über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk,
Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok
(Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S. 323; Dampfer
nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S. 328) oder Söul (S. 331).
=Fahrzeiten=: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria
(6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 1-1/2 Tag, insgesamt
(401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking
in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man
die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen
machen.
=Fahrkarten=: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M.,
Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I.
Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel.
Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I.
328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob
man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz«
oder »obern« haben will.
Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende _direkte Fahrkarten_
aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.),
Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki
(über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.),
Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die
direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22
M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden
demnächst eingeführt.
=Nordexpreß und Schlafwagen.= Di. geht ein Nordexpreß von Berlin,
Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis
Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin
und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau,
ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über
Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise-
und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der
Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen
Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau
(Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau
(Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke
Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok,
Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und
Söul: Rondon & Co.
=Die Sibirischen Luxuszüge= (_Transsibérien-Expreß_) gehen Mi. und Mo.
abds. ab _Moskau_, und zwar Mi. mit Luxuswagen der
Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen
Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in _Irkutsk_ Di. und
Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an
in Irkutsk Fr.
Von _Irkutsk_ laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach _Charbin_ und
_Wladiwostok_; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in
Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi.
Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge
enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu
haben bei den Agenturen der Internationalen
Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt.
Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut,
_einige Wochen vorher_ Plätze bei der Internationalen
Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das _Deutsche
Reichskursbuch_ (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis
Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit
Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit
Nordexpreß über St. Petersburg.
Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis
Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das
russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der
Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von
Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden =Postzug= (je 1 Zug
tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch
Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf
allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die
Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu
empfehlen.
=Wagenwechsel= in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht,
Bahnhofwechsel vgl. S. 304), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S. 305),
Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S. 324), für Peking noch in
Mukden.
=Einrichtungen der Wagen.= I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün.
Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum
ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des
Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer.
Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche,
Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man
selbst bereit. Man tut gut, sich durch Zahlung von 1/2 Fahrkarte,
1/2 Schnellzugzuschlag und einem vollen Schlafwagenzuschuß ein
kleines Abteil (nur in I. Kl.) für sich zu nehmen, was viele
Vorteile hat, auch am besten gegen Diebstahl etc. sichert, da man
das Abteil verschließen kann. Auf der Sibirischen Bahn wird sehr
viel gestohlen; insbesondere achte man auf Brieftaschen und Pässe.
Während der Mahlzeiten im Speisewagen lasse man vom Schaffner sein
Abteil verschließen. Alleinreisende Damen müssen in jeder Hinsicht,
auch gegen fremde Mitreisende, _sehr vorsichtig_ sein! In der
Mandschurei entferne man sich nicht zu weit vom Bahnhofe. Geld
nehme man wenig mit, sondern Kreditbriefe an deutsche Firmen oder
Banken, z. B. Deutsch-Asiatische Bank in Schanghai. Kunst & Albers
in Wladiwostok etc. Vorausbestellung der Plätze ist anzuraten (s.
oben). Die Lüftung der Wagen läßt oft viel zu wünschen übrig.
=Eisenbahnzeit= ist für die russischen Fahrpläne bis nach
Wladiwostok Petersburger Zeit, d. h. 1 St. 1 Min. vor gegen M. E.
Z., ebenso auf den Bahnhöfen bis Mandschuria, von da ab Charbiner
Zeit, d. h. 7 St. 25 Min. vor gegen M. E. Z.
=Bahnpersonal= ist sehr höflich und auch meist zuverlässig; die
Schaffner verstehen zuweilen etwas Deutsch, ebenso die Kellner des
Speisewagens. Unter den mitreisenden Russen werden stets einige
Deutsch verstehen und liebenswürdig Hilfe leisten bei
Verständigungsversuchen. Fahrtunterbrechungen muß man sofort dem
Stationsvorstand melden, außerdem vor Fortsetzung der Reise die
Fahrkarte am Schalter abstempeln lassen.
=Verpflegung= soll im Speisewagen des Luxuszugs gut sein, in den
Kronszügen besser (gut bürgerlich und preiswürdig), aber da die
Bedienung knapp, muß man _frühzeitig bestellen_ und doch oft länger
als 1 St. warten. Wenn der Zug stark besetzt ist, wird Frühstück
und Mittag in zwei Folgen gereicht; bei der Folge, mit der man
anfängt, bleibt man für die ganze Reise. Auf Stationen mit _größerm
Aufenthalt_ (nur wenige) kann man in russischen Delikatessen:
Kohlsuppe, Kaviar, Stör, Lachs, Sardellen etc., schwelgen.
