar.-Altar_, Bamberger Arbeit.

_Sandsteinkanzel_ ca. 1610. -- Rotenhansche _Epitaphe_, ein bronzenes 1539,

ein steinernes 1559 vielleicht von _Kilian Sorg_. -- Neben der K. 2stoeckige

*Michaelis-Kap.* 1464 (Inschr.). Unten Beinhaus, Erkerchor, kleines

_Relief_ mit Juengstem Gericht.

*Marien-K.* auf dem Friedhof. 2. H. 15. Jh. 2sch. mit zierlichem polyg.

Chor, darin fein gemusterte Sterngewoelbe (1518), die Strebepfeiler auf

statuarische Ausstattung berechnet. -- Wirkungsvoller _Hochaltar_ 1750,

Altarblaetter von _J. A. Glantschnigg_ 1745, 1746. _Pietas_ um 1480.

Ehem. fuerstbischoefl. *Amthaus* (jetzt Gericht), renss.

*Rathaus* 1604. Steinernes Erdgeschoss in 4 Saeulenarkaden geoeffnet,

Obergeschosse reich gemusterter Fachwerkbau, am Giebel Dachreiter. Mehrere

wohlerhaltene Tor- und *Mauertuerme,* 2 bar. *Brunnen,* Neptun und Pallas.

_EBERSBACH._ K. Sachsen AH Loebau.

*Dorf-K.* Der originelle Gr. entstand 1726 durch Anfuegung eines

zentrischen, aus Kreis und Polygon gemischten OBaus an einen aelteren

Langbau. Hoelzerne Tonnen- und Kuppel-Gwbb. Ringsum Emporen in 3

Geschossen. Die _Inneneinrichtung_ ein besonders stattliches Paradigma der

Lausitzer Predigt-K. In allen Teilen polychromiert. An den Emporen 54

biblische Gemaelde von 1733. Ansehnlicher Baldachinaltar 1787. Huebsches

Gestuehl. Der Prospekt der Silbermannschen Orgel von 1738 ist einer der

prachtvollsten Sachsens.

*Herrenhaus* um 1700.

_EBERSBERG._ RB Cassel Kr. Hersfeld.

*Burgruine.* Ein Teil der Ringmauer und 2 runde Tuerme erhalten. 1274

zerstoert, 1396 wieder aufgebaut.

_EBERSDORF._ Reuss j.L. LA Schleiz.

*Fuerstl. Schloss* 1690-93.

_EBERSDORF._ K. Sachsen AH Floeha.

Ehem. *Stifts-K.* um 1400, die reiche Ausstattung E. 15. und A. 16. Jh. --

Das Lhs. 1sch. begonnen, noch waehrend des Baues durch Einziehung von Pfll.

in ein 2sch., ein weiteres und ein schmaeleres geteilt; dadurch schneidet

ein Pfl. unsymmetrisch in den etwas eingezogenen Chorbogen, Kreuzgwb.,

Chor gestreckt mit Schluss aus 8 Ecken, Sterngwb.-Turm an der SWEcke. --

_Schnitzaltar_ 1513 mit 4 beweglichen und 2 festen Fluegeln. Aus derselben

Zeit Reste eines schoenen _Chorgestuehls_. _Ikon. Grabst._ des Dietrich v.

Harras, des kuehnen Springers der Sage, um 1500. [Von hohem Wert die

_geschnitzten Figg._ eines Engels und eines Diakons als Lesepulthalter,

jetzt im Altert.-Ver. in Dresden: nach Flechsig vom Meister der "schoenen

Tuer" in Annaberg.]

_EBERSRODA._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.

*Dorf-K.* Rom. OTurm mit gepaarten Fenstern.

_EBRACH._ OFranken BA Bamberg II.

Ehem. *Cisterc.-Klst*. gegr. 1127, die aelteste und stets vornehmste

Niederlassung des Ordens in Franken. Die bestehende Kirche Neubau des 13.

Jh. Erste Altarweihen, wohl nicht lange nach Beginn des Baues, 1218 und

1221. Letzte Vollendung 1282. Trotz der langen Bauzeit voellig einheitlich

im Plan und nahezu einheitlich in den Stilformen. Die spaeteren

Jahrhunderte brachten keine Veraenderungen, ausser in den

Ausstattungsstuecken, bis Abt Wilhelm Rosshirt (1773-91) durch _Materno

Bossi_ den ganzen Innenbau in einer dem franzoesischen Louis XVI.

verwandten Manier neu dekorieren liess. Der grossartigste frgot. Bau, den

Deutschland hervorgebracht hat, wurde dadurch, wo nicht materiell, so doch

aesthetisch vernichtet. Immerhin verdient _Bossi_ insofern Dank, als er

nicht ganz so ruecksichtslos verfuhr, wie in aehnlichen Faellen vor ihm viele

Barockmeister. Er liess das neue Gewand sich eng an den alten Gliederbau

anschmiegen, so dass man den kuehnen und strengen Rhythmus desselben noch

immer herausfuehlt. Ein Irrtum ist es, den Ebracher Bau dem Uebergangsstil

zuzurechnen; er ist rein frgot., wenn auch nicht in franzoesischen, sondern

in jenen burgundischen Schulformen, die wir heute am besten in den suedlich

von Rom gelegenen Cistercienserkirchen Fossanova und Casamari kennen

lernen. Wer jene in Erinnerung hat, erstaunt ueber die Aehnlichkeit des

Eindrucks trotz der veraenderten Zierformen. -- Die Anlage als kreuzf.

Basilika tritt zumal im Aussenbau klar und einfach in die Erscheinung. Auf

das Lhs. fallen 7 Joche, auf den Hauptchor 3 Joche in gleichem System, bei

engeren Intervallen. Der oestl. Schluss geradlinig. Um ihn setzen sich die

Sschiffe als Umgang fort und an diesen schliesst sich, niedriger und in

Kapellen (12 an der Zahl) aufgeteilt, ein zweiter. Der noerdl. und suedl.

Fluegel dieses aeusseren Umgangs war im ersten Plan noch nicht enthalten

(Scheidewaende duenner als im OFluegel und nicht in den Pfeilerachsen;

Gegenprobe in der von Ebrach abgeleiteten K. in Riddagshausen bei

Braunschweig). L. bis zum Schluss des Hauptchors 76 m, mit Zuzaehlung der

Kap. 87 m. Lichte Br. des Lhs. 23,6, H. 21,9. Querschnitt nach der von den

Cisterciensern ueberall gern angewendeten Proportion des gleichseitigen

3Ecks, in franzoesischer Weise vom Sockel gemessen. Die Gwbb. sind im Msch.

rok., in den Ssch. annaehernd quadr. Das Qsch. etwas schmaeler als das Msch.

und stark ausladend, so dass jeder Fluegel 3 rok. Gwbb. enthaelt

(Rekonstruktion des Systems bei Dehio und Bezold Taf. 496). Die Pfll.

kreuzf. und mit Halbsll. besetzt. Im Msch. gingen die Dienste nicht bis

zur Erde, sondern setzten dort auf Konsolen ab, auf der Hoehenlinie, wo sie

jetzt, zu korinthischen Sll. umgebildet, ihre Basen haben. Die

Gewoelbescheitel, was fuer die franzoesische Filiation bezeichnend ist,

wagerecht. Die kraeftigen spitzbg. Gurten und Rippen und die mit frgot.

Laubkraenzen geschmueckten Schlusssteine sind erhalten; ebenso die spitzbg.

Form der Arkaden und Fenster; hinter den Beichtstuehlen verborgen sind auch

einige frgot. Eckblattbasen und Halbsaeulenkapitelle verschont geblieben.

Das Hochschiff hat an der oestl. Chorwand wie an den Fronten des Qsch.

frgot. Rosenfenster, genau so angeordnet wie in Fossanova; ein solches muss

sich auch an der WFront befunden haben, wurde aber durch eine groessere

hochgot. Rose (jetzt Copie, das Original im Muenchener National-Mus.)

ersetzt; die Komposition des Masswerks ist der Rose am Qsch. der Notre-Dame

in Paris nahe verwandt, geht aber nicht unmittelbar auf sie zurueck,

sondern auf eine in den Entwuerfen zum Strassburger Muenster vorkommende

Variante (ausgefuehrt in Rufach i.E.). Das Aeussere wird klar und kraeftig

durch Strebepfll. am Hochsch. wie an den Ssch. gegliedert; Strebebgg.

fehlen (wie immer bei den aelteren Cisterc.-K.). Ein fuer die

Schulzusammenhaenge bezeichnender Unterschied ist der, dass am Chor und an

der OWand des Qsch. Konsolengesimse von spezifisch burgundischer Fassung

angewandt sind, waehrend an der WWand des Qsch. und am Lhs. deutsche

Rundbg.-Friese auftreten. Der Dachreiter bar. erneuert.

_Ausstattung_. _Bossi_ hat einige Prachtstuecke aus 17. und A. 18. Jh., die

ihm fuer die Einheitlichkeit der Wirkung ungefaehrlich waren, beibehalten,

die meisten aber neu hergestellt; verschwunden ist alles Mittelalterliche

mit Ausnahme einiger Grabst, vom 15. Jh. ab. Die Grabst. der Koenigin

Gertrud, Gemahlin Konrads III., und ihres Sohnes Friedrich v. Rotenburg

(hinter dem Hochaltar) sind freie Erfindungen des 17. Jh. Zahlreicher,

doch nicht hoeheren Ranges, die Denkmaeler der Renss.Epoche. Das sog.

_Mausoleum_ des ersten Abtes, Adam, ist ein wunderlicher gotisierender

Versuch italienischer Stuckatoren vom J. 1697. Bmkw. die 2 _Orgeln_.

*Michaels-Kap.* 1sch. kreuzf. Anlage an der NFront des Qsch. Die Art, wie

das Qsch. der Kap. in die Ecke des Qsch. der K. eingreift, beweist, dass

sie vor dieser begonnen war, wozu das ueberlieferte Weihungsjahr 1207 passt.

Indes ist der vorhandene Bau nicht einheitlich; die Achse des Schiffs

deckt sich nicht mit der des Altarhauses; die Einzelheiten zeigen

mehrfachen Wechsel der Baufuehrung; die OPartie mit nordfranzoesischer

Faerbung, die sonst in E. nicht zu bemerken ist, die westl. Teile unter

Einfluss des Maulbronner Kreuzgangs, jedoch verhaeltnismaessig unfein und in

einer den Cisterciensern sonst fremden Weise ueberladen, immerhin

eindrucksvoll.

