Aus dem Hafen von _Nagasaki_ (S. 349) dampft man zunächst mit nw. Kurs

längs der Küste von Kyūshū an mehreren hohen Klippen und den

Inseln _Ikeshima_ und _Hikishima_, beide l., vorbei bis zu der mit

Kiefern bestandenen und gut bebauten Insel _Matsushima_, die r. bleibt.

Nun führt NW.-Kurs zwischen den Inseln _Sakitoshima_ r. und

_Ōdateshima_ l. und nahe r. am Leuchtturm auf der gefährlichen Klippe

_Fukuse_ vorbei auf die Südspitze der großen Insel _Hiradoshima_ zu, die

von den Dampfern meist r. gelassen wird, trotzdem an ihrer Westküste oft

heftiger Seegang steht. Aber die zwar gut geschützte _Hirado-_ oder

_Spexstraße_ zwischen der Ostküste der Insel Hirado und der Westküste

von Kyūshū hat eine sehr enge, vieler Klippen wegen gefährliche

Stelle an ihrem Nordende, die nur bei hellem Tage und mit sehr

erfahrenen Lotsen benutzt werden kann; die meisten Dampfer ziehen den

kleinen Umweg westl. um Hiradoshima vor. Die Insel _Hirado_ ist wegen

ihres blauweißen Porzellans berühmt und war im 16. u. 17. Jahrh. der

Sitz holländischer und englischer Handelsfaktoreien. Die Stadt _Hirado_,

am Nordende der Spexstraße, zeigt noch die malerischen Ruinen eines

Daimyōschlosses. An der Westküste der Insel Hirado durchläuft man die

kaum 400 m breite _Obreestraße_ (_Ikutsuki no Seto_), die die Südspitze

der Insel Ikutsuki vom Kap _Tobusaki_ der Insel Hirado trennt; diese nur

sehr kurze Enge liegt 53 Seem. von Nagasaki. Mit NO.-Kurs wird das

Nordende von Hirado umsteuert, wobei die Inseln _Dōshima_ und

_Atsushi no Ōshima_ l. bleiben. Man gelangt nun in den mit vielen

Inseln besetzten östl. Teil der _Koreastraße_, den Schauplatz der

Seeschlacht bei _Tsushima_ am 27. und 28. Mai 1905, in der die russische

Flotte unter Admiral Roshestwenski vom japanischen Admiral Tōgō

nahezu vernichtet wurde; dann dampft das Schiff durch die Ikistraße

zwischen _Ikishima_ l. und _Madarashima_ und andern Inseln r. längs der

NW.-Küste von Kyūshū, allmählich östl. Kurs aufnehmend; viele

Fischerfahrzeuge beleben die See. Im NO. erhebt sich eine dunkle

Bergkette, man sieht weiße Leuchttürme auf den Inseln _Rokuren_,

_Takenoko_ und _Manaita Iwa_, das Fahrwasser zwischen den Inseln wird

enger, große Leuchttonnen bezeichnen die Fahrrinne zwischen Sandbänken;

