Manchuria House_; 30 Z., Pens. $ 8), dem wichtigsten Handelsplatz
der südl. Mandschurei, auf 40° 44' nördl. Br., etwa 26 km oberhalb
der Mündung des Liaoflusses in den Golf von Liaotung in der
mandschurischen Provinz Schöngking; Yingkou hat etwa 52000 Einw.
und ist seit 1858 dem Fremdhandel geöffnet, aber nur für kleinere
Seeschiffe erreichbar. Landungsbrücken für Seeschiffe bei der
europäischen Niederlassung am l. Ufer. Der Bahnhof der chinesischen
Nordbahn liegt am r. Ufer, der Bahnhof der südmandschurischen Bahn
(die 30 km östl. bei _Tashihchiao_ in die Hauptlinie
Charbin-Mukden-Port Arthur [S. 326] mündet) am l. Ufer.
_Russisch-Asiatische Bank_; _Yokohama Specie Bank_ (Korrespondent
der Berliner Disconto-Gesellschaft), beide Korrespondenten der
Deutschen Bank.--_Deutsches Konsulat_ (Vizekonsul J. Jaspersen).--
_=Dampfer=_ der _Nippon Yusen Kaisha_ nach Taku, Tschifu,
Tschimulpo, Nagasaki, Moji etc.; _China Merchants-Dampfer_ nach
Taku, Tschifu und Schanghai wöchentlich Agenten des _Norddeutschen
Lloyd_: Bandinel & Co. --Der Liaofluß ist für Flußfahrzeuge bis
nach Mukden schiffbar. An ihm liegt 48 km stromaufwärts die alte
Chinesenstadt _Niutschwang_ (Ying-tse-kou), mit bedeutendem Handel.
Die Hauptbahn läuft von Koupangtze südwestl. weiter über _Kintschou_
(_Chinchowfu_, vgl. S. 318) und _Ningjuen_ durch die schmale, zwischen
der Nordwestseite des Golfs von Liaotung und dem Gebirge sich
entlangziehende hügelige Küstenebene (Liaohsi), die als einzige bequeme
Verbindung zwischen der Mandschurei und der Großen Ebene eine wichtige
Rolle in der Geschichte Chinas gespielt hat (vgl. unten).
(261 M) =Schanhaikuan= (_Railway Hotel_), nahe am Meer, stark
befestigte, 1368 erbaute chinesische Grenzstadt; hier beginnt die große
Chinesische Mauer (S. 296) und steigt in malerischen Zickzacklinien, mit
Wachttürmen besetzt, auf die Kämme der Hügelketten im Hinterlande; Höhe
der Mauer etwa 10 m, Breite oben 8 m und mehr. Die ebenfalls ummauerte
Stadt liegt westl., also innerhalb der Großen Mauer. Einen bessern
Schutz bieten jetzt fünf moderne Forts. Der Bahnhof liegt vor dem
Südtore der Stadt und etwa 4 km vom Meer.
Mehrfach sind Völkerstämme, aus Norden und Nordosten stammend, in
der =Liaoebene= zeitweise seßhaft geworden, dort erstarkt und
später durch Liaohsi nach China vorgedrungen. So eroberte um 900 n.
Chr. der Stamm der _Kitan_, tungusischer Herkunft, Nordchina und
begründete dort die von 905-1125 regierende Liaodynastie, der bis
1234 die stammverwandte Kin-Dynastie folgte. Die später in China
zur Herrschaft gelangten Mongolenkaiser suchten daher die schmalste
Stelle von Lioahsi durch eine das Ostende der Großen Mauer bildende
Befestigungsanlage, das »Große Tor« (_Schanhaikuan_) gegen weitere
Einfälle vom Liaotale her zu schützen. Trotzdem wurde Liaohsi noch
einmal die Einfallspforte für fremde Eroberer, nämlich für den
jetzt noch in China herrschenden tungusischen Stamm der _Mandschu_,
die 1584 ins Liaotal kamen, 1616 Mukden und 1644 an Stelle von
Mukden Peking zu ihrer Hauptstadt machen konnten.