*Klostergebaeude.* Sie eroeffnen fuer Franken die Reihe jener im Verhaeltnis

zum Zweck unbegreiflich kolossalen Anlagen, in denen die sueddeutschen

Kloester im letzten Jahrhundert vor der Saekularisation ihren Ruhm suchten.

1687 bis 1698 von _Leonhard Dientzenhofer_, Umbau und Erweiterung 1716 ff.

nach Plaenen _Balthasar Neumanns_, ausgefuehrt von _Joseph Greising_

({~DAGGER~} 1722). Die Scheidung der verschiedenen Anteile nicht ueberall leicht.

Die Gebaeude wurden weit nach W vorgeschoben. Ihre Grundflaeche das 6fache

der ma. Klausur. 2 geschlossene und 3 triklinienfoermig geoeffnete Hoefe. Die

NFassade, rechtwinklich zur Kirchenfront, zeigt die Formen des deutschen

Barock, am deutlichsten in den 2 reichen Erkern; den in seiner Laenge

eintoenigen Bau unterbrach _Neumann_ durch ein machtvolles Mittelmotiv mit

brillantem Treppenhaus. Eine zweite, noch praechtigere Schauseite oeffnet

sich nach W zu den grossen, jetzt verwuesteten, Gartenterrassen, in deren

Mitte ein Kolossalbrunnen in Berninischer Manier von _Jakob __ van der

Auvera_. Die Dekoration der grossen Aula (Kaisersaal) liegt

stilgeschichtlich auf der Grenze zwischen Barock und Rokoko; Stuckatur von

_Hoennicke_ (der von hier nach Pommersfelden ging), die Fresken von

_Luenenschloss_ (1722), _Antonio Nave_, _Jo. Ad. Remela_ (spaeter in

Bronnbach taetig).

_EBSDORF._ RB Cassel Kr. Marburg.

*Dorf-K.* 1sch., rom. Mauerwerk, vermauerte rom. Pforten in S und N.

Spgot. Chor.

_ECKARDSHAUSEN._ UFranken BA Schweinfurt.

Ehem. *Wallfahrts-* jetzt Pfarr-K. Flachgedeckter Bau aus mehreren

Baufuehrungen 1467-1525. Spaetgot. _Sakramentshaeuschen_. Im klassiz.

Hochaltar _Gemaelde_ bez. Asam 1760. _Renss.Epitaphe_ 1544, 1547.

_ECKARTSBERGA._ Pr. Sachsen Kreisstadt.

*Pfarr-K.* stillos verbaut; die suedl. Erweiterung zur Beschaffung eines

groesseren Predigtraumes 1559; aus diesem Jahr die Kanzel; Altarbau 1607.

*Burgruine,* grosse regelmaessige 4eck. Anlage, 2 Bergfriede.

_ECKERSDORF._ OFranken BA Bayreuth.

*Pfarr-K.* 1525 aus ehem. Schlosskap. erweitert. -- _Grabst_.

_ECKSTEDT._ Sachsen-Weimar VB Weimar.

*Dorf-K.* 1744. Im 8Gr. Eck, an dessen oestl. Seite sich ein kleineres 1/2

8Eck anschliesst. -- _Taufgestell_: Muschel auf Delphinen.

_EFFELDER._ Sachsen-Meiningen Kr. Sonneberg.

*Pfarr-K.* Wesentlich 15. Jh. mit Benutzung aelterer, vielleicht noch rom.

Teile. Der gewoelbte polyg. Chor gut ausgebildet, das flachged. Lhs. im 17.

Jh. ueberarbeitet. -- Grabsteine unerheblich. -- Kirchhofsmauer mit

Schiessscharten.

*Schloss.* Hauptbau 1470 und 1533.

_EFFELDORF._ UFranken BA Kitzingen.

*Pfarr-K.* Als Loretto-Kap. erb. 1653 von den Wuerzburger Jesuiten. Lhs.

1753. Huebsche _Ausstattung_ bar., rok. und klass.

_EFFELTRICH._ OFranken BA Forchheim.

*Dorf-K.* um 1450; unter den in diesem Teile Frankens nicht seltenen

Festungskirchen eine der interessantesten; der Wehrgang und 3 spitzged.

Ecktuerme erhalten; ueber dem Eingang der Ringmauer 3 _Holzfigg_. aus A. 16.

Jh., um einiges aelter daneben in spgot. Nische der reitende S. Georg.

Weitere Holzplastik im Innern.

_EGENHAUSEN._ UFranken BA Schweinfurt.

*Dorf-K.* mit eingezogenem Chor, gegliederter Fassade und Freitreppe, von

Oberstleutnant _Joh. Mich. Mueller_ um 1766. Ostturm 1585 nachgot.

Inneneinrichtung gegen 1770 in beginnendem Klassizismus.

_EGGOLSHEIM._ OFranken BA Forchheim.

*Pfarr-K.* 1826, erhalten der frrom. T.

_EHLEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.

*Kirch-Turm* rom. 12. Jh. Im niedrigen tuerlosen Erdgeschoss kuppeliges

Kreuzgewoelbe.

_EHRENFRIEDERSDORF._ K. Sachsen AH Annaberg.

*Stadt-K.* S. Nikolai; 2sch. 3jochige Hallenkirche aus 15. Jh., der

unsymmetrisch anschliessende platt geschlossene Chor aus 14. Jh. --

_Altarwerk_ mit 4 beweglichen und 2 festen Fluegeln, wichtig; die

hervorragend schoenen Schnitzfigg. im Stil des Annaberger Meisters _W Z_

von 1512; auch die Fluegelgemaelde bmkw. (dieselbe Hand in Einsiedel und

Tannenberg). -- Ausgezeichneter spgot. _Kelch_.

_EHRINGEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.

*Dorf-K.* 1sch. mit 3 got. Kreuzgwbb., eingezogen quadr. Chor, WTurm.

_EHRINGSDORF._ Sachsen-Weimar. VB Weimar.

*Dorf-K.* rom., Turm fruehgot. mit breitem Zeltdach. 8 gemalte _Apostel_

von einem spaetgot. Altar.

_EIBAU._ K. Sachsen AH Loebau.

*Dorf-K.* 1703. Sehr stattlicher Gwb.Bau nach dem Vorbilde von Bertsdorf;

15,5 m br., 32 m l., Schluss 5/10, zwischen den eingezogenen Strebepfeilern

3fache Emporen, auch um den Altar herumgefuehrt. Auf dem Kirchhof

zahlreiche Denkmaeler. Die _Wohnhaeuser_ des 18. Jh. zeugen von grosser

Wohlhabenheit, viele mit Tueren aus Sandstein oder Granit.

_EIBELSTADT._ UFranken BA Ochsenfurt.

*Pfarr-K.* Ein Bau des 13. Jh., von dem der Turm (W) erhalten, wurde

1500-1530 langsam durch einen Neubau ersetzt. 3 sch. 3jochige Hallenkirche

mit 1sch. Chor; Netzgwb. auf leichten Rundpfeilern; reiches Masswerk,

charakteristisch fuer die letzte spaetgot. Phase. Einige Veraenderungen 1624.

-- Auf den stattlichen _Bar. Altaeren_ von E. 17. Jh. sind spaetgot.

_Holzfigg._, z.T. von hoher Qualitaet, und Renss-._Reliefs_ von 1625

wiederverwendet; _Gemaelde_ von _Osw. __ Onghers_. _Taufstein_ um 1600,

Alabaster, originell komponiert und im Figuerlichen hervorragend gut.

Vielleicht von derselben Hand _Grabstein_ eines kleinen Maedchens mit

Blumen und Totenkopf. Im Chorbg. _Kreuzgruppe_ aus der Umgebung

_Riemenschneiders_. Unter den _Altargeraeten__ _ gute Augsburger Arbeiten

des 17. und 18. Jh. -- Aussen am Lhs. _Oelbergkap_. mit ueberlebensgrossen

Figg. um 1620.

*Hl. Kreuz-Kap*. 1657. Flachgedecktes Schiff, stark ausladend. Qsch und

1/2kr. Apsis. Gute Altaere aus der Erbauungszeit, einer mit _Gemaelde_ bez.

_Oswald Onghers_ 1660.

*Rathaus* 1706 vom Wuerzburger _Peter Zwenger_ in schwerem sp. Barock,

Erdgeschoss und Hauptgeschoss wirkungsvoll kontrastiert. -- Huebsche

_Wohnhaeuser_ des 18. Jh.

*Stadtbefestigung*. 15. und 16. Jh. Im ganzen Umkreis erhalten. 15

Rundtuerme in Abstaenden von 60-80m. 3 Tore (das vierte abgebrochen). --

_Mariensaeule_ 1660 und _Sebastianssaeule_ 1773, vortrefflich. In einem

Privatgarten bmkw. steinerne _Madonnenstatue_ 2. H. 14. Jh. Mehrere

_Bildstoecke_ mit reichen und guten Skulpturen des 17. Jh.

_EIBSTADT_ (Gross- und Klein-). UFranken BA Koenigshofen.

*Dorfkirchen.* Got., mit OTuermen ueber dem Altar. Diese Verbindung ist fuer

das ganze Gebiet, in rom. wie in got. Zeit, typisch.

_EICHELSDORF._ Ufranken BA Hofheim.

*Dorf-K.* Einheitlicher nachgot. Bau von 1608.

*Schloss* 1678. Grosser Saal mit Stuckdecke 1703.

_EICHSTAEDT_ (Ober- und Nieder-). Pr. Sachsen Kr. Querfurt.

An beiden *Kirchen* querrck. WTuerme, in der Anlage rom. -- In beiden Reste

von spgot. Altarplastik in bar. Aufbau.

_EILENBURG._ Pr. Sachsen Kr. Delitzsch.

*Stadt-K.* Backstein mit Sandsteingliedern. Hallenbau aus 15. und 16. Jh.

-- _Altaraufbau_ und _Kanzel_ 1684.

*Rathaus*. 1544.

_EINBERG._ Sachsen-Coburg LA Coburg.

*Dorf-K.* Chor spaetgot., Lhs. 1sch., 17. Jh., Emporen und Mobilien 18. Jh.

_EINHAUSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.

*Dorf-K.* 1726. Aelterer stark befestigter Kirchhof mit hohen Tortuermen.

_EINSIEDEL._ K. Sachsen AH Chemnitz.

*Dorf-K.* neu. _Schnitzaltar_ mit ausgezeichneten Fluegelgemaelden von einem

Chemnitzer Meister um 1510-20 (vgl. Ehrenfriedersdorf). Ausgezeichneter

_Kelch_ in der Art des Freiberger Meisters _Samuel Klemm_, 2. H. 17. Jh.

