_=Rundfahrt.=_ Vom Shimbashibahnhof, hinter dem nach der Seeseite der

kaiserliche Sonderpalast _Hama-Rikyū_ liegt, wo gegen Ende April

jedes Jahres das kaiserliche Kirschblüten-Gartenfest abgehalten

wird (Einladungen dazu, wie im November zum Chrysanthemumfest im

Akasaka-Palast, vermitteln die Botschafter bei rechtzeitiger Meldung),

fahre man mit Rikscha l. und nördl. in das Stadtviertel, in dem

die Ministerien (in nüchternem, europäischen Stil erbaut) liegen;

man fährt am Stadtgraben entlang bis zum _Tōkyō-Klubhaus_ (Pl. 5),

gegenüber dem Imperial Hôtel. Nahe beim Hotel der weite, erst in

neuester Zeit angelegte Stadtpark =Hibiya-Kōen= mit Restaurants

_Matsumoto-rō_ und _Sankyōtei_, sowie der _Hibiya Daijingū_, eine

Nachbildung des Großen Schreins von Ise. Auf einem Hügel liegt r. der

_Palast des Marquis Nabeshima_, des frühern Daimyō von Hizen, lange

Oberzeremonienmeister des kaiserlichen Hofes. Gegenüber auf bewaldeter

Anhöhe steht der _Sannōtempel_. -- Neben ihm beginnt das vornehmste

Stadtviertel _Nagata-chō_, mit den Palästen der Prinzen Kitashirakawa

und Arisugawa, den Gebäuden des Auswärtigen Amts, des Generalstabs

(Pl. 6) und der fremden Gesandtschaften. Innerhalb dieses sogen.

_Daimyōviertels_ (_Daimyō Kōji_) liegt auf niedrigem Hügel, mit breitem

Wassergraben und zyklopischen Mauern umgeben, das =O-Shiro= oder

=Schloß= mit dem =Kaiserpalast=, das Schatzamt und andre Ministerien,

Wohngebäude und prachtvolle Gärten, wo einst die frühern Daimyōs mit

Gefolge residierten. Der Kaiserpalast (Zutritt nur bei Audienzen und

Festlichkeiten durch Vermittelung der Botschaft, sonst dem Publikum

unzugänglich), 1889 neu erbaut, hat viele Empfangsräume, meist durch

Kristallglasschiebetüren getrennt, mit Seidentapeten und reichgemalten

Holzdecken, viele Räume vornehm-einfach, andre, z. B. die Banketthalle,

reich vergoldet. Die Möbel stammen zum Teil aus Deutschland. Der

Park ist reich an Kirschbäumen. -- Auf dem Platze gegenüber der

Schloßbrücke Nijūbashi steht das 1900 errichtete Bronzestandbild des

kaisertreuen Feldherrn _Kusunoki Masashige_ (gest. 1336). -- In der

Nähe das 1910 errichtete Denkmal des Marquis Itō (berühmter Staatsmann

und 1906 bis zu seiner Ermordung [1909] Generalgouverneur von Korea).

In der Nähe die sehenswerte Regierungsdruckerei _Insatsu Kyoku_ (Pl.

