Gebirge, den _Nankouschan_, das infolge der rostförmigen, durch
Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im
besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan
durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter
über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große
Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den
Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten
verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke
natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte
Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der
früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch
Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert
an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei
in erster Linie Tee. -- Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige
Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind
baumlos.
Man verläßt die Mandschustadt durch das NW.-Tor _Têschêng-mên_
[Dōĕ-schong-mönn, »Tor der siegreichen Tugend«], am Gelben Tempel (S.
291) und weiter nördl. am alten Mongolenwall _T'u-ch'êng_ [Tú-tschong]
des Khan Balik vorbei durch sandige Gegend über (10 km) _Ching-ho_
[Tsching-hōŏ], nw. nach (23 km) =Sha-hô= [Schá-hōŏ, »Sandfluß«], mit
chinesischer Herberge; vorher über eine schöne Marmorbrücke und hinter
dem Ort eine siebenbogige Brücke. Die Straße, auf der man malerische
mongolische Kamelkarawanen sieht, führt nnö. weiter, vorbei an (36 km)
=Ch'ang-p'ing-chou= [Tschăng-ping-djŏū] (gute chinesische Gasthäuser),
einer großen, alten, mit hohen Mauern umgebenen Kreishauptstadt.--Von
hier aus kann man auf bequemem Weg (7 km nördl.) die _Minggräber_ (S.
296) erreichen, doch empfiehlt es sich, zunächst über (44 km) Stat.
=Nan-kou= [Nán-kŏū] (210 m; Quartier im neuen _Railway Hotel_, am
Bahnhof, gelobt, Pens. $ 6) zu fahren. Die Bahn fährt weiter; nach
dem ersten Drittel des Passes vorbei an der Talsperre =Chü-yung-Kuan=
[Dyü-yung-gwan] (200 m); dort ein Torturm (1258 erbaut), auf dem
Hindureliefs, Buddhafiguren und siebenköpfige Schlangen und zwei
Inschriften von 1345 in sechs Schriften: Sanskrit, Tibetanisch,
Mongolisch, Uigurisch, Nuchên und Chinesisch.--Etwa 4 km aufwärts
liegt die zweite Talsperre =Shang-kuan= [Scháng-kwan] (450 m). Etwas
weiter aufwärts tauchen die ersten Bruchstücke der Großen Mauer auf.
Vom Bahnhof _Ching-lung-chiao_ (s. oben) erreicht man zu Fuß in ca. 1/2
St. die Paßhöhe =Pataling= (=Nankoupaß=) [Bà-da-ling, »die acht großen
Berggipfel«], 633 m ü. M., wo die _Große Mauer_ den Paß kreuzt.
Die =Große Chinesische Mauer= (_Wanlitschangtschöng_ = Mauer von
10000 Li, d. h. chinesischen Meilen, mongolisch _Jagan Kerme_ =
weiße Wand), das mächtigste Bauwerk der Erde, 2450 km lang, ist in
drei Zeitabschnitten erbaut, zuerst zur Zeit der Punischen Kriege
(von dieser Mauer sind nur Reste übrig), dann zur Zeit Karls des
Großen als »äußere Mauer« von Schanhaikuan (S. 329) bis zum Hoangho,
den sie auf nahezu 40° nördl. Br. an der Grenze der Mongolei
erreicht, von wo sie in sehr unregelmäßiger Linie westl. läuft und
jenseit Kantschou auf etwa 39° nördl. Br. und 100° östl. L. in der
Provinz Kansu endet. Diese Mauer ist nw. und nördl. von Peking
doppelt (die Mauer bei Pataling ist im 15. Jahrh. von den Ming
gebaut), so daß man etwa 130 km nw. von Pataling bei _Kalgan_
nochmals auf eine Mauer trifft, von der aber nur noch Ruinen der
Wachttürme erhalten sind. Außerdem lief eine zur Zeit Rudolfs von
Habsburg von einem Mingkaiser erbaute, jetzt gänzlich
verschwundene »innere Mauer« von Schanhaikuan nö. durch die
Mandschurei als Palisadenwall. Die Mauer ist überall etwa 16,5 m
hoch, unten 8 m, oben 5 m und mehr breit, mit guter Straße auf
ihrer Plattform, mannshoher Brüstung auf beiden Seiten und
regelmäßige Zinnen, Basteien und etwa alle 100 m Wachttürme; die
Mauer windet sich malerisch über Bergkämme (bis 1700 m ü. M.),
durch Täler und Abgründe. Jetzt stehen die Tore der Mauern offen
und unbewacht; stellenweise liegen alte Geschützrohre in den
Wachttürmen. Zweck der Mauer war der Schutz gegen Einfälle der
Hunnen und Mongolen.