Empfehlenswert ist gelegentlich ein echter Wodka
(Regierungsschnaps); unabgekochtes Wasser meide man wie Gift. Für
die Fahrt durch die Mandschurei und China halte man Vorrat an
Konserven, Kakes, Schokolade, Rotwein, Zitronen oder Fruchtsaft;
dazu Geschirr.
Reiseapotheke ist im Speisewagen; ein Schlafwagenführer jedes Zugs
ist als Krankenwärter ausgebildet. Ärztliche Hilfe telegraphisch
auf großen Stationen bestellen.
=Gepäck= nehme man so wenig wie möglich mit, da die Gepäckfracht
sehr teuer ist, man auch sehr viel Scherereien beim Zoll und beim
Umsteigen hat; man schicke großes Gepäck 4-6 Wochen früher mit
Frachtdampfer (der Hamburg-Amerika Linie oder des Norddeutschen
Lloyd) voraus nach dem zweckmäßigsten ostasiatischen Hafenplatz.
Gepäck aus Deutschland nach Moskau vorausschicken, ist sehr
unzweckmäßig, teuer, macht auch große Zollschererei. Freigepäck 50
kg auf Fahrkarten, die außerhalb Rußlands gelöst sind, in Rußland
nur 24-1/2 kg. Zuschlag für je 4 kg von Moskau nach Wladiwostok
2,69 Rubel, bis Schanghai 2,89 Rubel. Handgepäck wird viel in die
russischen Schlafwagen mitgenommen.
=Zolldurchsicht= ist meist sehr streng, erfolgt auf Hinfahrt in
Alexandrowo (russisch) und Mandschuria (chines.), auf Rückfahrt in
Mandschuria (russisch) und Alexandrowo (deutsch). Gepäckträger
besorgt das aufgegebene Gepäck an die Zollschranke, wenn man ihm
den Gepäckschein gibt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, nehme man
nur bereits getragene Kleider, Wäsche, Stiefel, Handschuhe etc.
mit; man meide das Mitnehmen von Zeitschriften und Zeitungen, da
diese zur Zensur zurückbehalten werden; sogar zum Einwickeln
benutze man kein Zeitungspapier. Zigarren (bis 100 Stück) und Tabak
sind nur in angebrochener Kiste zollfrei, ebenso Mundvorrat an Wein
etc. Waffenerlaubnis ist durch die Kaiserliche Botschaft in St.
Petersburg mindestens einen Monat vorher einzuholen; für Fahrrad
oder Automobil ist der Zoll an der Grenze zu hinterlegen, er wird
bei späterm Nachweis der Wiederausfuhr zurückerstattet.
Spielkarten, Schießpulver u. a. werden mit Beschlag belegt.
=Paß= muß in Deutschland vom russischen Konsul visiert sein und
gilt sechs Monate. Die Paßvorschriften in Rußland sind sehr streng:
an der Grenzstation Alexandrowo wird der Paß von einem Gendarmen
abgenommen, nach der Zollbesichtigung des Gepäcks fordert man sich
den Paß zurück. Wer keinen vorschriftsmäßigen Paß hat, muß sofort
nach Deutschland zurück. Für Israeliten gelten besondere
Vorschriften. In jeder Stadt, wo man sich aufhält, muß der Paß zur
Polizei geschickt werden zur Anmeldung. Man trage ihn stets bei
sich und fordere sofort den Beistand des deutschen Konsuls, wenn
man Schwierigkeiten mit russischen Behörden hat. Für längern
Aufenthalt als sechs Monate in russischem Gebiet gelten besondere
Vorschriften; man reicht den Paß der Gouvernementskanzlei ein,
erhält dafür einen russischen Aufenthaltsschein für ein Jahr. Auch
muß der Paß durch die Polizeibehörde vor der Abreise aus russischem
Gebiet mit Erlaubnisvermerk versehen sein, daß man abreisen darf;
wer einen russischen Aufenthaltsschein hat, muß vor der Abreise
einen Reisepaß lösen. Wer aus Deutschland nach Ostasien oder
umgekehrt nur durch Rußland hindurchfährt, bedarf außer dem
Eintrittsviso des russischen Konsuls (in Deutschland oder Ostasien)
keiner Erlaubnis zum Verlassen Rußlands; der Vorweis einer
durchgehenden Fahrkarte Berlin-Peking etc. genügt.