man nähert sich der _Meerenge von Shimonoseki_, die zwischen den Inseln

Kyūshū und dem Westende von Nippon oder Hondo die stark befestigte

Westeinfahrt zur Binnenlandsee bildet. Über die entzückende Landschaft

dieser Straße schreibt _Hans Meyer_: »Allmählich löste sich die

scheinbare Landmauer in einen Haufen von Inseln auf, die sich wie

Kulissen hintereinanderschoben und durch die Aufeinanderfolge von

bunten, niedlichen See- und Küstenbildern, von kleinen lachenden Buchten,

netten Dörfchen und Wäldchen ganz den Eindruck gelungener

Theaterdekorationen machten; eine Miniaturlandschaft, wie sie naiver und

freundlicher nur vorgestellt werden konnte, wenn man sommerliche Farben

aufgetragen dachte. Nach einer weitern halben Stunde erreichten wir die

Einfahrt zur Inlandsee, einen Meereskanal, der völlig einer bewaldeten

Bergpartie der Mosel oder des Neckars gleicht. Und von nun ab folgte

eine Menge unbeschreiblich schöner Landschaftsbilder so schnell, daß man

nur immer zu schauen und wieder zu schauen hatte und doch nicht müde

wurde, denn alles ist wie aus Einem Guß, nichts ist unverständlich,

nichts düster.«--Bald öffnet sich die Enge zu einer breitern Bucht, der

Dampfer ankert mitten zwischen den Hafenstädten Moji und Shimonoseki,

150 Seem. von Nagasaki.

=Moji= (Gasthof _Ishidaya_; man suche lieber das Sanyō-Hotel in

Shimonoseki zu erreichen), rasch aufblühende Hafenstadt am Nordende der

Kyūshū-Eisenbahnen (Nagasaki-Moji, s. S. 353), in der Nähe große

Kohlenlager; Ausfuhr von Kohlen. Die Umgegend ist stark befestigt, um

die Binnenlandsee zu sperren. Von der Reede von Moji aus beschoß 1864

die Flotte der verbündeten Engländer, Nordamerikaner, Franzosen und

Niederländer das Dorf Dan-no-ura und Fort Maeda (jetzt englisches

Konsulat auf einem Berg) an der Binnenlandsee bei Shimonoseki als Strafe

für die Zerstörung eines amerikanischen Handelsschiffs und zur

Erzwingung von Handelsverträgen.

=Shimonoseki= (Photographieren verboten!), auch _Bakan_

genannt (Gasthöfe: _Sanyō Railway Hotel_, europ., gelobt;

_Daikichi_, _Shumpanrō_), am Nordufer der Meerenge, mit starken

Küstenbefestigungen. _Deutsches Konsulat_, Konsul Dr. W. Müller.

Eisenbahnfährdampfer in 15 Min. nach Moji. Die Umgegend bietet

hübsche Waldspaziergänge. Hier wurde 17. April 1895 der Friede

zwischen Japan und China geschlossen.--Shimonoseki ist westl.

Endpunkt der Sanyōeisenbahn, die auf der Hauptinsel Hondo meist

längs der Nordküste der Binnenlandsee bis Kōbe läuft; Bahnfahrt

Shimonoseki-Kōbe vgl. S. 358.

Die *=Japanische Binnenlandsee= (_Seto no uchi_ [d. h. »Zwischen den

Meerengen«] oder _Naikai_) wird von den Inseln Hondo (Nippon), Kyūshū

und Shikoku umschlossen, steht einerseits durch die Shimonoseki-

(oder Van der Kapellen-) Straße mit der Koreastraße, anderseits

durch die Bungostraße und den Kiikanal (Linschotenstraße) mit dem

Stillen Ozean in Verbindung, ist sehr seicht und mit vielen, meist

vulkanischen Inseln besät. Sie ist wahrscheinlich durch Einbruch

während der Tertiärzeit entstanden. Die Japaner teilen die Binnensee

in fünf offene, durch Inselketten oder Meerengen voneinander

geschiedene Seeflächen, die von W. an heißen: _Suwō Nada_, von der

Shimonosekistraße östl. bis zur Insel Iwaishima; _Iyo Nada_, nö. bis

Nakashima; _Mishima Nada_, nö. bis Ōshima; _Bingo Nada_, nö. bis

Shōzushima; _Harima Nada_, östl. bis Awajishima; östl. davon liegt als

sechste Teilsee der Golf von Ōsaka, auch _Izumi Nada_ genannt. Die

Inseln der Binnenlandsee sind meist gebirgig und reich bewaldet, ebene

Stellen sind mit Städten, Dörfern, Gehöften, Tempeln, Daimyōburgen

und Reisfeldern besetzt; viele Berghänge sind urbar gemacht und

terrassenförmig bebaut. Unzählige Fischerboote beleben das Inselmeer,

oft zu ganzen Flottillen vereint, die den Dampfern die Durchfahrt

erschweren; Dschunken treiben lebhafte Küstenfahrt. -- Der Dampfer

steuert aus der Shimonosekistraße mit SO.-Kurs in die _Suwō Nada_,

wobei man r. die bis 1600 m hohen Gebirge der NO.-Küste von Kyūshū

erblickt. Etwa 13 Seem. von Shimonoseki, d. h. etwa nach 1 St., wird

der Kurs osö., man läßt _Himeshima_ r. und hält auf _Yashima_ zu. Von

der Südspitze dieser Insel (63 Seem. von Shimonoseki) wird der Kurs

onö., man gelangt in die _Iyo Nada_, hat l. viele malerische Inseln

in nächster Nähe und erreicht bald (92 Seem. von Shimonoseki) den

Ankerplatz von

=Mitsugahama=, auch _Mitsu_ genannt (Gasthof _Kubota_, Pens. 5 Yen;

Eisenbahn stündl. nach Matsuyama in 1/2 St., Dampfer nach Beppu [S.