Man besteige die Mauer westl. (l.) vom Tor, Aufstieg bei der
eingestürzten Stelle, gehe dann etwa 1/2 St. bis zum höchsten Wachtturm,
von dem man prächtige *Aussicht über die Mauer, den Engpaß und die
Gebirge hat. Etwa 4 km nö. unterhalb der Mauer liegt die ummauerte Stadt
=Ch'a-tao= [Tschá-dao] (491 m; Herberge), wo man zur Not übernachten
kann.
Von da führen die Eisenbahn und eine Karawanenstraße nach =Kalgan=
(_Tschangkiakou_; 200 km von Peking), 825 m ü. M., etwa 70000 Einw.;
Kalgan ist wichtiger Handelsplatz an der äußern Doppelmauer, an der
Handelsstraße nach _Kjachta_, dem alten Überlandweg von Europa nach
Peking. Die Mongolische Bahn, die durch die Mongolei hindurch an das
sibirische Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, war Mitte 1911 bis
_Suiyüen_, 290 km über Kalgan hinaus, betriebsfertig.
Nach Besichtigung der Mauer kehre man nach _Nankou_ zurück (20 km von
Pataling), wie oben angegeben, übernachte hier und reite am nächsten
Morgen am Fuß der Berge östl. 8 km zu den *=Minggräbern= (_Mingling_).
Sie liegen, je etwa 1 km voneinander entfernt, in einem
halbkreisförmigen Tal am Fuße der dieses einschließenden Berge. Die
Straße dorthin ist prachtvoll geschmückt durch Marmortore und
überlebensgroße Marmorstatuen.
Der erste *Torbogen (1541 erbaut) gilt als einer der schönsten
Chinas und ist mit sehr feinen Marmorskulpturen geschmückt.
Jenseits einer halbverfallenen Brücke erreicht man einen großen
roten Torbogen, _Ta-hung-mên_ [Dà-hung-mö̆nn, »Großes Rotes Tor«].
Von hier führt ein mit Steinfliesen belegter Weg (1537 angelegt)
zum dritten Torbogen, der von 4 Drachensäulen getragen wird (1426
erbaut); hinter ihm beginnt eine seltsame, mit Steinbildern
besetzte Straße, zwischen jedem Paare sind etwa 50 Schritt
Zwischenraum; den Anfang machen 4 Löwen, 4 Einhörner, 4 Kamele, 4
Kilin (Fabeltiere) und 4 Pferde, dann folgen 12 Menschenfiguren,
und zwar 4 Militärmandarine, 4 Zivilmandarine und 4 Priester.
Wieder schließen sich Torbogen an; dahinter liegt mitten zwischen
hohen Bäumen der große Grabtempel *=Ch'ang-ling= [Tschang-ling] des
Kaisers Yung Lo [Yung Lōŏ], 1403 bis 1425, von hoher Mauer
umgeben (Einlaß $ 1 dem Wächter). Zwölf andre, kleinere
Kaisergräber und viele Gräber kaiserlicher Frauen, Nebenfrauen,
Prinzen u. Prinzessinnen (zus. über 30) liegen, ebenfalls mit Grün
geschmückt, in der Umgebung des großen Grabtempels. Der Eingang zum
Tschang-ling, ein dreifaches Tor, führt in einen Vorhof, von dem
Marmortreppen durch Torbogen in eine riesige Tempelhalle mit 40
rotlackierten, 10 m hohen und 1,3 m dicken Holzsäulen führen, in
deren Mitte eine Ahnentafel steht. Dahinter liegt noch ein Hof mit
Torbogen und Altar sowie mehreren Blumenvasen und
Marmorkandelabern, an dessen Hinterwand ein viereckiger Turm vor
einem runden Grabhügel steht. Das Grab liegt vermauert in einem
kleinen hohen Tempel mit geschweiftem Dach; von beiden Seiten
führen ansteigende Marmorgalerien empor zum ersten Stock des
Tempels, der über dem Grab ein Gemach mit Riesengedächtnissäule
trägt.