_EISENACH._ Sachsen-Weimar BAmtsstadt.

*Benedikt. Nonnen-K. S. Nikolai*. Baugeschichte unbekannt, wohl E. 12. Jh.

-- Flachged. Basilika von 6 Arkaden im Wechsel von Sll. und Pfll. und zwar

so, dass die Reihe mit Pfll. beginnt und schliesst. Ornamentierte Kaptt.

Kein Qsch., aber suedl. am Chor ein Turm. Unten 4seitig, weiterhin durch

vier Geschosse 8eck., in trefflicher Architektur, die abschliessenden

Giebelchen und der Helm aus Rest. 1886, Ausmalung des Inneren 1894. An der

NSeite das ehem. Klst.

*Franziskaner-K*. Der Orden fasste in Thueringen zuerst 1224 in Erfurt Fuss.

1225 in Eisenach angesiedelt. 1236 definitive Kirche. Sie wurde 1597

abgebrochen, 1883 in den Fundamenten freigelegt. Anlage rck., enorm

gestreckt, 55 m l., nur 11 m br., trotzdem in 3 und zwar gleich breite

Schiffe geteilt; Strebepfll. deuten auf Gwbb.

*Dominikaner-(Prediger-)K*. Beg. 1235 in rom. Formen, 1236 dem neuen Orden

uebergeben und schlicht got. weitergebaut. Anlage 2sch. Auf derben 8eck.

Pfll. sehr hohe und weite spitzbg. Arkaden. Kleine Oberfenster mit Masswerk

des 14. Jh. -- Kreuzgang gegen 1500, Refektorium 1512. -- _Grabrelief_ mit

Schmerzensmann M. 14. Jh., wohl das aelteste Beispiel der Epitaphform in

Thueringen. (K. u. Klst. beherbergt jetzt das Thueringische Museum.)

*Markt-K. S. Georg*. 1515, nach Verwuestung 1525 vermauert 1560 und 1598.

3sch. mit rok. Chor und flacher Holzdecke.

*Annen-K*. 1sch. flachged. spgot. Gut ornamentiertes Portal 1634.

*Gottesacker-K*. 1692-97 von _Joh. Muenzel_ in der Grundform des griech.

Kreuzes. Geputzte Holzdecke.

*Residenzhaus*. WFluegel 1507, NFluegel mit grossem rundbg. Portal 1559 von

_Hans Lindemann_.

*Stadtschloss* 1742-45. Die Fassade ehem. weit reicher; schoener Festsaal;

wertvolles Mobiliar und Porzellan. Im Stall reich rok. geschnitzte

Pferdestaende.

*Rathaus* 1508, nach Brand rest. 1638. Der schoene Turm von _Hans

Lindemann_.

*Marktbrunnen* mit S. Georg. 1549, erneuert 1708.

*Lutherhaus*. Die jetzige Fassade mit schoenem Portal 1563 von _Hans

Lindemann_.

*Nikolaitor* spaetrom. und einige got. Stadttuerme.

Im *Museum* einige thueringische Altaere, einzelne Schnitzfigg. des 15.-16.

Jh., Grabsteine des 14.-16. Jh.

_EISENBERG._ Sachsen-Altenburg LA Roda.

*Stadt-K.* 1494, einfacher 1sch. Bau.

*Cisterc.-Nonnen-Klst*. bis auf geringe Spuren zerstoert.

*Rathaus* 1579.

*Schloss*. Hauptbau v. 1677 von _Wilh. Gundermann_ aus Altenburg. Bmkw. die

Kap.; ein Umgang von korinth. Saeulen mit geradem Gebaelk traegt 2geschossige

Emporen. Stuckierung in vollen schweren klassizistischen Barockformen,

wohl von Italienern ausgefuehrt. -- *Superintendentur*. Ansehnlich

spaetrenss.

_EISFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.

*Stadt-K.* Beg. 1505 und schnell zu Ende gefuehrt. Ein Hauptwerk der

suedthueringischen Spgot. Quaderbau. Das Lhs. 25 : 18 m, 3 Sch., 5 Joche,

die Gwbb. nach Brand 1632 durch Holzdecke ersetzt (das Inv. laesst im

Zweifel, ob der Querschnitt Basilika oder Hallenkirche). 8eck. Chor mit

Netzgwb. Der im NOWinkel stehende Turm mit aelterem Unterbau. 3 Portale in

W, N, O; die beiden letzteren unter einem zwischen die Strebepfll.

eingespannten Schutzdach; unter den Zierformen macht sich das verschraenkte

Stabwerk in gehaeufter Anwendung bemerklich.

*Gottesacker-K*. 1542. Ueber dem WPortal Gedenktafel fuer die Pastoren Jonas

{~DAGGER~} 1553 und Kindt {~DAGGER~} 1549, treffliches _Sandsteinrelief_. Die zahlreichen

uebrigen Gedenktafeln von geringem Kunstwert.

*Schloss*. Nach Brand 1632 in sparsamster Bauart wiederhergestellt; der

runde Haupt-Turm im Kern ma.

*Schulhaus*. 16. und 17. Jh.; einfach, in einer Blende raetselhafte

Steinfigur ("Hirt").

*Superintendentur*. Stattlicher Fachwerkbau des 17. Jh.

_EISINGEN._ UFranken BA Wuerzburg.

*Dorf-K.* 19. Jh. -- Am Chorbg. _Kruzifix_ von _Riemenschneider_, der

Koerper von feinster Durchbildung, Fassung neu.

_EISLEBEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.

*Andreas-K*. Einfache spgot. Halle (wohl erst nach Brand 1498) mit rom.

und frgot. Resten. Im W ueber rck. formlosem Unterbau 2 schlanke 8eck.

Tuerme. Am 1. und 2. Geschoss mit sprom. Bogenfries, am 3. mit got. Gesims.

Die Fenster der Sschiffe anscheinend frgot., was ueberraschenderweise auf

eine schon frgot. Hallenanlage, oder, bei basilikaler Anlage, auf

ungewoehnliche Hoehe der Sschiffe im Verhaeltnis zum Hochschiff schliessen

liesse (vgl. den Giebel zwischen den Tuermen). Die Pfll. des Triumphbogens

rom. Aus dem noerdl. Nebenchor fuehrt eine Tuer mit Eselsruecken und magerem

Stabwerk, abschreckendste Spgot., in einen grossen Seitenturm; untere

Geschosse 1486, obere 17. Jh. -- Grosser _Schnitzaltar_, einer von den

besseren, _Kanzel_ A. 16. Jh., gute Arbeit. Im noerdl. Nebenchor ein auf

beiden (!) Seiten bearbeiteter _Grabst_.; die eine zeigt in eingeritzter

trefflicher Umrisszeichnung den Grafen Burkhard v. Mansfeld ({~DAGGER~} 1229), die

andere in aeusserst rohem und altertuemlichem Relief 2 Figuren mit dem

Mansfeldschen Wappen, ohne Umschrift; _Grabsteine_ der Aebtissin Oda

({~DAGGER~} 1351); der Graefin Barbara v. M. ({~DAGGER~} 1511); des Gf. Hans Georg ({~DAGGER~} 1579);

der Graefin Katharina ({~DAGGER~} 1582). Grosse in Erz gegossene _Tumba_ des Gf.

Hoyer v. M. ({~DAGGER~} 1541), der Tote, gewappnet, den Helm zu Fuessen, an den Ecken

ueberragt von 4 freistehenden Saeulen mit Leuchter-Engeln. Eine zweite

_Tumba_ aus Marmor; fuer welchen der Mansfelder Grafen, ist nicht

nachweisbar. Von sonstigen _Grabst_. und _Epit_. ist vieles verschwunden.

*Nikolai-K*. 1426 ff. 3sch. Hallenkirche, 3 Joche, Kreuzgwb., kurzer

Vorchor, 5/8 Schluss, einfacher niedriger WTurm. -- _Schnitzaltar_ und

_Taufstein_ spgot.

*Petri-Pauli-K*. 1486-1513. Halle, der vorigen aehnlich, etwas

geschmueckter, Netzgwb. -- _Schnitzaltar_.

*Annen-K*. Unregelmaessige, nie vollendete Anlage. Der gewoelbte Chor 1514,

das Schiff mit Gewoelben von Holz und Gips um 1600. (Wiederhergestellt

1908.) Im W Mansfeldische Grabkap. von 1588; seltsam entartetes Masswerk. --

_Grabmal_ des Gf. Karl v. M. ({~DAGGER~} 1594); der Tote in voller Ruestung auf

einfachem Sarkophag. Steinerne _Moseskanzel_.

*Geburtshaus Luthers,* 1693 und 1863 rest., zeigt nichts mehr von seinem

ursp. Aussehen. -- _Gemaelde_ von 1569, Luthers letzte Ordination

darstellend, mit vielen Portraets, nebst anderen Gemaelden des 16. Jh., aus

den Hallen des alten Gottesackers stammend.

Besser erhalten *Luthers Sterbehaus,* aus A. 16. Jh.

*Schloss,* ehemals eine Wasserburg, im 11. Jh. zum kgl. Tafelgut gehoerig;

hoher frma. Bergfried.

*Altstaedtisches Rathaus* 1519-1530. Die grossen Fenster durch 3 Pfosten

geteilt, der obere Abschluss treppenfoermig. An der NOEcke ein gekroenter

_Kopf_, nach der Abb. im Inv. zu urteilen spaetes 13. Jh., eingemauert; im

Volksmunde _Kopf des "Knoblauchkoenigs"_ Herman v. Luxemburg.

*Neustaedtisches Rathaus* mit Portal in sehr reiner Hoch-Renss. 1580.

_ELGERSBURG._ Sachsen-Gotha LA Ohrdruf.

*Schloss*. Im 13. Jh. genannt; seither oft umgebaut, zuletzt A. 20. Jh. von

Graebner-Dresden; die wenigen vorhandenen Kunstformen weisen auf 17. Jh.

_ELGERSHAUSEN._ Kr. Cassel-Land.

*Dorf-K.* Frgot. WTurm. -- _Kindergrabstein_ 1626.

_ELISABETHBRUNNEN._ RB Cassel Kr. Marburg.

*Brunnenhaus*. Renss. 1596.

_ELISABETHENBURG_ siehe Meiningen.

_ELLINGSHAUSEN._ Sachs.-Meiningen Kr. Meiningen.

*Dorf-K.* 1775. Gute _ikon. Grabst_. der Familie v. Bose 16. und 17. Jh.

