Der Ausflug in die =*Diamantberge= erfordert etwa 8-14 Tage Zeit,

Ausrüstung mit Reitpferd und etwa 2 Packpferden nebst Führer und

Mundvorrat, Bettzeug etc. (Nach Fertigstellung der südl.

Bahnstrecke der Linie Söul-Gensan benutze man diese bis Kimsöng.)

Man reitet auf der großen Landstraße, die von Söul nordostwärts

nach _Gensan_ führt (Bahn im Bau), am 1. Tage 50 km bis _Yongpöng_,

am 2. Tage etwa 60 km bis _Kimsöng_ (d. h. Goldstadt), ein

verfallener Ort. [Von hier 30 km wnw. lag das Goldbergwerk

=Tangkukae= eines deutschen Syndikats in waldigen, wasserreichen

Bergen, seit 1906 wieder aufgelassen.]--Von Kimsöng wende man sich

zu Fuß östl. in die Berge über mehrere steile Pässe zum reißenden

Fluß _Thaetsingang_, dann im Tale von dessen Nebenfluß nach NO.;

bald führt ein schmaler Felspfad über eine Bergkette und wieder

hinab in ein enges Tal, bis man auf dessen Paß die gewaltige

Bergmasse der Diamantberge von Korea, mit dem höchsten Gipfel

=Kimkangsan= (1830 m), erblickt, zu denen man auf ausgetretenen,

aber doch oft schwierigen, von vielen Pilgern besuchten Felspfaden

gelangt. Mehr als 100 buddhistische Tempel und Pagoden sind auf den

Hängen und in den Tälern der Diamantberge, meist in sehr

malerischer Lage. Die koreanischen Mönche, die dort teils als

Einsiedler, meist aber in großen Klöstern hausen (sie griffen 1592

zu den Waffen und halfen die Japaner aus dem Lande schlagen), sind

sehr gastfrei (aber arm und anspruchslos) und dienen gern als

Führer. --Von Kimsöng bis zum Kloster =Tschanganso= (Tempel des

ewigen Friedens) kann man Packpferde mitführen. Dort übernachte man

und klettere am nächsten Morgen (in starken koreanischen

Leinenstrümpfen mit zähen Bastschuhen und festem Bergstock) mit

Führern am Bergstrom bergauf, zum Teil an fast senkrechten

Felswänden empor und am Kloster _Piohunsa_ (Tempel der Erklärung

der Gebote) vorbei. An der Felswand hoch über dem Weg haust in

einem Tempelchen eine alte Nonne. Nach 3 St. Steigen gelangt man zu

einem Kloster im Urwald. Bei einer Lichtung sieht man eine

Buddhafigur an hoher Felswand, aus dem Felsen herausgehauen. Bald

erreicht man den 1340 m hohen Kamm der Kette, der 790 m über dem

Kloster Tschanganso liegt; einige felsige Kuppen in der Nähe sind

noch höher. Wunderbare *_=Aussicht=_ bis zum Japanischen Meer und

über die Gebirgsketten. Anstrengender Abstieg durch prächtige

Eichen- und Buchenwälder, vorbei an einem buddhistischen Friedhof in

einer runden Lichtung, in dessen Nähe das größte und älteste

Kloster *=Yüchömsa= (Tempel der Ulmenberge) liegt, wo man

übernachtet.--Am 5. Tage auf bequemem Wege zurück nach

_Tschanganso_, am 6. nach _Kimsöng_, am 8. oder 9. nach

_Söul_.--Auf Gasthofsverpflegung muß man in dieser wilden Natur

verzichten. (Nach Dr. _O. Franke_.)

Von Söul nach Fusan und Shimonoseki.

Mit der =Südkoreanischen Bahn= (_Fusanbahn_) nach _Fusan_, 445 km,

Fahrzeit etwa 10 St., Fahrpreis I. 14,70, II. 10,29 Yen, gute

Expreßzüge mit Speisewagen.--Von Fusan mit =Dampfer= der

japanischen Staatsbahnen nach _Shimonoseki_, täglich früh und

abends, 122 Seem., Überfahrtszeit 7-10 St.; große, bequeme Schiffe,

direkter Anschluß. --Söul-Shimonoseki, Fahrzeit 22 St.; Fahrpreis

I. 26,70, II. 17,29 Yen; Söul-Kobe, Fahrzeit 37 St. für I. 32,70,

II. 21,79 Yen; Söul-Tōkyō, Fahrzeit 53 St., für I. 41,98, II.

26,46 Yen. Rückfahrkarten für diese Strecken 20 % weniger als das

Doppelte.