Bei (281 M) Stat. _Tangho_ liegt =Tshinwangtau= (_Resthouse Hotel_,
bequem, 9 Z., Pens. $ 5), seit 1898 dem Fremdhandel geöffneter kleiner
Hafen mit guter Landungsbrücke, 5000 Einw.; im Winter (November bis
März), wenn die Takubarre gefroren ist, landen hier die für Tientsin
bestimmten Postdampfer.--Die Bahn entfernt sich nunmehr von der Küste
und geht über _Peitaiho_ (Seebad) und _Tschangli_ nach =Lwantschou=
(_Lanchow_), alter Hauptstadt der Han-Dynastie, am r. Ufer des Lwanho,
an dem etwa 160 km flußauf Jehol (S. 298) liegt. [Etwa 17 km nördl. von
Lwantschou liegt die alte große Stadt Yungpingfu.]--Dann folgt _Kaiping_
und (355 M) =Tangschan=, Stadt mit 40000 Einw. und wichtigen
Kohlenbergwerken der chinesischen Regierung. Nun weiter über _Lutai_ und
_Peitang_ nach (394 M) =Tongku=. Weiterfahrt nach Peking S. 280 und
277.
16. Korea.
Vgl. die Karten bei S. 271 und 337.
Die =Halbinsel Korea=, im NW. durch das wegen seiner rostförmigen
Gliederung schwer überschreitbare Gebirgsland von Liaotung und den
Yalufluß, im NO. durch die bis 2450 m hohe Schranke des
Tschangpaischan wirksam vom asiatischen Festland abgeschlossen, war
seit alter Zeit ein Zankapfel zwischen China und Japan und zuletzt
Rußland gewesen, hat sich aber meist selbständig erhalten, bis es
1910 japanische Kolonie geworden ist. Die ganze Ostseite der
Halbinsel fällt steil, felsig und fast buchtenlos ins Japanische
Meer ab, die Süd- und Westseite sind niedriger, offen, stark
gegliedert und inselreich, aber schwer zugänglich, da alle die
Felseninselchen und Buchtenränder in einen dicken Schlammantel
gehüllt sind. Die Halbinsel hat drei verkehrsreiche Hafenplätze,
Tschimulpo im W., Fusan im S., Gensan im O. Das Innere ist meist
mit Hügel- und Gebirgsland erfüllt; von der Ostküste aus erhebt sich
steil ein Gebirgszug, der nicht über 1500 m hoch ist und nach S.
niedriger wird, aber wegen hoher (900-1000 m) Pässe auf große
Strecken schwer überschreitbar ist. Nach W. fällt er in einem
buckligen, einförmigem Berg- und Hügelland langsam ab. Größere
_=Flüsse=_ konnten sich auf der Halbinsel nicht entwickeln, und die
auf der Westseite vorhandenen kommen als Wasserstraßen höchstens so
weit in Betracht, als die hohen Gezeitenwellen des Gelben Meeres in
ihnen aufwärtsdringen. Dazu ist ihre Wasserführung sehr schwankend,
und die nördlichen frieren im Winter zu. Dies gilt auch für den
Yalu, den 800 km langen Grenzfluß gegen NW., der sich an seiner
Mündung auf 4 km verbreitert, aber nur auf 60 km schiffbar (auf
eine viel größere Strecke allerdings flößbar) ist.