Befestigter Friedhof mit Gaden und Kellern.

*Schloss* der v. Boese 1604, reizvoller Treppen-Turm. -- Geschnitzte

_Fachwerkhaeuser_.

_ELMARSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.

*Schloss*. 1442, fortgebaut 1554, 1563, 1763. Interessante und malerische

Baugruppe. Grosser _Ofen_ bez. 1596.

_ELSA._ Sachsen-Coburg LA Coburg.

*Dorf-K.* 1483, OTurm, im Lhs. jetzt Flachdecke, aussen Strebepfll.

_ELSNIG._ Pr. Sachsen Kr. Torgau.

*Dorf-K.* (als Nachtaufenthalt Friedrichs d. Gr. nach der Schlacht bei T.

beruehmt geworden). Ursp. rom. Anlage mit eingezogenem Chor und 1/2kr.

Apsis, rck. Turm im W. -- In der Naehe kreisrunder *Burgwall*.

_ELSTER._ K. Sachsen AH Olsnitz.

*Petri-Pauli-K*. 17. Jh. 1sch. mit Holzdecke; geschmueckte

Emporenbruestungen. -- _Kanzel_ 1682, _Altar_ 1737.

_ELSTERTREBNITZ._ K. Sachsen AH Borna.

*Dorf-K.* 1840. Von der rom. K. erhalten ein rohes, gegenstaendlich

interessantes _Tympanonrelief_. -- _Altarwerk_ mit 2 beweglichen und 2

festen Fluegeln, um 1500. Figurierte _Glocke_ 1460, bez. _Nik. Eysenberg_

von Leipzig.

_ELSTERWERDA._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.

*Stadt-K.* 1718, mit spgot. Chor, 1904 umgearbeitet. -- 12 v. Maltitzsche

_Bildnisgrabsteine_, 9 aus 16. Jh., die uebrigen 17. Jh.

*Schloss* beg. ca. 1720 von Joh. v. Loewendahl, 1727-38 von Koenig August II.

weitergefuehrt. Dreifluegelanlage in einfacher Behandlung. -- _Pestsaeule_

1738.

ELSTRA, K. Sachsen AH Kamenz. *Stadt-K.* 1726. 3sch. kreuzgewoelbte

Hallenkirche in einfachen Bar Formen, vielleicht auf ma. Grundriss. --

Ansehnlicher Hochaltar aus Marmor und Sandstein, _Gemaelde_ (Kreuzabnahme)

von _Chr. W. E. Dietrich_ 1733 in Anlehnung an Rubens. Praechtige _Kanzel_;

als Fuss (anstatt der im 16. und 17. Jahrh. beliebten Mosesstatue) ein kuehn

bewegter Engel. Gute _Grabdenkmaeler_ des 18. Jahrh.

*Rathaus* 1717, ganz schlicht. -- Im ehemaligen Schlosspark (das Schloss

abgebrannt) _Sandsteingruppe_, Apotheose eines Helden (wohl Augusts des

Starken) von _Balt. Permoser_.

_ELTERLEIN._ K. Sachsen AH Annaberg.

*Stadt-K.* 1662 umgebaut; 1sch. mit 8Eck-Schluss und Holzdecke;

einheitliche vortrefflich erhaltene bar. Dekoration und Ausstattung. --

_Taufstein_ von Engeln getragen, bez. _Sebald Teuscher_ 1697.

_ELTINGSHAUSEN._ UFranken BA Kissingen.

*Dorf-K.* Turm rom., Chor und Lhs. 1745. _Decken-_ und _Hochaltargemaelde_

bez. _J. A. Herrlein_ 1746, auf den architekturlosen Seitenaltaeren je 1

_Holzstatue_, gut rok.

_ELTMANN._ UFranken BA Hassfurt.

*Stadt-K.* Rest. 1835 von _Klenze_, erhalten blieb der got. Chorturm (E.

13. Jh., umgebaut im 15. Jh.). -- Zierliche spaetgot. _Sakramentsnische_.

*Heil. Kreuz-Kap*. 1768, fein gegliederter Sandsteinbau auf ellipt. Gr.

*Friedhof* angelegt 1668. Kreuzgruppe ca. 1400, stark ueberarbeitet.

Grabsteine got. und Renss.

Im S der Stadt *Wallburg* mit gut erhaltenem rundem Bergfried aus 12.-13.

Jahrh., Zinnenkranz neu.

_EMPFERTSHAUSEN._ Sachsen-Weimar VB Dermbach,

*Kirche* von 1719.

_EMTMANNSBERG._ OFranken BA Bayreuth.

*Pfarr-K.* OTurm got. Lhs. 1666, zierliche Stuckatur 1749.

*Schloss* einfach bar. 1689, ueber dem Portal grosse Wappentafel.

_ENGELSBERG._ UFranken BA Miltenberg.

*Kapuzinerklst*. 1629.

_ENGELSDORF._ K. Sachsen AH Leipzig.

*Dorf-K.*, rom. Anlage mit OTurm.

_ENGENTAL._ UFranken BA Hammelburg.

*Dorf-K.* nachgot. aus der "Juliuszeit".

_EPPRECHTSTEIN._ OFranken BA Wunsiedel.

*Burgruine*.

_ERBENHAUSEN._ Sachsen-Weimar VB Dermbach.

*Dorf-K.* 1609 mit Turm aus Ma. Burgaehnlich ummauert. _Grabstein_ des

Foersters Martin Rod 1716.

_ERBSHAUSEN._ UFranken BA Karlstadt.

*Dorf-K.* Chor-Turm 1598, Lhs. 1794. Auf dem Hochaltar gute _Skulpturen_

aus der Werkstatt _P. Wagners_.

_ERDMANNSHAIN._ K. Sachsen AH Grimma.

*Dorf-K.* rom. wie Fremdiswalde. -- Auf dem Altar _Kopie_ von _Rubens'_

Antwerpener Kreuzabnahme.

_ERFURT._ Fr. Sachsen.

Die Stadt besass am Schluss des Ma. ueber 90 Kirchen und Kapellen, darunter

36 kloesterliche Ansiedlungen. Der Stiftung nach vielleicht am aeltesten die

kleine Bonifaziuskap. auf dem Domhuegel, neben S. Severi, ein schlichter

kleiner Steinbau, im sp. Ma. umgebaut.

*Stifts-K. S. Marien ("Dom").* Gegr. angeblich 741. Neubau seit 1154.

Erster Umbau des Lhs. im A. 13. Jh. Erweiterung des Chors 1349-70. Zweiter

Umbau des Lhs. 1452 ff. und Hinzufuegung der dritten Turmspitze durch

Meister _Hans von Strassburg_. Ausbesserung nach Brand 1472 durch _Hans

Pfau_. Im 19. Jh. mehrfach rest., zuletzt 1912. -- Vom rom. Bau des 12. Jh.

haben sich erhalten die Mauern des Qsch. im noerdl. und suedl. Fluegel bis

zum Kranzgesims; die 2 zu Seiten des Chors angeordneten Tuerme im 1. und 2.

Geschoss; im Innern die Kaempfer der Vierungsbgg., soweit sie an die Tuerme

anstossen. Die auf den quadr. Unterbau folgenden 8eck. Turmgeschosse sprom.

13. Jh. (der suedl. soll 1201, der noerdl. 1235 vollendet worden sein). Den

rom. Bau haben diese Tuerme stattlich ueberragt, durch die spaeterhin

eingetretene Erhoehung und Massenvermehrung des Chors und Lhs., namentlich

als dieses sich in eine Hallenkirche mit hohem Dach verwandelte, wurden

sie ausser Wirkung gesetzt; um so bedauerlicher, als die unvergleichlich

guenstige Lage am Bergrande zur Schaffung einer kraeftigen Silhouette die

Aufforderung gab. Dieser folgte _Hans v. Strassburg_ in der Weise, dass er

die wohl schon vor ihm got. ueberhoehten Tuerme durch einen Zwischenbau

verband und ueber diesem einen 8eckigen Aufsatz errichtete. Der Helm

brannte seither zweimal, 1493 und 1717, ab; seine Erneuerung 1850 folgt

den durch alte Ansichten ueberlieferten Umrisslinien. -- Der zwischen den

Tuermen liegende rom. _Chor_ war nur 7 m breit gewesen; jetzt bildet er den

Durchgang zu dem fast als selbstaendiges Gebaeude auftretenden viel

breiteren Chor des 14. Jh. Dieser ist 1sch., hat 5 Langjoche, das letzte

im Schlussstein mit dem als 1/2 10Eck konstruierten Haupt zusammengezogen

(34 m lang, bei 88 m Laenge der ganzen K., 13,5 m br., 25 m H.). Der Aufbau

des Chors zeigt den voellig systematisch durchgebildeten Stil der spaeteren

Hochgotik und ist durch schoene Raumverhaeltnisse ausgezeichnet. Mit dem

Chorbau ging die kuenstliche Verschiebung des Bergrandes durch eine auf

gewaltigen offenen Bgg. ruhende Terrasse ("Cavaten") und der majestaetische

Treppenaufgang ("Greten" aus "gradus") zusammen. Und die notwendig

gewordene Tiefe der Grundmauern fuehrte zur Anlage einer _Krypta_

(inschriftl. voll. 1353), dergleichen sonst nicht in den got.

Baugewohnheiten liegt. -- Die im 15. Jh. geforderte Erweiterung des

_Langhauses_ als Hallenkirche musste wesentlich in der Breitenrichtung

erfolgen; da jedoch auch die bestehenden Pfll. weiter benutzt werden

sollten, wurden die Ssch. breiter (9,4 m) als das Msch. (7,2 m) angelegt,

was keine guenstigen Raumverhaeltnisse ergeben konnte. Einfache Sterngwbb. --

Am _Aeussern_ ist vor allem die Massenverteilung und Silhouette der

Ostansicht eigentuemlich und bedeutend. In Verbindung mit der Severi-K.

eine der schoensten Baugruppen Mitteldeutschlands. Hier wie oefters zeigt

sich die Phantasie des Ma. noch gluecklicher in der sukzessiven Ausnutzung

zufaelliger Gelegenheiten durch wechselnde Geschlechter, als in der

folgerichtigen Entfaltung einer einheitlichen Idee. Die mit dem Chor nicht

parallele, sondern auf die NSeite konvergierende Richtung des

Treppenaufgangs gab den Gedanken zu der praechtigen _Torhalle_ auf

dreieckigem Gr. als Anbau an den noerdl. Kreuzarm. Die beiden freiliegenden

Seiten werden ganz von maechtigen Portalen mit hohen Wimpergen eingenommen;

ein zweites, mit je einem Fenster versehenes Geschoss springt etwas zurueck.

