Jagdhunde in Indien

Die Hindu-Schikari, die meistens der Kaste der Bauri angehören,

beschäftigen sich vornehmlich mit dem Abrichten der Jagdhunde, wozu

der Nepaul- und der Thibethund, auch der wilde Pariahund gebraucht

wird. Sie dienen vornehmlich zum Aufstöbern des Wildes, besonders

des Wildschweines. Der Versuch, europäische Jagdhunde nach Indien

einzuführen, ist stets gescheitert. So schonend sie auch behandelt

werden, das Klima zerstört unweigerlich ihren Geruchssinn und ihre

Gesundheit. Ich habe als leidenschaftlicher Hundefreund mir die

größte Mühe gegeben, europäische Hunde in Indien zu akklimatisieren.

Im Sommer sandte ich sie hoch ins Gebirge, in die kühle Bergfrische

Mussoorie, um sie vor der glühenden Hitze der Ebene zu bewahren.

Am widerstandsfähigsten erwies sich noch der Fox-Terrier und der

Bull-Terrier. Letzterer ist vorzuziehen, weil er sich nicht mit

jedem Pariahunde herumbeißt, wie dies die Fox-Terrier tun. Da diese

Pariahunde fast durchgängig verseucht sind, bringt die kleinste

Bißverletzung dem Angreifer die Tollwut. Der Bull-Terrier ist ein stets

kampfbereiter Kumpan und, dank seiner Abstammung von der Bulldogge,

kräftiger als der Fox-Terrier, aber viel gewandter als die Dogge. Daher

behält er im Kampfe leichter die Oberhand, und der Pariahund ist schon

erledigt, bevor er überhaupt zum Biß kommen kann. Auch einen deutschen

Schnauzerl und zwei belgische Schäferhunde habe ich nach Indien

gebracht. Sie lebten fünf Jahre und verendeten dann an Krankheiten, die

kein Tierarzt festzustellen vermochte.

Nur Fürsten und die Offizierkorps englischer Kavallerie-Regimenter

können sich den Luxus erlauben, in den Ebenen den Schakal, so wie

den Fuchs in England, mit einer großen Meute zu jagen. Infolge des

starken Abganges in den Meuten ist ein sehr bedeutender Nachschub aus

England notwendig. Hunde, die in diesen Meuten in Indien geworfen

werden, degenerieren sehr schnell. Kreuzungen zwischen englischen

Fuchshunden und indischen Rampurhunden ergeben zähe, angriffslustige

Parforce-Jagdhunde, doch ohne besonders gute Witterung. Die Kreuzung

ist äußerst wild und bissig. Sogar die Pariahunde nehmen Reißaus, wenn

eine Meute solcher Hunde durch das Dorf rast.

Die einheimischen indischen Pariahunde sind zu tausenden auf den

Straßen greifbar. Sie sind für jeden Bissen dankbar und folgen jedem

freundlichen Blick. Allerdings sind sie zu nicht viel mehr als dem

Aufstöbern des Wildes benutzbar, und wenn sie nicht scharf überwacht

werden, fressen sie die halbe Beute auf, ehe man noch hinzukommen kann,

ganz gleich ob es sich um eine Wachtel oder einen Büffel handelt.

Bei der Jagd auf Wildschweine, zu der diese Hunde vorzugsweise

gebraucht werden, ist schon mancher von ihnen den Hauern des Ebers

erlegen. Andererseits habe ich selbst beobachtet, wie drei von ihnen

einen Eber durchaus weidgerecht niederhielten, bis er den Fangstoß

erhielt.

Doch die besten Spürhunde in Indien sind unstreitig die Hindu-Schikari.

Sie haben ein wunderbares Auge für jede Gattung Wild, sind untrüglich

auf jede Entfernung und besitzen eine Art Witterung für die Tiere.

Ihnen gegenüber hilft keine Schutzfarbe, und sie übertreffen den besten

Feldstecher. Dazu besitzen sie eine staunenswerte Ausdauer und sind, im

Vergleich zu uns, einfach unermüdlich.

Zwanzig Jahre an Indischen Fürstenhöfen · 第 36 / 85 题