Korea liegt in der Breite Unteritaliens und Algeriens, aber der
Winter ist in Mittelkorea keineswegs so mild wie in Algier oder
Malta, sondern so rauh wie in Königsberg. Freilich ist er in der
Mandschurei und im Liaotale noch viel strenger, die Winterkälte
nimmt südwärts rasch ab (Januartemperatur in Charbin-18,7°, in
Mukden -13,6°, in Tschimulpo-2,6° [Königsberg i. Pr.-2,9°], in
Fusan 4,2°; dagegen in Malta und Algier 11,9°). Nordkorea ist den
ganzen Winter über in Schnee gehüllt, im S. fällt Schnee nur auf
den Bergen. Die Sommer sind in ganz Korea, Nordchina und der
Mandschurei ungefähr gleich heiß, mit einer Mitteltemperatur des
Juli oder August von etwa 24-25°, und zugleich die Zeit der
Hauptniederschläge, die von Juli bis September fallen.
Das _=Pflanzenkleid=_ der Halbinsel wechselt vom S. zum N. stark
wegen der Verschiedenheit in der Strenge der Winter. Im Südteile
erscheinen schon immergrüne Pflanzen, wie Kamelien und Bambus. Das
Waldkleid der Berge ist aber schon sehr stark gelichtet, und im
trocknen Winter sieht daher ganz Süd- und Mittelkorea steppenartig
kahl aus, während der warmfeuchte Sommer eine üppige Vegetation
hervorbringt. Wald- und wildreich sind noch die Gebirge des
Nordteils der Halbinsel und besonders des Nordostens; sie tragen
unten Laub-, oben Nadelwälder.
Die _=Bevölkerung=_ ist, entsprechend der zentralen Lage der
Halbinsel zwischen der Mandschurei, China und Japan, eine
mongolische Mischrasse von sehr alter, aber stark herabgekommener
Kultur. Das einst hochstehende Kunstgewerbe (Porzellan und Metall)
ist ganz verschwunden. Die Kleidung der untern Stände ist weiß, die
der Vornehmen farbig; die Frauen leben streng abgeschlossen. Die
obern und untern Stände unterscheiden sich sehr scharf durch Typus,
Kleidung und Kasten. Die Vornehmen haben schöne, feine Gesichtszüge
und für Mongolen stattliche Körpergröße und tragen bunte Gewänder;
die Gesichtszüge des niedern Volkes, das helle Kleider tragen muß,
sind viel gröber, im N. tungusenähnlich mit flacher Nase und
vorstehenden Backenknochen.
Die Koreaner haben eine eigne mehrsilbige _=Sprache=_ mit
chinesischen Lehnwörtern, aber Buchstabenschrift (vgl.
_Imbault-Huart_: »Manuel de la langue coréenne parlée«; Paris
1889). Die Sittenlehre des Kungfutsze ist weit verbreitet, doch
auch der Buddhismus hat noch Bedeutung. Viele Mönchs- und
Nonnenklöster findet man in den Gebirgen. Das Unterrichtswesen
gleicht dem japanischen; die Kunst des Lesens und Schreibens ist
allgemein verbreitet.
Die Grundlage der koreanischen _=Volkswirtschaft=_ bildet der
Ackerbau, weniger die Viehzucht, sowie an der Küste der Fischfang.
Da der Ackerbau ganz im Gegensatz zum chinesischen in sehr
primitiver Weise betrieben wird, so ist die Volkszahl nicht groß;
sie beträgt jetzt auf 218650 qkm 9-3/4 Mill. Menschen (davon 126168
Japaner, 12332 Chinesen, 464 Amerikaner, 153 Engländer, 87
Franzosen, 33 Deutsche, 40 andre Europäer). Angebaut werden vor
allem Reis, Hülsenfrüchte und Getreide sowie im N. die vor allem in
China als Allheilmittel sehr geschätzte Ginsengwurzel. Der
Teestrauch wird nicht kultiviert, da die Koreaner, im Gegensatz zu
den Chinesen und Japanern, keine Teetrinker sind; dagegen wird die
Seidenraupe gezogen, und von Nutzpflanzen sind die Baumwolle und
der Tabak im S. verbreitet.