Die Formen sind freier als die des Chors, wahrscheinlich von einem etwas

aelteren Meister. Die Langseiten erhielten durch die Rest. von 1868 ueber

jedem Joch Giebel fuer quergestellte Sschiffsdaecher, waehrend der

Hauptfirst, nicht zum Vorteil der Totalansicht, niedriger gelegt wurde.

Neu ist auch der obere Abschluss der WSeite. Ueberhaupt hat die Rest. den

spgot. Bau nach Kraeften hochgotisch korrigiert. Torfluegel mit reichem got.

Rankenbeschlaege. Loewenkoepfe rom.

_Kreuzgang und Stiftsgebaeude_. OFluegel: spgot. 2sch. Halle, die dem Hof

zugekehrte Seite in sprom. Formen mit einzelnen gotischen; diese

ueberwiegen bereits am letzten Fenster; nach aussen gegen die Terrasse

springt die 1451 gest. Clemenskap. vor. Das Obergeschoss des OFluegels nahm

das Auditorium coelicum (so genannt von den auf der azurblauen Decke

dargestellten 12 Himmelszeichen) ein, welches der Universitaet zu

Promotionen und sonstigen Festlichkeiten diente; jetzt sehr verwahrlost.

Der W- und SFluegel entsprechen der fortschreitenden got. Stilentwicklung;

mit Ausnahme des noerdl. Fensters der WSeite, welches mit denen der OSeite

gleichzeitig. Am SFluegel der ehemalige Kapitelsaal. Alle Gebaeude haben

durch den Brand 1472, sodann durch spaetere Veraenderungen gelitten.

_Innere Ausstattung_. Durch die Rest, des 19. Jh. von ihren "stilwidrigen"

Elementen befreit. -- Prachtvolles _Chorgestuehl_ bez. 1469, 1484.

_Hochaltar_ maechtiger Holzaufbau von 1697. Um 1420 grosser gemalter

_Fluegelaltar_, in der Mitte die Einhornjagd. -- Mitten im Chor lebensgrosse

bronzene _Leuchterfigur_, bekleidet, von starrster Bildung bei

sorgfaeltiger Technik, 12. Jh., aber genauere Bestimmung von Zeit und Ort

der Entstehung nicht zu geben. Stifterinschr. der Wolfram und Hilteburg.

_Glasgemaelde_ im Chor, bez. 1403, die beste und groesste Reihe, die

Thueringen besitzt. -- An der OWand des noerdl. Qsch. 4 Nischen, ihr Inhalt

aus Altem und Neuem gemischt. Besonders merkwuerdig'> ein bogenfoermiger

rom. _Altaraufsatz_ aus Stuck, an der Stirnseite Christus und die heil.

Eoban und Adolar, darunter heilige Frauen mit Palmen, in der engen Nische

Statue der Muttergottes, thronend, das Kind zwischen den Knien, archaeische

Zuege verbunden mit wuchtiger Monumentalitaet. Es ist moeglich, dass die

Madonna nicht ursp. fuer die Nische gearbeitet war; erheblich aelter als die

Reliefs der Lunette, wie behauptet worden, ist sie nicht; genauere

Datierung schwierig, etwa zwischen 1130-60. -- An entsprechender Wand des

suedl. Qsch. _Sakramentshaus_ von _Hans Friedemann_ 1560, trefflich

aufgebaut, doch schwach, wie immer bei diesem meistbeschaeftigten Meister

der Erfurter Sprenss., in der Figurenplastik. _Holzrelief_ der Beweinung

E. 15. Jh. Tumba der heil. Eoban und Adolar um 1400. -- Im suedl. Ssch.

eiserner _Leuchter_ mit Schmerzensmann um 1450. Links vom WEingang

Taufstein mit grossem phantastischem Ueberbau von _Hieronymus Preisser_ 1587.

An den Pfll. des Msch. 8 halbrund gebogene _Tafelgemaelde_ um 1500.

_Grabdenkmaeler_. Bildnisstein eines Grafen von Gleichen mit zwei Frauen

(wohl Ernst II. {~DAGGER~} 1264, ausgefuehrt etwa zwei Jahrzehnte spaeter). Epitaph

des Joh. v. Allenblumen {~DAGGER~} 1432, bez. R T, den Erfurter Lokalstil mit

Eleganz repraesentierend. Bronzeepitaph des Henning Goeden von _P. Vischer_

1521 (Wiederholung in Wittenberg). Praechtige dekorative Steinepitaphe der

Familien v. Herstall von _H. Friedemann d. J_. und v. d. Weser von _Enders

Gutschell_ 1576. -- Wichtig ist der Dom durch eine groessere Reihe von

_bronzenen Grabplatten_ (die meisten im Kreuzgang). Am Choreingang junger

Geistlicher, schoene flandrische Gravierung um 1350. Als aelteste

einheimische Arbeit bmkw. Herm. Schindeleib {~DAGGER~} 1427. Heinrich v. Gerbstaedt

{~DAGGER~} 1451, ausgefuehrt nach 1472 in der _Vischer_schen Werkstatt in Nuernberg;

desgl. Hunold v. Plettenberg {~DAGGER~} 1475, Konrad v. Stein {~DAGGER~} 1499, Joh. v.

Lasphe {~DAGGER~} 1510, Joh. v. Heeringen 1505; die letztere Platte (Halbfigur) von

strahlender Renaissanceschoenheit, wird als ein Werk _Hermann Vischers

d. J._ anzusehen sein. -- Gegossene Bronzeplatten Erfurter Ursprunges:

Eoban Ziegler 1561 (von _Eckhard Kuecher_) und G. Oland 1597 (von _Melchior

Moehring_). Die schoene bronzene Wappentafel fuer Konrad v. Breitenbach

{~DAGGER~} 1579 von _Friedemann d. _Ae_._

_Skulpturen am Aeusseren_. Am reichsten ausgestattet die beiden Portale am

Triangel um 1350-60, 34 Vollfiguren, Apostel, kluge und toerichte

Jungfrauen, Ecclesia und Synagoge u. a.; Nachwirkung der 60-75 Jahre

aelteren Naumburger und Magdeburger Plastik; die Qualitaet weit niedriger.

Am Tympanon des Kreuzgangsportals innen Kunigundens Rechtfertigung, aussen

Kreuzigung. An den Chorpfeilern 3 Statuen, Maria, Katharina, Barbara, aus

A. 15. Jh. mit dem Zeichen _i_ eines damals in Erfurt vielbeschaeftigten

Meisters.

_Im Dommuseum_. Merkwuerdige, reich mit Reliefs verzierte sprom. Ampel fuer

12 Dochte. Bronzene Reliquienbueste E. 12. Jh. Eine gleiche E. 14. Jh.

"_Kasel_ der hl. Elisabeth" E. 13. Jh. Wandteppich in Plattstich auf

Leinwand E. 13. Jh. Tischdecke mit Szenen aus Tristan, 14. Jh. Allerlei

Reste von Holzplastiken und Malerei.

_In der Domkurie_. 2 Altarfluegel mit Aposteln ca. 1420. 3 Tafeln mit

maennl. Heiligen ca. 1450. Tafel mit Kreuzigung ca. 1490.

*Collegiat-K. S. Severi*. Erste Nennung 836. Auf Neubau deutende

Ablassbriefe 1273-95. Zweite Erneuerung um 1450. -- Anlage und Einzelheiten

enthalten manches Eigentuemliche. Bei Gliederung in 5 Sch. und 6 Joche

kommt der raeumliche Charakter der Hallenanlage bedeutend zum Ausdruck. Das

erste und letzte Joch breiter als die uebrigen; man ist hierbei von einem

ehemaligen Qsch. ausgegangen, das an dem grossen Rosenfenster der NSeite

noch zu erkennen ist. Die Tuerme wie am Dom und nach dessen Vorbild im O.

spaeter um einen dritten mittleren vermehrt; schlanke hoelzerne Helme. Bei

schlichtester Einzelbildung wird durch blosse Linien und Massen ein echt

kuenstlerischer Eindruck erreicht. -- Im Chor _Sediliennische_ um 1300. --

_Taufstein_ 1467, ueberstiegen von einem dreiseitigen mit der Spitze bis

zum Gewoelbe hinanreichenden Baldachin, im Motiv an Brunnenarchitektur

erinnernd, hoechster Handwerkstriumph in der Bewaeltigung des

Steinmaterials. -- Hoelzerne _Kanzel_ von _Hans Friedemann d. Ae._ 1576. --

_Orgelbau_ in grosszuegigem Barock. -- Im suedl. Ssch. gemalter _Fluegelaltar_

von einem guten Sueddeutschen um 1520 ("Schule des Peter von Mainz"). -- In

der Blasiuskap. _Schnitzaltar_ um 1500, bedeutend, doch sehr

verrestauriert. -- Die Kirche ist reich an bmkw. Steinplastik. _Denkmal des

hl. Severus,_ um 1370-80; ursp. in Form einer Tumba, frueh (vor 1472)

auseinandergenommen. Drei der Seitenplatten trugen Szenen aus dem Leben

des Heiligen in hohem Relief; jetzt dem Marienaltar im noerdl. Qsch.

einverleibt; die vierte mit der Anbetung der Koenige jetzt im suedl. Ssch.

(fast genaue Wiederholung derselben Komposition am WPortal der Nuernberger

Lorenzkirche). Die ehemal. Deckplatte mit dem Relief des Severus zwischen

Frau und Tochter kroent heute den Severialtar; in der Qualitaet den

Seitenplatten ueberlegen; von neueren Kritikern nicht unbedingt ueberzeugend

dem sog. _Meister der Barfuesser-K._ zugeschrieben. -- Feine _Madonna_ am

Chorbogen um 1370-80 von _Joh. Gehart_; von demselben Johannes d. T. und

Katharina. -- Im Chor Alabasterrelief des _hl. Michael_ bez. 1467,

kuenstlerisch bedeutend, unter die Schulrichtungen der Zeit schwer

einzureihen, doch wohl identisch mit dem Meister des Taufsteines. -- Die

_Madonna am NPortal_ ist aelter als dieses selbst, eine Durchschnittsarbeit

um 1370. Bedeutend der daneben befindliche grosse _Crucifixus_, um 1500.

*Schotten-Klst.-K. S. Jakob.* Basilika aus A. 12. Jh., mit Veraenderungen.