=Geld.= Man rechnet in ganz Rußland nach _Rubel_ zu 100 _Kopeken_.
100 Rubel Papier kosten 215-216 M. Geprägte Münzen laufen um: in
Gold 15, 10, 7-1/2, 5 Rubel (15 und 7-1/2 sind selten); in Silber l
Rubel und 50, 25, 20, 15, 10, 5 Kopeken; in Kupfer 5, 3, 2, 1
Kopeken. Papiergeld: 500, 100, 50, 25, 5, 3 und 1 Rubel. Die
Moskauer Banken zahlen auf Schecks nur nach Eingang des Avis;
außerdem sind sie So. und noch in der Woche an sehr vielen
russischen Feiertagen geschlossen. Wer nicht längern Aufenthalt in
Moskau nimmt, lasse sich also kein Geld dahin zur Auszahlung
überweisen.
=Entfernungsangaben= in Rußland nach _Werst_ (abgekürzt »w«) = 1,067
km.
=Russische Sprache.= Die Mitnahme von _Meyers Russischem
Sprachführer_ (3 M.) ist dringend anzuraten. Da die Sprache sehr
schwierig ist, tut man gut, außerdem vorher in Deutschland einige
Stunden Unterricht in Lesen und Aussprache zu nehmen.
Von Berlin nach Moskau.
=Eisenbahn= von Berlin über Thorn, Alexandrowo und (627 km)
Warschau nach Moskau 1949 km in 37 (Nordexpreß, s. S. 302) und 40
St.
Von _Berlin_ nach (401 km) _Alexandrowo_ (Bahnwirtschaft, gut),
russischem Grenzplatz; Paß- und Zolldurchsicht, etwa 1-1/4 St.
Aufenthalt. Nun Fahrt durch die öde Weichselebene Polens über (34 w von
Alexandrowo) _Wloclawek_ (Bahnwirtschaft), alte Stadt mit 30000 Einw.,
und (86 w) _Kutno_(Bahnwirtschaft) nach (148 w) _Skierniewice_, Ort der
Dreikaiserzusammenkunft im Jahre 1884 im Schloß südl. der Bahn; dann
(211 w) =Warschau=, Hauptstadt Polens mit 764054 Einw.; Ankunft auf dem
_Wiener Bahnhof_ am r. Weichselufer. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird
auf Verbindungsbahn nach dem Brester (Moskauer) Bahnhof überführt; zu
den Schnellzügen muß man mit Droschke (ca. 1/2 St. Fahrt) zum andern
Bahnhof fahren. Das nach Moskau oder weiterhin aufgegebene Gepäck geht
stets bis Moskau durch, ebenso umgekehrt.
=Gasthöfe=: _Hôtel Bristol_;--_Hôtel de l'Europe_, 235 Z. 1,50-15
R.;--_Hôtel Brühl_, Kotzebuestr. 12; 65 Z. 1,50-4,50, F. 0,40, Dej.
1, T.d'h. 1,25 R., und viele andre.--=Cafés=: _Nitsche_ im Hôtel
Bristol; _Lourse_ im Hôtel de l'Europe; _Jackowski_ im
Sächsischen Garten u. a. --=Post=: Wareckiplatz; =Tel.=:
Kotzebuestraße 3.--=Droschken= nach Tarif.-- =Generalkonsulate=:
_Deutsches Reich_, Aleja Jerozolimskaja 45, Freiherr von Brück;
_Österreich-Ungarn_, Aleja Jerozolimskaja 23, Konsul Maurig v.
