=Sprache.= Die japanische Schrift- und Umgangssprache ist aus einem

heimischen Idiom, der _Yamato-Kotoba_, durch Beimischung vieler

chinesischer Lehnwörter (in verdorbener Aussprache) hervorgegangen,

ähnlich wie das moderne Englisch aus dem Angelsächsischen unter

Beimischung normannisch-französischer Bestandteile entstanden ist.

Die Japaner bedienen sich zum Schreiben der chinesischen

Wortzeichen (ji, kanji), haben diese aber durch eine eigene

Silbenschrift (_Kana_, zwei Systeme, aus chinesischen Zeichen

abgeleitet) ergänzt. Die in den letzten Jahrzehnten wiederholt

aufgetretenen Bestrebungen zugunsten der Einführung der

europäischen (lateinischen) Schrift haben bislang wenig Erfolg

aufzuweisen.-- Auch wer nur wenige Wochen in Japan zubringt, sollte

sich die Mühe geben, einige Redensarten zu lernen, um außerhalb der

großen Städte sich verständlich zu machen. Für längern Aufenthalt

sind einige, übrigens leicht zu erwerbende Sprachkenntnisse

unbedingt nötig. Zu empfehlen hierfür sind _Plauts Japanische

Konversations-Grammatik_ (Heidelberg 1904), _Der kleine

Toussaint-Langenscheidt, Japanisch_ (Berlin 1910) sowie die

englischen _Kelly und Walsh's Handbooks_ im Taschenformat.

Grammatiken gibt es von _J. Hoffmann_ (1877, veraltet); _B. H.

Chamberlain_, A Handbook of Colloquial Japanese, 1908; _Lange_ (2.

Aufl., Berl. 1906); Wörterbücher von _Hepburn_ (1886), _Brinckley_

(1896), _Jukichi Inouye_ (1909) und viele andre kleine, auch

japanisch-deutsche Wörterbücher, meist wenig befriedigend.

=Wirtschaftsleben.= Die Grundlage der japanischen Volkswirtschaft

bildet der _=Ackerbau=_, und zwar im Klein- und Zwergbetrieb. 41

Proz. der Bodenfläche dienen ihm. Hauptfrucht ist der _Reis_,

dessen Kultur durch die reichlichen Frühsommerregen und die

darauffolgende Hitze sehr begünstigt wird. Außerdem baut man

Getreide und Bohnen, Obst und Südfrüchte, allerlei

Industriepflanzen (Baumwolle, Papiermaulbeerbaum, Indigo etc.).

Wichtig ist die Kultur des Teestrauches und des Maulbeerbaumes zur

Zucht der Seidenraupe. -- Die _=Viehzucht=_ nimmt zwar neuerdings

rasch zu, ist aber noch gering, und man bekommt nur wenig frische

Milch und Fleisch zu kaufen. -- Die _=Waldbestände=_ Japans sind

noch sehr groß und reich an Steineichen, Tschujabäumen,

Kampferbäumen und Kryptomerien. Ein neues Forstgesetz steuert dem

frühern Raubbau. -- Der _=Bergbau=_ fördert vor allem Kupfer,

außerdem Gold, Silber, Eisen, Schwefel, Steinkohlen u. a. Auch

Petroleum wird gewonnen. -- Die _=Fischerei=_, besonders die

Seefischerei, ist wichtig für die Volksernährung. -- Die _=Jagd=_

spielt keine Rolle. -- Die _=Industrie=_ blühte, solange Japan nach

außen abgeschlossen war, hauptsächlich als Kunsthandwerk.

Massenproduktion und Großindustrie haben sich aber seit der Öffnung

des Landes dank der Gelehrigkeit der Japaner und dem unüberlegten

Entgegenkommen der Weißen rasch entwickelt, und Japan strebt in

vielen Industeriezweigen jetzt schon nach Selbständigkeit. Die

Herstellung von Seiden- und Baumwollenstoffen, Porzellan, Lackwaren,

Stahl- und Kupferarbeiten steht in hoher Blüte. Die

Hauptfabrikstädte sind Tōkyō, Kyōto, Hyōgo, Nagasaki,

Kanazawa, Nagoya und Ōsaka. -- _=Handel.=_ Dem fremden Verkehr

geöffnete Vertragshäfen sind Yokohama, Nagasaki, Hakodate, Niigata,

Hyōgo (Kobe) und Osaka, wo fremde Konsulate bestehen.