354], Oita, Hiroshima [S. 359], Ōsaka etc.), auf der Insel Shikoku,

Hafenplatz für die Antimonausfuhr aus dem nahen Bergwerk von

_Ichi-no-kawa_, während die Kupferausfuhr aus dem alten Bergwerk von

_Besshi_, das jährlich etwa 5000 Tonnen liefert, meist über den kleinen

Hafen _Niihama_ geht, der etwa 28 Seem. östl. von Mitsugahama liegt.

Nahe östl. von Mitsu liegt der geschütztere Hafen _Takahama_ (Gasthof

_Yūshinsha_), Endpunkt der Iyobahn. Man fahre mit der kleinen Bahn

nach

(5 km) =Matsuyama= (Gasthöfe: _Kidoya_, 30 Z. 1, F. 0,50, Lunch 1, Din.

1,50 Yen; _Shioya_), stille, alte Hauptstadt der Provinz Iyo der

Insel Shikoku, sehr sauber, 37842 Einw. Mitten in der Stadt erhebt sich

eine alte *_Daimyōburg_, 1603 von dem Geschlecht der _Hisamatsu_

erbaut und vorzüglich erhalten; Erlaubnis zum Besuch vorher bei der

Präfektur (Kenchō) einholen! Der nur zum Reiten oder Sänftetragen

bestimmte Weg führt steil auf den mit prächtigen Kiefern bewachsenen

Burgberg; auf halber Höhe liegt ein schöner Tempel, von dessen

Haupteingang eine Prachttreppe zur Stadt hinabführt. Auf dem Berggipfel

steht man plötzlich vor einer etwa 15 m hohen schrägen Zyklopenmauer, um

die man herumgeht, um den Eingang, etwa fünf im Zickzack hintereinander

gelegene Tore, zu finden; hinter jedem Tor ein Vorhof, umschlossen von

hohen Mauern. Dann erst gelangt man in den Hofraum der Burg, der in der

Höhe der Krone der Umfassungsmauern liegt; im Hofe liegen die

Wohngebäude der Samurai, der Vasallen des Daimyō, inmitten von

Obstpflanzungen, Gärten und Feldern. An der Südecke erhebt sich auf

einer zweiten, gleichhohen Zyklopenmauer der Prachtbau des

Daimyōschlosses in mehreren Stockwerken, mit turmartigen Ecken

verziert. Prachtvolle *Aussicht vom Schloß auf die Binnenlandsee und die

Gebirge von Shikoku.

2 km östl. von Matsuyama liegt das älteste japanische Mineralbad

=Dōgo= (gute Gasthöfe: _Funaya_; _Chakin_) mit hübschem Park und

öffentlichen Bädern; man benutze nur das schwächste Mineralbad

_Ichi-no-yu_ für Gesunde (die andern sind für Hautkranke). In Dōgo

kauft man das hübsche weiße Fayence Tobeyaki.

Von Mitsugahama durch die Meerenge östl. von der Insel _Gogo Shima_,

während der Hauptdampferweg zwischen Shimonoseki und Kōbe durch die

_Tsuru Shima Seto_, eine Enge zwischen Gogo Shima r. und den Insebi

_Naka_, _Musuki_ und _Nokotsuna_ (l.) hindurch in die _Mishima Nada_

führt. Mit nö. Kurs an der Nordwestküste von Shikoku entlang bis

_Mitarai_, einem engen, landschaftlich schönen Schutzhafen zwischen den

Inseln _Ōsakishima_ oder _Mitarai_ und _Okamura_. Von hier mit

SO.-Kurs bis zum Kap _Ōsumi Bana_; dann gelangt man mit sö. und südl.

