Kriegerische Inder

Die Inder, die mir durch Mut und Frische noch am meisten Achtung

abgezwungen haben, sind die Radschputen, die Sikh, und die den

Radschputen am nächsten stehenden Dogra; dann die Maharatten,

allerdings nur im Sport, und vor allem die Mohamedaner. Unter den

Letzteren wieder zeichnen sich besonders die Rohilla, die Afghanen,

die verschiedenen Stämme der Nordwestprovinzen, die Afridis, die

Tschitrali und einige Belutschi durch männliche Eigenschaften aus.

Die Gurkha, von den Indern „Goralog“ -- Soldateska -- genannt, sind

keine eigentlichen Inder. Sie sind Buddhisten und ähneln in den

Gesichtszügen und der Gestalt mehr den Tataren. Ihre Heimat ist Nepaul,

von wo sie entgegen dem Willen ihres Herrschers, des Maharadscha

Schamser Yang, über die Grenze nach Indien wandern, um sich in der

britisch-indischen Armee anwerben zu lassen. Die englisch-indischen

Militärbehörden stellen diese unerschrockenen, tapferen Leute gern in

die besonders gebildeten Gurkharegimenter ein. Ohne die Hilfe dieser

Truppen wäre es den Engländern oft schlecht ergangen. Schon bei dem so

weit zurückliegenden großen indischen Aufstand 1857/58 und während der

verschiedenen afghanischen Kriegszüge bildeten die Gurkharegimenter den

festen Kern der Eingeborenentruppen.

Diese Tatsache ist den Gurkhakriegern wohlbekannt, und sie

beanspruchen, den weißen, englischen Soldaten gleichgestellt zu werden.

Daher ist der englische Generalstab darauf bedacht, sie der Führung von

nur ausgesucht tüchtigen englischen Offizieren zu unterstellen, gehört

doch viel Takt und Erfahrung dazu, mit ihnen auf die richtige Art und

Weise umzugehen. Da die Gurkha ebenfalls aus dem Hochgebirge stammen,

machen sie Anspruch darauf, mit den schottischen Hochländern, die als

englische Elitetruppe gelten, gleichgestellt zu werden. Deshalb ist

die Armeeleitung stets darauf bedacht, in den ständigen Grenzkriegen

mit den fanatischen, mohamedanischen Stämmen, die in der Gegend des

Kyberpasses wohnen, die Gurkharegimenter stets Seite an Seite mit

Abteilungen der schottischen Hochländer anzusetzen, um die gegenseitige

Eifersucht der beiden auszunützen, die sich in draufgängerischer

Tapferkeit zu überbieten suchen.

Die Lieblingswaffe der Gurkha ist der „Kukri“, ein schweres, großes,

krummes Messer, das sie meisterhaft zu handhaben verstehen, um dem

Gegner den Leib aufzuschlitzen.

Zwanzig Jahre an Indischen Fürstenhöfen · 第 56 / 85 题