Haupteinfuhrartikel: Baumwolle, Ölkuchen, Reis, Zucker, Petroleum,

Wollengewebe, Eisenwaren, Maschinen etc., in Summa 1909: 394,2

Mill. Yen; Hauptausfuhrartikel: Rohseide und Seidenwaren,

Baumwollengarn, Baumwollwaren, Kohlen, Kupfer, Tee etc., in Summa

1909: 413,1 Mill. Yen. Der Haupthandelsverkehr geht nach

Großbritannien, Britisch-Indien, den Vereinigten Staaten, China,

Deutschland etc.

=Münzwesen.= In Japan besteht seit 1897 Goldwährung, doch bekommt

man Goldmünzen selten zu sehen; _1 Yen_ (Gold) hat 100 _sen_; _1

sen_ hat _10 rin_. 1 Yen nach Berliner Kurswert ungefähr 2,09 M. Im

Verkehr sind an Goldmünzen: 20, 10 u. 5 Yen; Silbermünzen: 50, 20,

10 sen; Nickelmünzen: 5 sen; Kupfermünzen: 2, 1, 1/2 sen.

Papiergeld (viel im Umlauf) 1, 5, 10, 100 Yen und größere Scheine.

Falsches Geld ist selten. Bei Reisen über Land fern von großen

Städten nehme man hauptsächlich Papiergeld mit, aber nicht größere

Scheine als 10 Yen, weil das Wechseln in kleinern Städten oft sehr

schwierig ist. Fremde Banknoten kann man nur bei Bankgeschäften und

Geldwechslern in Nagasaki, Kōbe und Yokohama wechseln.

=Staatsverfassung.= Japan ist seit 11. Febr. 1889 eine

konstitutionelle erbliche Monarchie, deren

Haupt »Tennō« (veralteter Name Mikado) in Tōkyō residiert.

Der Kaiser hat die Entscheidung über Organisation des Heeres, der

Flotte und der Zivilverwaltung und übt mit den zehn Ministern und

einem Geheimen Rat (_Sūmitsu-in_) die vollstreckende Gewalt aus.

Der Landtag (_Kokkai_) besteht aus einem Herrenhaus (_Kizoku-in_)

und einem Abgeordnetenhaus (_Shūgi-in_). Das Herrenhaus (364

Mitglieder) bestand im Dezember 1910 aus 200 Mitgliedern des Adels

(von ihren Standesgenossen gewählt), nämlich 14 Prinzen von Geblüt,

13 Fürsten, 30 Marquis, 17 Grafen, 70 Vicomtes, 56 Baronen, ferner

121 vom Kaiser Ernannten und 43 Vertretern der höchsten

Steuerzahler. Das Abgeordnetenhaus zählt 379 Mitglieder, die

bezirksweise von allen männlichen Untertanen, die wenigstens 10 Yen

Steuern zahlen, öffentlich zu wählen sind. Nicht wählbar sind

Offiziere, Priester und die meisten Beamten. Die Landtagsmitglieder

erhalten Diäten (2000 Yen pro Jahr).--In der Verwaltung bestehen

Tōkyō, Osaka und Kyōto als Großstadtbezirke (Fu), außerdem

43 Landbezirke (Ken) unter Gouverneuren (Hokkaidō und Ōkinawa

nicht eingeschlossen); diese Bezirke zerfielen Ende 1908 in 538 Gun

oder Kōri (Kreise) mit 61 Städten, 1140 Landstädtchen (Flecken)

und 10751 Dörfern. Die Namen der frühern Provinzen sind jedoch noch

vielfach in Gebrauch.-- Die Rechtspflege (früher willkürlich und

grausam) ist jetzt nach europäischen Rechtsgrundsätzen umgestaltet.