Kurs durch die mit vielen Inseln besetzte Enge _Kurushima no Seto_ in

die _Bingo Nada_, an deren Westende auf Shikoku die Hafenstadt =Imabaru=

oder =Imabari= (Gasthof _Asahiya_) mit altem Schloß (1602 vom Daimyō

Tōdō Takatora erbaut) sehr malerisch liegt. Nun führt onö. Kurs

zwischen den Inseln _Takaikami_ (l.) und _Oki Shima_ (r.) hindurch und

in das dichte Inselgewirr hinein, das am Ostende der Bingo Nada die

Fahrt landschaftlich reizvoll, aber nautisch schwierig macht; man fährt

dabei dicht unter der Südküste der Insel _Hiro Shima_ (nicht zu

verwechseln mit der Stadt Hiroshima, S. 359) entlang. Hier liegt an der

Nordküste von Shikoku r. vom Dampferkurs

=Tadotsu= (Gasthof _Hanabishi_; Dampfer tägl. in 2-1/2 St. zur

Bahnstation _Onomichi_, S. 360), lebhafte Hafenstadt; in einigen

Stunden erreicht man von hier mit Rikscha _Byōbu-ga-Ura_, den

vermutlichen Geburtsort des berühmten Buddhapriesters Kōbō Daishi

(*Aussicht). -- Die Eisenbahn führt von Tadotsu nach (13 km) =Kotohira=

oder _Kompira_ (gute Gasthöfe: _Toraya_; _Bizenya Hotel_, 12 Z.,

Pens. 3 Yen), Pilgerstadt mit dem berühmtesten Heiligenschrein von

Shikoku und der _Goldenen Halle_ (_Kondō_), von Kōbō Daishi im 9.

Jahrh. gegründet, jetzt aber zum Shintōtempel mit dem Namen _Asahi no

Yashiro_ (»Schrein der aufgehenden Sonne«) umgetauft, eine großartige

Tempelanlage mit vielerlei Sehenswürdigkeiten, das Ziel vieler

Wallfahrten. Tempelfeste sind am 8.-10. Sept. (Shiogawa Matsuri) und am

10. und 11. Okt. (Hauptfest, sehr sehenswert), außerdem kleinere am 10.

jeden Monats. -- Eine zweite Bahnlinie führt von Tadotsu über (5 km)

_Marugame_ (Gasthof _Tamagawa-rō_), Stadt mit Daimyōburgruine nahe dem

Bahnhof und kleinem Seehafen, nach

(32 km) =Takamatsu= (_Takamatsu Hotel_; Dampfer nach vielen Plätzen der

Binnenlandsee), Hafenstadt und Hauptstadt der Provinz Sanuki, mit 37430

Einw., Daimyōburgruine am Strand; in der südl. Vorstadt der schöne

Landschaftsgarten *_Kuri-bayashi Kōen_ mit phantastischen Kiefern.

Lohnender Ausflug auf den *_Yashimayama_ (etwa 4 km) an der Ostseite des

Hafens, ein Vorgebirge, wo im 12. Jahrh. eine große Seeschlacht zwischen

den Anhängern der Minamoto und Taira geschlagen wurde; eine Dampferfahrt

in 1 St. nach der idyllischen Bucht _Uchi no Umi_ auf der Insel

_Shōzu-(Shōdo-)Shima_ ist sehr empfehlenswert.

Der Hauptdampferweg führt um die Südküste der Insel _Shōzu-Shima_

herum in die _Harima Nada_ und durch diese mit nö. Kurs durch die

Meerenge _Akashi no Seto_ am Nordende der Insel _Awaji Shima_ in den

schönen _Golf von Ōsaka_ (Idzumi Nada) und dort längs der Küste von

Hondo zur Reede von _Kōbe_ (S. 361), 234 Seem. von Shimonoseki.

Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe.

=Eisenbahn.= Die _Sanyōbahn_ läßt von Shimonoseki nach Kōbe

tägl. einen Schnellzug laufen; er legt die Strecke von 350 km in

14-1/2 St. zurück; die Durchgangswagen haben elektrisches Licht und

Dampfheizung; Speisewagen in den Schnellzügen, Schlafwagen in den

Nachtzügen. In jedem Wagen ist ein »Boy« zur Bedienung der Reisenden.

--Die Reisenden I. und II. Kl. der Dampfer der _Nippon Yūsen

Kaisha_ können diese Bahn ohne Mehrkosten benutzen, wenn sie vorher

eine Austauschfahrkarte (interchangeable ticket) lösen. Dasselbe

Vorrecht genießen die Reisenden der Great Northern S. S. Co. und

Tōyō Kisen Kaisha zwischen Kōbe u. Nagasaki. [Hand] Man

gebe das Gepäck auf für die _Sannomiyastation_ in Kōbe und

beachte, ob man richtig verstanden ist!