12) und mehrere Ministerien. -- Nahe nördl. von der Nordbrücke, die

zum Kaiserpalast führt, liegt der *_Shōkonshatempel_ (»Schrein zur

Einladung der abgeschiedenen Geister«, auch _Yasu-kuni-jinja_, »Schrein

des friedlichen Landes«, genannt) auf dem flachen _Kudanhügel_,

ein 1869 erbauter Shintōtempel reinen Stils, in welchem die Manen

der im Restaurationsjahr 1868, in der Saga-Unruhe 1874 und in der

Satsuma-Rebellion 1877 auf kaiserlicher Seite Gefallenen, sowie

der im chinesisch-japanischen (1894/95) und russisch-japanischen

(1904/05) Feldzuge gebliebenen Krieger von Staats wegen verehrt

werden; vor ihm ein riesiger bronzener Torii; hinter ihm ein schöner

Park. Gleich r. vom Tempel liegt das Waffenmuseum, *_Yūshūkwan_

(geöffnet von 8-4 Uhr im Sommer, 9-3 Uhr im Winter, Eintritt 3 sen),

mit sehenswerter Sammlung altjapanischer Waffen, besonders prächtiger

Schwerter, Rüstungen, Schloßmodelle, und vielen Beutestücken aus dem

chinesischen und dem russischen Kriege. Die den Rennplatz vor dem

Tempel durchziehende Doppelreihe granitener Laternen wurde 1878

vom japanischen Adel gestiftet; hier steht auch die Bronzestatue

des Patrioten Ōmura, das erste in Japan errichtete Denkmal (1892)

dieser Art. Am Fuße des Hügels Kudanzaka steht der _Ontakeschrein_

(Pl. 11), in dem der Feuergang am 9. April und 17. Sept. ausgeführt

wird. -- Nun über den äußern Graben zum _Hōhei Kōshō_ (Arsenal,

Gewehrfabrik) im Koishikawa-Distrikt. Zutritt nur mit Erlaubnis der

Militärbehörden. Zum Arsenal gehört der schönste Landschaftsgarten

Tōkyōs, der *_Kōraku-en_, einst Besitztum des Fürsten von Mito, im 17.

Jahrh. von einem chinesischen Literaten, der beim Zusammenbruch der

Ming-Dynastie in Japan Zuflucht fand, angelegt. -- Nicht weit davon die

_Jūjitsu_-Schule des Prof. Kanō; im N. des Distrikts der *_Botanische

Garten_ (_Shokubutsu-en_) der kaiserl. Universität, ebenfalls ein alter

Daimyōpark mit schönen Landschaftsbildern (täglich bis 4 Uhr geöffnet;

Pflanzenverkauf).--Im äußersten NW. des Koishikawa-Distrikts liegt

der Buddhatempel _Gokoku-ji_ mit Priesterseminar der Shingon-Sekte;

der Hauptschatz des Tempels, ein ungeheures Kakemono von Kanō

Yasunobu (Buddhas Eingang ins Nirvana), wird nur im April gezeigt.

Dahinter die neuen Begräbnisplätze der kaiserlichen Familie (nicht

zugänglich). -- Östl. vom Botanischen Garten im Hongōdistrikt die

_kaiserliche Universität_ (_Teikoku Daigaku_), mit (Sept. 1909)

5699 Studenten, verteilt in sechs Fakultäten: Medizin, Rechts-

und Staatswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Mathematik

und Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Literatur,

Agrikultur (letztere hat ihre weit ausgedehnten Grundstücke in der

Vorstadt Komaba). Vorlesungen in japanischer Sprache, die fremden

Professoren und Lektoren dozieren aber in deutscher (deutsche

Literatur und deutsches Recht), englischer und französischer Sprache;

ebenda die Universitätskliniken. -- Nö. davon die Blumengärten

von _Dango-zaka_ (große Chrysanthemenausstellung im November).

Darstellungen aus der japanischen Geschichte mit lebensgroßen Puppen

in Chrysanthemumkleidern). -- Von der Universität fährt man um den

Lotosteich *_Shinobazu no Ike_ herum zum südlichen Haupteingang in den

*=Uenopark=, beliebten Ausflugsort, besonders während der Kirschblüte;

vor dem Hügel führt r. eine Treppe auf eine Anhöhe, von der schöne

Aussicht nach dem Asakusatempel hin und über die Stadt; l. ein kleiner

buddhistischer Kwannontempel. -- Dann zurück zum Hauptweg, der durch

die berühmte *_Kirschenallee_ führt; l. liegt der Lotosteich, auf

dessen kleiner Halbinsel ein Heiligenschrein der Göttin Benten. --

Etwas weiterhin das *_Seiyōken-Hotel und Speisehaus_ mit schönem Blick

über den Teich und die Universitätsbauten. Dicht neben dem Speisehaus

ist ein _Daibutsu_, ein Bronzebuddha von 6,5 m Höhe aus dem Jahre 1660.