Die Richter werden vom Kaiser oder vom Justizminister ernannt und

sind unabsetzbar.

_=Heer und Flotte.=_ Der Kriegsdienst war früher ein Vorrecht der

Samurai, seit 1889 besteht allgemeine Wehrpflicht nach deutschem

Muster; das Oberkommando führt der Kaiser, Bewaffnung nach

europäischem Muster. Stärke der japanischen Armee 1911: 9820

Offiziere im Frieden, wozu im Krieg 12200 Reserve- und

Landwehroffiziere treten; 255000 Mannschaften im Frieden, 740000 im

Krieg außer Reserveformationen; 24000 Pferde (Kriegsstärke nicht

bekannt); 990 Feldgeschütze im Frieden, Kriegsstärke etwa

1400.--Die vorzügliche Flotte verfügte 1911 über 13 Linienschiffe,

13 Panzerkreuzer, 2 Küstenpanzerschiffe, 12 geschützte Kreuzer, 4

Avisos, 58 Torpedobootszerstörer, 69 Torpedoboote, 12

Unterseeboote; im Bau waren noch 3 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer,

3 geschützte Kreuzer. Personal der Flotte 48000 Mann. Heer und

Flotte haben ihre offensive Kraft im Kriege gegen Rußland bewährt.

=Geschichte.= Von den ältesten Bewohnern Japans haben sich

nur geringe Spuren in Form von Wohngruben erhalten. Jünger sind

schon die Ainu, Verwandte der weißen Rasse, die mindestens ganz

Hokkaido bewohnten, bis sie durch Einwanderer mongolischer

Rasse, die von Korea herüberkamen, zurückgedrängt wurden. Die

politische Einigung erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durch _Jimmu

Tennō_, den Stammvater des heute noch regierenden Herrscherhauses.

Der Tennō wurde unumschränkter Herrscher, die Provinzen wurden

von Statthaltern verwaltet; Hauptstadt war 719-784 Nara,

794-1868 Kyōto. Der Mikado, mit dem chinesischen Titel »Tenshi«

(Himmelssohn) und »Tennō« (himmlischer Herrscher), überließ

aber allmählich die Regierungsgeschäfte ganz seinen Beamten und

zog sich von der Öffentlichkeit zurück, so daß die Macht der

Statthalter wuchs, die vielfach untereinander kämpften; seit dem

12. Jahrh. verwüsteten Bürgerkriege fünf Jahrhunderte das Land,

der Kaiser wurde Spielball der Parteien. Gegen Ende des 12.

Jahrh. vereinigte _Yoritomo_ aus der Minamotofamilie die gesamte

Zivil- und Militärgewalt in seiner Hand (Sitz in Kamakura), ließ

sich vom machtlosen Mikado 1186 zum Polizeiminister, 1192 zum

Sei-i-tai Shōgun (der die Barbaren besiegende große Feldherr)

machen; diese Würde des Shōgunats blieb erblich. Aber nach

Yoritomos Tod wiederholte sich am Hofe des Shōguns wie vorher am

Hofe des Mikado die Erscheinung des Hausmeiertums, die Shikken

(die ersten Beamten der Shōgune) rissen die Macht an sich.

Erst im 14. Jahrh. gelang es _Ashikaga Takauji_, das mächtige

Shōgunat der Ashikaga zu begründen, das von 1335-1573 dauerte; der

Mikado war nur Schattenkaiser. Gegen Ende des 15. Jahrh. bildete

sich unter den Territorialfürsten, den _Daimyō_, ein starker

Kriegsadel (Buke), der die Ursache vieler Bürgerkriege wurde.

In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. gelang es _Ōta Nobunaga_ und

_Toyotomi Hideyoshi_, die Ruhe im Lande herzustellen, die Macht

des letzten Ashikaga-Shōgun und den Übermut der buddhistischen

Bonzen zu brechen. Spätere Fehden zwischen den Daimyō endeten

mit der Schlacht bei Sekigahara 1600; der Sieger, _Tokugawa

Ieyasu_, begründete das Shōgunat der Tokugawa, das bis 1868

bestand. Fortan lag der Schwerpunkt der japanischen Politik in

Yedo (jetzt Tōkyō), wo die Tokugawa-Shōgune regierten. Unter

der Herrschaft der Tokugawa entwickelte sich die japanische

Kultur in langem Frieden zu hoher Blüte, die Stände nahmen die

S. 339 gegebenen Formen an. Aber das Drängen der fremden Mächte

auf Öffnung des Handels mit dem bisher gänzlich abgeschlossenen

Japan wurde für die Shōgune verhängnisvoll; nach Abschluß der

Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und den europäischen

Mächten (1854-61) verlangten die Gegner des unfähigen Shōguns

Iesada die Vertreibung der fremden Barbaren und versicherten sich

dabei der Zustimmung des Mikado. Gewaltakte der Daimyō von Satsuma

und von Chōshū wurden 1864 durch die Beschießung von Kagoshima

durch eine englische Flotte und von Shimonoseki durch eine

englisch-französisch-holländisch-amerikanische Flotte gerächt,

wobei die Daimyō ihre Machtlosigkeit gegen die fremden Barbaren

erkannten, aber nun erst recht alle Mittel anwandten, um die alte

Mikadoherrschaft wiederherzustellen. Am 9. Nov. 1867 gab der

letzte Shōgun freiwillig seine Gewalt dem damals kaum 15jährigen

Mikado Mutsuhito zurück. Nun richtete der Mikado am 6. Nov. 1868

eine moderne Regierung, die Periode der Erleuchteten Regierung

(Meiji) ein, nach der seitdem die Jahre amtlich gezählt werden,

also 1912 = 45. Jahr Meiji; am 26. Nov. 1868 verlegte der Mikado

seine Residenz von Kyōto nach Yedo, das seitdem Tōkyō (Hauptstadt

des Ostens) heißt. Aus dem bisherigen mittelalterlichen

Feudalstaat ging ein neuzeitlicher Beamtenstaat mit monarchischer

Spitze hervor. Die alte Ständeordnung wurde aufgehoben, der

Adel reformiert, Eisenbahnen, Telegraphen, Dampferlinien wurden

begründet, Heer und Flotte europäisch bewaffnet und geschult,

Schulzwang eingeführt, Universität und wissenschaftliche

Institute wurden begründet. Unzufrieden waren nur die 400000

Samuraifamilien, die die Aufhebung ihrer Privilegien, besonders

des Schwertertragens, als persönliche Schmach empfanden, und

die, ebenso wie die großen Daimyō, mit 10 Proz. ihrer frühern

Einkünfte abgefunden wurden. So entstanden mehrere Aufstände,

deren gefährlichster, der Satsuma-Aufstand 1877, unter dem

tapfern _Saigō Takamori_, erst nach 8 Monaten unterdrückt werden

konnte und die Staatsfinanzen gänzlich erschöpfte. Um den

Samurai Mitwirkung bei der Regierung zu gewähren, wurde 1889

das japanische Parlament eingerichtet und 1890 zuerst eröffnet.

Noch bessere Gelegenheit, die Unzufriedenheit der patriotischen

Samurai zu beheben, boten die siegreichen Kriege gegen China 1894

und 1900 sowie besonders gegen Rußland 1904, die für Japan großen

Gebietszuwachs (Formosa, Korea, Sachalin, Kwangtunghalbinsel mit

Port Arthur und Dalni) brachten. Seit dem Abschluß des Bündnisses

mit England (am 30. Jan. 1902) rechnet Japan zu den Großmächten;

durch den Sieg über Rußland ist Japans politische Bedeutung als

ostasiatische Vormacht zur vollsten Geltung gelangt.

Die =Literatur= enthält Arbeiten über Reichsgeschichte, große

Enzyklopädien, Länderbeschreibungen etc. und erzeugt

geschichtliche, moralische, geographische Werke, Gedichte, Romane

und Novellen, Schauspiele etc. in Menge, zum Teil illustriert. Vgl.

_K. Florenz_, Geschichte der japanischen Literatur (Leipzig, 2

Bände, 2. Aufl. 1910); _Aston_, Japanese Literature, London 1899;

_B. H. Chamberlain_, Japanese Poetry, London 1910; _K. Florenz_,

Dichtergrüße aus dem Osten; Weißaster, ein Epos; Japanische Dramen

(sämtlich Leipzig, Amelangs Verlag, illustriert und in Japan

hergestellt).-- _=Zeitungen=_: Die erste Tageszeitung erschien

1872; 1900 betrug die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften 944. Es

besteht nominell Preßfreiheit, doch sind die Gesetze sehr streng

und gestatten leicht die Unterdrückung einer Zeitschrift.

* * * * *

=Reisepläne für Japan.= _=Auf 14 Tage.=_ 1. Tag: Kōbe; 2. Tag:

Nara; 3. u. 4. Tag: Kyōto; 5. Tag: Bahnfahrt über Nágoya nach

Miyanóshita; 6. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 7. Tag: Bahnfahrt

über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 8. Tag: Bahnfahrt über

Tōkyō nach Nikkō; 9. Tag: Nikkō; 10. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō;

11. u. 12. Tag: Tōkyō; 13. u. 14. Tag: Yokohama. Bei sehr knapper

Zeit mag man auf Osaka und Kōbe verzichten und für Yokohama nur

1 Tag ansetzen. Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse besorge man

in Kyōto und Tōkyō.

_=Auf 3 Wochen.=_ 1. Tag: Nagasaki; 2. Tag: Bahnfahrt u. Fähre nach

Shimonoseki; 3. Tag: Bahnfahrt nach Kōbe mit Unterbrechung in

Miyajima (oder 2. u. 3. Tag Dampferfahrt durch die Binnenlandsee

nach Kōbe); 4. Tag: Hyōgo u. Kōbe; 5. Tag: Ōsaka; 6. Tag: Nara;

7. u. 8. Tag: Kyōto; 9. Tag: Biwasee und Stromschnellen; 10. Tag:

Bahnfahrt nach Nagoya; 11. u. 12. Tag: Miyanóshita und Hakonesee;

13. Tag: Bahnfahrt über Enóshima u. Kamákura nach Yokohama; 14.

Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 15. u. 16. Tag: Nikkō; 17. Tag:

Bahnfahrt nach Tōkyō; 18. u. 19. Tag: Tōkyō; 20. u. 21. Tag:

Yokohama.

_=Auf 4 Wochen=_: 1. u. 2. Tag: Nagasaki; 3. u. 4. Tag: Fahrt nach

Kōbe (s. vorher), 1/2 Tag in Miyajima; 5. u. 6. Tag: Hyōgo und

Kōbe; 7. Tag: Ōsaka; 8. Tag: Nara; 9. u. 10. Tag: Kyōto; 11. Tag:

Biwasee u. Stromschnellen; 12. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 13. u.

14. Tag: Miyanóshita u. Hakonesee; 15. Tag: Bahnfahrt über Enóshima

und Kamákura nach Yokohama; 16. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 17. u.

18. Tag: Nikkō; 19. Tag: Chuzenjisee; 20. Tag: Bahnfahrt nach

Maebashi und Pferdebahn nach Ikao; 21. Tag: Ikao; 22. Tag: zu Fuß

nach Harunasee und Haruna; 23. Tag: zu Fuß nach Myōgi und Bahnfahrt

nach Tōkyō; 24., 25. u. 26. Tag: Tōkyō; 27. u. 28. Tag: Yokohama.