Die Bahn folgt dem altberühmten _Tokkaido_, der »alten Heerstraße«,

durch das Hügelland des südl. Küstengebiets von _Chiogoku_, wie die

westl. Halbinsel von Hondo heißt. In Chiogoku, das

Mittelgebirgscharakter hat, fehlen jungvulkanische Gesteine fast

ganz.

Der Schnellzug (r. sitzen!) verläßt _Shimonoseki_ (S. 355) in nö.

Richtung, gegenüber _Dan-no-ura_, dem Orte der größten Seeschlacht in

den japanischen Geschlechterkämpfen 1185, wo Yoshitsune die bisher

allmächtigen Taira besiegte. Dann folgt (14 km) =Chōfu= oder

_Toyoura_ (Gasthof _Shin-ichi_), Grabstätte des Mikado Chū-ai

Tennō, gest. 201, dessen Frau Jingō Kōgō, die japanische

Semiramis, nach seinem Tode Korea erobert haben soll.--(69 km)

_Ogōri_; von hier erreicht man mit elektr. Bahn in 1-1/2 St. (11 km)

=Yamaguchi= (Gasthof _Fujimara_) mit Daimyō Mōri-Schloß und den

heißen Quellen von _Yuda_, Mittelpunkt des japanischen Christentums

gegen Ende des 16. Jahrh. Auf dem Hügel Kameyama ein Park mit

Reiterstatuen der Familie Mōri.--Dann (87 km) _Mitajiri_ (guter

Gasthof _Kashiwagi_ am Bahnhof), ein hübscher Hafenort, in dessen Nähe,

in _Miyaichi_ (Gasthof _Fujimura_, mit Rikscha zu erreichen), der

_Matsu-zaki-jinja_, ein berühmter Schrein des Gottes Tenjin auf

malerischem Hügel mit *Aussicht, liegt.--Die Bahn folgt nun der Küste,

führt über (114 km) _Tokuyama_ (Gasthof _Matsumasa_) mit Brikettfabrik

für die japanische Marine, zu dem malerischen Hafen (150 km) _Yanaitsu_,

dann immer dicht am Strande, zum Teil auf einem Damm und über den

Nishikigawa nach (183 km) _Iwakuni_ (Gasthof _Komehei_), lebhafter

Gewerbestadt mit schönem Park und Tempel, berühmt wegen der 230 m langen

und 24 m hohen seltsamen Bogenbrücke _Kintaikyō_, zuerst 1673 vom

Daimyō Kikkawa Motonobu erbaut und stets in alter Form erneuert.

(203 km) *=Miyajima= (_Mikado Hotel_, europäisch, Pens. etwa 8 Yen;

_Momiji Hotel_; Gasthof _Iwaso_; auf der Insel, mit Sampan in 20 Min.,

mit Dampfboot in 10 Min. zu erreichen), eine heilige Insel dicht am

Strand, auch _Itsukushima_ (d. h. heilige Insel) genannt, gehört zu den

_Sankei_ (den drei Hauptsehenswürdigkeiten Japans). [Hand] Von Kōbe

kann man auch mit Dampfer der Osaka-Shimonoseki-Linie der Osaka

Shōsen Kaisha in etwa 22 St. für I. Kl. 5,30, II. 3,15 Yen (jede

europäische Mahlzeit 1 Yen extra) die Fahrt hierher machen, die infolge

Anlaufens von elf kleinen Zwischenplätzen (darunter Takamatsu, Onomichi

und Kure) sehr lohnend ist.