Sarnfeld. --=Agentur= der Schlafwagengesellschaft im Hotel
Bristol.--=Sehenswert=: Königl. Schloß; Krakauer Vorstadt mit
Kirche der heil. Anna, Denkmal Adam Mickiewiez'; Sächsischer Platz
mit Alexander-Newskij-Kathedrale, Sächsischem Schloß, Brühlschem
Palais und *Sächsischem Garten (mit Sommertheater). Das Lustschloß
*Lazienki mit schönem Park und allenfalls noch das Lustschloß
Belvedere.
Abfahrt von Warschau vom Brester Bahnhof durch waldige Gegend über (246
w) _Nowo-Minsk_, (295 w) _Siedlec_ (Bahnwirtschaft), (321 w) _Lukow_
(Bahnwirtschaft), nach (410 w) _Brest-Litowsk_ (Bahnwirtschaft), Stadt
mit 53300 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtiger Bahnknotenpunkt und
Festung. Nun durch die Wälder »Weißrußlands« über (502 w) _Beresa_
(Bahnwirtschaft) und (599 w) _Baranowitschi_ nach (731 w) _Minsk_
(Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Minsk, mit 107600 Einw.
(zur Hälfte Israeliten); wichtige Handelsstadt mit Messe im März.--(807
w) _Borissow_ (Bahnwirtschaft), längs der Rückzugstraße des
französischen Heeres und jenseit der Station auf langer Brücke über die
_Beresina_, nahe der Stelle, wo Napoleon I. auf dem Rückzug am 25.-29.
Nov. 1812 mit schweren Verlusten sein Heer bei _Studjenka_ über den Fluß
setzte.--(931 w) _Orscha_ (Bahnwirtschaft).--(1043 w) _Smolensk_
(Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Smolensk, mit 57100
Einw., in malerischer Lage am Dnjepr, die Bahnhöfe am r. Ufer; die sehr
alte Stadt war Schauplatz vieler Kämpfe und zeigt noch alte
Mauern.--(1101 w) _Jarzewo_ (Bahnwirtschaft).--(1207 w) _Wjasma_
(Bahnwirtschaft mit berühmtem Honigkuchen), Stadt mit 20000 Einw.--(1266
w) _Gshatsk_ (Bahnwirtschaft).--(1322 w) _Borodino_ (Bahnhofsmuseum), am
Schlachtfelde vom 7. Sept. 1812, der »Schlacht an der Moskwa«.--(1332 w)
_Moshaisk_ (Bahnwirtschaft), an der Moskwa, vorbei am
_Ssawin-Storoschewskij-Kloster_ am hohen Moskwa-Ufer, dann bei _Kunzewo_
über diesen Fluß. Nun erscheinen die Kuppeln der »heiligen Stadt«, man
erreicht (1435 w) _Moskau_.
Moskau.
Vgl. beifolgenden Plan
=Ankunft=: Brester Bahnhof im NW. der Stadt; Omnibus der Gasthöfe
zur Stelle. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird Mi. abds. auf
Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überführt, wo der sibirische
Zug bereitsteht, ebenso umgekehrt. Bei Ankunft mit Schnellzug muß
man vom Brester nach dem Kursker Bahnhof fahren. Der sibirische Zug
fährt vom Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof ab, etwa 5 km östl. vom
Brester Bahnhof.
=Gasthöfe=: _Hôtel Métropole_ (Pl. a), Theaterplatz.--_Hôtel
National_ (Pl. b), Ecke Twerskaja u. Mochowaja (nahe dem Kreml, für
Damen am geeignetsten); 170 B. von 3 (mit Bad 6) R. an, F. 0,75,
Gab.-F. 1,50, Mitt. 2,25, Omn. 1 R.: ZH.--_Hôtel Berlin_ (Schweizer
Wirt), Roschdestwenka, deutsches Familienhaus; 150 Z. 2-4,50, F.
0,60, Gab.-F. 0,75, Mitt. 1,75, Omn. 0,75 R.; ZH.-- _Hôt. Billo_
(Pl. c), Bolschaja Lubjanka 9; II. Ranges, aber gut, deutsche
Bedienung, Faßbier, deutscher Verkehr u. a. --=Restaurants=:
_Eremitage_, Trubnajaplatz. Ferner im _Hôtel Billo_, _Hotel
Berlin_, _Hôtel National_ und _Praga_ (Arbol). --=Café=:
_Filippow_, Ecke Twerskaja und Glinitschtschewskij Per.