Von Söul (Saidaimun, s. S. 333) führt die Bahn über (12 km) _Eitoho_

(Abzweigung der Linie nach Tschimulpo, s. S. 333), (50 km) _Suigen_,

ummauerte Stadt am Fuße bewaldeter Hügel, (93 km) _Seikwan_, mit

Schlachtfeld aus dem japanisch-chinesischen Krieg von 1894; hinter der

Stadt setzt die Bahn auf 116 m langer eiserner Brücke über den Anjogawa,

weiter über (211 km) _Shinsen_, Sommerfrische mit 72 m hohem, schmalem

Wasserfall, erreicht in (243 km) _Shufurei_ den höchsten Punkt im

Gebirge, dann (323 km) =Taiku=, große ummauerte Stadt mit etwa 46000

Einw. (davon 1000 Japaner).-- Weiterhin folgt (428 km) _Sanroshin_.

=Zweigbahn= über den breiten Fluß _Rakutōko_ nach (24 km)

=Masanpho= (japanischer Gasthof), wichtigem, im Ausbau begriffenen

japanischen Kriegshafen mit Marinewerft, Trockendocks, mit etwa

40000 Einw., in einer malerischen Förde, von Bergen umschlossen,

mit vorzüglicher Reede.

Die Hauptlinie erreicht (445 km) =Fusan= (_Pusan_), den zweitwichtigsten

Seehafen Koreas mit 46000 Einw. (die Hälfte Japaner); _Hotel Oike_,

_Hotel Fusan_, in beiden Pens. etwa 6 Yen; zwei japanische Banken.

Japanische Dampferlinien nach Shimonoseki, Nagasaki, Wladiwostok,

koreanischen und nordchinesischen Häfen. Das deutsche Handelshaus Karl

Wolter & Co. ist in Fusan vertreten; außerdem viele japanische,

chinesische und einzelne europäische Firmen. In der japanischen Stadt

Militärhospital, PT. Fusan ist mit saubern Straßen gut angelegt, mit

Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung, schönen Läden, großen

Reisspeichern versehen und besitzt ein sehenswertes *_Handelsmuseum_.

Ein Telegraphenkabel führt nach der japanischen Insel Kyūshū. Der

Hafen ist durch Inseln geschützt, im Binnenhafen sind Anlegebrücken für

die Postdampfer. Ausfuhr umfaßt hauptsächlich Reis und Bohnen. Das

Klima ist sehr gesund, die Temperatur schwankt zwischen 35° und -5° C;

Taifune sind selten. Fusan ist beliebt als Seebad. Die bergige Umgegend

ist sehr malerisch; 2 km nördl. von der Stadt liegt nahe der Bahn bei

_Fusan-Chin_ ein ummauertes koreanisches Schloß aus dem 17. Jahrh.

=Von Fusan nach Shimonoseki= (Dampferverbindung vgl. S. 336) läuft der

Dampfer mit osö. Kurs quer durch die 120 Seem. breite =Koreastraße=, die

Verbindungsstraße zwischen Japanischem und Ostchinesischem Meer,

passiert r. _Maru saki_, das Nordende der bis 666 m hohen Inselgruppe

_Tsushima_, in deren Nähe 27. und 28. Mai 1905 die russische Flotte vom

japanischen Admiral Togo fast völlig vernichtet wurde, und erreicht nach

7-10stündiger Fahrt (122 Seem.) =Shimonoseki= (S. 355).

Japan.

Das Kaiserreich =Japan= im äußersten Osten Asiens, das =Nippon=

oder =Nihon= der Japaner, bei Marco Polo _Zipangu_ genannt, chines.

_Dschipönnkwo_, das »Land der aufgehenden Sonne«, erstreckt sich in

einer langen, aus drei großen Bogen mit 3850 großen und kleinen

Inseln und Klippen bestehenden Reihe zwischen den verhältnismäßig

flachen ostasiatischen Randmeeren und dem rasch zu außerordentlich

großen Tiefen (bis 8500 m) absinkenden Stillen Ozean über 30

Breitengrade, von Formosa bis Schumschir, der nördlichsten der

Kurilen. Die Inselreihe gliedert sich in sechs Gruppen: 1)

_Alt-Japan_ zwischen Colnett- und Tsugarustraße, in ältester Zeit

_Ō-yashima_ (»die großen acht Inseln«) genannt, die Inseln Hondo

(Honshū), Kyūshū, Shikoku, Awaji, Sado, Okishima, Iki und

Tsushima umfassend. 2) Die Insel _Yezo_ (_Yeso_), seit der

Restauration _Hokkaidō_ genannt, nördl. von Hondo zwischen der

Tsugaru- und der Lapérousestraße. 3) Die _Kurilen_ (Japan.

_Chishima_, »Tausendinseln«), 36 größere Inseln zwischen Yezo und

Kap Lopatka. 4) Die _Ryū-kyū-Inseln_ (_Luchu_, _Liukiu_),

amtlich _Okinawa_, zwischen der Colnettstraße und der Insel

Formosa. 5) Die Insel _Taiwan_ oder _Formosa_ (S. 245) und die

_Pescadores_ (S. 245). 6) Die _Bonininseln_, jetzt

_Ogasa-wara-shima_ genannt, im Stillen Ozean. Hierzu kommen seit

1905 die Halbinsel _Kwangtung_ mit _Dairen_ (Dalny) und Port

Arthur, die südliche Hälfte von _Sachalin_, sowie neuerdings

_Korea_. --Die Gesamtfläche des Landes beträgt 454868 qkm

(Deutsches Reich 540742 qkm).--Für den Besuch seitens der

Weltreisenden kommt im allgemeinen nur der Süden und die Mitte von

Alt-Japan, bis nordwärts zur Mitte von Hondo, in Betracht. Auf

diese allein bezieht sich daher die nachfolgende kurze Schilderung

der Landesnatur. --Alt-Japan ist ganz vorwiegend ein Gebirgsland

von sehr mannigfaltiger Gesteinszusammensetzung u. sehr

verwickeltem Bau, der schon in der unregelmäßigen und zerrissenen

Gestalt der Inseln zum Ausdruck kommt. An dem Aufbau des Landes

haben außer Massen- und Schichtgesteinen aller Altersstufen auch

jungvulkanische Ablagerungen einen bedeutenden Anteil, Vulkankegel

beherrschen im mittlern Hondo die Landschaft. In dem vulkanischen

Gürtel, der den Stillen Ozean umgibt, bildet Japan ein wichtiges

Glied mit etwa 20 ab und zu noch tätigen und Hunderten von

erloschenen Vulkanen. Von erstern liegen Asotake und Kirishima

(Ausbruch 1896) auf Kyūshū, Asamayama, Shirane-san und

Bandaisan im mittlern Hondo, Komagatake auf Yezo. Zu den

erloschenen oder ruhenden gehören viele Gipfel auf Hondo, wie der

berühmte _Fuji-no-yama_, dessen beschneiter Gipfel in die Lüfte

ragt (S. 384). _Erdbeben_ sind sehr häufig und ein Zeichen dafür,

daß die Verschiebungen in der Erdrinde, denen auch die Vulkane ihr

Dasein verdanken, hier am Außenrande des asiatischen

Festlandsockels noch fortdauern. In Hondo erreicht das Land in

einigen vulkanischen Gipfeln (_Fuji-san_ oder _Fuji-no-yama_ 3778,

_Ontake_ 3185 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette

zwischen den Provinzen Shinano und Hida, den »japanischen Alpen«,

den großartigsten Gebirgscharakter; mauerartig ansteigender Granit

und zerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im _Yatsugatake_,

bis 2932 m, während die Paßübergänge (1800-1900 m) fast nie ganz

schneefrei werden. Gipfel von 2200 m Höhe und mehr sind im mittlern

Hondo zahlreich; dagegen bleiben alle Berge der Hauptinsel westl.

des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m.

Das =Klima= ist gesund. Es steht, wie in ganz Ostasien, unter der

Herrschaft der Monsunwinde, also warmer, feuchter Südwinde im

Sommer, kalter und lebhafter NW.-Winde im Winter. Von dem Klima des

benachbarten Festlands unterscheidet es sich aber vorteilhaft durch

wärmere Winter, die in erster Linie dem mildernden Einfluß der

Meeresumgebung verdankt werden. Die _=Niederschläge=_ sind nicht in

dem Maße wie in Nordchina auf wenige Sommermonate zusammengedrängt,

sondern mehr über das ganze Jahr verteilt und anderthalb bis

dreimal so reichlich wie in Deutschland. Hauptregenzeiten sind

Mitte Juni bis Mitte Juli sowie September und Oktober. Die

dazwischen liegenden anderthalb Monate sind trockner und heiß

(Mitteltemperatur des August im Süden und in der Mitte von

Alt-Japan 25,5-27°, die Maxima erreichen etwa 37°). Die tiefsten im

Winter vorkommenden Kältegrade sind durchaus mäßig (in Nagasaki-5°,

in Kyoto -12°), aber für die Japaner in ihren unheizbaren

Holzhäuschen immerhin empfindlich. Januar und Februar sind in Hondo

etwa so warm, wie in Süddeutschland der März, in Kyūshū noch

wärmer. Der Winter ist also bedeutend kühler als in den in gleicher

Breite liegenden Mittelmeergebieten und bringt dem südl.

Kyūshū (auf gleicher Breite mit dem Nildelta) gelegentlich

noch Frostnächte und Schnee, den Gebirgen überall und im N. auch

dem Flachlande große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. Die

Temperaturverhältnisse der Hauptbesuchsmonate April und Mai

entsprechen etwa denen des Mai und Juni in Mittel- u.

Süddeutschland. Der September ist erheblich wärmer, der Oktober nur

wenig kühler als unser Juli.

Das =Pflanzenkleid= Japans ist infolge der milden Winter und

feuchtheißen Sommer üppiger als sonst irgendwo unter gleicher

Breite. Die Vegetation der niedrigeren Teile von Kyūshū,

Shikoku und der Südhälfte Hondos trägt subtropischen Charakter,

gegen die Südspitze hin mit Anklängen an die Tropen. Immergrüne

Sträucher (Kamelien, Teestrauch, Rhododendren, Buchsbaum etc.) und

Bäume walten hier vor, daneben spielen Nadelbäume --Kiefern und die

schönen Kryptomerien sowie der merkwürdige Gingkobaum --eine

wichtige Rolle, außerdem der Lackbaum und im Süden der Bambus.

Zwergpalmen kommen auf der Westküste von Hondo nordwärts bis

Tōkyō fort, eigentliche Palmen nur im Süden am Kyūshū.

Das Waldkleid ist zwar in der untern, subtropischen Zone bis auf

schöne Tempelwälder großenteils beseitigt, aber in den Gebirgen

noch überall erhalten.

Die =Bevölkerung= betrug im eigentlichen Japan, ausschl. Formosa

1910: 50751919 Ew. Die Japaner sind, wenn man von den Ainu, den

Ureinwohnern der Insel Yezo (vgl. S. 343), absieht, heute ein

einheitliches Volk nach Sprache, Sitte und Lebensweise,

ursprünglich aber wohl ein Mischvolk, da sich außer der

mongolischen Grundmasse auch mancherlei malaiische Einflüsse

nachweisen lassen. Sie sind von kleinem, kräftigem Wuchs. Wie in

Korea kann man einen feinern, vornehmen und einen gröbern,

gewöhnlichen Typus deutlich unterscheiden. In der Entwickelung des

Volkes spielte die Trennung nach _=Ständen=_ eine wichtige Rolle.

Diesen Ständen nach gab es 1903: 5055 Kwazoku (Edle), 2167389

Shizoku (alte Kriegerkaste, Samurai) und 44560397 Heimin (spr.

hēmin, gewöhnliches Volk). Die _Kwazoku_ (»Blume der Familien«)

sind entstanden aus der Vereinigung des frühern Hofadels (Kuge) mit

dem Feudaladel (Daimyō). Nach der Beseitigung des Feudalwesens

wurden 1884 fünf Adelsrangstufen geschaffen; danach gab es im Jahre

1908: 15 _Kō_ oder Fürsten, 36 _Kō_ oder Marquis, 100 _Haku_

oder Grafen, 374 _Shi_ oder Vicomtes und 379 _Dan_ oder Barone, im

ganzen 904 (man sagt _Kōshaku_, _Hakushaku_ etc.) Adelsfamilien.

Die _Shizoku_ (moderner Name für _Samurai_) waren bis zum Anfang

der Meijizeit die Beamten und erblichen Krieger der Feudalherren,

zu deren Vorrechten das Schwertertragen und das Bauchaufschlitzen

(Harakiri oder Seppuku) als freiwilliger Selbstmord nach

Ehrverletzung und als reinigende Selbstbestrafung nach verübtem

Verbrechen gehörten; heute stellen sie zum Teil die Offiziere und

höhern Staatsbeamten. Das gewöhnliche Volk, für das erst seit 1868

der Name _Heimin_ im Gegensatz zu den Shizoku üblich ist, war in

der Tokugawaperiode (1600-1868) in drei Klassen geteilt, dem Range

nach von oben nach unten: _Hyakushō_ (Bauern), _Shokunin_

(Handwerker) und _Akindo_ (Kaufleute). Unter dem Volk stand noch

eine verachtete Pariaklasse, die _Eta_ (Abdecker, Gerber,

Lederarbeiter, Totengräber).--Die Japaner besitzen hervorragende

geistige Eigenschaften. Zu rühmen sind der Reinlichkeitssinn

(Waschen und heißes Baden ist sehr beliebt) und natürliche Anstand,

das im allgemeinen höfliche Benehmen, das heitere Familienleben,

die Ehrerbietung der Kinder gegen Eltern, die Freude an den

Schönheiten der Natur, das hohe Bildungsstreben und die

bewunderungswürdige Vaterlandsliebe. --Das japanische _=Haus=_

macht mit seiner leichten, luftigen Bauart, den Eindruck, als ob es

einem wärmeren Klima entstamme, denn es hat nur dünne Holzwände,

keine richtige Heizung (nur Kohlenbecken) und anstatt fester

Zimmerwände verschiebbare Mattenwände. Der Hausbau ist somit besser

an die häufigen Erdbeben als an die klimatischen Bedingungen

angepaßt. Der Hausrat beschränkt sich auf Schränke und wenige

Gebrauchs- und Schmuckgegenstände (Matten; Vasen, Hängebilder).

Große Brände sind in den Städten häufig.--Der Japaner lebt mäßig.

_=Nahrungsmittel=_ sind vornehmlich in Wasser gekochter Reis, Hirse

(im Gebirge), Hülsenfrüchte, Knollengewächse und Pilze, ferner

Fische, Krusten- und Weichtiere; Brot, Milch, Butter und Käse waren

unbekannt, Fleischspeisen wenig in Gebrauch. Zur Würze dienen

Sojabohnen und Curry, gesalzene Rettiche (_Daikon_), Früchte der

Eierpflanze (_Nazu_), Gurken u. a., als Genußmittel grüner Tee ohne

Zutat, Reisschnaps (_Sake_) und Tabak, den beide Geschlechter gern

rauchen.--Die _=Kleidung=_ der Landbevölkerung, aus Baumwollenstoff

und mit Indigo gefärbt, besteht oft nur aus einem Kittel und engen

Hosen; bei Regenwetter trägt der Bauer einen eigentümlich

aussehenden Mantel aus Stroh. Bei den Wohlhabenden spielen

hellfarbige, schön gemusterte Baumwollen- und Seidenstoffe die

Hauptrolle. Ein schlafrockähnliches Oberkleid, der _Kimono_, wird

von Männern und Frauen getragen, er ist das eigentliche

Nationalgewand und nur im Schnitt der Ärmel und im Gürtel bei

beiden Geschlechtern verschieden. Zur bessern Kleidung gehört eine

weite Hose (_Hakama_) und ein halblanger paletotartiger Überwurf

(_haori_); Schüler und Schülerinnen tragen gleichfalls Hakama. Die

Füße sind entweder nackt, oder bei besserer Bekleidung in ganz

kurze, nur bis zu den Knöcheln reichende weiße oder dunkelviolette

Strümpfe (_Tabi_) gehüllt; als Schuhwerk dienen Holzschuhe (_Geta_)

und Strohsandalen (_zōri_ und _waraji_), deren Riemen vorn

zwischen der großen und der zweiten Zehe festgehalten werden,

weshalb bei den Tabi auch die große von den übrigen Zehen getrennt

ist. Die vornehmere männliche Bevölkerung, besonders die Beamten,

tragen mehr und mehr europäische Tracht. Ein unentbehrlicher

Gebrauchsgegenstand der Frauen ist der Fächer.

=Religion.= Die Japaner haben sich schon früh vom Natur-zum

Ahnenkult erhoben, der in der göttlichen Verehrung der _Kami_ oder

Geister berühmter Fürsten, Helden, Gelehrter neben zahlreichen

untergeordneten Göttern besteht. Im Gegensatz zu dem vom Ausland

eingeführten Buddhismus (_Butsu-dō_) hat man der ursprünglichen

Nationalreligion den Namen _Shintō_ (»Weg der Götter«, _shin_ =

_kami_) gegeben. Eine bestimmte Glaubens- und Sittenlehre fehlt

dem Shintō ursprünglich; seine Sittenlehre ist vermischt mit der

Moralphilosophie des Kungfutsze und andrer chinesischer Weisen. Die

Shintōtempel oder »Schreine« (_Miya_, _Yashiro_, _Jinja_) reinen

Stils, einfach und schmucklos, aus naturfarbenem oder

rotgestrichenem Holz erbaut, bestehen aus zwei Teilen, dem _Honden_

(_Shinden_) oder Sanktuarium mit dem Sinnbild der Gottheit, und dem

_Haiden_ (»Gebetshalle«). Auf dem Altartisch und anderswo stehen

_Gohei_, Stöckchen mit zickzackförmigen weißen Papierstreifen,

eigentlich symbolischer Ersatz für Opfergaben; vor den Schreinen

galgenförmige Portale, _Torii_. Der in vielen Miya sichtbare

Metallspiegel ist dem Buddhismus (Shingonsekte) entlehnt. Den

Göttern werden Speise- und Trankopfer dargebracht; die Tempelfeste

(_Matsuri_) sind vielfach große Volksfeste. Wer sich durch

Tapferkeit, Gelehrsamkeit oder Wohltätigkeit auszeichnet, kann nach

seinem Tod unter die Götter versetzt werden. Die Shintōpriester

haben nur im Amt besondere Tracht, es gibt für sie kein Zölibat und

keine Klöster; ihre Würde ist erblich. 1903 zählte man 196400

Shintōtempel und etwa 100000 Shintōpriester bei zwölf

verschiedenen Sekten. Mächtigen Einfluß auf den Kamidienst hat der

Buddhismus ausgeübt, der in der Mitte des 6. Jahrh. n. Chr. nach

Japan gelangte, sich schnell verbreitete u. im 13. Jahrh. zur

höchsten Macht entfaltete. 1903 gab es in Japan zwölf buddhistische

Sekten mit 72000 Tempeln und gegen 200000 Bonzen. Hauptsitz der

buddhistischen Hierarchie ist Kyōto (S. 369). Zwischen

Shintōismus und Buddhismus bestand früher keine scharfe

Scheidung, da der _Shintō_, wenige Kultstätten wie Yamada in Ise

und Kizuki in Izumo ausgenommen, sich mit dem Buddhismus

amalgamiert hatte (_Ryōbu-Shintō_). Erst seit der Meijizeit

(S. 344) ist wieder eine reinliche Trennung vorgenommen und der

Shintō zur Staatsreligion erklärt worden. Doch herrscht trotzdem

kein Gewissenszwang. Der Kaiser ist als theoretischer Nachkomme der

höchsten Shintōgottheit, der Sonnengöttin _Ama-terasu_, der

shintōistische Oberpriester des Landes und fungiert als solcher

bei gewissen Staatsfesten, die in der Heiligen Halle

(Kashiko-dokoro) des Palastes stattfinden. -- Eine prägnante

Darstellung des Wesens des Shintō von _Florenz_ und des

japanischen Buddhismus von _Haas_ in »Kultur der Gegenwart«,

Abteilung Orientalische Religionen (Leipzig, Teubner, 1906). -- Das

Christentum wurde bereits 1549 durch den Jesuiten Franz Xavier nach

Japan gebracht und verbreitete sich schnell, wurde aber, nachdem

auch hier wie in China die Dominikaner und Franziskaner Unfrieden

gestiftet hatten, bis 1638 wieder ausgerottet und bei Todesstrafe

verboten. Jetzt werden der christlichen Mission keine Hindernisse

bereitet, aber die Bekehrten gehören meist dem niedern Volk an, und

man darf sagen, daß dem Christentum in Japan kaum eine Zukunft

blüht.

=Japanische Kunst.= Am wenigsten entwickelt ist die Architektur.