=Miyajima= ist etwa 550 m hoch, felsig und dicht bewaldet, mit

prächtigen Aussichtspunkten und malerischen Tälern; viel zahme

Hirsche; Teehäuser und Fischerdörfer; früher durfte niemand auf der

Insel geboren werden oder sterben. Jetzt beliebte Sommerfrische mit

Seebad und Wallfahrtsplatz. Die *_Tempel_ der Insel sind meist den

drei Töchtern des (schintoistischen) Meergottes Susanoo geweiht,

weshalb die Torii (Tempeltore) und auch die Tempelanlagen vielfach

im Meere stehen. Der erste Tempel wurde im 6. Jahrh. erbaut. Die

Tempel sind sehr sehenswert, enthalten groteske Schnitzereien und

alte Bilder. Interessant ist das Anzünden aller Opferlaternen gegen

Abend (man bestelle es bei einem Bonzen für etwa 2-4 Yen). Die

große Tempelhalle _Senjōjiki_ auf einer Anhöhe l. vom Haupttempel

soll Hideyoshi aus einem einzigen Kampferbaum erbaut haben; sie

diente seinem Kriegsrat vor dem großen Seezug gegen Korea am Ende

des 16. Jahrh. In einem Tempel auf einem Berggipfel wird das von

Kōbō Daishi (S. 357) angezündete heilige Feuer gehütet.

Die Bahn fährt von Miyajima weiter längs der Küste;

(225 km) =Hiroshima= (Gasthöfe: _Kikkawa_; _Mizoguchi_, in beiden

europäisches Essen), Hauptstadt der Provinz Hiroshima, mit 121196

Einw., eine sehr lebhafte Gewerbestadt (für Lack, Bronze und andres

Kunsthandwerk) an der Mündung des Ōtagawa sehr malerisch gelegen;

Eisenbahn nach dem (5 km) Hafenort _Ujina_ (Gasthof _Naganuma_; Dampfer

3mal tägl. nach Takahama, S. 356). Rundfahrt durch die Stadt mit

Rikscha zunächst zum Landschaftspark *_Sentei_ des Asanogeschlechts,

in dessen Nähe ein fünfstöckiger Wartturm (tenshu) fast der einzige

Rest des alten Daimyōschlosses ist (Zutritt verboten); neben dem alten

Schloß liegt der Stadtpark Kōen mit der Tempelanlage _Nigi-tsu-Jinja_.

Überall sieht man das Wappen der Asano, zwei gekreuzte Falkenfedern,

nach dem auch der Hügel _Futabayama_ (oben schöne *Aussicht und kleine

Teehäuser) hinter dem Tempel benannt ist. -- Ausflug mit Dampfer nach

_Kure_ (Gasthof Miyoshi), etwa 8 Seem. ssö. von Ujina, einer wichtigen

Marinestation und Kriegswerft (Erlaubnis zur Besichtigung nur durch

den Marineminister zu erwirken); auf der kleinen Insel _Etajima_ die

kaiserliche Marineschule.

Hinter Hiroshima verläßt die Bahn die Küste und läuft durch gebirgiges

Land über (250 km) _Hachi-kon-matsu_ und (274 km) _Kōchi_, erreicht

dann die Küste wieder bei (296 km) _Mihara_ (Gasthof Go-un-rō),

Stadt mit Daimyōburgruine, und läuft längs der Meerenge, die die

vorgelagerte Insel _Mukōjima_ bildet, nach -- (307 km) =Onomichi=

(Gasthof _Hamakichi_; Dampfer nach Tadotsu tägl. in 3 St.), lebhaftem

Hafenplatz mit schönen alten Tempeln, deren schönste _Senkōji_ und

*_Saikokuji_ (auf dem Gipfel eines steilen Hügels, auf den eine schier

endlose Treppe führt; oben *Aussicht). -- Dann verläßt die Bahn

kurze Zeit die Küste und erreicht -- (328 km) =Fukuyama= (Gasthöfe:

_Kurisada_; _Yoshino-Kadan_, am Bahnhof, 7 Z., Pens. 3 Yen), Hauptstadt

der Provinz Bingo mit *_Daimyōburg_ (Besichtigung erlaubt); etwa 10 km

südl. liegt der malerische Hafen _Tomo_ (Gasthof _Marutsune_), geeignet

zu Bootsausflügen nach _Abuto_ (Tempel der Kwannon) und nach den Inseln

_Benten-jima_ und _Sensuitō_ (Seebad), gegenüber vom Kwannon-Tempel,

4,5 km westl. von Tomo. -- Weiterhin berührt die Bahn die Küste

nur bei (343 km) _Kasaoka_ und erreicht dann -- (386 km) =Okayama=

(Gasthöfe: _Miyoshi-Kadan_, nahe beim Bahnhof; _Jiyūsha_; Zweigbahn

nach _Tsuyama_), Hauptstadt der Provinz Bizen, mit 81025 Einw.; neben

dem alten, jetzt als Schule benutzten Daimyōschloß (die »Rabenburg«)

der weitberühmte Garten *_Kōraku-en_, eine echt altjapanische Anlage

mit Hügeln, Seen, zahmen Kranichen, Brücken und Pavillons; Gymnasium

(Kōtōgakkō), Medizinschule und das größte Waisenhaus Japans.