-- Weiterhin l. ein Tor mit Kugelspuren aus der Schlacht im Uenopark

1868; dahinter eine große Steinlaterne (eine der drei größten Japans)

aus dem 17. Jahrh. -- In der schönen Kryptomerienallee eine alte Pagode

und am Ende einer Reihe von Steinlaternen der den Manen des Ieyasu

geweihte _Tōshōgū_-Schrein. Das prachtvolle, geschnitzte und vergoldete

Tor davor ist 1890 restauriert worden; das gleiche soll mit dem Tempel

geschehen. Der Hauptweg führt zum *=Ueno-Museum= (_Hakubutsukwan_),

geöffnet 8-5 Uhr im Sommer, 9-4 Uhr im Winter, geschlossen 25. Dez. bis

4. Jan. und alle Montage; Eintritt 5 sen.

Im _=Eingang=_ Riesentrommel, Palankine etc.; r. naturhistorische

Sammlung (Tosahähne mit 4,4 m langen Schwanzfedern!), darüber im

_=1. Stock=_ schöne Kakemono und Wandschirme. -- L. vom Eingang

_historische Sammlung_: 1. Zimmer: alte Handschriften und Drucke,

Karten etc.; 2. Zimmer: Tempelgebrauchssachen (goldene _tokko_),

auch sehr alte Handschriften und alte christliche Erinnerungen; 3.

Zimmer: (Endraum) prähistorische Funde: Steinpfeilspitzen etc.,

Kupferglocken und -spiegel, Rüstungen, alte Topfwaren; im Nebenraum

prähistorische _maga-tama_ und _kuda-tama_ (Schmucksachen). -- Im

_=Treppenhaus=_ alte kaiserl. Staatskarren für Ochsengespann und

Modell der _Tenchi Maru_ (Staatsbarke der Shōgune); im

Mittelraum alte kaiserliche Gewänder, Thronhimmel; l. in

Nebenräumen Kunstsammlung: Kakemono, Makimono, Fächer, Masken,

Bilder und Zeichnungen, Lack-, Bronze- und Porzellankunstsachen

(schöne Stücke!). -- Im Endraum Musikinstrumente, Zubehör für das

Teezeremoniell und Spiele; dahinter Waffen, alte Büchsen,

Miniaturpagoden (_Hachiman-tō_) u. a.

Der einzeln stehende schöne _=Neubau=_, l. vom Eingang, genannt

_Hyōkei-kwan_, ist eine Stiftung des Volkes für den Kronprinzen

zur Vermählung. Das _=Untergeschoß=_ enthält eine hochinteressante

Sammlung japanischer, chinesischer und koreanischer Töpfereien, das

Obergeschoß häufig gewechselte wertvolle Malereien, besonders

Kakemono und Faltschirme.

Vom Museum führt r. ein Weg zur _Kunstschule_ (_Bijutsu Gakkō_),

Eintritt nur auf Empfehlung gestattet. In der Nähe die staatliche

_Musikschule_, die jährlich mehrmals größere europäische Konzerte

veranstaltet, und an der auch europäische (meist deutsche) Musiklehrer

wirken; eine _Volksbibliothek_ und _Lesehalle_ (Toshokwan) und die

Gelehrtenakademie _Gakushi Kwai-in_ sowie ein kleiner _Zoologischer

Garten_ (_Dōbuts-en_, Eintritt 4 sen). -- Von der Lesehalle führt r.

eine Allee zu den _Shōgungräbern_ (_Go Reiya_): Haupttor geschlossen,

l. führt eine Seitenpforte zum Priesterhaus, wo ein Priester gegen

Spende in die prächtigen Tempelgebäude hineinführt, die reich an

Malereien sind und hinter denen die Grabmäler von sechs Shōgunen der

Tokugawafamilie (des 4., 5., 8., 10., 11. und 13. Shōguns) liegen. --

Im Uenopark auch der Basar _Shōhin Chinretsu-jō_, mehrere Hallen für

moderne Kunstausstellungen sowie der buddhistische Tempel _Ryō Daishi_

(_Jigen-dō_). -- Östl. vom Uenobahnhof liegt die große Tempelanlage

_Higashi Hongwanji_ (volkstümlich _Monzeki_) der buddhistischen

Montosekte, 1657 erbaut, jetzt mit eisernem Netzwerk zum Schutz gegen

Feuerbrandstücke aus der Umgebung; der Haupttempel ist innen und außen

mit Schnitzereien reich geschmückt. -- Etwas nö. davon steht der große

buddhistische Tempel _Sensōji_, meist *=Asakusa Kwannon= genannt;