_=Auf 5 Wochen=_: wie vorher, nach dem 14. Tage schalte man eine

Besteigung des Fuji mit Fußwanderungen in dessen Umgebung ein, wozu

7 Tage bequem ausreichen.

=Reisezeit.= Um Japan mit Ruhe kennen zu lernen, empfiehlt sich ein

Aufenthalt von mehreren Monaten. _=Beste Reisezeit=_ für Japan ist

der Frühling, die Zeit der Kirschblüte, oder der Spätherbst von

Mitte Oktober bis Mitte Dezember, die Zeit der Chrysanthemumblüte.

Sommer und Spätsommer sind regnerisch, ersterer auch heiß. Des

Seeklimas wegen muß man auch im Spätfrühling zwischen wunderbar

schönen Tagen noch mit stürmischem und regnerischem Wetter rechnen.

Ins Hochgebirge gehe man nicht vor Mai. Februar und März sind am

wenigsten zu empfehlen.

=Führer.= Wer nur wenige Wochen für Japan Zeit hat, sollte sich, um

möglichst viel zu sehen, für die ganze Zeit einen Führer nehmen;

Vermittelung von Führern (auch Deutsch sprechenden) durch die

Hotels oder die Welcome Society of Japan (s. unten). Man bestellt

den Führer an den ersten Ort, an dem man Japan betritt.-- Führer

tägl. etwa 4 Yen (außer der Fahrt). Gasthofspreise 8-10 Yen tägl.;

Vorausbestellung von Zimmern in der Reisezeit ratsam.

=Welcome Society of Japan= (_Kihin kai_), eine vornehme

Gesellschaft zur Unterstützung des Fremdenverkehrs, begründet 1893,

mit der Präsidialstelle in Tōkyō (Adresse Tōkyō-Handelskammer,

Nr. 1, Itchome, Yuraka-cho, Kojimachi-ku) und Zweigstellen in

Yokohama und Kōbe (Präsident Marquis Hachisuka, Vizepräsident

Baron E. Shibusawa) nimmt fremde Reisende gegen 3 Yen Gebühr als

Mitglieder auf und gibt mit der Mitgliedskarte eine Karte, das

vorzügliche Reisebuch »Guidebook of Japan« (5. Aufl. 1910) und

andre Veröffentlichungen in englischer Sprache aus. Die

Mitgliedschaft erwirkt Zutritt zu manchen Sehenswürdigkeiten,

Behörden und Unterrichtsanstalten in Tōkyō, Kyōto etc., die

Nichtmitgliedern unzugänglich sind. Für längern Aufenthalt

empfiehlt es sich sehr, der Gesellschaft beizutreten. Die

Gesellschaft verschafft auch zuverlässige Führer, Dolmetscher

und gut erzogene japanische Gesellschafterinnen für reisende Damen.

=Gasthöfe.= In allen größern Städten gibt es europäisch

eingerichtete Hotels (Pensionspreis tägl. 4-10 Yen und mehr). In

kleinern Landstädten findet man halb europäische oder sehr gute

japanische Gasthöfe, meist sehr sauber, oft mit etwas europäischer

Kost. Im japanischen Gasthof zahlt man 1-3 Yen für Abendbrot,

Schlafraum und Frühstück; es ist üblich, kurz nach Ankunft im

japanischen Gasthof 1-2 Yen Trinkgeld (chadai = Teegeld) zu geben,

wonach der Gast eingeschätzt wird. Auch in _Rasthäusern_, einfachen

Häuschen oder Hütten an schönen Landschaftspunkten, zahlt man etwas

chadai, z. B. für eine Schale Tee 10-20 sen.

=Verkehrsmittel.= Die _=japanischen Eisenbahnen=_ sind ordentlich;

das Bahnnetz besteht zwar aus Schmalspurbahnen, ist aber

weitverzweigt (8000 km Länge, fast alles Staatsbahnen), so daß man

alle sehenswerten Orte mit der Bahn oder im Anschluß an die Bahn

mit Dampfern erreichen kann. Man kaufe stets den monatl.