Die im Innern erhaltenen rom. Pfll. haben so weiten Abstand, dass

ausgebrochene Zwischenstuetzen, wohl Sll., vermutet werden muessen. Die

ursp. Flachdecke durch Holzgewbb. ersetzt. Frgot. Vorhalle. Barockfassade

(1772). Got. Turm mit welscher Haube. -- _Grabstein_ des Walter v. Glizberg

und seiner Frau, lebensgrosse Figuren in starkem Relief auf vertieftem

Grunde, Behandlung sorgfaeltig aber wenig belebt; 2. H. 13. Jh. (oder noch

spaeter?). Gute _Holzmadonna_ A. 16. Jh.

*Prediger-K*. (Dominikaner). Das Klst. gegr. 1228; eine Baunachricht von

1238 kann nicht auf das vorhandene Gebaeude bezogen werden; dieses beg.

1308. -- Sehr lang gestreckte, querschifflose Basilika im Gr. 76 : 18,5 m,

geteilt in 15 Joche von genau gleicher Abmessung; die Ssch. schliessen

platt (mit Fenstern), das Msch. mit 5 Seiten des 8Ecks; die Moenchskirche

von der Laienkirche durch eine Schranke und einen spaeteren Lettner (1410)

geschieden. Das Msch. scheint in Absicht auf flache Decke begonnen zu

sein; die Hochwand hat aussen keine Streben, innen sind die Gwbb. auf

vorgekragte kurze Dienste gestellt. Die Fassade turmlos, ihr grosses Portal

des figuerlichen Schmucks beraubt. Die schlanken Tuerme am Chor eine juengere

Hinzufuegung. Der Kreuzgang (S) abgebrochen, das Kapitelhaus erhalten.

_Hochaltar_; Mensa mit Arkatur aus der Erbauungszeit; Retabulum, grosse in

5 Giebel ausgehende Tafel, jetzt des figuerlichen Schmucks, wohl Gemaelde,

beraubt und verstellt durch einen grossen Schnitzaltar von ca. 1470-80 (der

bedeutendste Erfurts; die gemalten Fluegel nicht "Wolgemut aehnlich",

ueberhaupt nicht fraenkisch). Hinter der Mensa ein steinerner Zierbau in

Laternenform, 5seitig auf schlankem Fuss, hinten mit einer steinernen Wand

verwachsen und durch eine Treppe zugaenglich gemacht; wohl

_Sakramentshaus_; in dieser Anordnung sonst nicht bekannt; entstanden

gleichzeitig mit dem Lettner (1410), waehrend die steinerne Umrahmung fuer

einen _Celebrantensitz_ aelter ist; in der Nische gutes _Fresko_, etwa M.

14. Jh. -- In die innere Schranke eingelassen ein _Tafelbild_,

figurenreiche Kreuzigung, nach M. 14. Jh. -- Im Chor _Marienstatue_ um

1350, eine von den manieriertesten, aber fesselnd durch die delikate

Behandlung. -- _Grabsteine_. Dieser Zweig der Plastik ist in Erfurt, vgl.

auch die uebrigen Kirchen, reich und gut vertreten und laesst u. a. die

Entstehung des Epitaphs neben der Grabplatte lehrreich beobachten. Die

beiden Typen noch nicht deutlich gesondert am _Ehegrabstein_ des Rudolf

Vitztum {~DAGGER~} 1365, der Schriftrand fuer Erfurt fruehestes Beispiel gotischer

Minuskeln. Am Lettner Gf. Guenther v. Schwarzburg als Moench, {~DAGGER~} 1345, kniend

in Profilansicht, die ganze Erscheinung individuell; sehr flaches Relief,

Bemalung neu. Theodorich v. Lichtenhayn {~DAGGER~} 1366, ebenfalls kniend und mit

Absicht auf Bildniswahrheit; Farbe verschwunden. Gottschalk Legat {~DAGGER~} 1422,

Epitaphform, Mann und Frau in starkem Gefuehlsausdruck betend vor dem

Schmerzensmann. Friedrich Rosenzweig {~DAGGER~} 1450, aehnliche Anordnung. Ueber dem

SEingang Gethsemanerelief bez. 1484; der Kuenstler _Joh. Wydemann_ zugleich

Donator; sein Stil von Nuernberg abhaengig. _Wandepitaph_ fuer Paul Mues von

_Friedemann d. Ae._ 1579. _Bildnisgrabstein_ des Superintendenten Aurifaber

{~DAGGER~} 1575. Grosses _Steinepitaph_ des Jakob Neffzer {~DAGGER~} 1586, elegante Arbeit

eines Unbekannten. _Bildnisepitaph_ des Kriegsrats Burchard {~DAGGER~} 1632, Von

derselben Hand Senior Silberschlag {~DAGGER~} 1635 (vgl. Epit. Mohr in der

Barfuesser-K.). -- Praechtige _Abendmahlskanne_ 1618 von _Erasmus Wagner_.

*Barfuesser-K*. (Franziskaner). Erste Niederlassung 1221; jetzige K. voll.

1285; Brand; 1326 der langgestreckte 1sch. Chor hinzugefuegt; Einwoelbung

des Lhs. A. 15. Jh. -- Querschifflos. Die 6 Arkaden des Lhs. sehr weit

gestellt, auf je 1 von ihnen fallen im Hochschiff 2 schmale Kreuzgewbb.

auf abwechselnd kurzen, vorgekragten und vollstaendig bis zur Erde

reichenden Diensten; die Pfll. im W zierlich gebuendelt, die drei oestl.

einfacher. Chor 4 Joche und 5/8 Schluss, Lhs. 6 Doppeljoche, ganze L. 78.

Formencharakter von edler Einfachheit, weniger herb als in der Prediger-K.

Der in der zweiten Bauperiode hinzugefuegte Turm in verwegener

Uebereckstellung ueber dem letzten Joch des noerdl. Ssch.

_Hochaltar_ ehemals doppelfluegelig, in neugot. Rahmenarchitektur falsch

zusammengesetzt, die interessanten, stilgeschichtlich noch nicht genuegend

gewuerdigten Gemaelde nach 1400, die Holzskulpturen altertuemlicher, aber

nicht notwendig aelter. Fruehester Schnitzaltar Erfurts. -- Im suedl. Ssch.

reiche _Schlusssteine_ mit dem Zeichen _i_ (vgl. Epit. Legat in der

Prediger-K. und Chorstatuen am Dom). -- _Chorstuehle_ um 1325-50 sehr

einfach. -- _Grabmaeler_: in der sog. Saalfeldschen Kapelle suedl. am Chor

Cinna v. Vargula 1370, wohl Deckel einer ehemaligen Tumba; vorzuegliche

Arbeit, die den Stil der Zeit von seiner besten Seite zeigt; Saalfeldsche

Platte, Schmerzensmann mit 6 Portraetfigg.; Margarete v. Mila 1494, dem

Gegenstand nach, Madonna auf der Mondsichel, ein Epit., der technischen

Form nach Grabstein. Am Ende des noerdl. Ssch. Albert v. Beichlingen

{~DAGGER~} 1371, von derselben Hand ("Meister der Barfuesser-K.") wie der Grabstein

der Cinna und gleich vortrefflich, die Auffassung durchaus statuarisch.

Grabstein Berld v. Vitztum 1478. Epit. Balth. Hirschbach 1583 von _H.

Friedemann d. Ae._ Epit. Nacke 1587. Epit. _Mohr_ 1626. -- _Gemaelde_: in der

Saalfeld-Kap. Fluegelaltar A. 15. Jh. -- _Abendmahlskannen_ von _Erasmus

Wagner_ 1621 und _Andr. Joerg_ 1679.

*Regler-K.* (Augustiner-Chorherren) M. 14. Jh. Vom rom. Bau die 2tuermige

WFassade (alt indes nur der suedl. Turm). Ganz schlichte Anlage.

Unvollstaendige Flachdeckbasilika; das noerdl. Ssch. zum Kreuzgang

geschlagen, darueber eine gegen das Hauptschiff sich oeffnende Empore.

Gestreckter platt geschlossener Chor. -- Grosses doppelfluegeliges

_Altarwerk_ um 1480, an dem besonders die gemalten Teile bmkw.; frueher

irrig _Wolgemut_ zugeschrieben; wohl von Erfurter Lokalmeistern (an

Aussentafeln, Innentafeln und Predella drei verschiedene Haende). An der

Aussenwand und sehr verwittert: _Epitaph_ des Heinrich Frimar 1417,

Kreuzigungsgruppe, darunter 2 kleine Adoranten, geleitet von 2 Heiligen.

*Augustiner-K*. (Augustiner-Eremiten; das Kloster M. Luthers). 1289-1325;

1435 das ursp. 1sch. Gebaeude zu einer Basilika mit sehr hohen Ssch.

erweitert, dazu langgestreckter Chor; in allen Teilen Holzdecke. Der

8eckige Turm sitzt ueber einem Pfl., an ihm hoch oben 3 Standbilder, gut,

von einem Nachfolger des _Meisters i._ -- _Kreuzgang_ aus 15. Jh. Ueber dem

NFluegel eine nach der K. sich oeffnende Empore. Die _Lutherzelle_ nach

Brand 1872 erneuert.

Im Innern der K. die Steinumrahmung eines _Levitensitzes_ A. 14. Jh. --

_Glasmalereien_ im Chor 2 H. 14. Jh. -- _Grabsteine_ der Adelheid v. Amera

{~DAGGER~} 1298, gravierte und mit schwarzer Paste gefuellte Umrisszeichnung.

_Grabst_. der Titularbischoefe Joh. v. Lepanto {~DAGGER~} 1316 und Ludwig v.

Marronia {~DAGGER~} 1323 und des Professors Heinrich v. Frimar {~DAGGER~} 1354, alle drei

ausgefuehrt ca. 1370-80 von derselben, geschmackvoll und eigentuemlich

arbeitenden Hand (Meister der Barfuesser-K.), neu bemalt. Heinrich v.

Meiningen {~DAGGER~} 1382 (Art des _Joh. Gehart_); Theodor Brun {~DAGGER~} 1462 (vom Meister

des hl. Michael in S. Severi??).

*Ursulinerinnen-K*. E. 13. Jh. Sehr einfacher, 1sch. Bau, dem spaeter ein

noerdl. Ssch. hinzugefuegt wurde. Im O rck. geschlossen mit 3 hohen

Fenstern. Im W Nonnenchor. Holzgwb. mit huebschem leichtem Rokokoornament.