die goldene Statuette der Gnadengöttin Kwannon im Tempel wurde nach

der Legende im 6. Jahrh. an der Sumidagawamündung aufgefischt (die

Statuette wird nie gezeigt, sie soll nur 5 cm groß sein; eine größere

neuere Nachbildung steht vor dem Hauptaltar und wird am 23. Dez.

gezeigt. Der Tempel ist sehr volkstümlich, mehr »Wurstelprater« als

Heiligtum, stets stark besucht: vor dem Tempel Buden mit tauchenden

Meerjungfern, Ziege mit fünf Beinen, Akrobaten, Momentphotographen,

dressierten Affen, Zweikampfspielen, dann Verkaufsbuden mit

Taubenfutter (die Tauben sind zahm wie auf dem Markusplatz in Venedig),

Quacksalbermedizinen, Zuckerzeug, Spielsachen, Eßwaren aller Art

etc. (Vorzügliche Gelegenheit, das Volksleben zu beobachten.) So. Nm.

und am 17. und 18. jedes Monats ist der Tempel am stärksten besucht.

Vor dem zweistöckigen Tempeltor sind Figuren der Tempelwächter (Ni-ō)

hinter Holzgittern; l. ist ein Fudōschrein, und davor ein Jizōschrein

mit Gebetsrad (goshō-guruma) ähnlich den tibetanischen, doch im

Gebrauch verschieden. Im Tempelhofe steht r. auf einer Anhöhe die

_Asakusaglocke_, deren Ton die Gottheit anruft. In der Haupthalle des

Tempels sind so viele Laternen, Fahnen, Götzenbilder, chinesische

Trommeln, daß man im Hintergrunde kaum die Figur der Kwannon entdecken

kann; der Zugang zu deren *Hochaltar ist gegen Spende durch einen der

Bonzen zu erreichen; auf der Rückseite des Hochaltars (Ura Kwannon)

sind schöne Wandgemälde (selten!) auf Lackgrund. In der Ecke r. im

Haupttempel ist die berühmte sitzende Figur des Helfers und Heilers

aller Kranken, des Gottes _Binzuru_ (als Verehrer des Weibes wird er

meist außerhalb des Allerheiligsten aufgestellt).

L. von den Tempelgebäuden steht auf dem öffentlichen Platze, _Asakusa

Kōenchi_, der zwölfstöckige, 67 m hohe Turm *_Ryō-un-kaku_ (Pl. D

2), im Volksmund _Jū-ni-kai_ (zwölf Stock) genannt, 1890 erbaut,

von dem man großartige *Aussicht über die Stadt hat. -- Etwa 1/2

km nördl. liegt das weltbekannte *=Yoshiwara= mit ganzen Straßen

von zwei- und dreistöckigen »Mädchenhäusern«, nach der Straße mit

Gittern, hinter denen man die Huldinnen in den verschiedensten

altjapanischen Kostümen bewundern kann (auch für Damen sehenswert!).

In dem Stadtteil herrscht vorzügliche Ordnung und Polizeiaufsicht.

_Yoshiwara_, d.h. »Schilfgefilde«, ist der individuelle Name nur

dieses Freudenviertels (generelle Bezeichnung _yūkaku_) in Tōkyō. Im

Frühjahr 1911 ist das ganze Yoshiwara ein Raub der Flammen geworden.

Es ist zwar neu im Entstehen begriffen, wird aber nie wieder die alte

Pracht erreichen.--Am l. Ufer des Sumidagawa, gegenüber von Asakusa

Kwannon, läuft die berühmte *_Kirschbaumallee von Mukōjima_ etwa

2 km nordwärts; am Anfang der _Satake Yashikigarten_, ein Muster

japanischer Landschaftsgärtnerei, ehemals einem Daimyō, jetzt der

Dai Nihon-Bierbrauerei gehörig, ferner der »Garten der 100 Blumen«

(sehenswert). Am Ende der Allee gutes europäisches Restaurant

(_Kwagetsu Kwadan_); am Ufer des Flusses hübsche Teehäuser; dort

Volksfest während der Kirschblüte.

Vom Shimbashi-Bahnhof führt eine lange, enge Straße, anfangs

_Hikage-chō_, dann _Shimmei-mae_ genannt, mit vielen Läden, zum

Haupttor (_Daimon_) des **=Shibaparks= (_Shiba Kōenchi_), an dem r.

der _Kwankōba_, einer der besten Basare Tōkyōs (mit festen Preisen)

liegt. Der Park hat prächtige uralte Kryptomerien und ist mit Bronze-

und Steinlaternen geschmückt. Die sechs buddhistischen _Shibatempel_

rechnen zu den Hauptwerken der japanischen Kunst; sie enthalten die

Grabdenkmäler von sechs Shōgunen aus dem Tokugawageschlecht, sind reich

ausgestattet mit Schnitzereien, Seidenstickereien, Stoffmalereien und

Lackkunstsachen, besonders in Goldlack. (Man widme den Vormittag eines

schönen Tages der Besichtigung.) Die Todesjahre der hier begrabenen

Shōgune sind 1632 (Shōgun Hidetada), 1713 (Ienobu), 1716 (Ietsugu),

1761 (Ieshige), 1853 (Ieyoshi) und 1866 (Iemochi). -- Unmittelbar

gegenüber vom Basar (Kwankōba) liegt der Eingang zum Grabmal der

Shōgune _Ietsugu_ und _Ieshige_; ein prächtiges Tor (_Ni-ten Mon_)

führt in einen Hof mit von Daimyōs gestifteten Steinlaternen, am

andern Ende ist das Tor der kaiserlichen Tafel (_Choku-gaku Mon_), mit

Goldinschrift; Drachen umringeln das Tor, durch das man in den innern

Tempelhof mit 212 Bronzelaternen gelangt, wo r. ein Glockenturm, l.

eine Zisterne mit heiligem Wasser liegt. Ein drittes Tor (_O Kara Mon_)

mit Galerien und einer Kolonnade schwarzer Pfeiler führt zum Tempeltor,

das prächtige Schnitzereien (den auf- und absteigenden Drachen,

_Nobori-ryū_ und _Kudari-ryū_ zeigt. Eintritt in die Tempelhalle

(Schuhe ausziehen!) gegen Spende von 20 sen an den Wächter. Jede Halle

ist dreiteilig: äußeres Oratorium (_Haiden_), Korridor (_Ai-no-ma_)

und Allerheiligstes (_Honden_); alles reich in Gold und Farben. Der

Altar besteht aus Goldlack und Bronze mit Figuren der Shōgune (die nie

gezeigt werden) und Götterfiguren (Kwannon, Benten, Shi-Tennō). Überall

als Ornament das Dreiblattwappen _Kamo-aoi_ der Tokugawafamilie. --

Dann gelangt man durch einen schönen Hof mit Bronzelaternen zu einer

Steintreppe, die zu den pagodenähnlichen, einfachen Grabmälern führt.

Die Särge sollen 6 m unter den Denkmälern liegen. -- Man verläßt diesen

Tempel durch das Tor Chokugaku Mon, gelangt dann r. durch eine Reihe

Steinlaternen wieder an ein prächtig geschnitztes Tor, hinter dem ein

ähnlicher Tempel mit den Grabmälern der Shōgune _Ienobu_, _Ieyoshi_

und _Iemochi_ liegt (wer Zeit hat, besichtige auch diese Anlage, da

sie noch prächtigern Kunstschmuck zeigt). -- Eine kleine Seitentür

r. führt von da in den Hauptweg, in dem l. hinter dem alten großen

Tore (_Sammon_) der =Zōjōjitempel= liegt; eine steile Treppe führt

in den Oberstock des Tempels, worin Figuren von Shaka (= Buddha) mit

Fugen und Monju in Gold, zu den Seiten buntfarbige Figuren der 16

Heiligen (Rakan) stehen. Die große Glocke r., Priesterwohnungen l.

Die Haupthalle (Hondō) des Tempels ist leider am 3. März 1910 infolge

fahrlässiger Brandstiftung darunter nächtigender Bettler ein Raub der

Flammen geworden. -- Der kleine Tempel dahinter, _Gokoku-den_, enthält

die vom Shōgun Leyasu hochverehrte »Schwarze Statue« (_Kuro-Honzon_)

des Amida (Amitābha) von Eshin, eingeschlossen in Goldschrein. --

Aus der Zōjōjianlage gelangt man durch eine Tür r. zum Totentempel

_Ten-ei-in_, mit prächtig vergoldetem Allerheiligsten, worin die

Schreine der Gemahlinnen und einer Genossin der Shōgune stehen. -- Von

diesem Tempel gelangt man zum *=Tempel des Shōgun Hidetada=, dessen

Allerheiligstes mit feenhafter Pracht ausgeschmückt ist, ebenso wie

die von Goldlack strotzende achteckige Halle *_Hakkaku-dō_, die das

Grabmal Hidetadas enthält, in dessen Schrein aber nur ein Bild des

Shōgun und seine Totentafel, während sein Leib unter dem Pflaster ruht.

-- Kehrt man nun zum Hauptweg zurück, so gelangt man r. bald zu einem

großen Tor, das zum _Tempel Ankoku-den_ führt, dessen Halle schöne

Gemälde zeigt. Obwohl der Bauart nach buddhistisch, wird der Tempel

als Shintōschrein betrachtet, was durch die _Gohei_ (Papierstreifen,

shintōistisches Emblem) gekennzeichnet wird. Am 17. jedes Monats wird

hier der Shōgun Ieyasu als Shintōgott Tōshōgū verehrt; dann wird

sein hölzernes Bildnis gezeigt. -- Hinter dieser Tempelanlage erhebt

sich der kleine Hügel *_Maruyama_, von dem schöne *Aussicht über die

Tōkyōbucht. -- Neben der geschlossenen _Pagode_ am Abhang des Hügels

steht das Standbild des Kartographen _Inō Chūkei_; von da geht man

zum kleinen Tempel der Benten auf dem Inselchen des Lotosteiches und

weiterhin zum *_Red Maple Club_ (_Kōyō-kwan_), ein japanisches Teehaus

und Restaurant, bekannt durch vorzügliches japanisches Essen und schöne

Tanzaufführungen (auf Bestellung _Kōyō-odori_ »Rotahorntanz«, 10-35

Yen). Auch der Shibapark ist am schönsten während der Kirschblüte.

-- Nicht weit vom Maple Club liegt der kleine Hügel *_Atagoyama_,

zu dem eine steile »Männertreppe« (_Otoko-zaka_) und eine bequeme

»Frauentreppe« (_Onna-zaka_) hinaufführen; oben steht das europäische

_Atago-Hotel_ (Tōkyō-Hotel) und ein *Aussichtsturm, von dem man den

Fuji, das Hakonegebirge und die Tōkyōbucht überblickt. -- In der

Nähe liegt _Ōkura's Kunstmuseum_, das bedeutendste Privatmuseum

Japans (Erlaubnis zum Eintritt erbitten). -- Etwa 2 km südl. vom Red

Maple Club, halbwegs nach Shinagawa hin, liegen auf dem Friedhof

des buddhistischen Tempels _Sengakuji_ die _Gräber der 47 tapfern

Rōnin_ (_Shi-jū-sh'chi Shi_), Nationalhelden Japans, die in echter

Vasallentreue den Tod ihres Herrn rächten und dann das Todesurteil

des Shōgun -- Harakiri (Bauchaufschlitzen) -- vor dem Grabe ihres

Herrn im Jahre 1701 an sich vollzogen. Alljährlich wandern noch heute

Tausende zu den Gräbern und ehren die Helden durch Verbrennen von

Weihrauch und Abgabe ihrer Visitenkarten. Innerhalb des Tempeltors

werden die Schwerter und Rüstungen der Rōnin gezeigt; die Gräber

liegen an der r. Seite eines kleinen viereckigen Hofs. Im westl.

Teil der Stadt liegt der ganz in europäischem Stil gebaute und

ausgestattete _Akasakapalast_, die Residenz des Kronprinzen. In

dem sich daran anschließenden herrlichen Landschaftsgarten wird im

November, der Zeit der Kikublüte und des roten Ahorns, das kaiserliche

Chrysanthemum-Gartenfest abgehalten. Daneben liegt der _Aoyamapalast_.

-- Weiter hinaus gegen W. gelangt man zum großen Paradeplatz (_Aoyama

Rempeijō_) und den weitausgedehnten Aoyamafriedhöfen.

Man versäume nicht, durch die Hauptgeschäftsstraße _Ginza_ zu fahren,

die etwas nördl. vom Shimbashi-Bahnhof bis zur Brücke _Kyōbashi_

führt, und durch ähnliche breite Straßen über die neugebaute massive

_Nihombashi_ (r. davon die _Yedobashi_, woselbst das Hauptpostamt)

zur _Suda-chō_ (wichtiger Kreuzungspunkt der elektrischen Bahnen)

und weiter bis zum _Uenopark_ und Uenobahnhof fortgesetzt wird; die

Geschäftsstraße _Naka-dōri_ mit vielen Altläden läuft der Fortsetzung

der Ginza parallel. In der Nähe das _Handelsmuseum_ des Handels- und

Ackerbauministeriums (Kōbiki-chō; geöffnet vom 8. Jan. bis 24. Dez.,

außer an Tagen nach nationalen Festtagen, von 9-4 Uhr, 10. Juli bis

10. Sept. von 8-2 Uhr; Eintritt frei). Morgens ist auch der Fischmarkt

in _Nihombashi_ (Pl. 9) sehenswert; von da östl. gelangt man zur

größten Brücke Tōkyōs, _Ryōgokubashi_, die über den Sumidagawa

zum buddhistischen Tempel _Ekō-in_ führt; hier das Amphitheater

_Kokugi-kwan_, wo im Januar und Mai große Ringwettkämpfe stattfinden.

Etwa 1,5 km nördl. davon liegt der Shintōtempel _Kameido_ (ein

_Temman-gū_, d. h. Schrein des vergöttlichten Sugawara-no-Michizane)

mit sehr schönem Park, besonders sehenswert Ende April, wenn die

Glyzinien (Wistarias, japanisch _Fuji_) blühen; im Teich werden Karpfen

und Schildkröten gefüttert. In der Nähe der Pflaumengarten von Kameido

(_Ume-yashiki_), Anfang März viel besucht. Nicht weit davon beginnt die

Kirschenallee von Mukōjima (S. 400).--Von der Azumabrücke stromaufwärts

erreicht man mit Rikscha in 40 Min. _Horikiri_, sehenswert zur Zeit

der Irisblüte. -- Bei _Ōji_ (zweite Station vom Uenobahnhof, 15 Min.

Fahrt) der _Taki-no-gawa_ mit herrlichen roten Ahornbäumen (November).

