Eva Pratt.
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Pilot Knob, den 1. Oktober 1900.
Teure Schwägerin!
Gute Seele! Du kannst also doch auch Briefe schreiben, und schöne,
herzige Briefe. Ich spotte nicht. Ich meine es ernst und ehrlich, Dein
Schreiben hat mich tiefer ergriffen als die längste Predigt -- und
nebenbei mein Urteil über Dich verworfen. Denke Dir, Schwester! ich
wußte nie, daß Du schreiben und lesen kannst. Hätte ich das gewußt,
wie oft würde ich Dir geschrieben haben -- Intimes, Heimliches, unter
Frauen so -- Klatschiges -- Du verstehst mich.
Der unflätige Tom ist aber schuld an diesem Mißverständnis -- ich nicht
-- wahrlich nicht. Dann bist du selber, liebe Eva, auch ein ganz klein
wenig schuld, daß ich Dich so verkehrt beurteilen mußte. Fünf Jahre
lang bist Du meine Schwägerin und nie, nie hast Du mir eine Zeile
geopfert. Dein Mann so oft, und Du nie. Nicht ~einmal~ hast Du
meine zahlreichen Grüße und Glückwünsche (persönlich an Dich gerichtet)
beantwortet, und die ganze Sache, als wäre sie Dir keinen Federstrich
wert, Deinem teuren, treuen, anbetungswürdigen Herrn Gemahl, Deinem
Götzen überlassen.
Wahrhaftig, das macht mich jetzt so wütend auf den Tom, daß ich -- --
jawohl, ich tu's -- hier gleich -- sofort fang' ich an und reiße ihm
die Maske vom Gesicht und Dir, unglückliches, verblendetes Weib, den
Schleier von den Augen. Ha! ich besitze Deines Gatten sämtliche Briefe
seit seiner Abreise von Pilot Knob -- und somit auch den Brief, worin
er Dich als seine »Zukünftige« schildert. Hier ist er: