Besuchszeit für Kyōto ist Anfang März bis Ende Mai sowie von
Mitte September bis Mitte November; Pflaumenblüten sieht man Anfang
März in Momoyama, in Fushimi, im Kaiserpark; dann folgt bis Mitte
April die Pfirsichblüte im Maruyamapark, in Momoyama; in der
*_Kirschblütenzeit_ im April besuche man den Kaiserpark, den
Maruyamapark, Arashiyama, den Hiranotempelgarten und andre Plätze
sowie das Theater, um den »Kirschblütentanz« zu sehen. Im Mai
Päonien- und Azaleenblüte, im Herbst Chrysanthemumblüte.
--_Gewerbe- und Kunstausstellung_ in Okazakichō ist 2 Monate im
Frühjahr geöffnet.--*_Miyako-odori_ (Residenztanz) findet in der
Sing- und Tanzschule Kaburenjō in Hanami-kōji, Gion Machi vom
1. April an 4 Wochen lang tägl. von 5 Uhr Nm. bis 10 Uhr abds.
statt; 36 Geisha tanzen in seltsamen Kostümen, andre Mädchen
spielen dazu »shamizen« und »tsuzuki«.-- _Kamogawa-odori_, ein
ähnlicher Tanz im Teehausviertel zwischen Shijō und Sanjō,
beginnt 1. Mai und dauert 16 Tage.--*_Aoifest_ der Kamotempel am
15. Mai ist die größte Shintōfeierlichkeit (besteht seit dem 6.
Jahrh.); 8 Uhr morgens Prozession in alten Kostümen vom Haupttor
des Kaiserpalastes; bei Ankunft des Festzugs in Shimo-gamo
religiöses Konzert mit Tempeltanz, später ebenso in
Kami-gamo.--Andre _Tempelfeste_ am 15. März (Gedächtnistag
Buddhas), 8. April (Geburtstag Buddhas), Anfang Mai zweitägiges
_Inarifest_, am 3. März das Puppenfest (_Hina-matsuri_) für
Mädchen, am 5. Mai das Knabenfest (_Tango-sekku_).--Im Juli und
August Lotosblüte im Kaiserpark, Ogurasee, Tōji.--Im Sommer die
beliebte Volksunterhaltung _Shijō-Suzumi_, am Westufer des
Kamogawa auf hölzernen Plattformen im Flusse gesellige
Zusammenkünfte mit Geishatänzen. --In _Arashiyama_ Bauerntänze
14.-16. Aug.--Am 17. und 24. Juli *_Gionfest_ (seit 870 jährlich)
im Tempelbezirk der innern Stadt.--Am Abend des 16. Aug.
Illumination (Daimonji) der Berghöhe Nioi-ga-dake östl. von
Kyōto.--Auch der Herbst ist sehr schön in Kyōto.
_Vollmondfest_ im September oder Oktober, in Momoyama, Arashiyama
oder Uji. 15. Sept. _Hachimanfest_, Otokoyama; 1.-4. Okt.
_Zuikifest_ im Kitanotempel; 12. Okt. _Ochsenfest_ in Uzumasa; 20.
Okt. _Ebisufest_ in Kenninji Machi.--_Heianjingūfest_ mit
historischem Festzug am 22. Okt.-- *_Chrysanthemumblüte_ im
Oktober und November.--_Neujahrsfest_ dauert sieben Tage, manche
Tempelfeste währen sogar zehn Tage.--_Sportklub_ (E3), Nm. belebt;
Bogenschießen; Schwerterfechten und Jūjitsu.
=Kyōto=, Hauptstadt der Provinz Yamashiro, mit (1908) 408410 Einw.,
Hauptsehenswürdigkeit Japans, liegt in einer fruchtbaren Ebene,
durchflossen vom Kamogawa, über den mehrere schöne Brücken führen. Die
Stadt ist sehr regelmäßig gebaut, hat gerade, reinliche Straßen,
innerhalb des Weichbildes 82 Shintō-Schreine und 878 vielfach
verfallene Buddhatempel (Kyōto wird das »Rom Japans« genannt), zwei
große hölzerne Paläste des Mikado und der Shōgune und bedeutende
Industrie in Seidengeweben, Silber-, Bronze- und Emailwaren, Porzellan
und Steingut, die den ersten Rang in Japan behauptet. Kyōto ist die
geeignetste Stadt zum Studium japanischer Kunst und Kultur sowie der
feinsten Erzeugnisse des Kunsthandwerks, daher auch am geeignetsten zum
Einkauf guter (meist freilich kostbarer) Japansachen.--Kyōto gilt als
eine der gesündesten Städte Ostasiens, mit mildem Klima. Das
Straßenleben ist noch altjapanisch, ebenso das Sommerleben an und auf
dem Flusse Kamogawa. Die Umgebung der Stadt ist reich an schönen
Landschaftsbildern, die Bevölkerung im allgemeinen fremdenfreundlicher
als z. B. in Tōkyō und Ōsaka.
=Geschichtliches.= Kyōto war von 794 n. Chr. bis 1868 Residenz
des Mikado von Japan, ehe dieser nach Tōkyō übersiedelte, von
1336-1572 auch Residenz der Shōgune aus dem Hause Ashikaga,
denen es die Blüte seiner Metall-, Papier- und Lackindustrien
verdankte. Bei den Portugiesen und Holländern hieß Kyōto im 16.
und 17. Jahrh. _Meaco_ (Japan. _Miyako_ = Hauptstadt). Nach der
Verlegung der Residenz des Mikado nach Yedo, das deshalb den Namen
Tōkyō (»Ostresidenz«) erhielt, kam für Kyōto die
Bezeichnung Saikyō (»Westresidenz«) in Anwendung. 1895 fand in
Kyōto eine Landesausstellung statt. 1899 wurde dort eine
Universität gegründet.
_=Rundfahrt.=_ Wer den Erlaubnisschein hat, ausgestellt vom kaiserl.
Hausministerium in Tōkyō, für Deutsche auf Empfehlung ihrer
Botschaft in Tōkyō oder von Konsulaten in Japan (Antrag mit Angabe
der Namen der Schlösser, deren Besichtigung erbeten wird, _schriftlich
frühzeitig_ stellen!), besucht zunächst den *=Kaiserpalast= (_Gosho_;
BC2) im nördl. Teil Kyōtos, eine große Anlage hölzerner, einstöckiger
Bauten, umgeben von Gärten und Plätzen mit Bäumen. Die Palastanlage ist
mit einer hohen Mauer mit Ziegeldach umgeben, die ringsum das Abzeichen
der kaiserlichen Parkmauern, fünf weiße Linien, trägt; die Mauern
umschließen ein 250 m breites und 450 m langes Viereck mit sechs Toren.
Durch den Erlaubnisschein erhält man bei der Schloßverwaltung einen
Führer, der zu einem der kleinen Westtore führt (_Mi Daidokoro Gomon_),
wo man im alten Wartezimmer der Daimyō sich im Palastfremdenbuch
einschreibt und die Führung durch die Paläste, Hallen und Pavillons
beginnt.
Dem Südtor (_Kenreimon_) zunächst liegt der große Thronsaal
=Shishinden=, wo 1868 der jetzige Kaiser gekrönt wurde: in der
Mitte der Thron mit Silberdraperien, an der Hinterwand die Bilder
von 32 chinesischen Gelehrten. Dr. G. Wegener empfiehlt, alle
Bilder im Palast nach japanischer Art auf den Matten sitzend zu
beschauen, weil sie für niedrigen Augenpunkt bestimmt sind.--Dann
zur Festhalle =Seiryō-den=; im Mittelraum _Hirugoza_ ein Thron
mit Seidenvorhängen, in den Nebenräumen des Kaisers
Schlafkammer, Eßzimmer, Baderaum etc. nach alten Vorbildern
eingerichtet mit seidenen Paneelen und schönen Malereien.--Nun
folgt =Tsune-goten=, »gewöhnliche Residenz« (die in der Regel nicht
gezeigt wird), der Wohnpalast vieler Generationen von Mikados seit
dem 13. Jahrh. (der Neubau von 1854 entspricht genau der alten
Bauweise), dessen Mittelraum drei übereinander liegende Zimmer hat,
das oberste für den Mikado, die untern für die Leibdienerinnen, an
die sich jeder erst wenden mußte, um den Herrscher zu sprechen.
Alle diese und die Nebenräume sind reich an stilvollen
Wandschirmgemälden. Das Schlafzimmer des Mikados zeigt
Bambus-Tigerdekoration. --Ein langer Gang führt nun zum =Ko-Gosho=,
dem »kleinern Palast« für Empfänge von Fürsten und intime poetische
Festlichkeiten; darin sind drei sehr geschmackvoll geschmückte
Räume, mit Aussicht auf einen Landschaftsgarten.-- Nun folgt das _O
Gakumon-jo_, des Mikados Arbeitszimmer, mit reichen Malereien; dann
_Goryōden_, eine Speisehalle, und _On Mima_, »erlauchte drei
Zimmer«, die Halle für den Hofstaat, mit Gemälden im Tosastil;
schöner Blick auf den Garten mit Lotosteich, reichgeschmückten
Pavillons und Felsenhügel. --Am nördlichsten liegt der =Palast der
Kaiserin=, am Tor _Sakuheimon_; auch in dessen vornehm-einfachen
Räumen bilden die Wandschirmgemälde den Hauptschmuck.-- Im
östlichen Teil des Parks liegt der Palast =Sentō-Gosho= (C 2),
seit 1629, zuerst vom Mikado Go-Mi-no-o benutzt, für abgedankte
Herrscher bestimmt; der *Park zeigt hier mächtige Baumriesen, einen
See mit Inseln und Brücken und Felsen mit Wasserfällen, eine
wildromantische Anlage.--In der Nähe liegt der Palast
_Ōmiya-Gosho_. --Andre Bauten in der Umgebung des Kaiserpalastes
sind die Paläste des Prinzen Kuni no miya im W., des Prinzen
Katsura no miya im N.; die Verwaltung der kaiserlichen Schlösser im
SW. und im S. das meteorologische Observatorium (C 2, 3).
Sw. vom Kaiserpalast liegt das berühmte Shōgunschloß =*Nijō no
Shiro= (_Nijō-jō_; AB 3), 1603 von Tokugawa Ieyasu erbaut, in dem
die Beherrscher des Mikados hausten. In den ersten Jahren nach der
Restauration wurde es zu Verwaltungszwecken benutzt und die
künstlerische Ausschmückung vielfach rücksichtslos beschädigt; 1883 aber
wurde es unter dem Namen _Nijō no Rikyū_ (Nijō-Sonderpalast) in
die Zahl der kaiserlichen Schlösser aufgenommen und seitdem sorgfältig
erhalten. Eine hohe steinerne Zyklopenmauer nebst 10 m breitem Graben
umgibt die Nijōburg. Das Haupttor an der Ostseite (_Higashi Otemon_)
ist von dunkeln Pinien beschattet und mit reichvergoldeter Schnitzerei
geziert (Kraniche, Schmetterlinge, Drachen, Phönixe und
Päonien-Ornamentik). Innen ist noch eine zweite Mauer, _Ninomarū_ mit
Bauten, deren Haupttor _Karamon_ aus der Palastruine auf dem Momoyama
(S. 379) stammt und nach S. liegt; seine reichen Schnitzereien und
Metallzierate sind vom Künstler Hidari Jingorō. Der zweite innere
Eingang, _Okuruma-yose_, ist grotesk gemalt.
_=Cäcilie von Rodt=_ schreibt über den Stil dieser prächtigen Burg:
»In dem Palast sind es die Ramma, eine Art Fries, die Seitenwände
und Decke verbindet, die meine volle Bewunderung erregten. Aufs
reichste und durchsichtigste geschnitzt, zeigen sie auf der einen
Seite eine Pfauengruppe, auf der andern einen Päonienzweig, und
das, ohne die eine oder andre Zeichnung im mindesten zu
beeinträchtigen oder zu verwirren. Die Wände leuchten in Goldgrund.
Tiger stürzen aus hohen Bambusbüschen hervor, lebensgroße Adler
thronen auf weitästigen Matsu, Palmen scheinen ihre Federkronen
leise zu neigen, Reiher gravitätisch einherzuwandeln. Alles ist in
kühnen, großen Zügen entworfen, ganz verschieden von der gewohnten
japanischen Miniaturmalerei. Saal reiht sich an Saal, Zimmer
an Zimmer, überall Goldmalerei, überall vergoldete Beschläge, denen
meistens noch die drei Asarumblätter, das Wappen der
Tokugawa-Shōgune, eingraviert sind. Die Decken sind alle
kassettiert und aus dem dunkeln schönen Holze der Kryptomerien
gefügt.«
Die Gemälde stammen meist von _Kanō Tan-yū_ und seinen Schülern.
Der 1. Palast ist der größte, neben dem obern Saal ist ein
Jungpinienzimmer und ein Lotoszimmer. -- Im 2. Palast bilden
große Pinien und wilde Tiere den Schmuck.--Im 3. Palast ist die
Empfangshalle _Ohiroma_, wo auf dem toko (erhöhtem Fußboden) der
Shōgun die Daimyō empfing. Die Ramma der Halle ist hervorragend.
Daneben liegt das Sagopalmenzimmer. -- Der 4. Palast ist der
prächtigste; in der erhöhten »Schwarzen Halle«, _Kuroshoin_,
fanden große Empfänge statt. -- Der 5. Palast am Nordende war die
Wohnung des Shōguns. Hauptraum ist die »Weiße Halle«,
_Shiroshoin_, mit Landschaften von Kanō Sadanobu; daneben liegen
vier ähnliche Zimmer, in deren einem das berühmte Bild »die
schlafenden Finken« ist. -- Der prächtige Garten hat schöne
Kaskaden. -- Der Hauptwachtturm _Hommaru_ liegt westl. von der
Mauer Ninomaru: in seiner Nähe ist der Palast der Prinzessin
Katsura-no-miya. Vgl. die Angaben über Japanische Kunst, S. 340.
Man fahre nun südl. zur Anlage des Tempels =Honkokuji= (AB 5), der als
Hauptsitz der Hokke- oder Nichirensekte im 14. Jahrh. von Kamakura
hierher verlegt wurde; in der Haupthalle ein Schrein mit dem heiligen
Kanon der Sekte, von ihrem Gründer Nichiren geschrieben, auf dem
Altar Buddha und andre Götter; im Tempelpark der Schrein des tapfern
Kriegshelden Katō Kiyomasa, daneben die Gräber seiner Frau und seiner
Tochter. Im Kloster am Nordende die uralte Bibliothek _Kyōzō_ mit
sämtlichen heiligen Schriften des Buddhismus (_Issaikyō_). Hauptschatz
des Tempels ist ein mythologisches Bild, _Mandara_, mit Mandarinenten
(oshidori), dessen Brokatfassung von einem Kleid der berühmten
chinesischen Favoritin Yōki Hi stammen soll. -- Südl. gegenüber liegt
der prachtvolle Doppeltempel *=Nishi-Hongwanji= (d. h. Westlicher H.)
(AB 5), der, 1272 von der Tochter des Stifters Shinran-Shōnin der
Shin- oder Montosekte erbaut, einen Stadtteil mit schönen Anlagen für
sich bildet; die Haupthalle _Hondō_ enthält im Hauptschrein ein Bild
des Buddha Amida, daneben Inschriften mit den Namen des Kaisers und
seines kaiserlichen Vaters. In der Tempelhalle _Daishidō_, 1645 erbaut,
ist ein Bild des Kenshin-Daishi (diesen Titel erhielt Shinran-Shōnin
nach seinem Tode), daneben hängen die Bilder aller Erbäbte des
Tempels. In der großen Halle (mit 300 Matten) _Ohiroma_ hält der Abt
(jetzt Graf Otani) Empfänge. Die einflußreiche Shinsekte strebt vor
allem den Zusammenschluß aller Buddhisten in China, der Mongolei und
Tibet, Hinterindien etc. unter japanischer Führung an und entfaltet
zu diesem Zweck eine umfangreiche Missionstätigkeit. Sehenswert ist
der Naturpark _Tekisui-en_ in der SO.-Ecke der Tempelanlage; über
ihrem Teich erhebt sich der dreistöckige »Pavillon der treibenden
Wolken« _Hiunkaku_ mit schönem Bild des Berges Fuji im Oberstock.
-- Östl. liegt die Tempelanlage *=Higashi-Hong-wanji= (B 5), deren
Riesenbauten mit geschweiften Doppeldächern schon bei der Ankunft am
Bahnhof auffallen; die Haupthalle ist der größte Tempel Japans, 64 m
lang, 58 m breit und 38 m hoch und ruht auf 96 mächtigen Holzsäulen
von 0,5 m Durchmesser. Die innere Halle, _Sakunai_ (d. h. »innerhalb
der Absteckung«), ist nur für die Priester und Betende hohen Ranges,
das Volk muß außerhalb des Geländers, im _Gwaijin_, bleiben. Im
innersten Allerheiligsten, _Naijin_, ist eine kleine geschnitzte
Figur des Kenshin-Daishi in einem goldenen Schrein; der Altar zeigt
Bilder der Erbäbte. _Hondō_, die kleinere Tempelhalle, hat eine
geschnitzte Amidafigur auf dem Mittelaltar. Der Tempel ist seit dem
ersten Bau von 1602 viermal vom Feuer zerstört, aber stets schöner
aufgebaut worden; zum letzten Bau wurde von frommen Frauen Haar zu
mehreren Tauen gestiftet, mit denen die mächtigen Balken hochgezogen
wurden; eins dieser Taue aus Frauenhaaren, das im Tempel gezeigt
wird, ist 110 m lang und hat 40 cm Umfang! Östl. vom Haupteingang zur
Tempelanlage liegt der hübsche Park _Shōsei-en_, meist _Kikokutei_
(C 5) genannt, umgeben von einer Kikokuhecke. -- Nun fahre man über
die südlichste Kamogawabrücke zum Kwannontempel *=Sanjūsangendō= (CD
6), »Halle der 33 Ken oder Zwischenräume« (zwischen den Pfeilern
der langgestreckten Halle, Länge 121 m, Breite 17,5 m), erbaut 1132
vom abgedankten Mikado Goshirakawa in seinem Palastviertel mit 1001
Statuen der 1000äugigen und 1000händigen Kwannon. Der erste Tempel
verbrannte 1248 und wurde 1266 vom Mikado Kameyama wieder erbaut und
1662 vom Shōgun Ietsuna erneuert. In Reih' und Glied (elf Reihen
hintereinander) stehen jetzt gut ausgerichtet auf schräg ansteigendem
Podium in der düstern Halle tausend 5 Fuß hohe vergoldete Statuen der
sogen. elfgesichtigen 1000händigen Kwannon; zählt man die kleinen
Götzen in den Heiligenschreinen, auf Stirn und Händen der großen mit,
so soll man auf 33333 Bilder kommen. Die 5 m hohe sitzende Mittelfigur
stellt ebenfalls die 1000händige Kwannon dar; um sie herum steht ihr
Gefolge von 28 Untergöttern (_Bushū_). Früher trieben die Samurai
Bogenschießsport in der langen Halle; ihre Treffertafeln hängen noch im
Tempeleingang. -- Neben diesem seltsamen Tempel liegt das *=Kaiserliche
Museum= (_Teikoku Kyōto Hakubutsukwan_; CD 5), ein moderner Bau von
1895, mit sehr alten historischen Kunstschätzen, tägl. geöffnet von 8-4
Uhr im Winter, 7-1/2-5-1/2 im Sommer, außer am 10., 20. und Letzten
jeden Monats und 20. Dez. bis 1. Jan.; im Vorraum alte buddhistische
Figuren und Masken, im nächsten Raum hölzerne und bronzene Statuen;
l. vom Eingang Stickereien und Verschiedenes; r. vom Eingang alte
Lacksachen, Porzellan; in den andern Räumen: kaiserliche Gewänder,
Sänften, der Mikadothron Michōdai, Musikinstrumente, Münzen, Priester-
und Schauspielerroben, Teezeremoniegerätschaften, Rüstungen und Waffen,
besonders Schwerter; alte Handschriften, Kakemonos und Wandschirme.
-- Westl. vor dem Museum liegt der runde, mit Steinmonument gekrönte
_Mimizuka_, »Ohrenhügel«, wo Tausende von Koreanern abgeschnittene
Ohren aus dem Feldzug von Hideyoshi (1592 u. ff.) ruhen. Östl. hinter
dem Museum liegt der Shintōtempel _Toyokuni-jinja_ (D 5), in dem
der Geist des berühmten Taikō Toyotomi Hideyoshi verehrt wird (geb.
1535, unterwarf die rebellischen Provinzen, wurde Regent, eroberte
Korea und starb 1598). -- Nahebei liegt die Tempelanlage *=Hōkōji=
(CD 5), 1586 von Hideyoshi gegründet, mit riesiger *_Buddhabüste_ aus
Holz, 13 m hoch, die Nase 2 m lang, eine geschmacklose, unvollendete
Schnitzarbeit. Im Vorhof hängt eine *_Riesenglocke_; das Läuten
mit Schwingklotz kostet 2 sen für jede Person. -- Nördl. liegt die
*_Yasakapagode_ (D 5), fünfstöckig, 50 m hoch auf einer Anhöhe in
schöner Landschaft am Ostende der Stadt (Aufstieg unbequem, oben
*Aussicht auf die Stadt), 1618 erbaut mit sehr originellem Dach; sie
diente früher als Wachtturm und enthält ein sehr altes Bild Shakas.
-- Etwas nördl. liegt der berühmte *=Giontempel= (D 4; richtiger
_Yasakajinja_ genannt), 869 gegründet, in dem _Susano-o no Mikoto_,
der unbändige Bruder der Sonnengöttin Ama-terasu, verehrt wird. Dieser
buddhistisch beeinflußte Shintōtempel ist der besuchteste von Kyōto,
daher von vielen Verkaufsbuden umgeben; Tempelfeste am 1. und 15.
jedes Monats, das große Gionfest am 17. und 24. Juli. Der Haupttempel,
1654 erbaut, hat in der SO.-Ecke eine _Kagura-dō_ (Halle für die an
Götterfesten aufgeführten Pantominen, den Tanz Kagura). Im Anbau am
Westende, _Ema-dō_, hängen Weihbilder für die Götter. Im Tempelpark
steht zwischen alten Bäumen ein großer heiliger Kirschbaum. -- Das
Stadtviertel in der Umgebung des Tempels, _Gion Machi_, ist voller
Vergnügungshäuser, Teehäuser etc. -- Nahe nö. vom Giontempel liegt der
*=Chion-in-Tempel= (DE 4), eine der größten Tempelanlagen der Gegend,
nördl. vom Maruyamapark, errichtet von der Jōdosekte, begründet 1211
von Enkō Daishi, und von Tokugawa Ieyasu und Iemitsu zur jetzigen
Anlage ausgebaut. Die Haupthalle _Hondō_ enthält im Mittelschrein ein
geschnitztes Buddhabild; hinter ihr die Versammlungshalle _Senjōjiki_
(»Halle der 1000 Matten«); östl. davon das Kloster Hōjō, durch einen
prächtigen Garten in zwei Teile geteilt; seine Zimmer sind nach den
sie schmückenden Meisterbildern der Kanōschule (Storch, Kranich,
Pflaume, Chrysanthemum etc.) benannt. Die Gänge, _uguisu-bari_
(Nachtigallfluren), geben beim Gehen melodische Geräusche. _Seishidō_
ist der ursprüngliche Chion-in-Tempel, _Soshi-byō_ das Grab des
Gründers; im _Kwachōbunko_ sind die Tempelschätze aufbewahrt. Im
_Gongendō_ sind Bilder von Shōgunen. Der Glockenturm enthält die 1633
gegossene größte *Glocke Japans, 5,5 m hoch, 3 m Durchmesser, 30 cm
dick und 7400 kg schwer. Das Haupttor _Sammon_ des Tempels ist reich
geschmückt; von seiner Galerie *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Der
Tempelgarten ist voller Kirschbäume. -- Nördl. vom Chion-in-Tempel
liegt der kleine _Shōren-in-Tempel_ (D 4), dessen Leiter früher stets
ein Prinz als Haupt der Tendaisekte war; viele alte Schriftstücke
von Mikados sind im Schatze des Tempels. -- Nahebei liegt der
_Awatapalast_ (E 4), erbaut 879 und bis 1868 von einem kaiserlichen
Prinzen als Abt bewohnt. -- Nahe nördl. unterhalb des Miyakohotels
liegt der _Zoologische Garten_ (E 3), ferner ein stets geöffnetes
_Gewerbemuseum_, _Shōhin-shinretsujō_ (E 3; Malereien, Stickereien,
Porzellan-, Bronze- und andre meist neue Kunstsachen mit Angabe des
Preises und Verkäufers), die neue städtische Bibliothek und das
Gebäude der jährlich im April und Mai geöffneten *_Gewerbeausstellung_
(E 3). Zwischen beiden die _Sporthalle des Sportklubs_ Bushū-Kwai
(Präsident ein kaiserl. Prinz), wo Bogenschießen, Schwerterfechten,
Jūjitsu geübt wird; Nachm. sehr belebt, Eintritt erlaubt; vom 4.-7. Mai
dort große Wettkämpfe. Nahebei die große Anlage des _Daikyoku-den_
oder _Heian-jingū_, eine getreue Nachbildung des Tempels im ersten
Kaiserpalast zu Kyōto vor 1100 Jahren. -- Weiter nördl. die Gebäude
der _Kaiserlichen Universität_ (D 2; mit vier Fakultäten: Medizin,
Literatur, Rechts- und Ingenieurwesen) und andrer Schulen im alten
Samuraiviertel Yoshida, dabei der niedrige _Yoshidayama_ mit
Shintōtempeln und prächtigem Rundblick.--Östl. davon liegt am Fuße
des Daimonjiyama der =Ginkaku-ji= (E 1) am NO.-Ende der Stadt, 1479
als Landsitz vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimasa erbaut (dort
entwickelte er das heute noch übliche Teezeremoniell, _Cha-no-yu_, zur
höchsten Vollendung), nach seinem Tode 1490 in einen buddhistischen
Tempel umgewandelt. Im alten Gebäude _Tōkyū-dō_ ist der berühmteste
Teezeremoniellraum Japans (nach dem Kanon 4-1/2 Matten groß); Wände
und Schieber tragen berühmte Gemälde von Kanō Motonobu, Ōkyo, Sōami
und Kanō Einō. Im Mittelraum Bilder der Kwannon und des Yoshimasa in
Priestergewändern. Paneele von Buson und Taigadō in andern Räumen;
prächtige Kakemonos, Kuriositäten und Zeremoniellteegerät in einem
Pavillon. Daneben eine Buddhahalle. -- Im südlichen Garten steht der
feine Silberpavillon _Ginkaku_, eine Nachbildung des von Yoshimitsu
(Großvater Yoshimasas) erbauten _Kinkaku_, in einem der schönsten
Landschaftsgärten Japans mit Teich, Insel, Brücken, ausgewählten
Pflanzen und Felsen.