_=Geschichte.=_ Die Legende vom Ursprung des Königreichs Korea
greift bis 2333 v. Chr. zurück; später bestanden verschiedene, sich
befehdende Königreiche, bis Korea von 109 v. Chr. bis 314 n. Chr.
zum erstenmal unter chinesische Gewalt fiel. Seit 37 v. Chr. bis
668 n. Chr. kämpften drei Königreiche um ihre Unabhängigkeit gegen
China und Japan, später mit Japan gegen China. Von 668-935 blühte
das Land geeinigt auf; von 918-1392 wurde es von der eingebornen
Wang-Dynastie beherrscht, wobei die buddhistischen Priester und der
Adel zu großem Einfluß gelangten, was viele Aufstände erzeugte;
gleichzeitig wurden die Herrscher durch Heiraten von
Mongolenprinzessinnen allmählich zu Mandschus. Kriegsschauplatz
fremder Mächte war Korea zuerst 1268-1280, als Kublai Chan gegen
Japan kämpfte. Seit 1392 gelangte infolge eines Palastaufstandes
eine ältere Dynastie zur Herrschaft, die das Land Tschausian
nannte; 1394 wurde Söul Hauptstadt. 1592-98 blutiger Krieg mit den
gelandeten Japanern; 1627 und 1637 überfielen die Mandschu das Land
und brachten es in Abhängigkeit zur Tsing-Dynastie. Trotzdem
verstand Korea sich nach außen abzuschließen. Erst 1876 wurden für
Japan einige Häfen geöffnet, 1884 auch für europäische Staaten.
1894 wurde das Land japanischer Kriegsschauplatz gegen China (wobei
1895 die Mutter des Kaisers von Korea von Japanern ermordet wurde),
1904 gegen Rußland. Seit 1910 ist Korea japanische Kolonie unter
dem Namen Chosen (spr. tschosön, d. h. Land der Morgenröte). Der
Generalgouverneur residiert in Söul. Die führende Aristokratie
wurde dem japanischen Adel angegliedert, der Kaiser von Korea nach
Japan ins Exil geführt. Der Besitz Koreas war für Japan eine
Lebensfrage; es braucht das wenig bevölkerte Land als
Siedelungskolonie.
Von Mukden nach Söul.
NB. Bester Weg für Japanreisende, welche die Seefahrt scheuen, vgl. S.
334.
Mit der =Südmandschurischen Bahn= (S. 324) von Mukden nach
_Antung_, 186 M, Fahrzeit 7 St., von da mit der =Koreanischen Bahn=
(_Korean Railway_) über die seit 1912 betriebsfertige
Eisenbahndrehbrücke über den Yalu nach _Söul_, 312 M von Antung,
Fahrzeit 12 St.
Die Strecke Mukden-Antung, während des russisch-japanischen Kriegs
als Kleinbahn schnell gebaut, ist inzwischen auf normale Spurweite
ausgebaut; durchgehende Züge von Mukden (wie für die Strecke nach
Dairen, vgl. S. 324) sollen seit 1912 im Betrieb sein. Es wird
empfohlen, sich für die Bahnfahrt mit Lebensmitteln für drei Tage
und reichlich mit warmen Decken zu versehen. Sie führt durch das
Gebirgsland des nördl. Liaotung, das, aus den verschiedensten
Gesteinen aufgebaut, eine entsprechende Mannigfaltigkeit der
Oberflächenformen zeigt und, um als landschaftlich schön bezeichnet
werden zu können, nur des Waldmantels großenteils entbehrt.