Rückweg nach Nankou (Rückfahrt nach Peking oder Weiterfahrt nach
Chinglungchiao oder Kalgan mit Bahn) oder, falls Reittier oder Sänfte
zur Verfügung, bis zum ersten Torbogen, dann südl. etwa 7 km auf
bequemem Weg nach _Ch'ang-ping-chou_ (S.295), wo man übernachten kann,
falls man nicht Zeit hat, noch bis _Schaho_ (Bahnstation 20 km südl. von
den Minggräbern) zu reiten.--Lohnend ist auch am vierten Tage der Weg
von Ch'ang-ping-chou sw. nach (etwa 15 km) =T'ang-shan= (»Berg der
warmen Quelle«), Dorf am Fuß des gleichnamigen Berges, Quartier im
Dorftempel. Dabei liegen die Gärten und Ruinen eines Palastes des
Kaisers King Hsi, in denen eine heiße Schwefelquelle von mehr als 50° C
entspringt; die Quelle ergießt sich in zwei mit Marmorbalustraden
umgebene Becken, in denen man baden kann. In der Nähe sehenswerte Reste
des Palastes. --Rückweg über Schaho (von da mit Bahn) oder direkt nach
(etwa 45 km) _Peking_, Andingmönn (S. 291).
Ausflug nach Jehol (Tschöngtöfu).
Vgl. die Karte bei S. 271.
Man rechne etwa 10 Tage, sorge in Peking für gute Reittiere und
kräftige Zugtiere für die Gepäckkarren, nehme Feldbetten, reichlich
Konserven und Getränke mit; als Geld Peking-Dollars und
Kleingeld.--Die Unwegsamkeit des Gebirgslandes im N. und W. von
Peking tritt auf diesem Ausfluge noch weit stärker in Erscheinung
als auf dem Wege nach dem Nankoupaß.
_=1. Tag=_: früh 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordosttor der
Tatarenstadt Peking, Tungtschimönn, auf staubiger, schlechter
Kunststraße in nnö. Richtung durch eintönige Gegend in 4 St. nach
(14 km) _Sunho_ (Frühstücksrast); 2 km hinter Sunho über den Fluß
_Wenyüho_, dann r. an der ummauerten Kreisstadt (30 km) _Schunyi_
vorbei zur Kleinstadt (37 km) _Niulanschan_, wo die Berge, die die
Pekinger Ebene nach N. abschließen, näher an die Straße
herantreten; Nachtquartier im chinesischen Gasthaus des Dorfes (48
km) _Taloschan_ (_Da-lo-schan_).
_=2. Tag=_: 7 Uhr Aufbruch, auf schlechtem Weg, der sich den östl.
Bergen nähert, zur Kreisstadt (60 km) _Miyün_, durch deren Osttor
man weiter nach (72 km) _Mengtschiaying_ (_Mudsia-yü_) gelangt
(Mittagsrast bis 2 Uhr); Nm. erreicht man die Berge und passiert
den ersten Rücken. Der Weg bleibt nahe westl. vom Fluß
_Tscháuho_. Nachtquartier im chinesischen Gasthaus der ummauerten
Kleinstadt (93 km) _Schihsiatschĕng_ (158 m ü. M.).
_=3. Tag=_: 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordtor auf steinigem Weg;
viel Geröll und sehr steile Hohlwege, so daß die Karren mit Mühe
hinaufkommen; nach 3 St. Eintritt in das Gebirge _Heischan_, auf
dessen Kamm man die Türme der =Großen Chinesischen Mauer= (S. 296)
erkennt. Der Weg führt bergan durch großartige Landschaft über
einen Paß (232 m), dann bergab zum Tal des Flusses Tscháuho: 15 km
von Schihsiatschĕng tritt der Weg an das r. Ufer, man setzt mit
Fähre über den hier 3/4 km breiten Tscháuho und erreicht nach
weitern 2 km die malerisch am steilen l. Ufer gelegene ummauerte
Kleinstadt (111 km) *=Kupeikou= (_Gubei-kóu_); hier Frühstücksrast.
