_Wladiwostok_ (»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860

gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein

Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7'

nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der

Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren

natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die

auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und

Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl.

bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche

Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast

hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der

Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer

buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von

Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs- und Handelshafen ist

er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich

die Hauptstraße _Swetlanskaja_; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum

Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern

Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des

Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltige

_Museum_ (Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der

Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der

Marinestation, weiter östl. der _Marineklub_, mit Bootslandungsbrücken

am Hafen. In der Hauptstraße die _Uspenskij-Kathedrale_. Das _Institut

für Ostasiatische Sprachen_ liegt an der Puschkinskaja; ebenda die

deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das

Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf

eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht,

da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.).

Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen Firma

_Kunst & Albers_ an der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den

Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des

Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital,

daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.--Die

Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien,

Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr

beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen;

ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische,

Lebertran.--Das _Goldene Horn_ ist etwa von Mitte Dezember bis Mitte

April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber

außerhalb des Hafens behindern dann oft große Treibeismassen die

Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg,

trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie

Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im

Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.--_=Rundgang.=_ Man

fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe

oberhalb des _Observatoriums_, von wo prächtiger *Fernblick über das

Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im

SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am

Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eine

_Hafenrundfahrt_ (zweimal tägl., Fahrzeit etwa 2-1/2 St.), die bis zur

Insel _Kasakewitsch_ führt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder

Segelboot bei gutem Wetter nach der Insel _Askold_, wo die sibirischen

Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb

sind.--Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich

sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche

deutsche Brauerei.

=Von Wladiwostok nach Chabarowsk= führt die Ussuribahn in etwa 16

St. über (102 w) _Ketrizewo_ (S. 320), von da nö. im Tale des

Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über den

_Ussuri_ nach (340 w) _Murawjew-Amurskij_ (Bahnwirtschaft). Hinter

der 255 m langen _Imanbrücke_ bei (387 w) _Iman_ (Bahnwirtschaft)

tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der

Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w) _Bikin_

(Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach

(716 w) =Chabarowsk= (96 m; _Bahnwirtschaft_; Gasthöfe: Deutsches

Hotel und Restaurant von _Peter Moller_, empfohlen; _Hotel

Chabarowsk_; _Rossija_; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken:

_Kunst & Albers_; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der

Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4

Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner

Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des

Generalgouverneurs liegt das *_Museum_ der Russischen

Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei im

_Stadtgarten_ das Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt

hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel

(besonders Zobelfelle). Warenhaus: _Kunst & Albers_.

=Postdampfer= von Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre

Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940

w) =Nikolajewsk= (_Gasthof_; Warenhaus: _Kunst & Albers_),

Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den

Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts über _Blagowjeschtschensk_ nach

_Strjetensk_, vgl. S. 317.

Von Charbin nach Dairen.

Vgl. die Karten bei S. 215 u. S. 271.

Von Charbin zweigt eine Linie der =Ostchinesischen Bahn= nach S. ab (von

den Russen bis Port Arthur, S. 327, gebaut, jetzt nur bis Changchun noch

russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan

abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück der =Südmandschurischen

Bahn=. Von den sibirischen Expreßzügen (S. 316) wird ein Wagen in

Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können

in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9

St., Changchun-Mukden 6-1/2 St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke

geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China

(besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein

großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über

direkte Fahrkarten vgl. S. 302.

Vom _Charbin_-Hauptbahnhof (S. 318) führt die Bahn durch fruchtbares

Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps- und Maisfeldern; zahlreiche

Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w) _Dalatschao_

führt eine 735 m lange Brücke über den Sungari. -- (152 w)

_Jaomönn_ (Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen Grenzstation

_Kwangtschöngtse_ mit russischer Garnison erreicht man (222 w)

=Changchun= (_Tschangtschun_; _Yamato Hotel_, komfortabel, Pens.

9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett; -- _Yokohama Specie Bank;_

-- _Russisch-Asiatische Bank_), Knotenpunkt der Ostchinesischen,

Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier

umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug der _=Südmandschurischen

Bahn=_ (I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III.

Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23

Min. später als Charbinzeit (S. 318). Die alte Stadt mit 130000 Einw.,

6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh- und Bohnenhandel. Changchun

hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof

angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat

japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w) _Kirin_, wichtigster

Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw.,

von Mauern umgeben, am Sungari.]

Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge

an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun) _Gungchuling_ steigt die

Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M) _Tiahling_,

Handelsstadt mit 50000 Einw., am _Liauho_, und erreicht

(189 M) =Mukden= (chines. _Fengtien_), alte Hauptstadt des frühern

mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der

bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier

noch zeitweise residierten.

=Gasthöfe=: _Astor House Hotel_, in der innern Stadt, deutsche

Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.--_Yamato

Hotel_, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens.

9-12 Yen.

=Wagen=: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.--=Pferdebahn= bis

zur innern Mauer.

=Eisenbahnen=: _Südmandschurische Bahn_ (japanisch) nach Changchun

(und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen

und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan); _Nordchinesische

Bahn_ (chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie

chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.

=Bank=: _Yokohama Specie Bank_ (Korrespondent der Deutschen Bank)

in der innern Stadt.

=Deutsches Konsulat=, Konsul Dr. _Heintges_, Dolmetscher Dr.

_Siebert_.

Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigs) der Mandschurei, der

zugleich Gouverneur der Provinz _Fengtien_ ist, und eines

Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um

Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe

statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem

Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen

Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben.

In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt

von indischem Charakter, -- Die größte Sehenswürdigkeit ist der

*=Kaiserpalast=; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor

House Hotels. Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat,

war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder

vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in

Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des

kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt

werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme,

Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane,

Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große

Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die

Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon,

in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.

=Ausflüge=: Nach dem =nördlichen Kaisergrab Peiling=, etwa 6 km

nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die

Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage

schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich

verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das

mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch

wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum

Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern

*_Grabhain_ betritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee,

die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und

Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten,

eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit

schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock

gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten

Monolithen trägt, in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden

Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen

Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und

Chinesisch eingehauen ist. -- Durch ein von einem turmartigen

Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen,

breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher

Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten

hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für

Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter

Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, die _Ahnenhalle_ mit den

Tafeln Taitsungs und seiner Familie.

Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen.

_Geistermauer_ mit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch

einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten

Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu

einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen

Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält. -- Nach N.

hat man den mit einem Rundgang versehenen _Grabhügel_ vor sich; er

ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte

Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im

Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette,

die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll. -- Auf

der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.

Das =Ostgrab Tungling= in der Nähe des Dorfes _Tungling_ ist von

Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder

mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die

des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die

Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß).

Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).

Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer

Brücke über den _Hunho_, Nebenfluß des Liauho nach (199 M) _Suchiatun_

[von hier Zweigbahn über _Chienchinchai_ nach (34 M) _Fushun_ am Hunho,

wo die großen Kohlengruben der Südmandschurischen Bahn mit modernen

Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern; 1/4 St. vom Bahnhof,

jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über den

_Shaho_, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun) _Shaho_, kleine, aus

dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß

ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am

Nowgorod- und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm- oder

Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn

Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M)

_Yentai_, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft

ausgebeutet werden, nach (230 M) _Liaoyang_ (Bahnwirtschaft), ältester

Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *_Lama-Turm_, erbaut

im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte

Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen

Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905,

führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.-- Weiter über Haicheng

nach (256 M) _Tangkangtzu_ (Stadt mit heißen Quellen; _Gold Spring

Hotel_).

=Ausflug= (sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der

Bahn zum Kloster *=Chienshan= (_Tschienschan_) mit etwa 60 sehr

alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr

malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage

der Drachenquelle (_Lungtschuankuan_) und der Tempel der

Mildtätigkeit (_Wuliangkuan_), beide mitten in Waldeseinsamkeit.

Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die

Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.

Weiter nach (288 M) _Tashihchiao_ (_Daschitschau_; Bahnwirtschaft). Hier

Zweigbahn r. nach (13-1/2 M) _Yingkou_ (S. 328), nur bis ans l. Ufer des

Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum

Anschluß an die Nordchinesische Bahn.

Die Bahn führt über (306 M) _Kaiping_ (_Kaitschou_), Stadt mit wichtigem

Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die

Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der

Liaotunghalbinsel entlang über (326 M) _Hsiungyuehcheng_ (ganz guter

japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter,

die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M) _Teliszu_ (Niederlage

des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M)

_Wafangtien_ (Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M)

_Pulantien_ (früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des

japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. --(414 M) _Chinchou_

(_Kintschou_) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai

1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer

abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel

führt, an der Bucht von _Talienwan_ über (429 m) _Choushuitzu_,

Zweigbahn nach Port Arthur (S. 327), nach

(436 M) =Dairen= (früher _Dalny_), wichtigem japanischen Handelshafen

auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan

(Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen).

Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für

den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an

die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgenden Plan.

[Illustration: Dairen.]

=Gasthöfe=: _Yamato Hotel_ der Südmandschurischen Bahn,

komfortabel, sehr gelobt, Pens. 9-12 Yen; _Rioto-Hotel_;

_Iwaki-Hotel_ u. a.--=Post u. Telegraph.= --=Wagen=: Droschken,

Hotelwagen, Rikschas.

=Straßenbahnen= (elektr.) durchziehen die ganze Stadt.

=Eisenbahnen=: Südmandschurische Bahn (S. 324) nach Mukden und Port

Arthur.

=Dampfer= der Südmandschurischen Bahn (_South Manchurian Railway

Co._ in Dairen: Tel.-Adr.: »Mantetsu-Dairen«), Anschluß an jeden

Expreßzug von Moskau nach Schanghai; _Osaka Shosen Kaisha_ und

_Nippon Yusen Kaisha_, Anschluß nach Korea, Nordchina und Japan

mehrmals wöchentlich; _Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie_

nach Tsingtau, Schanghai und Tientsin (S. 265).

=Geld= wie in Japan s. S. 342.--=Bank=: Zentrale der _Yokohama

Specie Bank_ für die Mandschurei.

=Deutsches Konsulat= geplant.

=Klubs=: Internationaler Dairen Club; Dairen Golfing Association;

Seemannsheim.

=Ärzte=, tüchtige, Deutsch sprechende japanische Ärzte im modern

eingerichteten Central Railway Hospital.

_Dairen_, von den Russen nach großartigem Plan unter Aufwendung großer

Geldmittel, aber erst in den Grundzügen angelegt, ist zwar in den

letzten Jahren unter japanischer Verwaltung als Hauptausfuhrhafen für

die Südmandschurei stark aufgeblüht, doch macht auch heute noch ein

großer Teil des Stadtgebiets mit den breiten, nur mit vereinzelten

Häusern besetzten Straßen einen recht öden Eindruck. Nur die vom

Hauptplatz ausstrahlenden zehn modernen Straßen sind voll bebaut und

belebt. Hauptsächlich werden Kohlen und Bohnen ausgeführt. Schon

1909 führte Dairen etwa die Hälfte der mandschurischen Bohnenernte

(geschätzt auf 1 Million Tonnen) aus; die Bohnen und Bohnenkuchen

gehen nach Japan, Amerika und England in solchen Mengen, daß der

Weltschiffahrtsmarkt der Trampdampfer bereits stark durch die

Bohnenausfuhr beeinflußt wird. In Dairen sind die Generaldirektion und

Werkstätten der Südmandschurischen Bahn. Die Stadt hat elektrische und

Gasbeleuchtung sowie gute Straßen. Der Hafen ist mit Trockendock und

modernen Kaianlagen ausgestattet, aber den Nordwinden ausgesetzt und

noch nicht genügend ausgebaggert. Zementfabrik und große Bohnenmühlen

nahe Choushuitzu, auch andre Fabriken. Mehrere ausländische Firmen,

auch einige deutsche, sind in Dairen ansässig. Das Klima ist gesund,

im Juli bis 33°, im Januar bis -17°. Außerhalb der eigentlichen Stadt

liegen das Chinesenviertel und zwei Vergnügungsplätze für japanischen

Geschmack: Fushimipark und Yoshiwara. Die Umgegend von Dairen bietet

Seebäder am Gelben Meer im Sommerbadeort _Star Beach_ (Strandhotel der

Südmandschurischen Bahn, billig, gelobt), mit Sommerhäusern. Etwa 5 km

sö. von Dairen liegt die Sommerfrische _Laohutan_ (Roko-tan), etwa 8 km

sw. _Kokusekisho_ (Blackstone Rock), am Fuß des Berges Dairen Fuji, an

sehr schönem Strand mit phantastischen Felsformen; gute Fahrwege führen

zu diesen Plätzen.

=Von Dairen nach Port Arthur= führt die Bahn über (7 M)

_Choushuitzu_ u. (15 M) _Hsiachiahotzu_ (_Kakakashi_) mit sehr

schönem Badestrand am Tschiligolf.

(39 M) _Port Arthur_ (japanisch _Ryōjunkō_; Gasthöfe: _Yamato

Hotel_ der Südmandschurischen Bahn in der Neustadt, komfortabel,

gelobt, Pens. 9-12 Yen; _Astor House_; _Asahi Hotel_; _Seirinkan_.