Die Bahn führt von Mukden südostwärts, schneidet die Kohlenbahn nach
_Fushun_ (S. 325), dann über (47 M) _Penchihu_, eine ruhige Kleinstadt
mit Kohlenfeldern in der Nähe, tritt ins Gebirge _Föngschuiling_ mit
sehr malerischer Landschaft zwischen (58 M) _Chiaotou_ und (84 M)
_Lienshankuan_; 16 km westl. davon der im Kriege hart umstrittene Paß
_Motienling_.--In (98 M) =Tsaohokou= (Gasthöfe: _Nisshin_, japanisch,
teuer; außerdem ein chinesischer, beide mäßig) bleibt der Zug liegen bis
zum nächsten Morgen, dann über (120 M) _Chiumuchuang_ und (136 M)
_Chikuanshan_ in steilem Gelände nach (150 M) =Fenghuangcheng=, Stadt
mit 8500 Einw., in deren Landschaft man den vielgipfeligen _Phönixberg_
(Fenghuang = Phönix) erblickt.--Bei (172 M) _Wulungpei_ werden heiße
Quellen passiert, dann erreicht man (186 M) =Shahochen=, chinesische
Stadt mit 21490 Einw., und daneben, nur durch einen Graben von der alten
Stadt getrennt, (189 M) =Antung= (_Anju_, _Ngantung_), die neue
japanische Hafenstadt mit 5264 Einw., am r. Ufer, 8 km oberhalb der
Yalu-Mündung; der Hafen wird von Dschunken und kleinen Küstendampfern
viel besucht. Gasthöfe: _Kikuya Hotel_; _Gempokan_; _Yokohama Specie
Bank_. _=Konsulate=_: Amerika, England und Japan sind vertreten.
Chinesische Zollstation. Aus dem waldigen Hinterland werden auf dem Yalu
große Mengen Holz herabgeflößt; Antung ist der Sitz der _Yalu Timber
Co._ (japanisch-chinesischer Betrieb).--Das Flußgebiet des Yalu (Japan.
Amunyoku Kan) ist mit Urwald bestanden und 90 km aufwärts von Antung bis
Chanson (Changseng) für Küstendampfer, 370 km aufwärts bis Maserhshan
trotz Stromschnellen für kleine Dschunken schiffbar.
=Von Antung nach Söul.= Die Koreanische Staatsbahn (Expreßzug nur an
bestimmten Tagen, mit Speisewagen, Fahrpreis Antung-Söul etwa 20 Yen;
koreanische Bahnzeit ist 30 Min. später als südmandschurische, vgl. S.
324), die dem japanischen Generalgouverneur in Söul unterstellt ist,
führt von Antung (s. oben) über die neue Yalu-Brücke nach _Shin-Gishu_
(_New Wiju_) am l. Yalu-Ufer, Stadt mit etwa 15000 Einw., davon 1/3
Japaner; Handel mit Goldsand, Fellen und Ginseng (Kraftwurzel); Hafen
für Küstenfahrzeuge; in der Nähe Goldwäschereien. Bei _Pingyang_
(_Phyöngyang_), Provinzialhauptstadt mit 43000 Einw., am r. Ufer des
hier nur für kleine Fahrzeuge schiffbaren Taitongkang; von hier
Zweigbahn nach dem Seehafen _Chinampo_ an der wattenreichen Mündung des
Taitongkang mit etwa 1000 Einw., dem Fremdhandel seit 1897 geöffnet,
aber von geringer Handelsbedeutung; japanische Dampferlinien nach
koreanischen, japanischen und nordchinesischen Häfen.--Die Hauptlinie
führt über _Kaiseng_ und _Lungshan_ nach (312 M von Antung) =Söul= (S.
333).--[Hand] _=Anschlußstrecke=_ _Söul-Fusan_ nebst Dampferanschluß
nach _Shimonoseki_ s. S. 337.
Tschimulpo.
=Ankunft zur See.= Von _Tschifu_ (S. 278) kommend, fährt man an
Weihaiwai (S. 278) vorbei und dann auf die bis 125 m hohen Inseln
zu, die der koreanischen Küste auf etwa 37-1/2° nördl. Br.
vorgelagert sind; man steuert dann durch schwieriges,
klippenreiches Fahrwasser zwischen vielen Inseln hindurch auf die
Reede, wo die großen Dampfer etwa 4 km sw. vom Hafen ankern,
während kleine im innern Hafen nicht weit von der Landungsbrücke
für die Boote ankern.