Unmittelbar hinter der nördl. Vorstadt von Kupeikou tritt die Große
Mauer im Engpaß dicht an beide Flußufer heran; man kann ihre
großartigen Windungen über den Gebirgskamm weithin überschauen,
trotzdem sie teilweise stark zerfallen ist. Durch die Mauer dicht
am l. Flußufer führt die Straße in die Mongolei, deren Südostzipfel
staatlich zur chinesischen Provinz Tschili rechnet. Durch ein
steiniges, kahles Tal, von mächtigen Bergen eingeschlossen, belebt
von Kamelkarawanen, Reihern und Raubvögeln, gelangt man vorbei am
zerfallenen chinesischen Schloß _Lienhsienfeng_ nach (143 km)
_Schanschykoa_; hier Nachtquartier in einfacher Herberge.
_=4. Tag=_: 6 Uhr Aufbruch, auf felsiger Straße steil (bis 30 und
35° Steigung) bergan in engem Tal; neben der Straße führt der
Telegraph nach Jehol. Bei einem schwierigen Paß in der wilden
Landschaft muß die Karre abgeladen, das Gepäck getragen werden;
dann wird ein freundlicheres Tal durchquert und wieder ein steiler
Paß in felsiger Landschaft (898 m hoch) überschritten. Weiter
bergab und bergauf, an tief eingeschnittenem Flußbett entlang und
durch großartige Schluchten nach der Kreisstadt (178 km)
_Lwanping_; hier Nachtquartier im chinesischen Gasthaus. Vor der
Stadt ein europäisches Steindenkmal für Missionare (1900
ermordet). Nachts hört man die Glocken durchziehender Karawanen.
_=5. Tag=_: 6-1/2 Uhr Aufbruch durch das Osttor; gleich hinter der
Stadt überschreitet man den Fluß _Lwanho_ auf 80 m langer,
primitiver Brücke. Dann führt die in den Felsen eingeschnittene
Straße in großartiger Berglandschaft sehr steil bergauf über einen
Paß und ebenso steil bergab (Karrenräder feststellen!) durch Wald
in ein gut bebautes Tal. Gegen 10 Uhr sichtet man den kaiserlichen
Park, der Jehol krönt, nach 1 St. erreicht man (206 km) =Jehol=
(_Dschehol_, chin. _Tschöngtöfu_), sehr alte Präfekturstadt mit
angeblich 250000 Einw., Sitz eines Tatarengenerals und eines Futai
(beiden schicke man Visitenkarte); die frühere Sommerresidenz der
Mandschukaiser, ein prächtiger Palast in großem Park mit herrlichen
Bäumen auf einer Anhöhe über der Stadt, ist nicht zugänglich. Sehr
sehenswert ist der gut erhaltene großartige =Lamatempel=, vom
Kaiser K'ang Hsi (1662-1722) im Stil des Palasttempels von Potala
in Lhassa (Tibet), der Residenz des Dalai Lama, erbaut; die Dächer
der Tempelanlage sind teils vergoldet, teils mit kaiserlichen
gelben Ziegeln gedeckt; die gut erhaltenen Wände sind mattrot. (Der
Besuch dieses Tempels entschädigt reichlich für die Mühen der
Reise; vgl. _O. Franke_, Beschreibung des Jehol-Gebiets [Leipzig
1902].)
_=Rückreise=_: Reittiere und Karren schickt man am besten nach
Peking zurück, um selbst in offenem Boot (tägl. $ 5) mit Platz für
ein Feldbett, 3 Ruderknechte und einen Diener (Boy) zurückzureisen.
Das Boot mietet man in Jehol (oder 10 km sö. am Fluß Lwanho beim
Ort _Wang-ba-gr_, an begangener Karawanenstraße). Die Bootsfahrt
talwärts des Lwanho ist sehr interessant, führt anfangs durch enge
Felsschluchten (ähnlich dem Yangtse oberhalb Itschang, vgl. S.