erscheinenden _Tedzuka's Railway and Steamship Guide_ (30 sen); in

den großen Städten geben die Touristenagenturen oder Gasthöfe

europäisch gedruckte (aber häufig falsche) Fahrpläne heraus. --

_=Eisenbahnzeit=_ ist die Zeit des 135.° östl. L., mithin 8 St. vor

gegen Mitteleuropäische Zeit; sie gilt für ganz Japan. --

_=Fahrkarten=_ der _Tōkaidōbahn_, der _Sanyō-_ und der

_Kwansei-Eisenbahn_ gelten für 50-100 Miles 2 Tage, darüber für

je 100 Miles einen Tag länger; Fahrpreis I. Kl. etwa 4 sen für 1

Mile. Verkehrssteuerzuschlag (_Tsūkō-zei_) zu den Fahrpreisen

I. (II.) Kl. bis 50 Miles 5 (3), bis 100 Miles 20 (10), bis 200

Miles 40 (20), über 200 Miles 50 (25) sen; Schnellzugzuschlag bei

den Hauptschnellzügen I. Kl. bis 50 Miles 1 Yen, über 150 Miles

1,50 Yen; II. Kl. 60 sen und 1 Yen. Europäer fahren meist I. Kl.;

in II. Kl. hat man oft Gelegenheit, japanische Sitten genauer

kennen zu lernen, was aber, wenn die Hitze groß und Kinder im

Abteil, nicht immer nach jedermanns Geschmack ist. Abteile für

Nichtraucher sind selten vorhanden. -- _=Schlafwagen=_ (mäßig)

findet man nur in den Schnellzügen der Sanyōeisenbahn, der

Tōkaidōbahn und der Nihonbahn (Tōkyō nach Aomori). Auf der Sanyō-

und Tōkaidōbahn kostet im gewöhnlichen Schlafwagen ein Bett für

die Nacht 4 Yen außer der I. Klasse-Fahrkarte, im kombinierten

I. Klasse- und Schlafwagen auf der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn

3 Yen; auf der Sanyōbahn im kombinierten II. Klasse- und Schlafwagen

wird für ein Unterbett 20 sen, für ein Oberbett 40 sen als Zuschlag

zur Fahrkarte II. Kl. erhoben. Schlafwagenbillette möglichst 2-3

St. vor Abfahrt bestellen! -- _=Speisewagen=_ führen die

Schnellzüge der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn, Speisen à la carte

oder Table d'hôte sowie Getränke. Auf der Kwanseibahn sind zwischen

Osaka und Nagoya Verkäufer europäischer Gerichte und Getränke im

Zuge. Wenn kein Speisewagen im Zuge ist (man erkundige sich), geben

die Gasthöfe gute Proviantschachteln mit. -- _=Bahnwirtschaften=_

europäischer Art nur in _Kameyama_; aber fast auf jedem Bahnhof

sind Verkäufer von Lebensmitteln in saubern kleinen Holzschachteln

(10 sen und mehr; »bentō« genannt) mit Papierserviette, Eßstäbchen

und Holzlöffel; man erhält eingemachte Früchte, gesalzene Fische,

Wurzelgemüse, Reis. Flaschenbier (teuer), Tee und Limonade (man

hüte sich vor Eiswasser!) sind überall zu haben. -- _=Gepäck=_ bis

100 Pfund in I., 60 in II. ist frei, Überfracht nach Taxe; man

achte darauf, daß das Gepäck mit dem richtigen Zettel versehen und

der Zettel gut festklebt! Auch auf dem Ankunftsbahnhof kümmere man

sich um sein Gepäck! Gepäckträger haben rote Mützen (daher

_akabōshi_ genannt).

Neben den Eisenbahnen ist die sehr gut ausgebildete

_=Küstenschiffahrt=_ das Hauptverkehrsmittel. Auf den

_=Landstraßen=_ kommt man mit Hilfe der von Kulis gezogenen

_=Rikschas=_ auf ebenem Gelände überraschend schnell vorwärts.