=Hauptpost=: Mjaßnitzkaja; =Telegraph= daneben.--=Wagen=:
Droschken. (Iswoschtschik), zweisitzig, vom Bahnhof zur Stadt 60-80
Kop.; außerdem Lichatschi, Kaleschen, Troiken und Landauer.
--=Straßenbahnen= nach allen Richtungen, jede Teilstrecke 5 Kop.
=Banken=:_J. W. Junker & Co._, Kusnezkij Most, für Reisende
besonders empfohlen.--_Nordische Bank_, Iljieka, Korresp. der
Berliner Disconto-Gesellschaft. --_St. Petersburger Internationale
Handelsbank_, Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in
Leipzig.
=Theater=: Die _kaiserlichen Theater_; das _Große_, _Kleine_ und
_Neue_, alle drei am Theaterplatz; _Theater Korsch_; verschiedene
Varietétheater. _Zirkus Salamonski_, Zwetnoi-Boulevard.
=Konsulat=: _Deutsches Reich_, Konsul Dr. Kohlhaas, Archangelski
Pereulok, Haus Konstantinow; 11-3 Uhr: Vizekonsul Dr.
Hauschild.--_Österreich-Ungarn_, Generalkonsul Ritter v. Puscariu,
Moltschowska, Serebranny Perenlok. --_Schweiz_, Konsul Luchsinger,
Stary Gostinny Dwor.--=Polizei=: Twerskoi-Boulevard.--=Ärzte=: DDr.
_Rein_; _Taube_; _Goldendach_; Chirurg: Dr. _v. Schiemann_;
Augenarzt: Dr. _Engelmann_; Zahnarzt: _Adelheim_.--=Apotheke=:
_Ferrein_, Nikolskaja.--=Krankenhaus=: Evangel. Hospital (deutsch).
=Buchhandlung=: _Lang_, Kusnezkij Most.--=Photographien=: _Avanzo_;
_Daziaro_, beide Kusnezkij Most.--=Pelzhändler=: _Ssorokoumowskij &
Söhne_, Iljinka; _Bjelkin_, Kusnezkij Most (wer im Winter durch
Sibirien reist, muß mit Pelzen versehen sein!).--=Russische
Holzarbeiten=: _Sojus_, Neglinnaja, Ecke Kusnezkij Most, Deutsch
gesprochen.
=Zeiteinteilung.= 1. u. 2. Tag: Kreml, Jungfernkloster,
Sperlingsberge, Neßkutschnypark; 3. Tag: Besuch der Stadt,
Rumjanzewmuseum, Erlöserkirche und Tretjakowgalerie.
=Geschichtliches.= Moskau wird schon 1147 erwähnt; 1328 wurde es
Hauptstadt des Großfürsten Iwan Danilowitsch Kalita, der die Stadt
befestigte. 1382 verbrannte der Tatarenchan Tochtamysch die Stadt,
die erst unter Iwan III. (1462-1503) zur aufblühenden Hauptstadt
des Moskowiterreichs wurde, aber unter Iwan IV., dem Schrecklichen
(1533-84), viel durch Feuer und tatarische Überfälle (letzter 1591)
zu leiden hatte. Moskau blieb Hauptstadt auch unter den Romanows,
bis Peter I., der Große, 1703 St. Petersburg gründete und sein
Hoflager 1711 dahin verlegte. Am 14. und 15. Sept. 1812 besetzte
Napoleon I. Moskau; schon am 14. steckten die Russen die Stadt in
Brand, die bis zum 21. zu drei Viertel niederbrannte; am 19. Okt.
mußte Napoleon aus Mangel an Lebensmitteln den Rückzug antreten.
_Moskau_ (142 m), alte russische Hauptstadt und zweite kaiserliche
Residenz, die bedeutendste Handelsstadt Rußlands und Hauptsitz der
russischen Industrie, mit 1459800 Einw. (darunter über 15000 Deutsche),
liegt an der Moskwa und ist Sitz eines Generalgouverneurs, zweier
Korpskommandos, einer Universität und vieler andrer hoher Schulen etc.