=Ausflug= von _Samban_, dem Hafenort für Okayama (3 km südl.), mit

Dampfer in 1-1/2 St., dazu 1/2 St. Bootsfahrt nach der großen Insel

_Shōdoshima_, wo man einen Tag zubringt, um mit Rikscha und zu

Fuß einige der 88 heiligen Plätze der Insel, z. B. die Felsen von

_Kankake_, den Wasserfall _Nishi no taki_, die Höhle der Göttin

Beuten in _Gōtō_, zu besuchen. Auskunft und Führer besorgt

die Agentur der Dampfer (funa-donya) an der Landungsbrücke.

Gelegenheit zum Übernachten in den Hauptorten _Tonoshō_ und

_Fuchizaki_.--Über _Uchi no Umi_ vgl. S. 358.

Hinter Okayama bleibt die Bahn der Küste fern und führt über

unbedeutende Plätze durch bergige Landschaft nach--(475 km) =Himeji=

(Gasthof _Akamatsu_; europ. Speisehaus: _Daishika_; _Toyo_, Bierhalle;

Zweigbahn nach _Ikuno_, mit Silberminen, und nach den heißen Quellen von

_Kinosaki_, auch _Yushima_ genannt [Gasthof Ōmeikan], schöne

Sommerfrische), Hauptstadt der Provinz Harima mit 36509 Einw. und

lebhaftem Handel; sehenswerte *_Daimyōburg Rojō_, vorzüglich

erhalten, fünfstöckig, oben *Aussicht (Erlaubnis zum Besuch beim

Kenchō, Präfektur, in Himeji oder Kōbe vorher einholen), gegründet

1339 von _Akamatsu Sadanori_, geschichtlich berühmt, jetzt Kaserne einer

Division.--Hinter Himeji ist bei (483 km) _Sone_ (_Amida_) Gelegenheit

zu Ausflügen mit Rikscha nach den Stranddörfern _Sone_ und _Takasago_

(Gasthof _Shikataya_); in der Nähe die sehr alten, heiligen Kiefern

_Ai-oi no Matsu_ (die »zusammenwachsenden Kiefern«, als Symbole der

Langlebigkeit und der ehelichen Treue in der japanischen Poesie oft

genannt) und andre in Literatur oder Geschichte berühmte Örtlichkeiten

(z. B. das Tal _Ichi-no-tani_, wo 1184 große Schlacht zwischen den

Minamoto und Taira) sowie ein Tenjintempel; man erreicht nach kurzer

Rundfahrt die Bahn wieder bei (491 km) _Kakogawa_. Nun nähert sich die

Bahn der Küste und erreicht sie bei (511 km) _Akashi_ (Gasthof

_Yebisuya_; europ. Speisehaus: _Jiyūtei-Restaurant_), mit hübschem

Shintōtempel zu Ehren des alten Dichters Hitomaro und großer

Daimyōburgruine, auch Nullmeridian für die japanische Zeit.--Dann

folgen die hübschen Seebäder (515 km) _Maiko_ (Gasthof Manki-rō);

(520 km) _Shioya_ (Oriental's Seaside Villa) und (523 km) _Suma_

(Gasthof Hoyōin), wo viele Europäer aus Kōbe Sommerwohnung

haben.--Nun folgen die Vorstadt (525 km) _Takatori_, dann (528 km)

_Hyōgo_ und _Kōbe-Hauptbahnhof_ und schließlich (530 km) Bahnhof

_Sannomiya_ von Kōbe.

Kōbe-Hyōgo.

Vgl. beifolgenden Plan.