Zwischen Ginkaku-ji und dem Miyakohotel liegen am östl. Bergrand die
sehenswerten Tempelanlagen von _Shishigatani_, _Eikwandō_ und
_Nanzenji_; bei letzterm _Keage_, die schiefe Ebene zwischen dem obern
und untern Kanal, wo Boote auf Schienen hinaufgezogen werden. Zwischen
dem östl. Bergrand und dem Yoshidayama die schönen Anlagen der Tempel
_Kurodani_ (»dunkles Tal«, ein Kloster, im 12. Jahrh. von Hōnen
Shōnin gegründet, mit der historischen Fichte _Yoroikake no Matsu_)
und _Shinnyodō_ (mit wertvollen Gemälden). Um den Yoshidayama viele
Grabhügel früherer Kaiser (Misasagi).
Am Abhange des _Higashi-yama_ (E 4, 5) liegt nahe südl. vom Awatapalast
der reizende =Maruyamapark= (D 4) mit vielen Teehäusern und mehreren
Tempeln.--Südl. liegt in malerischer Landschaft auf Pfahlunterbau am
Berghang der größte Kwannontempel *=Kiyomizudera= (DE 5), 780 vom
Priester Enchin gegründet; durch das rote Haupttor _Niō-mon_ steigt
man auf Treppen hinauf, beim obern Tor *Aussicht auf die Stadt. Zwei
dreistöckige Pagoden und eine grüne große Glocke stehen neben dem Tor.
Die Haupthalle, _Hondō_, steht auf hohem Holzpfeilergerüst; in ihrem
Schrein ist das Bild der elfgesichtigen, 1000händigen und 1000äugigen
Kwannon; eine breite Veranda, _Butai_, schwebt über dem Abhang. Östl.
vom Haupttempel der schöne Park _Nan-en_ oder _Shin Takao_ mit
Wasserfall zum Baden der Wallfahrer, an der Nordseite der Garten
_Hoku-en_, beide mit vielen schönen Plätzen; die Straße zum Tempel
enthält lauter Porzellanläden. --Etwa 3 km südl. liegt der =Inaritempel=
(kaiserlicher Shintōtempel 2. Grades), mit der elektr. Straßenbahn
bequem zu erreichen; um die ganze Anlage zu sehen, ist über 1 St. Weg
durch Torii zu machen, doch kann man abkürzen. Der Tempel ist der
Reisgottheit _Inari_ geweiht, 711 gegründet und das Urbild aller andern
Inaritempel des Landes, die, wie er, sämtlich rot gestrichen sind. Sein
Park erstreckt sich über einen Hügel mit zahllosen Heiligtümern und
einigen Fuchsbauten. Am innern Eingang zwei große steinerne Füchse
(Diener und Boten Inaris). Vom Gipfel *Aussicht auf Stadt und Umgegend.
Die Tempelfeste im Februar und April sind sehr sehenswert.--Der
_Tōji-in_ oder _Osttempel_ mit Pagode rührt noch aus der Zeit der
Stadtgründung her.
Vor dem Nordende der Stadt liegt nicht weit vom Kaiserpark der alte
Shintōtempel =Shimogamo= (Unterer Kamo, eigentlich
_Kamo-Mi-oya-jinja_, »Schrein der Kamo-Ahnen«, CD 1), vom kaiserl.
Haushalt unterhalten, eine vornehme Anlage, gegründet 677, mit
prächtigem uralten Park, worin zwei heilige, durch einen Ast
miteinander verwachsene Sakakibäume von Frauen viel besucht werden,
um Ehefrieden zu erflehen.--Eine schöne Kiefernallee führt zu dem 3
km nördlichern Tempel =Kamigamo= (Oberer Kamo), der in der
Kirschblüte viel besucht wird. Das große Aoifest wird am 15. Mai in
Shimogamo und Kamigamo glänzend gefeiert.