262), passiert die Große Mauer beim Dorf _Pantsiakou_ mit starken
Windungen, gelangt dann in ein breiteres Tal, vorbei an der
ummauerten Stadt _Tsienan_; unterhalb der großen Stadt _Yungpingfu_
treten die Berge wieder dicht an den Fluß, der bei Lwantschou die
Küstenebene erreicht. Je nach Wasserstand und Stromgeschwindigkeit
gelangt man in 3-6 Tagen zur Bahnstation _Lwantschou_ (S. 329) der
Nordchinesischen Bahn, von wo man in etwa 4 St. nach Tientsin (S.
275) fährt.
Von Peking nach Hankau.
(Vgl. die Karten bei S. 271 u. 215.)
Die =Peihan-Eisenbahn= (_Imperial Peking Hankow Railway_, auch
_Ching-Han Railway_ genannt), 1209 km, tägl. Frühzug (gegen 7 Uhr)
in 12-1/4 St. bis Tschangtöfu (von da Frühzug in 10-3/4 St. bis
Tschoumatien, von da wieder Frühzug in 10 St. bis Hankau, also 3
Reisetage). Jeden Di. Expreßzug mit Schlafwagen in 30 St., ab
Peking früh 9,20, an Hankau Mi. 3 Uhr Nm.; Fahrpreis für den
Expreßzug Peking-Hankau I. Kl. $ 65,40, II. 43,60; für gewöhnliche
Züge I. Kl. $ 43,50, II. 29. Abfahrt vom Bahnhof der Ching-Han
[Dying-Han], d. h. Peking-Hankau-Bahn, westl. vom Kaisertor.
Die Bahnlinie führt am Westrande der Großen Ebene entlang, nahe dem
mauergleichen Randabfalle des westl. Gebirgslandes, der bis zum
Hoanghodurchbruch südwärts als _Taihangschan_ bezeichnet wird; er
ist dadurch entstanden, daß der östl. Teil des einst weiter
ausgedehnten Gebirgslandes in die Tiefe sank; die Große Ebene
befindet sich jetzt an seiner Stelle. Der Gebirgsrand wird von den
Flüssen in engen Schluchten durchbrochen und bereitet dem Verkehr
zwischen dem Westen und dem Osten (auch dem Bau der Bahn nach
Tayüenfu) große Schwierigkeiten; als Verkehrsweg sehr wichtig ist
infolgedessen der _Hoanghodurchbruch_, der zwar der Schiffahrt
wenig Nutzen, aber Raum für eine große Verkehrsstraße bietet und
jetzt auch schon von einer Bahnlinie benutzt wird. Die Große Ebene
greift hier in einem spitzen Winkel ins Gebirgsland ein. Wie die
Berge waldlos und kahl, so ist auch die Ebene in ihrem nördl. Teil
steppenhaft und außerhalb der zahlreichen Dörfer fast baumlos. Je
weiter man aber nach S. kommt, um so freundlicher wird die
Landschaft; schon in der Gegend des Austritts des Hoangho aus dem
Gebirge, einer der fruchtbarsten und dichtest besiedelten in ganz
China, wechseln die Felder der Chinesen vielfach mit Baumgruppen,
Obstpflanzungen, Gräberhainen u. dgl., dann werden am südl. Honan
die subtropischen Hartlaubpflanzen immer häufiger, Teestrauch und
Bambus erscheinen, und das Landschaftsbild nähert sich dem
Südchinas immer mehr. Die Bahn führt hier an den östl. Ausläufern
des Tsinlingschan (S. 300) entlang und übersteigt schließlich das
Hwaigebirge (Hwaijangschan), das, wie S. 215 angegeben, als
Fortsetzung des Tsinlingschan das östl. Nord- und Südchina scheidet,
und erreicht bald darauf Hankau.
Die Bahn tritt aus der Chinesenstadt beim Tore _Hsipienmön_
(Chí-biĕn-mö̆nn) zwischen dem _Tempel des himmlischen Friedens_,
T'iĕn-ning-ssĕ, (l.) mit zwölfstöckiger Pagode, der ältesten in Peking,
in schönem Park, und dem taoistischen _Kloster der Weißen Wolken_,
To-yün-kuan, (r.), fährt bei (7 km) _Wanghailóŭ_ am Rennplatze (l.)
vorbei und überschreitet auf 450 m langer, 15bogiger Brücke den Hunho;
l. sieht man in 5 km Abstand die sogen. *=Marco Polo-Brücke=, von
dem berühmten venezianischen Reisenden Marco Polo zuerst beschrieben
(chines. _Lu-kou-ch'iao_ [Lú-gōŭ-tschiáo, »Schiffgrabenbrücke«]),
1189-94 aus Marmor erbaut; sie hat 11 Bogen und trägt auf dem
Steingeländer je 140 Säulchen mit Löwenfiguren auf jeder Seite; die
Brückenköpfe bilden zwei Pavillons mit gelben Ziegeldächern, unter
denen kaiserliche Inschriften auf Tafeln stehen. -- Bei (21 km)
_Ch'ang-hsin-tien_ (Tschàng-chin-diĕn) sind die Eisenbahnwerkstätten.
--Von hier Ausflug auf Eseln in 3 St. zum _Kloster Chich-tai-sze_
[Dyīĕ-tai-ssĕ], aus der Zeit der Tang-Dynastie (8. oder 9.
Jahrh.), mit breiten Terrassen, alten Bäumen und interessanten
Tempeln am Gebirgshang; es ist jetzt Sommerquartier der deutschen
Gesandtschaftswache. (Von hier 2 St. zu Esel zum Kloster _Tan-chê-sze_
[Tàn-djōĕ-ssĕ].) Eisenbahn weiter über (31 km) _Lianghsiang-hsien_
[Liang-chiang-chiĕn], Kreishauptstadt, und über (64 km) _Cho-chou_
[Djōŏ-djŏū], eine sehr alte, um 200 v. Chr. gegründete Stadt mit großen
Mauern, nach (84 km) _Kao-pei-tien_ [Gàŏ-bê-diĕn].
=Zweigbahn= von hier nach (35 km) _Liang-yu-chuang_
([Liàng-yō-djwáng]; bei diesem Tempel steht der Sarg des 1908
verstorbenen Kaisers Kuang Hsü bis zur endgültigen Beisetzung
vorläufig aufgebahrt. Das ca. 6 km davon gelegene Mausoleum [sehr
interessante Bauart!] soll in etwa 4 Jahren fertig sein); dann zu
Esel etwa 1 St. nach *=Hsiling= [_Chi-ling_], den »Westgräbern« der
herrschenden Dynastie (Besichtigung gestattet), wo man beim
Kommandanten Meh-dajen gegen Gastgeschenk (Wein, Kaffee, Sekt,
Zigaretten) gute, saubere Unterkunft im Fremdenzimmer findet; zum
eignen Gebrauch Feldbett und in der heißen Zeit Moskitonetz
mitnehmen. Wer Zeit hat, sollte im Frühling oder Herbst mehrere
Tage auf den sehr lohnenden Ausflug verwenden. Dann mit Pony durch
schöne Landschaft bergan zum _Tze-ching-kuan_ [Dsĕ-dying-gwăn]
mit Gasthaus und Tempel; von der Mauer des Passes (501 m) *Aussicht
auf die Große Mauer (S. 296). Hier fanden am 28. und 29. Okt. 1900
Gefechte deutscher Truppen unter Major v. Förster statt. (Von
Hsi-ling bis Tze-ching-kuan und zurück sind 40 km, also eine
anstrengende Tagestour; nur mit Pony, den man aus Peking mitbringen
muß.)