Die Mitte der Stadt bildet der _Kreml_ (S. 307); von ihm laufen
strahlenförmig die meist krummen Straßen (mit meist nur zweistöckigen
Häusern) aus, die durch drei Ringstraßen verbunden werden. Nö. vom Kreml
liegt das Stadtviertel _Kitajgorod_ (d. h. Chinesenstadt), Sitz des
Großhandels; Kreml und Kitajgorod bilden die innere Stadt (»Gorod« =
Stadt) und sind noch mit der 1534 erbauten weißen Mauer umgeben, nach
der der neue, die innere Stadt umschließende Stadtteil _Bjelojgorod_ (d.
h. Weiße Stadt) benannt ist, der vornehmste Stadtteil mit vielen
öffentlichen Gebäuden und Palästen. Um die »Weiße Stadt« schließt sich der
Stadtteil _Semljanojgorod_ (d. h. Erdstadt), nach dem alten Erdwall
benannt, auf dem jetzt die Sadowaja (d. h. Gartenstraße) angelegt ist,
die diesen Stadtteil nach außen begrenzt. Außerhalb davon liegen die
Vorstädte, in denen Fabriken, Kasernen, Bahnhöfe und die Wohnungen der
ärmern Bevölkerung liegen. Moskau hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14
Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Das russische Volksleben ist
in Moskau viel ursprünglicher und »russischer« als in St. Petersburg, das
Straßenleben ist lebhaft, der Besuch der Märkte sehr zu empfehlen.
_=Rundfahrt.=_ Hauptziel ist der *_Kreml_. Man fahre vom Theaterplatz
(wo das Hôtel Métropole liegt) durch die _Iberische Pforte_, zwei
spitztürmige Torwege, zwischen denen die sehr heilige _Kapelle der
Iberischen Mutter Gottes_ mit berühmtem wundertätigen Heiligenbild steht
(Vorsicht vor Taschendieben!). Innerhalb der Pforte liegt r. das
_Historische Museum_ (11-3 Uhr, außer Sa. und an Festtagen). Sö. der
_Kraßnaja-_ oder _Rote Platz_ mit dem _Denkmal Minins und Knjas
Poscharskijs_ und der _Schädelstätte_ (_Lobnoje Mjesto_), Hinrichtungs-
und Empfangsplatz etc.; sö. die _Basiliuskathedrale_ (1679 vollendet);
an der Ostseite des Platzes die _Handelsreihen_ mit etwa 1000
Geschäftsräumen. (In der Seitenstraße l., Warwarka, liegt das _Haus des
Bojaren Romanow_, worin der erste Romanow, Zar Michail, geboren
wurde.)--Von der Basiliuskathedrale südl. über den Waßiljewskajaplatz
längs der Kremlmauer zur _Moskwaretzkijbrücke_ und über diese r. auf den
_Sophienkai_ (Ssofijskaja Nabereshnaja), von beiden bester *Überblick
über den Kreml. Weiter über die große Kamennijbrücke, dann r. durch den
schönen _Alexandergarten_ längs der Westseite des Kreml, an dem die
riesige _Stadtmanege_ liegt, die als Exerzierhaus, Ausstellungs- und
Festraum dient; dahinter die _Kaiserliche Universität_ (1755 begründet),
mit gegen 10000 Studenten, Sternwarte, Bibliothek, Botanischem Garten
und Zoologischem Museum. Dann r. um die Nordspitze des Kreml herum, am
Historischen Museum vorbei, nochmals über den Roten Platz zum
Haupteingang des
*=Kreml=, die Stadtburg und ältester Teil von Moskau, 43 m über dem l.
Steilufer der Moskwa, umgeben von einer 1487 erbauten, 2 km langen, 20 m
hohen Zinnenmauer mit 5 Toren und 18 Türmen. Es ist ein besonderer
Stadtteil, »das Nationalheiligtum der Russen, dessen Gesamteindruck an
Originalität die kühnsten Erwartungen übertrifft; Kirchen, Paläste und
Klöster reihen sich in bunten Farben aneinander, keine Kuppel gleicht
der andern; von seltener Pracht, einem kolossalen Gold- und
Bilderreichtum ist das Innere der Kirchen«. (Elisabeth v. Öttingen.)