=Feiertage= für alle Ämter, Banken, Schulen etc. sind: 1.,

3., 5. Jan.: Neujahrsfest (Shiunen Shuku-jitsu); 30. Jan.:

Todestag des verstorbenen Kaisers (Kōmei Tennō-sai); 11. Febr.:

Thronbesteigung des ersten Kaisers Jimmu Tennō (Kigen-sétsu); 21.

März: Frühlingsgleiche (Shunki Kōrei-sai); 3. April: Todestag von

Jimmu Tennō (Jimmu Tennō-sai); 23. Sept.: Herbstgleiche (Shūki

Kōrei-sai); 17. Okt.: Herbstdankesfest (Kanname-matsuri); 3.

Nov.: Kaisers Geburtstag (Tenchō-setsu); 23. Nov.: Herbstfest

(Niiname-matsuri). Ortsfeiertage sind später erwähnt.

=Reisen in Japan.= Reisezeit s. S. 345. Für den Sommer braucht man

leichte Kleidung, für den Winter warme wie in Deutschland;

Tropenhelm, Sonnenschirm und Moskitoschleier sind im Sommer zu

gebrauchen. Die Gasthäuser im Innern Japans haben selten Heizung.

Leichtes Schuhzeug in den Ortschaften, und nur solches, das man

schnell und bequem aus- und anziehen kann (also nicht zum Schnüren),

weil man bei jedem Besuch eines Hauses oder Tempels die Schuhe

ausziehen muß, um die japanischen Sitzmatten nicht schmutzig zu

machen. Man würde einen groben Verstoß begehen und sich

Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn man diese Sitte nicht beachtet.

Die japanischen Strohsandalen sind empfehlenswert auf glattem

Gestein; doch muß man die dazu passenden Socken tragen und den

Strang mit Baumwolle bewickeln, der zwischen die große und zweite

Zehe geklemmt wird. Wer von Reis, Eiern und Fisch allein nicht

leben kann, muß sich ins Innere Lebensmittel mitnehmen; auch Wein

ist nicht zu bekommen, doch mäßiges Bier in den meisten Städten.

Currypulver und Soya macht die Reisgerichte schmackhafter. Wasser

sollte man stets nur abgekocht trinken, besser aber nur Tee.--In

der Ebene benutze man Rikschas (jap. _Jinrikĭsha_ oder

_Kuruma_), die Wege sind gut. Mit Reit- und Packpferden hat man

viel Schwierigkeiten. Im Gebirge gehe man zu Fuß und nehme Träger

für das Gepäck. Radfahren ist nur auf einzelnen Landstraßen zu

empfehlen; für Automobile sind nur wenige Landstraßen mäßig

geeignet. Man sorge für wenig Gepäck in kleinen Stücken, mit

Ölpapier gegen Regen geschützt für Bergbesteigungen. Man nehme

einen zuverlässigen, empfohlenen Führer (s. oben) oder Diener an.

Bei Reisen ins Innere nehme man Insektenpulver, Kampfer, Seife,

reichlich Lichte und Laterne, Handtücher, Decken, ein Kopfkissen

mit. Man beachte, daß warme Bäder den Europäern in Japan besser

bekommen als kalte. Heiße Bäder werden viel und fast überall

genommen. Man sei auch unterwegs stets mit Visitenkarten versehen;

selbst in kleinen Landstädtchen wird man gelegentlich Deutsch

sprechende Ärzte, Apotheker und Techniker finden. [Hand]Man sei

stets höflich und zuvorkommend und nie ungeduldig; Heftigkeit macht

keinen Eindruck auf die Japaner. Man verschaffe sich Empfehlungen

an Behörden und versäume nie, Besuche auch bei Japanern im

Gesellschaftsanzug zu machen. Frackanzug ist unentbehrlich.

[Hand]_In den japanischen Häfen und Befestigungen sowie 12 km im

Umkreis außerhalb davon ist das Photographieren streng verboten_;

dazu gehören Nagasaki, Moji, Shimonoseki, Miyajima, Amanohashidate,

Kamakura und Hakodate etc. (Die Karte der Welcome Society, Preis 50

sen, gibt genaue Auskunft.)

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 50 / 63 段