Die _=Hauptlinie=_ läuft von Kaopeitien über (92 km) _Tinghsinghsien_
und (122 km) _An-su-hsien_ nach (146 km) =Paotingfu= [_Báu-ding-fu_],
Hauptstadt der Provinz Tschili, mit 80000 Einw.; die Stadt ist seit 1402
mit Mauern umgeben und hat seit 1901 eine Universität.-- Eisenbahn
weiter über (178 km) _Wangtuhsien_ nach (262 km) =Tschöngtingfu=
[_Dschĕng-ding-fu_], einer großen, mit Mauern umgebenen Kreisstadt,
Sitz eines Bischofs der katholischen Lazaristenmission und des
sehenswerten Klosters _Tafouo_, erbaut 586, mit großem bronzenen
Buddhastandbild, einer großen Gebetmühle, sehr alten Wandgemälden und
einem Standbilde der Göttin der Fruchtbarkeit.
=Zweigbahn.= Von Schikiatschwang bei Tschöngtingfu führt eine
schmalspurige Gebirgsbahn (_Cheng-Tai Railway_) durch den Südzweig
der Großen Mauer in etwa 1000 m Paßhöhe und durch die malerischen
Landschaften des unwegsamen Taihangschan über _Pingtingtschou_ (950
m) und _Schouyang_ (1480 m) nach (243 km) =Taiyüenfu= (930 m), mit
etwa 250000 Einw., am Fönnho, einem Nebenfluß des Hoangho, am
Nordrand eines fruchtbaren, lößerfüllten Talbeckens, Hauptstadt der
Provinz Schansi, mit berühmten Unterrichtsanstalten,
Kunststickereien, Weinbau und Waffenfabriken.
Die =Provinz Schansi= enthält gewaltige Eisen- und Kohlenlager, die
aber aus Mangel an Verkehrsmitteln noch fast nicht ausgebeutet
werden können; auch der Ackerbau steht wegen der hohen Meereslage
nicht sehr in Blüte. Trotzdem wohnen in Schansi die reichsten Leute
Chinas, da seine Bewohner den Warenaustausch zwischen Südchina und
der Mongolei vermitteln (eine wichtige Handelsstraße, auf der
unaufhörlich Kamel- und Maultierkarawanen mit Salz, Tabak, Mehl etc.
verkehren, durchzieht die Provinz von N. nach S.) und dadurch einen
sehr regen Handelsgeist erworben haben; sie leben daher in ganz
China als Bankiers (Angehörige der »Schansigilde«) und kehren später
als reiche Leute zurück. Landschaftlich ist die Gegend von
Taiyüenfu schon richtiges, gelbes Lößland.
Die _=Hauptlinie=_ fährt von Tschöngtingfu über _Schuntöfu_, eine alte,
mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) _Tschangtöfu_ und
_Weihweifu_, kreuzt bei (614 km) _Hsinhsiang_ die Bahnlinie von Taokou
nach _Tsinghua_, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe
vor (694 km) _Tschöngtschou_ (_Chengchow_) den _Hoangho_, der auf einer
2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die
Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu (_Pienlo Railway_
genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [_Central
Trunkline_], die ostwärts nach Tschinkiang [S. 255], westwärts über
Tschöngtu [S. 263] und Suifu [S. 263] bis Yünnan geführt werden soll).
Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb
zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen
wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen
berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo
am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen
Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des
Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser
setzend.
=Abstecher nach Honan und Kaiföng.= Von Tschöngtschou auf der
Piënlo-Eisenbahn _=westwärts=_ am Nordrande des bis 2665 m hohen
Gebirges _Sungschan_ entlang über (20 km) _Yungtsō_ und (60 km)
_Kunghsien_ nach (120 km) =Honanfu= (165 m), am Loho, dem r.
Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher _Loyang_
genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und
Grabmäler alter chinesischer Kaiser. -- Von Tschöngtschou
_=ostwärts=_ führt die Piënlo-Linie über (30 km) _Tschungmou_ nach
(60 km) =Kaiföng= (_Piëntschöng_), Hauptstadt der reichen,
fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho
in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der
40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die
Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große
Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl.
Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat
zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden
(chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele
Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel
mit Getreide und Salz.
Über (901 km) _Tschumatien_ und _Hsinyangtschou_ (von hier
Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S. 275] im
Bau) tritt die Bahn in das Gebirge _Hwaiyangschan_, in dessen Granit sie
auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein
350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km)
=Hankau= (vgl. S. 259).
15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn über Charbin
nach Wladiwostok, Dairen und Peking.
Vgl. die Karten bei S. 301, 215 und 271.