Man benutzt Sampan oder Dampfboot zum Landen, Preis etwa 1 Yen.
Zollamt an der Landungsbrücke.
=Gasthöfe=: _Yinsen Club Hotel_.--_Steward Hotel._--=Post u.
Tel.=--=Rikschas=, Tragstühle, Reitpferde sind zu haben.
--=Eisenbahn= nach Söul, 7 Züge tägl. in 1-1/2 St.; Bahnhof im
europäischen Stadtteil am Hafen. Agent der Internationalen
Schlafwagengesellschaft für die Sibirische Bahn: _L. Rondon & Co._
=Dampfer=: _Hamburg-Amerika Linie_ nur gelegentlich.--_Nippon Yusen
Kaisha_ 14tägig über Fusan, Nagasaki nach Kobe und nach
Tschifu.--Andre japanische Dampferlinien nach Japan, Tschifu,
Dairen, Port Arthur.--Agentur des _Norddeutschen Lloyd_ und der
_Hamburg-Amerika Linie_ im Hause Karl Wolter & Co.
=Geld= wie in Japan, vgl. S. 342.
=Banken=: _Karl Wolter & Co._, Korresp. der Deutschen Bank, der
Berliner Disconto-Gesellschaft und der Chartered Bank of India,
Austr. & China.--_Hongkong & Shanghai Banking Co._--=Sprache=: s.
S. 330.
Englisches _Missionshospital_ und japanische
_Krankenhäuser_.--Größtes Handelshaus ist die deutsche Firma _Karl
Wolter & Co._--_Tschimulpo Club._
_Tschimulpo_ (Japan. _Chemurupo_), als Seehafen für die Hauptstadt Söul
die wichtigste Hafenstadt Koreas, ist seit dem russ.-japanischen Kriege
bedeutend gewachsen und hat jetzt etwa 30500 Einw. (15000 Koreaner,
13100 Japaner, 2000 Chinesen, 50 Europäer), ist seit 1883 dem
Fremdhandel geöffnet und war vorher ein armseliges Fischerdorf. Jetzt
sind hier eine japanische, eine chinesische sowie eine internationale
Niederlassung im Aufblühen. Letztere ist die größte, sie nimmt einen
Teil der Wasserseite, wo der Bau eines mit Schleuse geschlossenen
Hafenbeckens geplant ist, sowie das ganze Hinterland ein; hier liegt auf
einem Hügel mitten in schönen Gartenanlagen das schloßartige Haus des
Hrn. Wolter, Chefs des Handelshauses _Karl Wolter & Co._, sowie das neue
stattliche Haus eines Engländers. Von der Höhe *Aussicht auf Stadt und
Hafen. Die Umgebung ist gebirgig, doch gut bebaut. Die Flußfahrt nach
Söul ist langwierig, doch stellenweise sehr malerisch. Etwa 10 km sö.
von Tschimulpo liegt die alte Stadt _Intschön_, deren Mauern aus der
Zeit vor Christi Geburt stammen.
=Eisenbahn Tschimulpo-Söul= (1-1/2 St. für I. 1,41, II. 0,94 Yen; Gepäck
15 sen für 20 Pfund, dann 5 sen für je 20 Pfund mehr). Abfahrt vom
Hafenbahnhof in Tschimulpo; Hst. _Saalij_ am SO.-Ende der Stadt, hinter
der französischen Kirche, für das koreanische Viertel. Dann Fahrt durch
die Ebene über _Pup-hyöng_ nach (30 km) _Eitoho_, wo r. die
Südkoreanische Bahn (S. 336) nach Fusan abzweigt. Hinter (34 km) _Nodol_
auf einer Brücke mit 10 Bogen über den _Hangangfluß_. -- (37 km)
_Yungsan_, wichtiger Flußhafen, mit katholischer Kirche; dann mehren
sich die Dörfer, die Bahn läuft in die Hauptstadt. _Nandaimun_ am Südtor
und weiter zur (42 km) Endstat. _Saidaimun_ am Westtor, dicht an der
Stadtmauer von
=Söul= (sprich schaul, ssaul oder siul), d. h. Hauptstadt,
japanisch _Keijo_, chinesisch _Wangking_.