--_Yokohama Specie Bank_; Droschken, Hotelwagen, Rikschas zu haben;

japanische Dampfer nach Tschifu), starkbefestigter Kriegshafen

(Photographieren und Zeichnen in der Nähe von Befestigungen ist

streng verboten!) auf der Kwangtunghalbinsel, mit nur noch etwa

15000 Einw., davon 10000 Chinesen, aber fast keine Europäer, vom

chinesischen Vizekönig Lihungtschang um 1880 angelegt, vom

japanischen Heer unter Oyama am 24. Nov. 1894 erstürmt, dann 1895

an China zurückgegeben, 1898 von Rußland »gepachtet« und durch neue,

fast sturmfreie Forts stark befestigt, im russisch-japanischen

Krieg von den Japanern unter General Nogi seit 6. Juni 1904

belagert und nach schweren verlustreichen Kämpfen am 2. Jan. 1905

zur Übergabe gezwungen (General v. Stössel war der Führer, General

Kondratenko [gefallen 1. Dez. 1904] die Seele der Verteidigung),

wobei 546 Geschütze u. 20 Kriegsschiffe (darunter 4

Schlachtschiffe) erbeutet wurden. Jetzt ist die Stadt Sitz des

japanischen Generalgouvernements und aller Militär- und

Marinebehörden für das Kwangtunggebiet. Port Arthur liegt in einer

tiefen Einbuchtung des Gelben Meeres mit nur 300 m breiter

Einfahrt, auf 38° 48' nördl. Br. (etwa wie Lissabon). Der 4 qkm

große, innere, das ganze Jahr eisfreie Hafen ist von Bergen

umgeben, die nach der Seeseite starke Befestigungen tragen; er ist

jetzt zum Teil als Handelshafen für Ausfuhr der Fushunkohlen (S.

325) freigegeben. Die Neustadt mit dem europäischen Stadtteil und

Regierungsgebäuden liegt westl. vom Bahnhof (der dicht am Hafen

liegt), ist aber jetzt fast völlig verödet, der Handel hat fast

aufgehört; die Altstadt, zumeist Chinesenstadt, liegt östl. davon.

In den Läden der Altstadt Kriegserinnerungen zu haben. Die

Umgebung, insbesondere die Küsten, sind reich an schönen

Landschaftsbildern. Die im Krieg von den Japanern erstürmten

Befestigungen, besonders das Nordfort des _Tungchikuanshan_

(Osthahnenkamm und der 203 m-Hügel sind sehr sehenswert. Nahe der

Stadt ein japanisches Kriegsmuseum mit vielen Modellen und

Erinnerungen; westl. davon das japanische Kriegerdenkmal, als

Leuchtturm gebaut u. mit Tempel, und weiter nw. jenseit der Bahn

das russische Denkmal (englischer Führer mit Karte: _Descriptive

and historical sketch of Port Arthur_ im Gasthof zu haben). Die

teilweise nicht wieder aufgebaute Hauptlinie der Befestigungen

wird, von Militärs aller Länder viel besucht. Nur die Seefront darf

nicht besichtigt werden.

Von Charbin nach Peking.

Vgl. die Karten bei S. 215 und S. 271.

=Ostchinesische Bahn= von Charbin nach _Changchun_ und von hier

=Südmandschurische Bahn= nach _Mukden_, vgl. S. 324. Von Mukden

nach (524 M) _Peking_ zweigt die =Nordchinesische Eisenbahn=

(_Imperial Railways of North China_) westwärts ab; Schnellzüge ab

südmandschurischer Bahnhof in Mukden im Anschluß an die Expreßzüge

von Charbin (S. 323), Fahrzeit Mukden-Peking 23 St., Fahrpreise I.

$ 31,70, II. 19,85, Zuschlag für Luxusexpreß $ 7 bzw. 5. --Über

direkte Fahrkarten Berlin-Peking (rund 11090 km) vgl. S. 302.

Bahnfahrt von Charbin nach Mukden vgl. S. 324. Von Mukden fährt die

Nordchinesische Bahn in westl. Richtung durch die steppenartige

Liaoebene, die nicht besonders fruchtbar, aber wichtig durch ihre

riesigen Schweineherden ist, die bis Peking exportiert werden, und

überschreitet den Liaoho. Dann südwestl. weiter in der Liaohoebene nach

_Koupangtze_.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 47 / 63 段