Ueber dem Eingang _Steinrelief_ mit der Anbetung der Koenige. -- Zahlreiche

Grabsteine: mit eingeritzter Figurenzeichnung 1313-1445, mit reliefierter

1436-1540. Hochaltar mit gemalten Doppelfluegeln 2. H. 15. Jh. Auf einem

Nebenaltar _Pietas_ (Holz) um 1420. Eine aeltere desgl., ueberlebensgross, im

Klst. Ebendort _Wandteppiche_ aus 14. Jh.

*Kaufmanns-K*. Schlichte Basilika des 13. und 14. Jh., Msch. rom.,

Sschiffe got. Die Tuerme zu Seiten des polyg. Chors erneuert, der noerdl.

1684, der suedl. 1859. -- Taufstein 15. Jh. mit 7 sitzenden Prophetenfigg. --

Gut kennen zu lernen die Erfurter Renaissancemeister _Friedemann_ Vater

und Sohn: Kanzel 1598, Hochaltar 1625, Epitaphe Ziegler 1584, Tettau 1585,

v. d. Sachsen 1592.

*Allerheiligen-K*. Kleiner einfacher Bau, das Schiff in origineller Weise

der Strassengabelung angepasst, Turm 2. H. 13. Jh. -- Hochaltar 1757. Pietas

E. 14. Jh. Grabplatten mit geritzter Zeichnung 1381, 1405, mit Relief

1418, 1422, 1536; des Dr. Eberbach 1547 bez. AB; des G. Hupolt 1619 von

_Friedemann d. J._

*Martins-K*. vom ehem. Cisterc.-Nonnen-Klst. Turm 1303 1sch. Langhaus

1483, 1755 mit flachem Tonnengewoelbe versehen. -- _Ausstattung_ bar.

_Monstranz_ von _C. X. Stipeldey_ in Augsburg 1780.

*Michaelis-K*. 14. Jh., einfach, erweitert 15. Jh., huebsche spgot.

Sakristei mit reliefgeschmuecktem Erker. Guter bar. Orgelbau. --

_Crucifixus_ 1405, erstes sicheres Werk des Monogrammisten _i_, des

tonangebenden Erfurter Bildhauers im 1. Viertel 15. Jh. Im Innern und auf

dem kleinen Friedhof _Grabmaeler_ von Renss. bis Klassizismus.

*Dreifaltigkeits-Kap*. 1500. Erkerchor mit Reliefschmuck.

*Andreas-K*. Kleiner Bau des 13. Jh., whgest. 1418. -- Ueber dem

Haupteingang _Kreuzigungsrelief_ um 1730 (zu vgl. mit dem

Severisarkophag). Sandsteingruppe der _Beweinung_ ca. 1430-40 von einem

Nachfolger des Meisters _i_.

*K. des grossen Hospitals*. 1385, whgest. 1488. Rechteck mit 3seit. Schluss.

-- _Epit_. Ziegler 1462, tuechtig.

*K. des kleinen Hospitals*. _Gedenkstein_ der Stifter, der

Schneidermeister Konrad von Duderstadt und Siegfried von Leubingen, ca.

1420-30.

*Thomas-K*. spgot. Thomasrelief 2. V. 15. Jh. Kleiner _Schnitzaltar_ M.

15. Jh.

*Wigperti-K*. 1475, Rechteck mit 3seit. Schluss. -- An der WFront 3 Statuen

um 1430, handwerklich. Besser eine _Madonna_ um 1450. Im Kreuzgang

_Kreuzigungsrelief_ aus der Nachfolge des Meisters _i_. -- Sakristei mit

guter SpRenss.-Einrichtung.

*Neuwerks-K*. Gegr. 1196. Total umgebaut im 15. und 18. Jh. -- Aussen

_Madonna_ um 1380, feiner belebt und wahrer gefuehlt, als das meiste dieser

Zeit (nicht von _Joh. Gerhart_). Eine zweite im Innern um 1400. Ziemlich

praechtiger _Hochaltar_ um 1730. Der aeltere von ca. 1500 in der Sakristei.

*Lorenz-K*. Gegr. 1140, Neubau 1413, veraendert im 17. Jh. -- Am SPortal

_Sandsteinstatue_ des hl. Wenzel um 1450. Aussen neben dem Eingang _Epit.

Buseloyben_ um 1430, an der SWand _Epit. Salfeld_ 1405. Im Innern Epit.

der _Gebr. Eberbach_ 1581 von _Friedemann d. Ae._ -- Die Holzskulpturen der

modernen Altaere von Antiquaren in Muenchen und Luebeck.

*Egidien-K*. (Ilgen-K.). Alte, schon im 12. Jh. genannte Gruendung. Jetzt

zu Wohnungen eingerichtet. Nur die oestl. Giebelwand zeigt kirchliche

Bauformen. Unter der K. Durchfahrt vom Wenigenmarkt zu der einst

befestigten Kraemerbruecke. Von einigen inzwischen abgebrochenen Kirchen

haben sich die Tuerme erhalten:

*Nikolai-Turm, Johannis-Turm, Benedikts-Turm, Bartholomaeus-Turm* (mit

_Oelbergrelief_ vom E. 15. Jh.), *Pauls-Turm, Georgen-Turm*. Durchweg

einfache spgot. Bauten.

[*Rathaus**.* Der stattliche Bau von 1544-84 wurde 1869 abgebrochen;

Einzelheiten im staedtischen Museum.]

*Alte Universitaet* (Collegium majus) 1525 ff. Die Schauseite nach der

Michaelisstrasse 1548-50; diese unveraendert; im Innern und an Nebengebaeuden

vieles im 17. und 18. Jh. umgestaltet. -- Die sehr konservativ gesinnte

Koerperschaft hat die Hauptfront zu einer Zeit allgemeinen Vordringens der

Renss. in rein got. Formen errichten lassen; nur in der streng

symmetrischen Komposition darf man den stillen Einfluss des neuen Stils

erkennen. Die langgestreckte, 2stoeckige Front hat 7 Achsen. Das grosse Tor

in der Mitte ist ein Prunkstueck geometrischer Kuenstelei. An den

Doppelfenstern des Erdgeschosses regelmaessiger Wechsel von geraden Schluss-

und Vorhangbgg.; die Fenster des Obergeschosses gleichmaessig rck.; an der

Schmalseite veraendertes System; der alte Giebel im 17. Jh. durch einen

Halbwalm ersetzt. Das Auditorium maximum "moeglichst im Anschluss an die

fruehere Form" wiederhergestellt.

*Collegium Saxonicum* in der Allerheiligenstr. 1542 in unbeholfener FrRen.

*Wohnhaeuser.* _Haus zum Rebstock_ (Futterstr. 2) 1447. In einer Nische des

dritten Stockes feine gleichzeitige _Madonna_. Der spgot. Bau noch in

wesentlichen Zuegen erhalten. -- _Haus zum roten Stern_ (Allerheiligengasse

11) 1479. Fenster des Erdgeschosses 16. Jh. -- _Haus zur hohen Lilie_

(Friedrich-Wilhelmsplatz) 1538. Feine fruehe Renss. -- _Haus zum

Greifenstein_ (Michaelisstr. 48). 1549. -- _Haus zum goldenen Rade_

(Marktstr. 50) 1554. -- _Haus zum goldenen Hecht_ (Anger 37) 1557.

Typisches Portal mit Sitznischen am Gewaende; Steinmetzzeichen der beiden

_Hans Friedemann_. -- _Haus zum roten Ochsen_ (Fischmarkt 7) 1562. Im 1.

und 2. Geschoss antike Anordnungen; im 3. Geschoss Fenster mit gotisierenden

Gewaenden; am Zwerchgiebel wieder Ordnungen. -- _Haus zum breiten Heerd_

(Fischmarkt 13) 1584, vielleicht von _Hans Friedemann d. Ae._ Die Ordnungen

gleichmaessig durchgefuehrt; reiches, kraeftiges, an Heidelberg erinnerndes

Detail. Im Erdgeschoss Netzgwb.; im Obergeschoss maechtiger Hausflur;

Wendeltreppe. Die Wirkung durch moderne Erweiterung gestoert. -- _Haus __

zum grossen Christoph_ (Regierungsstr. 62). Altes Gasthaus. 1605. -- _Haus

zum Stockfisch_ (Johannisstr. 169) 1607. Langbau, die Giebel ueber den

Brandmauern. Im Erdgeschoss schachbrettartiger Wechsel glatter und

ornamentierter Quadern, nach niederlaendischer Art. -- _Haus __ zum

Mohrenkopf_ (Johannisstr. 168) 1610,

*K. Regierung,* ehemals kurmainzische Statthalterei. Die langgestreckte

Fassade aus zwei disparaten Teilen zusammengesetzt, rechts Patrizierhaus

der Renss. "zum stolzen Knecht" mit schoenem Erker bez. 1540, Mitte und

linker Fluegel unter Statthalter v. Boyneburg 1710-20 von einem nach den

Wienern Fischer und Hildebrand orientierten Meister (_M. v. Welsch?_ _M.

Dreysigmark?_). Schoener Festsaal in massvollem Spaetbarock, die Stuckaturen

von _August Groeninger_ aus der bekannten Muensterer Kuenstlerfamilie, die

Plafondmalerei schwach.

*K. Haupt-Steueramt* 1695 fuer Lothar v. Schoenborn, Erzb. von Mainz und B.

von Bamberg.

Auf dem Fischmarkt *Roland* als roemischer Krieger, 1691 von _Israel v. d.

Milla_, einem niederlaendischen (?) Italisten, der Kopf nach dem Moses

Michelangelos. An der Ecke Regierungs- und Eichenstr. *Neptun* von einem

ehemaligen Brunnen um 1700.

_ERLABRUNN._ UFranken BA Wuerzburg.

*Dorf-K.* Neubau 1655. Anlage in got. Tradition. Stuckierte Flachdecke,

Engelskoepfe in Kassetten. Schwere Bar.Portale. -- _Kanzel_ und _Taufstein_

aus der Erbauungszeit. -- _Bildstock_ 1601, gotisierend.

_ERLACH._ UFranken B A Ochsenfurt.

*Pfarr-K.* Got., im 18. Jh. veraendert. -- 7 adlige _Grabsteine_ (meist

Seinsheim) von 1540-82; ein aelterer (1493). _Bronzeplatte_ mit Inschr. und

Wappen (Hauschild von Hirschau).

*Schloss,* Wasseranlage mit 8eck. Umfassung, im Hof huebsche Renss.Laube

1545.

_ERLAU._ K. Sachsen AH Rochlitz.