Die buddhistischen Tempel gehen auf chinesische Vorbilder zurück;

die Shintō-Schreine reinen Stils, wie die von Ise, Kizuki etc.

lehnen sich dagegen an die Struktur des primitiven japanischen

Hauses an. Die Wohnhäuser sind meist aus Holz, Geflechten aus

Bambusrohr und Fachwerk, mit Papierfenstern und Schiebetüren,

bisweilen auf gemauertem Unterbau. Auch die Plastik hat sich,

abgesehen von den Bildern buddhistischer Gottheiten, auf die

Kleinkunst in Bronze, Ton, Elfenbein, Holz etc. beschränkt.--Ihre

höchste Blüte hat die japanische Kunst in der Malerei erreicht,

sowohl selbständig als für dekorative Zwecke (Porzellan, Fayence,

Lackarbeiten), deren Anfänge vor mehr als 1000 Jahren aus China

hierher gelangt sind. Die Raum- und Luftperspektive sind dem

japanischen Maler fast unbekannt. Ferner fehlt das Verständnis für

das Helldunkel. Das natürliche Spiel der Lichter und Schatten gibt

der Japaner nicht wieder, er kennt keine Glanzlichter und Reflexe,

sondern sucht durch konventionelle Schatten und Hilfsmittel den

Gegenständen die Wirkung des Plastischen zu geben. Da er in einem

schwarzen Gegenstand, einem Gewand, einem Vogel, nicht durch

Abtönung des Schattens und Lichtes zu modellieren weiß, wird den

Faltenlinien ein weißer Grund gegeben, oder es werden die Innern

Umrisse weiß ausgespart. Der japanische Maler malt nur auf Seide

und Papier, und zwar mit Tusche oder Wasserfarben, die mit Leim

versetzt sind. Nach der Form teilt man die Bilder in _Kakemono_

(hängende Dinge), in _Makimono_ (gerollte Dinge) und in _Oribon_

(Klappbücher). Auch die faltbaren Wandschirme (_Byōbu_) haben in

der Malerei eine Rolle gespielt. Das Kakemono ist ein schmaler und

hoher Papier- oder Seidenstreifen, der auf zähes Papier geklebt und

oft mit farbigen Brokatstoffen umrahmt ist. Die Makimono sind

niedrige Streifen von beliebiger Länge, die aufgerollt bewahrt

werden.--Die Malerei steht im innigsten Zusammenhange mit dem

Kunstgewerbe, das von ihr befruchtet wird und ebenfalls aus China

gekommen, aber durch die höhere Intelligenz des japanischen Volkes

künstlerisch verfeinert worden ist. Vornehmlich werden die

Lackmalerei, die in Japan ihre überhaupt höchste Ausbildung

erfahren hat, die Keramik, das Email, die Bronzeindustrie, die

Waffenschmiedekunst, die Schnitzerei in Holz, Elfenbein, Knochen

und Stein, die Weberei und Färberei gepflegt. Von den Porzellanen

sind die aus der Provinz Kaga, aus der Provinz Hizen, nach dem

Ausfuhrhafen »Imari-Ware« genannt, das Seladonporzellan aus Sanda und

die Setoware, von den Fayencen das durch seine durchsichtige Glasur

ausgezeichnete Steingut aus Satsuma beliebt. Ihren reich

entwickelten Farbensinn haben die Japaner in der Dekoration von

Gefäßen etc. aus Porzellan, Steingut und Kupfer mit Schmelzfarben

(Zellenschmelz, Email cloisonné), in der Färbung von

Kupferlegierungen durch Beizen und im Tauschieren von Bronzen und

Eisenarbeiten mit Silber, Gold und farbigen Legierungen bewährt.

Eine Spezialität der Metallindustrie sind die oft reich

geschmückten Schwertzieraten (Tsuba = Stichblätter etc.), die

eifrig gesammelt werden. (Vgl. _Brinckmann_, Kunst und Handwerk in

Japan, Berlin 1889; _Münsterberg_, Japanische Kunstgeschichte, 3

Bände, 1907; _Cohn_, Stilanalysen, 1908; _Seidlitz_, Geschichte des

japanischen Farbenholzschnitts, 1897; _Kurth_, Utamaro, 1907,

Harunobu 1910, Sharaku 1910; _Brockhaus_, Netsuke, 1910.) [Hand]

Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse führt man am besten in

Kyōto und Tōkyō aus.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 49 / 63 段