=Gasthöfe=: _Sontag Hotel_, in der Legation Street, nahe den
Konsulaten und gegenüber dem Club; 25 Z., französische Küche, Pens.
7-8 Yen. -- _Astor House Hotel_ (früher Station Hotel), am Bahnhof;
20 Z., Pens. 6-1/2-8 Yen.
=Post u. Tel.= japanisch. --_Rikschas_ (50 sen stündl.), Sänften,
Reitpferde sind zu haben. -- =Straßenbahnen=: 1. Von der
Westvorstadt durch die Hauptstraße und das Osttor zum Grabe der
Kaiserin; 2. Von Tjongno nach Ryong-san. -- =Eisenbahnen=: nach
_Tschimulpo_ (s. oben); Südbahn nach _Fusan_ 750 km; Nordbahn über
Pingyang nach Antung (S. 332) mit Anschluß an die
Mukden-Antung-Linie der Südmandschurischen Bahn (S. 324) und damit
an die Sibirische Bahn (S. 316). Bester Reiseweg für Japanreisende,
die das Seefahren nicht vertragen und auf diesem Wege, indem sie
von Söul mit Bahn weiter bis Fusan (S. 336) fahren, nur die kurze
Überfahrt von Fusan nach Shimonoseki, _etwa 7 St. Seefahrt_,
durchzumachen brauchen. Im Bau Zweigbahnen nach _Kunsanpo_ und
_Mokpo_ in Südwestkorea sowie die strategische Linie Söul-Gensan
(Wönsan). Geplant ist eine Querbahn von Pingyang nach Gensan. --
=Geld= wie Japan (S. 342).--_Banken_: _Bank von Korea_, mehrere
japanische. -- =Sprache=: S. 330. -- =Konsulate=:
_Deutsches Reich_, Generalkonsul Dr. Krüger. -- Internationaler
_Club_. -- Japanisches _Krankenhaus_. -- Zeitung: »Seoul Preß«
(Regierungsorgan). -- Europäische Geschäfte und Agenturen.
_Söul_ ist seit 1394 Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt Koreas; es
liegt auf etwa 37,5° nördl. Br. (wie Sevilla), etwa 4 km nördl. vom
rechten Ufer des Hangang in einer kesselförmigen Mulde und ist von
Bergen bis zu 800 m Höhe eingeschlossen, auf deren Abhängen sich die
mächtigen steinernen Stadtmauern von mehr als 20 km Länge hinziehen.
Innerhalb der Stadtmauern erhebt sich der steile, 400 m hohe _Nordberg_
(_Puksan_) und der 260 m hohe, dichtbewaldete _Südberg_ (_Namsan_), an
dessen Fuß das japanische Stadtviertel liegt. Außerhalb der 8 Tore von
Söul liegen noch große Vororte. Die Stadt ist sehr weitläufig gebaut,
zwei Hauptstraßen führen von N. nach S. und von O. nach W. hindurch. Die
Stadt hat 230939 Einw. (davon 35000 Japaner, 2000 Chinesen und 100
Europäer). Das Klima ist kontinental, bis 36° C im Sommer, -15° C im
Winter; beste Jahreszeit zum Besuch sind Frühjahr und Herbst, da dann
auch die Landschaft besonders schön und regenfrei ist.--_=Rundfahrt.=_
Man besichtigt zunächst bei der Einfahrt vom Bahnhof die mächtige
_Stadtmauer_ nebst Torpagode des Südwesttors mit tiefer Torwölbung. Von
dem Platz, auf dem der Himmelsaltar (_Wenku_) steht, gelangt man zum
_Neuen Kaiserpalast_, mit Seitenflügeln, zwischen denen die
Anfahrtstraße zum Haupteingang liegt; die Stirnwand hat 3 Torbogen, vor
denen 2 riesige, bizarre Steinlöwen stehen; das geschwungene Dach hat
dunkelgrüne Ziegel; im innern Hof l. ein Gartenpalast, r.