*Dorf-K.* Schiff mit Holzdecke, gewoelbter 3/8 Chor in sorgfaeltiger

Durchbildung. Das 4fluegelige _Altarwerk_ (aus der Rochlitzer

Kunigunden-K.) innen geschnitzt, aussen gemalt, A. 16. Jh.

_ERMLITZ._ Pr. Sachsen Kr. Merseburg.

*Dorf-K.* mit OTurm, in dessen Erdgeschoss das Altarhaus; keine Apsis.

_ERMSLEBEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis.

*Stadt-K.*, gaenzlich deformiert, interessant nur die Spur ehemaliger rom.

OTuerme. -- _Grabst_. 1561, 1602.

_ERSHAUSEN._ Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.

*Dorf-K.* bar. 1688. Turm gotisierend 1562. Grosser Bar.-Altar.

_ESCHDORF._ K. Sachsen AH Pirna.

*Dorf-K.* 1sch. mit Holzdecke. Rom. Portal. _Sakramentsnische_ 1524.

Gemaltes _Altarwerk_ bez. 1588. C G (_Christoph Grohmann?_).

_ESCHEFELD._ K. Sachsen AH Borna.

*Dorf-K.* Chor in spgot., Portal in spaetrom. Formen. -- Spgot. _Altarwerk_

mit 2 festen und 4 beweglichen Fluegeln. _Glocken_ 14. Jh.

_ESCHENSTRUTH._ Kr Cassel-Land.

*Dorf-K.* Unter juengeren Veraenderungen der rom. Kernbau erhalten, am

besten im WQuerturm mit doppelbogigem Durchgang ins Schiff. Im Fenster des

schon ursp. rck. Chores kleines spgot. _Glasgemaelde_.

_ESCHWEGE._ RB Cassel Kreisstadt.

*Markt-K. S. Dionys.* Chor 1460, Sch. 1466, Turm 1. H. 14. Jh. --

Hallenkirche von 4 Jochen, 1sch. polyg. Chor. Schafte rund mit 4 Diensten,

nur die letzteren mit Kaptt. Die Schildbgg. des Msch. Gwb. ca. 2,5 m hoeher

als die Scheidbgg. WTurm einspringend.

*Neustaedter S. Katharinen-K*. Chor 1446-74, Sch. 1484-1521, Turm 1374 mit

neugot. Aufbau. -- Hallenkirche von 4 Jochen, Schafte rund mit 4 Diensten

und Laubkaptt., welche sich auch um die Schafte ziehen. Reiche Netzgwbb. --

_Kanzel_ 1589 mit 3 Reliefs.

*S. Nicolaus-Turm*. 1455, Zopfdach.

*Schwarzer Turm*. Einziger Rest der vor 1083 gegr. Cyriakus-Abtei.

Einfacher Bruchsteinbau mit wenigen kleinen rundbg. Fenstern.

*Hospitals-K. S. Elisabeth*. Gegr. 1278, erneuert 1466. Nur die suedl.

Mauer der K. und ein Teil des Kreuzganges stehen noch.

*Schloss*. Beg. 1386, erneuert 1581, sprom. mit got. Erinnerungen.

*Ballhaus*. 1578.

_ESPENFELD._ Schwarzburg-Sondersh. LA Arnstadt.

*Dorf-K.* OTurm rom. zu got. 1/2kr. Apsis mit rundbg. Fensterschlitzen.

_ESPERSTADT._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.

*Dorf-K.* Turm mit gekuppelten rom. Schalloeffnungen und vermauerter

Rundbogentuer. Umbau 1612.

_ESSELBACH._ UFranken BA Marktheidenfeld.

*Pfarr-K.* erb. 1779; gleichzeitig die Ausstattung. -- _Holzfig_. St.

Barbara aus _Riemenschneiders Werkstaette_. -- Spgot. _Glocken_.

_ESSFELD._ UFranken BA Ochsenfurt.

*Pfarr-K.* 19. Jh. Erhalten der 5geschossige spaetrom. Turm, 13. Jh., bar.

Haubendach.

_ESTENFELD._ UFranken BA Wuerzburg.

*Dorf-K.* Posthum got. 1614. Chorturm im Unterbau rom. Bar. Portal 1690.

Stuckdecke um 1720. -- _Hochaltar_ E. 18. Jh. mit Gemaelde von _Bolsterer_

1708. Reiche _Kanzel_ von _J. G. Moritz_ 1753. _Marienstatue_, Holz, 1. H.

14. Jh.

*Hof des Karthaeuserklst*. Engelgarten 1668. -- An den Strassen der naechsten

Umgebung zahlreiche (9) _Bildstoecke_.

_ETTENHAUSEN._ Sachsen-Gotha LA Waltershausen.

*Dorf-K.* rom. Anlage, umgebaut 1554 und 1706.

_ETTERSBURG._ Sachsen-Weimar VB Weimar.

In der modernen *K.* _Doppelgrabstein_ des Ludwig von Blankenhain und

seiner Gemahlin aus A. 14. Jh. (duerfte aus der Klosterkirche Oberweimar

hierher verschleppt sein).

*Schloss* ganz einfach.

_ETTLEBEN._ UFranken BA Schweinfurt.

*Dorf-K.* A. 18. Jh.

*Dorf-Brunnen*. Malerische Anlage auf acht jonischen Saeulen mit Kuppel.

_ETWASHAUSEN._ UFranken BA Kitzingen.

*Kirche*. 1741. Ein geistreich hingeworfener Gedanke _Balthasar Neumanns._

Kreuzanlage mit wenig verlaengertem WArm; das Mittel in den Winkeln durch

Kreissegmente erweitert; nach konzentrischem innerem Kreise angeordnet 4

Paar gekuppelter dorischer Saeulen, durch einen Durchgang von der Wand

getrennt. 3 Sll. hinter dem Altar. Die kleine Kirche voll perspektivischen

Reizes. Sie ist undekoriert geblieben. Die Kuppel ganz flach und durch

Stichkappen von den Kreuzarmen her zerschnitten. Nicht gluecklich, wie

oefters bei Neumann, die Lichtfuehrung. Am westl. Ende ein eleganter Turm,

neben dem die Ecken des Schiffs abgerundet zurueckweichen.

_EUERBACH._ UFranken BA Schweinfurt.

*Kath. Dorf-K*. von 1742. Inneneinrichtung aus derselben Zeit.

*Prot. Dorf-K*. Chor und Turm spgot. Verschiedene _Renss.-Epitaphe_.

*Schloss* um 1600.

_EUERDORF._ UFranken BA Hammelburg.

*Dorf-K.* Typischer Juliusbau von 1602, nach Brand 1872 stark erneuert.

Reste von spgot. _Altarplastik_ in der Richtung _Riemenschneiders_; der

Salvator aehnlich dem in Bibelried.

_EUERHAUSEN._ UFranken BA Ochsenfurt.

*Pfarr-K.* 1730. Mit guter, etwas juengerer, schoener rok. Ausstattung. Der

isolierte Turm ursp. Torturm der ma. Kirchhofsbefestigung, umgebaut E. 16.

Jh., Juliuswappen. -- _Glocke_ 13.-14. Jh.

_EUSSENHAUSEN._ UFranken BA Mellrichstadt.

*Dorf-K.* Turm frgot. Langhaus 1614. WFassade 1745. Am Turm eingemauert

interessante frgot. sitzende _Madonna_ (stark beschaedigt). Hinter dem

Hochaltar Reste von _Wandmalereien_ aus 1. H. 15. Jh.

_EUSSENHEIM._ UFranken BA Karlstadt.

*Pfarr-K.* 1620 mit Chor-Turm aus 13. Jh. -- _Pietas_ um 1500. -- Vor der K.

grosser, reicher steinerner _Prozessionsaltar_ A. 17. Jh. *Kellerei*.

Charaktervoller Bau von 1638.

_EYBA._ Schwarzburg-Rudolstadt. LA Rudolstadt.

*Dorf-K.*, im O rom. Chor-Turm, andere Teile frgot. und Zopf.

*Edelhof* der Herren v. Koenitz, gutes Beispiel fuer Anlagen dieser Art aus

dem 16. Jh. (Inschr. 1555, ein2elne Teile 17. Jh.).

_EYERSHAUSEN._ UFranken BA Koenigshofen.

*Dorf-K.* Flotter Rok.-Bau um 1750, glueckliche Fassade mit WTurm. Elegante

gleichzeitige Einrichtung. _Deckenbild_ (Huldigung der hl. 3 Koenige) von

_Gg. Anton Urlaub_ 1753 (1909 restaur.).

_EYRICHSHOF._ UFranken BA Ebern.

*Schloss* (v. Rotenhan) 1530 und 1584 (renoviert 1847 und 1883), 2fluegelig

mit Rundtuermen; auf der NSeite schliesst sich ein Rokokofluegel (um 1730)

an. Inmitten eines praechtigen Parkes. -- Bmkw. _Einrichtung_: besonders

gute _Renss. Schraenke_ (Schweizer Arbeiten) und reiche europaeische

_Porzellansammlung_.

*Schlosskap.* Spaetbar. Bau (1686) mit stuckierter Decke. -- Zinnerne

_Taufschuessel_, schoen sprenss.

_F_

_FAHR._ UFranken BA Gerolzhofen.

Auf dem Friedhof bmkw. *Kreuzigungsgruppe*, Sandstein, 3/4 lebensgross,

ausgefuehrt etwa 1430-40, doch zurueckgeblieben (wie das bei handwerklichen

Arbeiten oft vorkommt) auf der Stilstufe von 1400.

_FAeHRBRUeCK._ UFranken BA Karlstadt.

*Wallfahrts-K. Mariae Himmelfahrt*. 1686-98. Kraftvoller Bar. Bau in der

Richtung _Petrinis_, 1sch. mit schmalem Kreuzgwb., gute Aussenarchitektur.

Turm im NO. _Ausstattung_ aus der Erbauungszeit. _Blatt_ des Hochaltars

von _O. Onghers_ 1695. Grosse _Madonna_, Holz, von _P. Wagner_ 1798.

_FALKEN._ Pr. Sachsen Kr. Muehlhausen.

*Dorf-K.* Schiff und Turm 1500, der gerade schliessende Chor frgot. [Eine

rom. Kapelle auf dem Gottesacker 1863 abgegetragen.]

Das *"Schloesschen"* von 1556 ist ein ehemaliges v. Keudellsches

Gerichtshaus.

_FALKENBERG._ RB Cassel Kr. Homburg.

*Burgruine*. War 1250 schon vorhanden.

Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd.1, Mitteldeutschland, 1914 · 第 5 / 20 题