Jagdpferde

Das Pferd ist bei der Eberjagd der wichtigste Faktor. Das beste

Tier, das ich jemals zu diesem Zwecke besaß, war ein Halbblut, ein

australischer Wallach, 15 Hand (1,50 Meter) hoch, ein Abkömmling des

sogenannten „Stockhorse“, die von den australischen Viehhirten zum

Treiben und Einfangen der großen Herden benutzt werden. Dies erfordert

ein hartes, unverwüstliches Tier, legt doch ein solcher Australier

-- wie der Hengst „~at last~“ -- bis zu 150 Kilometer am Tage ohne

übermäßige Ermüdung zurück. Sie sind jedoch kaum zu kaufen, da ihre

Besitzer sie meist selbst viel zu nötig brauchen. Am ehesten kann man

sie noch als Zugabe bei einem größeren Pferdekauf erhalten, wie es mir

bei meinen öfteren Remonteeinkäufen für die Staatsstallungen glückte.

Das nächstbeste Pferd für diese Jagd ist das englische Vollblut oder

ein edles Araber-Blutpferd, da die ersteren sehr teuer sind. Die besten

und rassereinsten arabischen Pferde stammen aus dem „Nedsch“ genannten

Binnenhochlande der arabischen Halbinsel. Sie werden „Nefadi“ oder

„Nedschi“ genannt. Zwar ist die Ausfuhr der wirklichen, hochgezüchteten

Araberpferde bei Todesstrafe verboten, und solche kommen auch nur als

Geschenk an mohamedanische Fürsten außer Landes. Aber schon unter den

gewöhnlichen arabischen Wüstenpferden finden sich ganz prachtvolle

Tiere.

Der arabische Vollbluthengst benimmt sich sehr ruhig und zurückhaltend.

Einige meiner besten arabischen Deckhengste waren vorzügliche

Eberjagdpferde. Wenn sie in Bewegung waren, machten andere Pferde, auch

Stuten, keinen Eindruck auf sie. Mit Herz und Huf bei der Sache, waren

sie voller Aufregung, losgaloppieren zu können.

Ganz erstaunlich ist die Fußsicherheit des arabischen Pferdes.

Selbst im schärfsten Galopp über schwieriges, mit natürlichen

Hindernissen bestreutes Gelände ist es wendig und von katzengleicher

Sicherheit. Höchstens durch gänzlich versteckte Fallen, wie die von

den schweren Fußtritten der Elefanten verursachten, im dichten Grase

ganz unsichtbaren Löcher, oder plötzlich auftauchender, unerkannter

Sumpfsand können es zum Stürzen bringen. Auf ebener Straße dagegen

läßt seine Aufmerksamkeit nach, und es neigt zum Stolpern und stürzt

gegebenen Falles. Daher ist es gut, ihm sogleich nach dem Aufsitzen

Gelegenheit zu einem harten Galopp zu geben, was es ermuntert und

anregt.

Im Stalle ist das arabische Pferd die Sanftmut selbst. Auch zum Scheuen

sind sie meistens zu klug. Wenn sie etwas noch nie Gesehenes bemerken,

etwa einen Elefanten oder einen Kraftwagen, so treibt sie eher die

Neugierde, näher heranzukommen und das Ungewohnte zu besehen, als in

wildem Seitensprung auszubrechen.

Es ist bekannt, wie sehr der Araber sein Pferd liebt, das er mehr

pflegt als sich selbst. Was mir aber stets besondere Hochachtung

abnötigte, war die Beobachtung, daß sie das so empfindliche Maul des

Tieres schonend behandeln. Unter meinen arabischen Pferden befand sich

keins, das nicht bequem auf Trense zu reiten war.

Die Inder dagegen gebrauchen grausame Gebisse, schon weil sie so

ungeschickte Hände haben. Selbst das beste Pferd, das man einem

Inder auch nur für kurze Zeit anvertraut, kann durch dessen rohe

Zügelhandhabung vollständig verdorben werden. Damit soll nicht gesagt

sein, daß der indische Sowar -- Reiter -- nicht vorzüglich zu reiten

verstehe. Zum Einbrechen der wilden, bockigen Australier ist er gut

geeignet, schon weil er, mit stoischer Ruhe begabt, außerordentliche

Geduld besitzt und wie mit dem Pferde verwachsen im Sattel sitzt.

Die indischen Pferde -- ~country bred~ -- sind selten gute

Eberjagdpferde, außer sie sind von besonderer Zucht, etwa aus einer

Kathiawari-Stute von einem englischen, arabischen oder australischen

Hengst. Im allgemeinen aber sind diese Mischlinge zu nervös und brechen

im entscheidenden Augenblick vor dem anstürmenden Keiler aus.

Unter meinen eigenen Pferden befand sich ein arabischer Goldfuchs,

„Foxy“, der in jeder Hinsicht vollkommen war. Er gelangte durch Zufall

in meinen Besitz. Als ich zum Einkauf von Poloponies -- Polo ist ein

in Indien sehr beliebtes Rasenball-Spiel für Reiter, in seinen Regeln

dem „Hockey“ verwandt -- in Bombay war, machte mich ein mir bekannter

englischer Tierarzt auf ein Tier aufmerksam, das, mit einer arabischen

Pferdesendung zu Schiff eingetroffen, beim Verladen unglücklich

gestürzt war und sich große Abschürfungen an den Knien zugezogen hatte.

Ich erwarb Foxy für die Summe von 350 Rupien, etwa 550 Goldmark. Seine

Verletzungen heilten bald, und ich ließ ihn vom offiziellen Messer des

Poloklubs messen.

Zwanzig Jahre an Indischen Fürstenhöfen · 第 38 / 85 题