Beamtenwohnungen (Adelsgenossenschaft).--Man fahre dann an den Häusern
der fremden Gesandtschaften vorbei zum Westtor, bei dem nördl. der
_Maulbeerpalast_ (_Kjenghökung_) steht, 1616 erbaut, jetzt eine
ausgebrannte Ruine.--Von da durch die östl. Hauptstraße zum
_Glockenpavillon Tjongno_, dessen Glocke 1396 gegossen wurde und seitdem
abends und morgens das Schließen und Öffnen der Stadttore ankündete; die
Glocke hat etwa 3 m Durchmesser und 3-1/2 m Höhe. Der Glockenpavillon
liegt in der Mitte der Stadt im koreanischen Geschäftsviertel; dort sind
große Basare und die besten Kramläden. In der Nähe die alte weiße
_Marmorpagode_ mit 13 Stockwerken (14. Jahrh.) und im Hofe eines Hauses
ein alter Grabstein auf dem Rücken einer Schildkröte.--Dann folgt man
der östlichen Hauptstraße bis zum Ahnentempel _Htaimyo_, biegt dann l.
und gelangt zum _*Alten Kaiserpalast_ (_Tschyangkekkung_), dessen
riesige Anlage sich bis zu den Hügeln beim Nordtor ausdehnt und viele
prächtige Granitbauten in einem schönen Park enthält (zum Besuch vorher
Erlaubnis durch den deutschen Konsul auswirken); der Palast ist der
glänzendste Bau rein koreanischen Stils und enthält eine prachtvolle
Audienzhalle, einen schönen Thronsaal und geschmackvolle Pavillons an
den Lotosteichen des Parks. In dem Kiefernpark wurde auf einer Stelle,
die einem Musikpavillon ähnelt, die Leiche der von den Japanern
ermordeten Kaiserinmutter 1895 verbrannt.-- Nö. vom Alten Palast liegt
der 1764 erbaute Tempel _Kyengmokung_ und nördl. von diesem der aus dem
14. Jahrh. stammende _Kungfutszetempel_ (_Munmyo Munsyeng Wangmyo_), mit
uralten Bäumen im Hofe.--In wenigen Minuten gelangt man nun zum
prächtigen Nordosttore der Stadt, vor dem in dem Bonzenheim _Höngtyen_
in einem Nebensaale sehenswerte Gemälde der buddhistischen Hölle (_myeng
pu tyen_) sind.--Nur wenig weiter liegt das Grabmal einer Königin,
_Tjöngröng_, die 1396 starb und 1409 dort beerdigt wurde, ein
merkwürdiger Bau in schöner Lage.--Außerhalb der Stadtmauern liegen
viele Königsgräber in entzückender Landschaft. Sehr lohnend ist ein
Ausflug (3 St.) auf der westwärts laufenden Südmauer der Stadt bis an
ihren höchsten Punkt; dort *Aussicht über Stadt, Gebirge und bis
Tschimulpo.
=Ausflüge= in die landschaftlich reizvolle Umgebung zu Pferde,
besonders nach den fünf Präfekturfestungen, werden sehr empfohlen.
Nach _Pukhan_ etwa 12 km nördl. vom Westtor; nach _Kwangdschu_
(Zitadelle von _Namhan_) etwa 25 km sö. vom Südosttor von Söul auf
einem Berge, 1626 erbaut, mit neun Klöstern kriegerischer Bonzen,
einem Königspalast, verschiedenen Yamen und Tempeln. Man braucht 2
Tage, übernachte (gegen Geldgeschenk) in einem der gastfreien
Klöster.