-- Im W. von Tōkyō: _Ōkubo_ (30 Min. mit Bahn von Iidamachi-Station)

zur Zeit der Azaleenblüte; _Koganei_ (1-1/2 St. von Iidamachi-Station),

herrliche Kirschblütenalleen, etwa eine Woche später als Uenopark zu

besuchen. -- Im SW. _Meguro_ (an der Ringbahn) mit Fudōtempei, angenehm

im Sommer. -- Im S. _Ōmori_, zweite Bahnstation von Shimbashi, 15 Min.,

mit bekanntem Pflaumengarten, _Hakkei-en_, von wo schöne Aussicht über

die Tōkyōbucht; von da etwa 1,5 km nach _Ikegami_, einem der schönsten

Punkte in der Umgebung Tōkyōs. Im Kloster Hommon-ji daselbst starb

1282 der buddhistische Heilige Nichiren; großes Volksfest zu Ehren des

Heiligen am 12. und 13. Okt. (Teehäuser _Tamba-ya_ und _Akebono-rō_).

-- Wer buddhistisches Leben näher kennen lernen will, mache einen

Ausflug nach =Narita= (etwa 2-1/2 St. mit der Sōbubahn vom Bahnhof

Ryōgoku-bashi) zum Fudōtempei _Shinshōji_ (Gasthof _Wakamatsu-ya_).

Von Tōkyō nach Nikko.

=Eisenbahn=, Abfahrt mit der Nordbahn (_Nippon Tetsudō_) vom

Uenobahnhof, Fahrpreis I. 3,40 Yen, II. 2,04 Yen, Fahrzeit etwa 5 St.

L. sitzen! -- Man fährt über (10 km) _Akabane_, hier Anschluß der

Ringbahn für Reisende, die, von Yokohama kommend, in Shinagawa in die

Ringbahn (Suburban Railway) umgestiegen sind. Die Bahn folgt meist der

alten Landstraße _Ōshu Kaidō_, deren alte Kiefern- und Zedernalleen man

vom Zuge aus sieht; l. der Fuji, r. der stets dampfende Asama. Über

(20 km) _Urawa_ und (27 km) _Ōmiya_ (Gasthof _Takashimaya Banshorō_,

Ōmyia machi), mit schönem Shintōtempel Hikawa Jinja, gelangt man nach

(54 km) _Kurihashi_, wo eine schöne eiserne Brücke über den _Tonegawa_

führt. Dann über (61 km) _Koga_, einem alten Daimyōsitz, nach (77 km)

=Oyama= (_Gasthof Izukura_; Zweigbahnen nach Maebashi, S. 408, und

nach Mito); und über (92 km) _Ishibashi_ nach (106 km) =Utsunomiya=

(_Gasthof Shirokiya_), alter Daimyōstadt mit großem Shintōtempel _Nikkō

Daimyōjin_. Hier _=umsteigen=_ (im Sommer auch ein durchgehender Zug)

in die Zweigbahn nach Nikkō, die über (112 km) _Togami_ und (120 km)

_Kanuma_, dann mit Blick auf die Gebirge von Nikkō meist längs der

alten Kaiserstraße _Reiheishi Kaidō_ über (129 km) _Fubasami_, bergauf

über (140 km) _Imaichi_ nach (146 km) _Hachiishi_, dem Bahnhof von

_Nikkō_ führt.

Nikkō.

Vgl. den Plan S. 405.

=Ankunft.= Vom Bahnhof fährt man mit Rikscha durch das lange Dorf

_Hachiishi_ bergauf in etwa 20 Min. durch herrliche Baumalleen und

die mit Läden dicht besetzte Dorfstraße, dann über den rauschenden

Bergstrom Dayagawa, über den zwei Brücken führen, von denen aber

die rote _Mihashibrücke_ nur vom Kaiser benutzt werden darf, 4 km

bis zum Fuße des Tempelbergs, wo das Nikkō Hotel liegt.

=Gasthöfe=: _Kanaya Hotel_, 15 Min. vom Bahnhof, in prächtiger

Lage, vortrefflich, gute Küche; 80 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2,

Supp. 1,25, Pens. von 6 Yen an; heiße und kalte Bäder, Telephon Nr.

1. -- _Nikkō Hotel_, 20 Min. vom Bahnhof, am Fuß der Tempel in

schöner Lage, gelobt; 57 Z., Pens. von 4,50 Yen an; Tel.-Adr.:

»Arai Nikkō«. -- Japanische Gasthöfe: _Konishiya_; _Kamiyama_.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 58 / 63 段