=Ankunft zur See.= Von _Shimonoseki_ durch die Binnenlandsee

kommend, vgl. S. 356; von _Schanghai_ außen herum vgl. S. 347. In

die Linschotenstraße steuert man mit südlichem Kurs hinein, wobei

das hohe Kap _Murotosaki_ und die bergige Landspitze _Hi no Misaki_

(mit Leuchtturm) die besten Landmarken sind. Weiter innen erkennt

man bald die scharfen Gipfel von _Numashima_, _Tomagashima_ und die

Kuppe des _Takayama_, des höchsten Berges im südlichen Teile der

Insel Awaji. Durch die mit zwei Inseln besetzte _Izumistraße_

(_Tomagashima suido_) steuert man dann in die _Izumi Nada_ (den

_Golf von Ōsaka_) ein und ankert nach kaum 2 St. auf der schönen

malerischen Reede von =Kōbe=, hinter deren flachen Küste sich

die bis 914 m hohen Berge erheben. Ausschiffung mit Dampfbooten der

Schiffsagenturen oder Hotels 1-2stündl. frei oder mit Sampan, etwa

20-50 sen für eine Person je nach Entfernung (Tarif auf Tafel der

Landungsbrücke). Zolldurchsicht (S. 349) für Schiffsreisende, die

aus dem Auslande kommen, im Zollamt der _East Hatoba_ (östl.

Bootshafen) beim Fremdenviertel.

=Gasthöfe=: _Tor Hotel_ (deutscher Leiter), Prachtbau I. Ranges,

auf dem Hügel schön gelegen, Garten, Pens. von 8 Yen an; sehr zu

empfehlen, Auto zur Stadt frei. -- _Oriental_, Kyō-Machi 80

(Neubau am Bund), Pens. von 8 Yen an. -- _Mikado_, in der Nähe des

Kōbe-Bahnhofs, 15 Min. Rikschafahrt von der

Fremdenniederlassung, II. Ranges; ebenso _Pleasanton_, _California_

u. a. -- =Restaurants=: _Grill Room_ im Oriental Hotel sowie bei

Sannomiya und Kōbe-Station; japanisch: _Nishimura_, Gotō. --

_Tokiwa-Kadan_, beim Kōbe-Bahnhof, oder _Nishi-Tokiwa_, beim

Suwayama, Teehäuser für japanische Gastmahlzeit mit Tanz

(vorauszubestellen, teuer).

=Post= (_Sannomiya Postoffice_) in der Fremdenniederlassung Nr. 33.

-- =Telegraph= neben der Sannomiya-Bahnstation (s. oben). --

=Rikschas= 1 St. 25 sen mit 1 Kuli, 50 sen mit 2 Kulis; jede Stunde

mehr 20 sen, für 2 Kulis doppelt; 1/2 Tag 1 Yen, 1 Tag 1,50 Yen;

bei Dunkelheit 20 Proz., bei Regenwetter 30 Proz. mehr; innerhalb

der Stadt kleinere Taxe, für die man an den Bahnhofsausgängen

Tickets lösen kann.

=Wagen= (Mikado Hotel): Einspänner 1/2 Tag 3 Yen, 1 Tag 5 Yen;

Zweispänner (3-4 Pers.) 1/2 Tag 5 Yen, 1 Tag 9 Yen.

=Elektrische Stadtbahn= vom Bahnhof Hyōgo nach Kōbe am

Settlement vorbei; vom Hyōgo-Bahnhof nach Suma, alle 5-10 Min.

=Eisenbahnen=: Hauptbahnhof am Südende der Stadt, nahe bei

Hyōgo; für die Fremdenniederlassung ist der Bahnhof _Sannomiya_

am nächsten, weshalb man Fahrkarte stets nach dieser Station lösen

soll. Von Kōbe fährt die Sanyōbahn nach _Shimonoseki_ (S.

355), die Tōkaidōstaatsbahn nach _Tōkyō_ (S. 393).

=Dampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ (Agentur H.

Ahrens & Co. Nachf., Bund Nr. 10, Tel.-Adresse »Nordlloyd«),

14tägig mit Dampfer der Europa-Linie über Nagasaki oder Tsingtau

nach Europa sowie nach Yokohama; mit Dampfer der

Austral-Japan-Linie jede 4. Woche nach Australien über Hongkong,

Manila und Neuguinea, oder nach Yokohama. -- _Hamburg-Amerika

Linie_ (Agentur C. Illies & Co.). -- _Österreichischer Lloyd_

(Agentur Samuel, Samuel & Co.), monatl. nach Schanghai. --

_Messageries Maritimes_ (Agentur G. Abily, Mayemachi Nr. 8),

14tägig nach Yokohama und Europa über Schanghai.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 52 / 63 段